Alexander Glasunow: Sinfonie Nr 2 in fis-moll op 16

  • Vier Jahre nach Fertigstellung der ersten Sinfonie, also 1886 komponierte Glasunow die zweite. Sie ist dem Gedenkan an Franz Liszt gewidmet, der am 31. Juli desselben Jahres in Bayreuth verstorben war und wurde am 5. November 1886 in St- Petersburg uraufgeführt. Stellenweise ein wenig strahlend bombastisch, ist die Sinfonie technisch wunderbar gearbeitet und auch sehr wirkungsvoll orchestriert.Man beachte die Gestaltung der Bläserstellen. Gelegentlich wurde Glasunows makellose Kompositionstechnik auch als Makel gesehen, die Technik überwiege - trotz Klangschönheit und raffinierte Orchestrierung - der "Tiefgang" bliebe auf der Strecke. Zu Lebzeiten Glasunows waren solche Einwände unbedeutend, zu groß war der Ruhm des Komponisten. Aber nach seinem Tod fielen die meisten Werke dem Vergessen anheim. Ein Konzertführer aus wien (1978) glaubt in einem auffälligen Eklektizismus die Ursache dafür festmachen zu können. (Man versteht darunter die Verwendung von verschiedenen Stilelementen verschiedner Epochen oder Stilrichtungen, welche miteinander neu kombiniert werden, sodaß so etwas wie ein "neuer Sti" entsteht, eine Technik, die oftmals als minderwertig angefeindet wurde, vielleicht auch deshalb, weil hier oft angenehmere Konstrukte entstanden, als dies mit neuen, avantgardistischen Kompositionen möglich war....

    mfg aus Wien
    Alfred


    TAMRUSINFO

  • Weil mir die Erste so gefallen hat, habe ich mich kurz entschlossen auch gleich der Zweiten gewidmet. Als Aufnahme diente wiederum die hochgelobte Einspielung des Staatlichen Symphonieorchesters der Sowjetunion unter Jewgeni Swetlanow (aufgenommen 1989).


    Den ernsten Anlass der in der seltenen Tonart fis-Moll gehaltenen Symphonie — sie wurde dem Gedenken an den kürzlich verstorbenen Franz Liszt, einen Bewunderer des noch blutjungen Glasunow, gewidmet — meint man bereits in den ersten Takten zu hören: sehr feierlich und majestätisch beginnt es. Kurz darauf wird der Kopfsatz (14:29) dann doch lebhafter (Allegro), er entpuppt sich also nicht als Trauermarsch. Glanzvolle Blechbläserpassagen zeugen von der Meisterschaft des Komponisten. Regelrecht pompös klingt der Satz aus. Das sich anschließende Andante (13:16) fungiert als langsamer Satz und als Kontrast zugleich. Es hat einen versöhnlichen, in sich gekehrten Charakter und ist von geradezu bezwingender Schönheit. Im Verlaufe des Satzes entfaltet sich wiederum süffige orchestrale Pracht, wenn auch in gänzlich anderer Weise als im ersten Satz. Der scherzoartige dritte Satz, der kürzeste des Werks (7:20), ist von Feurigkeit gekennzeichnet und wieder deutlich mehr dem Diesseits verhaftet. Das Finale (12:36) schließlich beginnt ganz unscheinbar, überhaupt nicht effekthaschend. Freilich wandelt sich das schon sehr bald, es wird kurzzeitig wieder der Tonfall des Kopfsatzes angeschlagen, allerdings wieder abgelöst durch gemäßigtere Töne. Gegen Ende wird es wieder heroisch, das Blechbläseraufgebot kommt wiederum auf seine Kosten. In den letzten Sekunden bietet Glasunow nochmal alles auf. Grandios!