Offenbach: Oyayaye ou la reine des isles

  • Liebe Musikfreunde,


    aufgepasst! Gestern lief die extrem seltene Offenbach-Partitur Oyayaye oder die Königin der Inseln - der WDR 3 strahlt das Konzert mit einigen anderen bekannten und unbekannten Stücken am 11. Januar am 20 Uhr aus!


    Oyayaye oder Die Königin der Inseln,

    Menschenfresserei in einem Akt, Deutsche Erstaufführung, Uraufführung

    der rekonstruierten Fassung von Jean-Christophe Keck


    Nach dem herrlichen Barkouf, der lange in Vergessenheit schlummerte (ich berichtete) ein weiterer Paukenschlag! Operettenfreunde, an die Radioempfänger, programmiert, timet, nehmet auf! ;)

  • Ja, diese Arie war auch mein Favorit! Wie fandest Du es ansonsten?


    Zuerst war ich etwas "erschlagen" von dem vielen Klamauk -gut, man hätte es auch noch sehen statt nur hören müssen-, jedenfalls war ich schon etwas überrascht durch dieses Zusammenspiel von "Tröten" und Orchester; andererseits ist dies ja genau die Art von Schabernack, die Offenbach geliebt hat, auch die Instrumentenimitationen durch die menschliche Stimme (wie etwa beim "M. Choufleuri"), die Tierstimmen-Imitation ("L'île de Tulipatan") etc. legen davon ja Zeugnis ab, jedoch hat sich beim mehrfachen Anhören auch darüberhinaus schon sehr viel Schönes aus dieser Partitur ergeben, die Jean-Christophe Keck sehr einfühlsam instrumentiert hat.

    Auch den Rest des Konzertes fand ich toll, zum Beispiel das Cello-Konzert wurde ganz phantastisch gespielt, mit großem, schwelgendem, romantischen Ton, der nie aufgesetzt oder deplaziert oder gar kitschig war; auch der Walzer aus Barkouf war sehr schön (ich habe Barkouf ja ganz in Straßburg gesehen) und lässt auf die Aufnahme des WDR gegen Ende des Jahres hoffen, wenn die Oper auch in Deutschland läuft.

    Das einzige, was ich gruselig, ja unterirdisch fand, war die Verwurstung der John-Styx-Arie durch diese Dame; scheinbar ist es ja üblich, dass die Kölner Kabarett-Szene jedes Jahr anhand dieser Arie mit verändertem Text die Politik durch den Kakao zieht; ungeachtet dessen fand ich es sehr lahm, uninspiriert und musikalisch nicht der Rede wert.

    Aber ansonsten eine prachtvolle Offenbachiade - hoffentlich gibt es in diesem Jubiläumsjahr noch mehr davon!

  • Zuerst war ich etwas "erschlagen" von dem vielen Klamauk -gut, man hätte es auch noch sehen statt nur hören müssen-...

    Dieses kleine Stück entstand noch bevor Offenbach sein eigenes Theater eröffnete und wurde 1855 im Theater Folies-Nouvelles, dem Theater seines Vorgängers Hervé 1855 uraufgeführt. Hervé selbst übernahm die Rolle der Oyayaye– also damals schon ein Mann in der Frauenrolle. Diese Groteske, wie man den Klamauk auch bezeichnend könnte, passte genau zu der Art Stücke, die Hervé in seinem Theater aufführte und sollte auch ein Markenzeichen für Offenbachs zukünftige Einakter werden, die er dann in seinem eigenen Theater aufgeführt hatte.  Ein weiteres Beispiel für solche Grotesken ist das auch hier im Forum schon besprochene Stück Ba-ta-clan. Allerdings gab es auch eher biedere oder romantische Stücke wie etwa „Die Verlobung bei der Laterne.“


    Den Rest des Konzerts habe ich mir, mit Ausnahme der Ouvertüre zur den Rheinnixen noch nicht angehört. Von der war ich etwas enttäuscht; sie enthält ja nur die bekannte Barkarole, die er in Hoffmanns Erzählungen wieder verwendete, ein kurzes Zwischenspiel und dann wieder die Barkarole. Eine typisch kurze Offenbach Ouvertüre also; er selbst stand ja auf dem Standpunkt, Ouvertüren seien nur Zeitverschwendung. (Die berühmte Orpheus-Ouvertüre hat ja der Wiener Karl Binder erstellt). Hier stand er ganz im Gegensatz zu einem seiner Nachahmer, Franz von Suppé.


    :)Uwe

  • Lieber Uwe,


    danke für Deine Erläuterungen, insbesondere zu Hervé und der Groteske. Ich höre immer wieder mal das kurze Werk, und es gefällt mir zunehmend besser.

    Auch der Rest des Konzertes ist toll, höre Dir vor allem mal die "Scene espagnole op. 22" an, die finde ich toll gespielt, und der (leider kurze) Walzer aus Barkouf ist eine echte Rarität.


    Liebe Grüße