Leopold Mozart - Der Komponist

  • Der Name Leopold Mozart ist wohl so gut wie jedem Musikfreund bekannt. Meist in Zusammenhang mit seinem Sohn Wolfgang Amadeus, weil er ihn ja gecoacht" hat, wie man heute wohl sagen würde.
    Das wurde von der Musikgeschichte - und auch im Tamino-Klassikforum unterschiedlich bewertet.
    Leopold Mozart, Vater vom Wolferl, ein Genie des modernen Management?
    Dieser Thread befasste sich vorzugsweise mit Leopold Mozart als "Manager" von Wolfgang Amadeus. Gegen Ende des Threads wurden dan eher halbherzig einige Sinfonien Leopold Mozarts aufgezählt.
    Ich glaube indes, wir sollten Leopold einen Spezialtthread gönnen, der seine Werke etwas näher betrachtet und auch die Frage behandelt wie bedeutend Leopold - abgesehen von seiner Position als Vater eines Genies - eigentlich war - und ist.


    Nehmen wir hier als erstes Beispiel die Hornkonzerte Leopold Mozarts. Sie sind handwerklich gut gemacht, gefällig und unterhaltsam. Hier beherzigt der Vater das, was er seinem Sohn stets gepredigt hat: Die Stücke müssen auch den Durchschnittshörer ansprechen, eingängig sein und somit das Publikum ansprechen. Das ist offensichtlich gelungen, denn Leopold pflegt (nicht nur in seinen Hornkonzerten) einen volkstümlichen Ton, der Effekten nicht abhold ist. Im konkreten Falle sind es Schüsse in der Sinfonia da caccia G-Dur "Jagd-Sinfonie" - Aber wie wir im Laufe des Threads noch sehen werden ist dies kein Einzelfall. Leopold Mozart vermag das zeitgenössische Publikum zu erfreuen, seine Werke sind am Puls seiner Zeit......

    mit freundlichen Grüßen aus Wien
    Alfred

  • Eigentlich verwunderlich. daß Leopold Mozart nicht auf mehr Interess stösst. denn er war ein durchaus interessanter Komponist, mit sehr eingängigen Themen und effektvoller Orchestrierung. Man hör als Beispiel hier nur das sogenannte "Divertimento militaire", eigentlich eine veritable Sinfonie mit 5 Sätzen, klingt für mich streckenweise irgendwie wie eine Parodie auf einen deutschen Spielmannszug. Egal ob das nun zutrifft oder nicht - ein äusserst effektvolles Stück in meinen Augen. Leopold Mozart kann IM durchaus mit seinen Zeitgenossen - Joseph Haydn einschlossen mithalten, ja ich finde, da er sogar über eine äusserst markante Tonsprache verfügt, die ihn eigentlich einzigartig macht. Wie bekannt wäre Leopold heute, wenn da nicht sein Sohn gewesen wäre, in dessen Schatten er noch heute steht. Leopold hat unter anderm48 Sinfonien geschrieben. In drei Jahren ist sein 300. Geburtstag. Vielleicht gibts da ein paar Neuerscheinungen, bzw "Weltersteinspielungen"


    mfg aus Wien
    Alfred


    clck 130

  • In der Tat scheint er mir ein entdeckenswerter, eigenständiger Komponist zu sein, der sehr hörenswerte Musik geschrieben hat. Vieles findet man auch auf youtube; wer sich einmal ein Bild verschaffen will, kann dort etliche Stunden seiner Musik vorfinden. Stellvertretend möchte ich ein ganz erbauliches, erquickliches Trompetenkonzert zeigen, welches nur zwei Sätze hat, und sehr galant und einschmeichelnd klingt:


  • Zumindest EIN Werk sollte den Namen Leopold Mozarts der Vergessenheit entreissen, die sogenannte "Kindersinfonie". Noch in meiner Kindheit wurde sie als Werk Joseph Haydns bezeichnet, später dann aber seinem Bruder zugeschrieben. Irgendwann einigte man sich auf Leopold Mozart als Autor. Das war immerhin lange Zeit ziemlich unumstritten, die Sinfonie wurde aber meist doch unter dem Namen Joseph Haydns aufgeführt und aufgenommen. Irgendwann galt die Zuschreibung an Leopold Mozart als gesichert. Da tauchte 1992 ein handschriftliches Manuskript des komponierenden Benidiktinerpater Edmund Angerer auf, und flugs war die Zuschreibung geändert. Indes könnte es sich auch um eine Abschrift handeln, die Autorschaft sei hiermit noch lange nicht bewiesen, argumentiert der australische Musikwissenschafter Robert Illing.
    In der Praxis wir heute immer noch angenommen, Leopold Mozart wäre der Schöpfer.
    Wenn wir die Instrumentation und die zahlreichen "Zusatzinstrumente" in unsere Überlegungen mit einbeziehen, so bleibt in der Tat lediglich Leopold Mozart als vermutlicher Komponist übrig.
    Eigentlich war das werk usprünglich eine Cassatio in 7 Sätzen, in der heute üblichen Sinfonie-Fassung werden lediglich 3 davon gespielt

  • Bei dieser Gelegenheit bin ich draufgekommen, dass ich die "Kindersinfonie aktuell gar nicht im Archiv habe, ich besaß sie lediglich in meiner Vinylsammlung, die ich vor einigen Jahren entsorgt habe. Daher wird eine Neuanschaffung nicht zu umgehen sein. Meine Wahl fiel auf die hier gezeigte CD. Wir finden drauf weitere "Schlüsselwerke von Leopold Mozart, nämlich die "Bauernhochzeit" und die "Musikalische Schlittenfahrt". Wie schon bei der Kindersinfonie setzt Leopold Mozart auch hier nicht-orchestrale Klangerzeuger ein, um das Geschehen zu illustrieren, Derlei war beispielsweise Joseph Haydn verhasst. Für mich ist, wie schon im Beitrag Nr 4 angedeutet, Leopold Mozart mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit der Komponist der "Kindersinfonie.


    mfg aus Wien
    Alfred

  • Heute nur ein Zwischenspiel: Wenngleich ich Lopold Mozart nicht als "Kleinmeister" bezeichnen würde, so stellt sich dennoch die Frage, warum er nicht bekannter ist (von seiner "Violinschule" mal abgesehen). Eine scheinbar logische Erklärung wäre, daß er im Schatten seine Sohnes Wolfgang stand. Aber das ist vermutlich nur die halbe Wahrheit. Leopold komponierte im Stile seiner Zeit - vielleicht sogar etwas rückwärtsgewandt - und versuchte Dienstherrn und Publikum zu gefallen, etwas, das er ja seinem Sohn auch geraten hat. Wir finden bei ihm keine "revolutionären" oder "innovativen Werke. Das hat ihm unterZeitgenossen sicher eine gewisse Achtung verschafft - wirklich berühmt ist er indes nicht geworden. Der ideale Künstler wird ja von seinen Zeitgenossen verkannt, weshalb er früh stirbt. Nach einer gebotenen Pause wird er as "Genie", das seiner Zeit weit voraus war, gefeiert. Leopold Mozart ist indes kein solcher Fall
    Schauen wir mal wie er ca 100 Jahre nach seinem Tod beurteilt wurde.
    In "Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich" von Constantin v. Wurzbach (Band 19 - 1868) finden wir folgende interessante Stelle:
    Was den musikalischen Charakter und Werth seiner Arbeiten betrifft, so sind sie im Style seiner Zeit gehalten, gründlich, streng contrapunctisch, aber altväterisch
    Solche Verdikte haben eine lange Lebensdauer, da sie von Musiklexikonautoren von Generation zu Generation abgeschrieben werden.
    mfg aus Wien
    Alfred

  • Heute habe ich mir in aller Ruhe Leopold Mozarts "Bauernhochzeit" angehört. Sie gehört eigentlich zu den "Gelegenheitswerken" und wird, wie auch die "musikalische Schlittenfahrt" (ein Divertimento) und die "Kindersinfonie" (eine Cassation) nicht zu den Sinfonien gezählt, von denen uns Leopold immerhin 48 hinterlassen hat. Auch wenn sie nicht wirklich im allgemeinen Klassikbewusstsein verankert sind, so gibt es doch von einer gewissen Anzahl von ihnen passable Einspielungen, mit denen wir uns im Laufe der nächsten Monate auszugsweise befassen wollen. Übriegens - wer je die "Bauernhochzeit" oder die "Musikalische Schlittenfahrt" gehört hat, wird vermutlich an der Zuschreibung der "Kindersinfonie" an Leopold Mozart keinen Zweifel mehr hegen...

    mfg aus Wien
    Alfred

  • Heute erreichte mich diese CD. Entweder hatte ich sie all die Jahre zu bestellen vergessen oder ich hotte sie nihct bestellt, weil einige der darauf enthaltenen Werke auch auf anderen CDs, die ich bereits besitze, enthalten sind. Desungeachtet interessiert mich natürlich der Vergleich, und das werde ich in einem der nächsten Threads an Hand eines oder des anderen Werke zu beschreiben versuchen.
    Ich möchte aber nicht verabsäumen in die se Threads immer wieder ein bisschen Wissen oder Meinungen anderer Rezensenten und Musikhistoriker einfließen zu lassen, Leopold Mozart rückt dadurch auch ein wenig in den Focus, was ihm meiner Meinung nach auch gebührt.
    Im Vorstellungstext zur heute gezeigten Naxos CD finden wir folgendes Statement (origonal in englischer Sprache)


    Zitat

    Leopold Mozarts Ansehen hat mehr als der der meisten seiner Zeitgenossen gelitten, nicht zuletzt wegen des Ruhmes seines unvergleichlichen Sohnes und wegen vieler boshafter und mangelhafter Kritik in den letzten 200 Jahren. Dennoch war er ein scharfer und höhnischer Beobachter von Menschen und Moral, ein Kritiker und Lehrer der Superlative und, wie diese Aufnahme zeigt, ein feiner Komponist, dessen Werke weit über die Grenzen Salzburgs zirkulierten und den Namen Mozart berühmt machten, bevor er unsterblich wurde.


    Die Hervorhebung stammt von mir und ist vielleicht ein Hinweis auf seine mangelnde Berühmtheit. Leopold befand sich gewissermaßen in eine Doppelmühle - die Berühmteit seines Sohnes gar nicht mitgerechnet. Einerseits sehr angepasst, den Wünschen seines Dienstgebers sich ebenso unterordnend wie dem Zeit- und Publikumsgeschmack, andrerseits mit einem analytisch-Kritischem Verstand gestraft - ähh ausgezeichnet - Das ist eine gefährliche Mischung. Einerseits verfehlt man danit, sich mit der Aura von Genialität schmücken, andrerseits macht man sich bestenfalls keine Freunde - schon eher wahrscheinlich: Feinde....


    Das soeben erfolgte Abhörem der CD bestärkt mich in meiner ohnedies schon vorgeprägten Meinung, daß es sich bei Leopold Mozart um einen sehr interessanten Komponisten seiner Zeit handelt, nährer werde ich mich in den nächsten Wochen und Monaten damit befassen. Das Beiheft - bei Naxos nicht unbedingt eine Selbstverständlichkeit ist sehr engagiert und kompeten geschrieben, durchaus mit Sympathie für den Komponisten. Ein Blick auf den Verfasser macht klar warum: Es gandelt sich um Cliff Eisen (aus dem englischen übertragen), welcher sozusagen der "Ritter von Köchel" von Mozarts Vater ist. Der Autor ist also der Schöpfer des Werkverzeichnisses von Leopold Mozart, welches mit LMV - neuerdings aber immer häufiger und verdientermaßen mit der Bezeichnung "Eisen (Nr) gezeichnet ist. Eine gerechte Anerkennung für den 1952 in Toronto geborenen Musikwissenschafter .....


    mit freundlichen Grüßen aus Wien
    Alfred

  • Wer sich mit Leopold Mozart, dem Komponisten, und seinem symphonischen Schaffen vertraut machen möchte, ist mit dieser CD sehr gut bedient. Die Symphonien sind sehr munter, lebhaft und rhythmisch-tänzerisch, statt raffinierter Eleganz findet man hier eher eine schlichte, bisweilen etwas hemdsärmelige, aber sehr eingängige Melodik, die bisweilen auch träumerische und nachdenkliche Elemente aufweist. Insgesamt eine sehr lebhafte, schöne Einspielung.
    Lediglich bei der "Jagdsymphonie" hat man beim ersten Satz noch Gewehrschüsse und Hundegebell als Soundeffekte hinter die Musik gelegt; diesen "Gag" finde ich eher störend, da von der Musik ablenkend.
    Insgesamt jedoch eine hocherfreuliche Einspielung, und gerade weil es im Moment ja auch um "Sommermusik" geht - da finde ich, passen Leopold Mozarts Symphonien sehr gut: das soll nicht heißen, dass es hier um "seichtes Easy Listening" geht, ganz sicher nicht, sondern um Musik, die so raffiniert gestrickt ist, dass sie scheinbar schlicht und simpel anmutet, aber dennoch mit Melodien aufwartet, die nicht mehr aus dem Kopf gehen, und einem Rhythmus, der einem direkt in die Beine geht.
    Alles in allem auch mein Verdikt: Leopold Mozart müsste eigentlich viel bekannter sein, als er ist, auch ohne seinen Sohn und seine Violinschule hat er als Komponist ein eigenständiges, hörenswertes Oeuvre geschaffen!

  • Das mit den Gewehrschüssen und Hundegebell ist eine Gepflogenheit (Unart ?), die man in ähnlicher Form in vielen Werken Leopokld Mozarts findet.
    Früher hätte ich behauptet, es wäre die eine Modeerscheinung der Zeit gewesen, der einige Komponisten verfallen waren. Ich hätte damals die einst Joseph, später Michael - Haydn zugeschriebenen "Kindersinfonie" als Beispiel genommen, aber die wird ja inzwiscxhen auch Leopold Mozart zugeschrieben.
    Andrerseits gab es aber auch zahlreiche Werke mit "Schlachtenlärm", wie beispielsweise Beethovens op 91 "Wellingtons Sieg oder die Schlacht bei Victoria"
    oder Tschaikowskys "Ouvertüre Solennelle 1812" op 49 von Tschaikowsky
    Von Leopold Mozart ist ferner die "Musikalische Schlittenfahrt" bekannt wo Schlittengeläute und 2 Courierpeitschen mit einkomponiert waren.
    Irgendwie wurde Leopold posthum für die konsequente Ausbildung seines Sohne belohn: Er wurde von der Musikgeschichte nicht völlig vergessen - im Gegensatz zu vielen seiner Zeitgenossen, deren Werk noch in den Archiven schimmeln und die sehnsüchtig auf ihre Wiederentdeckung durch cpo oder Naxos warten.....
    Nachstes Jahr ist ein Leopold Mozart Jubiläumsjahr - da feiern wir seinen 300. Geburtstag


    mfg aus Wien
    Alfred

  • gerade weil es im Moment ja auch um "Sommermusik" geht


    Hallo, Don Gaiferos,


    auch bei mir ist Leopold Mozart bisher sträflich vernachlässigt worden, nur wenige Aufnahmen mit seiner Musik sind vorhanden. Und ausgerechnet auch noch "Wintermusik", nämlich:


    "Musikalische Schlittenfahrt" F-dur
    mit dem Ensemble Eduard Melkus und Peter Guth, Solo-Violine (Aufnahme: 1975, Wien).


    Aber natürlich habe ich auch die lange Zeit Joseph Haydn zugeschriebene "Kinder-Sinfonie", und noch ein besonderes Schmankerl, auf dieser CD:


    Trompetenkonzert D-dur
    Maurice André (Trompete) und die Berliner Philharmoniker, Dirigent: Herbert von Karajan (Aufnahme: 5/1974, Philharmonie Berlin).


    Das ist aber auch schon alles! Eigentlich doch recht wenig …….


    LG, Nemorino

  • Natürlich wird Leopold Mozart weitgehend vernachlässigt.
    Wie schon weiter oben in meinem Beitrag erwähnt, wurden seine Kollegen weitgehend vergessen.
    Bei Leopold Mozart ist es dank seines berühmten Sohne und natürlich auch dank der von ihm verfassten "Violinschule", die lange als eines der Standardwerke auf diesem Gebiet betrachtet wurde nicht der Fall, aber auch er musste dem schludrigen Umgang mit Werken von "Kleinmeistern" Tribut zollen. Er hat zwar sehr viel geschireben, aber es ist auch sehr vieles verloren. Zudem ist viles, was hute als Werl Leopolds gilt lediglich eine Zuschreibung. Solche Gegebenheiten sind den Plattenproduzenten stets ein Dorn im Auge. Da ändert auch das Werkverzeichnis von Cliff Eisen(*1952) nur wenig daran.......
    Sollten meine Infomationen indes nicht unzuverlässig sein, dann gibt es das von ihm verfasste LMV Verzeichnis erst seit 2010 (?)
    Ich bin aber guten Mutes, daß das Leopold Mozart Jahr 2019 nicht ungenutzt verstreichen wird.


    mfg aus Wien
    Alfred