• Eigentlich müsste der Thread ja heissen: "Musik und Bild" oder "Klang und Bild", "Klang und Farbe" , die Liste liesse sich beliebig fortsetzen.
    Dennoch - bleiben wir beim Threadtitel.
    Es gibt einen gewissen Zusammenhang zwischen jenen Emotionen, die ein (beispielsweise) Ölgemälde oder eine klassisches Musikstück hervorruft. Vor einigen jahren realisierte während der langen Nacht der Museen ein solches ein Projekt, wo klassische Musik vor historischen Gemälden aufgeführt wurde -eine ganze Nacht lang.


    Seht ihr eine "gegenseitige Befruchtung" zwischen Bild und orchestrale Musik - oder sind das für Euch gesonderte Kunstgattungen, die einander - wenn schon nicht ausschließen, so doch stören - bzw nichts zu sagen haben ?


    mfg aus Wien


    Alfred

    Man merkt die Absicht und man ist verstimmt ......


  • Also ehrlich - darüber habe ich mir noch nie Gedanken gemacht. Ich habe nur eine Auffälligkeit bemerkt: die nämliche, daß mir Bilder und Musiken 'meiner' Epoche meistens gefallen. Bei den modernen Sachen gefallen mir Bilder besser als die Musik der entsprechenden Zeit. Für Literatur gilt das gleiche: da gefällt mir durchaus auch Moderne(re)s.


    Zu 'Musik und Malerei' fällt mir da spontan das Konzept von Naxos ein - stets ein passendes (?) Bild der Zeit zum Werk, zudem den Bilderfarben angepasste Schriftfarben. Aber ich glaube, daß ist eher nicht gemeint.


    :hello:


    Ulli

    Die Oper muss Tränen entlocken, die Menschen schaudern machen und durch Gesang sterben lassen.
    (Vincenzo Geilomato Hundini)

  • Bilder zur Musik - Musik zu den Bildern


    Ich freue mich über dieses Konversationsthema! Schon immer habe ich gedacht, dass man auch darüber diskutieren könnte, wie visuelles und Hörerlebnis zusammenhängen mögen.


    Die drei Schwierigkeiten, an die man dabei denken muss – ohne dass man dadurch etwa eingeschüchtert wird – sind, so glaube ich, die folgenden:


    1. Das Problem der Programmmusik: Sobald man weiß, dass es in der Musik um den Frühling geht, denkt man an Frühlingsbilder (z.Bp. Vivaldi, Sinding, Stravinski und und und…) und sobald man weiß, dass es bei dermKlarinettensolo darum geht, dass die Katze auf den Baum klettert, um den Vogel zu schnappen, will man im Gedächtnis nach solchen Bildern suchen (Prokofjev).


    2. Das Problem der Epochen: Unser Wissen um die Epocheneinteilung, die Kenntnis darüber, wann ungefähr ein Bild gemalt wurde, was für Werke zur Zeit des Barocks oder der Romantik, der Sezession oder der Neuen Sachlichkeit usw. usf. entstanden sind, beeinflussen uns bestimmend bei der Assoziation. Bei einer Barockoper denkt man nicht an ein Bild aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhundert (historischer Realismus, wie das in Ungarn populär war) – obwohl das eigentlich nicht ausgeschlossen wäre usw.


    3. Das Problem der Assoziationsrichtung: wollen wir vom visuellen Erlebnis ausgehend auf das Hörerlebnis assoziieren – oder umgekehrt?


    Auch wenn einem diese beeinflussenden Faktoren einfallen, halte ich die Möglichkeit, über unsere Assoziationen zu sprechen, für besonders reizend. Uns steht ja die Möglichkeit zur Verfügung, die verlockenden Grunderlebnisse über epochalen und sonstigen Zusammenhänge neu zu erleben und zu befestigen. Und es ist auch möglich, im Zusammenhang von Malerei und Musik sozusagen „gegen den Strich” zu wählen.


    Ich versuche nun kurz über (1) Assoziationen epochal begründet und (2) gegen den Strich zu erzählen.


    Ich habe die Ausstellung von Ilona Keserq gesehen, sie malt nonfiguartiv und arbeitet mit einem eigenartigen Rhythmus von Farben und Formen. Die Ausstellung war eine Zusammenfassung über ihre bisherige Tätigkeit. Bei der Finissage ertönte auch ein Kammerstück von László Vidovszky, einem sehr guten und anerkannten Komponisten, Vertreter von „minimal art”. Die „natürliche” Assoziation zwischen Bildern und Musik war gegeben. Ich hatte dabei auch an Kurtág denken müssen.


    Informationen über Ilona Keserq:


    http://www.artnet.com/artist/559948/ilona-keseru.html
    http://art.pte.hu/dla/szinero/…s_in_progress_keseru.html
    http://eifert.hu/blog/?p=13
    http://artportal.hu/lexikon/muveszek/keseru_ilona (drei Bilder unten am Ende der Site)


    Informationen über den Komponisten u.a. hier:


    http://www.arithmeum.uni-bonn.de/de/events/325
    http://www.youtube.com/watch?v=E8BNqRXDTnw


    Und nun die umgekehrte Richtung und auch gegen den Strich:


    Wenn ich Schumanns „Blumenstück“ höre (tu ich sehr gern…), sehe ich vor mir immer wieder einen Weg, zwischen Hügeln, zum Stehen-Bleiben und zum Weitergehen, immer wieder, bei Licht und Schatten. Man könnte an viele solche Bilder denken, unabhängig von Epochen und Stilrichtungen. Ich denke dabei an Bilder von Egry, József (1883-1951), dessen Bilder ich besonders mag.


    http://2.bp.blogspot.com/_ID_j…2BJ%C3%B3zsef-Balaton.jpg



    Damit habe ich allerdings die zwei allerleichtesten Wege gewählt, wenn es um Malerei und Musik geht: einmal moderne (postmoderne) Musik mit nonfigurativen Bildern und einmal die einfachste freie Assoziation mit Naturerlebnissen… :pfeif:


    :hello: KP

  • Zitat

    Zu 'Musik und Malerei' fällt mir da spontan das Konzept von Naxos ein - stets ein passendes (?) Bild der Zeit zum Werk, zudem den Bilderfarben angepasste Schriftfarben. Aber ich glaube, das ist eher nicht gemeint.


    Ja und nein.


    Natürlich sollte das Thema tiefschürfender behandelt werden, aber natürlich ist die Auswahl der Naxos-Coverbilder kein Zufall.


    Das passende Bild verstärkt den Reiz, die CD zu kaufen, Bild und Musik bilden in gewisser Weise ein Ganzes, das uns vorgaukelt in eine längst entschwundene Zeit "entfliehen " zu können.


    Eine Ausstellung, die eine gewisse Zeit wiederspiegelt gewinnt an Suggestivkraft, wenn zusätzlich noch passende Musik aus der entsprechenden Epoche ertönt....


    mfg aus Wien


    Alfred

    Man merkt die Absicht und man ist verstimmt ......


  • Dass die Musik bildende Künstler inspiriert und umgekehrt natürlich auch bildende Kunst die Musiker, Literaten, sowie alle anderen Kunstsparten ebenso, dessen bin ich mir sicher! :yes:
    Da ich seit einigen Jahren dem Kasseler Künstler Kreis angehöre - bildende Kunst, Literatur und Musik - erfahre ich dort auch immer wieder, wie die unterschiedlichen Kunstgattungen miteinander kommunizieren, voneinander profitieren und sich gegenseitig inspirieren.
    Dies ist allerdings keine tief schürfende wissenschaftlich fundierte Studie, sondern eine Beobachtung im gleichgesinnten Freundeskreis. :untertauch:
    Mit lieben Grüßen,
    Diotima. :hello:

  • Lieber Alfred, eine gegensseitige Befruchtung zwischen Bild und Musik ist ein durchaus passender Ausdruck für etwas Tatsächliches in der Kunst. Die Kunst der jeweiligen Epoche ist ein Spiegel der Geisteshaltung, ja Weltanschauung und des Selbstverständnisses der Menschen jener Zeit.
    Wenn also Museumsleiter Tonkunst und Malkunst zuammen präsentieren hat das schon seinen didaktischen Sinn. Wenn das Bild, die Musik und die umgebende Architektur zeitlich zusammengehören ist das Gesamterlebnis wohl noch eindrucksvoller, ja autentischer. Kunst möchte im Betrachter oder Hörer ja etwas bewirken, du hast es ja in deinen Anfangsworten schon angesprochen, es geht um Emotionen. Etwa ein Barocker Künstler kann sich durchaus von der damals aktuellen Musik inspiriert gefühlt haben und umgekehrt.
    Die Barocke Kunst, da schließe ich die Musik ein, ist die am stärksten auf den Rezensienten eindringende, sie will überreden, ja mitunter sogar erschlagen und entwaffnen um Gott oder dem Souverän völligen Tribut zu zollen. Dafür zieht sie alle Register des Möglchen und auch Unmöglichen, damit meine ich bisher noch nicht Dagewesenen. Grund hierfür war die großen Spanungen ausgesetzte christliche Religion.
    In der Architektur beispielsweise das vor und rückschwingen der Fassade, eigenwillige Giebel und Säulenkonstruktionen welche in der Renaissance undenkbar gewesen waren. Die Bilder der wohl größten Barockmalers, Rubens leuchten in satten, sinnlichen Farben und rufen mit der regen Mimik und Gestik der Dargestellten wie die bewegte Architektur Emotionen, Entscheidungen beim Betrachter hervor. Gleiches in der Plaskik und eben in der Tonkunst, der Musik. Barocke Musiker wie Monteverdi, Frescobaldi, Schütz, Carpentier, Lully, Händel und Bach drückten Afekte zielsicher aus und transportierten Botschaften, die auch verstanden wurden.Die Barocke Musik führte Neuerungen ein gleich den Künsten aus den anderen Lagern, etwa den Generalbass.
    Nun, uns im 21. Jahrhundert ist nun vieles klarer als den Menschen in früheren Jahrhunderten, aufgrund fehlenden Wissens um die Ursachen der Kunst früherer Zeiten wirkt vieles unverständlich für jetzige Erdenbürger.
    Daher finde ich es durchaus lehrreich Malfarben zeitlich entsprechenden Klangfarben gegenüberzustellen, man wird Parallelen feststellen die zu aufschlussreichen Erkenntnissen führen werden, von einem akustischen als auch optischen Vergnügen einmal abgesehen.


    Beste Grüße, Monsieur