Paul Juon - Orchesterwerke

  • Zu Paul Juon (1872-1940) gibt es bereits einen Kammermusikthread. Dies ist vielleicht auch der Schwerpunkt seines Schaffens gewesen. Nichtsdestotrotz hat Juon auch einige Orchesterwerke geschrieben, u.a. vier Symphonien. Um die soll es hier gehen.


    Die vier Symphonien verteilen sich zu je 2 auf unterschiedliche Lebensphasen:


    1895 Symphonie fis-moll op.10

    1903 Symphonie A-dur op. 23

    1939 Rhapsodische Symponie op. 96

    1939 Sinfonietta capricciosa op. 98


    Alle vier Symphonie sind inzwischen eingespielt, mir liegt bisher aber nur eine CD mit den beiden kurz vor dem Tode entstandenen vor. Daraus habe ich bisher nur die Rhapsodische Symphonie gehört, ein vielschichtiges spätromantisches Werk, dass sowohl von russischen und skandinavischen Vorbildern wie auch von der deutsche Spätromantik eines Mahler und Strauss beeinflusst wurde. Also ein weiterer später Nachzügler dieser Epoche. Das Werk ist komplex und man muss es sicher öfters hören, den ersten Durchgang empfand ich aber durchaus als Gewinn.


  • Auch ich habe fürs erste die 42 minütige Rhapsodische Sinfonie gehört, und versucht mir VORERST eine eigene Meinung zu bilden, bevor ich das Booklet las - und dann, meine Meinung bereits gefestigt - anschliessen den Beitrag von Lutgra-

    Mir fiel nach relativ kurzem Hören auf, daß mir kein Komponist einfiel, den ich in irgendeiner Form als "ähnlich " einstufen konnte, und daß die thematischen Einfälle überreichlich waren, sodaß man keinen Bauplan erkennen konnte. Vielleicht, daß ich fand, daß Juon seine Wirkung weder mit extremen Klangballungen (das Finale vielleicht ausgenommen) noch mit irrwitzigen Tempi erzielt., und ich musste lange überlegen, woher er sie wirklich nimmt, Ich bin indes zu dem (provisorischen) Schluß gelangt, daß es die Vielfalt und der Einfallsreichtung dieser "Collage" ist, der mich so fasziniert hat, er changiert zwischen nervösen, bizarren , rhytmischen und lyrischen Stellen - und vermag es , sie kunstvoll organisch miteineader zu verbinden - anders als englische Komponisten jener Epoche, wo oft Patchwork geboten wird.

    Dann gibt es dunkel gefärbte Passagen, die ich als oberflächlich betrachtet als "bedrohlich" bezeichnet hätte, aber das sind sie nicht wirklich: "Geheimnisvoll" - Wie eine Höhle - das träfe es eher. Die Uraufführung fand offensichtlich im Mai 1938 in Deutschland statt. Zwar schreibt Wikipedia hier 1939, aber es gab schon ab 23, Mai 1938 (siehe Booklet) die ersten euphorischen Zeitungskritiken. Das Publikum soll Beifalsstürme geliefert haben... !!!


    Eine zweite Aufführung fasnd - das Booklet bringt das als Nachtrag 1939 bei den "Chemintzer Meisterkonzerten" statt.

    Eine gewisse "Sperrigkeit", zu Beginn des Einhörens in Juons Tonsprache , die man überwinden müsse, konnte ich übrigens für meine Pson - nicht feststellen...!!!


    mfg aus Wien

    Alfred

    Wer Beethoven-Sinfonien fälscht oder gefälschte in Umlauf bringt, wird mit dem Anhören eines Endlosbandes aller Werke von Schönberg bestraft; von der Dauer 1 Woche bis zu 4 Wochen