Dr. Pingel´s HörBar

  • Haydn - 44 - Trauer - Sinfonieorchester des Bayrischen Rundfunks


    Ich habe ja schon berichtet, dass ich im Zeitraum von 5 Jahren alle Haydn-Sinfonien gehört habe, die meisten von A. Hogwood. Ich freue mich, dass unser Zeus das jetzt auch macht (Motto: Zeus trifft Zeus). Der Zyklus der 40er-Sinfonien (Sturm-und-Drang) ist mir immer noch der gelungenste und 44 (Trauer) die liebste Sinfonie von Haydn überhaupt. Ich hoffe, dass ich so lange lebe, dieses Projekt noch einmal zu wiederholen.

    Das Bemerkenswerte an dieser Aufnahme ist, dass hier ein normales Orchester wie ein HIP-Orchester spielt. Die Zutaten: stark verkleinert, raschere Tempi, strenge Beachtung der Dynamik. besonders auffällig die pp-Stellen, und natürlich der Gestus des ganzen. Dafür steht natürlich der Dirigent, John E. Gardiner. Vor einiger Zeit hat der WDR einige HIP-Dirigenten verpflichtet, mit dem KRSO (WDR-Orchester) Alte Musik mit einem modernen Orchester zu spielen, was gut gelungen ist. Simon Rattle hat das in Luzern probiert und Jonathan Darlington in Duisburg; alles gelungene Aufnahmen. Das beweist für mich erneut, dass alle Aufführungen von Haydn mit großem Sinfonieorchester romantische Bearbeitungen sind, die durchaus ihre Meriten haben, aber eben doch Bearbeitungen sind.



    Hier kann man die Partitur mitlesen:


    Was grenzt an grenzenlose Dummheit? Mexiko und Kanada (Urban Priol)

  • Wenn ein Chalumeaux seau schön klingt, bin ich freauh!


    Dem chalumeau (pl. chalumeaux) bin ich schon vor langen Jahren begegnet, und zwar im Rahmen der von der Cappella Coloniensis bestrittenen Reihe mit den Ouvertüren von Telemann. Dort gab es eine schöne Ouvertüre für 2 chalumeaux und Streicher, die ich heute noch besitze.

    Das chalumeaux gilt nicht unbedingt als Vorläufer der Klarinette. Bei beiden Instrumenten ist es wohl so, wie mit Mensch und Affe: sie haben gemeinsame Vorfahren. Man kann chalumeaux auch heute noch kaufen, es gibt eine große Auswahl!

    Meine Cappella-Coloniensis-Aufnahme findet sich nicht bei YT, dafür allerdings eine Menge anderer. Neben der Aufnahme von Musica Antiqua Köln gibt es noch eine andere, bei der die chalumeaux dunkler klingen. Das Ensemble wird aber nicht genannt.

    Die Telemann-Komposition ist wohl die bekannteste; ich schätze sie sehr.



    Was grenzt an grenzenlose Dummheit? Mexiko und Kanada (Urban Priol)

  • La Changeante von Telemann


    1000 Ouvertüren, wir würden sie Sinfonien nennen, soll Telemann geschrieben haben - und ich habe sie alle gehört! Natürlich nicht, aber doch viele. In ihrer Blütezeit hat die Cappella Coloniensis ganz viele davon aufgenommen und die meisten haben sich in meinen Computer gerettet. Stilistisch sind sie etwas überholt, der Klang ist zu breit, vieles ist zu langsam, aber ich höre sie immer noch gerne. Eine der schönsten ist "La Changeante", für Streicher und B.c.

    Ich habe auch eine Aufnahme gefunden, die diese Sinfonie stilsicher spielt.


    Was grenzt an grenzenlose Dummheit? Mexiko und Kanada (Urban Priol)

  • Mahler - Rückert - Liebst du um Schönheit


    Dieses Lied ist erst nachträglich orchestriert worden (leider weiß ich nicht, von wem, klingt aber echt). Es stammt aus dem Gedichtband "Liebesfrühling" von Friedrich Rückert, der sicher eines der begnadetsten Dichter war. Mahler hat ja auch seine "Kindertotenlieder" vertont, sehr zu Ärger seiner Frau. Die Interpreten haben eine reiche Auswahl. Bei den Frauen gibt es Sopran und Alt, bei den Männern Tenor und Bass, dazu jeweils die Aufnahme mit Klavier oder Orchester.

    Ich beginne mit einer sehr guten Aufnahme mit einem Bariton, von dem ich noch nie gehört habe. Hier finden wir aber die Noten und den Text. Beachtet werden sollte noch der Hinweis von Mahler "innig". Da kann man jetzt schon sagen, dass die Hälfte der Interpreten das nicht gelesen haben, aber es ist keine Opernarie. Das hätte ihnen ja auch der Dirigent sagen müssen.


    Was grenzt an grenzenlose Dummheit? Mexiko und Kanada (Urban Priol)

  • Liebst du um Schönheit 2 - Jessye Norman


    Wegen ihres Vibratos bin ich nicht so ein Anhänger von Jessy Norman. Aber dieses Stück singt sie so innig, dass es überzeugt. Auch die anderen Nutzer bemerkten und lieben die Langsamkeit und die zurückgenommene Lautstärke, für die auch Zubin Mehta

    verantwortlich ist.




    Es gibt noch eine Version, die ich erwähnen muss. Ich nenne sie hier nicht, wer will, sollte die Seite UnHörbar/You Fail aufrufen.

    Was grenzt an grenzenlose Dummheit? Mexiko und Kanada (Urban Priol)

  • Buxtehude - Klaglied auf den Tod des Vaters - Muss der Tod denn auch entbinden...


    Eines der ergreifendsten Klagelieder der Alten Musik, eindringlich gesungen von Andreas Scholl.

    Noten und Text kann man mitlesen.


    Was grenzt an grenzenlose Dummheit? Mexiko und Kanada (Urban Priol)

  • Den Seinen gibt es der Herr im Schlaf (Psalm 127)...


    fragt sich nur, was!

    Ps. 127 beginnt: "Wenn der Herr nicht das Haus baut, so bauen die Bauleute vergebens...". Lateinisch: "Nisi Dominus..."

    "Den Seinen gibt´s der Herr im Schlaf" kommt auch vor. Besonders wichtig ist dem Psalmisten, dass ein Mann viele Pfeile im Köcher hat, was heißt "viele Nachkommen", was heißt "viele Söhne"!

    Die Vertonung dieses Psalmes in der Monteverdischen Marienvesper (Nr. 8, Nisi Dominus) ist eine der großartigsten Chorkompositionen, die es gibt. Bei den Aufnahmen, die es dazu gibt, müssen zwei Pingelsche Kriterien erfüllt sein. 1. Es muss mit dem Gabrieli-Faktor musiziert werden (durchsichtige Pracht bei sinnvoller Phrasierung). 2. Es ist das Stück, das ich bei jeder Aufnahme als erstes höre und von dem ich den Rest abhängig mache.

    Eine meiner Lieblingsaufnahmen ist die von Ralf Otto aus Frankfurt.

    Hier aber nehme ich die English Baroque Soloists, weil das auch als Film gezeigt wird, wobei ich als Chorsänger bewundere, wie genau die Choristen (besonders natürlich der Sopran) Noten und Dirigent (John Eliot Gardiner) gleichzeitig im Blick haben. Gardiner dirigiert, wie ich es auch am Liebsten habe, leicht, elegant, präzise, ohne überflüssige Show.

    Nicht schlüssig bin ich, wie man den Schluss aufführen soll. Gardiner lässt nach der grandiosen Doxologie das "Amen" sanft ausklingen; in der Musikgeschichte aber ist das "Amen" am Ende der Doxologie meist sehr prachtvoll.

    In der gleichen Rubrik bei YouTube findet sich diese Aufnahme noch einmal, mit Noten!


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  • Mahler - Berio - Bolton - Appl: Nicht wiedersehen


    Die Orchesterversion von Mahlers Lied, von Luciano Berio für Orchester und männliche Stimme bearbeitet, von Ivor Bolton dirigiert und von Benjamin Appl gesungen. Die bisher beste Aufnahme mit einer Männerstimme, die ich kenne. Jonas Kaufmann sollte sich das mal anhören, aber besser - nicht!


    Was grenzt an grenzenlose Dummheit? Mexiko und Kanada (Urban Priol)

  • John Adams The Chairman Dances

    Dieses Stück ist ein Ausschnitt aus der Oper "Nixon in China" von John Adams. Der tanzende Vorsitzende ist natürlich Mao.

    Hier haben wir eine Aufnahme mit dem wie immer brillanten WDR-Sinfonieorchesters. Die Leitung hat eine von den immer häufiger agierenden Dirigentinnen, die diese Stücke mit Charme und Präzision bewältigen: Alondra de la Parra.

    Am Anfang befindet sich auf der Empore eine Riege von gleich gekleideten Tänzern, wobei das Wort "tanzen" übertrieben ist, denn da macht jeder, was er will. Nach ein paar Minuten werden die auch aus dem Verkehr gezogen.

    Die Filmarbeit hat den gleichen Standard wie viele der Konzertversionen, brillante Bilder und fast immer die Gruppe der Musiker im Blick, die gerade spielt.


    Was grenzt an grenzenlose Dummheit? Mexiko und Kanada (Urban Priol)

  • Ralph Vaughan Williams - Fantasia on a Theme by Thomas Tallis (1910)


    Ein herausragendes Stück englischer Komponisten; geschrieben für 2 Streichorchester und Solo-Quartett.

    Ich gebe hier das Stück in einer Aufnahme mit dem BBC-Orchester unter Andrew Davis wieder. Meisterhaft spielt Williams hier mit den beiden Orchestern und dem Solo-Quartett. Ich kenne solche Kompositionen aus der Chormusik, wo Gabrieli anfing, in San Marco die Chöre aufzuteilen. Der Reiz liegt darin, dass die beiden Orchester und die Solisten zeitweise alleine spielen und sich dann wieder zu einem großen Klang vereinen. Heinrich Schütz hat in seinen Kompositionen für 2 Chöre auch so gearbeitet; ein schönes Beispiel ist der zweite (von drei) Teilen seiner Musikalischen Exequien (Herr, wenn ich nur dich habe).

    Bemerkenswert ist in der Komposition der Einsatz einer Solobratsche, dann kommen Solovioline und die anderen Solisten dazu. Aus vielen Beiträgen hier weiß ich, dass die Taminos den Klang der Bratsche sehr lieben und finden, dass es davon zu wenige Soli gibt.

    In dieser Aufnahme wird die Partitur mitgezeigt. Partiturenlesen muss ein Höllenjob sein, aber für einen Laien wie mich zeigt die Partitur immerhin, welche Musiker gerade im Einsatz sind.



    Was grenzt an grenzenlose Dummheit? Mexiko und Kanada (Urban Priol)

  • Fantasia on a Theme by Thomas Tallis - Philharmonia Orchestra London


    Ich glaube, jeder von uns kennt das: man hört ein gut bekanntes Stück, ob live oder auf Datenträger, und ist wie elektrisiert, weil es in diesem Moment in einer kaum vorstellbaren Perfektion gespielt wird und Sinne und Herz gleichermaßen begeistert. Eine solche Aufnahme stelle ich hier vor. Der Raum ist grandios, die Musiker sitzen weit auseinander, es ist still und feierlich. Dazu hat die Aufnahme eine visuelle Qualität, die man kaum übertreffen kann. Die Soli werden hier nicht von einem sonst selbstständigen Quartett gespielt. sondern von Orchestermitgliedern, unter denen die Bratsche mit traumhaften Soli hervorragt (z.B. Minute7). Der Bildregisseur stellt sie von Anfang an immer wieder einzeln vor, damit man sie erkennt, wenn sie ihre Soli haben. In diesem Falle empfehle ich, die Aufnahme selbst bei YT zu suchen und dort vor allem auch die Kommentare zu lesen, die sich alle von der Musik haben inspirieren lassen.


    Was grenzt an grenzenlose Dummheit? Mexiko und Kanada (Urban Priol)

    Einmal editiert, zuletzt von Dr. Pingel ()

  • BERESCHIT BARA ÄLOHIM ET HASCHAMAJIM WE ET HAARÄTZ. WE HAARÄTZ HAJETAH TOHU WABOHU.

    Im Anfang schuf Gott Himmel und Erde; und die Erde war wüst und leer...


    Eine absolute eindrucksvolle Musik auf diesen ersten Vers der Bibel schuf Joseph Haydn in seinem Oratorium "Die Schöpfung". Ich kann mich erinnern, als wir diesen ersten Satz des Werkes geprobt haben, da waren wir beeindruckt. Aber wir kannten die Wucht dieser Musik nicht, weil die erst mit dem Orchester einsetzt. Bei der Generalprobe war es dann soweit: wir waren so überwältigt, dass wir gar nicht eingesetzt haben. Aber allen war klar, was für ein großartiger Komponist Haydn war.

    Diese Beschreibung hat ihr Vorbild in einer Musik, die genauso überwältigend ist, aber fast unbekannt. Es handelt sich um die Ouvertüre der Oper "Zais" (i mit trema) von Rameau (1748). Dort wird geschildert, wie sich die vier Elemente aus dem Chaos (hebr. tohu wabohu) entfalten. Rameau ging seinerzeit zurück auf ein Ballett seines Landsmanns J. Rebel.



    (Orchestre Les Musiciens du Louvre, Marec Minkowski)

    Was grenzt an grenzenlose Dummheit? Mexiko und Kanada (Urban Priol)

  • ...und siehe, der Vorhang im Tempel zerriss...und die Erde erbebete (Il Terremoto)


    Dieser Vers steht bei Matthäus (27, 51) und schildert den Aufruhr der Natur beim Tode Jesu. In Bachs Matthäuspassion ist es die Nr. 63a. Eine ebenso eindrückliche Naturschilderung gibt es im Chor 27b. "Sind Blitze, sind Donner in Wolken verschwunden...", ein atemberaubendes Stück.

    Bei der Vertonung des Erdbebens (ital. terremoto) gibt es eine Komposition, die trotz ihrer atemberaubenden Kühnheit nahezu unbekannt ist. Es ist der Abschluss der Komposition "Die sieben Worte Jesu am Kreuz". Hier gibt es eine Ouvertüre, dann 7 langsame Sätze und dann den Schluss "Il terremoto".

    Das Werk ist eine Passionsmusik für Orchester, bestellt von einem Priester in Cádiz. Dort wurde es aufgeführt, in einer verschlossenen und abgedunkelten Kapelle (1787), wobei zwischen den Musiken der Bischof die 7 Worte las.

    Haydn selbst hat noch zwei weitere Fassungen erstellt, eine für Streichquartett und einen Klavierauszug.

    1796 bearbeitete er die Partitur für Soli, Chor und Orchester. Der Schluss (terremoto) bekam einen Text von Ramler, den ich leider nicht finden konnte.

    Das terremoto ist ein unglaubliches Stück, mit kühnen Wendungen, dazu presto (eher prestissimo) und con tutta la forza.

    Bei YT gibt es zahllose Aufnahmen, gelungene und welche, die underwhelming sind; meist zu langsam und zu langweilig.

    Die Aufnahme hier mit Jordi Savall trifft den Charakter des Stückes sehr gut.




    Eine sehr gute Version der Streichquartett-Fassung findet sich hier.


    Was grenzt an grenzenlose Dummheit? Mexiko und Kanada (Urban Priol)

  • Ganz auf die Schnelle, ohne große Erläuterungen, frisch auf den (Schreib-)Tisch:

    Händel: Rinaldo (Trailer)




    Was grenzt an grenzenlose Dummheit? Mexiko und Kanada (Urban Priol)

  • Il Terremoto - auf der Pingel-Skala Nr.8


    Die Pingel-Skala entspricht der Richterskala für Erdbeben. 8 ist schon ziemlich viel. Wir sehen eine Fassung, die nicht original ist, aber eine Wucht hat, die sogar Maestro Muti zu Sprüngen verleitet. Hier ist das starke körperliche Agieren des Dirigenten angebracht. Original sind die Fassungen für Streichorchester und Streichquartett, dann kam später eine Bearbeitung als Oratorium, für Orchester und Chor, ohne Solisten. Hier spielt aber nur das Orchester der Mailänder Skala unter Mutis kraftvollem Dirigat. Tempo und Wucht würden Haydn sicher gefallen haben.


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  • Vaughan Wlliams The Lark Ascending Hilary Hahn


    Vor Jahren habe ich Hilary Hahn mit diesem Stück in der Düsseldorfer Tonhalle erlebt - einer meiner schönsten Konzertmomente.


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  • Everyone looks like they´re having the time of their lives

    Vivaldi - La Folia - Apollo´s Fire



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  • Vaughan/Tallis zum Zweiten


    David Hurwitz hat in seinem Blog eine Rezension der Tallis-Variationen gegeben; auf Platz 1 landete die Intepretation von Constantin Silvestri auf dem ersten Platz. Meine liebste Aufnahme (Philharmonia, hier #74) scheint er noch nicht gekannt zu haben. Diese ist mir nach wie vor die liebste, weil subtilste. Aber die Nummer 1 von Hurwitz ist sehr gut, eine Aufnahme mit Constantin Silvestri. Die Unterschiede sind deutlich. Silvestri ist schärfer und dramatischer, Philharmonia subtiler. Beides exzellent.


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  • Boris Godunow - ein Vorgeschmack


    Boris Godunow gehört schon lange zu meinen Lieblingsopern. Allerdings - wie ich jetzt feststelle - in der "falschen Fassung", nämlich die von Rimsky-Korsakow in der Karajan-Aufnahme. Eine grandiose Aufnahme, vor allem durch die außerordentlichen Sänger. Danach habe ich mich hier durch die Godunow-Seite gewühlt. Da wurde mir erstmal klar, dass es verschiedene Fassungen gibt, die Urfassung, die Original-Fassung, dann die Bearbeitung von Rimsky-Korsakow und die Fassung von Schostakowitsch.

    Vor der Corona-Zeit habe ich in Krefeld die Urfassung zum ersten Mal gesehen, die eine ungeheure Intensität hat, was auch darauf beruht, dass der Polen-Akt fehlt. Über alles werde ich demnächst hier irgendwo einen längeren Beitrag schreiben. Heute erst mal die grandiose Szene der ersten Erzählung des Mönches und Geschichtsschreibers Pimen. Man erfährt in der Information in der guten YT-Tradition nichts, außer dass Pimen von Alexander Naumenko gesungen wird. Das ist so ein richtiger russischer gewaltiger Bass, wie man ihn sich immer vorstellt. Boris Christoff und Nikolai Ghiaurov waren auch solche Bässe; und natürlich Martti Talvela, den ich in den Siebzigern in Düsseldorf erlebt habe, mit einem Beifallssturm ohnegleichen.


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  • Bach/Webern: Ricercar à sei


    Im thread Das musikalische Opfer fand ich auch Berichte über die Webernsche Orchesterfassung des Ricercar à sei,

    ein Stück, das ich schon lange kenne. Es ist für mich ein Musterbeispiel einer gelungenen Bearbeitung. Man hört Bach immer heraus, trotzdem ist es ein klassisches modernes Werk. Sehr gelungen ist die aufgefächerte Art der Platzierung der Musiker, die genau der Struktur der Komposition entspricht. Etwas ähnliches hatten wir hier in der Tallis-Fantasie von Ralph Vaughan Williams. Besonders zu loben ist die Regisseurin, die die neue Art, Konzerte wiederzugeben, perfekt beherrscht, weil hier sehr genau die einzelnen Instrumente gezeigt werden, die gerade solistisch spielen; die ideale Art für Menschen wie mich, die keine Partituren lesen können. Ein geheimes Merkmal habe ich: der Schluss. Der muss für mich die größtmögliche Lautstärke haben, die dem jeweiligen Orchester zur Verfügung steht. Das ist hier gelungen.


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  • Boris Godunow - Nikolay Ghiaurov


    Vor einiger Zeit wurde die Scala mit "Boris Godunow" eröffnet. Ich war mit der Titelrolle nicht so einverstanden, und zwar nicht wegen der sängerischen Qualität, sondern wegen des Timbre des Sängers; mir war er nicht "bassig" genug. Das ist natürlich eine Frage des Geschmacks. Hier ist die Erklärung: ich habe Cesare Siepi in Wien live mit Figaro und Don Giovanni gehört; das ist für mich der Maßstab geworden. Das gleiche gilt für Ghiaurov, er ist für mich der "Boris der Borisse".


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  • Es war ein König in Thule...

    Diese kleine Ballade gehört für mich zum Gedichte-Schatz. Warum das so ist, weiß ich nicht recht, aber es scheint eine besonders romantische Grundstimmung zu haben. Zuerst erschien sie, von Gretchen, gesungen, im Faust; danach gab es viele Komponisten, die das Lied vertonten. Nicht nur bei mir hat sich die Fassung von Goethes Freund Zelter durchgesetzt.

    In der folgenden Aufnahme wird recht kunstlos gesungen, aber dann ist es so, wie alle Laien das singen würden. Zusätzliche Unterstützung gibt es durch den deutschen und englischen Text.




    Mendelssohn-Bartholdy war ein Freund Zelters. Wie überrascht war ich, als ich zum ersten Mal Mendelssohns 4., die italienische, hörte, wo im 2. Satz man den König in Thule mitsingen könnte, wenn man dürfte, also doch eher zu Hause.


    Was grenzt an grenzenlose Dummheit? Mexiko und Kanada (Urban Priol)

  • Dvorak - Serenade für Holzbläser - op. 44


    1960 habe ich mein Studium in Münster begonnen. Ich war überrascht und begeistert, wie vielfältig und lebendig das Musikleben dort war. Da habe ich zum ersten Mal Mathis der Maler und die Ausflüge des Herrn Broucek auf der Opernbühne gesehen. Besonders reichhaltig waren aber die Konzerte, die vor allem von den Musikstudenten und ihren Ensembles bestritten wurden, mit z.T. absolut professionellem Niveau. Dort erlebte ich zum ersten Mal die "Musikalischen Exequien" von Schütz. Alle drei Aufführungen damals habe ich besucht und war überwältigt von diesem Werk wie schon lange von keinem anderen. Im Kirchenchor hatten wir auch Schütz gesungen, aber das hier war "richtige" Musik. Jahrzehnte später habe ich dann die Exequien im Vokalensemble selbst gesungen. Kaum ein anderes Werk hat sich so stark bei mir eingeprägt. Dieses Werk hat zur Besonderheit, dass es z.T. doppelchörig ist, z.B. gibt es zwei Tenorstimmen. Vor jeder Aufführung haben wir uns dann zum Spaß gestritten, wer jeweils ersten oder zweiten Tenor singen sollte, was natürlich überhaupt keine Alternative war mit zwei solchen traumhaften Stimmen. Später hatten wir dieses (Un)problem auch mit der Stimmverteilung in den "Lamentationes Jeremiae" von Tallis, wo ich sogar einmal mit einigen Frauen im Alt gesungen habe.


    Ein anderes Stück war Dvoraks Serenade für Holzbläser (op.44), das mich auch immer begleitet hat.

    Hier gibt es diese beschwingte Serenade mit dem "Orpheus Chamber Orchestra".


    Was grenzt an grenzenlose Dummheit? Mexiko und Kanada (Urban Priol)

  • Monteverdis Marienvesper

    Dieses Werk höre ich schon sehr sehr lange und bin es noch nicht leid geworden. Als CD gibt es davon tolle Aufnahmen, etwa Gardiner, Herreweghe, besonders Ralf Otto.

    Es gibt dabei ein Pingelsches Rasiermesser, das ist ein Stück, bei dem man weiß, ob der Rest auch etwas taugt oder nicht. Beispiel 1: Mahlers 4., letzter Satz. Das ist keine Opernarie, es muss schlicht und schön sein. Beispiel 2: Don Giovanni Gleich in der ersten Szene treten die drei Bässe/Baritone auf. Da weiß man sofort, wie die grandiose Komturszene gesungen werden wird.

    Hier in der Marienvesper ist es die Nr. 8, "Nisi dominus". Hier muss der Gabrieli-Faktor (Pracht, nicht Prunk) beachtet sein.

    Hier gibt es eine neue Gesamtaufnahme des Ensembles "La Fonte Musica" unter dem Leiter Michele Masotti, der alle Tugenden aufweist, die man für dieses Stück braucht: keine Show, sondern Sicherheit für das Ensemble.




    Meinen Kommentar findet man unter der Originalaufnahme bei YouTube.

    Was grenzt an grenzenlose Dummheit? Mexiko und Kanada (Urban Priol)

  • Ein ungewöhnliches Orgelstück von Bach (BWV 721)


    Michael Müller hat es entdeckt und im Orgelforum vorgestellt. Ich zitiere es hier noch einmal, weil auch die optische Seite besonders schön ist. Hier in Beitrag #74 habe ich eine optisch hervorragende Version der Tallis-Variations von Vaughan Williams. das ist hier auch gelungen.

    Hände auf Manualen, Füße auf dem Pedal (an den adidas-Schuhen kann es nicht liegen, dass der Organist relativ langsam spielt), alte Noten, neue Noten, Bilder der Kirche, historische Bilder, alles in Ruhe ohne wilde Schnitte. Nur den Organisten selbst sieht man nicht, was ich durchaus konsequent finde und keine Abwertung.



    Was grenzt an grenzenlose Dummheit? Mexiko und Kanada (Urban Priol)

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