Richard Wagner: Götterdämmerung (Hamburg, 02.06.2013)

  • Dieser Abend geriet musikalisch zum krönenden und würdigen Abschluß der Wagnerfestspiele und des Ringes der Nibelungen in der Hamburgischen Staatsoper, in welchem Simone Young 10 Wagneropern innerhalb von 6 Monaten auf die Bühne des Hauses und der Musikhalle (Rienzi) gebracht hatte.
    Das Orchester, die Philharmoniker Hamburg und Simone Young offenbarten mal wieder einen Wagnerklangteppich vom feinsten.
    Christian Franz als Siegfried zog auch an diesem Abend wieder alle Register, von den dramatischen Ausbrüchen bishin zu den wundervollen lyrischen Momenten wo er die Erzählungen des Waldvogels wiederholte oder sich der ersten Begegnung mit Brünnhilde, seiner heiligen Braut erinnerte.
    Linda Watson war vom ersten bis zum letzten Ton (mit der Walküre beginnend und dem Schluß der Götterdämmerung) durchgehend auf dem gleichen Hohen stimmlichen Niveau.
    Antonio Yang durft an diesem Abend für John Wegener den Alberich nicht nur singen sondern auch spielen (naja soviel zu spielen gab es da auch nicht, man schreitet die oberen Etagen eine Hauses entlang und hebt im richtigen Moment an der richtigen Stelle beide Arme,um zu beweisen das Hagen eigentlich nur seine Marionette).
    Robert Bork sang einen stimmgewaltigen und vom Stimmklang her wundervollen Gunther.
    Anders als beim letzjährigen Ring wirkte hier die Gutrune, Anja Fidelia Ulrich ersetzte Anna Gabler, nicht mehr truschig, sondern sie war hier eine ernsthafte Konkurrentin für Brünnhilde.
    Michaele Schuster als Waltraute war ein weiterer Höhepunkt an diesem Abend gewesen, die Waltrautenerzählung geriet zu einem besonderen Kleinod.
    Attila Jun überzeugte an diesem Abend als Hagen auch wenn er manchmal kleine Probleme hatte sich stimmlich gegen Robert Bork durchzusetzen.
    Die Normen wurden von Christa Mayer (wundervoll), Cristina Damian und Hellen Kwon gesungen.
    Als Woglinde ersetzte Katerina Tretyakova (immer eine sichere Bank, egal in welcher Rolle) Hayoung Lee, Wellgunde wurde von Maria Markina und Flosshilde von Ann-Beth Solvang gesungen und alle drei waren wundervoll in ihrer schelmisch kecken Art der Textartikulation.
    Ein Abend und ein kompletter Ring wie man ihn selten besser zu gehör bekommt.

  • Ich stimme der Beurteilung weitestegehend zu.


    Diese Götterdämmerung ist eine wirklich gute Inszenierung, der Siegfried, den wir i Mimes Werkstatt/Höhlen/Wohnung als Kotzbrocken kennengelernt haben, der auch im sonstigen Siegfried rüpelig und am Brünhildefelsen ungesüm, naßforsch war (einfach wunderbar wie Christian Franz das spielt: So muß ein Wagnerdarsteller sein: Sänger UND Schauspieler) ist auch in der Götterdämerung nicht plötzlich der geleuterte Schöngeist. Nein, im Gegenteil: Er trinkt Gudrunes Vergessenstrank nicht. Er will Gudrun, weil er scharf auf sie ist. Siegfried ist im Hormonrausch und schreckt nur nach Fuchs/Reben Manier davor zurück, eine der Töchter des Rheins klar zu machen. Das ist stringend: Und zeigt den differenzierten Siegfried, der eben auch was von Opa hat. Und der ist ja auch nicht durch große monogamie aufgefalle, wie wir ja seid dem zweiten Aufzug der walküre durch Dricka erfahren haben.


    Das ist einfach wunderbar, wie diese Figurtiefe neben die Tiefe der Musik gestellt wird. Und wie (fast alle) auf hohem darstellerischen Niveau mitwirken. Neben dem überragenden Franz (toll ist es auch wie er sich dort zurücknimmt, wo die Partner nicht seine Intensität mitmachen) nimmt besonders Anja Fidelia Ulrich das auf: Ein Paar "spitz wie Lumpi". Und die Sorge und Trauer spielt Anja Fidelia Ulrich ebenso überzeugend.


    Antonio Yang verlässt zum Ende der Spielzeit Lübeck und es ist eine große Karriere zu erwarten, groß ist seine Stimme schon. Ob er allerdings sich langfristig drei Opernabende hintereinander leisten kann (Hamburg, Lübeck, Hamburg) bleibt abzuwarten. Das Timbre ist großartig.


    Tja. Und Linda Watson. Tolle Stimme zweifellos. Und Ihre Darstellung der Brünhildei ist vertraut: Gewichtig durch die Gegend schreiten, Bedeutungsschwanger herumstieren und regelmäßig auf den einen oder anderen zeigen. Immer kontrolliert, immer etwas weniger als es braucht um gefangen zu nehmen. Das ist für sich groß. In einem Ensemble zusammen mit Darstellertypen wie Franz und Ulrih einfach zu wenig. Das fällt ab. Das ist in einer klugen Inszenierung eher ein störfaktor. Ich verstehe das man mit seinen Kräften haushalten muß, besodners wenn man so eine Mörderpartie hat wie die Brünhilde und wenn man am Schluß noch einmal so einen Hammerheraushauen will, wie Watson das ohne Zweifel auch getan hat. Aber ich war in einer Theateraufführung und nicht in einer konzertanten.


    Ich vermisse Simone Young jetzt schon, obwohl sie ja noch gar nicht weg ist. Als Wagnerdirigentin sind ihre Einsätze in Hambrug aber jertzt schon gezählt: In der nächsten Spielzeit ist nämlich musikdramatische Dürrezeit: Nur ein paar (ich glaube 4) Lohengrin und das wars. Auch wenn manschmal Frau Young es dann doch zu forsch anschlägt: So muß man Wagner spielen: Lebendig, zügig, lebhaft. Eben so wie Wagner war.

  • Ich begreife den Schluß allerdings überhaupt nicht: Siegfrie ist Tod und wartet im Brünhildenappartement. Brünhilde stirbt und kommt zu ihm.... und bricht kurz bevor sie ihn erreicht zusammen? Warum? Sie sind doch jetzt beide Tod? oder?

  • Antonio Yang verlässt zum Ende der Spielzeit Lübeck und es ist eine große Karriere zu erwarten, groß ist seine Stimme schon. Ob er allerdings sich langfristig drei Opernabende hintereinander leisten kann (Hamburg, Lübeck, Hamburg) bleibt abzuwarten. Das Timbre ist großartig.


    Weisst Du, wo er hingeht? - Habe ihn ebenfalls als Einspringer in Hamburg, sowie in Lübeck beide Male als Klingsor gesehen: Fabelhaft!

  • Nein, keine Ahnung. Ich denke er wird als freier Wagnerbariton unterwegs sein. Er singt ja nicht nur gut, er hat auch eine gute Präsenz. Ich bin mal gespannt wann er mal das eine Auge zukneift und nen Hut aufsetzt.