Gustav Leonhardt - der historisch informierte Cembalist

  • Als ich die Bach 2000 Edition mit sämtlichen Werken Johann Sebastian Bachs erwarb, war ein Name oft vertreten: als Dirigent in den Kantaten oder als Cembalist in den Werken für Tasteninstrumente: Gustav Leonhardt. Das Label Telarc hatte sich der Historisch informierten Aufnahmepraxis für diese Gesamtaufnahme entschieden.


    Ich mag mich an den Transport in meinem Renault Express über den Zoll erinnern. Der Zöllner sah das riesige Paket in der einsehbaren Ladebühne und fragte, was das sei und winkte mich durch, nachdem ich ihm sagte, es seien nur CDs... Die von mir gemeldete Verzollung entfiel.


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    Gustav Leonhardt genoss in der HIP Szene einen hohen Ruf: als Musikwissenschaftler, Interpret und Lehrer.


    Gustav Leonhardt wuchs in einem musikalischen Umfeld auf. Er begann im Alter von 15 Jahren in seinem Elternhaus Interesse an einem Cembalo zu finden, was sein weiteres Leben ebenso mitbestimmen sollte wie die Beschäftigung mit historischen Orgeln, die ihn zur gleichen Zeit zu interessieren begannen. Nach dem Abschluss des Gymnasiums in den Niederlanden begann er 1947 das Studium von Orgel und Cembalo bei Eduard Müller an der Schola Cantorum Basiliensis, das er 1950 mit einem Solistendiplom cum laude abschloss.


    In den nächsten Jahren ließ er sich im Fach Dirigieren bei Hans Swarowsky in Wien ausbilden. Er widmete sich musikwissenschaftlichen Studien und wurde 1952 zum Professor an der dortigen Staatlichen Musikakademie, der heutigen Universität für Musik und darstellende Kunst Wien, ernannt. 1954 wurde er Professor für Cembalo am Amsterdamer Konservatorium, wo er bis 1988 lehrte. Darüber hinaus war er auch Organist an der dortigen Waalse Kerk.


    Er gründete 1955 das „Leonhardt-Consort“ und wurde als Interpret der Werke von Johann Sebastian Bach bekannt. Zusammen mit Nikolaus Harnoncourt gilt Leonhardt als einer der Pioniere der Historischen Aufführungspraxis.


    Im Jahre 1969 wurde er auf eine Gastprofessur an die Harvard-University in den USA berufen. Zwischen 1971 und 1990 realisierte er zusammen mit Harnoncourt das umfangreiche Projekt der Aufnahme sämtlicher Kirchenkantaten von J. S. Bach. Ab 1988 lehrte er auch an der Accademia Musicale Chigiana in Siena.


    Im Film Chronik der Anna Magdalena Bach von Jean-Marie Straub (1967) wirkte er nicht nur als Interpret mit, sondern auch als Schauspieler in der Rolle Bachs.


    Im Dezember 2011 gab er seinen Rückzug aus dem öffentlichen Konzertleben bekannt. Zu seinen Schülern zählten Bob van Asperen, Christopher Hogwood, Philippe Herreweghe, Richard Egarr, Alan Curtis, Ton Koopman, Davitt Moroney, Martin Pearlman, Christophe Rousset, Domenico Morgante, Andreas Staier, Skip Sempé, Jean-Claude Zehnder und Mahan Esfahani.


    Gustav Leonhardt starb am 16. Januar 2012 in Amsterdam, wo er bis zuletzt im Hinterhaus des Huis Bartolotti gewohnt hatte. Er war mit der Violinistin Marie Leonhardt-Amsler verheiratet und ein Bruder der Pianistin Trudelies Leonhardt.


    Quelle: Wikipedia




  • Ich hab vor kurzem in einem der unzähligen neuen Cembalo Threads geschrieben, ich wäre ziemlich schlecht in Sachen Bachinformiert und sortiert. Zumindest in letzter hinsicht ist das weniger schlimm als ich dachte. Bei meiner gestrigen Bestandaufnahme fand ie die hier gezeigte 4 CD Box mit Cembalowerken von Bach., interpretiert von Gustav Leonhardt. Sie enthält die englischen Suiten und Partiten. Mir ist bekannt, daß Leonhart zu seiner Glanzzeit eine Bach-Ikone darstellte. Wie geschätzt er HEUTE ist, entzieht sich meinner Kenntnis. Jedenfalls ist die gezeigte Aufnahme bereits gestrichen.....


    Siehe auch:

    Bachs Englische & Französische Suiten – auf dem richtigen Instrument


    mfg aus Wien

    Alfred

    SPARE IN DER NOT - DA HAST DU ZEIT DAZU



  • Gustav Leonhardt ist oder war eine Berühmtheit - oder sollte man besser sagen: eine Legende ?

    Im Rahmen der Befassung mit seiner Schwester, Trudelies Leonhardt, haben wir ihr einen Thread eingerichtet und gleichzeitig einen Eintrag im Thread-Directory. Bei dieser Gelegenheit habe ich herausgefunden, daß Gustav Leonhardt zwar einen Thread besitzt (2 Beiträge bislang !!!:() aber nicht im Thread-Directory verzeichnet war. Wir haben das nun korrigiert Traurig ist es ohnedies...

    mfg aus Wien

    Alfred

    SPARE IN DER NOT - DA HAST DU ZEIT DAZU



  • Was Nikolaus Harnoncourt für die Entdeckung und Kultivierung des historisch-informierten Spiels auf der Viola da Gamba und des Barockcellos bedeutet, das ist Barthold Kuijken für das Spiel auf der Traversflöte, Frans Brüggen für dasselbe auf der Blockflöte, Sigiswald Kuijken für das Spiel auf der Violine und jüngst auf dem Violoncello da Spalla und Joshua Rifkin für die authentische Einzelbesetzung Bachscher Vokalwerke. Ob Gustav Leonhardt ebensolche Pionierleistungen für das Spiel auf dem Cembalo zustehen oder Zuzana Ruzickova, oder ob sich beide die Lorbeeren teilen sollten, weiß ich nicht. Auf jeden Fall hat Gustav Leonhardt sehr viele Cembalisten geprägt. Leider sind seine Einspielungen des Bachschen Klavierwerkes lückenhaft geblieben und auf diverse Labels verteilt. Eine Gesamteinspielung der Orgelwerke Bachs mit ihm hätte ich gerne gehabt, da er auch auf der Orgel durchaus zu überzeugen wusste. Leider hat Leonhardt eine Abneigung gegen G.F. Händel gehegt. Auf jeden Fall schätze ich alles, was Leonhardt auf dem Cembalo, dem Clavichord, dem Hammerklavier und der Orgel gemacht hat, überaus und besitze fast alles (digital).

    Wer Leid und Unrecht tut, der ist an seiner Seele der Arme.

    (Louis Spohr)

    Ein Großteil der Mehrheitsgesellschaft zeigt kein Gesicht.

    (Igor Levit)

  • Gestern habe ich die gezeigte Collektion bei jpc entdeckt. Da ich kein großer Liebhaber von Gesamtboxen ("bunt gemischt" !!) bin, hab ich sie nicht hier gezeigt, notabene, da ich sie selber gar nicht habe. Aber für Fans des Namensgebers dieses Thread könnte das dann vielleicht doch etwas sein, der Gedanke kam mir nach der Bemerkung von "querstand":

    Auf jeden Fall schätze ich alles, was Leonhardt auf dem Cembalo, dem Clavichord, dem Hammerklavier und der Orgel gemacht hat, überaus und besitze fast alles (digital).

    Die Box umfast 35 CDs und kostet 79,99 Euro, also knap über 2 Euro das Stück. Muss jeder selber entscheiden, ob das was für ihn ist....


    mfg aus Wien

    Alfred

    SPARE IN DER NOT - DA HAST DU ZEIT DAZU



  • Gustav Leonhardt sagte über seine Konzerte: »Fotografie der Geschichte der Alten Musik in einem bestimmten Moment«


    Ein bemerkenswerter Satz, der viel über seinen Charakter und über seine Sicht auf die HIP Bewegung aussagt. Gefällt mir.