Beiträge von Melomane

    Besonders überzeugt hat mich Agnes Baltsa in Karajans zweiter Studio-"Aida" von 1981, in der Rolle der Amneris.



    Agnes Baltsa hingegen singt nicht nur mit Leidenschaft und Feuer, sondern auch völlig frei bis in die höchsten Lagen. Damit übertrifft sie sogar ihre Vorgängerin in Karajans erster AIDA von 1959 aus Wien, Giulietta Simionato, die damals ihren Zenit schon leicht überschritten hatte. Ich halte sie für die beste aller mir bekannten Rollenvertreterinnen, wenn ich einmal von Fedora Barbieri absehe.

    Meines Wissens hat Baltsa die Partie ausschließlich in der Salzburger Produktion gesungen und danach wieder ganz schnell abgegeben. War keine so dumme Entscheidung, wenn man bedenkt, dass sie zwar immer eine sehr drahtige, jedoch nie besonders große Stimme besessen hat. Ihr natürliches Temperament hat ihr erlaubt, bis ins hohe Sängeralter eine überzeugende Carmen oder auch Isabella in der "Italienerin in Algier" verkörpern zu können. Eine herausragende Amneris war sie für mich nicht (wie ich die ganze Aufnahme für hochgradig misslungen halte) und offensichtlich hat sie das selbst ganz genauso gesehen, ansonsten hätte sie die Partie ja weiterhin gesungen.

    Mir ist die hochanspruchsvolle und mit schwierigen Koloraturen gespickte zweite Arie "Il mio tesoro intanto" um einiges lieber als die relativ einfach gestrickte erste Arie "Dalla sua pace". Zumindest die zweite Arie wegzulassen, stellt meiner Ansicht nach ein musikalisches Sakrileg dar. Die möchte ich bei Aufführungen des "Don Giovanni" nicht missen. Zu beachten ist indes, dass diese von Mozart erst für die zweite Fassung der Oper, die Wiener Fassung, komponiert wurde. In der Prager Ur-Fassung war die zweite Ottavo-Arie noch nicht drin.

    Genau andersherum: In der Prager Uraufführung gab es "Il mio tesoro" sehr wohl, hingegen nicht "Dalla sua pace". Letztere Arie wurde für Wien nachkomponiert, da der dortige Interpret des Ottavio, Francesco Morella, eine weniger koloraturreiche Arie wünschte.

    Lieber Melomane,

    die Zahlen aus der relativ neuen Bertelsmann Studie sprechen eine andere Sprache. Nur etwa zehn bis 15% der Absolventen eins Gesangsjahrgangs finden eine dauerhafte Anstellung im Chor oder als Solist an einem deutschen Musiktheater. Es werden immer noch zu viele Sängerinnen und Sänger ausgebildet.

    Richtig. Die Schuld daran liegt aber nicht bei den Theatern, sondern an den ausbildenden Institutionen. Die Gesangsausbildung an den meisten deutschen Musikhochschulen ist schlecht und praxisfremd. In Deutschland gibt es für gute junge Sänger genügend Arbeit, problematisch wird es eher für solche, die um die 40 sind und schon einiges an Erfahrungen haben, was heißt, dass sie teurer sind als ein junger Sänger. Da gibt es tatsächlich viele Sänger, die lange in einem Festengagement verbracht haben, vor dem Erreichen der Unkündbarkeit nicht verlängert werden und dann merken, dass der Markt nicht auf sie wartet. Das ist bitter, aber leider Realität.

    Wenn hingegen ein junger Sänger nicht einmal den Weg ins Erstengagement schafft, obwohl es nach wie vor über 60 solistische Musiktheaterensembles in Deutschland gibt, in denen zugegebenermaßen eine hohe Fluktuation herrscht, ist er schlicht und ergreifend nicht gut genug, um den Beruf ausüben zu können. Und da müssten sich vor allem die Musikhochschulen in Deutschland die Frage stellen lassen, warum die Quote derjenigen Absolventen, die tatsächlich in den Beruf gehen, so schlecht ist, während gleichzeitig in den USA, Südkorea oder dem Vereinigten Königreich viel bessere Arbeit in der Ausbildung geleistet wird, während - das ist das Paradoxe - dort nur ein kleiner Markt, der Sängerinnen und Sängern feste Arbeit bietet, herrscht, während in Deutschland durch die hohe Dichte der Theater der mit Abstand größte Markt für Sängerinnen und Sänger beheimatet ist.

    An Opernhäusern gibt es keine klassischen Ensembles und weitsichtige Intendanten und Kapellmeister, die aufstrebende Kollegen unter ihre Fittiche nehmen.

    Es gibt meines Wissens momentan in Deutschland kein einziges institutionalisiertes Opernhaus ohne festes Ensemble, nachdem der Versuch in Wuppertal, ausschließlich mit Gästen zu operieren, vor einigen Jahren krachend gescheitert ist. Ansonsten kann ich mit solchen Pauschalaussagen, dass es keine weitsichtigen Intendanten und Kapellmeister mehr gibt, sehr wenig anfangen. Sicher ist es richtig, dass sich das Ensemble- und Repertoiretheater in den letzten Jahrzehnten stark gewandelt hat, aber zu behaupten, junge Sänger könnten sich heute in Deutschland nicht mehr behaupten, halte ich für haltlos und äußerst despektierlich gegenüber der Arbeit, die sowohl an großen Repertoirehäusern wie Leipzig, der Deutschen Oper Berlin, Düsseldorf oder Mannheim auf der einen und zahlreichen mittleren und kleinen Theatern auf der anderen Seite geleistet wird.

    Der österreichische Dirigent Friedemann Layer ist am heutigen Sonntag, den 3. 11. 2019 im Alter von 78 Jahren einem Krebsleiden erlegen. Das Nationaltheater Mannheim prägte er von 1987 bis 1990 sowie erneut von 2007 bis 2009 als Generalmusikdirektor. Darüber hinaus war er als Gastdirigent an zahlreichen renommierten Opernhäusern tätig. Auch im Konzertbereich zeichnete ihn eine rege Tätigkeit und ein breit gefächertes Repertoire aus.


    https://www.morgenweb.de/mannh…-layer-_arid,1547086.html

    Ich verstehe die Empörung nicht: Wo ist denn der Unterschied zwischen dem, was Holger ankündigt bzw. für sich in Anspruch nimmt und dem, was hier andauernd passiert mit Einwürfen wie Würde ich mir nie anschauen, Ist mir mein Geld für zu schade, Gerne für den der es braucht, aber sicher nicht für mich etc. pp. - Klar, es ist immer blöd, wenn ein anderer das eigene Fehlverhalten formuliert und auf den Punkt bringt, aber - wie Gerhard immer wieder betont - steht ihr da nicht drüber?

    Der Unterschied ist doch ganz offensichtlich: "Gerhard Wischniewski", "La Roche" oder auch "chrissy" sind im Besitz der Wahrheit, sie kämpfen für die echten Werke und damit ist doch wohl klar, dass sich da jeder Widerspruch verbietet. Allen anderen, normal Sterblichen, die nicht im Besitz dieser Wahrheit sind, darf und muss natürlich von diesen Koryphäen nassforsch über den Mund gefahren werden, wenn sie wieder eine live erlebte Vorstellung ganz falsch bewerten. Die einen sind Liebhaber der echten Werke und real denkende Menschen und die anderen unerleuchtete, orientierungslos Umherirrende, die einer Belehrung bedürfen. Insofern ist deine Gleichsetzung dieser höchst unterschiedlichen Welten schon ein wenig gewagt. Ist das denn wirklich so schwer zu verstehen und zu akzeptieren, dass hier einige gleicher sind als andere?

    Danke für den Link! So werde ich auf diese Aufnahmen verzichten

    Ich habe mich bei Spotify und Tidal auch einmal durch diese Neuerscheinung gehört und bin aus verschiedenen Gründen wenig begeistert. Trotzdem sollte man nicht aufgrund einer schlechten Kritik auf etwas verzichten, was man selbst u. U. bei eigenem Erleben interessant oder gelungen finden würde. Keine Zeitungs- oder Internetkritik kann den eigenen Eindruck ersetzen. Insbesondere heutzutage, wo es doch relativ einfach ist, ohne großen finanziellen Aufwand neue (und alte) Aufnahmen hören zu können.

    Der Tenor Marcello Giordani hat am heutigen 5. Oktober 2019 im Alter von 56 Jahren in seinem Haus in Sizilien einen Herzinfarkt erlitten und ist daran verstorben. Er hinterlässt eine Frau und zwei Kinder.

    Er war in den letzten 30 Jahren ein häufiger Gast im italienischen und französischen Repertoire an den ersten Häusern: So trat er an der Wiener Staatsoper, dem Teatro alla Sacala, der Bayerischen Staatsoper, der Hamburgischen Staatsoper, der Deutschen Oper Berlin, dem Royal Opera House Covent Garden sowie der Metropolitan Opera auf. Insbesondere in Opern seines Landsmannes Giacomo Puccini war er ein gern gesehener und gehörter Gast an vielen internationalen Bühnen.


    https://www.siracusaoggi.it/ma…o-di-fama-internazionale/


    Wie ich aus zuverlässiger Quelle erfahren habe, ist der Bariton George Fortune ist am gestrigen 23. September 2019 im Alter von 87 Jahren verstorben. Er war bis zu seiner Pensionierung im Jahr 2001 eine unverzichtbare Stütze im Ensemble der Deutschen Oper Berlin, insbesondere in Partien des Italienischen Faches. Er gastierte an zahlreichen internationalen Opernhäusern, darunter auch der Met und der Wiener Staatsoper. Ich habe ihn noch häufig live erlebt, daher macht mich sein Tod sehr betroffen.


    In folgendem Video kann man ihn als Conte di Luna in Herbert von Karajans "Troubadur"-Inszenierung an der DOB sehen und hören:


    Ein konkretes Beispiel: Im November reise ich nach Berlin, um die ausserordentliche Sängerdarstellerin Ermonela Jaho als Butterfly zu erleben und freue mich, dass dies in den wunderschönen Bühnenbildern von Pierluigi Samaritani, dem ich auch den besten Werther meines Lebens verdanke, stattfinden wird.

    Jaho hat die "Butterfly" im November in Berlin abgesagt, Elena Guseva übernimmt.

    Nach 12 Beiträgen hier so eine arrogante Haltung einzunehmen, ist schon toll. Damit rückst du in die Kategorie der Untouchables auf. (...)

    So benimmt man sich nicht als Gast. Ich empfehle dir, nach Alba zu flüchten oder dahin, wo der Pfeffer wächst.

    Glaub mir, allein die Tatsache, dass Du hier ständiges Mitglied bist, macht die Tatsache, dass Du dich permanent danebenbenimmst, kein bisschen besser. Deinem neuen Hobby, Dir nicht genehme Threads zu zerschießen, sollte ganz dringend einmal Einhalt geboten werden, sonst verlieren einige hier (mich eingeschlossen) die Lust, irgendetwas zu schreiben, da ja permanent damit gerechnet werden muss, dass aufgrund von einigen Beiträgen von "dr. pingel" der entsprechende Thread mal wieder im Nirvana verschwindet.

    Im Übrigen denke ich, dass du sehr weit von der Position entfernt bist, anderen Mitgliedern (egal ob Gäste oder nicht) zu empfehlen, dahin zu flüchten, "wo der Pfeffer wächst".

    ich hab in den 80 Jahren Turandot mit Pavarotti und Eva Marton live an der Met gesehen. Das war ein Ereignis. Die Zuschauer waren so konzentriert wie bei einet Wagner Vorstellung und sind nur bei Nessun dorma ausgerastet und es gab Szenen Applaus als der Kaiser Palasr gezeigt wurde und am Ende gab es Standing Ovation.

    Pavarotti hat den Kalaf an der Met lediglich in einer sechs Aufführungen umfassenden Aufführungsserie im September/Oktober 1997 gesungen. In allen Vorstellungen sang Jane Eaglen die Titelpartie :


    http://archives.metoperafamily.org/archives/frame.htm

    Warum man jetzt auf einer Antwort darauf herumreitet, um die es überhaupt nicht ging, das ist wieder eine Verdrehung der Wirklichkeit und ein willkommener Anlaß, neuen Unfrieden zu stiften. Ich denke, daß die Mitleser intelligent genug sind, diese Absicht zu durchschauen.

    Da du im Stiften von Unfrieden anerkannterweise einer der größten Experten in diesem Forum bist, wird das wohl schon stimmen, wenn du das, der sich bei diesem Thema wie kaum ein zweiter auskennt, sagst. Ich denke im übrigen auch, dass die Mitleser hier intelligent genug sind, sich insbesondere über dich eine stichhaltige Meinung gebildet zu haben, der in diesem Thread von allen, die sich hier an der Diskussion beteiligt haben, am wenigsten zur Sache, aber dafür am meisten an Stänkerei eingebracht hat.


    Das genau ist es doch, was eine gewisse Klientel will, die ständig Demokratie und Meinungsfreiheit wie ein Aushängeschild vor sich herträgt, aber sofort mit erhobenem Zeigefinger kommt, wenn es jemand wagt, ihren eigenen Ansichten zu widersprechen bzw. eine Meinung zu äußern, die nicht dem "geregelten Sprachgebrauch" entspricht. Wer regelt den eigentlich? Im Grundgesetz kann ich darüber keinen Paragraphen finden!

    Was du ganz offensichtlich noch immer nicht verstanden hast, ist, dass dir gar niemand verbietet, deine - aus meiner ganz persönlichen Sicht - höchst problematischen weltanschaulichen Haltungen unter das Volk zu bringen. Nur sehr leider - und damit kannst du offenbar gar nicht so gut umgehen - ist es anderen auch erlaubt, zu sagen, was sie von deinen oder anderen dir genehmen Meinungsäußerungen halten. Da kannst du sehr gerne noch so oft mit deinen Füßchen aufstampfen und dich als von einer angeblichen Sprachdiktatur verfolgter Recke stilisieren, realer wird dieses Märchen auch durch hundertfache Wiederholung nicht.

    Aber wenn Operus doch recht hat?

    Er kann gar nicht recht haben: Wenn Herr Domingo von den Vorwürfen entlastet wird, geschieht das, weil keine belastbaren Beweise für seine Schuld vorliegen und nicht, weil "operus" es aufgrund des Aussehens und des Charme von Domingo für nicht möglich hält, dass er sich Liebe erzwingen musste. Aussehen und Charme sind keine relevanten Kategorien bei der Aufklärung solcher Vorwürfe und auch nicht die Frage, ob eine Persönlichkeit geachtet ist oder nicht. Das alles sind Kategorien, die in feudalen Systemen eine Rolle spielen, nicht aber in einem Rechtsstaat. Es ist einzig zu überprüfen ob die in dem "AP"-Artikel aufgestellten Behauptungen zutreffend sind und nicht, wie gut aussehend, charmant oder geachtet Herr Domingo ist.

    Ich bewundere Leute über alle Maßen, die sich so oft so "sehr sicher" sind! Die Protagonistin des Filmes, den ich gestern Abend in dieser Rubrik (in Beitrag 389) verlinkt habe, war sich auch sehr lange "sehr sicher"...

    Wer, so wie du in dieser Rubrik, es nötig hat gegen die Begriffe "interessant" und "sehr sicher" (wobei ich keineswegs gesagt habe, dass ich mir "sehr sicher" bin, dass die Vorwürfe gegen Domingo zutreffen) mit nicht besonders überzeugenden Beigaben (einmal war es eine themenfremde Anekdote über einen Intendanten, ein anderes Mal der Verweis auf einen Fernsehfilm aus dem Wochentagsprogramm) anzustänkern, der trägt für mich nur sehr wenig Interessantes zu einer Diskussion bei. Ich bin mir daher "sehr sicher", dass ich künftige Beiträge von dir zumindest für eine gewisse Zeit nur sehr wenig beachten werde. Das kann sich sehr gerne wieder ändern, wenn du dazu zurückkehrst, in der Sache zu argumentieren. Momentan macht es leider auf mich den Eindruck, dass du versuchst, andere Diskussionsteilnehmer lächerlich zu machen, indem du gegen von ihnen verwendete - im Übrigen dem allgemeinen Sprachgebrauch angehörende - Begriffe polemisierst.

    Der Van-Artikel ist für mich von einer seriösen Berichterstattung weit entfernt. Die Analyse ist erst einmal mehr als fragwürdig: Levine, Dutois, Gatti, für alle hatten die Anschuldigungen Konsequenzen. Und die Anzeigen waren nicht anonym. Bei Domingo haben sogar anonyme Anzeigen Konsequenzen.

    Ich bin mir sehr sicher, dass der "AP"-Redaktion die Namen der Künstlerinnen, die Domingo beschuldigen, und der Zeugen, von denen die Rede ist, vorliegen und die Redaktion von diesen im Falle einer Verleumdungsklage der Gegenseite Gebrauch machen wird. Ansonsten wäre der Artikel aus juristischer Sicht das reinste Himmelfahrtskommando. Ich bin mir auch sehr sicher, dass der von der Los Angeles Opera eingesetzten Sonderermittlerin die Namen der Beschuldigerinnen und Zeugen vorgelegt werden, damit diese ihre Arbeit machen kann.

    Das heißt aber noch lange nicht, dass die Damen, die Domingo beschuldigen oder auch die Zeugen dazu verpflichtet sind, dass ihre Namen in der Zeitung zu lesen sind. Angesichts der Kübel an Unrat, die momentan über sie in sozialen Netzwerken ausgeschüttet werden, ohne dass man weiß, wer sie sind, ist es ein aus meiner Sicht sehr nachvollziehbares Verhalten, die Namen aus solch ein Artikel zunächst noch rauszuhalten.

    Wenn ich nun konkret in diesem "interessanten" Artikel das lese:

    ...

    dann wird mir klar, dass der Autor des Artikels, Hartmut Welscher, nicht den Hauch einer Ahnung von der Materie hat, über die er meint schreiben zu müssen.

    Das hat sich nicht Herr Welscher ausgedacht, sondern es ist eine, wenn auch in der Wortwahl etwas ungenaue (denn ums besser singen geht es nicht, sondern darum, überhaupt auftreten zu können) , Paraphrase aus dem Original-Artikel aus der "LA Times", wo eine der Frauen Domingo den Aberglauben unterstellt, "that he has to be with a woman before the show".

    Ein - wie ich finde - sehr interessant geschriebener Artikel aus dem "Van Magazin" (das Presseorgan, das auch die Barenboim-Diskussion ins Rollen gebracht hat), der sich kritisch mit autoritären Mustern im Kulturbereich und auch mit dem Artikel von Frau Ossowski auseinandersetzt:


    https://van.atavist.com/domingo


    Die Los Angeles Opera hat unterdessen eine Rechtsanwältin engagiert, die die Untersuchungen in der "Causa Domingo" führen sollen:


    https://www.latimes.com/entert…-behind-usc-investigation

    Lest doch mal bitte genau - von Beginn war davon die Rede, dass nur Patricia Wulf ihren Namen hergegeben hat - eben weil sie damals stark genug war, nein zu sagen...

    Ich kann das Erstaunen von Holger auch nicht nachvollziehen, insbesondere, da der Ausgangsartikel ja hier von Anfang an Gegenstand der Diskussion war. Wer den gelesen hat, wusste, wer sich namentlich geäußert hat und wer nicht.

    Natürlich kann man die Frauen ebenso wenig einfach beschuldigen, vorsätzlich eine Falschaussage zu machen. Das tut aber keiner, solange nur die Berechtigung solcher Vorwürfe angezweifelt wird.

    Die Sache ist ganz einfach: Bis zum Beweis des Gegenteils hat Herr Domingo nicht als Sittenstrolch oder Belästiger zu gelten, die Damen, die ihn beschuldigen, allerdings auch nicht als Lügnerinnen oder Verleumderinnen. Beides geschieht aber derzeit mit zum Teil ehrabschneidenen Vokabular in den sozialen Medien und beides ist gleichermaßen unerträglich.

    Es ist doch erfreulich zu sehen, dass sich eine vom Forenbetreiber als "unappetitlich" und "nicht ins Tamino Klassikforum gehörige" Diskussion derart lebhaft entwickelt - u.a. unter Mitwirkung des Forenbetreibers selbst. Folgende Punkte möchte ich gerne anbringen:


    1. Der hier häufig bemühte Begriff der "Unschuldsvermutung" ist ein Rechtsgrundsatz, der das Zusammenleben in einem Rechtsstaat regelt. Er gilt für jeden und uneingeschränkt. Er besagt, dass ein nicht rechtskräftig Verurteilter nicht behandelt werden darf, als sei er bereits verurteilt, nur weil die Stimmung in der öffentlichen Meinung so ist oder aus anderen Gründen eine Stimmung für oder gegen einen Beschuldigten herrscht. Er ist essentiell für unser Zusammenleben. In solchen #metoo-Fällen kommen wir allerdings bei nüchterner Betrachtung mit diesem Begriff nicht wirklich weiter. Natürlich gilt dieser Rechtsgrundsatz beispielsweise für Herrn Domingo, aber er gilt dummerweise auch für die Frauen, die ihn beschuldigen, da sie sich im Fall, dass die Beschuldigung nicht zutrifft, strafbar machen würden. Die Unschuldsvermutung ist keine Einbahnstraße, sie gilt für den Beschuldiger ebenso wie für den Beschuldigten. Dazu kommt, dass viele dieser Fälle in der Vergangenheit liegen und häufig so weit, dass eine Strafverfolgung meist aufgrund von Verjährungsfristen ausgeschlossen ist. Hier kommt der investigative Journalismus ins Spiel. Investigativer Journalismus füllt durch das Aufdecken von Vorgängen, die bisher nicht in den Fokus der Strafverfolgung geraten sind eine Lücke, die durch Nichttätigkeit von Strafverfolgungsbehörden in gewissen Bereichen entstanden ist. Er ersetzt aber nicht ein rechtsstaaliches Verfahren. Im Falle guter Recherche, bevor die Verjährungsfristen einsetzen, kann er Strafverfolgungen auslösen wie zum Beispiel im Fall der von einem SPIEGEL-Team recherchierten Unregelmäßigkeiten bei der Vergabe der WM 2006 in Deutschland. Ein investigativer Journalist ist natürlich nicht an die Unschuldsvermutung gebunden, wohl aber an Recht und Gesetz, d.h. er (und das Organ, das seinen Artikel veröffentlicht) muss dafür geradestehen, dass die in so einem Artikel aufgestellten Behauptungen der Wahrheit entsprechen, ansonsten macht er sich strafbar.


    2. Ein besonders schwieriger Punkt in solchen Fällen, wo bereits eine Verjährung der strafrechtlichen Verfolgung, eingesetzt hat, ist die Praxis der "Untersuchungen" durch die Institutionen, bei denen der Beschuldigte beschäftigt war. Sie sind im Endeffekt nichts anderes als eine Prüfung, ob eine fristlose Kündigung des Beschuldigten vor den Gerichten Erfolg hätte. Im Fall Levine sieht man, wie juristisch unbefriedigend so ein Verfahren ist: Da wurde das Verfahren eingestellt, wobei sich abzeichnete, dass die Met mit ihrer Kündigung nicht vertragsgemäß gehandelt hatte, gleichzeitig aber Levines Verleumdungsklage wohl keinen Erfolg gehabt hätte. Das Ergebnis ist eine aus juristischer Sicht eingetretene Patt-Situation, die nie zufriedenstellend klären wird, ob und inwieweit die Vorwürfe gegen Levine berechtigt waren oder nicht. Man kann natürlich aus dem sich abzeichnenden Nicht-Erfolg einer Verleumdungs-Klage schließen, dass die Vorwürfe nicht völlig an den Haaren herbeigezogen waren, aber wirklich befriedigend ist das nicht. Darüber hinaus stellt sich die Frage, ob eine Institution, in der die mutmaßlichen Fälle stattgefunden haben, die also im Falle eines Zutreffens der entsprechenden Vorwürfe, ihrer Sorgfaltspflicht gegenüber den bei ihr Beschäftigten nicht nachgekommen ist, wirklich geeignet ist, Vorwürfe umfassend aufzuklären.


    3. Der Vorwurf, dass sich Betroffene erst spät zu Wort melden, zeugt aus meiner Sicht von völlig fehlender Empathie. Eingedenk der Tatsache, dass die Unschuldsvermutung auch für den/die Beschuldiger*in gilt und unter dem Hintergrund, dass sich die gesellschaftliche Akzeptanz von mutmaßlichen Missbrauchsopfern gegenüber der Situation von vor 30 Jahren enorm verbessert hat, ist es schon unerträglich zu lesen, was neben den durchaus verständnisvollen Beiträgen in diesem Forum, aber auch in den sozialen Medien an Unrat über die mutmaßlichen Opfer des Missbrauchs oder der Belästigung ausgekippt worden ist. Man braucht nicht viel Phantasie dafür, um sich vorzustellen, wie verheerend die Reaktionen vor 30 Jahren, als noch ein anderes gesellschaftliches Klima herrschte, ausgefallen wären.


    4. Äußerungen einer Frau Wedekind, die von sich sagt, dass sie den Flirt von Herrn Domingo gerne erwidert hat, gehen völlig am Gegenstand vorbei. Zu klären ist in diesem Fall einzig, ob die Vorwürfe, dass Herr Domingo seine Machtposition in der Form ausgenutzt hat, wie in dem "LA-Times"-Artikel beschrieben, zutreffend sind oder nicht. Ob Domingo von anderen Frauen begehrt war oder ob Frau Wedekind gerne mit ihm geflirtet hat, spielt für die Beantwortung dieser Frage keine Rolle.

    Soeben habe ich die Einleitungspassage zu meiner Besprechung des Liedes "Waldseligkeit" (Beitrag 137) gelöscht.

    Meine Güte! Es ist schon wahrlich bizarr zu lesen, wie wichtig sich einige User hier offenbar nehmen und ernsthaft denken, mit so einer beleidigt-kindischen Reaktion irgendeine Wirkung erzielen zu können.

    Es wurde in diesem Thread davon berichtet, daß zumindest eine Frau PLACIDO DOMINGO penetrant nachgereist ist, um sich ihm sexuell anzubieten, was ihr dann offenbar auch gelungen ist. Da muß ich mich dann aber auch einmal fragen, was sind dies bloß für "Damen", die einem berühmten großen Künstler - und noch dazu einem in sehr fortgeschrittenen Alter - nachreisen, nicht aus reiner Bewunderung seiner Kunst oder auch Verehrung seiner Persönlichkeit, sondern aus niedrigen Instinkten gleich welcher Art, und kalkulierten Absichten! Und solche Frauen scheint es heutzutage wohl etliche zu geben. Ein solches Verhalten schätze ich verwerflicher ein als wenn ein Mensch solcher Aufdringlichkeit nachgibt oder diese am Ende auch gerne annimmt. Es ist meiner Meinung nach deshalb an dieser Stelle durchaus angebracht, sich einmal über die heutige Moral einiger Damen - um nicht zu sagen unserer Damenwelt - Gedanken zu machen.

    Genau! Was die ganze von Männern geführte Diskussion in diesem Thread zutage gefördert hat, ist vor allem die verwerfliche Moral der Damenwelt! (Traurig, dass es selbst in einem so genannten Kulturforum Leute gibt, die einen solchen Schmarrn ernsthaft glauben, was aber wiederum sehr deutlich erklärt, warum es kaum Frauen gibt, die Lust haben, hier mitzuschreiben.)