Heidelberg, 22.04.2009: Liederabend Thomas Hampson

  • Hallo,


    gestern waren wir in Heidelberg, beim Liederabend von Thomas Hamspon, der im Rahmen des diesjährigen Heidelberger Frühlings stattfand.


    Als wir die Karten kauften, stand auf der Webseite noch, daß Thomas diesmal Schumanns Liederkreis op. 39 singen würde. Leider wurde dann gestern daraus ein op. 35, sowie noch Lieder von Liszt und Mahler.


    Das Programm im Ganzen:


    Robert Schumann (1810 –1856)
    Liederkreis Op. 35 (Justinus Kerner)
    Lust der Sturmnacht
    Stirb
    Lieb' und Freud'
    Wanderlied
    Erstes Grün
    Sehnsucht nach der Waldgegend
    Auf das Trinkglas eines verstorbenen Freundes
    Wanderung
    Stille Liebe
    Frage
    Stille Tränen
    Wer machte dich so krank?
    Alte Laute


    Franz Liszt (1811-1886)
    Im Rhein im schoenen Strome
    Anfangs wollt’ ich fast verzagen
    Vergiftet sind meine Lieder (H.HEINE)
    Ihr Auge
    Es rauschen die Winde (L.Rellstab)
    Drei Ziguener (N.Lenau)


    Gustav Mahler (1860-1911) Lieder nach Texten von Friedrich Rückert
    Blicke mir nicht in die Lieder
    Ich atmet' einen linden Duft
    Um Mitternacht
    Ich bin der Welt abhanden gekommen


    Als Zugaben gab es dann noch vier weitere Mahlerlieder.


    An anderer Stelle wurde hier schon darüber spekuliert, ob Thomas' Stimme inzwischen nicht mehr allzu gut sei. Gestern war er erkältet (oder hatte Heuschnupfen, während der Zugaben dankte er den Zuhörern, daß sie trotz 10mal höherer Pollenbelastung so wenig gehustet haben, er selbst hustete sich auch immer mal wieder in den den ZwischenDenLiedernPausen frei), und, ja, in den Höhen klang es manchmal nach "schreien". Dennoch: Seine Aussprache und Linienführung sind immer noch sehr gut, und machten es damit zu einem zwiespältigen Ereignis. Nicht so gut, wie seine Aufnahmen der Dinge, immer noch gut, und seine Art zusammen mit Wolfram Rieger zu musizieren, ist immer wieder schön anzusehen.


    Leider hatten auch viele der Zuhörer Probleme mit ihrer Sprachorganen, dieses immer wieder hüsteln "" ist schon verdammt lästig!


    Die Webseite aus Heidelberg ist hier:
    http://www.heidelberger-fruehl…3028/e3107/index_ger.html


    Liebe Grüße,


    Matthias

  • Lieber Matthias,
    danke für deinen Bericht! Du hattest ja noch Glück, denn leider stehen die Chancen, dass angekündigte LAs von Hampson auch wirklich stattfinden, eher schlecht (Ist auch eine nervliche Sache, seine Bühnenangst wird mit den Jahren leider schlimmer als besser :( ). Und leider entspricht es auch den Tatsachen, dass seine Stimme hörbar gelitten hat und er das durch Forcieren wettzumachen versucht, was in meinen Ohren aber die Sache eher verschlimmert.
    Das sagt ein trauriger Hampson-Fan,
    Severina :hello:

  • Zitat

    Original von severina
    Du hattest ja noch Glück, denn leider stehen die Chancen, dass angekündigte LAs von Hampson auch wirklich stattfinden, eher schlecht (Ist auch eine nervliche Sache, seine Bühnenangst wird mit den Jahren leider schlimmer als besser :( ). Und leider entspricht es auch den Tatsachen, dass seine Stimme hörbar gelitten hat und er das durch Forcieren wettzumachen versucht, was in meinen Ohren aber die Sache eher verschlimmert.
    Das sagt ein trauriger Hampson-Fan,
    Severina :hello:


    Ja, bin auch ein trauriger Hampson Fan.


    Positiv: Er sprach gestern bei den Zugaben auch noch davon, daß "sie" (wer? Heidelberger Frühling? Hampson?) noch viel vorhaben, und wir mitmachen sollen (wobei?). Ich denke also, daß auch seine Lust, zu singen und aufzutreten, nicht abnimmt, wenn denn erstmal der ganze Ärger um die Steuern etc. vorbei ist...


    Ja, auch ein trauriger Hampson Fan!


    Matthias

  • Opernmäßig wird Hampson in Zukunft seinen Schwerpunkt wohl in Zürich haben, zumindest sprach Pereira anlässlich der "Tosca" ganz stolz davon, dass "Thomas Hampson wieder durch einen großen Vertrag an das Haus gebunden ist", was dieser mit "Daheim ist daheim!" quittierte. Sein Haus in Wien hat er ja bereits verkauft, die "Firma" (Hampsong.org) in die USA verlegt und sein europäischer Hauptwohnsitz wird wohl auch in Zürich sein.
    In Österreich tritt er nur mehr ein einziges Mal auf, und zwar Holender zuliebe am 30. Juni im Parzifal - sein Abschiedsgeschenk sozusagen.
    lg Severina :hello:

  • Unter dieser Schlagzeile ist heute in der Rhein-Neckar-Zeitung eine geradezu hymnische Besprechung eines offensichtlich restlos begeisterten Rezensenten (Rainer Köhl) zu lesen. Er lobt die "überragende Stimmkultur", die "perfekte Balance aus sängerischer Intelligenz und Intuition" sowie die "Vielseitigkeit" Thomas Hamsons. Er bewundert "(g)roße Initimität und Zärtlichkeit", von der "kongenialen Klavierbegleitung Wolfgang Riegers inspiriert", und "große Spannung gerade auch in der Stille". Und: "Eindrucksvoll visionäre Momente ergaben sich dabei." Der Pianist wußte "in eine einzige Phrase ein ganzes Lebensglück hineinzutragen".


    In diesem Ton geht es weiter:


    Zitat

    Eine unaufdringliche Intensität ist es, die Thomas Hampsons Gesang auszeichnet. Schlicht und unverkünstelt ist sein Vortrag, dabei gleichermaßen reich an Valeurs und herrlicher, würzig-sonorer Farbe. Da gibt es kein artifizielles Geschnörkel, keinerlei bemühtes Ringen um kunstvolle klingende Farben, wie dies bei vielen renommierten Sängern aus dem deutschen Sprachraum zu erleben ist. Nein, Thomas Hampson lässt die Phrasen frei herausströmen und diese erhalten ganz von alleine eine sehr natürlich klingende Schönheit und prachtvolle Farbenfülle. Bei alldem ist dieser Gesang von faszinierender Eindringlichkeit. Gerade weil dies so angenehm ungestelzt daherkommt. Und der Sänger findet für jedes Lied den diesem angemessenen, ureigenen Ton.


    Ich kenne Hampson von einigen CD-Einspielungen und schätze ihn als Mahler- und Schumann-Interpreten. Ob sein Konzert vorgestern in Heidelberg diese Lobeshymne verdient, kann ich nicht beurteilen, denn ich war nicht dabei und frage mich jetzt ernsthaft, was ich da wohl verpaßt habe...

  • Thomas Hampson NICHT zu besuchen, ist immer ein Fehler...


    Ob der vorgestern aber groß war, ich weiß nicht. Wie gesagt. Seine Aufnahmen sind besser, das Gehüstel (selbst mein 78-jähriger Vater fühlte sich im Publikum jung!) ist extrem lästig, und trübt den Genuß.


    Ja, Hampson macht kein Aufhebens beim Singen, er phrasiert sehr gut, betont richtig, macht also "das Beste" aus der Musik/dem Lied. Und mit Wolfram Rieger sowieso!


    Sängerische Intelligenz und Intuition, etc.: Alles richtig, aber, das ist eben Hampson, so ist er, auch wenn er mal einen schlechteren Tag hat, das sind ja intellektuelle Dinge, die Art der Erarbeitung des Musikmaterials, also alles Dinge, die erstmal mit der Stimme noch nichts zu tun haben. Und auch Sätze wie: "kein Ringen um kunstvoll klingende Farben" sagt nichts über den Tageszustand der Stimme aus. Ja, es stimmt, das ist eben, was wir an Hampson und seiner Interpretation der Lieder so lieben. Ja, das kommt auch rüber, wenn er noch einen schlechteren Tag hat. "Angenehm ungestelzt", das trifft es. Ich habe ihn in Heidelberg nun schon das dritte Mal gehört, und auch schon mal in Wiesbaden und in Köln. In Köln (aber das hat auch mit der hervorragenden Akustik dort zu tun!) fand ich ihn am Besten, auch wenn er dort ein Lied ausließ, weil er erkältet war, und damals die ganz hohen Töne sich deswegen nicht zumuten wollte.


    Also, wie auch Severina sagte. Solange es möglich ist, ihn zu hören, sollte man es noch tun, noch geht es! Wie gesagt, auch wenn er nicht mehr auf dem Höhepunkt ist, sein Auftreten, seine "nette" Art, mit dem Publikum umzugehen, allein das macht es wert...


    Naja, bin halt ein Fan... ;-)


    Matthias