2011 - Das "alternative" Neujahrskonzert

  • Das Wiener Neujahrskonzert ist mit Sicherheit nicht nur eines der bekanntesten Konzerte weltweit, sondern auch eines der am meisten im Sperrfeuer der Kritik befindliche. Da meine ich nicht etwa die professionelle Kritik, sondern die Kritik an einer derartigen Veranstaltung überhaupt - bzw. deren Gestaltung, Programm - und Dirigentenauswahl.
    Puristen ist schon ein Gräuel, den "Walzerkönig" im Musikvereinssal an prominenter Stelle im Programm zu finden - ungeachtet der Tatsache, daß Johann Strauß bei seinen zeitgenössichen Komponistenkollegen durchaus anerkannt und geschätzt war.
    Aber auch über den Dirigenten - wer immer es auch war - fiel selten ein gutes Wort.


    Als Clemens Krauss - er dirigierte das erste Neujahrskonzert überhaupt - überraschend starb - einigte man sich auf einen Kompromisskandidaten - Willi Boskovsky. Dieses Provisorium dauerte immerhin 24 Jahre - und als Boskovsky abtrat wurde wieder um eine Lösung gerungen,


    Lorin Maazel erschien etlichen Wienern zu "unwienerisch" (obwohl er seine Sache meiner Meinung nach durchaus gut machte) und er war auch "Opfer" einer "Flugblattattacke" während eines solchen Konzertes.


    Danach wechselten die Dirigenten regelmäßig. Und immer wieder wurde gelobt, wie "anders " sie doch das Neujahrskonzert dirigiert hatten.
    Man stilisierte das Neujahrskonzert unter dem greisen Herbert von Karajan zum Jahrhundertereignis, bejubelte Harnoncourt und feierte Pretres "französiche" Lesart wie ein Weltwunder.


    Aber es blieb immer wieder ein Hauch von Kritik unterschwellig in der Luft, vor allem dann, wenn der Klang nicht "wienerisch" genug war.


    Heuer haben die einen über Die uneitle Darstellung von Welser Möst gejubelt, den anderen war das Konzert zu "brav" oder zu "fad".


    Der Kritiker der Oberösterreichischen Nachrichten schrieb beispielsweise:


    Zitat

    Franz Welser-Möst hat es geschafft und das Neujahrskonzert wieder dorthin zurückgeführt, wo es eigentlich hingehört. Zu einem erstklassigen Konzerterlebnis, zu ernsthaftem Musizieren,....


    Nebstbei reihe ich mich gerne in die Gruppe derer ein, denen der Pausenfilm gefallen hat...


    mfg aus Wien


    Alfred

    Die Tamino Moderation arbeitet 24 Stunden am Tag - und wenn das nicht reicht - dann fügen wir Nachtstunden hinzu.....



  • Zitat

    Zitat von Theophilus:


    Das ist ganz sicher nicht richitg....

    Dann ist es um so erstaunlicher, dass in diesem Jahr so viele Premieren dabei waren, so viele Stücke abseits des "Mainstreams", wie man so schön sagt. Ich wollte mit meiner Einlassung, dass sich viele Dirigenten nicht allzuviele Gedanken über die Programmgestaltung gemacht hätten, auch nur darauf hinweisen, wie viele Programmübereinstimmungen es von Jahr zu Jahr gegeben hat.


    Unter Willi Boskowsky hat es sogar, wenn ich mich recht entsinne, jedes Jahr die Polka "Auf der Jagd" gegeben, wahrscheinlich deswegen, weil am Ende des Stückes der entsprechende Philharmoniker mit einem Jagdgewehr Konfetti über das Orchester hinweg in Richtung Publikum geschossen hat.


    Bestimmte Stücke (s.o.) waren eben beim Publikum sehr beliebt, und wenn das Konzert seit vielen Jahren, (meine erste Neujahrs-CD war die vom Karajan-Konzert) vermarktet wird, so ist es natürlich sehr hilfreich, wenn immer viele bekannte Stücke gespielt werden. Das ist, für sich gesehen, ja auch gar nicht so schlimm, aber das kann sich auf die Dauer auch abnutzen. Ich habe mich selber dabei ertappt, dass ich in den letzten Jahren keine CD's oder DVD's vom Neujahrskonzert mehr gekauft habe.


    Insofern war die diesjährige Programmgestaltung sehr mutig, und ich werde deshalb dieses Jahr auch wieder einen Tonträger kaufen, aber dieses Mal (wegen meines neuen Players) eine Blue Ray Disc.


    Liebe Grüße


    Willi :rolleyes:

    1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
    2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

  • Hi


    Ich bin noch über ein paar ganz interessante Zahlen über die Neujahrskonzerte gestolpert. Den Wettkampf bei den Sylvesterkonzerten gewann das ZDF. Während die ARD mit ihrem Konzert mit den Berlinern unter Dudamel mit Elina Garanca einen Marktanteil von 5,6% erreichte, schaffte das ZDF in Dresden mit Thielemann und Renée Fleming stolze 7,7%. Allerdings erreichte das ZDF am nächsten Tag mit der Übertragung des Wiener Neujahrskonzertes mit FWM einen Marktanteil von 16,8%...


    Für den ORF brachte FWM ein Rekordergebnis in diesem Jahrtausend! 65% Marktanteil schaffte das Neujahrskonzert in den letzten 10 Jahren nie.


    :hello:

    Ciao


    Von Herzen - Möge es wieder - Zu Herzen gehn!