Beiträge von hasiewicz

    Alte Beraterweisheit: Wer den Teich trocken legen will, darf nicht die Frösche fragen. Davon abgesehen: Der Glaube, es ginge nur so und nicht anders, ist meistens nur Faulheit, sich mal andere Ansätze anzuschauen. Deutschland ist das Land, in dem man den eigenen Weg immer für erstaunlich „alternativlos“ hält - dass unsere frühere Kanzlerin diese Vokabel öfters gebraucht hat, passte gut dazu.

    Ich hatte ja an anderer Stelle vermerkt, dass ich in diesem Sommer drei Festivals mit vier Aufführungen besucht habe: Die Münchner Opernfestspiele, das Festival d'Aix-en-Provence und das Glyndebourne Festival. Da gäbe es einiges zu berichten. Aber angesichts der in diesem Forum stark geschrumpften Zahl von Opernliebhabern, die auch an aktuellen Aufführungen interessiert sind und nicht nur Schallplatten mit Sänger_innen hören, die lange verstorben sind, habe ich große Zweifel, ob sich die Mühe lohnen würde. Außerdem kann ich zu den sängerischen Leistungen nur wenig Qualifiziertes sagen. Und für mein Steckenpferd, die Inszenierungen, interessiert sich hier ohnehin kaum jemand.

    Mich würde interessieren, ob deiner Meinung nach die, die sich in Bayreuth und Salzburg nicht (mehr) wiederfinden, in Glyndebourne einen neuen Hafen finden würden.

    Gestern Abend habe ich in meiner Sammlung nach Musik gesucht, die Hoffnung gibt in düsteren Zeiten. Meine Wahl fiel auf Gustav Mahler unter dem Dirigat von Bruno Walter, die Sinfonie Nr. 1 D-Dur. Der Mensch in seinem Hoffen, Wähnen, Scheitern, Triumphieren. Was für eine Aufnahme - zu Beginn des dritten Satzes hat man wirklich den Eindruck, die Welt sei aus den Fugen geraten. Und in dem Remastering gibt sich die Darbietung auch in einem sehr adäquatem Klanggewand. Eine Aufnahme für die sprichwörtliche einsame Insel.


    „(…) Musik entspringt einer verborgenen Quelle, die außerhalb der Welt oder der Realität liegt, und wird von ihr gespeist. Die Musik hat mir immer von einer geheimnisvollen jenseitigen Welt erzählt, die mein Herz zutiefst berührt und ihre transzendentale Natur beredt zum Ausdruck bringt.“ (Bruno Walter)




    Gutes Hören

    Christian

    Lieber Amdir,


    herzlich gern!


    Beste Grüße

    Christian

    (W)Einspruch! Gehört nicht zum Thema, nur knapp: es könnte genau andersherum sein. Und selbst wenn man das so richtig findet gilt, dass man ein Weinetikett lesen können muss, d.h. verstehen können muss, was da drauf steht... ;-) Prosit!

    Zeitgemäß müsste es eh heissen: Der Scan mit der Vivino-App spart zehn Jahre Erfahrung - wer liest schon noch den Parker?


    Dir auch Prosit! Offtopic: Bin nächstes Jahr im

    Napa Valley.

    Momentan läuft hier folgende Neuerscheinung:


    John Ireland
    Orchesterwerke

    Sinfonia of London, John Wilson

    SACD, DDD, 2021.


    Das erste Stück erinnert mit seinen Synkopen beinahe an Aaron Copland, auch der Rest kommt unterhaltsam bis ohrwurmhaft daher (zum Beispiel das „Minuet“ aus der „Downland-Suite“, eine Hommage an die Landschaft der „Sussex Downlands“). Gefällt mir!


    Gutes Hören

    Christian

    Ein schöner Thread! Derzeit, und durchaus inspiriert von Beiträgen der Taminos, erschließe ich mir Musik sowohl tief als auch breit. Da ich seit einiger Zeit von Jean Sibelius und seinem Werk fasziniert bin, „arbeite“ ich mich durch Bücher, Magazine, Konzerte und Aufnahmen, wobei nach den Sinfonien und Tondichtungen immer mehr Nebenwerke den Weg zu mir finden. Ein Beispiel also für tiefes Erschließen.


    In der Breite geht es derzeit bei einem anderen Steckenpferd, der englischen Musik des 19. und 20. Jahrhunderts: Holst, Vaughan Williams, Stanford, Ireland, Bantock, Moeran etc. Da erschließen sich dann immer neue Welten und Namen.


    Herzliche Grüße

    Christian

    Du bist dir selbst auf den Leim gegangen - und hast DICH lächerlich gemacht mit deinen „besseren Hörproben“, die ein und dieselbe Datei sind, wie es auch astewes vermutete. Dein Zurückkeilen aufgrund der Unfähigkeit, einen Fehler einzugestehen fällt auf dich zurück. Ich hatte jedenfalls hier meinen Spaß. Aber bin jetzt raus, weil nun wieder die übliche Kalethasche Rumpelkiste aus „Die Darstellung ist nicht technisch fundiert genug“ (als ob du das beurteilen könntest), gezielten Missverständnissen und peinlichen Witzchen kommt.

    Interessant ist nur, dass über dem Tracklisting der UHQCD, bei der die Hörproben ja so viel besser klingen sollen als bei der CD, folgendes steht:


    Die Hörproben gehören zum Artikel Peter Iljitsch Tschaikowsky (1840-1893): Violinkonzert op.35 (CD). Das Tracklisting kann bei diesem Artikel ggf. abweichen.


    Einen schöneren Beweis für das, was man „HiFi-Autosuggestion“ nennen kann, also dafür, sich selbst etwas in Richtung Qualitätsgewinn einzureden, wenn nur das Marketing stimmt, kann man wohl nicht finden. Ist halt analog zur Verkostung von Wein, wo es nicht zu unrecht heißt: „Der Blick aufs Etikett spart 10 Jahre Erfahrung.“

    Bezüglich "bitgetreuer Clone", OK, beide CDs haben also die Information

    100110101

    100110101

    Allerdings heißt das ja nicht, dass deshalb beim Auslesen derselben dasselbe herauskommt, da die CDs ja nicht nur aus der darauf gespeicherten Information der 0en und 1en bestehen sondern aus irgendeinem Material, das abgetastet wird.

    Hier findet man eine sehr gute Darstellung der technischen Grundlagen von CDs: http://elektronikinfo.de/audio/cd.htm


    Insbesondere sei auf das Thema „Fehlerkorrektur“ hingewiesen. Audiodaten sind auf der CD redundant und mit Prüfsummen gespeichert. Bei Abtastfehlern durch Kratzer etc. wird so dafür gesorgt, dass trotzdem die gespeicherte Musik wiedergegeben wird. Sind die Fehler zu groß, führt das natürlich irgendwann zu Aussetzern. Und natürlich kann ein Rohling qualitativ schlechter sein als ein anderer, sodass sich Fehler häufen. Das ist aber keine Grundlage dafür, dass eine gebrannte CD „dünner“, „weniger dynamisch“ etc. klingt.

    Der klangliche Unterschied zwischen SACD und CD ist nicht subjektiv, sondern objektiv. Subjektiv ist allenfalls die Bewertung, was man nun besser findet bzw. wieviel man den SACD-Klang als besser einstuft gegenüber der CD.

    Und warum klingt dann die digitale Zuspielung von der CD - wie bei mir - eindeutig besser als von der Festplatte (s.o.)?


    Schöne Grüße

    Holger

    Ad1: Ob man einen Unterschied hört ist subjektiv, das habe ich geschrieben, nichts anderes.


    Ad2: Es ging um identische CDs im selben Laufwerk, nicht um unterschiedliche Quellen - korrekt bleiben bitte.

    Wo hier von Niveau die Rede war: Ich finde es unter meinem Niveau, mir etwas einreden oder sogar verkaufen zu lassen, was schlicht Bullshit ist. Es gibt zum Beispiel einen technisch vorhandenen Unterschied zwischen SACD und CD, weil höhere Samplingfrequenz, größerer Frequenzbereich und höherer Dynamikumfang. Ob man das dann hört oder nicht ist subjektiv, aber das Potenzial ist da.


    Dagegen ist ein bitgetreuer Clon einer CD, bei der mittels Programm wie AccurateRip die Kopie auf Identität geprüft wurde, schlicht identisch mit dem Original. Etwas anderes zu behaupten ist schlicht Unsinn.


    Auf lustige Themen wie „musikalische Router“ oder „audiophile USB-Kabel“ gehe ich nicht weiter ein, da ich gerade eine Firma dazu gründe - es ist einfach zu verführerisch… :evil:


    https://www.justhifi.de/audioq…sb-a-b-72v-dbs-a4880.html


    Nun hat sich die Grenze erneut verschoben. Besteht Digital-Audio wirklich nur aus Einsen und Nullen? Wir glauben das nicht, und wenn Sie einmal die Gelegenheit hatten, das Coffee USB zu hören, dann werden auch Sie es nicht mehr glauben.“


    Der Text ist reines Gold, äh, Silber, also Schlangenöl-Gedöns. Ironischerweise ist es ein „Kundenrückläufer“ - der Kunde hat es offenbar nicht gehört…

    Zusammenfassung: HiFi-Ketten werden von Ingenieuren gebaut und von Philosophen ausgedeutet. So hat jeder etwas zu tun. So wie es in der F.A.Z den Teil Technik und das Feuilleton gibt. Für mich ähnelt manches hier freilich ein wenig den Aussagen von Homöopathiegläubigen. Auf den Hinweis, dass ab einer bestimmten Verdünnung nicht mal mehr ein Molekül des Wirkstoffs im Medikament enthalten ist, folgt die anekdotische Evidenz des „aber es wirkt auch bei Tieren!“. Der Hinweis auf das Fehlen von methodischen Studien (den „Blindtests“ der Medizin) wird als nicht relevant betrachtet.


    Daher gönne ich da mittlerweile jedem sein Pläsierchen, und sehe HiFi-Esoterik als eine wirtschaftlich florierende Subkultur, die deutlich weniger schadet als es „Alternativmedizin“ bisweilen tut. Lediglich den Begriff „Wissenschaftsgläubigkeit“ oder „Naturwissenschaftsgläubigkeit“ halte ich für problematisch, da tendenziell jemanden als „Querdenker“ markierend, der damit den trüben Boden für sumpfige Ideologie bereiten möchte, und lehne ihn ab.

    Lieber hasiewicz, das Postscriptum aus deiner Vorstellung der Handley'schen Stanford-Sinfonien habe ich heute erst gelesen. Falls du die zweite Box noch hast - ich hätte Interesse!


    Liebe Grüße

    Amdir

    Lieber Amdir,


    ja, gern. Meine E-Mail-Adresse lautet Vorname@Nachname.de. Nur eben Vorname und Nachname einsetzen ;-). Schick mir deine Adresse, nächste Woche sende ich dir gern die Stanford-Box zu.


    Herzliche Grüße

    Christian

    Liebe Taminos, neben mir hier sitzt jemand, der behauptet, er sei euer aller Neffe. Leider geht es ihm nicht gut. Er hat leider zuviel in, ich glaube, Klassik-CDs investiert, wollte einen Handel aufmachen, aber die Krise hat ihm einen Strich durch die Rechnung gemacht. Er bräuchte lediglich 1000 Euro von jedem

    von euch. Gern per PayPal zu zahlen. Seine E-Mail-Adresse lautet darkbusiness@guerillamail.ru. Bitte überweist schnell, damit es weiter Klassik-CDs gibt. Danke!

    Lieber Nemorino,


    vielen Dank für deine Anmerkung! Ja, wirklich ein Schatz, zumal es sich um meine Lieblingssinfonie handelt, von der ich ebenfalls ca. 30 Aufnahmen habe (inkl. fast aller, die es auf SACD gibt).

    Faszinierend ist ja zugleich, dass man diese Sinfonie weihevoll angehen kann wie Krips oder eher „sportsmännisch“ wie Munch (eine andere Lieblingsaufnahme), und beides seine Berechtigung hat und große Ergebnisse zeitigt.


    Herzliche Grüße

    Christian

    Heute vorzeitig wach geworden, Kopfhörer aufgesetzt und dieses hier gehört:


    Franz Schubert

    Symphonie Nr. 9 C-Dur D 944

    London Symphony Orchestra, Josef Krips


    Decca, 1958, ADD (bei Jpc steht DDD, aber das ist natürlich Unsinn).

    SACD, remastert für Analogue Productions von Willem Makee.



    Diese Aufnahme hat ihre ganz eigenen Meriten. Ich kenne keine andere dieser Sinfonie, bei der die Introduktion derart feierlich angegangen würde, wie ein Aufzug bei Richard Wagner. Die Studioaufnahme Furtwänglers von 1952 kommt im Vergleich zwar "gemessenen Schrittes" daher in der Einleitung, aber bietet nicht wie hier die Anbahnung von etwas ganz Großem, was da kommen möge. Fantastisch!

    Das Finale wiederum ist zum Teil von monumentalem Druck, ohne die lyrischen Stellen zu vernachlässigen. Und alles dazwischen, zwischen Introduktion und Finale, wirkt sehr inspiriert und im besten Sinne "meisterlich".

    Eine frühe Sternstunde der Diskographie von D 944.


    Gutes Hören

    Christian

    Das Antrittskonzert von Paavo Järvi in Paris mit Sibelius' Zweiter vom 4. November 2010 gibt es mittlerweile bei YouTube in guter Qualität, scheinbar ganz offiziell (dieser YT-Kanal lässt offenbar keine Direktwiedergabe im Forum zu). Eine sensationelle Interpretation. Der Paukist am Ende rekordverdächtig.

    Klasse, danke - werde ich mir anschauen!


    Beste Grüße

    Christian