Wolfgang Amadeus Mozart - Legende und Realität

  • Mir ist kein anderer Komponist bekannt, dessen Biographie so mit Halbwahrheiten, Unwahrheiten, Beschönigungen, Mißverständnissen und Legenden überfrachtet ist - wie jene von Wolfgang Amadeus Mozart.


    Viele unwahre Anekdoten und erfundene, bzw zurechtgebogene Begebenheiten wurden immer wieder weitererzählt, in Büchern als Wahrheit wiedergegeben, schematisch in zahlreiche Mozartfilme eingebaut.


    Mir fallen spontan nur die "Feindschaft zu Salieri" ein, dem "Todesboten, der Mozarts eigenes Requiem bestellt, sehr beliebt ist auch die Geschichte vom "verkannten und verarmten Mozart", der an der Ignoranz seiner Zeitgenossen zugrundeging.


    Oder die These, Mozart sei vergiftet worden . Gruselig schön - aber leider nicht haltbar.


    Die Geschichte vom Armengrab


    Mozart als unangepasster "Revolutionär"


    Was ist Realität - was Erfindung ?


    Auch wenn vile Miotglieder der Meinung sein mögen, dies sei alles hinlänglich bekannt und bedürfe keiner weiteren Erörterung mehr - so möchte ich an dieser Stelle im voraus widersprechen. Vilele Leute sind durch die Legenden so geprägt, daß sie an die Wahrhaftigkeit derselben glauben...


    Tamino - viielgelesen - ist hier aufgerufen Legende und Realität voneinander zu trennen... !!


    mfg aus Wien


    Alfred

    Interpreten SIND Sklaven !

  • Eine häufig vorkommende Anekdote ist die die von Mozarts Berlinreise im Jahre 1789, wor er in einer Vostellung der "Entführung" die Musiker zurechtgewiesen und dem Blondchen ein Unterrichtsangebot gemacht haben soll.


    Ludwig Kusche hat in seinem Buch "Stimmt den das auch?" (Musikeranekdoten unter die Lupe genommen) die Geschichte zurechtgerückt, aber sie ist so herzig, daß man sie für glaubhaft hält und sie sicher noch öfters auftauchen wird.


    Liebe Grüße vom Operngernhörer :hello:

    Meine Meinung steht fest. Bitte verwirren Sie mich nicht durch Tatsachen.

  • Ein Punkt der inzwischen vllt. weniger spektakulär klingt aber in meinen Augen eigentlich einer der wesentlichsten ist (schließlich sind viele Inhalte der Anekdoten etwas banal oder zumindest für Mozarts Musik eigentlich uninteressant - wahrheitsgemäß hin oder her), ist die weit verbreitete Vorstellung Mozart habe tatsächlich rein im Kopf komponiert und die im Geiste fertigen Kompositionen schlichtweg nur auch zu Papier gebracht.


    Sicher, ich zweifle kaum daran, dass er ein Meister auf diesem Gebiet gewesen sein dürfte - und mit großer wahrscheinlichkeit gillt diese These durchaus für einige, wenn nicht viele der kleineren (Gelegenheits-) Werke.


    Aber nicht zuletzt die neueren Studien des Mozartforschers Ulrich Konrad (vorwiegend im Rahmen der "Neue Mozart Ausgabe" entstanden) haben zu Tage gebracht, dass Mozart zumindets bei gewichtigen Kompositionen sehr wohl in mehreren Arbeitsschritten und Etappen komponierte:


    So bestand der erste Schritt oft tatsächlich durch gewisse Skizzierungen des Werkes, bzw. einzelner musikalischer Ideen oder thematischer/motivischer Abschnitte.


    Anschließend komponierte Mozart (z.B. bei einem Solo-Konzert) die Solostimme und die grundlegend wichtige Basslinie. Dazu kamen an verschiedenen Stellen das harmonische Grundgerüst, besondere Wendungen oder die wesentlichen Begleitstimmen.


    In diesem Status betrachtete Mozart das Werk oft als bereits fertig komponiert. Den letzten Tätigkeitsschritt, nämlich das vollständige Ausführen der Begleitung (also der Instrumentalstimmen) betrachtete oder bezeichnete er meist lediglich als "das schreiben".


    Auf diese Tatsache bezieht sich also Mozarst einigermaßen viel zitierter Satz: "Componiert ist schon alles, aber geschrieben noch nicht."


    Teilweise hat er dieses "schreiben" garnicht selbst vorgenommen, sondern wie zu der Zeit üblich den geübten Copisten überlassen. Zumindest wohl wenn er auf Reisen oder in Eile war. (Für letzteren Absatz hab ich gerade keine Quellen parat)



    Wie gesagt meiner Meinung nach handelt es sich hier um eine der wichtigsten fälschlichen Vorstellungen um Mozart. Zumindest was sein Ansehen als "genialer" Komponist betrifft.


    Liebe Grüße,
    Peter



    PS: Man vergleiche die ersten ca. 5 Sekunden von KV 334 und KV 537 - Zufällig gerade gehört, als kleine Freude für die, die noch nicht darauf gestoßen sind.