Unbekannte Opern

  • Verzeichnis der Themen bis 9. Oktober 2022


    1. Agnese (Paër) # 292

    2. Alessandro nell'Indie (div. Komponisten) #293

    3. Alfred der Grosse (7 Komponisten) # 222, 272

    4. Antikrist (Rued Langgaard) # 263, 265ff

    5. Ariane (Jules Massent) # 171

    6. Artaserse (diverse Komponisten) # 59, 148

    7. Bacchus (Jules Massenet # 171

    8. Bühnentechnik der Familie Vergani # 249

    9. Cendrillon (Viardot) #241, 285

    10. Čertova stěna / Die Teufelswand (Smetana) # 221

    11. Cinderella (Alma Deutscher) # 161f

    12. Cleopatra's Night (Henry Hadley) # 163, 165

    13. Cleopatra (diverse Komponisten) # 164, 166f

    14. Conchita (Zandonai) # 273

    15. Dante [e Béatrice] (Godard) # 187

    16. Das Herz (Pfitzner) # 98 - 108

    17. Das verratene Meer (Henze) # 123, 124

    18. Der Roland von Berlin (Leoncavallo) # 255

    19. Der Unbekannte (Bott) # 247

    20. Demofonte ( Gluck) # 92

    21. Die Bakchantinnen (Wellesz) # 220

    22. Die Eifersüchtigen (Raff) # 284

    23. Die "Göttliche Komödie" als Quelle für diverse Opern # 185

    24. Donna di Veleni (Podda) # 141 – 147

    25. Dubrovsky (Nápravník) # 94, 95, 96

    26. Edmea (Catalani) # 280ff

    27. Eurydice (Aucoin) # 229, 231ff

    28. Falcone - Il tempo sospeso del volo (Sani) #286

    29. Felice Romani (alle Libretti) # 192ff

    30. Flavio Crispo (Heinichen) # 64, 66, 81

    31. Fortunato (Gouvy) # 238

    32. Francesca da Rimini (diverse Komponisten) # 185f, 189ff

    33. François-Joseph Gossec (diverse Opern) # 159

    34. Frédégonde (Guiraud/Saint-Saëns/Dukas) # 223

    35. Gabriella di Vergy (Saint-Saëns) # 227f

    36. Girl with a Pearl Earring #213, 218, 274ff

    37. Gloriana (Britten) # 277

    38. Goyescas ( Granados) # 211f

    39. Guercoeur (Magnard) # 111 – 113

    40. Gustav Wasa (Koželuh/auch: Kozeluch) #205

    41. Hamlet (diverse Komponisten) # 93

    42. Hotel Savoy (Beer) # 279

    43. Il Pompeo / Pompeo Magno # 1, 9, 65 - 67

    44. Inferno (Ronchetti) # 187

    45. Judith (Gnecchi) # 68 - 78

    46. Julie (diverse Komponisten) # 56

    47. Julien (Charpentier) # 42, 44, 45, 135, 283

    48. Jungfrun i Tornet (Sibelius) # 177, 179ff

    49. King Priam (Tippett) # 237, 253

    50. Krenek – Triptychon: Der Diktator/Das geheime Königreich/Schwergewicht #214

    51. La Chute de la Maison Usher (Debussy) # 87

    52. La Créole (Offenbach) #210

    53. La liberazione di Ruggiero dall'isola di Alcina (zwei Komponisten) # 88

    54. La Princesse jaune (Saint-Saëns) #299ff

    55. Le Cid (Gouvy) # 238

    56. Le dernier Sorcier (Viardot) # 241ff

    57. Le jongleur de Notre-Dame (Massenet) # 288, 294f

    58. Le Timbre d’argent (Saint-Saëns) #224

    59. Leonora ossia l'amor cojugale (Paer) # 89, 90

    60. Les Barbares (Saint-Saëns) #207

    61. Lord Byron's love letter (de Banfield) # 82, 84, 85

    62. Luisella (Mannino) #289, 291

    63. Lunea (Holliger) # 278

    64. Messidor (Bruneau) #197ff

    65. Minoru Miki Opern # 7, 62, 63, 79 (+ #1f im Opernführer)

    66. Miranda (Musik von Purcell) # 298

    67. Moniuszko Opern/Operetten # 21, 24, 27, 29, 31, 32, 34, 41

    68. Montségur (Landowski) #206

    69. Moro per amore (Stradella) # 287

    70. Mythos Ariadne in der Oper (diverse Komponsten) #173ff

    71. Oberon (Wranitzky) # 149 – 152, 156

    72. Olimpiade (diverse Komponisten) # 48, 49, 51

    73. O NOAPTE FURTUNOASĂ-Eine stürmische Nacht (Constantinescu) # 252

    74. Opéra d'Aran (Becaud) # 53, 57, 58

    75. Oresteia (Taneyev) #209

    76. Orfeo (diverse Komponisten) # 86, 229, 233, 236

    77. Panurge (Massenet) #254

    78. Push (Moody) # 139, 140

    79. Psyché (Lully) #248ff

    80. Rothschilds Geige (Fleischmann) #208

    81. Santa Chiara (Ernst II Herzog v. Sachsen-Coburg-Gotha) # 244ff, 264, 270

    82. Sarka (zwei Komponisten) # 60, 61

    83. Scalia / Ginsburg (Wang) # 20

    84. Stradella (Franck) # 91

    85. Tesla (Kievman) # 19

    86. The Visitation (Schuller) # 80

    87. Zelta zirgs (Žilinskis) # 125 - 130

    88. Zolotyy obruch (Lyatoshynsky) # 296f

    89. Zugvögel (Husmann) # 178

    Alles Gute und einen Gruß von Orfeo

  • Auch ich höre gerade das Frühwerk von Saint-Saëns und bedanke mich herzlich bei Orfeo für die Arbeit an diesem Thread und der daraus eröffneten Möglichkeit, diese Kurzoper kennenzulernen.


    Gestern habe ich auf ARTE eine Dokumentation über Enrico Caruso gesehen. Darin wurden Szenen aus einer mir zuvor völlig unbekannten Oper gespielt: "Caruso a Cuba". Es geht darin wohl um die Reise, die Caruso ein Jahr vor seinem Tod in das mittelamerikanische Land geführt hat. Micha Hamel hat daraus seine erste Oper gemacht, Musik und Libretto sind von ihm. Uraufführung war 2019 in den Niederlanden. Offenbar ist sie seither nirgends mehr gespielt worden. Die Kritiken sind sehr gut und der Ausschnitt klingt durchaus interessant. Im zweiten Teil wähnt man sich beim Hören eher in einer Oper italienischer Tradition um 1900 denn in einer zeitgenössischen Komposition.

    Hier vier Zeitungsausschnitte in englischer Sprache:

    Caruso a Cuba – reviews (in English) - Micha Hamel


    Und hier der angesprochene Ausschnitt, ein Duett mit Fokus auf den Tenor (Caruso):

    Caruso a Cuba: Love duet Caruso and Aida - De Nationale Opera - YouTube

  • Luigi Canepa

    Ein Komponist von vier erfolgreichen Opern, die heute vergessen sind.


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    Luigi Canepa wurde am 15. Januar 1849 in Sassari/Sardinien geboren. Seit dem dritten Lebensjahr Halbwaise, konnte Canepa dank der Fürsorge seines Onkels Carlo Solari schon früh seiner musikalischen Neigung nachgehen. Er bekam Flötenunterricht und mit zehn Jahren wurde er im Konservatorium S. Pietro a Majella in Neapel angemeldet. 1864, im Alter von fünfzehn Jahren, gewann er bei einem Wettbewerb einen Platz in der Kontrapunkt- und Kompositionsklasse. Sein politisches Engagement veranlasste ihn 1867 jedoch, sich Garibaldis Freischaren anzuschließen. Er wurde bei Mentana verletzt und gefangen genommen. Nachdem er nach Mailand gezogen war, um seine Kompositionsstudien bis 1869 zu vervollkommnen, komponierte er 1871 seine erste Oper "David Rizio"

    über den italienische Lautenspieler, Komponist, Privatsekretär und Günstling von Maria Stuart (dessen Ermordung 1566 löste die Kette tragischer Ereignisse aus, die zur Abdankung Marias und ihrer Flucht nach England führten). Am 16. November 1872 wurde dieses Erstlingswerk im Teatro Carcano in Mailand uraufgeführt. Die Oper kam danach in mehreren italienischen Städten und in Barcelona auf die Bühne. Zwei Jahre später wurde eine weitere seiner Opern, "I Pezzenti'  (nach dem gleichnamigen Schauspiel von Enrico Cavallotti) am 20. September 1874 im Teatro alla Scala und danach in mehreren europäischen Städten begeistert aufgenommen. Es folgt eine Reihe von Reisen durch Europa bis nach Russland. Seine dritte Oper, "Riccardo III." brachte nach der Uraufführung in Mailand 1879 den Durchbruch, jedoch erkrankte er kurz Zeit später ernsthaft und er kehrte nach Sassari zurück. Die Jahre zwischen 1880 und 1884 gehören trotzdem zu denen mit der reichsten Befriedigungen für Canepa, der die Kontakte zum Mailänder Theatermilieu inzwischen abgebrochen hatte. Tatsächlich wurde 1880 das Musikinstitut in Sassari eingeweiht, dessen Geschick danach eng mit dem des Komponisten verbunden war und Canepa übernahm die Leitung. Er komponierte nur noch sehr wenig, aber für die Beisetzung Garibaldis am 8. Juni 1882 in Caprera schuf er ein "Largo funebre per Garibaldi".

    1884 wurde in Sassari das neue Musiktheater mit "Riccardo III." eingeweiht; Canepa dirigierte in der ersten Saison alle Opernvorstellungen. Erst 1903 stellte sich nochmals ein großer Erfolg ein, als seine komische Oper "Amsicora"  

    in Cagliari und Bologna aufgeführt wurde. Seine Pläne, fortan in Rom zu leben, zerschlugen sich wegen seiner angegriffenen Gesundheit.

    Er starb am 12. Mai 1914 in Sassari.

    Sein Sohn Aldo war auch als Komponist, Dirigent und Lehrer tätig.


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    Riccardo III - dramma lirico in 4 atti, Musik: Luigi Canepa, Libretto: Fulvio Fulgonio, basierend vor allem auf dem 1852 erschienenen Drama von Victor Séjour Richard III “, ein von Shakespeare inspiriertes Kostümdrama über Richard III. von England, das zu Séjours gefeiertstem Werk wurde.

    Unbenanntsej.jpg UA: Teatro Carcano/Milano 10. November 1879


    Handlung der Oper Riccardo III. im Überblick


    England, um 1485. Während des Rosenkriegs will Richard III. von England seine Nichte Elisabeth heiraten, die die Geliebte von Richards politischem Rivalen Rismondo ist, der seinen eigenen Tod vortäuscht. Am Ende der Oper täuscht sie ihren eigenen Tod durch einen Schlaftrank vor, aber die Liebenden werden schließlich wieder vereint und Richard stirbt am Ende.


    Auf der Terrasse des königlichen Palastes in London beklagt der König die Tatsache, dass jede schöne Frau seiner Gegenwart entflieht und seine Anwesenheit nur Schrecken erzeugt. (... Ogni beltà gentil;/Mi guarda ogni pupilla inorridita/Quasi una cosa vii) Gleichzeitig bekundet er seinen Entschluss, durch neue Eroberungen noch mehr Terror zu verbreiten. Er erklärt, dass er Elisabetta liebt, die jedoch die Geliebte seines Gegners Rismondo ist. Riccardo händigt seinem Vertrauten Rutlando ein Gift aus, mit dem dieser die Gemahlin des Königs beseitigen soll. Der Büchsenmacher Scroop, der in Wirklichkeit Raul di Fulckes, ein treuer Freund und Spion Rismondos ist, überreicht dem König als Geschenk einen Chorrock, der angeblich jedem Angriff mit Waffen widersteht. Riccardo überprüft das Geschenk an Scroop auf seine Tauglichkeit und ernennt diesen danach zum neuen Hofnarren. Ein Bote unterrichtet Riccardo vom plötzlichen Tod der Königin, wobei Scroop feststellt, dass der König nicht besonders erschüttert darüber ist (…Il delitto chiaramente / Leggo in fronte al traditor“)


    In einem Zimmer in der königlichen Wohnung der Königinmutter liest Elisabetta einen Brief, in dem Rismondo schreibt, dass er in London sei und sie in der Abenddämmerung im Park besuchen würde. Die Königinmutter überbringt die Nachricht, dass Riccardo beabsichtigt, ihre Tochter Elisabetta zu heiraten, woraufhin diese schwört, lieber zu sterben als seine Ehefrau zu werden. (... „Non temere, o madre, in pria / Spenta qui cader saprò“). Beide Frauen versprechen sich gegenseitig, immer füreinander da zu sein.


    Im Garten des Palastes treffen sich Elisabetta und Rismondo. Die Freude über die Begegnung wird jedoch getrübt durch die Gedanken beider an Riccardo, der so gefährlich ist, dass er laut Rismondo sogar nur mit Gedanken töten kann (... „La sua mente è un empia lama / Egli uccide col pensier“). Er schlägt eine Flucht vor, aber die beiden Liebenden werden von Scroop unterbrochen, der die Ankunft des Königs ankündigt. Scroop versteckt sich zusammen mit Rismondo. Der König zeigt sich besorgt um Elisabettas nächtlichen Spaziergang im Park, da er befürchtet, dass sich jemand mit bösen Absichten hier verstecken könnte. Scroop erkennt, dass die Situation gefährlich werden könnte und kommt mit einem blutgetränkten Schwert aus seinem Versteck. Er gibt vor, Rismondo soeben getötet zu haben. Elisabetta, die in seiner Hand Rismondos Schwert erkennt, glaubt nun, dass ihr Geliebter tot sei, und wirft sich verzweifelt in die Arme ihrer Mutter.


    Scroop kommt in eine Londoner Taverne und wendet sich an die anwesenden Matrosen und kündigt ihnen das baldige Ende des Herrschers an (... "Prodi figli d'Inghilterra,/ Se v'è sacro ancor' l'onore / Contro il perfido oppressore / Impugnate alfin Tacciar.../ Ai tiranni guerra! guerra! / Sulla terra , sovra il mar.") Rismondo kommt dazu und die beiden besprechen, wie sie weiter vorgehen wollen und kommen auf die Idee, die Geliebte mit einem Trank in einen todesähnlichen Schlaf zu versetzen, und danach zu mit ihr zu fliehen.


    In einem Saal im Königspalast findet ein Fest statt. Rutlando berichtet Riccardo, dass Rismondo noch lebt und sein Lager in der Nähe von Bosworth aufgeschlagen hat. Der Hofnarr Scroop singt ein Lied über einen Zauberer und eine Fee, in dem es um ein Mädchen geht, das von einem Zauberer ihrer Mutter entrissen wird, aber dank der Macht des Zauberers danach wieder zum Leben erweckt wird. Während des Liedes zeigt Scroop Elisabetta den Becher, in dem sich der Trank befindet, das Mädchen trinkt daraus und bricht wie tot zusammen. Scroop gibt sich als Raul di Falkes zu erkennen und versucht Riccardo zu töten, der aber durch den Chorrock geschützt ist.


    Eingeleitet von einem symphonischen Zwischenspiel, das die entscheidende Schlacht beschreibt, in der Riccardo von Rismondo besiegt wird, spielt der letzte Akt im Atrium des Franziskanerklosters in Leicester. Die Königinmutter ist besorgt, weil ihre Tochter immer noch nicht erwacht ist. Rismondo, der Sieger der Schlacht, gesellt sich zu ihr. Elisabetta wacht in den Armen der Mutter auf und die beiden Liebenden können sich wieder umarmen. Wie ein Geist erscheint plötzlich der verwundete Riccardo, der sich im Delirium an Momente der Schlacht erinnert und vor seinem Tod nach einem Pferd ruft: Riccardo (delirando) ...“Mi date un cavallo !... E il regno vi do !...“(cade rovescio e muore)


    Libretto (ital.) Download als PDF ist möglich.

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    Notenmaterial (Auszüge)

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    Kritiken

    Salvatore Farina schrieb im «Corriere della Sera» am 12. November 1879: ".... der dritte Akt gefiel uns besser als die anderen! Es ist dieser Akt, in dem Maestro Canepa, so scheint es uns, deutlicher als anderswo das kostbare Talent der Theatralik zum Ausdruck bringt, das wir bereits an ihm erkannt und sofort bewundert haben."


    Am gleichen Tag erschien in «Perseveranza» die Kritik von Filippo Filippi: "..... „Viele, oder eher zu viele, junge Menschen sind von dem Wunsch befallen sind, Werke zu schreiben, Zeit und Geld verschwenden und das gebildete und respektable Publikum belästigen. Die meisten beginnen mit einem Erfolg, die Kritiker äußern großen Hoffnungen, und nach diesem ersten Aufflackern bleibt nichts übrig. Es gibt nur sehr wenige, die sich wie Canepa nicht täuschen lassen und den beharrlichen Mut hatten, zu studieren, Fortschritte zu machen und Fehler zu korrigieren […]


    Audio-Aufzeichnung der Oper (Souncloud)

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    Besetzung [*]

    König Riccardo III: Nicola Rossi-Lemeni

    Königinmutter Elisabetta: Lucilla Udovich

    Elisabetta Nichte: Antonietta Pastori
    Prinz Rismondo, Geliebter der Nichte Elisabetta: Franco Bonisolli
    Scroop alias Raoul: Walter Alberti
    Rutlando, Vertrauter Riccardos: Tommaso Frascati
    Dirigent: Nino Bonavolontà
    Teatro Verdi in Sassari, 14. Dezember 1962




    Von allen Werken Canepas wurde einzig der Riccardo aufgenommen, und zwar bei der Wiedereröffnung des Theaters in Sassari 1962 in Anwesenheit von Staatspräsident Antonio Segni.


    Die Oper ist auf den zwei CD gekürzt, teils sogar erheblich. Eine Szene in der Taverne zwischen Scroop und Rismondo fehlt. Es fehlt auch das sinfonische Zwischenspiel über die entscheidende Schlacht vor dem vierten Akt, das eine Überleitung zum Finale darstellt und mehrere Chornummern. Die Aufnahme ist nicht mehr im Handel erhältlich, kann aber noch über Soundcloud gehört werden und sogar mit einigen Umwegen in fünf Schritten auf Festplatte gespeichert werden (ja, es funktioniert wirklich, was vor allem die Freunde von Franco Bonisolli interessieren dürfte, da er hier ganz am Anfang seiner Karriere stand). Bei Youtube ist die Aufnahme als „Privat“ eingestellt.


    Musikalisch ist der erste Akt wenig aufregend und stellt vor allem die drei männlichen Protagonisten vor. Der zweite Akt entschädigt dafür mit mehr Spannung. Der dritte Akt besteht vor allem aus Chornummern und Arien wovon aber nur zwei zum Fortgang der Handlung beitragen. Der vierte Akt hat drei große Passagen, die von der Arie über das Duett/Trio bis zur Chornummer reichen.

    Die Geschichte könnte sehr knapp so zusammengefasst werden: Richard ist ein geistig wie körperlich behinderter Mensch, der gerne Menschen ermordet und seine eigene Nichte heiraten will, die die Geliebte seines politischen Rivalen ist (ein sehr beliebtes Opernthema). Die Handlung ist eher formelhaft und vorhersehbar. Die Szene des Schlaf-/Ohnmachts/Tötungstranks im dritten Akt ist seit jeher eines der beliebtesten Theatermittel. Trotzdem, mehrere Passagen haben mir sehr gut gefallen; auf der Skala 1-10 würde ich je nach Stück alle Noten zwischen 2 und 9 vergeben.


    [*] Verwirrende Familienverhältnisse, who is who?

    Elisabetta, Königinmutter: Elizabeth Woodville, Gattin von Edward IV, dem Bruder von Richard III und somit seine Schwägerin.

    Elisabetta, Nichte von Richard III: Elizabeth of York, heiratete den Earl of Richmond, ihr Sohn ist Heinrich VIII.

    Rismondo: ist der Earl of Richmond, der Richard in der Schlacht von Bosworth besiegte und damit den Rosenkrieg beendete und als Heinrich VII gekrönt wurde.


    Alles Gute und einen Gruß von Orfeo

  • Zwei Nachträge zu Riccardo III. von Luigi Canepa


    Rollen und Besetzung der ErstaufführungRiccardo-III-1.jpg


    Diese Erinnerung und Homage an Luigi Canepa steht im Netz ohne Quellenangaben. Es ist anscheinend die Abschrift eines mit "g. f." signierten Zeitungsartikels, der nach seinem Tod 1914 geschrieben wurde, das Copyright ist daher abgelaufen.

    Leider nur in italienischer Sprache.


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    Alles Gute und einen Gruß von Orfeo

  • Hélène Oper in einem Akt. Musik und Libretto von Camille Saint-Saëns

    Nellie-Melba-en-Helene-Saint-Saens-Kopie-2.jpg Nellie Melba in der Rolle der Hélène


    Uraufführung des poème lyrique in einem Akt an der Opéra de Monte-Carlo am 18. Februar 1904 mit Nellie Melba als Hélène. Spätere Aufführungen fanden statt in Covent Garden 1904, Milano 1904, Frankfurt 1905, Paris 1905 (mit Mary Garden)/1906/1919, Monte Carlo 1905/1909/1916, Prag 2008

    Camille Saint-Saëns' Hélène kann als Antwort auf Jacques Offenbachs Oper verstanden werden. Der hatte den Mythos mit viel Erfolg zur Komödie uminterpretiert. Saint-Saëns zufolge ist Hélène aber keine komische Figur, sondern das tragische Opfer der Venus, das von der Göttin nur zu dem Zweck benutzt wird, ihrem Ruhm zu dienen. Der trojanische Prinz Paris kommt nach Sparta, um seine Siegesprämie Helena einzuholen, die ihm von Venus versprochen worden war, nachdem er sie zur schönsten der Göttinnen gewählt hatte, was den Zorn von Pallas Athene und Hera erregte. Helena versucht, der Liebe zu widerstehen, die sie für Paris empfindet. Sie denkt sogar an Selbstmord bis Venus eingreift, deren Allmacht sie nicht widerstehen kann. Pallas Athene kann den beiden Liebenden zwar die Folgen ihrer Tat offenbaren – die Zerstörung Trojas und das Massaker an seinen Bewohnern – aber nichts kann Helena davon abhalten, mit Paris, der ausruft Lasst meinen Vater, mein Land und alle meine Verwandten sterben; meine Liebe ist größer! zu fliehen. Liebe macht bekanntlich blind.

    Das Werk umfasst sieben Szenen und erzählt die Geschichte von Helens tiefen Qualen, hin- und hergerissen zwischen ihrer Liebe zu dem Soziopathen Paris und ihrer Treue zu ihrem Ehemann Menelaos. Saint-Saëns‘ erklärtes Ziel beim Komponieren dieses Poème lyrique war es, die psychologischen Konflikte zu beleuchten, die Hélène erlebt bei der Entscheidung, entweder Paris zu folgen und den blutigsten Konflikt der antiken Geschichte, den Trojanischen Krieg, auszulösen, oder bei ihrem Ehemann Menelaos zu bleiben. Einerseits wird sie von Venus und den Nymphen angestachelt, ihrer Liebe nachzugeben, andererseits wird sie von Pallas Athene vor den schrecklichen Folgen einer Flucht aus Sparta gewarnt. Die Oper endet mit Helenes Kapitulation, als sie und Paris in den Sonnenuntergang segeln.


    1904-Helene-affiche.jpg Paris und Helena vor der Göttin Pallas Athene


    Für ein Werk, das ein Jahr vor Strauss' Salome und ein paar Jahre nach Debussys Pelléas et Mélisande geschrieben wurde, klingt Hélène oft, als wäre es in einer anderen Zeit geschrieben worden. Es gelingt Saint-Saëns nur selten, eine Musik erklingen zu lassen, die mehr als nur malerisch ist.


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    Wissenswertes zur Geschichte der Oper

    1999 fand Maria Vandamme, CEO des australischen Labels "Melba Recordings", im Archiv der Opéra Monte-Carlo die lange verschollene Partitur der Oper Hélène von Saint-Saëns, die er im Auftrag der Sopranistin Nellie Melba komponiert haben soll. Inzwischen hat allerdings Kerry Murphy vom "Melbourne Conservatorium of Music" durch intensive Recherchen dieses Gerücht korrigiert, nachzulesen in: „Saint-Saëns’ poème lyrique Hélène, Nellie Melba and Beyondin "Musicology Australia"


    Saint-Saëns hatte die Rolle der Hélène zwar für die Stimme der Melba angelegt, aber erst nachdem er sie gefragt hatte, ob sie Interesse daran hätte, die Rolle zu übernehmen. Die Sängerin fühlte sich geehrt und sagte zu. Die Oper Hélène wurde also nicht, wie immer wieder behauptet, als Auftragswerk der australischen Sopranistin Nellie Melba geschrieben, sie hat sie jedoch uraufgeführt und ist zumindest mehrmals damit aufgetreten. Saint-Saëns liebte Melbas Interpretation der Rolle der Hélène und hielt die Oper für eine seiner besten: «Je commence à croire qu’Hélène est ce que j’ai fait de mieux au théâtre».


    Das Gerücht über das Auftragswerk entstand, weil Nellie Melba in ihrer Autobiographie "Melodien und Erinnerungen" zwar schrieb, dass sie die Rolle kreiert ("created") habe, aber create“ bedeutet im Französischen, dass sie an der Uraufführung teilgenommen hat. Es gibt allerdings eine Mehrdeutigkeit im Englischen: es kann bedeuten, dass sie das Werk uraufgeführt hat, oder es könnte bedeuten, dass es für sie geschrieben wurde. Doch wenn Hélène tatsächlich für sie geschrieben worden wäre, hätte sie es sicherlich ausdrücklich in ihren Memoiren erwähnt, da es etwas Hervorzuhebendes gewesen wäre. Ihr Name wäre sicherlich auch auf die Partitur geschrieben worden. Die veröffentlichte Partitur und der Klavierauszug (von Saint-Saëns selbst angefertigt) tragen nur die Widmung „Son Altesse Sérénissime le Prince Albert 1er de Monaco“.

    Der Intendant der Opéra Monte-Carlo, Raoul Gunsbourg, erwähnt in seinen Memoiren auch nicht, dass Hélène im Auftrag Melbas geschrieben wurde, und vor allem berichtet auch keiner der Kritiker der Uraufführung des Werks darüber, dass die absolute Primadonna jener Zeit die Oper in Auftrag gegen habe. The Times schrieb im Juni 1904 sogar: "the quality of Madame Melba’s voice hardly suits the declamatory style of the music and she did not seem in full sympathy with the work".


    Die meisten Kritiken der Uraufführung waren zwar nicht begeistert, aber im Allgemeinen positiv. Danach komponierte Saint-Saëns nur noch eine letzte Oper (L'ancêtre 1906). Eine spätere Aufführung von Hélène an der Pariser Opéra im Jahr 1919 wurde von einem Kritiker prophetisch als "une convulsion avant l’éternel sommeil" (ein Krampf vor dem ewigen Schlaf) beschrieben; in der Tat fiel das Werk danach in einen über 90 Jahre währenden Tiefschlaf bis 2008, als sie in Prag konzertant aufgeführt und mitgeschnitten wurde für das Label Melba Recordings. (siehe weiter unten)


    Saint-Saëns über die Entstehung der Oper

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    In „Au courant de la vie“ (Dorbon-Ainé, Paris, 1914) schrieb Saint-Saëns zur Entstehung der Oper u.a.: in Übersetzung

    „Vor langer Zeit hatte ich diese Vision: Hélène flieht in der Nacht, kommt zerbrochen, am Ende ihrer Kräfte, am Meer an, weit weg von ihrem Palast, begleitet von Paris – dem Schauplatz der Leidenschaft, dem endgültig besiegten Widerstand, der Höchster Flug der beiden Liebenden nach einem verzweifelten Kampf […] Ich habe in Hélène nie die nur verliebte Frau sehen können; sie ist die Sklavin des Schicksals, das Opfer von Aphrodite, das von der Göttin zu ihrem Ruhm, dem Preis des Goldenen Apfels, geopfert wurde; sie ist eine große Gestalt, deren Schuld keinen Spott erweckt, sondern eine Art heiligen Schreckens [….] Ich hatte daher davon geträumt, die Flucht der beiden Liebenden in Musik zu malen [….] Es bedurfte nur einer Bitte von M. Gunsbourg (Intendant der Oper Monte-Carlo), die zunächst zurückgewiesen und dann beharrlich wieder aufgenommen wurde, um meine Erinnerungen zu wecken und Hélène und Paris wieder lebendiger denn je zu zeigen. Zuerst hatte ich die Absicht – ich gebe zu, eine Idee der Faulheit –, mit einem Mitarbeiter zusammenzuarbeiten; aber was ? Ein Mitarbeiter hätte gerne Ideen zu meinen hinzugefügt, um meiner Vorstellung ihre Einfachheit zu nehmen; Ich beschloss, alleine zu arbeiten. Allein ! Nicht ganz. Nach dem Vorbild unserer Klassiker nahm ich Homer, Theokrit, Aischylos, Virgil und sogar Ovid als Hilfswerke [….] Innnerhalb von zwölf Tagen hatte ich mein „poème“ geschrieben“. [….] So praktiziert, ist Arbeit mehr als ein Vergnügen, es ist eine Wollust. Es ergab sich eine Analogie zwischen dem Auftreten von Pallas in Hélène und dem von Brünnhilde im zweiten Akt der Walküre; diese Analogien waren mir nicht entgangen, aber es war nicht zu vermeiden. Hélène ruft ihren Vater Zeus zu Hilfe. [….] Hélène und Paris, Samson und Dalila, Adam und Eva, es ist immer das gleiche Drama: die triumphale Versuchung, die unwiderstehliche Anziehungskraft der verbotenen Frucht. {….] Angenommen, Helena und Paris, erschrocken über die Vorhersagen der Pallas Athene, würden einander auf ewig Lebewohl sagen, sie würden zwar unsere Achtung gewinnen, aber sie würden uns nicht mehr interessieren.“


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    Diese einzige Aufnahme der Oper (2 SACD Melba Recordings MR301114-2 2008) ist ausgezeichnet gelungen;

    Rosamund Illing ist eine lyrische Hélène und Steve Davislim ein leidenschaftlicher Paris.


    Audio-Hörprobe der finalen Szenen 6 & 7


    Kurzdokumetation zur Prager Aufnahme unter der Leitung von Guillaume Tourniaire. (englische Untertitelung ist mit einem Klick möglich)

    Alles Gute und einen Gruß von Orfeo

  • Gibt es nicht?

    Gibt es doch!

    Meine Suche war erfolgreich!

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    Ich fand den 156seitigen Klavierauszug der Oper Hélène mit deutschem Text für die Aufführung in Frankfurt 1905 im Archiv der "Bibliothèque nationale de France" unter dem Titel:


    Helena, Dichtung in einem Akt, deutsche Übertragung von Albert Ahn. Klavierauszug mit Text


    Download ist als PDF möglich

    (Franz Conrad) Albert Ahn gründete 1864 Ahn’s Verlagshandlung. In seinem Verlag erschienen auch Carmen, Hoffmanns Erzählungen, Samson und Dalila, Pelleas und Melisande in deutscher Sprache.


    Alles Gute und einen Gruß von Orfeo

  • Lieber Orfeo,


    ich muss dir zwischendurch wieder einmal sagen, wie fantastisch ich deinen Einsatz für unbekannte Werke finde. Es ist für mich hochinteressant, was du alles zutage förderst. Das gilt nun auch für "Helena"!


    Danke und lieber Gruß!

  • Lieber Gregor,


    ich danke Dir für das Lob, das mich anspornt, weiter nach verborgenen Schätzen zu suchen. Naja - manchmal sind die "Schätze" eher seltsame Kuriositäten, deren Exhumierung den Aufwand nicht lohnen würde.


    Mit Grüßen nach Salzburg

    Orfeo

    Alles Gute und einen Gruß von Orfeo

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  • Meine vorläufig letzte mehr oder weniger unbekannte Oper von einem der beiden von mir sehr geschätzten Komponisten Saint-Saëns und Massenet.


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    Vor einigen Wochen las ich bei „Klassika“: „Le Mage“ ist zurzeit die einzige Oper Massenets von Bedeutung, die auf eine szenische Wiederbelebung wartet. Es ist ein Werk, welches er komponierte, als die Musikwelt ihm zu Füßen lag. Der Komponist verströmte sich in hinreißender Melodik und bot den Solisten dankbare Aufgaben. Orientalistik kam in Frankreich immer gut an und es wundert, dass dieser Oper kein nachhaltiger Erfolg beschieden war.“


    Es liegt zwar seit neun Jahren ein Mitschnitt einer konzertanten Aufführung aus Saint-Étienne vor, aber eine szenische Aufführung gibt es immer noch nicht. Die Nachfahrin Massenets und Nachlassverwalterin Anne Massenet glaubt, dass der Aufwand für szenische Neuinszenierungen zu aufwändig sei: „ Le Mage kann ohne große finanzielle Mittel nicht wieder aufgeführt werden, weil von Allem zuviel da ist: viele Solisten, ein wichtiger Chor, Turanische Gefangene, iranische Bevölkerung, Priester der Devas, Magier, Männer und Frauen auf dem Land, Priester und Priesterinnen, ein Ballett; allein das Ende der Oper setzt eine Szenografie mit sehr teuren und modernsten Spezialeffekten voraus.“


    Die Oper

    Ort und Zeit derr Handlung: Baktrien um 2500 v. Chr.


    Der in der Schlacht gegen die Turaner siegreiche persische Feldherr Zarastra empfängt in seinem Lager den Oberpriester Amrou und seine Tochter Varedha, Priesterin im Tempel der Liebesgöttin, die sich in Zarastra verliebt. Doch dieser teilt ihre Leidenschaft nicht, denn er gibt einer Gefangenen den Vorzug, der Königin Anahita, die ihn aber abweist, weil sie an ihrem Volk nicht zur Verräterin werden will. Der Priester und seine abgewiesene Tochter flehen die Götter wegen der Schmach um Rache an, besonders weil die gefangene Königin dem Werben Zarastras schließlich doch nachgibt. Als die Siegesfeier auf einem Platz in Badhi stattfindet erbittet Zarastra vor der versammelten Menge vom persischen König statt der erbeuteten Reichtümer als Siegesprämie die gefangene Anahita (und singt die bekannte Arie „Ah! parais! parais, astre de mon ciel“ [„Ach! Zeige dich! Zeige dich, Stern meines Himmels!]).

    Amrou und seine Tochter hetzen das Volk und den König mit wilden Gerüchten auf gegen Zarastra, der daraufhin in die Verbannung geschickt wird.

    Zarastra entschließt sich, als Eremit zu leben und dadurch Weisheit und den Sinn des Lebens zu finden. Er verzichtet auf jeglichen Ruhm, und sucht auf einem heiligen Berg Zuflucht und sich widmet sich fortan der Verehrung des weisen Schöpfergottes Ahura Mazda und verbreitet seine neue Lehre.


    Die verschmähte Varedha findet ihn und bedrängt den Einsiedler erneut. Sie droht, dass ihr Vater einen Aufstand anzetteln und den König stürzen würde, wenn er sich nicht gefügig zeigen sollte, hat damit aber keinen Erfolg. In der Zwischenheit hat der König beschlossen, selber Anahita zu heiraten, die sich jedoch dem König verweigert. Über ihren Kopf hinweg gibt der König dem Oberpriester Weisung, sie beide trotzdem zu vermählen. Die Zeremonie kann aber nicht durchgeführt werden, weil das besiegte Volk der Turaner den Tempel stürmt und die Stadt in Brand setzt.

    Zarastra kehrt in die zerstörte Stadt zurück. Bei der Suche nach Überlebenden entdeckt er die Leichen des Königs und des Oberpriesters. Eine Fanfare ertönt und Anahita erscheint als Siegerin und die Liebenden fallen sich in die Arme. Varedha ist allerdings dem Gemetzel entkommen und ruft erneut die Liebesgöttin an und bittet sie, Zarastra und Anahita zu vernichten. Offenbar hat ihre Bitte Erfolg, denn die Statue der Göttin beginnt plötzlich zu glühen, stürzt dann aber in sich zusammen und zerbröselt. Die Flammen hat aber nicht die Liebesgöttin sondern Gott Ahura Mazda als Zeichen seiner Allmacht ausgesandt. Varedha bricht auf den Stufen des Tempels zusammen, die glücklich vereinten Liebenden können den Tempel unversehrt verlassen.


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    Magier, Astrologen und Zauberer spielen nur eine ziemlich nebensächliche Rolle in dem Stück. Es ist in Wirklichkeit ein Liebesdrama, mit sentimentaler und teilweise kriegerischer Handlung, so wie sie im Theater erwartet wird.

    Der Enthusiasmus der Besucher und Kritiker hielt sich in Grenzen.

    Gustave Charpentier erwähnte nach zweimaligem Besuch der Vorstellungen in Mémoires, dass die Oper gut gemacht ist, aber kein Meisterwerk sei.

    Louis Besson schrieb in L’Événement (18 March 1891), dass das Bühnenbild nur gelobt werden kann, äußerte sich ansonsten aber sehr zurückhaltend.


    Anmerkung: Die Oper behandelt sehr frei einen Ausschnitt aus dem Leben des Weisen und Religionsstifters Zarathustra. Von historischer Authentizität kann keine Rede sein, stattdessen wird melodramatische Unterhaltung geboten. Zarathustra, also der Zarastra des Librettos, wird als siegreicher Feldherr eingeführt, der zwischen zwei Frauen steht, nicht als Philosoph, Priester und Begründer des Zoroastrismus, der lehrt, dass die Menschen bis zum Jüngsten Gericht die freie Wahl haben, sich für den rechten Weg zu entscheiden. Der rechte Weg ist der Weg der Wahrhaftigkeit. Die Lehre Zarathustras hat drei wichtige Grundsätze: Gutes Denken, Gutes Sprechen, Gutes Tun. Dank der Oper erfahren wir nun auch noch einiges über das bislang unbekannte Liebesleben des Weisen. Der Plot wirkt ziemlich konstruiert und ganz auf Effekte ausgerichtet, die Musik entschädigt aber meiner Meinung nach für die teilweise abstruse Handlung.




    Man bekommt eine Ahnung von dem Werk, wenn man bei Youtube einzelne Schnipsel anhört

    2012 Aufzeichnung aus Saint Etienne mit u.a. Laurent Campellone + Kate Aldrich und kann sogar Vergleiche anstellen zwischen Interpreten, wie hier mit

    ca.1905 Léon Escalaïs

    ca. 1910 Agustarello Affre

    ca. 1919 Edmond Clément

    ca. 2005 Rolando Villazon


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    Regiebuch (Sicherheitsrisiko wird angezeigt, kann aber bedenkenlos geöffnet werden)

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    Textbuch (Sicherheitsrisiko wird angezeigt, kann aber bedenkenlos geöffnet werden)

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    Aus der Reihe "Forgotten books" gibt es den Band "M A S S E N E T AND HIS OPERAS" von HENRY T. FINCK, 1910 im Handel für 35,- € oder hier als PDF kostenlos (Seite 196 ff über Le Mage (englisch)

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    Nachtrag zu Jules Massenet und seinen Werken für die Bühne (ohne Bühnenmusik für Schauspiele, Oratorien und Ballette). Der erste wirkliche Erfolg stellte sich erst zwanzig Jahre nach seinem Erstlingswerk (Esméralda, 1865) mit dem „Roi de Lahore“ 1877 ein. In der Besprechung der Aufnahme aus Saint-Etienne ist zwar zu lesen, dass es sich um Massenets achte Opernkomposition handelt, es handelt sich jedoch, wenn man verlorene und vernichtete Werke mitrechnet, um seine 17. Oper. Ich fand die folgenden 41 Kompositionen.


    Amadis, opéra légendaire (1891-1910) - UA posthum 1. April 1922, Monte-Carlo

    Ariane, opéra (1906) - UA 31. Oktober 1906, Paris

    Bacchus, opéra (1909) - UA 5. Mai 1909, Paris

    Bérangère et Anatole, Opérette (1876) - verschollen

    Cendrillon, conte de fées (1899) - UA 24. Mai 1899, Paris

    Chérubin, comédie chantée (1905) - UA 14. Febr. 1905, Monte Carlo

    Cléopâtre, opéra (1914) - UA posthum 23. Febr. 1914 Monte Carlo

    Don Cézar de Bazan, Opéra comique (1872) - aufgeführt, danach vernichtet

    Don Quichotte, comédie héroïque (1910) - 19. Febr. 1910 Monte Carlo

    Esclarmonde, opéra romanesque (1889) - UA 15. Mai 1889, Paris

    Esméralda, Opéra (1865) - nicht veröffentlicht, komponiert in der Villa Medici (Prix de Rome)

    Grisélidis, conte lyrique (1901) - UA 20. Nov. 1901, Paris

    Hérodiade, Opéra (1881) - UA Brüssel 19. Dezember 1881

    Kassya, (unvollendete Oper von Delibes, 1893) - fertiggestellt von Massenet

    La Coupe du roi de Thulé, Opéra (1867) - nicht aufgeführt, verschollen

    La Grand' Tante, Opéra comique (1867) - Massenets erste aufgeführte Oper

    La Navarraise, épisode lyrique (1894) - UA 20. Juni 1894 London

    L'Adorable Bel-Boul, Opérette (1874) - aufgeführt, vernichtet, rekonstruiert 2018

    Le Cid, Opéra (1885) - UA 30. November 1885, Paris

    Le Florentin, Opéra comique (1867) - verschollen

    Le Jongleur de Notre-Dame, miracle (1902) - UA 18. Februar 1902 Monte Carlo

    Le Mage, opéra (1891) - UA 16. März 1891, Paris

    Le Portrait de Manon, Opéra-comique (1894) - UA 8. Mai 1894 Paris

    Le Roi de Lahore, Opéra (1877) - UA 27. April 1877 Opéra Garnier

    L'Écureuil du déshonneur, Opérette (1858) - verschollen

    Les Deux Boursiers, Opérette (1859) - verschollen

    Les Girondins, drame lyrique (1881) - unvollendet, verschollen

    Les Templiers (1873) - unvollendet, verschollen

    Manfred, Opéra (1869) - unvollendet

    Manon, Opéra comique (1884) UA 19. Januar 1884 Paris

    Méduse, Opéra (1870) - unvollendet, (evtl in einer Privatsammlung)

    Montalte, drame lyrique (1883) - evtl. in Privatsammlung

    Noureddin (1865) - unvollendet, verschollen

    Panurge, « haulte farce musicale » (1913) - UA posthum 25. April 1913 Paris

    Robert de France, drame lyrique (1880) - verschollen

    Roma, opéra tragique (1912)

    Sapho, pièce lyrique (1897) - UA 27. November 1897 Paris; revid. 22. Januar 1909

    Thaïs, comédie lyrique (1894) - revidierte UA 13. April 1898, Paris

    Thérèse, drame musical (1907) - UA 7. Februar 1907, Monte Carlo

    Valéria, Opéra (1865) - unvollendet

    Werther, drame lyrique (1892) - UA deutsch 6. Februar 1892 Wien; franz. 16. Jan. 1893 Paris


    Die Anzahl der erwähnten Bühnenwerke von Jules Massenet in: Wikipedia (D) = 28; Petrucci Music Library (IMSLP) = 26; Wagner "Das Große Handbuch der Oper" = 25; Tamino Opernführer = 14; Reclam "Lexikon der Opernwelt" = 13; Renner "Das Wunderreich der Oper" = 1.


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    Alles Gute und einen Gruß von Orfeo

  • Interessieren unbekannte Opern überhaupt irgend jemanden? Es sieht sehr danach aus!:jubel:


    In den letzten 30 Monaten gab es nämlich 40.000 Aufrufe für diesen Thread mit seinen inzwischen etwas mehr als 90 Themen (was aber nur einen winzig kleinen Teil im Promillebereich der gesamten Opernliteratur ausmacht. Also weiter so!

    Alles Gute und einen Gruß von Orfeo


  • Zwei Opern von Richard Wagner, die nie existiert haben
    Die Hochzeit: Die Hochzeit, WWV 31 ist eine unvollendete Oper von Richard Wagner. Wagner schrieb das Libretto und begann im Herbst 1832 im Alter von 19 Jahren mit der Komposition, verwarf das Projekt jedoch und vernichtete das Manuskript.


    Jesus von Nazareth: Nur ein dichterischer Entwurf aus dem Jahre 1848 blieb von diesem Werk erhalten, der aber von Google-books digitalisiert wurde und hier frei zugänglich ist: https://archive.org/details/je…wagngoog/page/n4/mode/2up

    Alles Gute und einen Gruß von Orfeo