• Aria III: Deine Augen



    Blicke, zerrissen -
    zwei Reste vom Blau


    Ein Sternbild, gehäutet,
    und Farben,
    hinter Brauen gefloh’n


    Im Kreis schwimmen Räume,
    spurlos,
    wie Körper aus Glas


    Zwei Linsen,
    verbunden -
    ein Wimpernschlag nässt


    Aus Pupillen dringt Sand:


    Stocken,


    fast augapfelblau




    (c) 10.VI.2009
    J. B.


    --- alles ein traum? ---


    klingsor

  • Atem


    Wer wie ein Mantel fällt
    und als Reseden geht,
    wer über Stäbe blüht
    und einen Abend hält,
    wer eine Meerhaut trägt
    und als ein Kind verlischt,


    der ist wie Klang,
    ein Farbspiel, das verwischt,
    ein Schattenruf,
    bereit,
    wie ein Gesicht,
    das einen Ölzweig sucht


    und einen Saum
    entflicht




    (c) 4.IV.2005
    J. B.

    --- alles ein traum? ---


    klingsor

  • Blattwerk


    Blattwerk,
    zu Sepia entkernt


    Der Sommer ein Bündel,
    vom Boden gestellt


    Überkreuz liegen Gitter,
    und ein Riß
    ist in Ränder gekerbt


    Die Spalten,
    herbstleer,
    von Rötel zersetzt


    Winde,
    fast brüchig,


    und ein Geflecht
    wird unter Tage gekehrt



    (c) 15.I.2011
    J. B.

    --- alles ein traum? ---


    klingsor

  • Abseits


    Kein Grund unter’m Himmel;
    ein Frühling versagt


    Flocken schmerzen;
    Borken -
    und zwei Stämme, fast blind


    Vor’m Weiß fliehen Tauben,
    und eine Krone scheint kalt


    Aus Strähnen die Rinde -
    Tau löst sich auf


    Denn ins Holz wachsen Tränen,
    und die Haut


    der Nächte zerbricht




    (c) 2012
    Jörg Borse

    --- alles ein traum? ---


    klingsor

  • Aria III: Deine Augen



    Blicke, zerrissen -
    zwei Fetzen vom Blau


    Ein Abbild, gehäutet,
    und Farben,
    hinter Brauen gefloh’n


    Am Grund schwimmen Lider,
    ziellos,
    wie Körper aus Glas


    Die Linsen,
    verbunden -
    ein Wimpernschlag nässt


    Aus Pupillen dringt Sand:


    Stocken,


    fast augapfelblau




    (c) 10.VI.2009
    Jörg Borse

    --- alles ein traum? ---


    klingsor

  • Auf mein Kind



    Ich habe Deinen Atem gewaschen
    und Dein Lachen
    zur Ruhe gelegt


    Schwalben hab’ ich erfunden,
    und mit Nestern
    noch Verstecken gespielt


    Selbst Perlen hab’ ich verschenkt
    und einen Sandmann geschnürt
    aus Leim und Papier


    Doch mein Pfand hat versagt,
    und keines der Bänder
    hielt Dich zurück


    So ziehe denn nordwärts,
    und spiel mit dem Klee -
    ach, wie schnell gäb’ ich den Korb
    voller Graupen dazu


    Nun geh’ und hab’ keine Angst:
    Denn niemand verbirgt sich
    hinter Sonne und Mond


    Mein Sohn, schlaf’ jetzt wohl, -


    auf dem Rücken des Weißdorns,
    da reist es sich gut




    (c) 22.XII.2007
    J.B.

    --- alles ein traum? ---


    klingsor

  • Aus Liebe


    Wer wird an einem Grabe steh’n
    und Himmel schwingen
    wie zwei Kerzen?


    Wer vorangeh’n
    und die Wege streifen
    wie das Blut aus einem Bund?


    Wer denn in die Asche singen
    und schon wissen,
    wie nun sein Gesicht zerrinnt?


    Und wer kann sagen,
    wann wohl alle Tränen reifen -
    in den Falten Schmerzen und Gericht?


    Wer wird Erde in die Erde streu’n,
    und auch die Bahren nehmen
    aus dem Rund?


    Wer kann noch mit Schöpfern ringen,
    und ist ein Fremder,
    der sich auf ein Leid besinnt?


    Wer vergisst, sogar zu atmen,
    und wer schließt das Tuch
    und weint?


    Ja, wer ahnt,
    wie seine Totenmaske bricht?


    Und wer wird
    wie diese Zeilen bleiben,


    die bloß alte,
    stille Waisen sind?



    (c) 2010
    J.B.

    --- alles ein traum? ---


    klingsor

  • Lieber Klingsor,


    habe soeben eine Reihe Deiner Gedichte gelesen. Danke, dass Du uns so viel Herzblöut schenkst. Mache bitte weiter! Für mich war dieser Thread mit Deinen wertvollen Beiträgen neu. Veilleicht kannst Du auch einmal eine passende Schöpfung von Dir im Thread:" Quellen der Freude für Taminos" einstellen?


    Herzlichst
    Operus

    Umfassende Information - gebündelte Erfahrung - lebendige Diskussion- die ganze Welt der klassischen Musik - das ist Tamino!

  • lieber operus, vielen dank für deine lieben worte! sie freuen mich sehr! ^^


    ich werde dann dort mal schauen, was ich zu der taminoianer-freude beitragen kann ... ;)
    :hello:

    --- alles ein traum? ---


    klingsor



  • Blaugewicht



    Gewogen


    So leicht


    Schrift in den Wolken
    und Arm
    voller Traum


    Ein Wortspiel im Haar


    Strophen,
    Luftmund
    und ein Blau
    als Gewicht


    Und alles so leicht


    Nur ein Himmel


    mitten ins Herz



    (c) 28.VII.2008
    J.B.






    --- alles ein traum? ---


    klingsor

  • Blessen



    Wir weben am Firn
    und tragen Flicken um’s Herz


    Unser Rocken gleicht Schnee,
    und der Tag rinnt als Flachs


    So spinnen wir fort
    mit einem Winter als Schweif,
    denn Mähnen sind wir,
    bloß Schnitte


    und drei Blessen,
    verscharrt



    (c) 7.VI.2007
    J. B.

    --- alles ein traum? ---


    klingsor

  • Blüte



    Papierrosen-Blüte:
    Eine Seite schlägt aus


    Die Sagen,
    gebündelt,
    und verschlossen als Haut


    Aus Blättern die Lerchen -
    fast Nester,
    in Rücken gestanzt


    Dann noch zwei Stiele,
    wie Herzschäfte, rot:


    Gleich schneiden Rispen
    sich Märchen zurecht




    (c) 26.I.2010
    J. B.

    --- alles ein traum? ---


    klingsor

  • Flieder



    Alles ist Fragen,
    alles ein Ahnen,
    und alles
    wandelt ein Hauch


    In Duft lös’ ich Tage,
    und alles
    lass’ ich uns auf


    Ich beuge wie Flieder,
    und zeichne die Stirn -
    selbst von den Dolden
    nehm’ ich dazu


    Dann zieh’ ich in Lippen
    mit Falken als Bann,
    und Dein Bild
    wird von Knospen verhüllt


    Denn alles ist Fragen;
    alles ist ‚Ja’ -


    und Du ahnst:


    Eine Blüte
    halte ich bald




    (c) 6.VII.2007
    J. B.

    --- alles ein traum? ---


    klingsor

  • Blutgedicht



    Das Blut aus dem Reim -
    jeder Satz sterbe weiß!


    Keiner sag’ Liebe,
    oder halte den Schwur


    Schabt Verse, Ihr Lügen,
    und zerreißt mein Gedicht


    Ihr Tränen, ins Feuer,
    auf, bespeit das Papier


    Streicht Finger, Ihr Silben,
    und zerschlagt mir die Schrift


    Ja, selbst dies’ Blatt
    verfaul’ noch im Mund,
    und niemand


    frage mehr nach!




    (c) 24.VI.2007
    J. B.

    --- alles ein traum? ---


    klingsor

  • Bruchstück


    Zwölf Gläser,
    fast blind


    Lichtspäne fallen,
    und Nimben
    splittern wie Blei


    Versucht sind die Farben,
    denn ewig
    wird ein Abbild entstellt


    Schwarz ist geschunden,
    und Du -
    nur ein Wandspruch,
    verwaist


    Noch leugnen Rosetten,


    doch wie ein Röcheln
    stürzen Rippen herab




    (c) 2011,
    J.B.

    --- alles ein traum? ---


    klingsor

  • Wolkenspiel



    Ich spiele mit Wolken,
    und meine Liebe
    streift Herzen im Wind


    Sie flicht mich in Sterne,
    und ihr Flug
    scheint traumüberfüllt


    Sie lockt mich als Bann,
    doch ihr Ruf
    bindet nichts


    Denn alles gleicht Zauber,
    und ein Kuß wird ihr leicht


    So flieg’ ich mit Wolken,
    bis mich bald auch


    meine Liebe verspielt




    (c) 21.VII.2007
    J. B.

    --- alles ein traum? ---


    klingsor

  • Dein Tod



    Dein Tod ist leicht


    Im Rund liegt ein Sterben -
    ein Grab
    hinter der Stirn


    Der Atem wie Erde -
    ein Spiegel,
    versehrt


    Das Gesicht
    fast entblößt,


    und nichts
    hält es fest




    (c) 17.III.2007
    J. B.

    --- alles ein traum? ---


    klingsor

  • Dornhüter



    Berühren wir Sterne?
    Führen wir Rosen im Mund?
    Bruder, sag’ mir,
    schlafen wir schon?


    Denn mich betten die Narben,
    und alle Wangen
    weichen mir aus


    Auch Blätter verletzen,
    und niemand gibt mir
    die Seelen zurück


    Sag’, sind wir Engel?,
    denn ich spür’,
    wie Blüten
    uns’re Lider verlassen


    Ja, mein Bruder,
    so ist’s:


    Uns hütet der Mohn,
    und das Gewicht der Dornen,


    das bemißt er nach Sand




    (c) 18.IV.2007
    J. B.

    --- alles ein traum? ---


    klingsor

  • Du als Blume



    Blutstrauß -
    unter Brüsten geschnitten?


    Ertasten von Farben -
    ein Kußmund aus Bast?


    Besprechen von Rispen -
    ist ein Frühling verletzt?


    Zwei Düfte, verbunden:
    die Lippen
    aus Seidenpapier?


    Vasen belügen,


    so befrage ich Stiele,
    bis ein Blütenhals bricht




    (c) 2002
    J. B.

    --- alles ein traum? ---


    klingsor

  • Du bist ...



    … an die Pforten geschrieben -
    auch Dein Schoß
    spricht als Blau


    Der Hals riecht nach Trauben,
    und das Lachen der Schwalben
    kehrt nach Hause zurück


    Um den Tag wächst ein Klang,
    und gleich betreten
    zwei Morgen die Brust


    In Wimpern treibt Mohn -


    und nun sag’,
    wieviel wiegt wohl ein Traum?




    (c) 11.IV.2008
    J.B.

    --- alles ein traum? ---


    klingsor

  • Späte Rosen



    Einen Kranz werd’ ich tragen,
    späte Rosen
    und den Buchs,
    der nie mehr einer Bitte gleicht


    Und helle Schritte
    und den Sonnenbogen,
    der ein Koosen
    aus dem Abend bleicht


    Und Hände,
    die noch werden sollen,
    einen Körper
    wie ein Warten,
    ein Lieben
    wie ein Innehalten,
    und bald den Schmerz,


    der bis
    zu einem Garten reicht



    (c) 11.X.2011
    J. B.

    --- alles ein traum? ---


    klingsor

  • Sommerstressssssssssssssssss


    Vom Himmel mittags knallt die Sonne,
    jedoch begrenzt nur ist die Wonne,
    da im Büro man sich erhitzt
    und dann durch die Klamotten schwitzt.


    Der Wetterdienst kündet von Regen,
    "Ein Schauer wäre jetzt ein Segen!"
    So ist der Mensch, findet´s nie gut,
    was Petrus wettermäßig tut.


    Sobald der Regen rinnt herunter,
    ist heißer Mensch zwar wieder munter
    und fühlt sich köstlich abgekühlt.
    Als traurig scheint es ihm jedoch,
    daß er nun sitzt im Regenloch!!
    Er blickt durch´s Fenster raus ins Freie
    und hofft, daß wieder sich aufs neue
    die Sonne durch die Wolken wühlt.


    (c) 2012 M. Müller

  • Elegie



    Du mußtest ein Tasten
    zweier Engel sein,
    wie ein Jahrhundert,
    das begann


    In Deinem Arm schliefen Meere,
    und es war,
    als wöge man Gärten
    in Deinem Mund


    Birken begingen die Schritte -
    selbst ein Ahnen
    schrieb man auf Duft


    Wie Wald rochen Jahre,
    und man vergaß,
    die Locken zu zähl’n


    Doch Stimmen wurden gebunden,
    und Einer
    kam wie ein Schneien
    über den Tag


    Von Deinem Haar wusch er Zweige,


    dann trat er aus Lidern
    und löschte die Zeit




    (c) 2004
    J. B.

    --- alles ein traum? ---


    klingsor

  • Falschgeburt



    Lustschergen fluch ich,
    Falschgeburten will ich tot -
    Apfelblut soll Kimmen süßen;
    Fratzen blecken über Tag


    Blumen sind mir abgezogen,
    Gaumensäfte, ausgezehrt:
    Begatten will ich Deine Lüge,
    Lager für Dich, Hure, bau’n


    Denn Liebe ist es, falsche Brut,
    Dein ‚Ja’,
    und auch


    mein ausgespie’ner Schlund!




    (c) 3.IV.2005
    J. B.

    --- alles ein traum? ---


    klingsor

  • Erdschrift



    Zungenspuren,
    mondlachenschwer


    Dunst von drei Wörtern -
    Erdloch,
    nur eine Fährte als Reim


    Ein Satz schält die Wege -
    von Nüstern träuft Lehm


    Vor den Blättern ein Maul:
    Der Speichel zerfällt
    wie feuchtes Papier


    Es tropfen die Verse,
    und ein Tier wittert Schrift:


    Wundschweiß,
    erbrochene Namen -


    nur eine Worthaut liegt bloß




    (c) 24.V.2009
    J. B.

    --- alles ein traum? ---


    klingsor

  • Erwartung


    Die Bahren sind falsch -
    zwei Messen verlassen das Haus


    Tauben zerschlagen,
    und ihr Gebot
    wird mit Weihrauch geschürt


    Am Kreuz fault das Eisen,
    und ein Dorn
    hat alle Hostien versetzt


    Die Beichte, in Stücken -
    auch die Lügen
    verstecken uns nicht


    Es ist Zeit:


    Auf der Stirn schwält ein Segen,


    und das Öl
    ruft seine Krippen zurück!




    (c) 7.X.2007
    J. B.

    --- alles ein traum? ---


    klingsor

  • Fragen


    Wie übersetze ich Schatten,
    und wie
    kann ich Tote bestimmen?


    Wie messe ich Federn
    oder teile den Leib?


    Wie trage ich Wasser,
    und wie
    lös’ ich den Boden noch aus?


    Wie wende ich Tränen
    oder wiege die Zeit?


    Und wann nun
    setzen meine Brauen über,


    und wo
    lern’ ich die Sprache,


    die Schatten versteh’n?




    (c) 7.VI.2007
    J. B.

    --- alles ein traum? ---


    klingsor

  • Gärten



    Die Gärten sind schwer


    Zwei Astern taumeln wie Sand


    Ins Moor fliehen Spitzen -
    ein Torfreif vergilbt


    Verloren sind Schläfen,
    und langsam
    wird ein Odem bestickt


    Als Kuß wachsen Flechten,
    um die Zunge ein Ring


    Es torkeln Schleier,


    wenn ein Vogelzug welkt




    (c) 25.X.2007
    J. B.

    --- alles ein traum? ---


    klingsor

  • Sterngrau



    Meine Augen sind groß,
    sterngraue Fragen,
    zwei Kinder aus Schlaf


    Sie kommen wie Regen,
    mit Schuppen
    aus Lehm


    Ihre Höhlen sind leer -
    bloß Rahmen,
    doch ihr Dunkel begreift


    Denn alles bleibt Tasten:


    Zwei Schalen
    und ein Umriß,


    vergreist




    (c) 16.VII.2007
    J. B.

    --- alles ein traum? ---


    klingsor