Beiträge von MSchenk

    Das reicht aber lange nicht (mehr) zum Skandal.

    Den letzten "Skandal", an den ich mich an der Staatsoper Hamburg erinnern kann, war die Premiere von Tristan und Isolde in der Berghaus-"Turbinen"-Inszenierung von 1988 [zuletzt aufgerufen am 30.03.2024]; siehe auch hier. Damals bekam man als Schüler, ich war 16, wenn man Glück hatte, über den Kulturring der Jugend noch Premierenkarten für läppische 8 Mark! Dafür musste man dann aber auch rechtzeitig das Schulbüro okkupieren und sich dort hinter das Telephon klemmen. - Was war das für ein Buh-Orkan! Heute gilt die Inszenierung als Klassiker und ist tatsächlich einmal mehr für die nächste Saison angesetzt! Wer sie also noch nicht gesehen hat, unbedingt hingehen; so oft wird sich die Gelegenheit vermutlich nicht mehr ergeben.


    Im übrigen fand ich die Inszenierung schon damals großartig, aber wie gesagt: ich war ein "dummer" und zudem gesamtschulsozialisierter Schüler - also das, was mindestens unser verehrter Forums-Chef wohl als "linkes Prekariat" betiteln würde :untertauch:

    Bleiben wir mal bei der hier von Tristan2511 dankenswerterweise und m.E. absolut adäquat besprochenen Aufführung des Il trovatore, so bestand der einzig wirkliche "Premierenskandal" wohl eher darin, dass einige Premierenbesucher nicht an sich halten konnten und jegliches Benehmen, gar Rücksicht auf andere Besucher fahren ließen ... und ich behaupte mal, dass waren keine jungen Rowdys, sondern eher Leute, die geneigt sind, "jungen Rowdys" grundsätzlich schlechtes Benehmen und mangelnden Respekt vorzuwerfen!?


    Was die Inszenierung angeht - und soweit ich es hier sehe, sind Tristan2511 und ich diejenigen, die dies überhaupt in Gänze beurteilen können - taugt sie m.E. kaum zu einem veritablen Skandal! Wer sich trotzdem ein paar Eindrücke verschaffen möchte, findet hier [zuletzt aufgerufen am 30.03.2024] einige Bilder und einen Trailer.

    Aber mir gibt ein Opernbesuch auch etwas, wenn mich die Regie herausfordert bzw. ärgert. Zum einen das Liveerlebnis, zum anderen auch zu spüren, wie Regie bzw. Gesangsleistungen im Publikum ankommen und Emotionen (z.B. auch Ablehnung) hervorrufen, aber nicht egal sind. Selbst wenn es nur noch sog. RT-Inszenierungen gäbe, die mich ärgern oder sogar abstoßen würden, würde das meiner Liebe zur Oper und zum Opernbesuch keinen Abbruch tun. Wichtiger ist für mich das Kunsterlebnis und die Tatsache, dass dort (anders als z.B. im Kino) Dutzende bis Hundert Menschen live in diesem Moment (auch) für mich auftreten.

    Wie man im Netz so sagt: +1 von mir :thumbup:

    Ich war in der dritten Vorstellung am 23.03. und alles, was mir zum neuen hamburger Il trovatore eingefallen ist, laaaangweilig :sleeping: - Die Unmutsäußerungen der Premiere (siehe hier [zuletzt aufgerufen am 27.03.2024]) blieben mir unverständlich; vermutlich einmal mehr alte weiße Männer, die meinen, nicht das für ihr Geld bekommen zu haben, was sie sich gewünscht haben - aber egal ... Die Inszenierung gibt für mich nichts optisch sehr ähnlich der m.E. ebenfalls wenig geglückte Lucia di Lammermoor und auch, wenn ich immer bereit bin, Sängerleistungen zu würdigen, hätte man sich für die große Premiere der Italienischen Opernwochen gerne einen Tenor holen können, der das "hohe C" einfach mal so raushaut. Herr Bisanti am Pult hat offenbar nicht verstanden, dass dieses Werk mit einigem Tempo zu leiten ist, die hier präsentierte Walzer(un)seligkeit bekomme ich bei Strauß besser. Frau Maximovas gelang kaum ein offener Vokal, sozusagen eine Ozuceno statt einer Azucena. Einzig über ein befriedigend hinaus - das aber deutlich - kam Alexander Roslavets als Ferrando.


    Das Haus war trotzdem praktisch ausverkauft und es wurde kräftig applaudiert und gejubelt Mir scheint, das Publikum hier in der Hansestadt weiß inzwischen einfach nicht mehr, was es eigentlich will ... wenige Wochen zuvor in einer großartigen Aufführung von Brittens Peter Grimes mit Gregory Kunde in der Titelrolle, Jennifer Holloway als Ellen Orford und Kent Nagano am Pult saß man hingegen praktisch alleine in der Reihe bzw. Loge :no:

    Ich habe vor einiger Zeit den Vorschlag gemacht, ein Unterforum für Regisseure zu schaffen, um auch deren Wirken gebührend würdigen zu können. Dies wurde von unserem Forenbetreiber Alfred vehement abgelehnt.

    Mit gutem Grund. Denn ich habe eine Vorstelling davon WELCHE Regisseure Du - und einige andere hier würdest nennen wollen - nämlich vorzugsweise jene, die sollte ich jo politischen Einfluß in Österreich bekommen, nicht an Opernhäusern meines Landes inszenieren dürften.Leider reicht mein Einfuß (noch ?? ;) ) nicht so weit - ABER hier im Forum kann ich sie ausgrenzen - und das tue ich auch.

    Na ja, so ganz stimmt das nicht, wenngleich auch das Ergebnis m.E. den eher dumpf-peinlichen Auswüchsen dieses Forums zuzurechnen ist ...


    Regisseure des Grauens — Teil 1: Calixto Bieito

    Regisseure des Grauens — Teil 2: Árpád Schilling

    Regisseure des Grauens — Teil 3: Katharina Wagner

    Regisseure des Grauens — Teil 4: Claus Guth

    Regisseure des Grauens — Teil 5: Peter Konwitschny

    Regisseure des Grauens — Teil 6: Burkhard C. Kosminski

    Aber ich muss sagen, dass ich die Ausführung dieses schönen, langen Walzers buchstabiert und vom Rhythmus etwas abgehackt finde.

    Habe mir den Donauwalzer, sowei das Neujahrskonzert nicht angehört, aber allgemein kommt es mir immer so vor, dass Thielemann immer dann ins "Buchstabieren" und "Tempo rücken" verfällt, wenn er etwas besonders gut machen will - z.B. sein Beethoven-Zyklus. Wenn er es hingegen "laufen" läßt, kommen oftmals sehr gute Dinge dabei heraus - z.B. sein Brahms-Zyklus.

    Der Untergang des Abendlands nimmt Formen an: Die einzigen Aufführungen, für die es bei den Bayreuther Festspielen 2024 Stand jetzt keine Karten mehr gibt, sind die vom "Tannhäuser" in der Regie von Tobias Kratzer.

    Ich kenne die Inszenierung "nur" aus der Übertragung: Toll! - Und das Abendland - und nicht nur das - geht leider oder glücklicherweise aus ganz anderen Gründen unter :untertauch:

    Laufenberg sagt dazu laut "Hessenschau" Folgendes: "Dass Kunst mit Mitteln der Kritik und des Journalismus beleuchtet wird, ist ein uns täglich vertrauter Vorgang. Wir widmen uns nun der Idee, auch einmal Kritik und Journalismus mit den Mitteln der Kunst zu beleuchten."

    Möglicherweise erliegt Herr Laufenberg hier aber auch einem Irrtum, denn dass man mit einem Hammer einen Nagel einschlagen kann, hat nicht notwendig zur Folge, dass man mit einem Nagel etwas sinnvolles in Bezug auf den Hammer anstellen kann ...

    Persönlich bin ich der Meinung, daß es nicht die Nazis waren, die Schrecker und auch viel "kunstwerke" anderer Genres verbannten, sondern daß sie sich nur der Ablehnung des "Volksgeschmacks" bedienten un diejenigen loszuewerden, die man loswerden wollte, Dann Schreker ist ja nicht nur in Deutschland verkannt, sondern weltweit.

    Entschuldigung, aber das ist doch purer Unsinn! Vielmehr war es doch eher so:


    "In den 1920er Jahren galt Franz Schreker als einer der bedeutendsten Opernkomponisten in Deutschland nach Wagner; seine Opern erreichten zeitweise höhere Aufführungszahlen als diejenigen von Richard Strauss." [vgl. hier, Wikipedia, 10.11.2023]


    Und tatsächlich wurde er noch vor der Diffamierung durch die Nazis als "entarteter Künstler" eher deshalb zunehmend weniger gespielt, weil er als nicht modern genug galt, Spätromantiker eben - und jetzt erzähle mir mal, dass der "Volksgeschmack" (was auch immer das wieder für eine Blase sein soll) zu dieser Zeit total geil auf Modernes gewesen sei ...

    Fällt euch evtl. irgendwas dazu ein ??
    Wagner Opern evtl.?

    Bei Wagner fallen mir da höchtens die Walküren (wobei kein Chor im eigentlichen Sinne) oder Chöre aus dem Holländer ein. Allerdings ist Richard da viel zu verliebt in seine eigenen Texte, als das es komplett ohne ginge. Ist halt mehr eingestreute Lautmalerei ...


    Ein Klassiker bzgl. der Fragestellung ist aber natürlich Puccinis "Summchor" aus Madame Butterfly; hätte eigentlich erwartet, das der hier als erstes genannt wird:


    Lieber Michael, wirst du dir auch die Turandot anschauen? Mich würde Deine Meinung zum Dirigat von Herrn Kober interessieren. In Düsseldorf hat er ja auch Turandot mit Frau Foster als Turandot dirigiert.

    Turandot zumindest nicht geplant, nachdem ich in der Premierensaison dreimal drin gewesen bin - "musste" einmal meine Familie durchschleusen ;) Andererseits würde die Besetzung schon wieder reizen, Kober eigentlich immer "eine Bank" und Foster-Fan bin ich, seid ich sie vor Jahren (muss noch vor ihrem Bayreuth-Debüt) hier in Hamburg im Ring gesehen/gehört habe und zuletzt als Elektra-Einspringerin(!). Leider gibt es in den beiden Aufführungsserien keine Überschneidung mit Grgory Kunde, sonst hätte ich es auf jeden Fall gebucht. So schaue ich mal, ob es mich vielleicht spontan überkommt, da ich ja in der glücklichen Lage bin, mit U-Bahn nur 20 Minuten von Haustür zu Haustür zu brauchen und erschwingliche Karten bekommt man eigentlich immer.

    "Kulturstreß in Hamburg"


    Heute persönlicher Saisonstart mit Pelléas et Mélisande unter Iván Fischer mit Patricia Petibon als Traumbesetzung für die weibliche Titelrolle während gleichzeitig Boris Godunov als erste Saisonpremiere der Staatsoper Hamburg für die Freunde des gepflegten Regietheaters auf dem Jungfernstieg zu sehen sein wird. Morgen dann weiter in die Laeiszhalle mit den Hamburger Symphonikern, Sylvain Cambreling und Schumanns Das Paradies und die Peri op.50.


    Und am Horizont winkt schon Boris Godunov am 26.09. und vier Tage später wieder zurück in die Elbphilharmonie, wo Theodor Currentzis mit dem SWR-SO und u.a. Schostakowitschs Sinfonie Nr.13 op.113 "Babi Jar" zu sehen und hören sein werden.


    [alle Links zuletzt aufgerufen am 16.09.2023]

    Und aufgeregt bin ich nicht, wie kommst Du darauf?

    Na ja, es liest sioch schon ein wenig so [Hervorhebungen von mir]:

    Ich finde das einfach nur unmöglich. Wollen die nur experimentieren oder in Zukunft Dirigenten und später sogar Musiker abschaffen? Ich sage nur: Wehret den Anfängen. Und ich sage auch: Ich habe wunderbare Zeiten erlebt, von der Zukunft erwarte ich nichts mehr.

    Und warum ich denke, dass es eher Pflege-Roboter, als Dirgigenten-Roboter geben wird, ist einfach zu begründen: Für Kultur ist die Gesellschaft (noch) bereit, Geld zu bezahlen, d.h. es wird eher keine Konzerte mehr geben, als Konzerte dirigiert von Robotern. Für Pflege sind wir als Gesellschaft offensichtlich nicht bereit, die notwendigen Investitionen zu tätigen, lieber neue Autobahnen; nur "keine Pflege" ist keine Alternative, es sei denn, man läßt die Alten, Kranken und Bedürftigen einfach verrecken, was (noch) keine Alternative darstellt ...

    Ich finde das einfach nur unmöglich. Wollen die nur experimentieren oder in Zukunft Dirigenten und später sogar Musiker abschaffen? Ich sage nur: Wehret den Anfängen.

    Bei all Deiner Aufgeregheit ist aber schon klar, dass die Wahrscheinlichkeit, einen Roboter als Dirigenten zu erleben weitaus geringer ist, als die Wahrscheinlichkeit, dass ein Roboter uns im Krankenhaus oder Pflegeheim dass Essen ans Bett bringt, sich mit uns unterhält und wir dafür sogar noch dankbar sind ... ?!

    Man könnte ja meinen, es ginge hier um einen Staatsstreich ... dabei ist es, mit Verlaub, eines von hunderten Konzerten, die tagtäglich auf der Welt stattfinden; genauso tagtäglich werden zig Tonnen CO2 in die Welt gepustet 100te Hektar Wald abgerohdet oder brennen schlicht und einfach weg, schmelzen Gletscher - aber alles kein Problem, solange bloß arme Konzertbesucher nicht in ihrer verdienten Komfortzone belästigt werden. Ganz ehrlich, wir verdienen es auch nicht besser, als in den nächsten 100 Jahren einfach jämmerlich zugrunde zu gehen!

    Heute Abend ab 20.15 Uhr überträgt 3 Sat die komplette Last Night of the Proms 1live.

    Tatsächlich am interessanten im Programm finde ich da die Nationalhymne im Britten-Arrangement! Gab es vor einigen Jahren schonmal und ist in meiner Erinnerung durchaus etwas "gegen den Strich gebürstet" :untertauch: