Dr. Pingel´s Miniaturen

  • 86. Sich um Kopf und Kragen reden


    Wahl der DFB-Spitze in Bonn (März 2022). Nach der Wahl des Präsidenten erfolgte die Wahl der Vizepräsidenten. Geschäftsführender Präsident war Vizepräsident Rainer Koch, der dieses Amt gerne behalten wollte. In einer Rede wies er auf seine Erfolge hin, außerdem stünden alle süddeutschen Verbände hinter ihm. Dann bat er darum, ihn zu wählen. Er schloss mit der Aufforderung: wenn man ihn schon nicht wählen wolle, solle man sich der Stimme enthalten. Höhnisches Gelächter und Abwahl waren die Quittung!

    Das Steak beim Discounter ist nun alarmgesichert (Fifty/Fifty, Düsseldorfer Obdachlosenzeitung)

  • 87. Mexikanischer Fußball

    1. Der mexikanische Torwart - Gedicht von Robert Gernhardt (selbst nachschlagen)

    2. Adolfo

    Adolfo ist ein 10jähriger Junge aus einer kleinen Stadt in Mexiko. Er spielt Fußball und ist Anhänger der 1. Mannschaft des Vereins. Er besucht mit seinem Vater ein Heimspiel, bei dem Hooligans des eigenen Vereins die Anhänger des Gegners brutal angreifen. In dem Tumult gerät er an ein junges Mädchen aus dem gegnerischen Verein; er zieht rasch sein Trikot in den Vereinsfarben aus und gibt es ihr und beschützt sie damit.

    3. Pingel´s Traum

    Ich spiele Fußball in einer sehr unterklassigen Mannschaft (allerdings gibt es eine so niedrige Klasse, in der ich mitspielen könnte, im realen Leben nicht). Der Trainer kommt und verkündet, dass wir in zwei Wochen hier gegen die mexikanische Nationalmannschaft spielen. Ich meckere und sage: "Da verlieren wir doch 120:0!" Darauf der Trainer: "Gut, du spielst nicht mit, dann verlieren wir nur 110:0!"

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  • 88. Plötzlich Milliardär

    Leider nicht in Euro.

    Jeder weiß, dass Antibiotica die Bakterien töten, die Entzündungen verursachen. Ein unangenehmer Kollateralschaden ist der, dass auch die nützlichen Darmbakterien auf der Strecke bleiben und Verstopfung der Preis ist. Aber es gibt Hilfe. Man kauft in der Apotheke kleine weiße Tütchen mit einem weißen Pulver, 5g schwer. Damit ist man Milliardär.

    Die Tütchen enthalten 5 Milliarden vermehrungsfähige, wissenschaftlich erforschte Darmbakterien, die den Darm wieder in Schwung bringen. Es handelt sich um Lactobazillen, z.B. der Lactobacillus rhamnosus oder der Bifidobacillus longum.

    Zwei Fragen: wie passen die alle in 5g Pulver? Wie haben die Wissenschaftler die gezählt?

    Einem ist es egal - meinem Darm!

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  • 89. Titanic 2022


    Hier handelt es sich nicht um ein Schiff, sondern um unsere Buchkultur, die mit einem Eisberg populärer Bücher zusammenstößt, der erfolgreich ist, was aber schon seine einzige Qualität darstellt.

    Dass niemand mehr Fraktur lesen kann, kann ich verstehen, das wird ja auch nicht mehr gedruckt. Aber vorgestern: der Schock.

    Es gibt in einem Vorort irgendeiner Ruhrgebietsstadt einen kleinen Feinkostbuchladen, der zudem exzellente Beratung und ebensolchen Service liefert und darum seit fast 20 Jahren sehr erfolgreich ist. Ich hatte ein schönes Buch bestellt, das ich empfehle: das neueste Buch des Holländers Maarten ´t Hart, der von einem Orgelstimmer handelt, "Der Nachtstimmer". Anschließend sah ich mich um, um noch einen schönen Klassikband mitzunehmen, also Goethe, Schiller, Fontane, Raabe, Stifter, Keller, Brecht, Döblin, Fallada, Thomas Mann, Grass, Böll, Walser....

    Nicht nur kein einziges Buch dieser Autoren war vorhanden, sondern überhaupt keins aus der Klassik. Der Inhaber bestätigte, dass Klassik nicht verlangt würde, sondern natürlich bestellt werden könne.

    Ein Mann kommt in eine Buchhandlung und sagt: "Ich hätte gerne Goethes Werke." Der Buchhändler: "Welche Ausgabe?" "Da haben Sie eigentlich auch wieder recht", meint der Kunde und geht wieder.


    PS. Dass ich nach Böll, Grass, Walser gesucht hätte, ist natürlich gelogen.

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  • 90. In vollen Zügen genießen - das 9€-Ticket


    Vor einiger Zeit gab es in einer indischen Stadt eine verheerende Rattenplage. Die Stadt erließ daraufhin eine Verfügung, dass man tote Ratten gegen einen kleinen Obolus abliefern sollte. Die Sache war erfolgreich, aber nicht im gewünschten Sinne. Die Leute begannen, Ratten zu züchten. Schlaue Soziologen (und es gibt nur schlaue) nennen das Kontraproduktivität, das bedeutet, dass eine bestimmte Sache an ihrem Erfolg scheitert.

    Der offizielle Sinn des 9€-Tickets ist der, dass man den Menschen die Schönheit, Bequemlichkeit und Sicherheit des ÖPNV nahebringt. Was aber lernen die Menschen in Wirklichkeit?

    1. Sie lernen, dass die Bahn und der restliche ÖPNV unpünktlich, voll und unbequem sind, dass auch Anschlüsse reiner Zufall sind.

    2. Im September, wenn wieder normale Preise gelten, lernen sie, dass der ÖPNV unfassbar teuer ist.

    In meiner Heimatstadt Mülheim kostet ein Viererticket "nur" 11€. Damit kann ich ganze zwei Mal in die Innenstadt und zurück fahren. Also Deutschland oder Innenstadt.

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  • 91. Potemkinscher Bahnhof für die Queen


    Im Moment wird zum Anlass des 70jährigen Thronjubiläums der Queen alles herausgeholt, was es an filmischen Zeugnissen gibt.

    Im Jahre 1965 gab es einen spektakulären Besuch in Deutschland, in NRW, besonders in Düsseldorf. Jeder hier weiß, dass Holger und ich im Schlossgymnasium (in einem der Seitenbauten, in dem früher die 1PS-Fahrzeuge untergebracht waren). zur Schule gegangen sind. Für mich gibt es keine Gedenktafel, bei Holger bin ich mir nicht sicher.:untertauch:

    Ganz Benrath war festlich geschmückt. Ich elbst war nicht da, aber bei früheren Staatsbesuchen in Benrath wurden wir mit Fähnchen an die Straße gestellt. So durfte ich dem äthiopischen Kaiser Haile Selassie zuwinken (vielleicht ist ja der Fußballer Gebre Selassie, der bei Werder Bremen gespielt hat, ein Nachfahre).

    Die Queen und Prince Philip kamen aus Köln mit der Bahn. Der Zug hielt im Benrather Bahnhof. Man hatte den schäbigen Bahnhof schön angestrichen, aber nur die Teile, die die Queen sehen konnte. Die Vermutung, dass hier eine russische Crew am Werke war, ist nur ein Gerücht.

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  • 92. Dr. Pingel in Elmau


    Keine Angst, es war nicht beim ersten Elmau-Gipfel und auch nicht beim jetzigen. Elmau war ohne Politiker immer ein Tempel der Ruhe, des Geistes, vor allem auch der Musik. Ich war nur einmal da (90er), aber erinnere mich an einen tollen Klavierabend mit Detlef Kraus. Die Musiker wohnten meist kostenlos, wenn sie spielten. In einem Nebenhaus logierte immer Johannes Rau mit seiner Familie und spielte Tag und Nacht Skat.

    Das Essen war sehr gut, man wurde jedes Mal an einen anderen Tisch platziert, um die anderen Gäste kennenzulernen. Die Bedienungen hießen nach Schweizer Sitte "Saaltöchter"; sie waren keine Kellnerinnen von Beruf, sondern "höhere Töchter", die hier etwas lernen sollten. Einmal pro Woche hatten sie einen freien Abend, dann sollten die Gäste die Bedienung übernehmen, jeder für einen Tisch mit 10 Personen. Da war ich natürlich dabei. Nach einer ausführlichen Instruktion wurden wir dann auf unsere Gäste losgelassen. Es war gar nicht so einfach, die Augen waren gefordert, damit man rechtzeitig sah, was zu erledigen war. Die Mitgäste waren amüsiert und es gab viel Gelächter. An meinem Tisch allerdings gab es eine gut betuchte (in doppeltem Sinn) Dame, die heftig an mir herumkritisierte. Ich bin sonst friedlich, aber diesmal herrschte ich sie an: "Ich bin Gast wie Sie! Wenn Ihnen das nicht passt, wechseln Sie und ich jetzt die Plätze. Sie kriegen meine Schürze und Sie servieren hier. Und machen Sie ja keine Fehler!" Alle lachten, und auch die betroffene Dame lachte mit und entschuldigte sich. In dieser heiteren Stimmung ging es dann weiter. Wir haben uns in den Tagen danach immer freundlich gegrüßt.

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  • 93. Butt Call - Alexa Call


    Über das Telefonieren mit dem Handy gibt es den USA neue Wörter. Das Handy heißt in den USA "mobile phone". Es gibt Menschen, die demonstrativ ihre Wichtigkeit kundtun durch lautes, demonstratives Telefonieren. Das heißt "Stage Phoning" (stage- die Bühne). "Butt Call" ist jeder nicht beabsichtigte Anruf, den man unversehens aus löst, z.B. indem man sich auf das Gerät draufsetzt (butt ist Hintern).

    Ich habe ein Handy, bei dem sich unbestellt manchmal Alexa meldet. Neulich lag ich auf dem Sofa, unterm Kopfkissen das Handy, als ich eine fremde Stimme hörte. Bauchreden konnte ich noch nie, ich hatte Alexa per Kopfdruck ausgelöst.

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  • 94. Der Kunde: König oder Bettler


    Man muss schon sagen, dass der Service heute besser ist. Das war nicht immer so. Hinhalten, Verzögern, Rechte missachten war bei vielen Firmen gang und gäbe. Im Extremfall hat manchmal folgendes Schreiben gewirkt.

    An jemand in dieser Firma, der...

    1. ... lesen kann

    2. ... der deutschen Sprache mächtig ist

    3. ... schon mal davon gehört hat, dass der Kunde König ist

    4. ... weiß, dass Kunden die fatale Eigenschaft haben, bei schlechtem Service abzuwandern.

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  • 95. Ich war ein Mondkrater


    Irgendwoher hatte ich eine Karte, aus der ein Ausschnitt aus einer Mondkarte zu sehen ist. Die großen Ebenen heißen meist "Mare" (z.B. mare tranquillitatis), die kleineren Krater daneben bilden mit ihren Namen die europäische Kulturgeschichte ab. Russen sind relativ selten, aber vielleicht gibt es demnächst einen Putin-Krater, wobei man nicht hoffen sollte, dass der durch eine russische Rakete mit Putin drin verursacht werden wird.

    In meiner Schulzeit war ich Mitglied der Theatergruppe, die einer der wenigen netten und kompetenten Lehrer leitete und die in Düsseldorf großes Ansehen genoss. Mein erstes Stück war "Das Wintermärchen" von Shakespeare, ein wunderbares Stück, leider wenig bekannt. Dauer 4 Stunden - wir alle kannten fast den ganzen Text, auch den der anderen Rollen.

    Im ersten Teil ist es ein Drama um Eifersucht und Verbannung, im 2. Teil eine Burleske mit endlich einer märchenhaften Versöhnung. Die Burleske spielt im Bauern- und Schäfermilieu und hat einen liebenswerten Gauner, der alle betrügt und alle unterhält. Dieser Gauner war ich - bei Shakespeare heißt er Autolycus ; besonders den Mädchen Mopsa und Dorcas hat er es angetan.

    Was sehe ich auf der Mondkarte? Einen Krater Autolycus!


    Nachtrag: Der Planet Uranus hat 27 Monde, die fast alle Namen aus Shakespeare-Stücken haben; das "Wintermärchen" ist mit "Perdita" auch dabei. Im Internet gibt es alle Einzelheiten.

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