Lesen ist kein Hobby. Punkt.

  • Vorbemerkung. Neulich bei der Augenärztin wurde ein kleiner Defekt am rechten Auge untersucht; nicht gefährlich, aber zu beachten. Beachten hieß für sie: "Im Sport maßvoll und Lesen nur die Hälfte, sonst muss ich es Ihnen ganz verbieten!" Ich hätte am liebsten entweder aufgeheult oder laut gelacht, so bewahrte ich die Fassung. Immerhin fragte ich sie noch: "Essen, trinken und atmen darf ich aber noch?" Wir beide grinsten, jeder wusste Bescheid.

    Was die Augenärztin mir verbieten wollte, war eine von meinen Lebensgrundlagen und nicht etwa ein Hobby. Daher ist Lesen ein Lebensmittel und kein Hobby. Punkt.

    Was ist das Schlechte an schlechten Büchern? Sie bilden den Heuhaufen, in dem die Nadel der guten Literatur verloren geht (Arthur Schopenhauer)

  • Klein und Fein: Monsignor Quixote von Graham Greene



    Dieses Buch spielt in El Toboso in der Mancha, der Heimat von Don Quichotte, Sancho Pansa, Dulcinea und dem Pferd Rocinante. Deren Erinnerungen sind im heutigen El Toboso sehr präsent, woovon ich mich vor Jahren selbst überzeugen konnte. Der Priester Monsignor Quixote sieht sich als Nachfahren des alten Don, aber er wird von seinem Bischof des Amtes enthoben und in ein Kloster im nördlichen Spanien verbannt. Sein Freund, der kommunistische Bürgermeister, verliert die Wahl; er tut sich als Sancho Pansa mit dem Priester zusammen. Beide setzen sich in die Rocinante des Don, ein uralter Fiat Seicento. Sie fahren durch Zentralspanien nach Norden. Ihre Abenteuer zu erzählen würde hier zu weit führen. Trotz aller politischen, philosophischen und theologischen Auseinandersetzungen verstehen sie sich besser als z.B. Don Camillo und Peppone.

    In diesen Dialogen erweist sich Greene als Meister der schlüssigen Vereinfachungen.

    Ein Beispiel: der Don erklärt die Trinität am Beispiel des Weines. Die beiden führen immer genügend Mancha tinto mit sich, von der Kooperative

    in El Toboso (Mancha Tinto gibt es bei uns unter der Marke Albali im Handel).

    "Du siehst dort 2 Flaschen. Der Wein, den sie enthielten, waren von der gleichen Substanz und sind zur gleichen Zeit entstanden. Da hast du Gott, den Vater, und Gott, den Sohn. Die dritte, halbe Flasche bedeutete Gott, den Heiligen Geist. Dieselbe Substanz, dieselbe Entstehung. Sie sind untrennbar. Wer eine davon genießt, genießt alle!" Dann schlägt er sich an den Kopf, denn er hat eine große Sünde begangen, indem er dem Heiligen Geist nur eine halbe Flasche zugebilligt hat (eigene Übersetzung).

    Es gibt einen wunderbaren Film über dieses Buch, mit Alec Guiness als Don und LeoMcKern als Bürgermeister.


    Was ist das Schlechte an schlechten Büchern? Sie bilden den Heuhaufen, in dem die Nadel der guten Literatur verloren geht (Arthur Schopenhauer)