WEBER, C.M.v: Klaviersonaten-ritterliche Eleganz und romantische Seele

  • Hallo!


    Die Klaviersonaten des Carl Maria von WEBER sind (ebenso wie seine Klavierkonzerte) im Konzert nur selten zu hören und genauso wenig in Aufnahmen dokumentiert worden. Zu Unrecht wie ich finde, ich selber schätze die Musik von WEBER sehr, gerade wegen ihrer schönen Mischung aus Eleganz, Virtuosität, Romantik, die alle eine Übergangszeit dokumentieren, in der WEBERs Schaffen fällt. WEBERs Werke liegen mir generell am Herzen und diese Stücke hätten, wie auch noch weitere seiner Werke, mehr Aufmerksamkeit verdient.
    WEBER war bekanntermaßen ein hervorragender Pianist, der schon früh Klavierstücke geschrieben hat, oft für den eigenen Gebrauch. Die vier Klaviersonaten sind in seinem Klavierwerk in Größe und Tiefe sicher ein besonderer Höhepunkt.
    Es handelt sich um folgende vier Werke:


    - Klaviersonate Nr. 1 C-Dur op.24 (1812)
    - Klaviersonate Nr. 2 As-Dur op.39 (1816)
    - Klaviersonate Nr. 3 d-moll op.49 (1816)
    - Klaviersonate Nr. 4 e-moll op.70 (1822)


    Interessant finde ich das diese vier Sonaten zwischen den beiden großen Zyklen von BEETHOVEN und SCHUBERT entstanden sind. Allerdings scheinen es eher die Klavierwerke von CLEMENTI, CRAMER, HUMMEL und DUSSEK zu sein, auf die WEBER aufbaut. Mir sind bisher (auch Dank von Caesar73 und dem Oopservator) folgende Einspielungen aller vier Sonaten bekannt:


    19?? M.-C. Girod 2 CD Solstice


    1988 G. Ohlsson 2 CD Arabesque


    1994? A. Paley ( im Zuge einer GA der Klavierwerke bei Naxos auf 4 CDs)


    2004? J. Vermeulen (Hammerflügel Tröndlin 1825) 2 CD Brilliant Classics


    2005? M. Endres 2 CDs OehmsClassics



    Ich selber kenne noch keine dieser Gesamteinspielungen, sondern kann mir meine Gesamteinspielungen aus vier Einzelaufnahmen zusammenstellen:


    Nr.1 Arrau (1941) , Nr.2 Gilels (1967) , Nr.3 Richter (1954) , Nr.4 Fleischer (1959)


    Allerdings reizen mich jetzt sowohl die Aufnahmen mit Endres, da ich ihn für einen sehr guten Pianisten halte, mehr allerdings noch die Einspielung mit Vermeuelen, weil man dort die Sonaten auf einem historischen Instrument hören kann.


    Es sollen jetzt Beiträge folgen, welche die einzelnen Sonaten vorstellen. Ich würde mit der 1. Sonate beginnen, die mir besonders gut gefällt. Caesar-73 hat mir signalisiert, dass er die 2. Sonate übernehmen möchte. Finden sich noch Interessenten für die Sonaten Nr. 3 & 4 ?


    Und welche Erfahrungen habt Ihr mit den Sonaten, welche Aufnahmen könnt Ihr empfehlen?


    Gruß pt_concours

    Hören, hören und nochmals hören: sich vertraut machen, lieben, schätzen.
    Keine Gefahr der Langeweile, im Gegensatz zu dem, was viele glauben, sondern vielmehr Seelenfrieden.
    Das ist mein bescheidener Rat. (S. Richter, 1978)

  • Hallo,


    bisher scheint sich ja das Interesse an disem Thread in Grenzen zu halten....
    Was zumindest für die Werke bedauerlich ist, sie sind sehr gelungen und gefallen mir mit jedem Hören mehr!
    Aber vielleicht warten ja "alle" auch nur auf meinen Beitrag zur ersten Sonate, der allerdings noch ein paar Tage dauern wird. Im Moment habe ich mir noch etwas Literatur, sowie Vol. 1 & 2 der GA mit Paley aus der Bibliothek ausgeliehen und höre nebenbei noch weitere Werke, die diesen vorrausgingen....


    Bei meiner Suche habe ich noch eine weitere GA der Klaviersonaten entdeckt:


    .



    mit dem englischen Pianisten Hamish Milne (rec. 2000?)



    Weiterhin gibt es auch noch einige sehr interessante Einzelaufnahmen, wovon ich zumindest eine erwähnen möchte, deren Erscheinen ijn diesem Jahr (?) mir völlig unbemerkt bliieb:



    Sonate Nr. 2 & 3 mit J.-F. Heisser auf einem Erard-Flügel
    :faint:


    ...doch möchte ich nicht vorgreifen...



    Gruß pt_concours

    Hören, hören und nochmals hören: sich vertraut machen, lieben, schätzen.
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    Das ist mein bescheidener Rat. (S. Richter, 1978)

  • Ich glaube nicht, daß es direkt mit Desinteresse zu tun hat - vielmehr bin ich der Überzeugung, daß kaum jemand über Einspielungen verfügt um mitreden zu können. Ich selbst hätte zwar zwei Zyklen - aber die sind im Augenblick wasserdicht verpackt....


    Dennoch Ich halte Webers Klaviersonaten für hochinteressant - und auch das Angebot ist gar nicht so klein


    .


    Aus meiner Sicht macht sich die Naxos Aufnahme mit Paley recht gut, jene von Michael Endres ist ein wenig "verschrobener" oder positiv ausgedrückt "individueller" geprägt...



    Auf jeden Fall sollte man die Sonaten kennen...


    mfg aus Wien


    Alfred

    Interpreten SIND Sklaven !

  • Liebe Weber-Freunde,


    von unserem Vertragspartner mit den drei Buchstaben bekam ich die Mitteilung, dass die Gesamteinspielung der Klaviersonaten von Vermeulen nicht mehr lieferbar sei:



    Schade, die hätte mich sehr interessiert- aber da kann man nichts machen.


    Herzliche Grüße,:hello: :hello:


    Christian

    Beherrsche die Sache, die Worte werden folgen! (Cato der Ältere)


  • Amazon hat sie zumindest im Katalog und angeblich lieferbar:



    Das ist meine einzige Gesamtaufnahme, dann habe ich noch Richter live aus Ascona (?) bei Ermitage/Aura mit der 3.
    Ich hatte neulich schonmal eine Antwort hier angefangen, an irgendwie verklickt und gelöscht. Kann auch nichts substantielles beitragen, muß die Stücke nochmal ausführlicher hören. Haben mir zwar gefallen, sind aber nicht recht im Gedächtnis geblieben. Positiv überrascht war ich dagegen neulich von Clementi (mit Demidenko); vielleicht kommt das bei Weber ja noch
    Gilels und Fleisher scheinen leider nur ziemlich teuer über Marketplace zu haben zu sein, oder gibt es da günstigere Quellen.


    Warnung vor einer "Essential Fleisher" CD bei Sony, die ich um ein Haar bestellt hätte; sie enthält nur Auszüge/Einzelsätze


    viele Grüße


    JR

    Struck by the sounds before the sun,
    I knew the night had gone.
    The morning breeze like a bugle blew
    Against the drums of dawn.
    (Bob Dylan)

  • Zitat

    Original von Alfred_Schmidt
    Dennoch Ich halte Webers Klaviersonaten für hochinteressant - und auch das Angebot ist gar nicht so klein
    ....
    Auf jeden Fall sollte man die Sonaten kennen...


    Hier möchte ich Alfred unbedingt Recht geben, und dazu den Biographen F.W. Jähns zitieren:
    Die Sonaten op. 24, 39, 49 u. 70 sind die umfangreichsten aller Intrumental-Werke W.’s, denn sie haben, incl. 885 Tacte Reprisen u. Da Capo’s zusammen 4486 Tacte, also nur 64 Tacte weniger, als die umfangreichste Oper „Euryanthe“ mit 4550 Tacten, incl. 88 T. Reprisen.“ (1871)


    :faint: :D


    Ich habe mir jetzt für meinen Beitrag zum wiederholten Male diese 1.Sonate angehört, und meine Begeisterung für dieses Werk ist eigentlich nur gewachsen!
    Warum ist dieses herrliche Werk so wenig bekannt?
    Webers ureigene musikalische Sprache basiert auf seiner opernhaften frühromantischen Farbigkeit und effektvollen Dramatik. Dies spiegelt sich in seiner 1812 entstandenen 1. Sonate C-Dur Opus 24 wieder, welche eines seiner tollkühnsten und originellsten Klavierwerke ist.“ M. Endres (Jahreszahl korigiert/ pt_c)


    Entstehung


    Leider konnte ich die Entstehung des Werkes, trotz intensiver Bemühungen, nur teilweise in Erfahrung bringen. Das Werk ist der Großfürstin Maria Pawlowna gewidmet, die Tochter des russischen Zaren und Gemahlin des Erbprinzen Carl Friedrich von Sachsen-Weimar war.
    WEBER war im Januar des Jahres 1812 zusammen mit dem Münchner Klarinettisten Bärmann zum Hof des Herzogs August nach Gotha eingeladen worden. Von dort gelangten die beiden Musiker dann mit einem Empfehlungsschreiben nach Weimar, wo die Großfürstin von ihnen sehr beeindruckt war. Später in Berlin schrieb dann WEBER die Sonate, um sie der Fürstin im September zu übergeben. So schreibt WEBER in einem Brief an den Freund Rochlitz am 12. Sept:“ Die Grossfürstin hat mich vor der Hand dringend um die Sonate gebeten, die dann auch in sauberem Saffian-Ueberrock künftige Woche hinüberspazieren wird“. Anscheinend wollte die Großfürstin die Sonate selber spielen, den WEBER schreibt in einem weitern Brief am 1. Nov. 1812 aus Weimar an H. Lichtenstein in Berlin: “Die Grossfürstin will gern die Sonate unter meiner Leitung spielen, hat aber selber schon öfter gesagt, sie glaube, sie lerne sie in ihrem ganzen Leben nicht ordentlich; und wenn sie keine Grossfürstin wäre, würde ich so frei sein, ihr vollkommen Recht zu geben, aber so- muss man sehen ,wie weit man es bringt“.
    Die Sonate erschien am 30. Nov 1812; am 30. Dez erhielt W. das erste gestochene Exemplar davon.“ (F.W. Jähns)




    Maria Pawlowna, Porträt von Wladimir Lukitsch Borowikowski (1825)


    Das Werk:


    Es ist oft geschrieben worden, dass die Klaviersonate von BEETHOVEN zu ihrem Ende geführt wurde, WEBER, SCHUBERT, SCHUMANN und CHOPIN haben in ihren Werken nicht mehr ganz dem Wesen gemäß geschrieben. Und so hat WEBER hier (wie später auch CHOPIN) „eine Ansammlung von vier heterogenen dramatischen Situationen, welche kaum den herkömmlichen Begriff der Sonate rechtfertigen.“ (M.Endres) geschaffen.
    Übrigens hat gerade CHOPIN WEBERs Klavierwerke sehr geschätzt, selber gerne gespielt und von seinen Schülern „avec en soins extrem“ (mit äußerster Sorgfalt) studiert.
    Auf die Parallelen der ersten Takte dieser Sonate zum Beginn der Etüde Nr.12 op.10 („Revolutions-Etüde“) von CHOPIN wurde daher auch schon mehrfach hingewiesen!
    Es sind vor allem die ständigen Stimmungswechsel, die diese Sonate so reizvoll machen. In jedem Satz finden sich plötzliche Wendungen, die durch starke Farbkontraste gekennzeichnet sind. Allgemein kennt man diese Effekte von WEBERs späteren Werken, wo z.B. im Freischütz plötzlich „dunkle Mächte“ in freundliche Harmonien hereinbrechen. „Sprunghaft wechseln hier die Situationen anstelle von kontinuierlicher Entwicklung“ (M. Endres)


    Klaviersonate Nr. 1 C-Dur op.24 (1812) J138
    A Son Altesse Impériale Madame la Grande-Duchesse Marie Paulowna, Princesse héréditaire de Saxe Weimar
    - I. Allegro
    - II. Adagio
    -III. Menuetto/ Trio Poco ritenuto
    -IV. Ronde Presto


    Die vier Sätze der Sonate sind übrigens in umgekehrter Reihenfolge entstanden, WEBER notierte in sein Tagebuch:
    - Berlin, 12. Apr. „Rondo in C L’infatigable componiert.
    - 15. “Rondo in C vollendet.
    - 14. Juni und 15. Juli „ An der Sonate componiert in C Dur .“
    - 31. Juli „Menuett und Rondo aufgeschrieben
    - 18. Aug. „Adagio comp. zur Sonate.“
    Wie man sieht, beabsichtiget WEBER ursprünglich das Rondo, welches später- zuerst durch ALKAN (?) dann allgemein- “Perpetuum mobile genannt wurde, den Titel „L’infatigable“ (Die Unermüdliche) zu geben, eine Idee, die er später aber wieder aufgab. Das Stück wurde zum Standardrepertoire der Virtuosenliteratur und meistens unabhängig von der Sonate aufgeführt.


    Dass die Sonate von einem hervorragenden Pianisten geschrieben wurde, merkt man in jedem Takt, dabei ist das Werk vielleicht noch weniger orchestral gedacht, als die Sonaten Nr. 2 & 3 („ ...unter den 4 genannten .... am meisten Pianoforte-Werk“ F.W. Jähns 1871)
    Für weitere Details zu den einzelnen Sätzen möchte ich auf den Text von M.Endres hinweisen, der hier wunderbar die einzelnen Sätze dieser Sonate (und der folgenden charakterisiert).


    Interpretationen:


    Ich habe die Sonate in der bereits erwähnten Einspielung mit C. Arrau aus dem Jahr 1941 kennen gelernt. Obwohl klanglich wenig befriedigend ist sie musikalisch für mich immer wieder ein großes Ereignis, sicher auch, weil die Begriffe „ritterliche Eleganz“ und „romantische Seele“ zu den Interpretationen Arraus genauso passen wie zu den Klavierwerken WEBERs. (Arrau spielt die Sonate leider ohne die Wiederholungen)
    Auch die Aufnahme mit A. Paley (rec. 1994) ist empfehlenswert, zwar spielt er nicht mit solch stürmischer Dramatik wie Arrau, und es gelingt ihm auch weniger, die großen Bögen zu spannen. Dafür holt er aber so manches Detail gelungen hervor.
    Neben den oben bereits genannten Gesamtaufnahmen (A. Girod, G. Ohlsson, M. Endres, J. Vermeulen, H. Milnes) habe ich noch zu folgende Pianisten Hinweise über eine einzelne Einspielung dieser Sonate gefunden:
    - W. Backhaus,
    - N. Magaloff,
    - S. Richter,
    - J. Kouri
    (Fortepiano Jacob Pfitzner 1825).
    Wer kann zu der Einspielungen von Backhaus, Magaloff und Richter genauere Angaben machen?


    Ich hoffe, ich konnte hier zu einer Beschäftigung mit dem Werk, welches meiner Meinung den Klaviersonaten von SCHUMANN oder CHOPIN nicht nachsteht, anregen!




    Gruß pt_concours


    Quellen:
    - F.W. Jähns: Carl Maria von Weber in seinen Werken (1871)
    - M. Endres bei oehmsclassics



    Zitat

    Original von Johannes Roehl
    Gilels und Fleisher scheinen leider nur ziemlich teuer über Marketplace zu haben zu sein, oder gibt es da günstigere Quellen.


    Gerade die beiden Einzelaufnahmen von Gilels und Fleischer konnten mich (bisher?) noch nicht richtig überzeugen.

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    Das ist mein bescheidener Rat. (S. Richter, 1978)

  • Hallo,


    da es (erstaunlicherweise) noch keinen Thread zu A. Cortot zu geben scheint, melde ich hier (ebenso passend) die -zumindest für mich- erfreuliche Nachricht des Abends: die von mir schon länger gesuchte (aber noch unbekannte) Aufnahme der 2. Klaviersonate von WEBER kehrt in den Katalog zurück:



    - C.M.v. WEBER: Klaviersonate Nr. 2 As-Dur op. 39
    - F. SCHUBERT: 12 Deutsche (Ländler), Op. 171, D. 790
    - F. LISZT: Klaviersonate h-moll
    - F. LISZT: 2 Legendes, S175/R17: Nr. 2." St. Francois de Paule marchant sur les flots"
    - F. LISZT: 3 Etudes de concert, S144/R5: Nr. 2 in f-mollr, "La leggierezza
    u.a.
    :jubel: :jubel: :jubel:
    (auch die Werke von LISZT dürfte hochinteressant sein!)
    Die CD habe ich mir auf jeden Fall vorgemerkt!


    iIelleicht bringt diese erfreuliche Nachricht ja auch diesen etwas ins Stocken geratenen Thread wieder in Bewegung!



    Gruß pt_concours


    PS Jetzt warte ich nur noch auf die Wiederveröffentlichung der gleichen Sonate mit A. Brendel!

    Hören, hören und nochmals hören: sich vertraut machen, lieben, schätzen.
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    Das ist mein bescheidener Rat. (S. Richter, 1978)

  • Zitat

    Original von Johannes Roehl


    Amazon hat sie zumindest im Katalog und angeblich lieferbar:




    Ich habe es riskiert und sie bestellt - mal sehen ...

  • Zitat

    Original von miguel54




    Ich habe es riskiert und sie bestellt - mal sehen ...


    Ich auch. Und was sagt Amazon? Ich bekam gestern per Mail die Nachricht, dass es Lieferschwierigkeiten gebe, Prognose: ungewiss.


    Herzliche Grüße,:hello: :hello:


    Christian

    Beherrsche die Sache, die Worte werden folgen! (Cato der Ältere)

  • Bisher sagt amazon auch bei mir nur, daß es sich meldet, wenn es einen konkreten Liefertermin hat ... kann natürlich sein, daß sie gestrichen ist, da Brilliant viele Aufnahmen lizensiert, das sind dann sozusagen limitierte Auflagen.

  • Zitat

    Original von miguel54
    Bisher sagt amazon auch bei mir nur, daß es sich meldet, wenn es einen konkreten Liefertermin hat ... kann natürlich sein, daß sie gestrichen ist, da Brilliant viele Aufnahmen lizensiert, das sind dann sozusagen limitierte Auflagen.


    Rate mal, was mir die Post gerade gebracht hat :D :D :D


    Der Vermeulen ist da! Eigentlich hatte ich ja schon nicht mehr darauf zu hoffen gewagt. Ist er bei Dir auch schon eingetrudelt?


    Herzliche Grüße,:hello: :hello:


    Christian

    Beherrsche die Sache, die Worte werden folgen! (Cato der Ältere)

  • Gesamtaufnahmen von Webers Klaviersonaten sind rar:


    Um so verwunderlicher, wenn man sich vor Augen führt, welche Wertschätzung die Sonaten bei den Zeitgenossen Webers genossen. In der Berliner Allgemeinen Musikalischen Zeitung kann man 1824 lesen:


    (Webers) Klavierkompositionen, nächst den Beethovenschen unstreitig die wichtigsten und werthvollsten in der ganzen neuern Zeit, oft in Großheit und Durcharbeitung selbst jene überbietend, erwarben ihm die Teilnahme der in unserer Zeit so beachtenswerthen Dilettanten eben so wohl, als der Kenner.“


    Unter den vier Sonaten, die Weber komponierte ist die zweite Sonate in As-Dur derzeit die Sonate, die mich am meisten fasziniert. Warum? Technisch gesehen ist die Sonate brilliant: aber diese technische Brillianz ist nie Selbstzweck sondern dient einem höheren Zweck, nämlich der Erzeugung von Klangwirkungen und Stimmungen.
    In der Literatur begegnet einem hierzu häufig das Stichwort „Freischütz“


    Vollendet hat Weber die Sonate laut Werkverzeichnis am 31. Oktober. Widmungsträger ist der Pianist Franz Seraphimus Lauska.


    Wie bei ihrer Vorgängerin in C-Dur ist der Aufbau der Sonate viersätzig.Die Satzbezeichnungen:
    1. Satz: Allegro moderato con spirito ed assai legato
    2. Satz: Andante
    3. Satz: Menuetto capriccioso. Presto assai
    4. Satz: Rondo. Moderato e molto grazioso


    Alfred Brendel hat die einzelnen Sätze sehr treffend charakerterisiert- deswegen gebe ich Brendels Beschreibung hier wieder- und spare mir hier eine detaillierte Formanalyse:


    Der erste Satz vereint in sich Elemente des späteren ‚Freischütz' (Naturromantik und Schauerromantik) mit solchen des Salons und des Ballsaals; die Ballszene war ja, noch vor Berlioz' ‚Symphonie Fantastique' und Schumanns ‚Carnaval', eine Schöpfung Webers. Pianistische und orchestrale Phantasie reichen sich die Hand.


    Im Thema des Andantes wird die Oboe vom Cello abgelöst - Webers bekanntes ‚Konzertstück' hat später an den elegischgefaßten Ton und die zart gestoßene Begleitung dieses Gesangs wiederangeknüpft. Eine weitere Melodie enthält dann bereits den Keim für eines jener Burschenschafts- oder Freiheitslieder, wie sie damals auch in den Opern Bellinis oder Meyerbeers zu finden waren; die etwas törichte C-Dur-Begeisterung sinkt jedoch bald in sich zusammen. Nur aus der Asche der Coda glüht sie noch ein letztesmal auf.


    Das Menuett ist in Wahrheit ein furioses Capriccio von gelenkig quirlender Tanzwut mit einem Mittelteil, in dem der Tänzer seiner Partnerin zärtliche und passionierte Blicke zuwirft.


    Das abschließende, bereits 1814 komponierte, Rondo, anmutig und graziös in seinem Hauptcharakter, enthält Zwischenspiele, die der Laune bis ins Hoffmanneske nachgeben. Es wäre völlig verfehlt, dieses Finale mit jenem von Webers erster Sonate in C-Dur gleichzusetzen und als Perpetuum mobile zu charakterisieren, denn hier gerät der Puls manchmal gefährlich ins Flattern. Der Ausklang des Werkes ist zart und biedermeierlich; Liszts lakonischer Kommentar dazu: ‚Auch ein Schluß!'



    Aufnahmen:


    Empfehlen möchte ich hier zwei Aufnahmen:


    Erstens: Michael Endres Gesamtaufnahme auf einem modernen Steinway:



    Zweitens: Jan Vermeulens Einspielung auf einem fortepiano von Tröndlin aus dem Jahr 1825:



    Der Klang der Instrumente ist- wie man sich denken kann - sehr unterschiedlich. Hören sollte man beide.


    Quelle der beiden Zitate:


    wehwehweh.hohewarte.de/MuM/Jahr2001/CMvWeber0110.html


    Ferner noch von Interesse die Internetseite der Weber´schen GA:


    http://wehwehweh.weber-gesamtausgabe.de/
    Herzliche Grüße, :hello::hello:



    Christian

    Beherrsche die Sache, die Worte werden folgen! (Cato der Ältere)

  • Ave Caesar,


    schön, dass dieser Thread –noch einer längeren Pause- jetzt mit Deinem Beitrag zu WEBERs zweiter Klaviersonate weitergeführt wurde.
    Obwohl mir die erste Sonate immer noch am besten gefällt, so hat doch WEBER- für meinen Geschmack- mit dem erste Satz der 2. Sonate den für mich schönste einzelne Satz aller seiner Sonaten geschaffen.
    „..farbenreiche Melodie und Harmonie, wie kühne Rhythmik, alles getragen von seelenvollem Fantasieschwunge“ so kommentiert Jähns die Sonate seh gelungen.


    Kennen gelernt habe ich das Werk in einer Einspielung mit E. Gilels (rec. 1967), der für mich ohne Frage zu den größten Piansiten zählt, auch gerade bei Werken von WEBERs Zeitgenosse, wie z.B. BEETHOVEN . Trotzdem konnte ich mich gerade mit seiner Einspielung erstmal wenig für das Werk begeistern.
    Das änderte sich schlagartig mit der Aufnahme von A. Paley (rec. 1994). Diese gefällt mir von den drei mir bekannten Einspeilungen immer noch am besten. Zwar verfügt Paley nicht über eine solch einzigartige Klangpalette, wie die ganz großen Piansiten, also z.B. Arrau, Gilels oder Richter, spielt die Sonate aber mit viel Charme und Eleganz, hat aber vor allem für mich das überzeugendste Tempo für den ersten Satz gefunden.
    Die weiter oben von mir genannte Aufnahme mit A. Cortot (rec. 1939) besitze ich mittlerweile ebenfalls. Erwartungsgemäß eine großartige Darstellung, die mich aber beim ersten Hören noch nicht so in den Bann schlagen konnte, wie das bei seinem CHOPIN – und SCHUMANN-Spiel der Fall ist.
    Ich habe mir jetzt für diesen Thread die Einspielung mit E. Gilels noch einmal angehört und muss mein oben geäußertes Urteil teilweise revidieren. In den zarten und langsamen Passagen des Werkes gelingen ihm ganz außergewöhnliche Klangfarben, dunkel und geheimnissvoll, s o hört man das von keinem anderen. Doch so sehr diese Stellen von seinem langsamen Tempo profitieren, so problematisch bleiben für mich die schnellen Passsagen, die für mich dann doch sehr behäbig wirken. Dies trifft so aber nur für den ersten Satz zu, im dritten Satz z.B: sticht Gilels Paley mit seiner großartigen Virtuosität locker aus.
    Alle drei Aufnahmen lohnen es, gehört zu werden! Dennoch geht hier meine Empfehlung –gerade auch zum Einstieg- an die Einspielung von Paley.



    Unbedingt kennen lernen möchte ich noch die Aufnahme mit A. Brendel, die ja leider schon seit längerem aus dem Katalog verschwunden ist.
    In der Bibliothek habe ich noch eine Rarität entdeckt, eine Aufnahme des Werkes in einer Bearbeitung für Klavier und Flöte. Diese Version wurde vermutlich für den Weimarer Flötisten Klauser bei WEBER in Auftrag gegeben, der diese Arbeit aber aus Zeitgründen an den Hofkapellmeister Eberhard Müller (1767 – 1817) weitergegeben hat. Obwohl die Version reizvolle Momente hat, kann sie mich im Ganzen nicht überzeugen. Für meinen Geschmack gerät durch die Doppelung mit der Flötenstimme die Struktur zu oft aus dem Gleichgewicht, d.h. Phrasen treten so hervor, die es meiner Meinung so nicht unbedingt sollten. (Das Autograph dieser Bearbeitung liegt in der Klosterbibliothek zu Einsiedeln.)



    Dabei gefällt mir das Spiel des Pianisten Boris Berman (Im Zusammenspiel mit dem Flötisten Andre Nicolet) in dieser Aufnahme ganz ausgezeichnet, so dass ich mir von ihm eine Aufnahme der originalen Version (sowie auch der anderen Sonaten) wünsche.
    Diese Wunsch bringt mich zur Frage, von wem man sich noch weitere Aufnahmen erhoffen könnte: G.Oppitz und N. Demidenko, z.B., die ja ihre Fähigkieten bereits bei WEBERs Klavierkonzerten (aber auch bei vielen Anderen!) bewiesen haben. Wünschen würde ich mir auch noch eine Aufnahme auf dem Hammerklavier mit A. Staier.


    Neben den bereist erwähnten sechs Gesamtaufnahmen der Sonaten, sowie den Einspielungen von Gilels, Brendel und Cortot habe ich noch folgende weitere Aufnahmen der 2. Sonate entdeckt:
    - J.-F. Heisser (Piano Erard 1874)
    - M. M. v. Slawik
    - P. Moss
    - J. Khouri (Fortepiano Jacob Pfitzner 1825)



    Da der von mir oben zitierte Text von M. Endres bei einer Jahreszahl einen kleinen Fehler enthielt, habe ich den Piansiten via E-Mail darüber informiert. In seiner sehr freundlichen Antwort nannte M. Endres als wahrscheinlichen Grund, warum man die Sonaten so selten gespeilten werden, auch ihre große technische Schwierigkeit, besonders der schnellen Sätze, wie z.B. in der 1. und 3. Sonate, deren Schwierigkeit sich bei der Ausführung auf dem modernen Klavier noch erhöhen. Dem steht natürlich immer die hohe musikalische Qualität der Werke gegenüber.


    Auch wenn mir der Vergleich mit BEETHOVENs Sonaten klar übnertrieben scheint (seine 32 Soanten sind einzigartig) und auch das Klavierschaffen SCHUBERTs WEBERs Werke an Umfang und Gewicht doch klar überragen, möchte ich hier nochmal betonen, dass die Sonaten unbedingt lohnen, entdeckt zu werden.
    Den wesentlich bekannteren Sonaten von CHOPIN, BRAHMS oder SCHUMANN sind sie meiner Meinung vom Umfang wie von der Qualität absolut ebenbürtig.


    Gruß pt_concours


    @Chrsitian: Kennst Du denn noch andere Einspielungen, als die beiden von Dir genannten?

    Hören, hören und nochmals hören: sich vertraut machen, lieben, schätzen.
    Keine Gefahr der Langeweile, im Gegensatz zu dem, was viele glauben, sondern vielmehr Seelenfrieden.
    Das ist mein bescheidener Rat. (S. Richter, 1978)


  • Du bist zu beneiden - ich habe heute per E-Mail eine Stornierung, weil nicht lieferbar, erhalten ... :(

  • Zitat

    Original von miguel54


    Du bist zu beneiden - ich habe heute per E-Mail eine Stornierung, weil nicht lieferbar, erhalten ... :(


    Schade Miguel!


    Wann hattest Du denn die CD bestellt?


    @ pt. concours


    Im Augenblick sind die Aufnahmen mit Endres und Vermeulen die einzigen Einspielungen, die ich besitze.


    Hat sich eigentlich schon jemand für die dritte Sonate gefunden?



    Herzliche Grüße,:hello: :hello:


    Christian

    Beherrsche die Sache, die Worte werden folgen! (Cato der Ältere)