Felix Draeseke - Die Kammermusik

  • Von Felix Draeseke wird hier im Forum bisher fast ausschließlich im Zusammenhang mit seinen vier Symphonien gesprochen. Aber natürlich hat er auch jede Menge Kammermusik komponiert. Das Erscheinen gleich zweier Kammermusik CDs nehme ich mal zum Anlaß, einen eigenen Thread zu eröffnen, den ich und hoffentlich andere Taminos dann mit Inhalt füllen sollten. Beiden CDs gemeinsam ist eine Aufnahme des Quintetts für Horn, Klavier und Streichtrio, das bereits vor einigen Jahren eingespielt wurde und bei dem es sich - glaubt man den Kritiken - um eines der besten Werke des Komponisten handelt. Das werde ich zeitnah überprüfen.


  • Hallo Lutz und danke dir für diese Themeneröffnung.


    Die CPO-CD wird über kurz oder lang sicher den Weg in meinen Warenkorb finden. :)


    Viele Grüße
    Frank

  • Das Klavierquintett für diese etwas ungewöhnliche Kombination entstand 1888. Nach einem unsteten und von vielen Misslichkeiten begleiteten Leben war Draeseke in Dresden ansässig geworden und durfte 1884 eine Kompositionsklasse am dortigen Konservatorium übernehmen. Langsam stellten sich auch für den Komponisten Erfolge eine, so dass die positive Ausstrahlung des Werkes verständlich ist. Im Booklettext steht, dass Draeseke ursprünglich ein Hornquartett schreiben wollte, davon ist hier aber nichts zu hören. Das Klavier dominiert eindeutig und das Horn spielt meist parallel zu den Begleitstimmen und fügt hie und da einige Farbtupfer hinzu. Ob das Werke aufgeführt ohne Horn wesentliche Verluste zu verzeichnen hätte, wage ich zu bezweifeln. Mit 37'25 ist es ein umfangreiches Kammermusikwerk und es schaut stilistisch eher zurück als nach vorne. Insofern passt es recht gut zum fast 50 Jahre älteren "Discmate". Es wäre sicher übertrieben zu behaupten, dass Draeseke's Werk auf der Höhe von Schumanns Geniestreich komponiert sei, das ist mitnichten der Fall, aber es ist dennoch ein streckenweise sehr interessantes und hörenswertes Werk, das in einer gepflegten Kammermusiksammlung durchaus einen Platz haben kann.


    Die Aufnahme von 1988 zeigt, dass MDG schon zu dieser Zeit die Digitaltechnik im Griff hatte, ein warmer aber transparenter Klang zeichnet die Aufnahme aus. Über das Mozart Klavierquartett (Klaus Schilde, Karsten Heymann, Jean Rieber, Ulrich Bode, nicht zu verwechseln mit dem Mozart Piano Quartet) finde ich wenig Informationen, die drei Streicher hatten erste Plätze in Münchener Orchestern inne. Der Hornist Gottried Langenstein hat in den 70er Jahren an exponierter Stelle geblasen, nämlich als erster Hornist in Bayreuth.

  • cpo kündigt eine Neueinspielung der 3 Streichquartette von Felix Draeseke an, fälschlicherweise mit folgendem Satz: "...kommt es auch erstmalig zur Gesamtaufnahme sämtlicher Streichquartette von Felix Draeseke". Von erstmalig kann keine Rede sein, das sollten die GMHler auch wissen, da sie eine der beiden CDs der schon schon vorhandenen GA mit dem Hölderlin Quartett im Programm führen. Nichtsdestotrotz ist es natürlich erfreulich, dass jetzt eine zweite Aufnahme der Quartette auf den Markt kommt. Nach wie vor dümpeln die Werke von Draeseke nur am äußersten Rande des Repertoires entlang. Vielleicht bessert sich die Situation mit dieser CD etwas.



    Für die Aufnahme verpflichtet wurde erstmalig das in Salzburg beheimatete aber international besetzte Constanze Quartett, das sich vermutlich nach der Gattin des lokalen Wunderkindes benannt hat. Es ist m.W. die erste CD dieser reinen Damen-Formation.


    Opera-Instantánea_2018-11-27_031607_www.instagram.com_.png

  • Felix Draeseke: Streichquintett op77


    Ein Komponistenkollege Draesekes - ich habe vergessen WER - soll einst über ihn oder zu ihm gesagt haben, er würde stets repektiert, kaum aber je geliebt werden.

    Ich finde das tritfft es recht gut. In einem anderen Booklet wird das problematische Verhältnis Dreasekes zu seinen zeitgenössischen Kompinistenkollegen behandelt.

    Ich habe mir gestern - durch Lutgras neuen Beitrag zu diesem Threa das Streichqintett op, 77 aus der in meinem Besitz befindlichen - bis dato aber noch ungehörten CD angehört. Der Beginn hatte mich nicht gerade begeistert: Ein dunkles, sprödes Werk ohne Liebreit, mit gelegentlichen schrillen Attacken. Mein erstes Urteil war: Spröde und eigensinnig.

    Mit beginn des zweiten Satze änderte sich meine Einstellung schlagartig, Fast hüpfend, tänzelnd beginnt dieser, und die Pizzicato - Klänge haben dem Werk einen zusätzlichen Bonuns bei mir beschert. Mein Urteil änderte sich in positive Richtung; aus "eigensinnig" wurde "Individuell", bzw "originell"

    Und nun war ich schon "angefixt" und hörte das Qintett mit Gewinn zu Ende

    Hier, die Satzbezeichungen m welche - was nicht bei allen Kompositionen der Fall ist - IMO sehr gut die Stummung des jeweiligen Datzes beschreiben,

    Ich musste fast lachen, als ich den ersten Satz als finster und ungefällig eisstufte, dem 2. Lebensfreude attestierte, als ich (im nachhinein !!) nachgelesen habe;


    1) langsam und düster

    2) Scherzo Sehr schnell und prickelnd

    3) Langsam und getragen

    4) Finale Langsam und düster - Rasch und feurig


    mfg aus Wien

    Alfred

    Ich bitte alle Mitglieder, die über 25 Beiträge verfasst haben und noch keinen AVATAR besitzen

    sich im Thread Baustelle Avatarpool neu einen auszusuchen und am Threadende (gaaaanz weit untenI zu bestellen

  • Die Quintette habe und kenne ich noch nicht. Das Bild passt übrigens nicht, Du hast vermutlich diese CD gehört:


  • Anlässlich der Neuaufnahme der Streichquartette von Felix Draeseke auf cpo habe ich die schon 12 Jahre alte Ersteinspielung der ersten beiden Quartette durch das Hölderlin Quartett hervorgekramt. Bei der cpo Aufnahme handelt es sich also nicht - wie angekündigt - um eine erste GA, es sei denn man hat irgendwo das verschollene Quartett aus Studienzeiten wieder gefunden und mit eingespielt.

    Alle drei nummerierten Quartette stehen in Molltonarten und die ersten beiden würde ich als melancholisch angehauchte, überwiegend lyrische Werke ansehen. Im Booklet werden sie als "klassizistisch" charakterisiert und ihre Nähe zu den Werken von Beethoven betont. Das erschliesst sich mir nicht unbedingt. Natürlich sind es Werke in der Nachfolge von Beethoven, Schubert und Mendelssohn, aber doch sehr eigenständige Beiträge. An den Zeitgenossen Brahms erinnern sie übrigens gar nicht.

    Das Hölderlin Quartett - das sind Rebecca Martin, Christian Friedrich, Andres Mehne und Teemu Myöhänen - hatte offensichtlich nur eine kurze Lebensdauer Mitte der 2000er Jahre, ob es neben den beiden Draeseke CDs weitere gibt, weiss ich nicht. Die seinerzeit jungen Musiker sind nach wie vor aktiv in verschiedenen Orchestern und Kammermusikensembles, am prominentesten wohl der finnische Cellist, der inzwischen beim renommierten Asasello Quartett das Fundament legt.

    Die Spiel der jungen Musiker ist ansprechend, wenn auch sicher noch ein wenig Luft nach oben wäre. Ob die Neuaufnahme durch das Constanze Quartett (ihre Debut CD) die Latte etwas höher legt, bleibt abzuwarten. Mal sehen, was die ersten Kritiken sagen. Fürs erste bin ich mit der vorliegenden CD zufrieden.