Beiträge von Melomane

    So weit ich mich erinnere, hat Hans Neuenfels nicht Übertitel explizit für "Idomeneo" abgelehnt, sondern eine lange Zeit lang Übertitel generell, weil er nicht wollte, dass der Focus des Zuschauers vom Bühnen geschehen weggeht. Das hat er sich sogar einige Zeit lang in seine Verträge schreiben lassen. Darum waren auch lange die Neuenfels-Inszenierungen der Verdi-Opern an der Deutschen Oper als einzige fremdsprachige Opern nicht übertitelt. Inzwischen musste auch er sich den Gesetzen des Marktes beugen, da Übertitel heute zum internationalen Standard gehören. Seine letztjährige Salzburger "Pique Dame" war natürlich übertitelt, seine Münchner "Manon Lescaut" ebenso.

    Meine Frage, welcher Einzelbeitrag von mir (in welchem Zusammenhang?), wie von Melomane behauptet, von der Moderation gelöscht wurde, ist, wie nicht anders zu erwarten, ohne Antwort geblieben. Aber keine Antwort ist bekanntlich auch eine Antwort!

    So ist das nicht, ich wollte nur nicht weiter hier Öl ins Feuer gießen, nachdem hier etwas Frieden eingekehrt war. Aber da du derart offensiv darum bittest, kann ich dir gerne noch mal auf die Sprünge helfen:

    Ein Beitrag, wo ich es sicher weiß, dass er von einem Moderator gelöscht wurde, ohne dass der ganze thread mitgelöscht wurde, ist der bereits oben erwähnte Beitrag, in dem du "Stimmenliebhaber" aufgrund seiner DDR-Herkunft verhöhnt hast und ihm unterstellt hast, dass er bei Erich Honecker persönlich gelernt hätte. Einen Link zum entsprechenden Beitrag kann ich leider nicht liefern, eben da der Beitrag gelöscht wurde (wahrscheinlich wurde er von "Stimmenliebhaber" oder jemand anderen einem Moderator gemeldet, der dann entsprechend reagiert hat), aber jeder, der dieses Forum aufmerksam liest, wird sich noch gut an diesen abstoßenden, verunglimpfenden Beitrag erinnern.

    So, und das war jetzt mein letzter Beitrag in diesem wirklich höchst überflüssigen thread!

    Und wenn man schon in Belgien ist, dann lohnt sich die Weiterreise in die französische Hauptstadt, wo die Opéra national de Paris gerade das selten gespielte Oratorium "Il Primo Omicidio ovvero Caino" des Barockmeisters Alessandro Scarlatti in einer szenischen Umsetzung zeigt:


    https://www.operadeparis.fr/sa…-19/opera/ilprimoomicidio

    Das Werk erfährt ja gerade eine wahre Renaissance: In der kommenden Saison wird es nicht nur an der Staatsoper Berlin (Übernahme der Castellucci-Produktion aus Paris) sowie am Aalto Theater Essen in einer Neuinszenierung (Dietrich W. Hilsdorf) gezeigt.

    Ich frage mich aber, woher Du das Recht nimmst, meine Ansichten als "Entgleisungen" zu qualifizieren. Das klingt verdächtig nach Zensur! Willst Du das Grundrecht auf Meinungsfreiheit in Frage stellen? Ich entsinne mich nicht, jemals irgendetwas geschrieben zu haben, was nicht der "freiheitlich-demokratischen Grundordnung" entsprochen hätte. Im übrigen habe ich seit Monaten kein einziges politisches Statement hier abgegeben, gemäß der Forenregel, die damals noch etwas lockerer gehandhabt wurde.


    Nun machst du es dir etwas zu einfach: Deine Beiträge mit - aus meiner Sicht - unsäglichen und in einem Klassikforum völlig deplatzierten politischen Inhalten wurden ja nicht von mir, sondern von den Moderatoren dieses Forums gelöscht, und zwar allein deswegen, weil sie den Forenregeln widersprochen haben. Ich habe das damals sehr begrüßt, nicht weil ich gegen Meinungsfreiheit bin, sondern weil ich für die Einhaltung der Forenregeln bin, die vorsehen, dass politische Themen hier nicht behandelt werden dürfen. Dass du deine politischen Ansichten an anderer Stelle loswirst, will und kann ich keineswegs verhindern, allein deswegen nicht, weil sie mich nicht interessieren. Wenn ich jedoch Beiträge in einem Klassikforum lese, will ich politische Einlassungen nicht lesen. Das hat also nichts mit Meinungsfreiheit zu tun, sondern damit, was in einem Klassikforum seinen Platz hat und was nicht.


    Ich möchte aber einige Vorwürfe nicht so im Raum stehen lassen:

    Erstens fühle ich mich nicht als "verfolgte Unschuld", sondern ich habe mich lediglich gegen ungerechtfertigte Beleidigungen zur Wehr gesetzt.

    Ich halte das für Fake News: Im thread zu Kurt Böhme hat dich niemand beleidigt, dir ist lediglich in der Sache widersprochen worden. Die Formulierung "sich aufführen wie Rumpelstilzchen" ist keine Beleidigung, weder vor dem Gesetzgeber noch vor den Moderatoren dieses Forums, die an diesem Beitrag nichts zu beanstanden hatten. "Selbstverliebter Egomane" oder "menschliche Null" hingegen ist eine Beleidigung, ob sie justiziabel ist, müsste man im Einzelfall prüfen lassen.


    Was "einige vergangene Diskussionen" angeht, so bitte ich darum, mir zu sagen, wann, wo und wie ich ein Forumsmitglied persönlich angegriffen oder gar beleidigt hätte. Ich habe, wie ich mich sehr genau erinnere, nur auf Angriffe entsprechend reagiert, nach dem Motto: Wie man in den Wald ruft, so schallt es heraus. Ich war in meinem langen Arbeitsleben für meine ausgleichende Art so bekannt, daß man bei meinem Abschied sogar Assoziationen zu meinem Namen hergestellt hat (den ich aber hier außen vor lasse).

    Ich kann mich sehr gut erinnern, dass du eben diesen User "Stimmenliebhaber" vor einigen Monaten persönlich diffamiert hast, indem du auf seine DDR-Herkunft angespielt hast und behauptet hattest, er hätte bei Erich Honecker persönlich gelernt. Glücklicherweise wurde dieser Hetz-Beitrag von einem der Moderatoren, die hier einen guten Job machen und keineswegs überfordert sind, wie du in deiner Mail an den Forenbetreiber suggerierst, gelöscht.

    "Persönliche Verunglimpfungen", die von einigen Usern "Stimmenliebhaber" gerne vorgeworfen werden, lese ich übrigens vor allem in "nemorinos" Austrittserklärung: "selbstverliebeter Egomane", "menschliche Null"...

    Ich habe den entsprechenden thread zu Kurt Böhme noch einmal vollständig durchgelesen und dort - wie ganz offensichtlich die Moderatoren dieses Forums auch - keinen zu beanstandenden Beitrag des Users "Stimmenliebhaber" gefunden. Dass sich "nemorino" als verfolgte Unschuld darstellt, von mir aus, aber ich sehe da keinen Anlass zu, insbesondere, da ich mich an einige vergangene Diskussionen erinnere, in denen er sehr gut ausgeteilt hat. (Viele seiner Entgleisungen insbesondere im politischen Bereich wurden glücklicherweise durch Moderatoren gelöscht.)

    "Stimmenliebhaber" ist für mich ein absolut unverzichtbares Mitglied dieses Forums, weil er sowohl mit Kompetenz als auch mit Herzblut schreibt. Eine Sperrung fände ich völlig unangebracht, zumal ja sowohl der Forenbetreiber als auch die Moderatoren an den entsprechenden Beiträgen vor ein paar Tagen nichts zu beanstanden hatten und das ganze erst jetzt durch "nemorinos" Austritt hochgekocht wurde.

    Im übrigen würde ich es auch nicht überbewerten, dass in diesem Thread diejenigen User gegen "Stimmenliebhaber" argumentieren, die schon häufig mit ihm über Kreuz lagen. Ein Fachforum muss Streitigkeiten in der Sache aushalten, sofern sie auf der Grundlage von Kompetenz geführt werden. Und für diese steht "Stimmenliebhaber" wie kein zweiter.

    Allerdings fehlte dann in der folgenden Szene mit Jago doch Einiges: die Unbeherrschtheit, der zur Raserei der 'Sangue!'-Rufe gesteigerte Jähzorn, der Furor, die Unbedingtheit! Im Duett am Ende des zweiten Aktes konnte sich seine Stimme dann auch nicht wirklich gegen die Jagos behaupten.

    Im dritten Akt war der Mangel an sing-darstellerischer Gestaltung dann eklatant. Keine Frage: es gab prachtvolle Töne, sehr schön gesungene Phrasen - aber der Figur des Otello und ihr Schicksal wurden kaum glaubhaft. Dafür entschädigte dann ein sehr weich und empfindsam gesungener Tod in vierten Akt. Da ahnte man etwas von dem Leiden und dem Elend dieses Menschen...

    Zunächst einmal herzlichen Dank für die ausführliche Stellungnahme zu Soghomonyan, die ich mit Interesse gelesen habe.

    Auch ich war am Sonntag im Konzert und fand es unter dem Strich keine gute Idee, dem jungen Mann zu so einem Anlass diese Partie anzuvertrauen, die ein Gipfelpunkt für jeden Tenor darstellt. Die gestalterischen Mängel waren eklatant, das mag vielleicht bei einem Debüt mit wenigen Proben nicht allzu sehr verwundern. ("Dio mi potevi scagliar" war gähnend langweilig ohne Farben und ohne Anteilnahme.)

    Was ich aber die viel interessantere Frage finde: Wie kann es sein - da deckt sich unser Eindruck völlig - dass man diesen Mann, der über eine riesige Stimme verfügt, neben Herrn Salsi, der auch beileibe kein vokales Feuerwerk abgebrannt hat, im Duett im zweiten Akt nicht hört?

    Ich erkläre mir das so, dass der Fachwechsel, der sicher perspektivisch seine Richtigkeit hat, noch nicht in dem Maße abgeschlossen ist, dass er insbesondere die Mittellage entspannt fluten lassen kann, so dass hier ein natürlicher Klang entsteht. Wenn man mal zurückverfolgt, seit wann der junge Mann das Tenorfach singt, ist das auch nicht sonderlich verwunderlich, dass die Lage, die vor nicht allzu langer Zeit für ihn passaggio war und nun Mittellage ist noch nicht ausreichend gesettelt ist. Mir ging es über weite Strecken so, dass seine Mittellage (anders als seine hervorragende Höhe) über weite Strecken einen fragilen Eindruck machte, einige Töne waren wacklig, viele zu tief.

    Ich kann es gut verstehen, dass der junge Mann ein anderes Fach ausprobieren will und auch den Otello mal singen will. Aber warum um Himmels willen mit den Berliner Philharmonikern und vor einem großen Publikum inklusive Übertragung in der Digital Concert Hall?!? Früher fanden heikle Debüts im geschützten Rahmen statt, jetzt muss so etwas im grellen Licht der Öffentlichkeit geschehen. Natürlich hört man bei Soghomonyan viel Begabung und auch eine individuelle Stimme heraus. Aber die Defizite waren für mich so eklatant, dass ich für diesen Anlass beinahe von einem Totalausfall sprechen würde.

    Mögen die dem reinen Zeitgeist Verfallenen doch denken wie sie wollen!

    Sehr großzügig von dir, dass du Leuten mit einer anderen Meinung als deiner zugestehst, dass sie denken dürfen, was sie wollen. Was sich mir jedoch nicht so ganz erschließt, ist, warum du dich dazu bemüßigt fühlst so eine generöse Erlaubnis für etwas auszusprechen, was eigentlich eine Selbstverständlichkeit darstellt. Ich dachte bisher immer, es wäre in einer freien Gesellschaftsordnung so, dass jeder denken darf, was er will. Ganz offensichtlich habe ich mich dabei aber geirrt und es bedarf einer Genehmigung von "Gerhard Wischniewski", um so zu denken, wie man mag. Wieder was gelernt!

    Aber sie haben ja noch eine Filiale am Karschhaus, das ist nicht weit. Die ist wohl noch da? Sonst gehe ich fast noch lieber zu Heinemann (Blumenstraße, Kö ist das Hauptgeschäft), das ist das andere Traditionscafe in Düsseldorf und ist vielleicht noch besser - wirklich exquisit, der Konditor! Da kann man auch wirklich sehr gut essen oder frühstücken.

    Ich glaube, dass es auch diese Bittner-Fiale nicht mehr gibt. Die in Meerbusch hingegen existiert noch.

    Klar, Heinemann ist eine absolute Institution, hoffen wir, dass sie uns noch lange erhalten bleibt.

    Ich persönlich trage jedenfalls noch schwer an der Schließung des Stern-Verlages vor ein paar Jahren, aber das ist ein anderes Thema.

    Vielleicht ist der Ochs eine K und K-Partie und kann nur mit östereichischem Charm und Lebensgefühl vollendet gesungen werden.

    Richard Strauss scheint da zumindest anderer Meinung gewesen zu sein, als er die Partie in der Uraufführung mit dem Pfälzer Carl Perron besetzte... Ich muss freimütig gestehen, dass ich mit derartigen Schubladen-Kategorisierungen herzlich wenig anfangen kann, zumal ich sie auch im konkreten Fall auch schon durchaus gegensätzlich erlebt habe: Als ich anfing, mir dieses Werk zu erschließen, habe ich den Ochs des Kölners Kurt Moll jedenfalls deutlich mehr genossen als die polternde Variante des Wieners Kurt Rydl...

    ... so gehe ich da insofern mit, als dass ich glaube, es ist zumeist keine gute Idee ist, einen (in diesem Falle ganz hervorragenden) Regisseur zum Intendanten zu machen. Da liegen die originären Aufgabenfelder vielleicht doch zu weit auseinander!

    Konwitschny war auch nie Intendant der Oper Leipzig, sondern lediglich Chefregisseur.

    Lieber Melomane,

    auf ihrer Webseite hat Josy Santos im Mai/Juni/Juli zahlreiche Vorstellungen. Insofern dürfte zumindest in diesem Zeitraum doch einges von ihr in Hannover zuhören sein.

    Ja, bekanntlich endet die Saison ja auch im Juli. Dann ist Sommerpause und ab der kommenden Spielzeit wird von Frau Santos in Hannover nichts mehr zu hören sein.

    An der Staatsoper Hannover dürfte jedenfalls für die junge Frau in naher Zukunft nicht mehr allzu viel kommen. Dem Vernehmen nach hat Frau Berman das gesamte Ensemble mit Ausnahme derjenigen, die sich bereits in der Unkündbarkeit befinden, im Rahmen des Intendanzwechsels nicht verlängert.

    An all das kann ich mich von meinem in dieser Inszenierung her (2015 oder 2016, ich hatte lange gewartet in der Hoffnung, dass mal regulär ein anderer Tenor übernimmt, aber diese Hoffnung erfüllte sich - vermutlich schon aus szenischen Gründen - nicht) noch sehr gut erinnern, weswegen ich auch kein zweites Mal reingehen werde.

    Eine einzige Vorstellung sang in dieser Inszenierung tatsächlich mal ein anderer Tenor, wenn auch nicht regulär, in einer Repertoire-Vorstellung (ich glaube, es war 2012 oder 2013) sprang ein damals noch relativ unbekannter Tenor ein: Andreas Schager.

    Wenn hier z.B. geschrieben wird, man möchte die Kunst genießen und nicht belehrt werden (ich meine dies jetzt ausnahmsweise einmal völlig wertfrei), mit welchem Recht erwarte ich dann von anderen (hier vorzugsweise unseren Kindern), dass sie sich durch Kultur bzw. dem Wissen darum herum belehren lassen sollen?

    Ein äußerst bedenkenswertes Argument, wie ich finde, das einmal mehr die kindische Verweigerungshaltung derjenigen offenbart, die behaupten, Kultur nur unter der Maßgabe zu konsumieren, dass sie dadurch keine neuen Erkenntnisse gewinnen. Jeder Mensch mit einer gewissen Offenheit wird durch ein theatrales Ereignis zum Reflektieren angeregt und das gilt selbst für den Fall, dass er dieses theatrale Ereignis für misslungen hält. Ganz selten ist ein Theaterabend (übrigens ganz unabhängig vom Stil einer Inszenierung) so, das es überhaupt keinen Aspekt gibt, über den es sich nachzudenken lohnt, es sei denn natürlich, man verbietet sich das Nachdenken von Vornherein. Warum das eine nachahmenswerte Haltung sein soll, hat mir bisher jedenfalls niemand plausibel machen können.

    Andererseits weiß man nicht, was ohne sie alles noch passiert wäre und wo wir heute ohne sie stehen würden. Für mich ist diese Aussage also keine ausreichende und überzeugende Begründung für eine quasi-nihilistische Haltung in dieser Frage.

    An dieser Stelle würde ich gerne einhaken und auf eine Begebenheit verweisen, dass mich persönlich sehr bewegt hat, als ich sie zum ersten Mal gelesen habe. In seiner Autobiographie "Mein Leben" schildert Marcel Reich-Ranicki, wie er und seine Frau Teofila nach ihrer Flucht vor der unmittelbar bevorstehenden Deportation aus dem Warschauer Ghetto bei einem arbeitslosen Schriftsetzer Unterschlupf fanden. Für diesen Mann war das Verstecken der beiden Juden mit einem hohen persönlichen Risiko verbunden, da dies bei einer Entdeckung für ihn die Todesstrafe bedeutet hätte. Reich-Ranicki versprach ihm für den Fall, dass er den Krieg überleben würde Geld und "revanchierte" sich auch noch durch eine zweite "Gegenleistung", nämlich indem er die in seiner Berliner Gymnasialzeit erlernten Geschichten aus deutscher und europäischer Literatur auf anschauliche Weise dem Schriftsetzer und seiner Familie erzählte. Reich-Ranicki verband dieses Erzählen, um am Leben zu bleiben, in der Rückschau häufig mit dem Scheherazade-Motiv aus Tausendundeiner Nacht.

    Egal, ob das jetzt Realität oder Legende ist, vermittelt dieses Beispiel aus meiner Sicht sehr gut, was Literatur als utopischer, ja humanistischer Bezugspunkt zu leisten im Stande ist. Auf Musik und bildende Kunst trifft dies aus meiner Sicht im gleichen Maße zu.

    Wer Lust hat, kann sich diese Begebenheit in folgenden Video-Beispielen noch einmal zu Gemüte führen:


    Hier ab 21:20


    Hier ab 32:00

    Maßstäbe (ich weigere mich, diese künstlerisch zu nennen) werden halt nur im Hinblick auf Kostüme und Kulissen angelegt.

    Diese Maßstäbe sind allerdings äußerst heterogen: Alles, was an anderen Häusern furchtbar und eine schlimme Verunstaltung wäre (ein "Trovatore" in der Gegenwart, eine Mimi, die auf einem Stuhl stirbt), ist in Liberec interessant, akzeptabel oder stört zumindest nicht weiter.

    :untertauch:

    Ich finde auch: Wenn die künstlerischen Maßstäbe so gelagert sind, dass die in diesem Video-Ausschnitt dargebotenen sängerischen Leistungen einer "Sternstunde" entsprechen, kann sich das Theater Görlitz in seiner künstlerischen Ausrichtung voll und ganz bestätigt fühlen, wenn der User "chrissy" eben diese künstlerischen Maßstäbe dort nicht erfüllt sieht. Aber das ist nur meine persönliche Meinung.

    Meine Bitte hat nur ein Ziel unnötigen Streit zu vermeiden.

    Meine Meinung dazu ist übrigens, dass eine gesunde Streitkultur auch im Bereich der Künste nicht das verkehrteste ist. Im Gegenteil: Ein Streit über einen Sänger, eine Inszenierung, einen Dirigenten ist für ein Diskussionsforum nicht lähmend, sondern beflügelnd, wenn ein gewisses fachliches Niveau von beiden Seiten gewahrt wird. Ich persönlich lese jedenfalls Diskussionen aus der Vergangenheit in diesem Forum wesentlich lieber, wenn unterschiedliche Punkte - auch durchaus zugespitzt - erörtert wurden als das ewige "Lieber XY, hier muss ich dir völlig zustimmen."

    Ich meine das umstrittene Duett, ein Stück in der Oper, wurde nun genügend von allen Seiten beleuchtet und diskutiert. Wir sollten diese Diskussion bitte beenden, sonst könnte der Verdacht entstehen, dass hinter der Penetranz, mit der das Thema weiterverfolgt wird, auch andere Motive und Absichten stehen könnten, so unter dem Motto: "Man schlägt den Sack und meint den Esel".

    Lieber "operus",


    sorry, aber bei allem Respekt muss ich leider anmerken, dass mir solche Versuche, eine m. E. sehr berechtigte Diskussion abwürgen zu wollen, gehörig auf die Nerven gehen. Eine Diskussion in einem öffentlichen Forum endet dann, wenn von keiner Seite mehr Diskussionsbedarf besteht und nicht, wenn ein User par ordre du mufti festlegt, dass jetzt Schluss ist.

    Die immer wieder geäußerte Befürchtung (in einigen Fällen auch Drohung), wenn die Diskussion weitergeht, habe User XY keine Lust mehr, weiter zu schreiben, zielt m. E. völlig am Kern vorbei. Ein Diskussionsforum ist ein Ort des Austausches, wo gegensätzliche oder übereinstimmende Meinungen aufeinander treffen. Entweder man hält gegensätzliche Meinungen aus, dann ist man in einem Diskussionsforum richtig aufgehoben oder man tut es nicht, dann bietet die Welt des Internets andere Möglichkeiten, sich zu verwirklichen, ein Blog zum Beispiel, wo man selbst kontrollieren kann, welche Standpunkte angezeigt werden und welche nicht.

    Ein Forum, das wie das "Tamino-Klassikforum" für sich reklamiert, ein gewisses fachliches Nievau auf dem Gebiet der klassischen Musik zu bieten, sollte jedoch verschiedene Standpunkte abbilden können. Im konkreten Fall würde ich sogar sagen, Widerspruch zur einseitigen Meinung des Autors muss gestattet sein, da ja jeder Mitleser die Qualität des Gesangs im Video nachhören kann. Würde die Meinung des Autors unwidersprochen dastehen, würde dieses Forum m. E. seine fachliche Integrität aufs Spiel setzen.

    Auch muss es notwendigerweise erlaubt sein, Widerspruch in der Sache zu äußern, wenn Meinungen eines Autors so eindeutig darauf abzielen, ein bestimmtes Haus hochzuschreiben und andere abzuwerten. Das ist durch den Starter dieses threads sehr häufig geschehen, sei es durch das Einstellen von Kritiken zu Aufführungen am Görlitzer Theater mit suggestiven Bemerkungen, obwohl die entsprechenden Aufführungen gar nicht gesehen wurden oder durch haltlose Behauptungen wie, dass es an der Semperoper kaum ernst zu nehmende Sängerleistungen gegeben habe.

    Ein Forum ist ein Ort des Austausches und dient nicht dazu, die einseitigen Vorlieben einzelner unwidersprochen auszustellen. Und darum sind sind kritische Beiträge dazu essentiell, wenn ein fachlicher Anspruch einer solchen Plattform, die sich ein Fachforum nennt, gewahrt werden soll.

    Ich finde es höchst erstaunlich, dass hier von einigen Usern, unter anderem solchen, die berufen sind, eine ganze Inszenierung anhand eines aussagekräftigen Farbfotos zu bewerten, behauptet wird, man könne eine Sängerleistung nicht anhand eines Videoausschnitts beurteilen. Das ist allerdings nachweislich falsch, man kann sehr wohl die erbrachte sängerische Leistung in diesem Ausschnitt bewerten, so es die technische Qualität des Videos zulässt. (Die ist zwar im vorliegenden Fall nicht prickelnd und sicher nicht dazu angetan, den Stimmklang beider Sänger authentisch wiederzuspiegeln, aber wie rein technisch und stilistisch gesungen wird, kann man sehr wohl nachvollziehen.)

    Natürlich wird hier niemand seriös prognostizieren wollen, wie die beiden Sänger die restliche Partie bewältigt haben, aber es muss erlaubt sein, zu bemerken, dass in diesem Video das Duett zwischen Luna und Leonora von beiden Interpreten schlecht und unzulänglich gesungen wird und dass beide enorme technische Schwierigkeiten haben, das in der Tat anspruchsvolle Stück überhaupt zu bewältigen.

    Hätte in der Rezension gestanden: "Den tollen Abend konnte auch ein etwas schwächeres Duett zwischen Luna und Leonora nicht trüben.", wäre das höchstwahrscheinlich noch immer Schönfärberei, würde aber immerhin der Realität etwas Rechnung tragen.

    Die vom Begründer dieses threads immer wieder vorgebrachten Superlative, die sich auch durchaus aggressiv gegen andere Häuser (Dresden) richten, kann ich persönlich vor diesem Hintergrund nicht ernst nehmen. Es ist der Versuch, einseitig Werbung zu machen und hat für mich mit ernsthaften, lesenswerten Aufführungsberichten nichts zu tun.

    Chrissy, lass dir den Mut, die guten Inszenierungen aus Liberec zu schildern nicht durch Leute nehmen, die alles das, was nicht an berühmten Opernhäusern in entstellter Form gezeigt wird, kleinreden wollen!

    Auch wenn es für dich ganz schwer vorstellbar sein sollte: im konkreten Fall hat sich gar niemand zur Inszenierung geäußert. Es ging die sängerischen Leistungen in einem hier eingestellten Video des Duettes zwischen Luna und Leonora. Und die waren so, dass da nichts kleingeredet werden musste, sondern dass jeder, der das Stück kennt und ein bisschen was von Gesang versteht, ganz einfach seine eigenen Schlüsse daraus ziehen konnte.

    Und hier Szene /Duett Leonora /Luna. Ein Live - Mitschnitt der Aufführung vom 23. März, bei der ich wieder dabei war:

    Jetzt bin ich aber ein bisschen verwirrt: Da ist im Bericht von Solisten zu lesen, die eine "großartige, hervorragende Leistung" vollbracht haben und im Video hört man eine über weite Strecken zu tief intonierende Leonora mit Luft auf der Stimme und einen bellenden Luna mit schwacher Höhe. Ganz offensichtlich muss es sich doch um einen Mitschnitt einer anderen Vorstellung handeln.

    Schade, was man aus dieser schönen Oper gemacht hat. Für diesen Klamauk wären mir Zeit und Geld zu schade!

    Mich persönlich interessieren Berichte von Aufführungen in 90 % aller Fälle sehr (Ausnahmen sind solche, die inhaltlich und formulierungstechnisch den vorangegangenen Berichten desselben Autors nahezu 1:1 gleichen), sie gehören für mich mit zum Wertvollsten, was so ein Forum leisten kann, was auch daran liegt, dass Repertoire-Aufführungen in der Presse kaum noch eine Rolle spielen. Was mich persönlich überhaupt nicht interessiert, sind Hypothesen, wer für was Geld ausgeben würde und wer nicht. Und ich finde es sehr schade, dass gelungene, plastisch geschriebene Aufführungsberichte in diesem Forum mit schöner Regelmäßigkeit durch solche langweiligen und uninteressanten Hypothesen verwässert werden und verstehe es aus diesem Grund sehr gut, dass nur sehr wenige hier Lust haben, über Aufführungen zu berichten.