OFFENBACH, Jacques: DIE RHEINNIXEN

  • Jacques Offenbach ( 1819 – 1880 )
    Die Rheinnixen


    Romantische Oper in vier Akten

    Libretto: Charles Nuitter in der Übersetzung von Alfred von Wolzogen

    Originalsprache: deutsch 1)


    Uraufführung: Wien 1864


    PERSONENDER HANDLUNG

    Conrad von Wenckheim, Anführer der Landsknechte, Bariton

    Franz Baldung, Landsknecht, Tenor

    Gottfried, ein Jäger, Bassbariton

    Hedwig, Besitzerin eines Pachthofes, Mezzosopran

    Armgard, ihre Tochter, Sopran

    Eine Fee, Sopran

    Erster Landsknecht, Tenor

    Zweiter Landsknecht, Bariton

    Ein Bauer, Tenor

    Winzer, Bauern, Landsknechte, Elfen und Geister

    Ort und Zeit der Handlung: Im Rhein- und Nahetal, 1522


    INHALTSANGABE


    ERSTER AKT

    Auf Hedwigs Pachthof

    Die Arbeiter kommen nach Hause und preisen die gute Ernte. Unter der Leitung des Jägers Gottfried stimmen sie ein Gebet an. Die Besitzerin des Pachthofs, Hedwig, fordert die Leute auf, zu ruhen und sich zu stärken, ehe man den guten Ertrag feiern wolle. Gottfried berichtet, dass die Landsknechte unter Conrad von Wenckheim, die brennend und mordend durch die Lande ziehen, wahrscheinlich nach der Pfalz abmarschiert seien, so dass man hier noch im Frieden leben könne. Nach dem Grund ihrer trüben Stimmung befragt, erklärt Hedwig, dass sie um ihr Land fürchtet. Als im Gespräch über den

    Krieg das Wort „Gemahl“ fällt, erfahren wir, dass in ihr eine Wunde brennt. Aber noch größere Sorgen macht sie sich um ihre Tochter Armgard, die einen geheimen Kummer durch ständiges Singen zu verdrängen suche. Armgard welke dahin und Hedwig fürchtet, dass sie sterben muss.

    Armgard erscheint; sie singt und alle preisen ihre Schönheit. Hedwig versucht, sie zu bewegen, dass sie nicht weiter singt, doch Armgard beruhigt sie: „O glaubt mir, nicht entführen sie mich.“ Dann singt sie die Ballade von den Elfen, jungen Mädchen, die zu viel gesungen haben und daran gestorben sind. Daher muss man die Elfen meiden, denn sie locken alle, die ihnen begegnen, in den Tod. Der Chor stimmt mit ein. Die Mutter fleht sie an, einzuhalten. Dann schickt sie die Arbeiter weg und bleibt mit Gottfried und Armgard zurück.

    Hedwig eröffnet Armgard nun, dass Gottfried sie liebt. Armgard aber weist ihn zurück. Dann gesteht sie, dass ihre Liebe Franz Baldung gehöre, obwohl er zu den Landsknechten gegangen sei. Sie werde ihm dennoch den Treueschwur halten, auch wenn er im Krieg gefallen wäre. Gottfried ist tief enttäuscht, erklärt sich aber dennoch bereit, Franz zu suchen und ihn zu Armgard zurückzubringen.

    Ein Bauer eilt herbei und berichtet, dass die Landsknechte im Anmarsch seien. Zum Fliehen ist es bereits zu spät, denn kurz darauf hört man den Chor der Soldaten. Die Landsknechte unter der Führung von Conrad von Wenckheim rücken in den Hof ein. Bevor sie die Ebernburg (Bad Kreuznach) erstürmen, wollen sie erst noch ausgiebig trinken und sich mit Mädchen amüsieren, wie man ihren Liedern entnehmen kann.

    Doch wo bleibt Franz, der sich in der Gegend auskennen müsste und sie führen solle? Wir erfahren, dass er nach einem Hieb, den er auf den Kopf erhielt, an Gedächtnisschwund leidet.

    Da taucht er plötzlich auf und besingt seine Heldentaten, bei denen er er immer als Erster voranging. Er weiß auch, dass er einmal ein Mädchen hatte, das er verließ, dessen er sich aber nicht mehr erinnert.

    Conrad hat ins Dorf nach Frauen geschickt, die nun ankommen. Die Landsknechte fordern die Frauen auf, zu tanzen und zu singen. Dabei fällt die schöne Armgard auf; die Landsknechte reißen sich um sie. Dann plötzlich bedroht Conrad Armgard mit dem Tode, wenn sie nicht ein Lied für die Soldaten singe. Hedwig und Gottfried fürchten, dass das Lied sie tötet. Armgard hat ihren Franz entdeckt, der ebenfalls Einhalt gebieten will. Er fragt, wer sie sei und sie sagt ihm ihren Namen, aber der ist ihm unbekannt. Conrad drängt unter weiteren Drohungen auf ihren Gesang. Da singt sie ein Lied auf das Vaterland, das Franz so gern gehört hatte. Langsam beginnt Franz sich zu erinnern. Auf Drängen der Landsknechte singt sie immer weiter, bis sie plötzlich in Ohnmacht fällt. Alle glauben, sie sei tot.


    ZWEITER AKT

    In Hedwigs Haus

    Gottfried und die Frauen beklagen Armgards vermeintlichen Tod. Hedwig nimmt traurig Abschied von ihrer Tochter. Gottfried versucht sie zu trösten. Da gesteht sie ihm, dass das Kind aus einer Verbindung mit einem Frevler stamme, der ihr mit Hilfe eines als Priester verkleideten Soldaten die Trauung vorgespiegelt und sie dann verlassen habe. Und nun wird ihr auch noch das geliebte Kind geraubt. Da nach der Sage bei Einbruch der Dunkelheit die Mädchen, die zuviel gesungen haben, zu den Elfen übergehen, will Hedwig, die fest daran glaubt, nun in den Wald gehen, um die Seele ihrer Tochter dort anzutreffen. Gottfried versucht vergeblich, sie zum Bleiben zu bewegen. Sie geht und Gottfried folgt ihr.

    Dann tritt Franz ein. In einer Romanze besingt er seine Trauer über den Tod der Geliebten und wünscht sich, sie noch einmal zu sehen. Doch Conrad kommt und gemahnt ihn an seine Pflicht, mit den Landsknechten aufzubrechen.

    Gottfried wurde aufgehalten und soll nun bestochen werden, die Landsknechte zur Ebernburg zu führen. Er weigert sich zunächst, stimmt aber dann zu mit dem Hintergedanken, die Landsleute auf der Burg rechtzeitig warnen zu können.

    Nach deren Fortgang ist es dunkel geworden. Armgard kommt, aus der Ohnmacht wiedererwacht, auf die Bühne. Sie hat gehört, dass ihr Geliebter mit den Soldaten am Elfenfelsen vorbeiziehen muss. Da die Elfen jeden, der ihr Reich betritt, in den Tod locken, eilt sie fort, ihren Franz zu retten.


    DRITTER AKT

    Im Wald am Elfenfelsen

    Die Elfen singen und tanzen ein Ballett. Dann erreicht Hedwig den Ort und sucht ihre Tochter. Die Elfen versuchen mit ihrem Gesang, Hedwig zu sich zu locken.

    Auch Armgard taucht jetzt auf. Sie versucht, ihrer Mutter vorzutäuschen, eine Elfe zu sein und bittet sie, den Ort schnell zu verlassen. Dann versteckt sie sich. Als Hedwig den Gesang der anrückenden Landsknechte hört, verbirgt auch sie sich.

    Die Soldaten wollen sobald wie möglich mit dem Überfall beginnen. Conrad fragt Gottfried, wie weit es noch sei. Als Gottfried erklärt, dass die Burg kaum eine Stunde entfernt sei, gebietet Conrad, hier bis zum Morgengrauen zu rasten.

    Als man von der Burg Glockengeläut hört verfällt Franz in trübe Gedanken, sich an seine frühere Zeit erinnernd. Aber Conrad regt das Glockengeläut zum Scherzen an und er berichtet, unterstützt vom Chor der Landsknechte, von seinem "Jugendstreich", den er sich mit Hedwig geleistet hat. Hedwig hat nun in ihrem Versteck in Conrad ihren damaligen Verführer erkannt.

    Plötzlich ertönt der Ruf: „Verrat“. Ein Landsknecht hat Gottfried erwischt, der sich davonschleichen wollte, um die Leute vor dem Überfall zu warnen. Conrad befiehlt, ihn ins Lager vor die Ebernburg zu bringen, wo er gefoltert und schließlich getötet werden soll. Danach gibt er den Befehl zum Abmarsch. Da ertönt das Lied der Elfen und versetzt die Soldaten in Trance. Armgard versucht, Franz mit ihrem Lied aus dem Bereich der Elfen zu locken und Hedwig ruft nach Rache an ihrem Verführer


    VIERTER AKT

    Im Lager der Landsknechte vor der Ebernburg

    Die Landsknechte bereiten sich auf den Angriff vor. Da tritt Franz auf und gebietet Einhalt. Man habe in der Nacht Schreckliches gesehen, was auf ihre Niederlage hindeute. Als die Soldaten ihn verlachen, kommt Conrad hinzu und bestätigt die Aussagen von Franz. Nun berichten beide von den nächtlichen Ereignissen, wobei Franz, von Armgard gerettet, auch Conrad noch rechtzeitig aus dem Bann der Elfen befreien konnte, bevor die anderen Kameraden untergingen. Dann will Conrad den Verräter Gottfried strafen, der sie an die Stelle des Grauens gelockt habe und den er noch in der Nacht hierher bringen ließ.

    Franz denkt an Selbstmord, weil er Armgard immer noch für tot und im Reich der Elfen hält. Da kommt diese herein und klärt ihn auf, was wirklich passiert ist. Nun sei ihr schrecklicher Traum vorbei und ihr Leiden könne neuer Liebe weichen. In einen großen Duett versöhnen sie sich.

    Landsknechte schleppen Hedwig herein, die sie beim Lager mit einem Dolch in der Hand aufgegriffen haben. Conrad befiehlt, ihn mit Hedwig allein zu lassen

    Auf Conrads Frage gibt sie freimütig zu, dass sie sich an ihm rächen wollte. Dann gibt sie sich ihm zu erkennen und erzählt schließlich auch, dass Armgard seine Tochter ist, die er und seine Kameraden – wie sie immer noch glaubt – in den Tod getrieben haben. Conrad ist verzweifelt, ihn erfasst Reue und er bittet um Vergebung.

    Als Gottfried gefesselt hereingebracht wird und die Soldaten wieder gegangen sind, befreit ihn Conrad und bittet ihn, Hedwig nach Hause zu führen.

    Franz kommt herein und berichtet, dass die Landsknechte anrücken, um das Blut Hedwigs zu fordern. Danach kann er schließlich auch Armgard zu ihren Eltern führen. Sie berichtet, wie sie aus der todesähnlichen Ohnmacht wieder erwacht ist, sich zum Elfenfelsen aufgemacht hat und dem Bann der Elfen entgangen ist. Hedwig gibt ihr nun bekannt, dass Conrad ihr Vater ist. Conrad weist ihnen einen Pfad, auf dem sie entkommen können. Er selbst will den Ansturm der Landsknechte erwarten.

    Doch Armgard fleht ihren Vater an, dem Kriegshandwerk zu entsagen und mit ihnen zu kommen. Franz, Gottfried und Hedwig stimmen mit ein. Aber es ist bereits zu spät. Man hört die Landsknechte heranstürmen und die Anwesenden bereiten sich mit einem Gebet auf ihren Tod vor.

    Da ertönt plötzlich der Lockruf der Elfen und die Landsknechte werden in ihr Verderben gelockt. Armgard, Franz, Hedwig, Conrad, Gottfried und die Burg sind gerettet. Die Oper endet mit den Refrain aus dem Lied auf das Vaterland.


    1) Offenbach hat die Oper, weil sie von der Wiener Hofoper in Auftrag gegeben war und in Wien uraufgeführt wurde, nach der deutschen Übersetzung des französischen Librettos komponiert.


    Alle Kunst ist der Freude gewidmet, und es gibt keine höhere und keine ernsthaftere Aufgabe, als die Menschen zu beglücken. Die rechte Kunst ist nur diese, welche den höchsten Genuß verschafft.
    (Schiller: Die Braut von Messina, Kapitel 2)

  • Anmerkungen:

    Ein Freund schenkte mir kürzlich folgende Aufnahme dieser Oper (in deutscher Sprache):

    Das hat mich angeregt, diese hier einmal vorzustellen. Wie viele Opernfreunde wusste ich, dass die weltberühmte Melodie der Barcarole aus „Hoffmanns Erzählungen“ nach dem Locklied der Elfen in dieser Oper übernommen wurde. Ansonsten war sie mir leider bisher auch unbekannt. Eine weitere Melodie im Giulietta Akt (Die Liebe fürs Leben ist nur ein Wahn....) entstammt dem Trinklied der Landsknechte aus dem ersten Akt.

    Die Oper, die Offenbach auf die – in meinen Augen – recht banale Übersetzung des französischen Librettos von Alfred von Wolzogen komponierte, enthält eine Reihe wundervoller Melodien.

    Leider war der Darsteller des Franz zum Zeitpunkt der Uraufführung (1864 in Wien) erkrankt, und so musste das Werk stark gekürzt werden, so dass es nur verstümmelt aufgeführt wurde. Auch eine gekürzte dreiaktige Fassung 1865 in Köln musste schon nach der zweiten Aufführung wegen Besuchermangels abgesetzt werden. Danach geriet das Werk in Vergessenheit. Erst in diesem Jahrhundert (2002) wurde sie in Montpellier konzertant aufgeführt. Von dieser Aufführung stammt auch der oben genannte Mitschnitt auf CD.

    Szenisch wurde sie erstmals 2005 in Ljubljana wiederaufgeführt. Diese Produktion wurde auch in Winterthur und St.Pölten gezeigt. Weitere konzertante, szenische und halbszenische Aufführungen gab es u.a. in Trier, Lyon, Cottbus, Bremerhaven, Budapest. In französischer Sprache wurde das Werk (nach dem Libretto von Nuitter) erstmals 2018 in Solothurn gegeben.

    Der irreführende Titel „Die Rheinnixen“ soll auf Eduard Hanslick zurückgehen. Treffender ist der französische Titel „Les fées du Rhin“, da es sich bei den Geisterwesen nicht um Nixen, sondern um Feen handelt.

    Alle Kunst ist der Freude gewidmet, und es gibt keine höhere und keine ernsthaftere Aufgabe, als die Menschen zu beglücken. Die rechte Kunst ist nur diese, welche den höchsten Genuß verschafft.
    (Schiller: Die Braut von Messina, Kapitel 2)

  • Auf dem Cover der eingestellten Box sind nur zwei der Damen genannt, die in der Aufführung singen.

    Manchen Opernaficionado wird es interessieren, dass recht renommierte Sänger mit von der Partie sind:

    Piotr Beczała als Franz

    Dalibor Jenis als Conrad.


    Caruso41

    ;) - ;) - ;)


    Wer Rechtschreibfehler findet, darf sie behalten!