Beiträge von hasiewicz

    Ich habe heute meine Tageszeitung abbestellt. Die Gründe möchte ich nur andeuten. Wahrheitsgehalt, Einseitigkeit, Parteilichkeit, zuviel Werbung und gestiegene Preise sind nur einige davon. Früher habe ich mal 21 Mark im Monat bezahlt, jetzt 39 Euro.

    La Roche

    Im Netz kursiert dazu der passende Begriff „red pilled“ - „die rote Pille genommen zu haben“. Nach dem Film „The Matrix“. Insofern: willkommen auf der anderen Seite.

    Ravel am Nachmittag

    War lange auf dem Merkzettel. Vor langer Zeit bereits bei jpc gekauft. Tatsächlich nur wegen Arleen Auger.

    Heute also der erste Einsatz, weil die Liebste „schöne Musik“ wünschte, „am liebsten was Klassisches“. Na also:


    „Musikalische Wünsche der Damenwelt, und wie der Mann von Welt ihnen entspricht“ - a new thread is born! (auch wenn es ein wenig nach Playboy 1960 klingt…)


    Herzliche Grüße!

    Ein hochgeschätztes Forumsmitglied hat mich auf die Idee gebracht, wieder einmal Elly Ney zu hören. Das Album "Milestones of a Piano Legend, Vol.1" gibt es auf Apple Music. Was es auf Apple Music gibt, kann ja nicht schlecht sein, oder?


    Insofern mal hineinhören:



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    Es wird auch bei uns immer abstruser:


    https://www.rnd.de/kultur/stre…JSMBBHXG2JLGXYDSE77A.html

    Schönes Beispiel: Die Anklage des Rassismus des Herrn Matthews, der unterstellt (hier wie andernorts geht es immer um Unterstellungen, auffälliges Muster), die Flechtzöpfe seien eine "kulturelle Aneignung", weil von Afroamerikanern übernommen, ist selbst eine solche - das Theater antwortet ja auch sehr richtig:


    Die Inspiration für die Frisuren der Figuren im Stück ist an die vielfältigen Darstellungen angelehnt, die sich unter anderem bei antiken Statuen finden lassen“, heißt es der Zeitung zufolge in einer Stellungnahme bei Instagram. Es werde darauf hingewiesen, „dass Flechtfrisuren zu den ältesten Traditionen des Haarschmucks zählen und in unterschiedlichen Kulturen auf vielfältige Art und Weise repräsentiert sind“.


    Agitation und Empörung verbunden mit mangelnder Bildung, das ist die Grundlage der woken Bilderstürmer. In der freien Wirtschaft würde so ein Typ wegen geschäftsschädigenden Verhaltens Achtkant rausfliegen, hier wird er vermutlich hofiert - man will ja keinen Ärger.

    Gilbert Keith Chesterton, „Orthodoxie“, in einer sehr schönen Ausgabe der Anderen Bibliothek, antiquarisch bezogen.


    Chesterton entfaltet darin in persönlichem, humorvollem, bisweilen ironisch zugespitztem Ton, wie er in seinem Leben, ohne dies zu beabsichtigen, zu einer Reihe von Überzeugungen gefunden hat, die er dann im christlichen Glauben widergespiegelt findet. In seinen Betrachtungen streift er Wahnsinn, Märchen, Rationalismus, Selbstmord, Optimismus/Pessimismus, rechnet mit Nietzsche und Schopenhauer ab und erläutert, warum für ihn in Märchen mehr Realismus steckt als in modernen Romanen.


    Ein wunderbares Buch, auch wenn man sich zu vielen Punkten gern mit ihm streiten möchte.


    Parallel dazu höre ich gerade den Podcast „A Pint with Chesterton“, in dem zwei junge Amerikanerinnen Kapitel für Kapitel des Buchs diskutieren - ebenfalls sehr unterhaltsam.

    Dazu hier ein Artikel der NZZ, ebenfalls süffisant bis vernichtend („lehrreicher Murks“):


    https://www.nzz.ch/amp/feuille…thovens-zehnte-ld.1649003


    Und hier noch ein sehr schöner Kommentar zum ZEIT-Artikel, von einem Leser names „LasstWinnetounachSachsen“:


    „Man hätte die Computer auf Schwerhörigkeit ohne nennenswerte Hilfsmittel programmieren können, Eistreiben auf der Donau, auf Isolation, Verzweiflung, gescheiterte politische Hoffnungen, Weltschmerz, Morgensonne vor dem Fenster, fugalen 'Heiligen Dankgesang', zuviel schlechten Wein und Leberschaden, Hasslieben, Verachtung für Bürokraten, Erinnerungen an Verflossene -

    und man hätte den Schluss der Zehnten selbst dann noch nicht erreicht. Was hier scheiterte, ist die Reproduktion eines Lebens, eines Kosmos.“


    Und vielleicht das Fehlen der göttlichen Muse, die eben ein Genie küsst, aber keinen Großrechner.






    In diesem Sinne werde ich öfters in Düsseldorf anzutreffen sein, wie ich zuversichtlich durch die (Achtung!): Theodor-Körner-Straße flaniere, um dort wohlgemut des Dichters Zeilen vor mich hinzumurmeln:


    Alles Große kommt uns wieder, alles Schöne kehrt zurück.“

    ...Seine zweite Symphonie wurde im Film "Alien" zitiert (ohne sein Wissen und zu seinem Missfallen übrigens). ...

    Genau das war für mich der Grund, mich erstmals mit ihm zu befassen, wobei ich über das Hören der zweiten Symphonie nicht hinausgekommen bin, obwohl mir diese sehr gefallen hat. Ich werde ihm mal eine neue Chance geben.


    Beste Grüße


    Christian

    Warum „The Lark Ascending“ von Vaughan Williams von Progressiven gehasst und von traditionsbewussten Briten als Inbegriff des Englischen empfunden wird. https://unherd.com/2021/06/why…es-hate-vaughan-williams/

    Zitat

    Doch heute steht „The Lark“ regelmäßig an der Spitze der jährlichen Hall of Fame von ClassicFM - noch vor Beethoven, Mozart und all den anderen. Bei der Erklärung, warum sie das Stück lieben, verweisen Fans oft darauf, dass es die Schönheit der englischen Landschaft heraufbeschwört, ähnlich wie ein Gemälde von Constable. Wie Peter Sallis, der sich seines Platzes in der englischen ländlichen Folklore durch seine Rolle in Last of the Summer Wine sicher ist, es ausdrückte: "Man muss es sich nur anhören, und schon hört man England."

    Dieser "Flashmob" ist nur ein durchkommerzialisierter, manipulativ inszenierter Werbespot für eine Bank. Hör mir bitte mit dem Kunstmissbrauch auf, mir wird da echt übel von.

    „Kunstmissbrauch“ - meine Güte, geht es auch mal eine Nummer kleiner? Wenn einem vom „Kommerz“ übel wird, kann man sich nur auf Hausmusik beschränken, oder?

    Nun, auch das Album „Officium“ von Jan Garbarek und dem Hilliard Ensemble ist populär - und hat mir den Weg zu reinen Vokalpolyphonie eröffnet. Also kein Dissenz.

    Soetwas wie unten ist nur bei Beethoven, Bach, Mozart oder Wagner denkbar (freue mich über Gegenbeweise). Es ist ein Unterschied, ob Musik meisterhaft ist, oder ob sie Teil der kulturellen DNA der Menschheit geworden ist. Das ist wie in der Literatur der Unterschied zwischen Shakespeare und Dr. Johnson, zwischen Goethe und Wieland.


    Die Kolonisierung unserer Ohren

    "Wie rassistisch ist der Kanon der klassischen Musik? Die Debatte darüber, wer gehört wird und wer verstummt, wird lauter."


    https://www.zeit.de/2021/20/ra…ik-europa-usa-deutschland

    Zitat

    Dabei ist die Überzeugung, die westliche Klassik sei sozusagen von Haus aus eine komplexere, höher entwickelte Musikform als etwa die indische, chinesische oder türkische Klassik (oder Musik ganz anderer Stile), heute noch unterschwellig verbreitet.

    Wieso "unterschwellig"? Ich bin zutiefst von dieser Überlegenheit überzeugt. Jede größere Stadt weltweit, die auf sich hält, hat ein Sinfonieorchester, wozu ja kein Land gezwungen wurde. Die gesamte moderne Filmmusik geht auf Wagner und andere westliche Klassiker zurück.


    Und diese Überlegenheit hat nichts mit dem banalen Umstand zu tun, dass die Komponisten "weiß" oder eben "Männer" waren. Sondern damit, dass diese eine Musiksprache gefunden haben, die weltweit als universell empfunden wird, und eine Qualität der Form, die einen kulturellen Gipfelpunkt darstellt. Was man von indischer oder türkischer Musik eben nicht sagen kann.


    Auch der unermüdliche Musiksucher und -vermittler Jordi Savall hat auf seiner Suche zwischen Orient und Okzident nichts Größeres aufgenommen als die Eroica und Mozarts späte Sinfonien.

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    Anton Bruckner

    Symphonie Nr.1 c-moll


    Berliner Philharmoniker, Eugen Jochum


    Zum ersten Mal komme ich zum Hören meines Japan-Imports des Remasters von Jochum erstem Bruckner-Zyklus durch die Emil Berliner Studios. Wie Joseph II. richtig bemerkt, handelt es sich um eine klangtechnische Offenbarung, die manche moderne Produktion hinter sich lässt. Fantastisch!

    Frei nach "Die größten Kritiker der Elche waren früher selber welche": Das Ende der Alpha-Männer wird immer von denen beschworen, die ganz offensichtlich keine sind.


    Ich halte das übrigens nicht für ein reines Männer-Thema, es geht um Menschen (und dazu gehören auch Frauen, wenn auch in geringerem Maße) mit einem unbedingten Gestaltungswillen - zwei Beispiele außerhalb der Musikbranche wären für mich Steve Jobs und Margaret Thatcher. Als Unternehmer wie Jobs kann/konnte man diesen halt leichter verwirklichen als in einem Angestelltenverhältnis.

    Gestern aus Japan erhalten, heute gehört:


    Die Aufnahme der Großen C-Dur-Symphonie unter Franz Konwitschny, dargeboten von der Tschechischen Philharmonie.


    Es handelt sich um eine SACD des japanischen Labels Tower Records, die als Remaster sehr frisch klingt, deutlich besser als die auf YouTube hochgeladene Version.


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    Zu Konwitschnys Herangehensweise lässt sich sagen, dass er die Sinfonie ganz eindeutig nicht auf den Fußstapfen Beethovens sieht. Vielmehr spinnt er einen epischen Erzählfaden aus, der sich Zeit nimmt, sodass die Aufnahme als Buch eher ein Roman von Stifter als ein Drama von Hebbel wäre. Langweilig finde ich das nicht, weil es überall Schönes zu hören gibt. Besonders die Bläser der Tschechischen Philharmonie lassen hier aufhorchen: Setzen mal humoristische Akzente im ersten Satz oder gestalten Passagen im zweiten besonders lyrisch. Eine besondere Aufnahme, die es verdient, als Remaster wieder ins Bewusstsein geholt zu werden.