Vladimir Horowitz, Unveröffentlichte Life- Mitschnitte 1966 bis 1983, SONY Kassette (50 CDs)

  • Mir ist nichts bekannt über die Verkaufszahlen dieser Riesenkassette, jedenfalls scheint Sony mit diesen CDs bei einigen Hörern und Fans immer noch gut anzukommen. Eine ganze Reihe wichtiger Stücke sind mehrfach aufgenommen bzw. auf die CDs gebrannt.
    Gerade das interessiert mich als Klavierspieler sehr !

    Als ich zum ersten Male von dieser Kassette gehört hatte, war mein spontaner Gedanke: am besten du wartest noch, bevor du diese CDs mit allen möglichen Mängeln zulasten des Künstlers, des Flügels, der Aufnahmetechnik, der Archivierung und und und... in die eigene Tonträgersammlung aufnimmst. Das kann schockierend werden ! Ich habe mir dann klar gemacht, dass ich mehrere Dutzend LPs und CDs mit Horri (wie meine Frau zu sagen pflegt), alle öfter oder richtig oft gehört habe, darunter absolute Sternstunden der Klavierkunst, umgeben von vielen, vielen Beispielen toller Interpretationen..


    Ich habe zwar sein Grab noch nicht besucht, aber Fan von ihm war ich, bin ich und werde ich immer sein... :yes:


    Auf der Suche nach den passenden Versionen des Schumann`schen Carnavals op. 9 habe ich das Konzert vom 24.April 1983 (H. war damals 79 Jahre alt) in der Boston Symphony Hall 20:30 Uhr herausgesucht. Take 1 ist der Eröffnungsapplaus, Take 2 die Beethoven- Sonate A- Dur, op. 101 (meine liebste), Take 3 bis 26 der Carnaval. Abgesehen davon, dass ab Take 15 plötzlich der anfangs wirklich sehr gute Flügelklang nun ganz entfernt klingt (Ausfall Nahmikrofon ?) und klirrt bei höherer Lautstärke, was bis zum Schluss hin - oh Wunder - sich wieder bessert, ist die Qualität des H.`schen Spiels sowohl bei Beethoven als auch beim Carnaval ganz grauenvoll, leider ! Er greift sehr oft daneben, schlägt mit einem Finger zwei benachbarte Tasten gleichzeitig an, verschluckt und vergisst ganze (kleine) Abfolgen. Kaum ein Takt ist dann fehlerfrei. Plötzlich kommen sekundenlange rasende Sechzehntel- Passagen, die er wieder wie ein junger Gott spielt, bis zum nächsten kleinen (oder grösseren) Fiasko. Verrückt, dass das Zeitmass der Abfolgen insgesamt meistens trotzdem stimmt und die Pausen dazu. Auch stimmt die Gesamt- Range der Lautstärke. Rätselhaft, dass die musikalische Aussage, in Taktgruppen oderMelodielinien gemessen, ebenfalls "irgendwie" erhalten bleibt.
    Die ohnehin lyrisch- abstrakt sich entwickelnde A- Dur- Sonate Beethovens weist so auf prä- atonale Werke der Postmoderne hin: wunderbar-grotesk - der Leser möchte mir die Bezeichnung einfach mal gönnen !
    Beim Carnaval op. 9 empfindet man das Phantastische, Wilde, Märchen- und Spukhafte dieser Komposition noch mehr als bei völlig stimmiger Wiedergabe, was den Pianisten zu jedweden Kapriolen sowohl verleitet als auch auffordert (ein Teil unserer Gesellschaft und zwar der, der leider draussen bleibt, würde sagen belastbar und aussagekräftig ist diese Komposition :wacko: ).


    Anfangs befürchtete ich, dass bei manchen Stellen alles zusammenbricht und gar nichts mehr weitergeht, dann konnte ich mich etwas entspannen, in der Gewissheit, dass es immer weitergehe.


    Aber für meinen Beitrag zu den Carnaval- Interpretationen ist das noch längst nicht alles. Z.Zt. mach` ich mir Gedanken um die Rachmaninow- Interpretation des Carnavals..., dann weiter im Carnaval- Thread.


    MlG
    D.

  • Bitte an den Mod, das Post evtl. passend zu verschieben.
    Beim Weg über das "Themenverzeichnis" --> "Pianisten" --> gelang es mir nicht, in "Horowitz" hineinzukommen. Danke.

  • Hallo Damiro,


    ja, die Aufnahme ist extrem, im Positiven wie im Negativen. Keiner spielt ARLEQUIN sehr aufrührend, das allein entschädigt mich für alle Fehlgriffe.


    Es gibt in der Box noch einen zweiten Mitschnitt aus NY (May 15, 1983, New York, Metropolitan Opera), der ist von der Anlage her ähnlich, aber Horowitz macht an diesem Tag weniger Fehler, ohne freilich auf dem Niveau zu spielen, das man sonst von ihm kennt.


    Das Stück scheint er nicht besonders intensiv geübt zu haben - er nahm es dann auch wieder schnell runter von seinem Programm.


    Viele Grüße
    Christian

  • Das Stück scheint er nicht besonders intensiv geübt zu haben - er nahm es dann auch wieder schnell runter von seinem Programm.

    Genau, lieber Christian! :) Horowitz sagte mal scherzhaft: "Ich übe im Konzertsaal!" Nur das geht beim "Carnaval" eben nicht. Da muss selbst ein Horowitz "nachsitzen" und zuhause fleißig üben. Eine kleine Selbsttäuschung... :D


    Schöne Grüße
    Holger

  • Eine Sensation! Die Box enthält vier unveröffentlichte private Klavierabende, die Horowitz vor seinem berühmten Comeback-Konzert in privatem Umfeld gehalten hat!


  • Lieber Christian,


    ist das die Neuauflage de Box, die es schon länger gibt nur mit ein paar "Zugaben"? Die vermarkten ihn aber ganz schön. Mir waren - zu dem doch etwas gehobenen Preis - bei der letzten Box schon zu viele Wiederholungen drin mit identischem Programm. :hello:


    Schöne Grüße

    Holger

  • Nein! 4 CDs werden hier erstveröffentlicht. Enthalten sind erstmals vier Abende, die Horowitz vor dem Comeback-Konzert im privaten Kreis gegeben hat. Die Vorbereitung sozusagen. Finde das sehr spannend..

  • Nein! 4 CDs werden hier erstveröffentlicht. Enthalten sind erstmals vier Abende, die Horowitz vor dem Comeback-Konzert im privaten Kreis gegeben hat. Die Vorbereitung sozusagen. Finde das sehr spannend..

    Bei jpc sieht es aber so aus, lieber Christian, dass das alles eigentlich nur die unveröffentlichten Proben (mit privatem Publikum freilich) in der Carnegie Hall zu den Konzerten 1965 und 1966 sind (inclusive einer unveröffentlichten Aufnahmesitzung im Studio und einem Interview) - also keine zusätzlichen Konzerte. Wenn man die als "Konzerte" vermarktet, klingt das natürlich nach mehr. Das finde ich natürlich auch spannend - nur dafür ist der Preis ein bisschen happig. Sie lassen sich den Namen Horowitz ganz schön bezahlen!


    Der Thread-Titel ist zudem mit Blick auf diese neu veröffentlichte Box irreführend: Die Box enthält nicht 50, sondern nur 15 CDs!!!! (Wobei ich vermute, dass etliche davon die 60 Minuten bei weitem nicht erreichen werden.)



    Schöne Grüße

    Holger

  • Der Thread-Titel ist zudem mit Blick auf diese neu veröffentlichte Box irreführend: Die Box enthält nicht 50, sondern nur 15 CDs!!!! (Wobei ich vermute, dass etliche davon die 60 Minuten bei weitem nicht erreichen werden.)



    Schöne Grüße


    Stimmt, ich habe nur keinen anderen halbwegs aktuellen Horowitz-Thread gefunden ;)


    Viele Grüße

    Christian

  • Ich stelle soeben fest, dass ich nur die einzelen veröffentlichten Proben für des berühmte Horowitz-Comeback-Konzert am 9.5.1965 besitze (es gibst diese Probenmitschnitte auch auf Spotify), nicht jedoch die in der 15-CD Box (Abbildung Beitrag #9) enthaltenen Proben für das Konzert am 17.4.1966. Einer Besprechung zufolge ( https://crescendo.de/das-comeback-1000035746/ ) sind die Proben für das Konzert am 17.4.1966 sehr interessant: "Das betrifft vor allem Mozarts A‑Dur-Sonate KV 331, die bei der Probe am 5. April 1966 schlicht vollendet klingt in jeder Hinsicht, oder feine Scarlatti-Mirakel. Mit Blick auf den großen Saal und die Entfernung zum Hörer werden sie später klanglich und in den dynamischen Kontrasten größer dimensioniert und verlieren so den Zauber des Unmittelbaren und Privaten." (aus der verlinkten Crescendo-Besprechung)


    Kann hier jemand weiterhelfe und Näheres berichten?


    Herzliche Grüße

    Christian

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  • Lieber Christian,


    leider nein! Ich fand den Preis der Box mit x-mal demselben Programm einfach total überteuert (anders ausgedrückt: das ist Abzocke unter Ausnutzung des Namens Horowitz) und habe sie mir deshalb nicht gekauft. Schade! Ansonsten hätte ich sie auch gerne gehabt. Was da in der Kritik steht, wird bestimmt zutreffen. Davon gehe ich aus!


    Liebe Grüße

    Holger

  • Ich war ein paar Tage in den Bergen und habe die Beiträge im Thread erst Do. abend, also gestern , gelesen.


    Sofern nicht schon aufgeklärt, kann ich zumindest ein kleines bisschen helfen.

    Die im Titel des Threads genannte Box hat tatsächlich 50 CDs und hat interessanterweise aber das physikal. Format einer LP- Box Die Aufnahmen dort beginnen frühestens mit Aufnahmedaten ab 1966. Ab Post # 8 hat man aber auch von Aufnahmen von vor dem 9.5.1965 gesprochen, wofür Holger dann die Box mit den 15 CDs verlinkt hat, welche ich leider nicht besitze, und also keinen inhaltlichen Beitrag zu deren Inhalt zu leisten vermag. ;(;)

  • Ich war ein paar Tage in den Bergen und habe die Beiträge im Thread erst Do. abend, also gestern , gelesen.


    Sofern nicht schon aufgeklärt, kann ich zumindest ein kleines bisschen helfen.

    Die im Titel des Threads genannte Box hat tatsächlich 50 CDs und hat interessanterweise aber das physikal. Format einer LP- Box Die Aufnahmen dort beginnen frühestens mit Aufnahmedaten ab 1966. Ab Post # 8 hat man aber auch von Aufnahmen von vor dem 9.5.1965 gesprochen, wofür Holger dann die Box mit den 15 CDs verlinkt hat, welche ich leider nicht besitze, und also keinen inhaltlichen Beitrag zu deren Inhalt zu leisten vermag. ;(;)

    ja genau, gut zusammengefasst! Liebe Grüße, Christian