Beiträge von MSchenk

    Habe vor ein paar Wochen am Stadttheater Lübeck den Boris Godunow (Urfassung von 1869, also z.B. ohne "Polen-Akt") in der Konwitschny-Inszenierung (Übernahme aus Nürnberg) auf deutsch gehört und gesehen. Das hat ganz ausgezeichnet funktioniert!

    Gibt es Opernaufführungen und CD Einspielungen mit Bühnenwerken Richard Wagners in italienischer Sprache?

    Eine der bekanntesten ist wohl der Parsifal mit der Callas:



    Und es würde mich doch sehr wundern, wenn man nicht mindestens noch einen Lohengrin auftreiben könnte ...

    Bei Deinen Beiträgen zur Opernbühne, Michael, bin ich stets zu etwa 81,5 Prozent auf Deiner Seite. Hier sind es mal (mindestens) 100.


    Kotzen bitte mit großem K, da durch Präposition und Artikel (verschmolzen) substantiviert. :evil: Aber auch ansonsten ................

    Lieber Wolfgang, zuerst vielen Dank für Deinen Zuspruch! Ich hatte schon befürchtet, einmal mehr über das vertretbare Ziel hinausgeschossen zu sein. - Und was das große K angeht, so konnte ich dies sogar noch korrigieren.

    Ich fürchte, es gibt da keine wirklichen Stellschrauben. Der "freie Markt" funktioniert leider so und verbieten wird man es nicht können. Was unserer Gesellschaft offenbar immer mehr verloren geht, ist der Sinn und das Verständnis dafür, was noch angemessen und vertretbar ist.


    Die Preise, die zunehmend für Kunstwerke aufgerufen werden, stehen ganz offensichtlich in keinem Verhältnis mehr zu deren materiellen, idellen und gesellschaftlich-sozialen Werten. Es geht hier meistensteils um Gewinnmaximierung und mögliche Wertsteigerung, das eigentliche Kunstwerk verkommt zum Spekulationsobjekt. Zudem hat z.B. die öffentliche Hand in Form von Museen kaum noch eine Möglichkeit, mit ihren beschränkten Budgets einen Zugriff zu erlangen um die Kunstwerke später der Allgemeinheit zugänglich zu machen. Die Objekte verschwinden immer häufiger auf Nimmerwiedersehen in den Tresoren privater Anlege. Und aus welchen Quellen das Vermögen stammt, welches hier investiert wird, weiß man nicht, da die Käufer und Verkäufer es (aus Feigheit?) oft vorziehen, anonym zu bleiben.


    Nicht nur asozial, sondern auch instinkt- und stillos, wider die Guten Sitten, obszön - nenn' es, wie Du willst: Ich finde es zum Kotzen! Und wo ich grad dabei bin: Was etwa auf dem Transfermarkt für Fußballspieler passiert, würde ich grundsätzlich genauso einordnen.

    Und der eine mag eben Opern so, wie Komponist und Librettist sie geschrieben und in ihren Regieanweisungen als Vorgabe gemacht haben. Für sie ist das ein Dogma. Mancher andere möchte den Originaltext in eine andere Zeit verlegt haben, um neue Erkenntnisse zu gewinnen. Für sie ist das Original verhandelbar.


    [...] Damit muß man leben. Beide Seiten. Aber man sollte es zumindest akzeptieren, daß auch andere Auffassungen möglich sind. Auch auf beiden Seiten. Darüber kann man streiten, ja man soll und muß es sogar.

    Und hier scheitert der Ansatz: Ein konstruktiver Streit ist m.E. nur dann möglich und sinnvoll, wenn die "Gegenseite" zumindest grundsätzlich bereit ist, die eigene Position als verhandelbar einzuräumen. Eine dogmatische Position jedoch ist nun mal nicht verhandelbar und jeder Streit, ja selbst die Diskussion darüber nicht nur unendlich anstrengend, sondern schlicht sinnlos.

    Über kulturelle Dinge reden und diskutieren und dabei die Umgangsformen nicht beachten wollen?

    Das Thema habe ich zufällig vor einigen Tagen mit einem Freund diskutiert und wir sind - auch in Anbetracht einiger Dinge, die hier im Forum (und auch in anderen) geschehen - zu dem Schluß gekommen, dass die Beschäftigung mit (Hoch-)Kultur nicht zwangsläufig - und ich schließe mich da gerne ein - ein Ausweis besonderer bzw. umfänglicher Klugheit ist oder gar einen "besseren" Menschen formt.

    eigentlich ist es nicht schwer, man muss nur konsequent sein.

    Na ja, träte nemorino tatsächlich aus, wäre das doch auch konsequent, oder? - Was ich nicht ganz verstehe, wieso manche nicht in der Lage sind, trotz fehlender Ignorierfunktion dann einfach selbständig bestimmte Dinge zu ignorieren. Niemand ist gezwungen, über jedes Stöckchen zu springen, dass man ihmn hinwirft. Wäre die Ignorierfunktion aktiv, hätte nemorino den Einwurf Stimmliebhabers ja garnicht gelesen (es sei denn, jemand anderes hätte ihm eine entsprechende Information zugetragen, was hier ja auch durchaus vorgekommen ist, als die Ignorierfunktion noch nutzbar war - da wird es dann übrigens schon ein wenig grotesk!) und überhaupt nichts wäre passiert. - Es tut mir leid, aber ich sehe hier auf beiden Seiten lediglich und einmal mehr den sprichwörtlichen Sturm im Wasserglas ausgelöst durch persönliche Befindlichkeiten.

    Ich bin regelmäßig in den unterschiedlichsten Opernhäusern unterwegs und wurde noch von keinem abgeschreckt, deshalb erfreue ich mich immer an neuen Akzenten. Für weniger gefällige Inszenierungen werde ich in aller Regel durch gute bis hervorragende musikalische Aufführungen entschädigt. Dank positiver Geisteshaltung wird so jede Aufführung zum Gewinn.

    Nur bist Du, lieber Siegfried, mit einer solch positiven Geisteshaltung ebenso veraltet, wie ich es wohl bin! - Früher fragte man noch Prima la musica, dopo le parole? Heute scheint die Frage häufiger durch Prima l'scenario, dopo l'opera! beantwortet zu werden.

    Außerdem ist mir im Hinterkopf immer noch die wunderschöne Inszenierung mit den gemalten Bühnenbildern von Ernst Fuchs in Erinnerung. Schade, dass die damals nur für so kurze Zeit gespielt wurde.

    War das hier in Hamburg? - Ich habe zufällig noch das Programmheft auf meinem Schreibtisch und grad nachgeschaut: Demnach war war vor Freyer wie Du sicherlich weißt Wilson und davor Everding im Bühnenbild von Günther Schmidt-Bohländer (Premiere 11.04.1976). Die Everding-Inszenierung habe ich Ende der 80er sogar noch zweimal gesehen, einmal mit Peter Hofmann und das zweite Mal, soweit ich erinnere mit Siegfried Jerusalem. Am Pult Ferdinand Leitner, der knapp 80 jährig mit Verlaub noch deutlich jünger wirkte, als die schon etwas angegraute Inszenierung :untertauch:


    Was die aktuelle Inszenierung angeht, so wird sie auch in der nächsten Saison gespielt, die Besetzung ist nicht uninteressant (sie hier) und gesehen haben sollte man sie durchaus :hello:

    Ja, ein konzertanter Ballettabend macht nicht so viel Sinn.

    Na ja, mir als nicht-Ballett-Fan reichen Le sacre du printemps oder L’Oiseau de feu im Konzertsaal durchaus und nicht nur bei den Tschaikowski-Balletten gibt es ja die Suiten. Trotzdem, wenn ich wie Ralf einen Ballettabend gebucht habe, wäre ich wohl auch enttäuscht.

    [...] Ob man Schumann wie Bruckner interpretieren darf, das sind schon sehr grundsätzliche Fragen. Dazu kommt ja noch, dass Gustav Mahler die Symphonien neu instrumentiert hat (ich habe die Aufnahme von Chailly aus Leipzig). [...]

    Ja, Bruckner trifft es zuminest für die von mir gehörte Frühlingssinfonie in der DGG-Einspielung zumindest im ersten Satz ganz gut. Und was das Tempo angeht, wäre es vielelicht spannend, eine Celibidache-Aufnahme zu haben. Da gibt es aus München m.W. aber nur die 2te, 3te und 4te. In der Mahler-Instrumentierung wird man neben Chailly interessanterweise noch bei Gielen fündig, allerdings hier nur die 1te:


    Mich wundert allerdings, dass ausgerechnet im hochtechnisierten Japan die Aufnahmetechnik so schlecht ist. Ich habe einige CDs vom Label Altus, fast alles Japan-Mitschnitte meist aus Tokyo und die sind von der Klangqualität her exzellent! Man muss heutzutage keine Studioaufnahmen machen, um hervorragende Klangqualität zu bekommen! Da ist der technische Standard nun wirklich gut genug.

    Inzwischen habe ich mir auch die Aufnahme mit der Staatskapelle angehört und der Eindruck zumindest zur Frühlingssinfonie immerhin, dass die Interpretation nicht ganz so "staatstragend" ist, wie mit dem Philharmonia. Gleichwohl fehlt weiterhin ziemlich viel, was den Beinahmen des Werkes rechtfertigen könnte. Die Tonqualität finde ich nicht arg schlimm. Vielmehr glaube ich - und habe dies meiner Erinnerung nach schon bzgl. irgendeiner anderen Thielemann-Aufnahme (einer der Ring-Einspielungen, Beethoven-Zyklus?) zu bedenken gegeben - dass Thielemann, der die Aufnahmen mit Sicherheit wird abgesegnet haben und eventuell sogar bei der Abmischung zugegen gewesen ist, diesen eher dunkleren Klang selber so möchte.

    Vielen Dank für den Bericht, auch wenn ich mich jetzt ärgere, nicht hingegangen zu sein. Aber auch ich habe ein Auge in Richtung kommende Saison und insb. Daniel Behle geworfen ;)

    Das Philharmonische Staatsorchester spielte unter der Leitung von Kent Nagano fast wie im Rausch, mit großer, sonst bei Nagano nicht so forcierten, dynmischen Bandbreite. Auch er wurde von den jungen Leuten heftig umjubelt.

    Ja, dass Orchester scheint aktuell in wirklich guter Form!

    Zudem hatte ich in den online zu lesenden Kritiken kaum etwas gefunden, das mir größere Lust auf diesen Hamburger "Fidelio" gemacht hätte. Kent Nagano z.B. hat hinsichtlich der musikalischen Leitung schon einiges abbekommen, was wenig schmeichelhaft ist.

    Lieber Leiermann, die Presse hatte seinerzeit wohl recht, aber auch unrecht: Näheres zum damaligen Premieren-Debakel bzw. zu den Folgheaufführungen findest Du hier.

    Der Intendant (und Regisseur des Fidelio) Georges Delnon sowie Generalmuskdirektor Kent Nagano hatten das Haus aber offensichtlich weitgehend mit Schülerinnen und Schülern (etwazwischen 14 und 18 Jahre alt) gefüllt, was Unruhe versprach. Die gab es während der Vorstellung auch, zumindest in der Loge, in der ich saß. Insgesamt war es aber auszuhalten und der zum Ende der Oper ausbrechende große emphatische Jubel des jungen Publikums gab dem Intendanten recht. Alle waren glücklich, die Zuschauer, aber auch die Sängerinnen und Sänger der Aufführung, die solche Jubelstürme normalerweise nicht gewöhnt sind.

    Da musst Du dich getaäuscht haben, lieber Ralf, denn "unsere" Foren-Leitung meint dazu unzweideutig:

    Das "junge interessierte Publikum" existiert einfach nicht - zumindest nicht im relveanten Maße.

    :untertauch:

    So ganz alleine ist die WamS mit ihrer Meinung wohl nicht, wie z.B. in diesem Artikel nachzulesen ist: Christian Thielemann dirigiert Schumann bei Sony - Enttäuschendes zum Geburtstag. [zuletzt aufgerufen am 25.04.2019].


    Nebenbei habe ich mir - den Streaming-Diensten sei Dank! - grad beim spazierengehen die "alte" Frühlingssinfonie in der Einspielung mit dem Philharmonia Orchestra angehört. Nun ja, man kann Thielemanns dortigen Ansatz sicher auch hochromantisch und bis ins letzte ausmusiziert empfinden. Alternativ würde ich eher dazu neigen, die Interpretation als außerordentlich schwerfällig und buchstabiert zu bezeichnen. Vollkommen skurril die plötzlich und einmalige Tempoverschiebung im ersten Satz etwa bei 10'00''.

    Gewollt finde ich es nicht unbedingt, zu diesem Jubiläum die in Wien uraufgeführte LEONORE auf den Spielplan zu setzen. Ich bin zwar nicht so bewandert in den Spielplänen - aber wo sonst ist diese erste Fidelio-Fassung - oder was dafür gehalten wird - zu sehen?

    Ich muss mich wohl korrigieren: Ich hatte zuerst angenommen, dass in der nächsten Saison "nur" die Leonore läuft, während in der laufenden Saison der Fidelio abgespielt wird. Tatsächlich laufen in 2019/20 aber wohl beide Fassungen parallel, was natürlich die interessante Möglichkeit eines direkten liefert.

    Modest Mussorgski: BORIS GODUNOW

    Dirigent: Jac van Steen

    Regie: Peter Konwitschny

    2. Mai 2020

    Die Inszenierung läuft auch "rund". Ich gehe davon aus, dass es sich um die Übernahme der Produktion aus Nürnberg handelt, die ich mir am kommenden Sonntag am Stadttheater Lübeck ansehen werden :jubel: Soweit ich mich informiert habe, handelt es sich um die "Urfassung" von 1869, also das Volksdrama in vier Teilen u.a. ohne "Polen-Akt".

    Ja, ein bisschen wunderlich ist das Ganze schon: Muti war mit dem CSO einer der ersten, der in der Elbphilharmonie dirigiert hat, und damals hieß es meiner Erinnerung nach, er hätte trotz außerordentlich wenig Probenzeit den Saal und seine Akkustik quasi auf Anhieb verstanden. Zumindest besser als der damalige Chefdirigent des NDR Elbphilharmonie Orchesters Thomas Hengelbrock. Auch die Wiener Philharmoniker, mit denen er jetzt nicht kommen will, haben hier schon umjubelte Konzerte unter Metzmacher und Nelsons gegeben.

    Auch die causa Kaufmann scheint mir weiterhin undurchsichtig - immerhin hat wenige Tage später Gergiev mit den Münchner Philharmonikern und den Solisten Baumgartner und Schager ein recht zweifelsfreies LvdE abgeliefert. Mehr zufällig habe ich mir vor einiger Zeit das Kaufmannsche Waldbühnen-Konzert 2018(?) mit dem RSO-Berlin angehört. Am Pult ebenfalls Jochen Rieder, der auch das Kaufmann-Konzert in der Elbphilharmonie geleitet hat. Nun ist das RSO wahrlich kein zweitklassiges Orchester, aber Herrn Rieders Fähigkeiten, das Orchester zum klingen zu bringen, schienen mir persönlich doch eher eindimensional.

    Und was die Schreibe von Manuel Brug - einem Elbphilharmonie-Skeptiker der ersten Stunde, sein Platz gefiel ihm nicht ... - angeht, so sind manchmal wirlich wahre und kluge Dinge dabei, aber oft auch kompletter Bockmist.

    Mal wieder Zeit für eine kleine Presseschau:


    Nachdem Jonas Kaufmann schon nicht mehr in der Elbphilharmonie singen mag (sein nächster Konzertabend in der Saison 2019/20 ist wohl tatsächlich in der Laeiszhalle programmiert (siehe hier), und hoffentlich wissen die Besucher dann auch, dass sie in den unteren beiden Kategorien für 30,- bis 99,- Euro zwar etwas hören, aber wenig oder einfach nix sehen werden ...) steigt nun auch der vielleicht größte Apodiktiker unter den lebenden Dirigenten aus: Riccardo Muti - Stardirigent boykottiert die Elbphilharmonie in Hamburg (der Originalartikel von Manuel Brug(!) findet sich gegen Anmeldung im Online-Angebot der WELT; siehe hier). Der Elbphilharmonie-Sprecher Tom R. Schulz kontert auf Anfrage des Hamburger Abendblattes "Wenn zwei mächtig gewaltige Egos beim Sake in Tokio aufeinanderstoßen und es tönt hohl, dann kann daran nicht auch noch die Elbphilharmonie schuld sein." (siehe hier; eventuell ist der Artikel besser über die Suche mit entsprechenden Begriffen zu erreichen). Ein differenziertes Bild liefert Georg Rudiger im Tagesspiegel: So nah, so klar, so kompliziert.

    Nein, Michael, das nicht. Aber man kann lesen, daß seit dem Amtsantritt von Lutz 50 % (!!!!) Aboinhaber gekündigt haben. Er wollte als Antwort darauf die fast 20000 Studenten der Stadt erreichen - bisher ohne Erfolg. Ein Theatermann, der am Publikum vorbeiinszeniert hat sein Studium verfehlt!

    Das weiß ich nicht, jedenfalls liest es sich in dem von Hans Heukenkamp verlinkten Artikel schon etwas differenzierter und Herr Lutz wird ja nun nicht jedes Stück inszeniert haben. Ich kenn sogar eine seiner Inszenierungen (siehe hier) und kann mirt gut vorstellen, dass seine Arbeiten in Teilen des Publikums mindestens für Irritationen sorgen. Aber das kann m.E. auch ein Qualitätsmerkmal sein!

    Und was Deinen Verweis auf Konwitschny angeht (nach dem avangardistischen Chef der Münchner Kammerspiele zu suchen, dazu bin ich jetzt zu faul - Warum nennst Du die Sache nicht einfach beim Namen? :rolleyes:), so gehe ich da insofern mit, als dass ich glaube, es ist zumeist keine gute Idee ist, einen (in diesem Falle ganz hervorragenden) Regisseur zum Intendanten zu machen. Da liegen die originären Aufgabenfelder vielleicht doch zu weit auseinander!

    Sicher spielt es eine Rolle, daß der Mann ein juristisches Recht auf sein Gehalt bis zum Vertragsende hat.

    Vielleicht; würde es für mich sicherlich auch. Und so viel wird er auch nicht verdienen. - Und jetzt bitte nicht wieder die Diskussion um den armen, armen Steuerzahler, der all dies finanzieren muss ...

    Ah, ich glaube darüber etwas in der Opernwelt gelesen zu haben; auch dort kam das Stück meiner Erinnerung nach nicht so gut weg. Die Kritik des BR liest sich, als hätten wir mit Scartazzinis Edward II. ziemlich genau das Gegenteil zu Benjamins Lessons in Love and Violence: "Die Musik des Italieners Andrea Lorenzo Scartzazzini gab sich hochdramatisch, nämlich oft dick instrumentiert und laut, war aber letztlich wenig ergreifend. Es wurde immer wieder gesprochen, der Gesang dazwischen blieb erstaunlich gleichförmig und gefühlsarm. Für eine Oper war es viel zu spannungsarm und undramatisch, für ein Oratorium zu spröde und für ein Agitationsstück zu altmodisch.". Ein zumindest musikalischer Vergleich wäre vielleicht trotzdem interessant, obwohl der verfügbare Trailer mich schon glauben läßt, dass Scartazzinis Komposition deutlich weniger Musik enthält, als Benjamins.



    Wie ist es denn inzwischen um Deine Parsifal-Pläne bestellt? Ich habe das Programmheft vor mir liegen, kann mich aber noch nicht zu einem Bericht motivieren. Nur soviel: Der zweite Aufzug mit Frau Baumgartner und den Herren Dean Smith und Baykov gelang ganz formidabel. Attila Juns Gurnemanz und Egils Silins' Amfortas überzeugten nach einigen Startschwierigkeiten, wobei Juns dazu neigt, die Endsilben zu verschleifen. Das Orchester unter Nagano scheint aktuell in ganz toller Form zu sein, erst Nabucco (dolle Inszenierung von Serebrennikov), dann die Lessons und am Karfreitag Parsifal. Hätte ich die Zeit, hätte ich mir gestern noch Fidelio angeschaut und würde heute nochmal in den Parsifal gehen. So bleibt es wohl bei Boris Godunov am kommenden Sonntag in Lübeck; eine Übernahme der Konwitschny-Inszenierung aus Nürnberg in der 1869er-Urfassung auf deutsch gesungen.