Beiträge von Melomane

    MIR geht es vor allem darum eine Aufnahme zu BESITZEN.

    Das ist ja auch legitim, nur bist du damit nicht repräsentativ. Wenn selbst schon in diesem Elfenbeinturm (andere sagen auch Filterblase) eines vornehmlich von Herren in fortgeschrittenem Alter genutzten Klassilforums andere Einschätzungen zu diesem Thema vorliegen, wie soll das dann erst in der grausamen Wirklichkeit sein? Ich kann mir jedenfalls nicht vorstellen, dass die zukünftige Ausrichtung der Klassiklabels sich an die immer größer werdende Minderheit derjenigen, die gerne etwas besitzen oder in der Hand haben wollen anpassen wird. Da werden die Gesetze des Marktes ganz grausam zuschlagen und die Silberscheibe wird in mittlerer Zukunft zunächst aus den Geschäften und dann wahrscheinlich auch mehr und mehr aus dem kollektiven Bewusstsein verschwinden.


    In folgender Statistik kann man gut nachlesen, wie sich das in Deutschland in den letzten Jahren entwickelt hat:


    https://de.statista.com/statis…trie-absatz-von-cd-alben/



    Auch dieser Artikel ist aufschlussreich, danach liegt der Marktanteil der Streamingdienste in den USA mittlerweile bei 80 %. Deutschland hinkt da noch hinterher, aber auch dort sind es bereits 50 %, Tendenz steigend:


    https://www.deutschlandfunknov…engt-cd-player-immer-mehr

    Spotify: Da hab ich erst nachschlagen müssen was das überhaupt ist :hahahaha:

    Ich möcht mich über die Qualität des dort als Nutzer registrierten Menschenmaterials nicht äussern -jeder kann sich aber vorstellen was ich dazu zu sagen hätte....

    Das ist jedenfalls eine andere Qualität von Nutzern - speziell wenn ich mir die Daten des Pop Bereiches ansehe.....

    Nun ja, die Relation zwischen verkauften Popalben und verkauften Klassikalben klaffte schon immer sehr weit auseinander, dafür braucht es keine Streaming-Plattformen... Erstaunlich ist aber, dass du, obwohl du bis vor kurzem nicht einmal von der Existenz dieser Plattform wusstest, was schon für eine gewisse Abgeschiedenheit von der Welt spricht, doch genau über das "Menschenmaterial" dort Bescheid weißt. Ein ziemlich widerwärtiger Begriff übrigens, wenn ich das einmal anmerken darf.

    Ich habe mir mal spaßeshalber erlaubt, die Anzahl der monatlichen Hörer von verschiedenen klassischen Künstlern bei spotify zu überprüfen:


    Karajan: 2,2 Millionen

    Barenboim: 2,4 Millionen

    Lang Lang: 3,3 Millionen

    Levit: knapp 900.000

    Netrebko: 500.000

    Domingo: 1,3 Millionen

    Thielemann: 77.500

    Petrenko: 120.000

    Rattle: 1,9 Millionen

    Pavarotti: 3,1 Millionen

    Callas: 550.000

    Solti: 630.000

    Trifonov: 1,1 Millionen

    Bernstein 1,3 Millionen


    (Mal zum Vergleich: Justin Bieber hat 75 Millionen)


    Dass Karajan niemanden mehr interessiert, kann ich zumindest aus diesen Zahlen nicht herauslesen. Sein meistaufgerufener Titel ist übrigens der Donauwalzer.

    Auch der Renato in UN BALLO DE MASCERA (unter Solti, DECCA) ist kaum zu überbieten.

    Bruson war kein schlechter, keine Frage. Immer sehr gepflegt, aber auch immer etwas langweilig. Gerade für den Renato wünsche ich mir einen expressiveren Sänger, der die Gefühlszustände der Figur mehr auslotet. Und da komme ich bei Gino Bechi (unter Serafin), Tito Gobbi (unter Votto) und Robert Merrill (unter Toscanini und Leinsdorf) weit mehr auf meine Kosten.

    Bestimmt nicht Kirill Petrenko, der durch dieses Quasi-Monopol des Eigenlabels der Berliner Philharmoniker mit dessen eigenwilligen Veröffentlichungspolitik (inkl. seltsamen Formaten) m. E. eher ins Hintertreffen geraten ist.

    Na ja, ins Hintertreffen geraten ist Kirill Petrenko schon aus dem Grund nicht, weil er vor seiner Zeit bei den Berliner Philharmonikern so gut wie gar keine Aufnahmen vorlegelegt hat. Die Tatsache, dass Thielemann für so viele verschiedene Labels aufnimmt, zeigt doch, wie heterogen der Klassikmarkt in puncto Aufnahmen geworden ist. Die monopolartige Stellung einiger Labels ist vorbei, was auch daran liegt, dass Musik heute auf viel mehr Wegen an den Konsumenten gebracht wird als vor 50 Jahren. Und auch Herrn Thielemann ist es nicht gelungen, das zu ändern, allein aus dem ganz einfachen Grund, weil es nicht möglich ist. Und das meinte ich mit meinem Einwand gegen den seinerzeit vom Forenbetreiber gewählten Rubriktitel.

    Das ist ein offensichtlich gut recherchierter Artikel. Sehr interessant!

    Ich muss gestehen, dass mich der Artikel etwas ratlos zurücklässt. Wenn einige Rundfunkorchester sich offensichtlich nicht einmal des eigenen Auftrags bewusst sind, wie sollen sie dann über einen breiten Rückhalt beim Beitragszahler verfügen? Insbesondere in Zeiten wie diesen, wo die Debatte über die Erhöhung des Rundfunkbeitrags mit zum Teil so widerwärtigen Argumenten geführt wird, wie es aktuell der Fall ist?

    Auch ich hatte darüber berichtet, siehe nachstehenden Link, #38.

    Allen Menschen recht getan, ist eine Kunst, die niemand kann! - VOl 1

    Oh, da ging es aber sehr hoch her in diesem thread...

    Der Forenbetreiber hat ihn seinerzeit geschlossen, weil er seiner Ansicht nach der Reputation des Forums "in keiner Weise" nütze. (Die Ankündigung, ihn zu löschen, wurde freilich nicht umgesetzt.) Was ist jetzt genau deine Motivation ihn Jahre später wieder hochzuholen?

    Danke, lieber "Caruso41", für die interessante Besprechung. Vielleicht höre ich später mal in die Aufnahme rein. Der Threadtitel wirkt wie aus einer anderen Zeit... Ein besserer Beleg dafür, dass die Hoffnungen der Tonträgerbranche nicht erfüllt wurden (was freilich weniger an Thielemann als an der Branche selbst liegt und lag), als die Tatsache, dass Thielemann und die Sächsische Staatskapelle ihre Aufnahmen mittlerweile auf einem Independent-Label wie Hänssler herausbringen, dürfte sich schwerlich finden lassen...

    Auch hier gehört zur Wahrheit, dass "schwierig" heute etwas anderes bedeutet als früher. So wie ein Reiner oder Szell ihre Orchester behandelt haben, kann weltweit kein Orchesterleiter mehr mit Musikern sprechen. Warum es Thielemann nicht gelungen ist, von den Berliner Philharmonikern gewählt zu werden, obwohl er ohne Frage der bedeutendste deutsche Dirigent der Gegenwart ist, ist ein komplexes Thema. Das nur mit seiner Persönlichkeit zu begründen, würde meines Erachtens zu kurz greifen, obwohl der Pegida-Artikel, den er just in der Phase der Findung in der "Zeit" veröffentlicht hat, vielleicht den einen oder anderen Musiker dazu gebracht haben könnte, ihn nicht zu wählen. Die Hauptgründe dürften dennoch im künstlerischen Bereich liegen: Gerade nach Rattle, der in puncto Repertoireerweiterung und Vermittlungsprogrammen doch einen großen Schritt in Richtung Gegenwart gegangen ist, war die Mehrheit der Musiker offensichtlich nicht dazu bereit, wieder einen Schritt zurück zu gehen. Im Übrigen gilt Petrenko zwar als vergleichsweise freundlich, als "einfach" aber auch nicht.

    An spotify & Co denke ich einfach nicht. Bei den vielen LPs, CD, Tape-to-tapes, Compact-Kassetten und so weiter war ich noch nie auf die Idee gekommen, mir auch noch Streamingdienste ins Haus zu holen.

    Lieber Caruso41,


    das kann man so halten, ich muss aber gestehen, dass ich diese Herangehensweise für jemanden, der sich gerade auch für Neuaufnahmen interessiert für eine ein wenig kauzige halte... Und auch für eine auf Dauer nicht praktikable: Ich wage die nicht allzu kühne Behauptung, dass auch die großen Labels (bei kleineren ist das aktuell schon so) in fünf Jahren längst nicht mehr alle Neuerscheinungen auf CD pressen werden.

    Und das gelingt am besten, wenn man möglichst immer wieder drüber schreibt. :hahahaha:

    Mir scheint hier auch der Fall eines kulturellen Stockholm-Syndroms vorzuliegen... Selbst die größten Fans von Hans Neuenfels und wahrscheinlich nicht einmal er selbst dürften diese Bayreuther "Lohengrin"-Inszenierung so häufig erwähnen wie der User "Gerhard Wischniewski".

    Wenn das so ist, stimme ich Dir zu. Ich hatte bisher allerdings nicht diesen Eindruck, weil man doch zeitgenössische Werke auch heute regelmäßig auf den Spielplänen findet, einschließlich Uraufführungen. Ob diese vor 50 Jahren noch präsenter waren, kann ich nicht beurteilen.

    In den 50ern, 60er und auch 70er Jahren hat beinahe jedes große Opernhaus ein neues Werk pro Spielzeit uraufgeführt und - was beinahe noch wichtiger ist - ein weiteres zeitgenössisches Werk, das anderswo zur Uraufführung gelangt ist, nachgespielt. Heutzutage bringen die meisten großen Opernhäuser pflichtschuldig alle zwei oder auch drei Jahre ein neues Werk heraus, die Anzahl der nachgespielten zeitgenössischen Opern wird immer geringer. Das ist schon ein deutlicher Indikator. Die neue Musik ist ein Randbereich des Repertoires geworden, vor 50 Jahren war sie ein zentraler Repertoire-Baustein beinahe jedes großen oder auch mittleren Hauses.


    Übrigens würden mehr zeitgenössische Werke auch den Focus auf die Regie deutlich verringern. Wenn wir uns auf dem (Musik-) Theater nicht in einer derart krassen Rezeptionsspirale bewegen würden, wäre das Interesse an "neuen" oder "ungewöhnlichen" Sichtweisen auf ein Werk auch viel weniger stark ausgeprägt.

    Die Opernwelt ist doch heute um so vieles reicher als vor 50 Jahren.

    Da bin ich mir nicht so sicher. Zumindest war es damals ganz normal, dass zeitgenössische Werke in großem Umfang geschrieben und aufgeführt wurden. Diese Entwicklung ist sehr stark zurückgegangen und das ist für das Genre sicher kein Ruhmesblatt.

    Es wäre überaus großzügig, wenn die Anhänger des RT den Gegnern auch einmal das Vergnügen gönnen würden, eine Inszenierung nach deren Vorstellungen zu sehen.

    Und wer tut das nicht? Es gibt im Repertoire von jedem großen Opernhaus (also solche, die noch Repertoire spielen) noch alte, klassische Inszenierungen, die dem Geschmack von dir oder Gerhard entsprechen dürften. Ich kann mich nicht erinnern, dass hier jemand die Absetzung solcher Inszenierungen gefordert hätte.

    Ich finde es zumindest diskussionswürdig, ob die Ursache für das Verschwinden der Werke vom Spielplan tatsächlich nur außerhalb der Stücke zu suchen ist. Das Argument mit der mangelnden Beherrschung der deutschen Sprache in den meisten Ensembles ist mit Sicherheit ein Schlagendes, dem ich ohne weiteres zustimmen würde.

    Auf der anderen Seite ist ein Stück wie "Martha" in seiner Betulichkeit natürlich heute etwas aus der Zeit gefallen. Die temporeiche Affektgeladenheit vieler barocker Werke hingegen docken in unser visuell dominierten Zeit besser an. Wobei ich natürlich keineswegs ausschließen möchte, dass sich die Zeiten ändern können.

    In der aktuellen FAZ findet sich ein sehr ausführlicher Artikel über das Verschwinden der deutschen Spieloper aus dem gängigen Repertoire:


    https://m.faz.net/aktuell/feui…lotow-fehlt-17133223.html


    Der Autor spekuliert, dass in einer Post-Corona-Zeit wieder mehr Akzeptanz für das Biedermeierliche herrschen könnte und den Werken eventuell so der Weg zurück auf die Bühne gebahnt werden könnte. Ich muss gestehen, dass mir etwas der Glaube daran fehlt...

    Hättest Du Dir mal das Programm und die Rezensionen des Mindener TRISTAN (2012) angeschaut, würdest Du wissen, dass es sich bei 'Schlager' nicht um einen Tippfehler handelt!

    Ok, sorry, dann habe ich mich geirrt.


    In folgenden Rezensionen steht allerdings "Schager":


    https://onlinemerker.com/minden-tristan-und-isolde/

    https://mariellavequel.de/prod…/oper/tristan-und-isolde/


    ...und in dieser gar "Scharger":


    https://www.rondomagazin.de/artikel.php?artikel_id=1796

    Meines Wissens heißt der Tenor bürgerlich Schagerl, bei "Schlager" dürfte es sich um einen Tippfehler von "Caruso41" handeln.


    Einen guten Rutsch allen hier!


    P.S.: Habe Schager in Berlin zwei Mal als Tristan erlebt und ich muss sagen, ich habe selten einen einfältigeren und undifferenzierteren Interpreten in dieser Partie erlebt. Noch immer höre ich "Noch losch das Licht nicht aus..." vor meinem inneren Ohr und frage mich bis heute: Wie um Himmels Willen kommt man auf die Idee, an dieser Stelle zu brüllen? Wie?

    Ich würde "Caruso41" darin zustimmen, dass Künzli für das Hannoveraner Ensemble ein absoluter Glücksfall ist. Ich habe ihn (nicht nur dort) in den unterschiedlichsten Partien erlebt und war immer davon beeindruckt, welche Bandbreite er abdecken kann. Die Farbe seiner Stimme hat mich hingegen nie besonders angesprochen.

    Dem Vergleich mit Stephen Gould hält er aber meines Erachtens nicht stand. Gould ist ein absoluter Ausnahmesänger, das ist mir dieses Jahr im Februar noch einmal bewusst geworden, als ich ihn in Dortmund in einer konzertanten "FroSch" erlebt habe. Obwohl Gould stramm auf die 60 zugeht und er unzählige Tristane und Siegfriede gesungen hat, ist die Stimme auch in der Höhe absolut intakt geblieben.

    Ich möchte Künzli keinesfalls abwerten, wie gesagt, er ist ein Glücksfall für das Haus in Hannover, aber auf der anderen Seite ist es auch kein Hexenwerk, dass er eine solide, Gould hingegen eine Weltkarriere gemacht hat.

    Ich äußere mich banal einfach: Es muss Bayreuth würdig musiziert, gesungen und vor allem inszeniert werden.

    Der "Tannhäuser" bei den Bayreuther Festspielen 2019 wurde immerhin im Jahrbuch der "Opernwelt" zur Inszenierung des Jahres gewählt, fast alle mit denen ich gesprochen habe und die in der Ausführung waren, haben die Inszenierung als sehr eindrücklich beschrieben. Was genau muss sich also deiner Auffassung nach ändern?