Russische Musik - unbeliebt?

  • Die grossen russischen Meister konnten ja nicht wissen welche Verbrecher später mal ihr Land regieren. Nein, denn sie selber hatten ja bereits unter ihrem damaligen Agressoren zu leiden ...


    Man könnte auch sagen, daß Rußland durch die Jahrhunderte vorzugsweise von Verbrechern regiert wurde. eine ausnahme macht hier Katharina die Große (die im Übrigen auch nicht immer zimperlich war) - aber das war eine Deutsche (Sophie Auguste Friederike von Anhalt-Zerbst)....


    wie ohnhin das musikalische Schaffen des Ostblockes im Westen ignoriert wurde

    nichts anderes behauptet - grob vereinfacht dieser Thread...


    und da frage ich mich schon, wie es etwa die DGG geschafft hat, Werke, die in der Tonart schiss-moll geschrieben wurden und gegen die das rallige Gejaule von Katzen ein akustisches Labsal ist, an den Mann zu bringen,

    Die haben das nicht an den Mann gebracht. Die haben Tantiemen bezahlt und dann wanderte das Zeug als Steuerabschreibposten auf dem Müll - wo es gut aufgehoben ist.:untertauch::hahahaha:


    mfg aus Wien

    Alfred


    Jeder, der versucht aus der großen Herde, die da heißt ›Gesellschaft‹, auszubrechen, ruft das Mißfallen der Herde hervor.

    Francesco Petrarca (1304-1374)


  • da ich eher klavieraffin bin, stellen die russischen Klavierkompositionen (Mussorgsky, Balakirev, Arensky, Tschaikowski, Scriabin, Medtner, Rachmaninow, Prokofiev, Strawinsky, Miaskovsky, Kabalevsky, Schostakowitsch) einen wesentlichen Pfeiler für mich dar.

    Lieber Siamak,


    da geht es mir ganz genauso! :) Das russische Repertoire wird ja auch vor allem von den Pianisten - und Dirigenten - popularisiert. Was Svjatoslav Richter, Emil Gilels, Vladimir Horowitz, Vladimir Ashkenazy, Yevgeny Kissin usw. usw. immer wieder auf das Programm setzen, das ist damit einem großen Publikum im Westen bekannt. Natürlich sind manche russische Komponisten weniger bekannt als andere. Anatol Liadow gehört dazu - das bekannteste Klavierstück von ihm ist die "Musikalische Spieldose". Es gibt aber auch französische oder deutsche Komponisten, die weniger bekannt sind. Das ist nicht spezifisch für die russische Musik. Zudem man bei den Komponisten insbesondere des 20. Jhd. erwähnen muss, dass Alfred Schnittke gerade auch im Westen der von den Aufführungsdaten her am meisten gespielte Komponist des 20. Jhd. war. Dazu kommen noch Sofia Gubaidulina (von Gidon Kremer gefördert) usw. Ich würde sogar umgekehrt sagen, die besten russischen Komponisten gehören zu den bekanntesten und beliebtesten überhaupt! :) :hello:


    Schöne Grüße

    Holger

  • Swiridows Tonfall empfinde ich persönlich als konservativer als jenen von Chrennikow, auch wenn letzterem genau dies stets nachgesagt wird. Überhaupt ist Swiridow für meine Begriffe ein absoluter Geheimtipp, der außerhalb Russlands indes nie so recht Bekanntheit erlangte, sich im Lande selbst aber nach wie vor erheblicher Popularität erfreut. Seine großartigsten Werke sind für mich das "Pathetische Oratorium" (1959) und das "Poem zum Gedenken an Sergej Jessenin" (1955/56). Unbedingt zu den Melodia-Produktionen unter Kondraschin bzw. Temirkanow greifen, die anderen erreichen die Wirkung nur ansatzweise. Beim Werbepartner ist derzeit nur das Poem greifbar.

    Ich habe die hier:

    Und erst einmal gehört - manches ist arg konservativ, aber ich glaube auch, dass er verglichen mit Chrennikow der bessere Komponist war.


    Ebenfalls in Russland sehr geschätzt mit konservativer Vokalmusik und bei uns eher unbekannt ist Schebalin:


    Wesentlich leichter tue ich mich ja mit den älteren frühen Modernen, die als "Skrjabinisten" oder "Futuristen" bezeichnet werden: Rosslawetz, Lourié, Mossolow, Wyschnegradsky, Golyscheff, Obuchow und Protopopow, oder Popow und Tscherepnin, wobei mir bei letzterem auch die Spätphase sehr zusagt. Und dann später bei Schtschedrin, Denissow, Gubaidulina und Schnittke.

  • Wesentlich leichter tue ich mich ja mit den älteren frühen Modernen, die als "Skrjabinisten" oder "Futuristen" bezeichnet werden: Rosslawetz, Lourié, Mossolow, Wyschnegradsky, Golyscheff, Obuchow und Protopopow, oder Popow und Tscherepnin, wobei mir bei letzterem auch die Spätphase sehr zusagt. Und dann später bei Schtschedrin, Denissow, Gubaidulina und Schnittke.

    Das sind auch die, die mir gut gefallen ....


    Kann es nicht einfach sein, dass die völlig stromlinienförmigen Komponisten doch etwas langweilig sind? Ich habe jetzt mal ein Saxophonkonzert von Eshpai gehört. Schlecht war das nicht, aber man fragt sich natürlich, wenn man Zeit für Musik hat, warum das in die erste Wahl fallen sollte......


    Schnittke ist natürlich durch den gewaltigen Einsatz von Kremer hier im Westen bekannt geworden. Denissow hatte keine solchen Fürsprecher und ist wahrscheinlich in Ost und West unbekannt ....:(


    Das einfach bloß Populäre könnte ja regional unterschiedlich sein. Das Überragende (wenn überhaupt) wird aber bei geeigneter Konstellation überall wahrgenommen ...


    Man denke nur an die vielen Engländer, die ich fast alle nicht kannte und die mir nur durch dieses Forum ein Begriff geworden sind .... Also Britten ist da kein Problem aber Edmond Rubbra, ist der hier beliebt? (Ich finde ihn sogar recht gut!)


    so mal etwas unreflektiert in die Luft gesprochen ...