Beiträge von Leiermann

    Ah, vielen Dank! :thumbup: Das ist in der Tat komplexer, als ich es erinnerte. Es geht da wohl wirklich um einen Aspekt der "eigentlichen" Darbietung des Stückes - also ans Eingemachte...


    Himmlisch fand ich übrigens u.a. die wenigen "Berceuse"-Takte, die man irgendwo in der Doku sah. ABM mit Chopin gehört zu meinen vielen Bildungslücken.

    Lieber Christian,


    aus der Erinnerung heraus hätte ich gesagt, dass die entsprechende Sequenz eher mittig platziert ist, aber mir fehlt gerade die Zeit, das genauer herauszufinden. Da du geschrieben hattest, du habest Garben sehr gut verstanden, dachte ich, der Zusammenhang sei dir ohne Weiteres präsent. Ich habe ihn nämlich beim Schauen zumindest nicht klar verstanden. Ich meinte, dass sich das vielleicht eher auf die "begleitende" Art des Auftretens bezöge, auf eine Art außermusikalischer Attitüde - und Holger bezog sich ausdrücklich auf den Aspekt einer musikalischen Inszenierung. Ich weiß nicht, ob ich da richtig liege.

    Darüber könnte man aber nun aber wirklich disktutieren. Wobei für mich "inszenieren" in keinster Weise negativ ist und ich verstehe sehr gut, wie Cord Garben das meint. (...)


    Ich war übrigens bei einem der Ravel-Konzerte mit Celibidche 1992 dabei. (...)

    Oh, das ist ja toll!


    Dann hake ich da jetzt doch mal ein, da mich das mit der "Inszenierung" interessiert: Wie hast du Garbens Hinweis auf eine Selbstinszenierung Michelangelis aufgefasst? Und hast du sie im Konzert auch so erlebt, "wie Garben das meint"?

    Ja, sehr abwechslungsreiche und unterhaltsame Sinfonie mit markantem "Erkennungssignal", das beglückenderweise dann ganz am Schluss in Verbindung mit dem mich eben überraschenden, aber völlig überzeugend eingebrachten Presto wieder aufgegriffen wird und dem Ganzen einen schönen Rahmen verleiht.

    Den letzten Satz finde ich persönlich nicht zu lang: Von den Variationen möchte ich keine einzige missen, die Ausdehnung sprengt, finde ich, nicht das Werk oder erweckt den Eindruck einer mangelnden Ausbalanciertheit.

    Sehr hübsch und fein kam mir eben auch der dritte - kürzeste - Satz daher. Der ist ja auch ganz entzückend instrumentiert. Überhaupt: Zuerst dachte ich eben beim ersten Satz, dass das mit den Hörnern ja ein bisschen dicke sei. Aber je weiter ich hörte, desto mehr kam das Gefühl von Ausgewogenheit auf. Hat Freude gemacht.

    Lieber La Roche,


    ich hatte keinen Krieg zwischen uns ausgemacht, sondern lediglich dein Entsetzen über mein Posting.

    Ich möchte auch jetzt lieber nichts dazu schreiben, da ich William zugesagt habe, mich in diesem Thread inhaltlich nicht weiter zu äußern. An anderer Stelle würde ich einer Diskussion über Kunstfreiheit und Nazisauen allerdings sicherlich nicht aus dem Weg gehen.

    Lieber William,


    herzlichen Dank für deine Antwort, die mich natürlich sehr gefreut hat, da ich deine Reaktion noch weiter oben somit deutlich besser einordnen kann.

    Ich danke allen Taminos für die bis hierhin gelieferten Beiträge, erkläre aber verbindlich, dass ich eine weitere "Diskussion" nach altbekanntem Muster, die dem Forenfrieden, der Außenwirkung und letztlich meiner Gesundheit und sicherlich der des einen oder anderen nicht zuträglich ist, in diesem Thread nicht wünsche.


    Liebe Grüße


    Willi:no:

    Lieber William,


    dass ich mit dazu beigetragen habe, eine solche von dir unerwünschte Diskussion zu entfachen, tut mir sehr leid. Ich war der Ansicht, dass es für ein Forum normal wäre, wenn ich die in deinem Text deutlich erkennbare Kritik aufnehmen und weiterführen würde. Und ich hatte nicht den Eindruck, dass ich ein tradiertes "Tamino-Muster" bedienen würde, indem ich dies tat.

    Ich finde deine Schilderung und Beurteilung der Aufführung weiterhin interessant und höchst respektabel - und werde deinem Wunsch folgend lieber nichts mehr dazu schreiben. Lass es dir gutgehen.

    Lieber William, sehr interessant dein Bericht! Danke!

    Da wäre ich gerne dabei gewesen bei diesem politisch scharf aktualisiert-zugespitzten "Fidelio".

    Ich habe übrigens den Eindruck, dass die Unterbrechungen keine wirklichen Unterbrechungen waren, sondern zur Aufführung dazugehörten: Kann das sein?


    Weitere meiner Gedanken betreffen z.B. deine Frage: "Wenn man das liest, stellt sich einem unwillkürlich die Frage, ob man denn ohne diese filmischen Mittel die Handlung und die befreiende Botschaft der Oper nicht versteht und darüber nicht reflektieren kann."

    Ohne Ironie und Sarkasmus: Du kennst doch die Antwort. Natürlich geht das auch ohne. In zahllosen "Fidelio"-Aufführungen sollte das im günstigen Fall schon geklappt haben. Aber Frage und Antwort führen m.E. in diesem Zusammenhang dieser Inszenierung kaum weiter.


    Ebenso skeptisch bin ich bei allgemeinen Festlegungen, was der "Sinn" von Oper sein soll. Belehrung, Nachdenken, Unterhaltung und Erbauung sollten für dich immer dabei sein, das mag ja sein. Ich habe hier im Forum schon mehrfach gelesen, dass das keine Selbstverständlichkeit und demnach nicht konsensfähig ist. Ich erinnere Stimmen, die sich massiv gegen Nachdenken und Belehrung ausgesprochen haben zu Gunsten von Genuss, Ablenkung und Unterhaltung.

    Was ich damit sagen will: Über den generellen Sinn von Oper entscheiden wohl weder du noch ich. Ich fürchte fast, dass es einen solchen auch nicht gibt, sondern dass "Sinn" sich nur in Bezug auf Konkretes bestimmen lässt. In diesem Fall haben Volker Lösch und andere an der Konzeption, aber auch der konkreten Aufführung Mitwirkende einen "Fidelio" geschaffen, dessen transitorisch-einmaliger und wahrscheinlich vielschichtiger Sinn sich eben am Neujahrsabend zeigen sollte - und ich vermute, dass Lösch & Co vielleicht den unterhaltenden Aspekt nicht gerade oben angesetzt haben, das würde zu deinem Bericht nicht passen. Es war m.E. dann an dir und deinen Publikumsgenossen, Sinnhaftes aufzugreifen und weiterzuführen - oder eben im schlechten Falle nicht. Aber eine solche Aufführung scheint mir (mal wieder) klarzumachen, dass Oper natürlich kein Erfüllungsort für unsere eigenen subjektiven Vorstellungen - wie Oper zu sein habe - ist.


    Franz Schuberts (1797-1828) grosse Klavierwerke, die Klaviersonate B-Dur 960 und die Wanderer-Fantasie C-Dur op. 15 D. 760, hatte ich erstmals 1987 in dieser grandiosen Einspielung von Vladimir Ashkenazy kennengelernt.


    .

    Ja, eine tolle Einspielung, lieber moderato!


    Bei mir läuft derweil beim Aufräumen Mozart aus der Decca-Box mit Brendel/Marriner/Academy of St. Martin in the Fields, weil es mich unglaublich erdet und fast schon "reinigende" Wirkung hat. Habe blind etwas daraus gezogen, und nun erklingt CD1 mit dem KK Nr.5, welches ich kaum kenne.


    Mozart Klavierkonzerte

    "e.s.t. live in Hamburg" ist natürlich mittlerweile schon ein moderner Klassiker. Leider regt er mich zu so später Stunde mehr an als ab, deshalb könnte es sein, dass das Bett noch a weng warten muss. Die ersten beiden Tracks jedenfalls entfachen schon mal eine beträchtliche und mitreißende Dynamik, und das bleibt bei diesem Gig insgesamt ja auch so.


    Live in Hamburg

    Ich höre mit größtem Vergnügen in die Aufnahme unter Adam Fischer. Die charakteristische, noble Elegeanz, pompös bisweilen, weicht nachher einer recht unbekümmerten, auftrumpfenden, mehr grob geschnitzten als fein ziselierten Musik. Da tanzt der Bär tatsächlich. Die Aufnahme stammt immerhin schon aus dem Jahr 1991, dafür ist der Klang sehr ordentlich, finde ich, zumal hier auch an historische Stätte aufgenommen wurde, nämlich im Haydnsaal in Schloss Esterházy. Das Werk sprüht vor Lebensfreude, und insbesondere das Finale ist ein echter Geniestreich. Ein absolutes Highlight unter den Haydn-Symphonien, wie ich finde.

    Lieber Don_Gaiferos, der Abend hier im Forum war etwas schwierig, aber du lenkst das jetzt wieder in die richtige Bahn: Danke für die Anregung, ich werde mir den Fischer jetzt als positiven Abschluss des Abends einlegen. :) (Nächste Woche höre ich Nr.103 im Konzert - freue mich darauf sehr!)

    Da braucht man nur auf die Geschehnisse des Jahrs 1933 in Deutschland zu schauen. Was ich in diesem Falle machen würde? Ich zitiere da mal meinen Musiklehrer vom Gymnasium: Eine Knarre nehmen und in den Untergrund gehen.

    Bei mir hinge es davon ab, was genau Alfred meint. "Extrem konservativ" auf der Grundlage unserer Verfassung: müsste und würde ich schlucken. Ansonsten: Entsetzlich. Da bliebe nur der Widerstand, was sonst.

    Er mag recht haben, ist dabei aber sicherlich kein unbeteiligter Beobachter ...

    Entschuldigung. Auch ich habe mich jetzt in die Reihen der Zerschießer begeben. Wollte ich eigentlich gar nicht. Aber da es um so grundsätzliche Wert- und Weltvorstellungen ging, empfand ich es wohl angemessen, Position zu beziehen. Das Ganze wäre anders gekommen, wenn im Forum nicht relativ hochfrequent politisch-weltanschauliche Botschaften zu lesen wären, die die Zerschlagung eines für mich unverzichtbaren Wertekonsens forcieren sollen.

    Jetzt wird es mir, bei so vielen "alternativen Fakten", zu bunt und ich bin raus aus dem Thread. Und konsequent sollte man zumindest sein - nicht eine Diskussion mit führen und dann hinterher den "Anderen" vorwerfen, sie seien undemokratisch, weil sie da mitwirken. Es gibt übrigens kein Verbot für Flüchtlinge, ein Land zu betreten. Über die Rechtmäßigkeit eines Flüchtlingsanspruchs entscheidet nicht die Grenzpolizei, sondern ordentliche Gerichte.


    Und auch über "Polizeisperren durchbrechende Demokraten" entscheiden im Zweifelsfall Gerichte. Gut, dass wir den Rechtsstaat haben.

    Bezeichnend ist ja, dass dieselben Populisten, die von "Lügenpresse" u. dgl. reden, die Demokaratie untergraben durch demokratiefeindliche Aussagen wie die von der "schweigenden Mehrheit" und Verschwörungstheorien anhängen.

    Richtig, Holger. So sieht es leider aus. Und die "Lügenpresse"-Skandierer informieren sich dann ganz "objektiv" bei "Sputnik" & weiteren Propaganda-Medien. :D

    Die Mehrheitsverhältnisse sind an Wahlen ablesbar. Und es wird den Verschwörungstheoretikern nichts helfen, von anderen Mehrheitsverhältnissen zu schwadronieren.


    Zur Oper: Natürlich gibt es Vernetzungen unterschiedlicher Richtungen, das ist ganz normal. Ich z.B. bin hier Mitglied in einem "Anti-RT-Netzwerk", was schon ein wenig komisch, aber auszuhalten ist. An ein gleichgeschaltetes "Pro-RT-Netzwerk" mit umfassenden Machtmitteln glaube ich aber nicht mal im Traum und bin diesbezüglich ganz entspannt.

    Und falls es mal wieder irgendwann einen Zeitgeist gibt, der noch retrospektiver orientiert ist, als es ohnehin schon in der klassischen Musikszene der Fall ist, dann bliebe ich ebenfalls entspannt.

    Kante zeigen müsste ich allerdings dann, wenn Menschen sich allen Ernstes daran machten, die Kunstfreiheit mit obskuren Begründungen aushebeln zu wollen. Und ich bin mir sicher, dass es gewaltige Kräfte bei uns gibt, die sich so etwas nicht bieten lassen würden. Darauf mache ich mir jetzt ein Bier auf und denke erwartungsfroh an alle kommenden "traditionellen Opernaufführungen", die ich noch erleben werde.

    Leider kenne ich die Mozart-Einspielungen von Gould nicht. Werde mich mal umsehen um sie zu ergattern.

    Sollte eigentlich kein Problem sein, denke ich.


    Ich hingegen habe mal geguckt, ob es noch mehr eingespielten C.P.E. Bach von Gould gibt als nur die "Württembergische" a-Moll(!)-Sonate (Wq49, Nr.1). Habe nichts gefunden, mir aber diese eine dann doch noch mal angehört. Sie ist mir nie so richtig ins Ohr gefallen; vielleicht lag es auch daran, dass sie auf dem Album so ein wenig "angehängt" ist. Gould spielt sie (o Wunder...) metrisch deutlich strenger als z.B. Belder (dessen CPE Bach-Einspielungen m.E. grandios sind) oder auch Markovina - das hat Hand und Fuß, ist wie aus einem feinen Guss - wirklich toll! Auch die Komposition gefällt mir sehr. Insofern: Schade, dass es davon nicht noch mehr bei Gould gibt.


    Edit: Ich vergaß zu erwähnen, dass ich mich beim dritten Satz der Bach-Sonate fragte, ob sich Mozart davon wohl für den ersten Satz seiner a-Moll-Sonate hatte anregen lassen. War nur so ein Gedanke bei den akkordischen Repetitionen und diesem "zornigen" Ausdrucksgehalt.

    Lieber Michael,

    vielen Dank für diesen tollen Bericht über eine Oper, die mir allerdings noch unbekannt ist. Toll, dass du gerade wieder so aktiv bist mit deinen Texten, denn dieser z.B. hätte natürlich richtig Laune auf einen Besuch gemacht (ohne dass du nun alles undifferenziert über den Klee gelobt hast), wenn er in dieser Spielzeit noch möglich gewesen wäre. Na ja, wer zu spät kommt...

    Lieber Leiermann,

    schreibt man in Foren, so läuft man Gefahr sich kurz und knapp zu verhalten, da man keine Romane verfassen will, die keiner liest. (...)

    Lieber Bachianer, das mit den Romanen verstehe ich schon. Du hast es allerdings bereits gemerkt: Ich gehöre zu der unangenehm pingeligen Sorte und mag es eher nicht so, wenn Dinge polemisierend verfälscht werden, die mir eine differenziertere Betrachtung wert sind. So habe ich mich erbsenzählerischerweise z.B. gefragt, wie du das zählst mit Mozarts Moll-Werken: Ich selbst komme auf mehr als deine höchstens zehn.

    Wie auch immer: Rampes Superlativ, die Experimentalität der a-Moll-Sonate Mozarts betreffend, führte ich als Beleg dessen an, dass es sich hier um keine künstlerisch leichtgewichtige Sonate handelt. Ich selbst könnte diesen Superlativ mangels Überblick und Wissen aber nicht stützen. Insofern glaube ich dir aufs Wort, dass es bei CPE Bach ebenfalls "Sonatenexperimente" gibt, die dem Hörer lohnenden Gewinn versprechen.

    Was ich allerdings nicht glaube: Dass Rampe hinsichtlich der "Nordisten"-Sonaten ahnungslos sei. Ich kenne seine Literatur dazu nicht, aber immerhin hat er ja eine Monographie zu Leben und Werk CPE Bachs verfasst.


    Wir sind in der Sache gar nicht mehr so weit auseinander, wenn ich deine letzten Relativierungen richtig verstanden habe. Vielleicht kann hier dann auch mal wieder zu Gould geschrieben werden?

    Jazz und Freiheit - das sind fast Synonyme. Gestern schickte mir mein Sohn ein Foto der Aula seiner Schule, in welcher ich gerade vor ein paar Tagen einem Hausmusikabend beiwohnte, aus dem Jahr 1940: Absolut gespenstisch zu sehen, wie da Hakenkreuzfahnen und -banner den Raum erdrückten, wo neulich Musik aus allen Richtungen (stilistisch und geographisch) zu hören sein durfte.

    Vor einer halben Stunde habe ich mir "Carla Bley - The lost chords find Paolo Fresu" angemacht. Dieses wunderbare Album hätte niemals das Gesicht der Welt erblickt, wenn die Feinde der Kunstfreiheit das letzte Wort behalten hätten.


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    Eine meiner liebsten Gesamtaufnahmen ist diese:

    Friedrich Gulda mit seiner legendären Beethoven-Sonaten-Schau auf AMADEO aus den späten 1960er Jahren (...)


    Da stimme ich dir von Herzen zu, lieber nemorino! Ich liebe diese CD-Box, obwohl das mit der Tracknummerierung echt blöd ist, wenn man einzelne Sätze abspielen möchte. Aber Guldas Gesamtschau auf die Sonaten ist einfach toll.

    Nun geht es etwas ins "Eingemachte". Moll(sonaten)werke und sog. seelische Konflikte. Wann fällt Liebhabern der "südlichen" Klaviermusik auf, dass Werke in Molltonarten Seltenheitswert haben. Genau das war mit ein Grund in der 2. Hälfte des 18. Jhdts für einen fast erbittert geführten "Glaubenskrieg", Nord gegen Süd. Die "Nordisten" bezeichneten solche Werke als "süßliches Geklimper", alles in einfachen Durtonarten, Dudelbässe, Läufe mit der rechten Hand rauf und runter, uvam. Beispiel: Mozarts Zeitgenosse CPE Bach: ca 50% seiner Klavierwerke sind in einer Molltonart geschrieben. War der etwa Selbstmord gefährdet wg. andauernder seelischer Konflikte? Oder könnte es sein, dass Mozart (und Haydn) sich intensiver mit der "Nordmusik" beschäftigten und feststellten, dass es so wie gehabt nicht weiter gehen kann?

    Das kann ich dir nicht sagen. Allerdings hatte ich mit dem Hinweis auf die a-Moll-Sonate Mozarts auf deine Pauschalaussage reagiert, Mozart hätte seine Solo-Klavierwerke "aus dem Ärmel schütteln" können, sie seien Produkte des "Tagesgeschäfts" für Schüler und Liebhaber. Und das halte ich mit Blick auf eine Sonate wie diese für nicht haltbar. Rampe schreibt diesbezüglich von einem der "tiefgründigsten und persönlichsten" Werke Mozarts "und ganz gewiß das gewagteste Sonaten-Experiment überhaupt, das bis zur damaligen Zeit unternommen wurde", und begründet diese Einschätzung dann anhand einer nachvollziehbaren Analyse. Des Weiteren weist er darauf hin, dass es hier eine musikalische Ausdrucksform zu verzeichnen gibt, "die Zeitgenossen einen kaum anderen als schockierenden Eindruck vermitteln und bei ihnen wohl schwerlich auf verständnisvolle Rezeption stoßen konnte". Da hat die Ablage "Tagesgeschäft" (nicht nur bei dieser Moll-Sonate) absolut ausgedient.

    Und was CPE Bach angeht: Darüber weißt du besser Bescheid als ich. Aber deine Überlegung einer suizidalen Disposition erscheint mir ziemlich weit hergeholt - woher, müsstest du sagen. Auch inwieweit Mozart nun überhaupt auf den Dur-Moll-Streit reagiert hat - keine Ahnung. Da weiß ich nicht ganz, was diese Spekulation soll.


    Mal wieder ein Schlenker zu Gould: Gerade der zweite und dritte Satz der a-Moll-Sonate gewinnen durch seinen unvergleichlichen interpretatorischen Zugriff eine Prägnanz und Eindringlichkeit der Sonderklasse. Dafür sind nicht zuletzt natürlich auch der Klang des Flügels sowie die Anschlagskultur maßgeblich. Mich überzeugt das praktisch uneingeschränkt (ist beim ersten Satz nicht ganz so).

    Zu den Sonaten KV 279-284: da hat mich Deine Bemerkung dazu gebracht das KV aufzuschlagen. Vorsicht, Vorsicht! "..in Augsburg und in München ..recht oft auswendig gespielt".. Nur, wieviele Zuhörer waren denn dabei? Bezahlte Konzerte? Bei KV 284 steht: "Canabich..hat eine TOCHTER die ganz artig Clavir spiellt, und damit ich ihn mir recht zum freunde mache, so arbeite ich jetzt an einer sonata für seine Madelle tochter...", Klartext: Arbeit für Schüler und zweckgerichtetes Komponieren (Freundschaft)!

    Lieber Bachianer, ich lese mich jetzt von terminlichen Zwängen etwas befreiter nochmal ein wenig in deine Postings ein. Als Ergänzung zu den o.g. Sonaten: Dass einige auch gezielt mit Blick auf bestimmte Personen (s. auch den Freiherrn von Dürnitz) komponiert wurden, schließt ja nicht aus, dass sie nicht zugleich Mozarts Ansprüche hinsichtlich möglicher öffentlicher Aufführungen erfüllen sollten.

    Natürlich weiß ich nichts Genaueres über Zuhörerzahlen, aber z.B. in Augsburg waren es immerhin u.a. "vornehme" Akademie-Konzerte. Und das geht über deine Zuschreibung ("Als 'Zuhörer' fungierte da die Familie, ab und zu vielleicht ein paar Freunde. Das war´s dann schon.") hinaus.

    Siegbert Rampe legt sich fest, dass "Mozart die Werke für seine eigene Konzerttätigkeit geschaffen haben [dürfte]". Und auch speziell zur "Dürnitz-Sonate" schreibt er, es sei "unübersehbar, daß der Komponist die von ihm persönlich so häufig aufgeführte Sonate vornehmlich für die eigene Konzerttätigkeit schuf".

    Lieber Leiermann,


    da steht Dir ja mit Sicherheit ein tolles Konzert bevor, und ich freue mich gerne mit Dir und wünsche Dir ein tolles Erlebnis - ich hoffe, Du berichtest hier darüber!


    Liebe Grüße

    Dir dann einen SEHR ernst gemeinten lieben Dank, lieber Don_Gaiferos. Ich habe mir gerade gestern eine 4er-Karte für Levits Beethoven-Zyklus bis ins Jahr 2021 gegönnt, weil mich das erste Recital davon in der Elphi schon ziemlich überzeugt hat. Zudem höre ich natürlich auch mit Interesse seinen im Studio eingespielten neuen Sonaten-Zyklus. Inwieweit ich über den heutigen Abend zum Schreiben komme... - mal sehen, es reicht zur Zeit eher nicht für mehr als für Kurzpostings. Andererseits tauge ich auch nicht so sehr dazu, Recitals zu besprechen, das können andere viel besser.


    Und jetzt erwarte ich von diesem Forum, dass es sich heute Abend weiter anzickt. Aber ohne mich, Leute! :P

    Liebe Kollegen,


    regt Euch nicht so auf ,sondern hört an diesem trüben Novembertag lieber Eure Lieblingsmusik.smilie_musik_058.gif

    Klasse Tipp! Ich rege mich also ab und fahre gleich zu Igor Levit, der einen weiteren Beethoven-Abend gibt. Und ich erwarte von einem klassischen Forum, dass es sich kurz mit mir darüber freut. Danke, sehr nett.

    Ind jetzt weiß ich auch wie ich den Mozart Stil vvon Krips bezeichnen würde: EINDRINGLICH !!

    Das, lieber Alfred, passt auch zu Goulds Blick auf Krips, der dessen Mozart-Dirigat beim Concertgebouw-Orchester in den Jahren 1972-1974 als "magisch" bezeichnete und äußerte, Krips sei der "meistunterschätzte Dirigent seiner Generation". Wenn Krips in einer kenntnisreichen und zugleich sehr einfachen (aber laut Gould nicht naiven!) Art über Mozart oder andere Komponisten sprach, dann hatte der kanadische Pianist den Eindruck, "einem großen Theologen" zu lauschen.

    Michael Stegemann schreibt dazu: "Über kaum einen anderen Musikerkollegen hat sich Gould so ausführlich und so rückhaltlos enthusiastisch geäußert wie über Krips, und es ist unendlich zu bedauern, daß es nie zu einer gemeinsamen Schallplatten- oder Rundfunkproduktion der beiden gekommen ist [...] Womöglich wäre (obwohl Gould dies bestritten hat) gerade die Zusammenarbeit mit Krips in Sachen Mozart eine Offenbarung geworden..." [alle Zitate in: Michael Stegemann: Glenn Gould - Leben und Werk.]