"La Juive" von Jacques Fromental Halévy, Wiederaufnahme in Zürich, besuchte Vorstellung: 17.4.11

  • Auch für den perfektionierten Musikbetrieb unserer Tage ist La Juive immer noch eine gewaltige Herausforderung: Im sängerischen Bereich etwa sind für die Hauptrollen ausgesprochen robuste und gut disponierte Sängerinnen und Sänger gefordert, die mit der exponierten Lage und der Länge ihrer Partien umzugehen verstehen. In dieser Hinsicht ist Sandra Janusaite zweifellos an erster Stelle zu nennen. (Eine Sängerin, die man sich merken muss) Sie gestaltet mit grosser stimmlicher und darstellerischer Reife die schwierige Rolle der Rachel, die zur Zeit des Konstanzer Konzils (1414) in ein am Ende tödliches Spannungsfeld zwischen ihrem jüdischen (Zieh-)Vater Eléazar und ihrem seine Reichsfürstenidentität verschweigenden Geliebten Léopold gerät. Brillant bewältigt auch die Sopranistin Malin Hartelius die andere weibliche Hauptpartie der Prinzessin Eudoxie. John Osborn erreicht als Léopold ebenfalls ausserordentliche Qualitäten. Neil Shicoffs Leistung -- er verkörpert den Eléazar -- war einzigartig und erschütternd. In der Caruso-Rolle des Eléazar ist er Verbitterung, schneidende Ablehnung, ein wütender Ahasver, gehetzt von den Furien des Antisemitismus. Dann, in der berühmten Arie "Rachél, quand du Seigneur", scheint nur noch Verzweiflung auf, ein gebrochener, alter Jude, der nicht weiss, ob er seine Christentochter retten oder mit in den Tod reissen soll. Wie Shicoff das spielt, lebt, singt - das ist einer der raren Momente, der heute noch grosse Oper sein kann. Nach seiner grossen Arie im vierten Akt spendet das Publikum einen wahrhaft enthusiastischen Beifall. Neil Shicoff ist der Dreh- und Angelpunkt. Er reisst das Publikum mit in einen Strudel der emotionellen Verausgabung, gestaltet im vierten und fünften Akt ein sehr intensives, unter die Haut gehendes Musikdrama.Der Kardinal von Alfred Muff konnte sich noch am ehesten neben Shicoff profilieren und im vierten und fünften Akt viel zu einer spannungsgeladenen Darstellung beitragen. Gesanglich ist er bei den dramatischen Akzenten ausserordentlich. Seine 70 Jahre merkt man zu keiner Zeit.

  • Theophilus hat wie immer recht.


    Lt. seiner Biographie ist Alfred Muff ein Jahr jünger als ich, genauer gesagt, er ist am 31. Mai 1949 in Luzern geboren.


    Aber vielleicht weiß Beat ja mehr über seinen Landsmann (wäre nicht der erste, der sein Alter "geschönt" angibt)?


    LG


    ?(



  • Nein, hier habe ich mich geirrt. Kutsch/Riemers gibt tatsächlich 1949 an, wie bei Shicoff. Aus irgendeiner, nicht mehr auffindbaren Quelle hatte ich Jahrgang 1941.


    Sorry und LG