Don Giovanni - Diskussionen zu Audio- und Videoeinspielungen

  • Dieser Thread verdankt sein Entstehen einer Themenabweichung im Jeffrey Tate Thread.
    Ich hätte dort gern weiter diskutiert, aber das hätte den Thread dann eigentlich zerstört.


    Begonnen hat es mit der Frage, ob die Salzburger Aufnahme von Mozarts "Don Giovanni" 1987 unter Karajan als gelungen oder mißglückt zu bezeichnen ist, und natürlich muß die jeweilige Einschätzung begründet werden. MSchenk hat dort einiges Interessantes geschrieben - ich werde aber dort aus den weiter oben erörterten Günden nicht antworten, sondern lade ihn ein seinen Text ein zweites mal einzufügen - oder - wenn dies passen zu meiner Einleitung erforderlich sein sollte - auch ein wenig zu modifizieren. Wir können dann an Hand von vorhandenen Video-aufzeichnungen und so es geeignet erscheint, auch von alten Tondokumenten über die ideale Umsetzung des Werkes nachdenken - und vor allem - zu schreiben.


    mit freundlichen Grüßen aus Wien
    Alfred

    Man merkt die Absicht und man ist verstimmt ......


  • MSchenk hat dort einiges Interessantes geschrieben - ich werde aber dort aus den weiter oben erörterten Günden nicht antworten, sondern lade ihn ein seinen Text ein zweites mal einzufügen - oder - wenn dies passen zu meiner Einleitung erforderlich sein sollte - auch ein wenig zu modifizieren.

    Gerne komme ich dieser Aufforderung nach, werde jedoch aufgrund fulminanter Müdigkeit ersteinmal nur die entsprechenden Beiträge "herüberretten". Begonnen hat es mit einer zugegeben etwas lapidaren Bemerkung:



    Unter anderen sorgte Tate m.W. für die Cembalo-Begleitung in Karajans etwas verunglücktem Don Giovanni:



    Die prompte Nachfrage, in diesem Fall von Theophilus, war fast vorprogrammiert und musste natürlich beantwortet werden:



    Eigentlich neige ich sogar dazu, zu behaupten, es sei ein guter Don Giovanni ... allerdings kam er ein bis zwei Jahrzehnte zu spät. - Aber von Anfang an: Ich habe mir diese Einspielung damals kurz nach Erscheinen (für einen echten Batzen Geldes) gekauft. Das war zu einer Zeit, wo eine solche Produktion nicht nur auf CD, sondern gleichzeitig auch noch auf LP und sogar MC erschien. Weiter kann ich mich an einen für den Klassik-Bereich massiven "Werbefeldzug" erinnern: Plakate, Aufsteller etc.; ein Aufwand, der heute kaum noch betrieben wird. Meinem Gefühl nach eine der letzten (Studio-)Produktionen der DGG, für die nochmal richtig Kohle in die Hand genommen wurde. Und natürlich kann sich das Ergebnis sehen lassen! - Die Besetzung dürfte einer der besten gewesen sein, die damals zu bekommen war. Die musikalische Leistung eigentlich durchweg gut bis sehr gut! Einem Vergleich z.B. mit Giulinis Don Giovanni kann Karajan durchaus standhalten.


    Wo ist also das Problem?


    Das Problem ist, dass Mozart eben nicht Verdi ist. Diese Einspielung ist m.E. in ihrer musikalischen Sattheit und Größe ein Anachronismus, der sich mit der aufkommenden historischen bzw. historisch informierten Aufführungspraxis messen lassen musste; vielleicht ungerecht, aber wohl unvermeidlich. Und so war der Erfolg (im Verhältnis zum Aufwand) damals eher bescheiden; erst jetzt fast 30 Jahre später scheint mir die Haltung gegenüber diesem letzten übergroßen Don Giovanni wieder offener zu werden.


    Und jetzt heißt es für mich wohl, die kommenden 1.Maifeiertag zu nutzen um seit längerer Zeit einmal wieder in die fragliche Aufnahmen hineinhören ;)

    mfG Michael


    Eine Meinungsäußerung ist noch kein Diskurs, eine Behauptung noch kein Argument und ein Argument noch kein Beweis.

  • Da kenne ich wohl ein Dutzend "schlechtere" Aufnahmen. Dass Karajan den Giovanni daramatischer sieht als viele seiner Kollegen, ist ihm doch wohl nicht vorzuwerfen!

    Arrestati, sei bello! - (Verweile, Augenblick, du bist so schön!)

  • Dass Karajan den Giovanni daramatischer sieht als viele seiner Kollegen, ist ihm doch wohl nicht vorzuwerfen!

    Ich bin mir nicht bewusst, H.v. Karajan etwas vorgeworfen zu haben!? - Nichtsdestotrotz ist der [Don Giovanni[/i] nicht nur Drama, sondern bekanntlich auch giocoso :hahahaha:

    mfG Michael


    Eine Meinungsäußerung ist noch kein Diskurs, eine Behauptung noch kein Argument und ein Argument noch kein Beweis.

  • Ich bin mir nicht bewusst, H.v. Karajan etwas vorgeworfen zu haben!? - Nichtsdestotrotz ist der [Don Giovanni[/i] nicht nur Drama, sondern bekanntlich auch giocoso :hahahaha:

    Ich habe nicht gesagt, daß du Karajan etwas vorgeworfen hast - das war jemand anderer. Ich finde auch nicht, daß die giocoso-Szenen in dieser Einspielung zu wenig Humor haben.

    Arrestati, sei bello! - (Verweile, Augenblick, du bist so schön!)

  • Dann, lieber Milletre, verbuchen wir es unter Missverständnis :hello:

    mfG Michael


    Eine Meinungsäußerung ist noch kein Diskurs, eine Behauptung noch kein Argument und ein Argument noch kein Beweis.

  • Und jetzt heißt es für mich wohl, die kommenden 1.Maifeiertag zu nutzen um seit längerer Zeit einmal wieder in die fragliche Aufnahmen hineinhören

    Und wenn Du Zeit und Lust hast, dann bitte lass uns doch teilhaben an Deinen neu gewonnen Eindrücken, lieber Michael. Ich habe diese Aufnahme nicht mehr in meiner Sammlung, weil sie mich seinerzeit auch nicht tief genug beeindruckt hat. Andererseits wissen wir doch alle aus eigener Erfahrung, dass Hörerlebnisse nicht immer Bestand haben, sie wandeln sich. Ich erinnere mich an eine TV-Dokumentation über den späten Karajan. Nach dem DON DIOVANNI (war es nun der, der auf diese Plattenproduktion folgte???) wurde er in seiner Garderobe von Besuchern mit Lob überschüttet. Darauf Karajan sehr lakonisch: Na so gut sei es nun auch wieder nicht gewesen. Mich hat diese Äußerung sehr berührt, fand sie sehr professionell und menschlich zugleich. Ich habe sie nicht vergessen. Sie sagt allerdings noch nichts über die Bedeutung der hier diskutierten Aufnahme aus.


    Nach meinem Eindruck hat Karl Böhm seinen Salzburger Giovanni von 1977, den es als DG-Mitschnitt offiziell gibt, gar noch dramatischer und wuchtiger angegangen als Karajan. Der Beginn ist fast schon furchteinflößend. Zunächst hat mir das sehr zugesagt. Später bin ich davon abgerückt.


    Gruß Rheingold

    Es grüßt Rheingold1876


    "Was mir vorschwebte, waren Schallplatten, an deren hohem Standard öffentliche Aufführungen und zukünftige Künstler gemessen würden." Walter Legge (1906-1979), britischer Musikproduzent