Beiträge von Melomane

    Würdest Du Dich bereit erklären, dazu kurz etwas im entsprechenden Thread zu schreiben - zB die drei besten Aufnahmen, oder vielleicht eine Top-Aufnahme, und eine, die Dich eher enttäuscht hat? Das würde mich sehr interessieren.

    Das kann ich gerne tun, vielleicht komme ich am Wochenende dazu...



    Zum eigentlichen Thema der Frage hat Dave Hurwitz ein eigenes Video produziert, wo er noch einmal detailliert auf die Vorzüge (und auch Nachteile) der Szell-Aufnahmen eingeht:


    Stellen wr uns das fiktive Szenario vor, ein Streaming oder Downöload Anbieter nähme jetzt sämtliche - auch historische russische Aufnahmen aus dem Angebot. Auch wenn es spekulativ ist, so ist es doch möglich.

    Für Streaming verstehe ich den Gedanken, aber was macht es demjenigen, der die entsprechende Aufnahme schon heruntergeladen hat?


    Erfreulicherweise konnte übrigens nach Jahren der Talfahrt die Musikindustrie in Deutschland wieder den Umsatz steigern (was sicherlich auch mit dem Rückgang an "Live"-Events durch Corona zu tun hat):


    https://www.faz.net/aktuell/wi…-10-prozent-17845596.html


    Streaming und Vinyl (!) ist auf dem Vormarsch, die CD hat gegenüber dem Vorjahr erneut 16 % an Umsatz eingebüßt. Dennoch bleibe sie "ein wichtiges Element".

    Natürlich. Nur liegt das Problem woanders. Als Sammler, der schon eine große Sammlung hat, ist das Interesse sehr selektiv. Und genau die ganz besonderen Aufnahmen, die einen interessieren, sind dann leider zumeist in MP3-Qualität.

    Den letzten Satz halte ich für eine äußerst gewagte These. Tidal bietet beim Hifi-Abo mindestens CD Qualität, bei einem Großteil der Aufnahmen auch Master-Qualität an. Dass ich eine Aufnahme aus dem Bereich der Klassischen Musik bei Tidal nicht gefunden hätte, bei Anbietern mit niedriger Qualität (Spotify, Napster) hingegen schon, ist zumindest mir noch nicht passiert.

    Pro CD lasse ich gerne das Argument der Gewohnheit, meinetwegen auch das der ständigen Verfügbarkeit (obwohl mir jetzt nicht aufgefallen wäre, dass beispielsweise Aufnahmen von James Levine nicht mehr verfügbar wären, außerdem gibt es auch den Fall, dass CDs die als hardware vergriffen sind, auf den Streaming-Plattformen noch zu finden sind), auch gerne der Haptik gelten. Wer jedoch bereit ist, in seine streaming-Ausrüstung ähnlich viel zu investieren wie in seine "klassische" Hifi-Anlage wird klanglich zu ähnlichen oder besseren Ergebnissen kommen, wenn er ein entsprechendes Streaming (bis zu 9216 Kbps oder 24 Bit / 192 kHz) wählt.

    In den meisten Fällen gibt es Streaming immer noch nur in oller MP3-Qualität. Das ist einfach unattraktiv unter Hifi-Gesichtspunkten. Denn die CD ist dann klanglich eindeutig besser.

    Na ja. Es gibt Anbieter, die eben Streaming nicht in "oller MP3-Qualität" anbieten und die wurden hier auch schon genannt. Und dass du dir einen eher günstigen DAC (der zweifellos aber gut ist) gekauft hast, ist für dich, der du ihn nur gewissermaßen als Ergänzung nutzt, sicherlich auch richtig. Nur hättest du für ihn ähnlich viel investiert, wie für die übrigen Teile deiner Anlage, würdest du sicher auch zu ähnlich guten Ergebnissen kommen. Dass man 4000 oder 7000 Euro ausgeben muss, um adäquate Qualität zu bekommen, ist sicherlich übertrieben. Man darf jedoch, wenn man horrende Kosten anführt, nicht vergessen, dass 220 Euro für eine Box, deren Materialwert vielleicht höchstens 20 Euro beträgt, auch ziemlich teuer ist. Dafür kann man Tidal in der Hifi-Variante fast ein Jahr lang Abonnieren. Und hat nicht auf die in der Box enthaltenen 100 CDs oder deine 4000 CDs Zugriff, sondern auf Hunderttausende. Ich möchte nicht falsch verstanden werden: Ich gönne jedem seine Sammlerfreude, aber es gibt auch Alternativen dazu und zwar nicht nur in MP3-Qualität.

    Dass Streaming nur etwas für Leute ist, die noch keine große CD-Sammlung haben, ist auch nur bedingt richtig. Gerade wenn man sich mit einem Werk intensiv beschäftigt und versucht, alle verfügbaren Aufnahmen zu hören, schlägt die Stunde der Streaming-Dienste. Ich habe mich kürzlich intensiv mit "Das Lied von der Erde" beschäftigt und hatte davon ca. 10 Aufnahmen in meiner CD-Sammlung. Dank TIDAL habe ich aber beinahe 40 hören können, auch solche, die ich mir wahrscheinlich nie gekauft hätte. Und es waren einige Überraschungen dabei.

    Ich stehe seit einer Woche vor einer schweren Entscheidung: Die Szell-Box mit sämtlichen Columbia-Einspielungen ist wieder bei jpc verfügbar und ich hadere mit mir, ob sich diese gewaltige Ausgabe lohnt.

    Ich habe die Box vor einigen Jahren geschenkt bekommen und sie ist, was Aufmachung und Qualität der Aufnahmen angeht, fraglos eine Klasse für sich.

    Dennoch würde ich sie mir heute nicht mehr kaufen. Ich würde das Geld in einen guten Digital-Analog-Wandler und ein TIDAL-Abo investieren. Da kann man viele der in der Box enthaltenen Aufnahmen sogar in so genannter genannter Master-Qualität abrufen, d. h. man streamt bis zu 9216 kbps oder 24-Bit / 192 kHz. Seitdem ich beides besitze (Streamer und Tidal-Abo) habe ich keine einzige CD mehr gekauft. Auf das Booklet muss man natürlich verzichten. Aber ist das 220 Euro wert?

    Lieber "Stimmenliebhaber",

    ich bedauere deine Entscheidung sehr, kann sie jedoch gut nachvollziehen. Ich hätte auch keine Lust, mein Engagement in ein Forum einzubringen, wo ich im Thread "Pressespiegel" - offensichtlich von der Moderation gebilligt- als "Narzisst" (wobei der Urheber dieser Äußerung vielleicht noch einmal nachschlagen sollte, wie man das Wort schreibt) bezeichnet werde. Einige User scheinen hier Narrenfreiheit zu genießen. Nun ja. Für deine vielen wertvollen Beiträge hier bedanke ich mich sehr! :hello:

    Und doch: dieses Polemisierende und Polarisierede bei allen Dreien führt zwar immer wieder mal zu Widerspruch, aber auch zu einer bewussteren Auseinandersetzung mit dem Werk und seinen Interpretationen. Insofern wird das Ziel der Sendung erreicht. Mich erinnert das Ganze ein wenig an das "Literarische Quartett", wo ja auch viel polemisiert und zugespitzt wurde - ein bissl mehr Gehakel zwischen den dreien vermisse ich bei dieser Radiosendung allerdings schon, da ging bei MRR und Frau Löffler mehr die Post ab und hatte einen höheren Unterhaltungswert.

    Lieber „Stimmenliebhaber“,


    den Vergleich mit dem „Literarischen Quartett“ halte ich für sehr treffend, und auch deine Analyse des Erfolgsrezepts dieser Sendung teile ich. Ein argumentativ gut vorgetragener Diskurs „zwingt“ den lesenden, hörenden oder schauenden Dritten ja beinahe dazu, seine eigenen Argumente mit den vorgetragenen abzugleichen und selbst Position zu beziehen. Eine meiner Lieblingsseiten in der „ZEIT“ ist die mit dem Titel „Streit“, wo ein kontroverses Interview mit mindestens zwei - meinungstechnisch entgegengesetzten - Partnern geführt wird.

    Ich erlaube mir die Bemerkung, das Ähnliches auf ein Internetforum zutrifft. Auch hier lese ich persönlich am liebsten den Austausch kontroverser Positionen zu den entsprechenden Sachthemen. Wenn jemand einen Beitrag schreibt und fünf Teilnehmer darunter schreiben „Lieber Freund XY, ich möchte dir voll und ganz zustimmen“ hat das für mich als Leser keinen Mehrwert. Der Forenbetreiber wird bestätigen, dass Rubriken mit kontrovers ausgetauschten Positionen hohe Aufrufzahlen haben.

    Finde die Reihe auch unterhaltsam und interessant. Habe heute mal die Folge zu Schuberts Großer C-Dur-Symphonie durchgehört und teilte zwar viele Urteile nicht (insbesondere von Frau Lemke-Matwey, die alles außer Furtwängler mehr oder weniger doof fand), aber gerne gehört habe ich die Sendung dennoch. Dass die Runde mit dem Werk selbst so große Probleme hatte, hat mich auch eher überrascht. Interessant übrigens, dass weder Karajan noch Böhm überhaupt nur erwähnt wurden. Das wäre wahrscheinlich bei einer derart vergleichenden Sendung in einem Kultursender vor 30 Jahren unvorstellbar gewesen, aber die Zeit schreitet halt voran. Die einhellig negativ beurteilte Aufnahme von Harnoncourt und dem Concertgebouw-Orchester hat mir dem Ausschnitt nach übrigens so gut gefallen, dass ich sie mir danach gleich einmal vollständig angehört habe. Insofern hat die Sendung schon etwas Gutes bewirkt.

    Ein wirklich Großer, sowohl des Sprech- als auch des Musiktheaters! Wenn man einmal bedenkt, dass er als junger Mann als Sekretär von Max Ernst seine Berufslaufbahn begonnen hat, kann man ermessen, welche einen Kultur- und Theateratlas er mit sich führte. Auch geht mit ihm erneut ein Stück Kulturleben des alten West-Berlin, wenngleich er nach der Wende natürlich auch am Deutschen Theater, der Staatsoper und der Komischen Oper gearbeitet hat. Man muss ehrlich auch dazu sagen, dass 80 für jemanden mit seinem Lebenswandel ein sehr hohes Alter ist. RiP

    Wie kommt der Solti-Zyklus, den ich immer noch am Meisten schätze weg und wie Bernstein ?

    Solti/Chicago kommt nicht besonders gut weg, bei den Einzelsinfonien, bei denen er Solti schätzt (1, 2 und 9), bevorzugt er die früheren Aufnahmem mit dem London Symphony Orchestra.

    Bernstein zählt zu den von ihm geschätzten Aufnahmen, obwohl er, wie bereits von "Joseph II." erwähnt eine Mischung aus dem Sony- und dem Deutsche-Grammophon-Zyklus bevorzugen würde.

    Man kann übrigens, wenn man des Englischen nicht so mächtig ist, die von Youtube automatisch generierten Untertitel einstellen, da bekommt man schon mit, worum es geht. Solti findet man ab 22:08, Bernstein ab 36:50.


    Hier gibt es übrigens noch eine zweite Folge mit weiteren Zyklen, die im ersten Video nicht erwähnt wurden:


    Ich habe gestern mit einigem Amüsement und Vergnügen das doch ziemlich umfangreiche Mahler-Zyklus-Video von Dave Hurwitz angesehen. Man kann von ihm und seinen apodiktischen Urteilen halten, was man will, aber man muss ihm lassen, dass er so ein an sich eher trockenes Thema wie den Vergleich von 22 Mahler-Boxen doch sehr unterhaltsam gestaltet:



    Mit vielen (nicht allen) seiner Urteile kann ich mich anfreunden, klar, Chailly kommt mir tendenziell zu gut, Abbado zu schlecht weg. Das Maazel- und Rattle-Bashing hat mich nicht sehr gestört, da decken sich meine Eindrücke durchaus, auch wenn ich es nicht so vernichtend formulieren würde. Dass er die herausragende Bedeutung von Michael Gielen herausgestellt hat, hat mich gefreut. Durchaus überraschend kam für mich sein großes Lob für den Gary-Bertini-Zyklus, der in diesem Thread auch nur am Rande gestreift wird. Hierzu würden mich die Einschätzungen anderer Teilnehmer sehr interessieren.

    Ehrlich gesagt fand ich den in diesem thread aufgetretenen Dissens zwischen "Stimmenliebhaber" und "Dr. Holger Kaletha" nicht so wahnsinnig ausufernd, als dass jetzt gleich wieder die große Threadsäuberung angebracht gewesen wäre. Es sollte doch wohl für das führende Klassikforum im deutschsprachigen Raum möglich sein, einmal einen Konflikt auszuhalten, insbesondere auch deswegen, weil sich die besonders harmoniebedürftigen Mitglieder dem Forum den Rücken gekehrt und sich woanders eine entsprechende Spielwiese errichtet haben... Daher mein Plädoyer für mehr Nachsicht in solchen Fällen, das ganze ist ein emotionales Thema, da können aus meiner Sicht ruhig schon mal ein bisschen "die Fetzen fliegen".

    Der mexikanische Tenor Rafael Rojas ist am 19.1. 2022 im Alter von 59 Jahren verstorben.

    Nach einem Erfolg bei Plácido Domingos "Operalia"-Wettberwerb im Jahre 1995 führte ihn eine internationale Karriere an viele große Opernhäuser. So sang er u.a. an der Deutschen Oper Berlin, der Welsh National Opera, der Opera North, der Oper Leipzig, der Oper Stuttgart sowie der Semperoper Dresden.


    https://operawire.com/obituary…-rafael-rojas-dies-at-59/



    Bei Carlos Kleiber gibt es in der Musikkritik schon eine gewisse Tendenz zur kultischen Verehrung.

    Das mag schon stimmen, was sicher auch an seiner besonderen Persönlichkeitsstruktur liegt, die viel Raum für Phantasie ließ und noch immer lässt. Ich muss aber gestehen, dass ich beim gestrigen Neujahrskonzert ob der von Barenboim bräsig und espritlos dargebotenen "Fledermaus"-Ouvertüre wehmütig an Carlos Kleiber und das Feuerwerk, das er in seiner Studio-Aufnahme dort abbrennt, denken musste.

    Asiaten sind auch "Weiße" und spielen in vielen europäischen Spitzenorchestern.

    Bei den Wiener Philharmonikern ist allerdings kein einziger asiatischstämmiger Musiker bzw. keine einzige Musikerin mit dieser Herkunft Mitglied. Und das ist insbesondere auch angesichts der hohen Anzahl der an den Wiener Hochschulen ausgebildeten Instrumentalmusiker*innen aus China, Japan oder Korea ein zu großes Missverhältnis, als dass ich bereit wäre, hier an Zufall zu glauben.

    Die Altistin Gwendolyn Killebrew, von 1976 bis 2006 Ensemblemitglied der Deutschen Oper am Rhein, ist am 24. Dezember 2021 im Alter von 82 Jahren (Die Rheinoper schreibt in ihrer Pressemitteilung 80, aber meines Wissens wurde sie am 26. August 1939 geboren.) gestorben:


    https://www1.wdr.de/kultur/kul…lebrew-gestorben-100.html


    1988 wurde sie zur Kammersängerin, 2011 zum Ehrenmitglied des Hauses ernannt.

    Einem breiten Publikum wurde sie als Waltraute in der Fernsehaufzeichnung des Bayreuther Chéreau-„Rings“ bekannt:


    Eigentlich hatte ich erwogen, heute den Tenor Erwin Wohlfahrt hier zu nennen, von dem ich sicher weiß, dass er sowohl an der Komischen Oper als auch an der Staatsoper Berlin gesungen hat - nur leider habe ich keinen Beleg dafür, dass er auch mal an der Städtischen Oper Berlin (in den 1950er Jahren) oder an der Deutschen Oper Berlin (in den 1960er Jahren) aufgetreten ist.

    Kann jemand weiterhelfen bzw. weiß jemand etwas darüber?

    Das habe ich damals offensichtlich überlesen: Erwin Wohlfahrt sang am 1. März 1967 in der Premiere "Siegfried" (Musikalische Leitung: Lorin Maazel, Inszenierung: Gustav Rudolf Sellner, Ausstattung: Fritz Wotruba) an der Deutschen Oper Berlin den Mime. Wolfgang Windgassen war der Siegfried, Josef Greindl der Wanderer, Gladys Kuchta die Brünnhilde, Gustav Neidlinger der Alberich, Peter Lagger der Fafner, Gladys Kriese-Caporale die Erda sowie Erika Köth der Waldvogel.

    Weil diese sehr schöne Rubrik wieder einmal nach oben geholt worden ist, würde ich gerne auch mal wieder einen Namen beisteuern:

    Es handelt sich um den Bassbariton Matthias Goerne.

    An der Komischen Oper sang er Anfang/Mitte der 90er Jahre in einer Wiederaufnahmeserie der Kupfer-"Bohème" den Marcello.

    An der Deutschen Oper sang er im April 2007 den Kurwenal in einer Wiederaufnahme-Serie "Tristan" der Götz-Friedrich-Inszenierung. Neben ihm sangen Gabriele Schnaut, Christian Franz, Hans-Peter König und Petra Lang, es dirigierte Peter Schneider.

    An der Staatsoper sang er Anfang der laufenden Spielzeit den Pizarro in "Fidelio" und war im laufenden Monat als Sarastro in der Schinkel-"Zauberflöte" zu erleben.

    Da muss ich dann leider doch sagen, dass dies ein schwerer handwerklicher Fehler ist.

    Ich muss gestehen, dass ich Leute zutiefst bewundere, die entscheiden können, ob eine Inszenierung handwerklich gut oder schlecht gearbeitet ist, ohne sie gesehen zu haben.

    Es könnte natürlich auch daran liegen, dass der User "Dr. Pingel" die Begriffe ein wenig durcheinander haut. Ob es in einer "Katja"-Inszenierung einen Fluss gibt (oder in einer "Jenufa"-Inszenierung eine Mühle oder in einer "Füchslein"-Inszenierung einen Wald), ist eine konzeptionelle und keine handwerkliche Entscheidung. Das Handwerk kommt ins Spiel, wenn dieses Konzept auf die Bühne gebracht wird. Wie ein Auftritt gestaltet wird, wie der Theaterapparat beherrscht wird, ob eine szenische Aktion für den Zuschauer gut sichtbar und nachvollziehbar ausgeführt wird und ob die konzeptionellen Gedanken sich in der Bühennhandlung für jedermann erkennbar widerspiegeln, das sind handwerkliche Fragen.

    Und wie man darüber urteilen will, wenn man die Bühneninszenierung nicht kennt, ist mir zumindest völlig schleierhaft. Übrigens hört man den Fluss in der "Katja"-Musik schon bei der sehr oberflächlichen Beschäftigung mit dem Werk. Man kann also davon ausgehen, dass die Regisseurin die Entscheidung sehr bewusst gefällt hat, ihn nicht auf der Bühne zu zeigen. Ich habe schon sehr überzeugende "Katja"-Inszenierungen ohne Fluss gesehen, so wie ich auch schon sehr überzeugende "Jenufa"-Inszenierungen ohne Mühle gesehen habe (andersherum natürlich genau so). Es ist also kein ästhetisches Kriterium für Gelingen oder Misslingen, ob diese Dinge eins zu eins auf die Bühne gebracht werden. Und schon gar nicht hat es irgendetwas mit Handwerk zu tun. Daher danke ich "Hans Heukenkamp" sehr für seinen anschaulichen Bericht, den ich mit wesentlich größerem Gewinn gelesen habe, als belehrende Ausführungen selbst ernannter Experten, die angeblich genau wissen, wie etwas zu sein hat und die Inszenierungen nur vom Hörensagen her beurteilen.

    Ich hatte Anna Lapkovskaja zwar noch nicht als Dalila, aber in verschiedenen anderen Partien und kann nur sagen, dass sie eine sehr gute Sängerin mit einem überragenden Material ist und mit ihrer üppigen Stimme und beeindruckenden Tiefe eher dem entspricht, was man normalerweise von einer Dalila erwartet als das bei Garanca der Fall ist. Die hatte ich vor zwei Jahren und war mäßig begeistert. Ob Schager nun unbedingt ideal im französischen Fach ist, sei einmal dahingestellt... (In der Premierenserie hat das Brandon Jovanovich gesungen und das sehr gut.) Die Inszenierung ist gewaltiger Kitsch, aber es gibt viel zu sehen. Da das Stück kein gewaltiges Deutungsgefälle hat, hat es mich überraschend wenig gestört, dass das szenische Geschehen von keines Gedankens Blässe angekränkelt ist.