Beiträge von hasiewicz

    ...Seine zweite Symphonie wurde im Film "Alien" zitiert (ohne sein Wissen und zu seinem Missfallen übrigens). ...

    Genau das war für mich der Grund, mich erstmals mit ihm zu befassen, wobei ich über das Hören der zweiten Symphonie nicht hinausgekommen bin, obwohl mir diese sehr gefallen hat. Ich werde ihm mal eine neue Chance geben.


    Beste Grüße


    Christian

    Warum „The Lark Ascending“ von Vaughan Williams von Progressiven gehasst und von traditionsbewussten Briten als Inbegriff des Englischen empfunden wird. https://unherd.com/2021/06/why…es-hate-vaughan-williams/

    Zitat

    Doch heute steht „The Lark“ regelmäßig an der Spitze der jährlichen Hall of Fame von ClassicFM - noch vor Beethoven, Mozart und all den anderen. Bei der Erklärung, warum sie das Stück lieben, verweisen Fans oft darauf, dass es die Schönheit der englischen Landschaft heraufbeschwört, ähnlich wie ein Gemälde von Constable. Wie Peter Sallis, der sich seines Platzes in der englischen ländlichen Folklore durch seine Rolle in Last of the Summer Wine sicher ist, es ausdrückte: "Man muss es sich nur anhören, und schon hört man England."

    Dieser "Flashmob" ist nur ein durchkommerzialisierter, manipulativ inszenierter Werbespot für eine Bank. Hör mir bitte mit dem Kunstmissbrauch auf, mir wird da echt übel von.

    „Kunstmissbrauch“ - meine Güte, geht es auch mal eine Nummer kleiner? Wenn einem vom „Kommerz“ übel wird, kann man sich nur auf Hausmusik beschränken, oder?

    Nun, auch das Album „Officium“ von Jan Garbarek und dem Hilliard Ensemble ist populär - und hat mir den Weg zu reinen Vokalpolyphonie eröffnet. Also kein Dissenz.

    Soetwas wie unten ist nur bei Beethoven, Bach, Mozart oder Wagner denkbar (freue mich über Gegenbeweise). Es ist ein Unterschied, ob Musik meisterhaft ist, oder ob sie Teil der kulturellen DNA der Menschheit geworden ist. Das ist wie in der Literatur der Unterschied zwischen Shakespeare und Dr. Johnson, zwischen Goethe und Wieland.


    Die Kolonisierung unserer Ohren

    "Wie rassistisch ist der Kanon der klassischen Musik? Die Debatte darüber, wer gehört wird und wer verstummt, wird lauter."


    https://www.zeit.de/2021/20/ra…ik-europa-usa-deutschland

    Zitat

    Dabei ist die Überzeugung, die westliche Klassik sei sozusagen von Haus aus eine komplexere, höher entwickelte Musikform als etwa die indische, chinesische oder türkische Klassik (oder Musik ganz anderer Stile), heute noch unterschwellig verbreitet.

    Wieso "unterschwellig"? Ich bin zutiefst von dieser Überlegenheit überzeugt. Jede größere Stadt weltweit, die auf sich hält, hat ein Sinfonieorchester, wozu ja kein Land gezwungen wurde. Die gesamte moderne Filmmusik geht auf Wagner und andere westliche Klassiker zurück.


    Und diese Überlegenheit hat nichts mit dem banalen Umstand zu tun, dass die Komponisten "weiß" oder eben "Männer" waren. Sondern damit, dass diese eine Musiksprache gefunden haben, die weltweit als universell empfunden wird, und eine Qualität der Form, die einen kulturellen Gipfelpunkt darstellt. Was man von indischer oder türkischer Musik eben nicht sagen kann.


    Auch der unermüdliche Musiksucher und -vermittler Jordi Savall hat auf seiner Suche zwischen Orient und Okzident nichts Größeres aufgenommen als die Eroica und Mozarts späte Sinfonien.

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    Anton Bruckner

    Symphonie Nr.1 c-moll


    Berliner Philharmoniker, Eugen Jochum


    Zum ersten Mal komme ich zum Hören meines Japan-Imports des Remasters von Jochum erstem Bruckner-Zyklus durch die Emil Berliner Studios. Wie Joseph II. richtig bemerkt, handelt es sich um eine klangtechnische Offenbarung, die manche moderne Produktion hinter sich lässt. Fantastisch!

    Frei nach "Die größten Kritiker der Elche waren früher selber welche": Das Ende der Alpha-Männer wird immer von denen beschworen, die ganz offensichtlich keine sind.


    Ich halte das übrigens nicht für ein reines Männer-Thema, es geht um Menschen (und dazu gehören auch Frauen, wenn auch in geringerem Maße) mit einem unbedingten Gestaltungswillen - zwei Beispiele außerhalb der Musikbranche wären für mich Steve Jobs und Margaret Thatcher. Als Unternehmer wie Jobs kann/konnte man diesen halt leichter verwirklichen als in einem Angestelltenverhältnis.

    Gestern aus Japan erhalten, heute gehört:


    Die Aufnahme der Großen C-Dur-Symphonie unter Franz Konwitschny, dargeboten von der Tschechischen Philharmonie.


    Es handelt sich um eine SACD des japanischen Labels Tower Records, die als Remaster sehr frisch klingt, deutlich besser als die auf YouTube hochgeladene Version.


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    Zu Konwitschnys Herangehensweise lässt sich sagen, dass er die Sinfonie ganz eindeutig nicht auf den Fußstapfen Beethovens sieht. Vielmehr spinnt er einen epischen Erzählfaden aus, der sich Zeit nimmt, sodass die Aufnahme als Buch eher ein Roman von Stifter als ein Drama von Hebbel wäre. Langweilig finde ich das nicht, weil es überall Schönes zu hören gibt. Besonders die Bläser der Tschechischen Philharmonie lassen hier aufhorchen: Setzen mal humoristische Akzente im ersten Satz oder gestalten Passagen im zweiten besonders lyrisch. Eine besondere Aufnahme, die es verdient, als Remaster wieder ins Bewusstsein geholt zu werden.

    Hugo von Hofmannsthal


    Verse auf ein kleines Kind

    Dir wachsen die rosigen Füße,
    Die Sonnenländer zu suchen:
    Die Sonnenländer sind offen!
    An schweigenden Wipfeln blieb dort
    Die Luft der Jahrtausende hangen,
    Die unerschöpflichen Meere
    Sind immer noch, immer noch da.
    Am Rande des ewigen Waldes
    Willst du aus der hölzernen Schale
    Die Milch mit der Unke dann teilen?
    Das wird eine fröhliche Mahlzeit,
    Fast fallen die Sterne hinein!
    Am Rande des ewigen Meeres
    Schnell findest du einen Gespielen:
    Den freundlichen guten Delphin,
    Er springt dir ans Trockne entgegen,
    Und bleibt er auch manchmal aus,
    So stillen die ewigen Winde
    Dir bald die aufquellenden Tränen.
    Es sind in den Sonnenländern
    Die alten, erhabenen Zeiten
    Für immer noch, immer noch da!
    Die Sonne mit heimlicher Kraft,
    Sie formt dir die rosigen Füße,
    Ihr ewiges Land zu betreten.

    Tamino-User lustein hatte, wofür ich sehr dankbar bin, im Thread "Was ist dran an Thielemann?" auf die Schumann-Aufnahmen von Franz Konwitschny aufmerksam gemacht. Via Apple Music habe ich in den Zyklus der Sinfonien hereingehört und bin mehr als angetan: Wucht mit Drive, majestätische Bögen, Energie ohne Überreiztheit, keine Manierismen, sondern eine Interpretation, die sehr die Musik nach vorne treten lässt. Das gefällt mir so gut, dass ich mir die japanische SACD-Version bestellt habe, die von Herrn Christoph Stickel remastert wurde (der Herr sitzt in Wien, seine Firma heißt "Christoph Stickel Remastering".)


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    Eine vollkommen sinnlose Aktion und die Herrschaften die dabei mitgemacht haben, können mir nicht sagen, das sie nicht mit den negativen Reaktionen gerechnet haben und woher der Beifall kommt. Herr Liefers fand ich gestern beim Interview in der Aktuellen Stunde sehr unsympathisch.

    Das sehe ich völlig anders - einen Beitrag wie den von Nadine Dubois finde ich sehr treffend. Und nein, Ruhe ist auch zu Corona-Zeiten nicht "oberste Bürgerpflicht" - sehr wohl darf über Angemessenheit der Maßnahmen gestritten werden. Bezeichnend, dass die Künstler, um sie zu diskreditieren, von gewisser Seite gleich in die berühmte rechte Ecke gestellt werden, obwohl es viele vom Öffentlichen Rundfunk bestallte Schauspieler sind und dieser Diskreditierungsansatz ganz offensichtlich nicht verfängt. Herr Laschet hat bei mir an Punkten gewonnen, dass er diese Unterstellung gerade zurückgewiesen hat.

    Lieber Rüdiger,

    danke für deine treffenden Anmerkungen. Ich würde es begrüßen, wenn sich mehr Künstler das Prinzip des Pianisten Krystian Zimermans zueigen machen würden, ein Werk nur dann einzuspielen, wenn man diesem mit dem eigenen Ansatz eine neue Qualität zu geben vermag. Und ja, mehr Pfitzner würde ich von Thielemann auch gern hören.


    Herzliche Grüße

    Christian

    Vielleicht geht es ja dem Dirigenten wie dem betreffenden Komponisten? Er wird in zunehmendem Alter sperrig. :D

    Oder sublimer? Letztendlich ist es aber mit Heldenverehrung immer so eine Sache, es gilt der treffende Satz, dass die knieende Haltung immer nur eine begrenzte Perspektive bietet. Entscheidend ist, welche Aufnahmen einen auch nach Jahren noch inspirieren können. Wie schrieb Nabokov so schön in Bezug auf russische Literatur: „Wer Turgenjew liest, weiss, dass er Turgenjew liest. Wer Tolstoi liest, liest, weil er nicht mehr aufhören kann.“

    Er ist für mich der einzig legitime Nachfolger Furtwänglers und ich hoffe er bleibt Bayreuth noch lange erhalten.

    Thielemanns Beethoven war für mich ein Meilenstein, nach der Dürre so mancher historisierender Ansätze wieder zu einer romantisch-deutschen Sichtweise zurückzukehren. Auch sein „Heldenleben“, live genossen, war fulminant. Allein, mir scheint nicht alles, was Herr Thielemann anfasst, die Elektrizität und Flughöhe zu haben, die Furtwängler erzeugt. Aber auch Furtwängler war ja nicht immer auf der Höhe seiner selbst.