Don Carlos (Verdi), Duisburg, Mercator Halle, 17.05.2019

  • Aufgrund eines Wasserschadens im Opernhaus war die Don Carlos-Aufführung (konzertant bzw. halbszenisch) in den Philharmoniesaal der Mercator Halle verlegt worden. Der große Saal war nur etwa halbgefüllt, vielleicht hallte es deshalb so, was die Beurteilung der Stimmen erschwerte. Alles war recht laut, sowohl die Sänger als auch der Chor und das Orchester. Beim Autodafe versumpfte der Klang geradezu. Um gleich den Höhepunkt vorweg zu nehmen, Hans-Peter König war von Statur und Stimme her ein überwältigender Großinquisitor, meine Frau meinte, seit Kurt Moll hätten wir keinen so hervorragenden Sänger in dieser Rolle gehört. Hans-Peter König ließ die genannten akustischen Einschränkungen völlig vergessen. Was bei dem Ensemble insgesamt auffiel, war das bei allen Solostimmen allenfalls gering ausgeprägte Vibrato, besonders bei den Männern, aber auch den beiden Sängerinnen. Eduardo Aladrens Tenor (Carlos) neigte, vor allem anfangs zu machen Schluchzern, abgesehen davon sang er schönstimmig und mit überzeugender Höhe. Ihn würde ich gern noch einmal unter anderen akustischen Bedingungen in einem richtigen Opernsaal hören wollen. Bogdan Talos (Filippo) und Bogdan Bacio (Posa) überzeugten stimmlich ebenfalls, genauso wie Sarah Ferede als Eboli. Olesya Golovnea (Elisabetta)klang mir noch zu sehr wie eine Lucia, die sie, wie dem Programmheft zu entnehmen war, wohl bisher öfter gesungen hat. Sie verfügte über eine schöne Höhe, ohne die Stimme allerdings in der Mittellage bereits breiter öffnen und mit überzeugendem Klang füllen zu können. Vielleicht ist die Elisabetta noch zu früh für sie. Ganz überrascht waren wir, über welch mächtigen Bass bereits Beniamin Pop als Mönch verfügte. Er hat ja nur zwei kurze Auftritte, ganz am Anfang der Oper hinter dem Orchester stehend überstrahlte er dieses mit seiner Stimme, bei seinen letzten Worten am Ende der Oper sang er vom Seitenrang aus, ebenfalls beeindruckend. Auch die Stimme vom Himmel (Lisa Griffith) war schön anzuhören. Die musikalische Leitung der Duisburger Philharmoniker hatte Nicholas Carter. Es war ein schöner Abend, der nachvollziehen lässt, warum Tamino-Mitglied Rodolfo immer so begeistert von den Aufführungen der Deutschen Oper am Rhein berichtet.

    Oper lebt von den Stimmen, Stimmenbeurteilung bleibt subjektiv

  • Lieber Ralf,

    es freut mich, daß ihr einen schönen Opern Abend gehabt habt, Da ich Probleme mit der Bandscheibe habe und kaum laufen und sitzen kann , konnte ich leider die Don Carlo Aufführung am 10 Mai nicht sehen und hab meine Karte verkauft. War die Aufführung den wenigstens gut besucht ?

  • Lieber Rodolfo, ich fand sie gut besucht, denn ich vermute, dass in den Philharmoniesaal der Mercator-Halle viel mehr Menschen hineinpassen als in das Opernhaus. Das Publikum verhielt sich in meinen Augen dezent, aber interessiert, es gab eher wenig Zwischenbeifall, daran gemessen am Ende aber länger andauernd und auch vereinzelte Bravos. Die Solisten gehörten offenbar fast alle zum Ensemble; es ist schon enorm, wie gut man einen Don Carlos aus dem Ensemble heraus stemmen kann. Herzliche Grüße, Ralf, und gute Besserung.

    Oper lebt von den Stimmen, Stimmenbeurteilung bleibt subjektiv

  • Lieber Rodolfo, warst du eigentlich in dieser Saison in Duisburg im Falstaff und kannst dazu eventuell etwas sagen?

    Eine Karte für den Falstaff oder (und) eventuell den Don Carlo möchte ich noch für die neue Saison hinzufügen, nachdem ich vorhin wieder ein Karte für Hänsel und Gretel gebucht und ausgedruckt habe. Vielleicht komme ich ja diesmal bis nach Düsseldorf und muss nicht irgendwo unterwegs (letztes Jahr in Mülheim) wieder stranden, weil wieder irgendwo bei der Deutschen Bahn etwas passiert ist.


    Auch von mir gute Besserung (mit dert Bandsch4eibenproblematik kenne ich mich auch bestens aus) und


    liebe Grüße


    Willi:)

    1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
    2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

  • Lieber William.

    Im Don Carlo war ich ja nicht, aber den Falstaff hab ich noch vor dem Wasserschaden gesehen. Die Inszenierung von Michael Hampe ist sehr schön und werkgecht .Die neue Don Carlo Inszenierung gefällt mir überhaupt nicht ich , aber ich bevorzuge auch die französische Fassung , die wir vorher in der der sehr gelungenen Inszenierung von Christof Loy hatten-