Andrea Padova - ein Italiener mischt Bach durch die Hintertür auf

  • Auf die Gefahr hin, dass mir dieser Name als bereits erwähnt im Tamino-Forengestrüpp entgangen ist, möchte ich eine Lanze für diesen fabulösen Pianisten (nebenbei Laureat des internat. Klavier-Wettbewerbs „J.S.Bach“ Saarbrücken/1995) brechen: Seine beiden J.S. Bach-CD’s (beide bei Stradivarius erschienen) zeichnen sich einerseits durch Reperoire-Originalität aus (wo findet man sonst alle Bach-Fantasien zusammen?), wobei die Frühwerke aus der Ohrdrufter Zeit – über die viele Bach-Afficionados oft nur hochmütig die Nase rümpfen, weil angeblich „unreife“ Frühwerke (sic!) – nicht zu kurz kommen. U.a. sei hier die meisterhafte, weniger als 1 Minute dauernde Fantasie in c-moll (BWV 919) erwähnt, deren ungestümer „Drive“ echten Ohrwurm-Charakter hat: Das ist in der Tat „jugendlich“, aber im besten Sinne! Die Suiten BWV 823 + 832 sowie die bezaubernden Ouverturen BWV 820 + 822 stehen dem in nichts nach; zudem hat es auf beiden CD’s echte J.S. Bach-Trouvaillen, deren angeblich apokrypher Charakter von Andrea Padova himself in seinem blitzgescheiten CD-Kommentar ins rechte Licht gerückt wird und der sich so wohltuend von den üblichen Hagiographien „wohlmeinender“ CD Kommentar-Schreiberlinge unterscheidet.


    Zum zweiten ist Padova’s Spiel zwar präzise und dennoch zugleich so federnd-elastisch, dass dies mich stellenweise an die mediterrane Klarheit seiner Kompatriotin Maria Tipo (deren Bach- und Scarlatti-Spiel ebenfalls diese unerträgliche Leichtigkeit des Daseins an den Tag legt) erinnert: Die attacca-ähnliche Manier, mit der er z.B. die bekannte a-moll-Fantasie BWV 922 „kommen“ und geschmeidig wieder „gehen“ lässt, habe ich in dieser geschmacklichen Vollendung nur noch bei Andreas Staier gehört. Bach-Pianisten, zieht Euch warm an!


    Was seine Einspielung der Busoni/Bach-Transkriptionen (ebenfalls bei Stradivarius erschienen) taugt, kann ich nicht beurteilen, weil ich mir diese m.E. schwülstigen Ergüsse nicht antue (damit will ich niemandem auf die Füsse treten, aber ich bin nun mal eher fürs Original!).


    Leider glaubte Signore Padova, auch im Crossover-Gebiet Flagge zeigen zu müssen und gab eine „Landscape in Motion“ CD-Elaboration heraus, die ich – diesbezüglich vermutlich unverbesserlicher Ajatollah und gnadenlos rückständiger Gralshüter; mea culpa) ebenfalls grossräumig umfahren habe. Ich lasse mich aber gerne eines Besseren belehren, falls Taminos mir hier argumentativ aufhelfen!

  • Hier - mit einiger Verspätung - die entsprechenden Cover zum obigen Artikel - mich wundert, daß die nicht gleich eingefügt wurden.



    mit freundlichen Grüßen
    aus Wien
    Alfred

    Der Weg zur Hölle ist mit guten Vorsätzen gepflastert