Beiträge von hasiewicz


    Lieber Christian, da wird man fast ein klein wenig neidisch. Japan wäre definitiv eines der Länder, das auch mich reizen würde. Man pflegt dort die klassische Musik (eigentlich ja ein europäisches Kulturgut) in einer Weise und auf einem Niveau, das mich immer wieder erstaunt.


    Hast Du noch weitere Konzerte in während Deines Japan-Aufenthalts erlebt?


    Lieber Joseph II.,


    das solltest du unbedingt tun, diese Reise. Nicht nur sind Japaner die achtsamsten und höflichsten Menschen, die ich bisher kennenlernen durfte - sie sind in der Tat auch sehr interessiert, wenn sie erfahren, dass man aus Deutschland stammt. Unter anderem habe ich in Kamakura ganz zufällig einen Universitätsprofessor kennengelernt, der im Unichor singt, Heinrich Schütz liebt und mich fragte, ob Suzuki in Deutschland bekannt sei. Er sprach auch ziemlich gut deutsch.


    Solltest du dich entschließen können, gebe ich gerne Tipps für schöne Orte. Was Musik betrifft, war dies leider der einzige Programmpunkt einer Reise, die vor allem der Architektur und Geschichte des Landes gewidmet war (ohne die kulinarische Komponente ganz außer acht zu lassen...).


    Herzliche Grüße
    Christian

    Ich hatte das für mich ganz besondere Glück, auf meiner dreiwöchigen Reise durch Japan gleich am zweiten Abend (31.10., dem Reformationstag) ein Konzert mit Masaaki Suzuki und dem Bach Collegium Japan in der Tokyo Opera City Concert Hall anhören zu dürfen. Für das Konzert, Teil der Reihe "Luther 500", gab es zwar online keine Karten mehr. Durch einen sehr netten Chat via Facebook mit einer Mitarbeiterin des Bach Collegiums bin ich doch noch an Karten gekommen, die ich kurz vor Einlass abholen konnte - das lief wie alles, was ich in Japan erlebt habe, immens professionell und dienstleistungsorientiert. Ein Konzert mit diesem Ensemble in einer Konzerthalle, die als eine der besten der Welt gilt, konnte ich mir einfach nicht engehen lassen!


    Zu Beginn gab Masaaki Suzuki eine längere Einführung, bei der es unter anderem um die Geschichte des Reformationstages und den Bezug zu Halloween ging.
    Auf dem Programm stand Passendes zum Anlass des Reformationstages:


    Zuerst acht Variationen von "Ein feste Burg ist unser Gott" von Martin Luther, Martin Agricola, Johann Walter, Dietrich Buxtehude, Johann Hermann Schein, Sethus Calvisius, Michael Praetorius und Hans Leo Hassler. Danach "Ein feste Burg" als Orgelsolo BWV 720, gespielt von Masato Suzuki, und als Bach-Kantate BW 80b/1. Vor der Pause gab es noch die Kantate "Gott der Herr ist Sonn und Schild", BWV 79.


    Nach der Pause ging es weiter mit dem Orgel-Solo "Nun danket alle Gott", BWV 657 und der gleichnamigen Bach-Kantate BWV 192 sowie abschließend BWV 80.


    Das Ensemble, Orchester wie Gesangssolisten, spielten mitschnittreif perfekt, das Publikum war japantypisch sehr diszipliniert, wobei man auch vereinzeltes Mitswingen im Publikum wahrnahm. Und die Konzerthalle wurde ihrem exzellenten Ruf gerecht - sehr transparentes Klangbild, jedes Instrument, jede Stimme ausgezeichnet hörbar.



    (Hier ein Bild des Konzertsaals von der Webseite)


    Nach dem Konzert gab es eine lange Schlange von Enthusiasten, die sich von Herrn Suzuki und den Sängern etwas signieren lassen wollten. Kurzum, es war ein sehr beglückendes Konzert, und ich höre die SACDs meiner Bach-Suzuki-Box nun noch einmal neu.


    Herzliche Grüße


    Christian


    Meine nächste Anschaffung wird erneut eine Aufnahme mit modernem Flügel, und zwar die Einspielung mit Wilhelm Kempff aus dem Jahre 1969/70 , da sie vom Gewohnten abweicht und einen "romantischen " Bach bietet.

    mit freundlichen Grüßen aus Wien
    Alfred


    Meine unbedingte Empfehlung - wenn man vor einem romantischen Ansatz keine Scheu hat, wird Kempff einem zusagen. Bei Beethoven fehlt es mir manchmal an Virilität bei ihm, bei Bach liegt er hier goldrichtig.


    Herzliche Grüße


    Christian


    Ich habe soeben, allerdings erst nach Forenkollegen Sagitts Rezension, auf Amazon meinen Kommentar zur neuen Aufnahme eingestellt:


    Einer der sich am rarsten machenden Pianisten veröffentlicht eine neue CD - ein Ereignis, wie auch Wolfram Goertz unter dem Titel "Sonne in der Spätwerkskammer" auf ZEIT online verkündet. Am 7.9. erschien die seit langen Jahren erste Studio-Aufnahme von Krystian Zimerman: Zwei aus der Trias der berühmten späten Klaviersonaten Franz Schuberts, D959 und D960. Erster haptischer Eindruck: Digipak statt Jewel Case, also Pappe statt Acryl - so wurden früher bei der DG günstigere Neuauflagen veröffentlicht. Keine deutsche Lokalisierung mehr auf dem Cover, "Piano Sonatas" statt Klaviersonaten, Text auf dem Rücken nur in Englisch - also eine Ausgabe für den globalen Markt. Das Cover in schwarz gehalten, als ob es schon Zimermans letzte CD ist - was nicht zu hoffen ist (und wohl auch nicht zu befürchten, da im Interview, das im Booklet abgedruckt ist, angedeutet wird, dass er auch die späten Beethoven-Sonaten einspielen will, bevor es altersbedingt zu spät wird).


    Gut, entscheidend ist die Musik. Hier auch erstmal die Rahmendaten. Zimerman sagt, er empfinde die Wiederholungen als absolut notwendig. Dies sei den Zeitangaben vorausgeschickt:


    D. 959:
    1. Allegro 14:14
    2. Andantino 7:36
    3. Scherzo Allegro vivace 4:52
    4. Rondo Allegretto 12:12


    D. 960:
    1. Molto moderato 20:15
    2. Andante sostenuto 10:33
    3. Scherzo Allegro vivace con delicatezza 4:10
    4. Allegro ma non troppo 8:14


    Aufgenommen wurde im Januar 2016 in der Kashiwazaki City Performing Arts Center, Tonmeister war Rainer Maillard.
    Zimerman spielt auf einem Flügel, der mit einer eigenen Klaviatur ausgestattet ist, und sagt dazu im Interview, dass der Hammer an einer anderen Stelle der Saite anschlägt, sodass dies einem sanglichen Klang mehr zugute kommt.


    Was die Aufnahme angeht, zeichnet sie das aus, was aus meiner Sicht auch die anderen Aufnahmen Zimermans adelt: Das Finden eines Pulses und einer Wärme der Musik, einer Gegenwärtigkeit, die nie ins Extrem verfällt. Ein warmes Leuchten, das ist es, was Zimermans Klavierstil auszeichnet. Das Forte ist niemals lärmend, es gibt niemals die berüchtigte Pianistenpranke, es herrscht ein Dienen gegenüber der Musik, ohne sklavisch zu sein. Es geht nie um den Effekt, immer um den musikalischen Fluss, das Narrativ. Wer das Plakative sucht, das zur Schau gestellte Leiden, sucht hier vergeblich. Ein Ereignis? Ja, eben das - kein Event.


    Obwohl ich diese Box mit 19 CDs mit Aufnahmen des belgischen Violinisten Arthur Grumiaux bisher nur ausschnittsweise gehört habe, ist sie für mich schon jetzt ein Best Buy. Denn was ich gehört habe, war von einer Qualität sondergleichen, sprich: Fand ich musikalisch berückend.


    Gestartet bin ich mit der Sinfonia concertante KV 364 auf CD 6, einer Aufnahme von 1967 mit Arrigo Pelliccia an der Viola, Colin Davis und dem London Symphony Orchestra. Wenngleich die Aufnahme akustisch etwas brillianter klingen könnte, hat sie mich vom Grad der Beseeltheit sofort angesprochen. Kennzeichnend für Grumiaux ist eine ganz uneitle, die Virtuosität nie forcierende Art, der Musik zu dienen und dieser zugleich möglichst viel Raum zu geben. Besonders im Andante sorgt das dafür, dass hier ganz klar existenzielle Dinge verhandelt werden (ich wurde von der Intensität her an Strauss "Metamorphosen für Streicher" erinnert") und keine Rokoko-Spieluhr läuft. Für mich eine Aufnahme, die ich noch sehr oft hören werde.


    Überraschend war, dass die Aufnahme des Violinkonzerts KV 207 mit den Wiener Symphonikern unter Bernhard Paumgartner akustisch deutlich brillianter und lebendiger klang. Warum überraschend? Weil sie von 1958 ist und in Mono aufgenommen wurde. Dennoch klingt sie genau wie die Sinfonia concertante viel lebendiger als meine bisherige Referenzaufnahme mit Julia Fischer. Was wieder beweist, wie wenig das Aufnahmedatum mit dem Klang und wie wenig zeitliche "Aktualität" mit Lebendigkeit zu tun hat.


    Über die Aufnahmen der Violin-Sonaten mit Clara Haskil, die die Box enthält, braucht man keine Worte zu verlieren. Spannend wird sein, diese Aufnahmen mit einer späteren Aufnahme der Sonaten zu vergleichen, die Grumiaux mit dem Pianisten Walter Klien aufgenommen hat, sowie einer der Sonate KV 481, bei der Grumiaux beide Parts, Violine und Piano, übernommen hat.


    Wer die Box, die auf Amazon auf dem Weg zu astronomischen Preisen ist, noch günstig haben will, kann sie derzeit (Stand 24.06.) noch über Amazon.it bestellen.


    Herzliche Grüße


    Christian

    Bei mir läuft gerade wiederholt "das vollendetste, feinste Trio, das je in dieser Welt hörbar geworden ist." [Alfred Einstein]


    Zunächst in der Aufnahme auf SACD mit dem Trio Zimmermann:



    Sehr klar, tontechnisch herausragend, aber irgendwie wurde ich nicht warm damit. Nachdem ich in dem alten Tamino-Thread zu diesem längsten kammermusikalischen Werk Mozarts gelesen habe, habe ich via Spotify in die Aufnahme mit Grumiaux hineingehört. Und fand diese trotz Abstrichen bei der Tonqualität sofort viel frischer, sprechender, auch menschlich wärmer. Was dazu führte, dass ich mir via Amazon.it gerade diese Box hier bestellt habe, welche die Aufnahme von KV 563 enthält, und auf die ich mich auch aufgrund der übrigen enhaltenen Aufnahmen wirklich freue.



    Herzliche Grüße


    Christian

    Grundsätzlich interessant, inhaltlich.


    Aber warum muss der Thread tituliert sein "K L A S S I S C H E R G E S A N G"? Geht es auch etwas weniger pompös, oder soll dies "raumfüllende Autorität" sein?

    Hätte ich HIER jetzt nicht so zwingend erwartet... :stumm::D

    Es lebe die musikalische Vielfalt, Frank - DU bist da doch auch ein Freund von. :hello:



    So eine stahlharte Kost hätte ich Dir, lieber hasiewics, gar nicht zugetraut/zugeordnet.

    Wieso eigentlich nicht? Wagner ist doch auch zum Teil "metal"-artig, und auch der "Sacre" in seiner Rhythmik geht voll in die Richtung.



    (Interessant gemachte Musik !), aber als dann nach 1:41 der "schreckliche" Gesang einsetzte ...

    Das nennt sich "Growlen", und Tom G. Warrior, der Sänger der Band, hat diese Art der Artikulation quasi erfunden.



    Herzliche Grüße


    Christian

    Vielleicht interessant für Freunde nordischen Klangs:



    Zitat

    2017 marks the centenary of Finland's independence. This 5 CD collection encompasses works by native composers from 1917 to the present and reflects the flourishing talent, artistry and experimentation of Finland's classical music scene. These compositions are imbued with the beauty and isolation of the Finnish landscape, while capturing the nuance and personality of each composer. This anthology features Finnish artists from the Ondine catalogue, including some of the most prestigious orchestras, singers and instrumentalists of the country.

    Die erste Musik in diesem Jahr, passend zum Reformationsjahr, aus der großen Suzuki-Kantaten-Box:



    Johann Sebastian Bach
    Lobe den Herren, den mächtigen König der Ehren, BWV 137
    Masaaki Suzuki, Bach Collegium Japan.


    Herrlich, was Bach aus dem Choral macht, der in allen fünf Sätzen gegenwärtig ist - eine festliche, nicht zuletzt durch die Trompeten strahlende Musik. Suzuki und das Bach Collegium musizieren schwungvoll und rhythmisch pointiert, etwas Abstriche gibt es allenfalls für den Countertenor Robin Blaze, von dem man sich mehr Prägnanz wünschen würde. Für mich der Anfang einer genussvollen Reise durch Bachs Kantatenwerk, die ich in diesem Jahr antrete - mindestens eine Kantate pro Woche.


    Herzliche Grüße


    Christian

    Zu Weihnachten reich beschenkt worden:


    Arpeggione-Sonate und mehr mit Kontrabass statt mit Cello, es spielt (sehr schön) Dominik Greger:



    Und dieses Schatzkästchen:


    Johann Sebastian Bach: Sämtliche geistliche Kantaten. Masaaki Suzuki, Bach Collegium Japan.



    Zusammen mit dem gestern bestellten Bach-Buch von John Elliot Gardiner wird 2017 wohl ein Bach-Jahr für mich...


    Herzliche Grüße


    Christian

    Womit die Political correctness letztlich doch den Sieg davonträgt - auch im Thread der Political incorrectness! Damit betrachte ich meine Mission hier als erfüllt!


    Soso, wir haben eine Mission. Fühlen uns doch ein wenig besser als die weniger hellen Kerzen auf der Torte hier, gelt? Schön, dass das Tamino Forum auf staatlich finanziertes betreutes Denken bauen darf.


    Die Flughöhe über dem Stammtisch ist nun mal schwer zu erringen...


    Franz Schubert: Symphonie D. 944. Hans Knappertsbusch, Wiener Philharmoniker.


    Den Hinweis auf diese Aufnahme verdanke ich Joseph II., und ich bin ihm dankbar und schlichtweg begeistert! Schon jetzt ein Best Buy für dieses Quartal. Eine Aufnahme, die beweist, dass es nicht auf guten Klang ankommt (wobei die Klangqualität für eine Mono-Live-Aufnahme von 1957 sehr passabel ist), sondern dass es vor allem die Musikalität ist, die begeistert. Eine ganz andere Musikalität übrigens als in Szells Interpretation, die ich ebenfalls sehr liebe - wo dieser bei einem relativ gleichbleibendem Grundtempo scharfe Akzente setzt, lässt es Kna brodeln, zügelt das Orchester manchmal quälend, bevor er es in eine Eruption entlässt - ja, diese Interpretation ist ein Vulkan!


    Beste Grüße


    Christian

    Bei Amazon-Italien gibt es die Integrale der Aufnahmen Aldo Ciccolinis aktuell sehr günstig, für ca. 50 EUR inkl. Versand. Hier der Link: KLICK (denn der Cover-Link führt fälschlicherweise automatisch auf die deutsche Amazon-Seite; eine Bestellung in Italien ist problemlos auch mit den "deutschen" Anmeldedaten möglich und wird durch den identischen Seitenaufbau erheblich erleichtert, selbst wenn man kein Wort ital. versteht).


    Dort gibt es übrigens auch die Box mit allen geistlichen Bach-Kantaten mit dem Bach Collegium Japan unter Masaaki Suzuki (auf SACD) für gerade mal 199 EUR vs. Normalpreis von 299 EUR. Auch deswegen lohnenswert für Mehrkanal-Fans, weil die ursprünglich auf CD erschienenen Folgen hier erstmals in Mehrkanal zu hören sind.



    Beste Grüße
    Christian

    Gestern Abend zwei Mal Künstler (zum Teil) aus Japan:



    Ludwig van Beethoven
    Streichquartett F-Dur, Op. 18.


    Tokyo String Quartet



    Johann Sebastian Bach
    Kantate BWV 120a, "Herr Gott, Beherrscher aller Dinge"


    Bach Collegium Japan
    Masaaki Suzuki


    Wunderbare Kantate, sehr schön dargeboten.


    Herzliche Grüße

    Hallo,


    Die exzellente GA der Dvorak'schen Quartette mit dem Stamitz.Q. (ehemals Bayer-Records, nun Brilliant) gibt es derzeit für äußert schlanke 12,99 EUR. Weitere Brilliant-Boxen sind ebenfalls reduziert. Wer den Zyklus noch nicht hat bzw. bisher ggf. scheute, erhält hier die Chance auf Komplettierung der Sammlung auf wirklich hohem Niveau.

    Viele Grüße
    Frank


    Vielen Dank für den Tipp, Frank! Da konnte ich nicht widerstehen, zumal ich bis auf das "Amerikanische" dieses Repertoire tatsächlich noch nicht hatte.


    Beste Grüße
    Christian


    Eine wirklich fantastische CD - und das, obwohl ich auf englische Musik nicht unbedingt abonniert bin.


    Herzliche Grüße


    Christian

    Ich habe gerade einmal über Gerhards These sinniert - und mich selbst gefragt, was meinen Zugang zu "populären" Melodien betrifft.


    Populäre Melodien, die ich (sehr) mag (ohne Anspruch auf Vollständigkeit):
    - Schuberts "Rosamunde"
    - Mussorgsky, "Bilder einer Ausstellung"
    - Wagner, Tannhäuser- und Meistersinger-Vorspiel
    - Smetana, Moldau
    - Strauss-Walzer


    Populäre Melodien, die ich derzeit nicht hören mag:
    - die "Kleine Nachtmusik"
    - Schuberts "Forelle"
    - Tschaikowski, Erstes Klavierkonzert
    - Dvorak, Neunte Sinfonie


    Das alles sehe ich allerdings als zeitlich eingegrenzt und es kann sich jederzeit wieder ändern.


    Herzliche Grüße


    Christian