Beiträge von MSchenk

    Ich möche die Leinsdorf-Einspielung von Korngolds "Die tote Stadt" von 1975 nominieren. Ihre Bedeutung besteht darin, daß sie eine wesentliche Voraussetzung der (kleinen) Korngold-Renaissance abgibt, die seit ein paar Jahren auf europäischen Opernbühnen zu beobachten ist.

    In diesem Zusammenhang recht amüsant: In einer von mir besuchten Inszenierung am Stadttheater Lübeck (siehe hier) fungierte die Schallplattenbox der Leinsdorf-Einspielung sogar als Requisit, was die Bedeutung der Aufnahme nochmals hervorhebt ^^

    Wie kann man nur so etwas machen? Ich kann mir auch nicht vorstellen, daß Frau Bartoli dafür verantwortlich ist. Einen solch obskuren Geschmack traue ich ihr echt nicht zu.

    Oh doch! Ich denke, Frau Bartoli weiß da ganz genau, was sie tut; siehe z.B. ihr Interview für den BR Zurück mit Bart. Im übrigen verstehe ich die "Aufregung" nicht wirklich, das Cover ist nicht unästhetisch, spielt geschickt mit Erwartungen und Rollenbildern (die bzgl. des Geschlechtes ja gerade in der Barockoper vielfältig und manchmal sogar unübersichtlich sind). Zusätzlich haben wir es im deutschen sogar noch mit einen - zugegeben nicht sehr tiefsinnigen - Wortspiel zu tun ... Abgesehen davon: ich kann mich schon jetzt nicht mehr so präsentieren, wie Cecilia Bartoli mit knapp Mitte 50 - und das liegt nicht nur an meinem spärlichen Bartwuchs.

    die Konzertplaner/Dirigenten machen aber auch den Fehler, dass Sie auf Teufel komm raus mit "ungeniessbarer Avantgarde" den Hörer unnötig belasten. Mit "SOWAS" kann man doch keinen Klassikhörer hinter dem Ofen hervorlocken.

    Was mich hier ein wenig stört, lieber Wolfgang, ist das Pauschalurteil! - Was "ungeniessbare Avantgarde" oder allgemeiner "ungeniessbare Musik" ist, entscheidet immer noch jede bzw. jeder für sich, und ob sie bzw. er sich davon unnötig belastet fühlt, wohl auch. Tatsächlich lasse ich für meinen Teil mich sehr gerne (vor allem auch im "Grossen Konzert" oder in der Oper) von Berg, Schönberg, Henze, Messiaen, Stockhausen, Reimann, Lindberg etc. pp. hinter dem Ofen hervorlocken, richte sogar meine Saisonplanung dahingehend aus und wüsste nicht, warum mich dies als Klassikhörer disqualifizieren sollte!? Dasselbe Schema, wenn die "Gegner" des sog. Regietheaters den "Anderen" absprechen, wahre Opernfreunde zu sein. ... :/

    Interessanterweise, so jedenfalls mein Eindruck aus der Praxis eigener Konzertbesuche, besteht im "klassischen Konzert" schon eher die Bereitschaft, etwas "modernes" im Zusammenspiel mit dem "Standardrepertoire" zumindest wohlwollend in Kauf zu nehmen.

    Zwischen "Bereitschaft" und "sich der Erpressung fügen" ist IMO ein himmelhoher Unterschied, "in Kauf zu nehmen" lasse ich ja noch gelten - nur das Wort "wohlwollend" stört mich..

    Ich glaub allerdingss nicht, daß das dünne Eis noch sehr lange halten wird. Das war in Bezug auf "Klassikszene.

    Nur, damit ich Deine Antwort richtig einordnen kann: Wieviele "klassische Konzerte" hast Du in den letzten - sagen wir mal - zehn Jahren besucht? Und wievielen "Erpressungsversuchen" warst Du dabei in welcher Form genau ausgesetzt?

    Es mag auf andere vielleicht etwas verschroben wirken, aber ich persönlich käme mir nicht wirklich ernstgenommen vor, wenn einer meiner Opernberichte damit bedankt wird, dass man besagte Inszenierung nun erst recht nicht besuchen wird ... insbesondere, wenn eine derartige Replik inhaltlich nicht wirklich neu sondern eher voraussehbar ist.

    Mit "leichter" Crossover-Klassik lassen sich einige jüngere Durchschnittsbürger durchaus ganz gern hin und wieder mal angenehm berieseln. Was darüber hinausgeht, ist für viele zu anstrengend und uninteressant.

    Ob es nur dem jüngeren Durchschnittsbürger so geht, wage ich zu bezweifeln. - Ansonsten halte ich den Grundtenor deiner Aussage aber für richtig; frei nach dem Motto: Was der Bauer nicht kennt, dass frißt er nicht! Insofern besucht auch der ältere Durchschnittsoperngänger eher seinen Wagner, Mozart, Verdi oder Puccini. Britten, Schreker oder gar Berg haben es da erfahrungsgemäß weit schwerer. Interessanterweise, so jedenfalls mein Eindruck aus der Praxis eigener Konzertbesuche, besteht im "klassischen Konzert" schon eher die Bereitschaft, etwas "modernes" im Zusammenspiel mit dem "Standardrepertoire" zumindest wohlwollend in Kauf zu nehmen.

    Da schau mal in meinen im Frühjahr erstellten Thread "Il Trovatore" in Liberec.

    Ja, aber wir sind doch jetzt nicht beim Il trovatore aus Liberec, sondern bei Willis wirklich gelungenem Bericht über den Fidelio aus Bonn, sowie Leiermanns kluger und vollkommen unaufgeregter Entgegnung, und da war bis zu dem m.E. recht unnötigen Nachsatz in Beitrag #3 keine Spur von "sachlich fachlichen Stänkereien".

    Also wenn ich ganz naiv

    [...] die aber nur darauf warten, um als billige Trittbrettfahrer, ihre ungefragten "sachlich fachlichen" Stänkereien loszuwerden.

    mal auf

    Von Leiermanns Entgegnung bin ich entsetzt und erschüttert. Wozu "Freiheit in der Kunst" führen kann, das müssen im Moment "alte Umweltsauen" und "Nazisauen"

    aushalten.

    beziehe, frage ich mich wen Du mit

    [...] den drei, vier selbsternannten Experten [...]

    eigentlich genau meinst?

    Als Hamburger kenne ich zumindest das Ensemble Resonanz aus verschiedenen zumeist hervorragenden Konzerten. Was das WO angeht, so habe ich mal "reingehört" und es handelt sich sicherlich nicht um eine Einspielung, die ich als erstes hören oder empfehlen würde. Es handelt sich quasi um eine "Hausmusik"-Fassung inkl. E-Gitarre, Hammond-Orgel(?) und anscheinend einstimmig besetztem Chor. - Auf jeden Fall ist die Einspielung interessant, allerdings rate ich Dir, vor einem eventuellen Kauf verfügbare Soundschnipsel (oder komplett auf spotify) anzuhören.

    Von Leiermanns Entgegnung bin ich entsetzt und erschüttert. Wozu "Freiheit in der Kunst" führen kann, das müssen im Moment "alte Umweltsauen" und "Nazisauen"

    aushalten.

    Verstehe ich nicht!? - Tatsächlich ist Leiermanns Beitrag doch eher recht vermittelt und benennt insb. auch andere Sichtweisen, die z.B. Dir und anderen nicht fremd sein dürften. Und was soll dabei Dein Rekurs auf die verschiedenen "Sauen", von denen pikanterweise die eine hauptsächlich von der anderen durch die sozialen Netwerke getrieben wird? Mit der berühmten "Sache" bzw. "Sachlichkeit" hat das wohl nix zu tun ... :/

    Es ist einer der beliebtesten dialektischen Tricks, etwas aus dem Zusammenhang zu reißen und darauf die Argumentation aufzubauen, um ein gewolltes Ergebnis zu erreichen.

    Tja, wie die zumindest einige Beiträge zeigen, war das eine Superidee! - Was war denn bitteschön Dein "gewolltes Ergebnis"? Die üblichen tendenziösen, unsachlichen Falschbehauptungen hervorzurufen? - Und alles auf Basis eines Artikels einer Redaktion, die - schenkt man der Einordnung von Orfeo glauben - selber ganz offenbar nicht in der Lage ist, irgendwelche Informationen adäquat zu bewerten.


    Na, da Danke ich doch recht herzlich! Und ja, mich ärgert es durchaus, wenn jemand einen dermaßen unreflektierten Unsinn verzapft. Und da ändert es auch nichts, wenn dieser jemand unser Ehrenpräsident ist, den ich ansonsten sehr schätze.

    Ich denke, die Eingangsfrage scheitert (leider) an einer Art Zirkelschluss: Einerseits sollte jemand, der sich nur gelegentlich mit klassischer Musik beschäftigt vielleicht bzw. nach unserer Meinung zumindest Beethoven und Brahms, nicht unbedingt aber Bruckner kennen. Andererseits beschäftigt sich jemand, der zwar Beethoven und Brahms, nicht aber Bruckner kennt, (unserer Meinung nach) vermutlich nur gelegentlich mit klassischer Musik. - Definiert also das Gelegentliche die Kenntnisse oder definieren doch eher die Kenntnisse das Gelegentliche?!

    Lieber Joseph II., warum so "geunkt" ;) Klar, an dieser Stimme scheiden sich offenbat´r die Geister, aber ich habe Vogt in den letzten Jahren einige Male gehört (Lohengrin, Parsifal, Meistersinger, Die tote Stadt, Das Buch mit sieben Siegeln, Beethoven op.125 und Missa solemnis) und ja, ich habe jedesmal zu Beginn gedacht "Die Stimme hält nie und nimmer!" und ja, am Ende war es ausgezeichnet gesungen, tragfähig, verständlich und ohne Ermüdungserscheinungen und ebenfalls ja, aus der Konserve wirkt die Stimme befremdlich feminin und für Wagner nicht wirklich geeignet, aber auch ja, die Stimme ist im Laufe der Zeit zumindest für meine Ohren dunkler und kräftiger geworden. - Insofern halte ich einen Tristan (in zwei Jahren) keinesfalls für unmöglich oder gar "tragikomisch". Vor allem habe ich jedoch genug zutrauen in Vogt, der ja wahrlich kein Neuling in dem Geschäft ist, dass er es nicht "auf Teufel komm heraus" versuchen wird, sondern eher klug agiert. - Immerhin, Kaufmann will es Gerüchten zufolge wohl schon 2021 versuchen und ich persönlich sehe keinen Grund, warum ich es dem einen oder anderen mehr oder weniger zutrauen sollte.


    Warten wir doch einfach ab, wie es wird! Wobei eines sowohl bei Vogt, als auch bei Kaufmann jetzt schon sicher ist: die einen werden es lieben, die anderen werden es hassen ... und das wird nicht immer etwas mit der musikalischen Qualität zu tun haben :untertauch:

    [...] als im Opernhaus die geschätzten Werke in verdrehten Inszenierungen ansehen zu müssen und sich hinterher über sinnlos hinausgeworfenes Geld, das bei mir nicht so locker sitzt wie bei manchen anderen, die hier im Forum schreiben, zu ärgern.

    Verehrter Gerhard, woher weißt Du eigentlich so genau, dass bei anderen, die hier im Forum schreiben, dass Geld so fürchterlich locker sitzt, wie Du hier nicht zum ersten Mal behauptest?

    Wenn ich für die Oper "brenne" (und nur dann sollte man sich meines Erachtens dazu äussern), dann lasse ich ich doch keine der wenigen Übertragungen aus, die mir vom Fernseher aus den führenden Opernhäusern mit den heute führenden Sängern frei Haus geliefert werden. Sollte ich keine Zeit haben, nehme ich sie auf und sehe sie mir dann später an.

    Entschuldigung, aber ein wenig ärgert mich das jetzt schon! - Ich besuche in dieser Saison immerhin ca. 18 Opernaufführungen und 18 Konzerte - und zwar nicht vor dem Fernseher und auch nicht im Kino, sondern tatsächlich live. Und jetzt kriege ich von Dir zu hören, dass ich wohl zuwenig "brenne" oder von Gerhard, dass ich mich mit Opern vermutlich garnicht auskenne und überhaupt gleich kein "wahrer Opernfreund" bin, weil ich es neben Beruf und Familie nicht auch noch schaffe, mir bitteschön jede Fernsehübertragung (die ich im übrigen zumeist tatsächlich für später herunterlade) anzuschauen um mich an den hier zunehmend eindimensionalen Diskussionen zu beteiligen oder Gerhards schwachsinnige Fragen zu beantworten. - Ich meine, bitte gerne: Wenn die hier anwesenden Rentiers bereit sind, mir die Hälfte ihrer hochverzinsten Coupons abzutreten, dann immer zu und vielleicht kann ich mir dann auch die zusätzliche Zeit nehmen, Euren Anforderungen nachzukommen :cursing:

    Die Aufnahmen von Berlin und Salzburg zeigen Karajan dagegen als ausgemachten Symphoniker, der die einzelnen Ring-Opern jetzt ausgesprochen kammermusikalisch angeht und gleichzeitig mit einer hervorragenden Transparenz aufwartet.

    Gut gelungen ist wiederum Karajans Aufnahme des Fliegenden Holländer von 1984, den er von der symphonischen Warte her deutet und ebenfalls recht kammermusikalisch ans Werk geht.

    Ich möchte nicht beckmessern, aber wie geht ein symphonischer Zugriff mit einer eher kammermusikalischen Deutung zusammen? Und wenn kammermusikalisch, warum dann die gleichzeitig hervorragende Transparenz loben? M.E. ist Transparenz geradezu eine conditio sine qua non für eine gelungene kammermusikalische Deutung und "von der symphonischen Warte" her musiziert ist nicht unbedingt das unvereinbare Gegenteil (auch symphonisch kann transparent sein), aber vielleicht doch eher etwas anderes!? Oder meinst Du einfach nur, dass man bzw. in diesem Fall HvK auch mit einem großen Wagner-Orchester kammermusikalisch zu interpretieren vermag, was ich z.B. bezogen auf seinen Studio-Ring durchaus einräumen würde.

    es kommt nur darauf an, ob man die Erotik nur behutsam andeutet, oder aber, wie das im "modernen" Theater häufig der Fall ist, dem Zuschauer brachial als groben Sex präsentiert.

    Bekanntlich gehöre zu der Spezies Mensch, die relativ häufig in die Oper geht (Schauspiel mangels Zeit leider viel zu selten) und dabei auch das "moderne" (Musik-)Theater nicht scheut. Und wenn ich nun die letzten ca. 35 Jahre mal so Revue passieren lasse, erinnere ich mich an erschreckend wenig brachial-groben Sex ... offenbar besuche ich also die falschen Häuser :/

    Und wenn man dem Zuschauer keinen Freiraum für seine eigenen Überlegungen lässt, brauche ich gar nicht mehr hingehen und bin nur mit dem Textbuch bestens bedient.

    Lieber Erich, die Regieanweisungen sollten mehr befolgt und weniger interpretiert werden; dies kann ich als Forderung - es wäre nicht meine - akzeptieren. Allerdings sehe ich nicht, inwiefern sich durch eine strengere "Auslegung" der Regieanweisungen der interpretatorische Freiraum des Zuschauers vergrößern sollte? Tatsächlich befürchte ich in diesem Fall eine eher hermetische Darstellung auf der Bühne, die den Zuschauer von der Notwendigkeit, eigene Überlegungen anzustellen, entbindet. Zwar kann man auch dies wollen, und so (Musik-)Theater eher unter "kulinarischen" Aspekten betrachten. Dies ist mir persönlich aber viel zu wenig. - In einer vernünftig geführten Debatte hätten wir es also mit einem "Alles ist so, wie im Textbuch beschrieben. Ich genieße und frage nicht!" vs. "Die Dinge sind (zumindest vordergründig) nicht so, wie im Textbuch beschrieben. Warum?" zu tun.

    Auch, wenn Donald Trump dies so wohl nicht unterschreiben würde, passt Gershwin, Porgy and Bess für die USA m.E. sehr gut! Für Frankreich käme auch Debussy, Pelléas et Mélisande in Frage, Poulenc; Dialogues des Carmélites ist aber sicher zu erwägen. Für die Schweiz gäbe es ja durchaus Guglielmo Tell, wäre diese Oper nicht von Rossini und gleichzeitig der Beginn der französischen Grand opéra :untertauch: - Das Thema Nationaloper ist schon vertrackt!

    [...], möchte ich wissen, wo wir ein Theaterstück (ich rede gar noch nicht von Opern) in einem Originalzustand sehen können, [...]

    Vielleicht im Textbuch? - Auf der Bühne gab, gibt und wird es einen "Originalzustand" nie geben! - Will sagen, bzgl. der Aufführung oder auch der Aufführungstradition gilt gewissermaßen vom ersten Moment an panta rhei.

    Schon spannend, was hier so zu Tage gefördert wird. Don_Gaiferos Vorschläge für Spanien klingen schlüssig. An folgender Stelle würde ich ergänzen bzw. tauschen wollen:

    Deutschland:

    - Wagner, Die Meistersinger von Nürnberg

    - Weber, Der Freischütz

    Wenn es Wagner sein soll, hielte ich den Lohengrin für die bessere Wahl: ähnlich dem Freischütz kommt hier der romantische Aspekt nicht zu kurz und passt deshalb m.E. besser zum deutschen Gemüt.

    Eine Idee wäre vielleicht etwas von Massenet.

    Apropo, da fielen für Spanien Le Cid oder Don Quichotte ab ;) Aber um noch kurz bei Frankreich zu bleiben: Berlioz(!) - der sich ja mit La damnation de Faust auch am Faust-Stoff versucht hat - aber taugt Les Troyens als französische Nationaloper? Dann vielleicht eher für Griechenland ...


    p.s. Überhaupt, Frankreich und Spanien: Bizet, Carmen.