Unbekannte Opern

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    Originaltitel: Goyescas, o Los Majos enamorados (Goyescas oder Die verliebten Schönen)

    Oper in 3 Bildern (acht Szenen) von 1915 - UA Metropolitan Opera New York am 28. Januar 1916

    Libretto von Fernando Periquet y Zuaznábar. (Das Libretto wurde entgegen der üblichen Vorgehensweise an die bereits existierenden Notenvorlage angepasst.)


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    Szene aus der Metrpolitan Opera 1916


    "Goyescas" beschwört ein Spanien der Goya-Zeit am Ende des 18. Jahrhunderts herauf, einerseits galant und sinnlich, andererseits melancholisch und düster. Als thematische Klammer dient - wie der Untertitel 'Los majos enamorados' andeutet - das Leben junger Verliebter, das in mehreren Szenen mit all seinen Freuden und Leiden geschildert wird. Die Handlung von "Goyescas" hat nicht viel mit den Bildern Goyas zu tun, dafür aber mit den spanischen Tanzformen Tonadilla und Fandango. Daraus machte Granados eine schmissige Musik voller Temperament und voller Sinnlichkeit. Die Arie, mit der die schöne Rosario die Nachtigall besingt, kann mühelos mit Puccini konkurrieren. "Goyescas" war die erste Oper, die an der Metropolitan Opera auf Spanisch aufgeführt wurde, zusammen mit Leoncavallos "Pagliacci".


    Anna Fitziu sang die Rolle der adeligen Rosario, Giovanni Martinelli ihren Liebhaber Fernando, Giuseppe De Luca den Stierkämpfer Paquiro und Flora Perini das Mädchen Pepa

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    Handlung

    (Die Handlung von "Goyescas" basiert auf einer Reihe von sechs Gemälden aus Francisco Goyas Frühwerk, inspiriert von Jugendlichen der „Majismo“-Bewegung. Diese sogenannten Majos und Majas zeichnen sich durch einen Hang zur Bohème aus.)


    Jugendliche verbringen ihre Zeit mit Tanz, Schlemmerei einem Spiel namens Pelele, bei dem eine Strohpuppe, die einen untreuen Liebhaber darstellen soll, mit einem gespannten Tuch in die Luft geschleudert und wieder gefangen wird („El Pelele“). Der Stierkämpfer Paquiro tritt auf und kokettiert mit den Frauen, die jedoch wissen, dass er mit Pepa liiert ist. Eine von zwei Dienern getragene Sänfte, in der die Adelige Rosario auf ihren Liebhaber Fernando wartet, erregt Aufmerksamkeit

    Paquiro nähert sich ihr und lädt sie für diese Nacht zu einem Ball ein. Rosario ignoriert ihn, aber Fernando wird eifersüchtig, da er glaubt, dass Rosario mit Paquiro kokettiert hat. Pepa und Paquiro fassen den Plan, Rosario und Fernando einen Streich zu spielen.

    Abends auf dem Laternenball tanzen die Jugendlichen in einer Scheune. Fernando betritt mit Rosario, die von Pepa verspottet wird, die Szene. Fernando versichert Rosario, dass er ihre Ehre verteidigen werde.

    Fernando beleidigt Paquiro, woraufhin dieser ein Duell vorschlägt. Nachdem Zeit und Ort des Duells festgelegt wurden, verlassen Fernando und Rosario den Ball und erklären ihre gegenseitige Liebe. Als ein Glockenschlag die Stunde des Duells ankündigt, erscheinen Paquiro und Pepa, Rosario klammert sich an Fernando und bittet ihn, zu bleiben. Fernando reißt sich los, Rosario folgt ihm, das Duell beginnt. Zwei Schreie sind zu hören – einer stammt vom tödlich verwundeten Fernando, der andere von Rosario, die Fernando zu einer Bank schleppt. Sie zieht ihn an ihre Brust und die beiden küssen sich ein letztes Mal, bevor er in ihren Armen stirbt.


    Entstehung

    Die gleichnamige Klaviersuite nach Gemälden von Francisco de Goya aus dem Jahr 1911 war in Paris 1914 so begeistert aufgenommen worden, dass die Pariser Oper Granados anbot, eine Bühnenfassung zu erstellen. Der Erste Weltkrieg verhinderte jedoch die Aufführung an der Opéra Garnier und daher fand die Uraufführung 1916 an der Metropolitan Opera statt. Granados reiste in Begleitung seiner Frau und dem Sängerensemble nach New York und arbeitete dort noch kurzfristig das Intermezzo zwischen dem ersten und zweiten Bild um, da die ursprüngliche Fassung für den Szenenwechsel zu kurz war. Granados wurde nach der Premiere derart gefeiert und umjubelt, dass er von US-Präsidenten Woodrow Wilson eingeladen wurde, im Weißen Haus einen Klavierabend zu geben. Deshalb konnte er nicht, wie ursprünglich geplant, direkt nach Spanien zurückreisen sondern nahm ein späteres Schiff nach England. Auf der letzten Etappe der Heimreise wurde die französische Kanalfähre Sussex im Ärmelkanal beim Übersetzen von Folkestone nach Dieppe von einem deutschen U-Boot torpediert und schwer beschädigt. Granados konnte zwar zunächst gerettet werden, stürzte sich aber, als er seine Frau hilflos im Meer treiben sah, in einem verzweifelten Rettungsversuch zurück ins Wasser, wo beide ertranken.

    Es gibt bei YT zwei Aufführungen zur Auswahl


    szenisch


    konzertant


    Das Intermezzo der Oper hat sich zu einem beliebten eigenständigen Konzertstück entwickelt. Es wird in Arrangements für Orchester und für Cello und Klavier aufgeführt.


    Aufnahmen

    - Decca Records LXT 5308 (1 LP) 1955 mit Consuelo Rubio (Rosario), Ginés Torrano (Fernando), Ana-María Iriarte (Pepa), Manuel Ausensi (Paquiro), Spanisches Nationalorchester unter Ataúlfo Argenta

    - Auvidis V4791 (1 CD) 1996 mit Maria Bayo (Rosario), Ramón Vargas (Fernando), Lola Casariego (Pepa), Enrique Baquerizo (Paquiro) Orquesta Sinfónica de Madrid unter Antoni Ros-Marbà

    - Dynamic CDS380/1 (CD) 2001 live Teatro Lirico di Cagliari mit Rafaella Angeletti (Rosario), Yikun Chung (Fernando), Francesca Franci (Pepa), Davide Damiani (Paquiro), Coro ed Orchestra del Teatro Lirico di Cagliari unter Rafael Frühbeck de Burgos

    - 2019


    Aufführungen in den letzten zwanzig Jahren: 2001 Cagliari, 2005 Savonlinna, 2009 Heidelberg, 2011 Montpellier, 2013 Clermont-Ferrrand, 2015 Turin / Madrid / Sabadell, 2016 Regensburg / Florenz / Neapel,

    6. November 2021 konzertant Limoges, 7. und 9. November 2021 szenisch Limoges (also ganz aktuell jetzt) mit Kevin Amiel

    Siehe auch Opernführer Tamino

    Libretto (Spanisch und Deutsch)


    Für Klavier transkribierte Notenblätter des "Intermezzo"


    Ein spanischer Film nach der Oper "Goyescas" wurde 1942 gedreht. Er wurde von Benito Perojo inszeniert mit Imperio Argentina, Rafael Rivelles, Armando Calvo, Marta Flores

    Alles Gute und einen Gruß von Orfeo


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    Kann man über eine noch gar nicht existierende Oper berichten? Besonders tiefgründige Anmerkungen natürlich nicht, aber da fast jeder das Sujet kennt, wird dieser Beitrag hoffentlich neugierig machen auf ein Werk, das zur Zeit noch im Zustand des Entstehens ist.

    Zuerst gab es das Gemälde (1665).  Das Gemälde inspirierte eine Schriftstellerin zu einem (nicht auf Tatsachen beruhenden) Roman über die Entstehung Bildes (1999). Der Roman inspirierte einen Regisseur zu einem Film (2003). Der Film inspirierte einen Intendanten zu einem Kompositionsauftrag. Der Auftrag inspirierte den Komponisten Stefan Wirth zu einer Oper, die aber erst im April 2022 ihre Uraufführung mit einer erstklassigen Besetzung erleben wird.

    In den Hauptrollen: Lauren Snouffer als Griet, Thomas Hampson als Jan Vermeer, Laura Aikin als Catharina Vermeer, Felicity Palmer als Maria Thins, Yannick Debus als Pieter.

    Der Blick des Mädchens, an dessen Ohr eine Perle glänzt, gehört zu dem berühmten Gemälden Meisje met de parel des Malers Jan Vermeer . In ihrem Roman erweckte Tracy Chevalier das Gemälde zum Leben und erfand eine packende Erzählung über den Künstler Vermeer und seine Muse, einer Dienstmagd, die beim Reinigen des Künstlerateliers Einblick in das Geheimnis um Farben, Licht und Perspektiven des Malers bekommt. Das Opernhaus Zürich hat den Komponisten Stefan Wirth beauftragt, aus der literarischen Vorlage eine Oper zu kreieren. Wirth hat sich neben dem Komponieren auch als Pianist und virtuoser Interpret zeitgenössischer Werke einen Namen gemacht. Als Liedbegleiter trat er mit Künstlern wie Christoph Homberger, Thomas Hampson oder Noëmi Nadelmann auf. Überdies ist Stefan Wirth Mitglied der Vier-Flügel-Formation «Gershwin Piano Quartet», mit der er auf bedeutenden Festivals konzertierte, so unter anderem am Schleswig-Holstein Musik Festival.

    Der Librettist Philip Littell verfasste 1998 bereits das Libretto zu der erfolgreichen Oper "A Streetcar named Desire" von André Previn und orientierte sich für sein neustes Werk an dem in 40 Sprachen übersetzten Roman "Girl with a Pearl Earring" von Tracy Chevalier.


    Handlung im Roman, im Film und in der Oper

    Nachdem der Vater der 16-jährigen Griet durch einen Arbeitsunfall in finanzielle Not geraten ist, wird sie Dienstmagd im Hause der Familie Vermeer. Vermeer gehört der gleichen Gilde an wie Griets Vater, ein Fliesenmaler. Griet teilt sich die Arbeit in dem zehnköpfigen Haushalt mit einer anderen Magd. Aber nur Griet darf das Atelier des Malers putzen. Nichts darf dabei verstellt werden. Griet gewinnt die Aufmerksamkeit Vermeers, der ihren Sinn für Farbharmonie und ihre Sensibilität für seine Bilder erkennt: sie lässt die Fenster ungeputzt, weil sich das Licht verändern würde; sie bemerkt, dass eine Karte im Hintergrund die Komposition stört; oder sie ordnet ein blaues Tuch neu, um die Ordnung mit einem Hauch von Unordnung zu kontrastieren. Während van Ruijven, ein Gönner Vermeers, sie sexuell belästigt, umwirbt auch der Fleischersohn Pieter sie. Als sie dem Maler Modell für ein Auftragsgemälde van Ruijvens steht, legt Vermeer ihr dafür die Perlenohrringe seiner Frau an. Vermeers Frau Catharina ist unsicher, inkompetent, eifersüchtig und meistens schwanger; als Griet ins Haus kommt, ist gerade das sechste Kind unterwegs. Sie möchte weder mit dem Haushalt, noch mit den Kindern behelligt werden, auch die Arbeit ihres Mannes interessiert sie nicht. Die Schwiegermutter Maria Thins hingegen erkennt, wie sehr Griet den Maler in seiner Arbeit inspiriert und sie hält ihre schützende Hand über Griet, solange Vermeer nur an seinen Bildern arbeitet, die die Haupteinnahmequelle der großen Familie sind. Als Vermeers Frau herausfindet, dass Griet ihre kostbaren Perlenohrringe für das Bild getragen hat, muss diese das Haus Vermeers verlassen, kehrt nach Hause zurück, heiratet Pieter und arbeitet nun mit ihrem Mann auf dem Delfter Markt. Dort überreicht ihr eines Tages eine Magd ein versiegeltes Päckchen mit den Perlenohrringen, die sie als Modell getragen hat.


    Griet wird als eine intelligente, stille Beobachterin geschildert. Schnell durchschaut sie den Charakter der Menschen um sie herum und die Verteilung der Machtverhältnisse. Dies und ihre haushälterischen und taktischen Fähigkeiten ermöglichen ihr, in dem chaotischen Haushalt zu überleben und ihre Position zwei Jahre zu halten.


    Inzwischen liegt ein fünfminütiger Musikausschnitt "The song of the tile" (Lied von der Fliese), aus der Oper "Girl with a pearl earring" für Sopran und Klavier" vor. Hier eine Konzertaufnahme vom 24. November 2018 mit Catriona Bühler - Sopran und Stefan Wirth - Klavier.

    Alles Gute und einen Gruß von Orfeo

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    Die Kurzopern Der Diktator – Das geheime Königreich - Schwergewicht, oder die Ehre der Nation über verschiedene Machtmenschen, vereint in einem Triptychon.

    Alle drei Opern wurden am 6. Mai 1928 im Rahmen der Internationalen Maifestspiele Wiesbaden im Hessischen Staatstheater Wiesbaden uraufgeführt.


    Krenek erzählt drei unterschiedliche Geschichten in letztlich mehr oder weniger auch politisch motivierten Einaktern. Er schrieb sein Triptychon 1926/27 nach dem grandiosen Erfolg von "Jonny spielt auf" und vereinte mit seinen drei Einaktern eine Tragische Oper, eine Märchenoper und eine burleske Operette. Das Vorbild war offensichtlich das Triptychon von Giacomo Puccini, denn Krenek hielt sich an eine ähnliche Reihenfolge von blutrünstigem Melodrama, weltentrückter Romantik und leichtfüßiger Komödie.


    Spätestens mit der Oper „Jonny spielt auf“ wurde Krenek für die Nationalsozialisten ein sogenannter "Kulturbolschewist" und nach der Machtübernahme wurden seine Werke im Deutschen Reich als „entartet“ verboten. Da Krenek aufgrund der Machtergreifung der Nationalsozialisten in Deutschland 1933 und in Österreich 1938 Europa verlassen musste, erlebte die Aufführungsgeschichte seiner Werke in Europa eine Zäsur. Von 1939 bis 1947 wird er „Professor of Music“ am Vassar College in Poughkeepsie, N.Y., hält Gastvorlesungen an den Universitäten von Michigan und Wisconsin und hat eine dreifachen Job als “Professor of Music, Head of the Department of Music und Dean of the School of Fine Arts“ an der Hamline University, St. Paul, Minnesota. 1945 erhält er die amerikanischen Staatsbürgerschaft.


    Der Diktator "Tragische Oper“ in einem Akt

    Thema der Oper ist „eine blutige Mordgeschichte aus dem Privatleben eines dem Duce-Typus nachgebildeten Charakters“. Als Vorbild für den Diktator diente Krenek der 1922 in Italien zur Macht gekommene Benito Mussolini. „Unter Diktator verstehe ich hier nicht den Exponenten einer bestimmtem politischen Ideologie, sondern einen Typus von Mensch, dessen beherrschende Eigenschaften sich in einer suggestiven Domination über seine Umwelt äußern, darunter auch in politischer Hinsicht, die mich aber in diesem Falle gar nicht interessiert. Dieser Typus, in der Geschichte keineswegs neu, scheint uns heutzutage durch bestimmte Ausprägungen neuerdings nahegelegt zu sein".


    Von Beginn an ist in der Oper kalte und klare Machtarchitektur angesagt: Der „große“ Diktator residiert im Luxushotel am Genfer See um sich vom letzten Krieg zu erholen und verordnet per Dekret gleich den nächsten Krieg. Er hat ein Auge auf Maria, die hübsche Gattin eines durch eine Kriegsverletzung erblindeten Offiziers, der im benachbarten schlichten Genesungsheim Besserung sucht, geworfen. Maria beschließt, den Diktator aus Rache an ihrem versehrten Mann zu töten und bedroht ihn mit einem Revolver ..... und schießt daneben. Der Diktator lacht darüber herablassend und schon wird aus ihrer Verachtung Bewunderung, aus Hass glühende Unterwerfung. Überwältigt legt sie den Revolver weg und das Paar verspricht sich ewige Treue. Charlotte, die eifersüchtige Ehefrau des Diktators hat die beiden jedoch hinter einem Paravent belauscht und greift nach dem Revolver und will ihren Mann erschiessen. Maria wirft sich dazwischen und wird tödlich getroffen. Entsetzt schickt der Diktator seine Frau aus dem Zimmer und ruft einen Detektiv, dem er mitteilt, dass Maria aus unglücklicher Liebe Selbstmord begangen hat. Er wankt hinaus, als er den blinden Ehemann Marias hereinkommen sieht, der den Schuss gehört hat und hofft, dass Attentat sei geglückt.


    Die Betonung des starken Mannes erinnert an die künstlerische und philosophische Bewegung der Futuristen, die Stärke, Gewalt und Energie als etwas Positives sahen; für sie war es wichtig, das moderne Leben und besonders die Technologie euphorisch zu feiern, Krieg zu führen. Gewalt anzuwenden sahen sie mehrheitlich positiv.


    Das geheime Königreich Märchenoper in 1 Akt

    Das Volk will den Herrscher stürzen und beginnt eine Revolution, worauf der König, Rat und Hilfe beim Narr sucht. Die Königin berichtet von Übergriffen des Pöbels. Schliesslich überlässt der König seine Krone dem Narren und eilt davon. Der Führer der Aufständischen wird hereingeführt und erweckt das Interesse der Königin, die dem Narren die Krone entreißt um gemeinsam mit dem Rebellen die Macht zu teilen. Bald merkt sie, dass dieser mehr an der Macht interessiert ist als an ihr und sie bekommt Angst. Der König hat sich unterdessen das Narrengewand angezogen und geht in einen großen Wald. Der Rebellenführer hat die Königin, die mit der Krone ebenfalls in den Wald geflüchtet ist, eingeholt. Sie versucht, den Rebellen zu verführen, doch wird sie zur Bestürzung des Mannes plötzlich in einen Baum verwandelt.

    Rebellen tauchen auf, die den König töten wollen, in ihrer Trunkenheit aber nicht wissen, wer er ist und mit ihm saufen. Der König gibt sich zu erkennen, wird aber nicht ernst genommen. Die Revolutionäre und der echte Narr, der die ganze Szene beobachtet hat, gehen grölend davon. Der König will sich erhängen, doch der Baum (die verwandelte Königin) versucht ihn zu trösten. Der König schläft ein und hofft auf ein besseres Leben. Der echte Narr kehrt zurück, nimmt seine Kleider wieder an sich und drückt dem König die Krone aufs Haupt und wünscht ihm für die Zukunft mehr Glück. Der König beschließt, im schönen, stillen Wald – seinem wahren Königreich – zu bleiben.


    Der Narr ist im ersten Bild ein weiser Mahner, der das Wesen der Welt und der Gesellschaft klarer durchschaut als alle anderen. Im zweiten Bild wird dazu seine Verwandtschaft zum Puck aus Shakespeares Komödie "Ein Sommernachtstraum" erkennbar. Der Narr steht in engem Kontakt mit der Natur und weiß um ihre geheime Macht. Wie Puck stellt er die Ordnung unter den schlafenden Menschen wieder her und überläßt sie den heilenden Kräften der Natur.


    Schwergewicht oder Die Ehre der Nation „Burleske Operette“ in einem Akt

    Der damalige deutsche Botschafter in den USA äußerte bei einem Besuch des deutschen Schwergewichtsboxers Max Schmeling, dass Spitzensportler mehr für den guten Ruf Deutschlands getan hätten als sämtliche Künstler und Gelehrte. Ernst Krenek reagierte darauf prompt mit dieser nicht ganz ernst zu nehmenden burlesken Operette.

    Die Oper spielt im Trainingsraum des Meisterboxers Adam Ochsenschwanz. Seine Frau Evelyne bereitet sich mit dem Tanzmeister Gaston, ihrem Liebhaber, auf den Weltrekord im Dauertanzen vor. Der etwas tumbe Ochsenschwanz bemerkt die Affäre lange Zeit nicht, ertappt die beiden jedoch beim Küssen. Er verliert die Beherrschung und demoliert Tisch und Geschirr, Sportgeräte und seinen modernen Trainingsapparat. Gaston sucht das Weite, Evelyne wird in einem Zimmer einsperrt, wo Gaston sie später befreit und den Trainingsapparat so manipuliert, dass der Boxer beim Training das Gerät nicht mehr abstellen kann. Die Medizinstudentin Anna-Maria Himmelhuber schleicht sich in den Saal, um ein Autogramm des «Meisterboxers» zu bekommen, verbirgt sich unter einem Tisch, wird aber von Gaston entdeckt und in eine Trainingspuppe verwandelt. Die Liebenden fliehen gemeinsam. Als nächstes betritt der Regierungsrat Professor Himmelhuber die Bühne und ernennt Ochsenschwanz zum Teilnehmer an der nächsten Olympiade und verleiht ihm den Ehrendoktortitel als „Ehre der Nation“. Der Boxer will dem Professor an der vermeintlichen Puppe seine Kraft demonstrieren und schlägt die Puppe zusammen. Himmelhuber entdeckt seine Tochter in der Puppe und bezichtigt Ochsenschwanz der Schändung einer Minderjährigen. Um sich abzureagieren, setzt sich der Meisterboxer in seinen Trainingsapparat, den er aber dank Gastons Eingriff nicht mehr abstellen kann. Seine Bitte, den Strom abzustellen, lehnt der Professor ab, damit nicht eine Minute seines kostbaren Trainings verloren gehe.

    Hier triumphiert die List der Cleveren über die Muskelkraft, als der Boxer auf die Bühne gelockt wird und in einen dreidimensionalen Kreisel, sein akrobatisches Trainingsgerät, gesteckt und förmlich schwindlig gespielt wird. Eine höhnisch-heitere Abrechnung mit verbreiteten Liebes- und Machtintrigen.


    Durch die etwas dünne, eher an eine Kabaretteinlage erinnernde Handlung wird das Werk eindeutig unter die sogenannten «Sketchopern» eingereiht, die im Deutschland der späten zwanziger Jahre florierten und von denen Paul Hindemith (Hin und zurück, 1927) und Kurt Weill (Der Zar läßt sich photographieren, 1928) die wohl bekanntesten Beispiele lieferten. Das Textbuch ist reich an Bühnenwitzen («Kennen Sie Goethes Faust?» - «Die meinige ist besser!») und Slapsticks wie in amerikanischen Stummfilmkomödien (die junge Anbeterin, die als Trainingsdummy getarnt beinahe bewußtlos zusammengeschlagen wird). Schon die Namen „Adam Ochsenschwanz“ und „Anna Maria Himmelhuber“ verraten allerhand.


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    Alles Gute und einen Gruß von Orfeo

  • Lieber Orfeo,


    du stellst uns hochinteressante Opern (teilweise noch in der Entstehung) vor. Ich danke dir herzlich dafür. Gefallen haben mir unter anderem deine Überlegungen zur Inspiration. Die verschiedenen Künste inspirieren Künstler auch spartenübergreifend: Gemälde, Filme, Bücher, Opern. Schöne und sicher wahre Gedanken.

    Leider begeistert mich der Ausschnitt aus dem "Mädchen mit dem Perlohrring" gar nicht. Es scheint fast, als ließe der Komponist da zur Inspiration eine Katze über das Klavier laufen ...

  • Auch ich lese die einschlägigen Beiträge von Orfeo sehr gern. :hello:Es ist also keine Kritik an ihm, wenn ich das Bohei um "Das Mädchen mit dem Perlenohrgehänge" nicht teile. Erst der fiktive Roman, dann ein Film - nun die Oper. Was noch? Es zeigt sich mir, dass die Gegenwart kaum eigene Stoffe für das Metier hat. Deshalb wird dieses Bild, das jeder kennt oder zu kennen glaubt, nach allen Regeln der Kunst ausgeknietscht.


    Leider begeistert mich der Ausschnitt aus dem "Mädchen mit dem Perlohrring" gar nicht. Es scheint fast, als ließe der Komponist da zur Inspiration eine Katze über das Klavier laufen ...

    Da geht es mir wie Dir, lieber greghauser. Aber man muss bedenken, dass es sich nur um die Klavierfassung handelt. Meine Katze fühlte sich davon nicht aus der Ruhe gebracht, ich schon. Während ich den Clip abspielte, schlief das Tier friedlich vor sich hin. Und doch höre und lese ich jetzt schon die begeisterten und atemlosen Kritiken nach der UA. Die einstimmende Werbung ist ja heftig genug. Dann muss so eine Sache einfach auch gut sein. :stumm: Ich bleibe dabei: Die große Zeit der Oper ist vorbei. Es braucht andere Ausdrucksformen.

    Es grüßt Rheingold1876


    "Was mir vorschwebte, waren Schallplatten, an deren hohem Standard öffentliche Aufführungen und zukünftige Künstler gemessen würden." Walter Legge (1906-1979), britischer Musikproduzent

  • Inzwischen liegt ein fünfminütiger Musikausschnitt "The song of the tile" (Lied von der Fliese), aus der Oper "Girl with a pearl earring" für Sopran und Klavier" vor. Hier eine Konzertaufnahme vom 24. November 2018 mit Catriona Bühler - Sopran und Stefan Wirth - Klavier.

    Lieber Orfeo ,


    ich möchte mich für Deinen Hinweis ganz herzlich bedanken. Ich gehöre nicht zu den großen Opernfäns. Die Zahl der Opern, die ich hin und wieder höre ist deutlich einstellig. Das Hörschnipsel hat mir Spaß gemacht und Interesse für die Oper geweckt.


    Obwohl ich den Roman nicht kenne, finde ich die Geschichte recht nett. Ich erwarte da nicht so überragend viel. Ich kenne ja auch das Libretto der Zauberflöte ;)

  • Es gibt einen Podcast in der Reihe "Zwischenspiel" aus dem Opernhaus Zürich.


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    In dieser fast einstündigen Folge vom 27. April 2020 stellt Fabio Dietsche Stefan Wirth vor, der für das Opernhaus Zürich die Oper «Girl with a Pearl Earring» geschrieben hat, die Ende Mai 2020 Premiere gehabt hätte aber der Coronakrise zum Opfer fiel. Wirth gibt Auskunft über seine Vermeer-Oper, seine Leidenschaft für Gershwin und die Droge Richard Wagner.


    Außer dem Gespräch ist diese Musik ist zu hören:

    Stefan Wirth: Tango-Fuge über ein Thema von Astor Piazzolla

    Stefan Wirth: Girl with a Pearl Earring Ausschnitte

    Stefan Wirth, Klavier (live) Richard Wagner/Franz Liszt: Isoldes Liebestod

    Alles Gute und einen Gruß von Orfeo

  • Orfeo noch einmal Dank! Ein wirklich nettes Interview, was schon neugierig auf die Oper macht.


    Isoldes Liebestod wird übrigens auf einem leicht verstimmten Flügel gespielt, was für mich auch ein Novum ist. Es ist aber nicht Produkt musikalischer Kreativität, sondern den damaligen Coronaumständen geschuldet :)

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    Handlung

    Die Vorgeschichte:

    Zeus eroberte in Menschengestalt das Herz von König Kadmos Tochter Semele . Ihre Schwester Agave, die zu gleichen Zeit mit Pentheus schwanger war, intrigierte gegen Semele als sie erfuhr, dass auch diese schwanger geworden war. Sie riet ihrer Schwester, Zeus zu bitten, sich in seiner göttlichen Gestalt zu zeigen. Die Folgen sind hinreichend bekannt aus Händels Oper „Semele“, die flammenden Blitze, die Zeus verbergen, töten Semele.

    Zeus jedoch rettet das ungeborene Kind, und bringt es mit dem Namen Dionysos zur Welt.


    Die Oper:

    König Kadmos hat die Macht in Theben an seinen Enkel Pentheus abgetreten, als der Halbgott Dionysos in die Stadt kommt, um seine Mutter zu rächen. Er bringt die Frauen Thebens und sogar Agave, die Mutter des Pentheus, dazu, in den umliegenden Wäldern ekstatische Rituale zu feiern. Als Pentheus dem wilden Treiben der Frauen Einhalt gebieten will, zeigt sich, dass Agave weder ihren Sohn erkennt noch weiß, wer sie selber ist. Die Bakchantinnen, Agave, ihre Schwestern Ino und Panthea und die Mänaden Asiens suchen im Rausch Dionysos und folgen einem von Dionysos gelenkten Licht, finden jedoch statt seiner Pentheus, gekleidet in einem langen weißen Mantel und einem Tigerfell. Sie halten ihn für ein Opfertier, das sie so lange verfolgen, bis Pentheus in einen Abgrund stürzt.

    König Kadmos und der Seher Teiresias bringen Agave und die anderen Bakchantinnen wieder zu Verstand. Sie tragen Pentheus Leiche fort und Dionysos beklagt das unheilige Handeln der Menschen mit den Worten:


    „Wehe den Menschen

    Unheiliges Walten!

    Maßlos rasen sie,

    Zuchtlos taumeln sie,

    Achten der Zeichen nicht,

    Hören den Warner nicht,

    Jäh schlägt sie der Tod“


    Auch wenn Wellesz dem Drama des Euripides mehrheitlich folgt, verändert er den Tod Pentheus dahingehend, dass Agave und die anderen ihm keine Gliedmaßen abreißen und Agave nicht mit seinem Kopf im Palast erscheint. In der Oper gibt es weniger “anstößige“ Elemente als in der Vorlage: keine bestialische Ermordung und keine Hinweise auf sexuelle Devianz der beiden Kontrahenten, die sich bei Euripides u.a. darin äußert, dass Pentheus und Dionysos sich gegenseitig mit femininen Attributen charakterisieren.


    Schon die ersten Takte begleiten mit exstatischen Klängen von Bläsern und Schlaginstrumenten das Erscheinen des Dionysos, Pentheus dagegen wird begleitet von Streichinstrumenten und somit werden die Gegensätze der Protagonisten klar hervorgehoben.


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    Bisher gibt es zwei Einspielungen:



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    Zum Komponisten


    Egon Wellesz wurde 1885 in Wien geboren, war Schüler Arnold Schönbergs und wurde später zum Experten für Barockoper, wandte sich aber auch der Erforschung der orientalischen, insbesondere der byzantinischen Musik zu und schrieb seit 1905 musikwissenschaftliche Aufsätze, Artikel und Bücher. 1908 promovierte Wellesz mit einer Arbeit über Leben und Werk des Gluck-Zeitgenossen Giuseppe Bonno. Er komponierte Werke für die Bühne (Opern und Ballette), Chorwerke, Orchesterwerke und Kammermusik. Wellesz war auch in Deutschland einer der meistgespielten zeitgenössischen Komponisten gewesen bis der Freiheit der Kunst unter den Nazis endgültig ein Ende bereitet wurde.

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    Hatte Wellesz bis 1938 vor allem Stoffe aus der griechischen Antike für Bühnenwerke bearbeitet so verstummte der Theaterkomponist Egon Wellesz in der Emigration (abgesehen von der Oper "Incognita" von 1951). Er schuf nun hauptsächlich Symphonien sowie Kammermusik, aber auch Lieder und geistliche Musik. Dieser Wandel war zugleich eine Rückkehr zum Idiom der österreichischen Tradition, zu welcher sich der Komponist Exil immer bekannt hatte.


    Links
    Egon Wellesz: Artikel der Mahlerfoundation

    Egon Wellesz in „Gesellschaft der Musikfreunde“

    Egon Wellesz Tamino-Thread

    Die Bakchen: Wikipedia


    Akt I

    Akt II


    Weitere Kompositionen anderer Musiker zum Thema Bakchen (deutsch zumeist Bacchantinnen)


    Musikstücke
    Karol Szymanowski: Agawe. Kantate für Gesang, Chor und Orchester, op. 38, bislang unaufgeführt

    Opern
    Giorgio Federico Ghedini: Le Baccanti, Oper in einem Prolog und 3 Akten (5 Bildern). UA 21. Februar 1948 Mailand (Teatro alla Scala)

    Harry Partch: Revelation in the Courthouse Park, Oper in einem Akt. UA Urbana, University of Illinois, 11. April 1961
    Hans Werner Henze: The Bassarids (Die Bassariden). Opera seria in einem Akt mit Intermezzo. UA 6. August Salzburg.
    -Neufassungen:
    - -The Judgement of Calliope (Das Urteil der Kalliope; 1991). Ein Satyrspiel (= aus den Bassariden herausgelöstes Intermezzo). UA 29. Oktober 1997 Gießen

    - -Die Bassariden (1992). Musikdrama in einem Akt (ohne Intermezzo)

    Daniel Börtz: Bacchanterna. Oper in 2 Akten. UA 2. November 1991 Stockholm
    -Verfilmung fürs Fernsehen (1993); Regie: Ingmar Bergman)
    John Buller: Bakxai (The Bacchae). UA 1992 English National Opera

    Alles Gute und einen Gruß von Orfeo

  • Čertova stěna

    (Die Teufelswand)

    Komisch-romantische Oper in drei Akten von      Bedřich Smetana

    UA 29. Oktober 1882 im "Nové české divadlo" (Prager Nationaltheater)


    Alleine in diesem Thread wurde von drei Mitgliedern bedauert, dass man die Oper Čertova stěna in Deutschland nie auf der Bühne erleben kann. Das kann ich zwar auch nicht ändern, aber hoffentlich kann ich sie den daran Interessierten näher bringen.


    Zum Titel der Oper

    "Čertova stěna" bedeutet wörtlich übersetzt Teufelsmauer, allerdings hat sich die Übersetzung Teufelswand durchgesetzt. Die Felsen der "Čertova stěna" erheben sich über den einst berühmten Teufelsbächen der Moldau zwischen Loučovice und Vyšší Brod. Die am meisten verbreitete Geschichte zu ihrer Entstehung ist die vom Teufel, der das neu erbaute Kloster in der Nähe von Vyšší Brod zerstören wollte: Er errichtete einen steinernen Damm am Ende des Tals und überschwemmte das Kloster. Der Steindamm stürzte jedoch ein und die Felsbrocken fielen ins Flussbett und bedeckten die umliegenden Hänge. Die zwischen 1879 und 1882 entstandene Oper wurde nach einem Libretto der Schriftstellerin und Übersetzerin Eliska Krásnohorská komponiert, die auch die Textbücher zu den beiden vorangegangenen Opern Smetanas lieferte: „Hubika“ (Der Kuß) und „Tajemstvi“ (Das Geheimnis). Die dritte und letzte Zusammenarbeit zwischen Smetana und Krašnohorska war allerdings eine äußerst schwere Geburt. Ursprünglich von der Librettistin als symbolisches Werk konzipiert, das den Konflikt zwischen Kirche und Satan thematisieren sollte, ließen die Forderungen des Komponisten nach einem komischen Werk das Szenario immer komplexer werden. Hinzu kam, dass Smetana beschloss, die Charaktere von Vuk Vitkovic und seinem Mündel und späteren zweiten Frau Hedvike (beide sind historische Persönlichkeiten und waren im wahren Leben verheiratet) zu ändern und 500 Verse des Librettos ohne die Zustimmung von Krašnohorska, zu der er anderthalb Jahre lang den Kontakt abgebrochen hatte, zu streichen.

    Die Handlung der Oper spielt in Südböhmen in der Mitte des 13. Jahrhunderts; der Operntitel bezieht sich auf die Felsenformation, die angeblich die Überreste einer vom Teufel gebauten Mauer darstellt.


    Anmerkungen zur Oper

    Die Opern Smetanas sind wegen ihrer vielfältigen Grundstimmungen und Themen nach wie vor von Interesse, im Ausland jedoch weniger als Tschechien. Bei seinem 1882 vollendeten Spätwerk "Čertova stěna" stellt der böhmische Handlungsort aus dem 13. Jahrhundert den Rahmen für die Geschichte einer ungewöhnlichen Liebe dar, die als Parabel über die Fähigkeit des Menschen verstanden werden soll, den Versuchungen des Lebens zu widerstehen. Obwohl Aufführungen dieser Oper außerhalb von Osteuropa sehr selten sind, ist Certova Stena durchaus wert, näher betrachtet zu werden.

    Von der musikalischen Anlage her unterscheidet sich "Čertova stěna" von den berühmteren früheren Opern Smetanas deutlich. Anders als beispielsweise "Die Verkaufte Braut" mit ihren vielen Versatzstücken oder "Dalibor" mit seinen eng geflochtenen thematisch-motivischen Verknüpfungen wirkt "Certova Stena" eher wie ein Konversationsstück. Die surrealistischen Elemente in "Čertova stěna" weisen eher auf die phantasievollen Handlungsstrukturen von Janácek-Opern wie "Die Reisen des Herrn Broucek", "Das schlaue Füchslein" oder "Die Sache Makropulos" hin. Einige Szenen unterstreichen die besondere Stärke Smetanas, eine Grundstimmung mit musikalischen Mitteln hervorzurufen, wie beispielsweise ein Chorsatz in der Mitte des ersten Aktes. Die Instrumentalfarben spiegeln die Dramaturgie geschickt wider und tragen zugleich zum Verständnis der Handlung bei. Smetana ließ sich bei seiner Vertonung vom Klang der Sprache leiten, was zu einigen sehr interessanten Szenen führt. Auch wenn keine einzelne Szene als charakteristisch für das ganze Werk gelten kann (wie etwa Dvoráks «Lied an den Mond» aus "Rusalka"), so zeichnen sich die Szenen mit Einsatz der Solostimme durch ihre Stilistik besonders aus. Anders verhält es sich bei der vorletzten Szene des dritten Aktes, in der die Teufelswand zusammenbricht und die Szene hauptsächlich durch das Orchester mit wirkungsvollen Instrumentaleinlagen zur Illustration des Bühnengeschehens geprägt wird. Hier setzt Smetana sein großes Können als Symphoniker ein, um dramatische Bühnenmusik zu gestalten. Smetana gelang es, einen formalen Aufbau zu schaffen, in dem sich Musik und Text die Waage halten. Die Partitur ist reich an Ideen, die den Einfallsreichtum des Komponisten und zugleich seine persönliche Begeisterung für das Werk zum Ausdruck bringen. So eingängig die Musik auch ist, überdeckt sie jedoch nie den Text.


    Die Teufelsmauer wurde am 29. Oktober 1882 im "Nové české divadlo" (Prager Nationaltheater) uraufgeführt. Die Premiere war jedoch nicht erfolgreich, eher eine Katastrophe, weil nur wenige Besucher das, was auf der Bühne geschah, logisch nachvollziehen konnten. Vielleicht mangelte es der Aufführung auch an den nötigen Proben, um die Details der Partitur zur Geltung zu bringen, wie Smetana selber vermerkte. Das Theater bewältigte die anspruchsvollen Bühnenanforderungen des Werkes nicht und die Aufführung rief im Publikum teilweise lautes Gelächter hervor. Die Handlung ist kompliziert und überladen, sie erfordert viele und schnelle Szenenwechsel, manchmal gleitet sie ab ins Übersinnliche, das Libretto erklärt oft nicht, warum Wendungen eintreten. Eine Auflösung der Verstrickungen zwischen den Personen ist alles andere als einfach, und der dritte und letzte Akt ist entsprechend komplex.


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    Personen im Stück: Vok Vitkovic, Statthalter von Böhmen – Bariton / Zavis, sein Neffe – Alt / Jarek, ein Ritter in Voks Diensten – Tenor / Hedvika, Komtesse von Schauenburg – Sopran / Michalek, Voks Schlossverwalter – Tenor / Katuska, seine Tochter – Sopran / Benesch, ein Eremit – Bass / Rarach, der Teufel – Bass


    Nach den ersten fünf Aufführungen 1882 wurde die Teufelsmauer erst 1890, lange nach Smetanas Tod, wieder aufgeführt.

    Es gab 17 Inszenierungen in Tschechien/Tschechoslowakei zwischen 1882 bis 2016 von "Čertova stěna" am Nationaltheater Prag von 1890 - 2006. Das ganze "Who is who" der tschechischen Sänger hat in diesem Haus im Laufe der Zeit Rollen dieser Oper übernommen: Beno Blachut, Ivo Žídek und Aleš Briscein, Libuše Domanínská, Gabriela Beňačková und Eva Urbanová. Alle Inszenierungen mit Besetzungslisten des Prager Nationaltheaters sind im Online-Archiv abrufbar. (Unter"Vyhledat" Certova stena einfügen und "enter" drücken. Einen der Vorschläge zr Spielzeit anklicken usw.)


    Handlung

    Die Handlungsstränge sind so ineinander verflochten, dass mindestens drei separate Geschichten gleichzeitig erzählt werden.

    Nachdem der böhmische Statthalter Vok Vítkovic mehrmals Pech in Liebesbeziehungen hatte, verbarrikadiert er sich auf seiner Burg Rožemberk mit der festen Absicht, seine restlichen Lebensjahre dort alleine zu verbringen. Der Burgvogt Michálek und Ritter Jarek machen sich darüber Sorgen und Jarek schwört, dass er selber nicht heiraten wird, bis sein Herr verheiratet ist. Das Duett Michalek / Jarek bildet die Grundprämisse der Oper: die Suche nach einer Braut für ihren Herrn. Katuška, die in Jarek verliebte Tochter des Burgvogts ist jedoch wenig begeistert von dessen Schwur, möchte sie ihn doch lieber sofort heiraten.

    Der als Mönch Rarach verkleidete Teufel, der nur vom Einsiedler Benes als Teufel erkannt wird (beide sehen fast gleich aus), belauscht die Unterhaltung. Der Teufel und der Mönch streiten eine Weile miteinander, schließen aber nach diversen Versprechungen des Teufels Frieden. Wieso Benes den Teufel kennt wird erst im weiteren Verlauf der Oper klar. So erfahren wir, daß vor vielen Jahren - noch vor dem Anfang der eigentlichen Handlung – Benes der Gräfin von Schaunberg, die Vok heiraten wollte, nach Einflüsterungen und Versprechungen des Teufels von einer Heirat abriet.


    Vok hat im Tal ein Kloster gegründet und wird nach seiner Rückkehr auf Burg Rožemberk von Michálek mit der Bitte empfangen, er möge doch endlich heiraten. Der in Gestalt des Mönches Rarach auftretende Teufel rät dem unschlüssigen Vok, beim Burgvogt um Katuška anzuhalten. Das Mädchen will jedoch lieber Jarek als den Schlossherrn. Vok ist froh, dass er noch einmal davongekommen und rüstet für Jarek und Katuška die Hochzeit. Jetzt erst erfährt er, dass der Ritter Jarek geschworen hat, selbst nicht den Bund der Ehe einzugehen, bis der Schlossherr zuerst geheiratet habe. Ein Bote überbringt Vok einen Brief der Gräfin von Schaunberg, mit der Vok früher befreundet war. Sie bittet ihn nach ihrem Tod um Schutz für ihre Tochter Hedvika. Vok ist gerührt und schickt auf Anraten von Rarach seinen Neffen Záviš, um Hedvika abzuholen.

    Michálek beklagt sein Schicksal, denn hätte Katuška Vok geheiratet, wäre er nun Schwiegervater von Vok. Als Záviš und Hedvika eintreffen verliebt sich Vok sofort in sie, hat aber Angst, seine Gefühle offen auszudrücken. Dem Teufel passt die Entwicklung gar nicht, denn er spekulierte auf eine Liebschaft zwischen Záviš und Hedvika und schmiedet Pläne, wie er sich bereichern könnte - nicht nur durch verdammte Seelen, sondern auch durch materielle Pfründe, die er sich als Abt des neuen Klosters sichern will.

    Aus Furcht, in Katuškas Nähe der Versuchung zu erliegen, das Gelöbnis zu verletzen, hat Janek die Burg Rožemberk verlassen. Als Hirte verkleidet gelingt es Rarach, sich an den Ritter heranzumachen und in tiefen Schlaf zu versetzen und auf die Burg zurückzubringen.

    Vok zweifelt, dass Hedvika ihn als Ehemann akzeptieren würde, und erklärt deshalb, ins Kloster einzutreten, macht aber eine Einschränkung: wenn es eine Frau gäbe, die nur seinetwegen ins Kloster käme und ihn überzeugt, dass sie ihn liebt, würde er sich mit ihr verloben. So hat es von nun an Hedvika in der Hand, über sein Schicksal zu entscheiden. Außer Benes und Rarach (der nur will, dass alle unglücklich sind), ist niemand begeistert von Voks Entscheidung.


    Jarek und Katuška liegt verständlicherweise besonders daran, dass Vok und Hedvika heiraten. Sie führen Hedvika zu Vok, als dieser das Kloster betreten will, und sie gesteht ihm ihre Liebe. Der Teufel und seine Gesellen geraten außer Rand und Band und errichten eine Mauer durch den Fluß. Das Wasser soll über die Ufer treten, damit das Kloster überschwemmt wird, die Bewohner untergehen und Voks neues Kloster und er selber vernichtet wird. Im Augenblick der Not eilt Hedvika herbei. Sie erkennt die furchtbare Gefahr und will dem Geliebten das Leben retten. Hedwigs reine Liebe triumphiert über die Ränke des Satans. Der Eremit Benes zerstört die Mauer mit dem Zeichen des Kreuzes und wird Abt. Er verjagt den Teufel und seine Gesellen. Nichts steht mehr dem Glück Voks und Hedvikas im Wege und auch Jarek und Katuška können heiraten. Durch ihre unschuldige Liebe vereitelt Hedvika die Pläne des Teufels und gewinnt gleichzeitig die Liebe Voks.

    Zum Schluß trifft ein Bote des Königs ein. Vok wird zum Landeshauptmann von Österreich nebst Steiermark und Kärnten ernannt. Hedvika wird an seiner Seite sein. Alle werden glücklich.


    Die Handlung ist kompliziert und überladen, sie erfordert viele und schnelle Szenenwechsel, manchmal gleitet sie ab ins Übersinnliche, das Libretto erklärt oft nicht, warum Wendungen eintreten. Eine Auflösung der Verstrickungen zwischen den Personen ist alles andere als einfach, und der dritte und letzte Akt ist entsprechend komplex. Erst in den 40er Jahren des 20. Jahrhunderts hörte man auf, die Oper als eine realistische Oper zu betrachten, und sie wurde als phantastisches Theater wahrgenommen.

    Aufnahmen

    1945 (Rundfunkaufzeichnung, rekonstruiert 1994

    Sänger: (Vok Vítkovic) Stanislav Muž, (Záviš) Marta Krásová, (Jarek) Beno Blachut, (Hedvika) Ludmila Červinková, (Michálek) Karel Hruška, Katuška) Marie Budíková, (Beneš) Karel Kalaš, (Rarach) Vladimír Jedenáctík. Der Tschechische Chor und das Prager Radio-Sinfonieorchester werden von Otakar Jeremiáš geleitet.

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    1952 Rundfunkaufzeichnung, rekonstruiert 1997. Der Tschechoslowakische Rundfunkchor in Prag und das Prager Rundfunkorchester werden von František Dyk geleitet.

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    1963 (Supraphon. LP (1963) 1116 8068-70, CD erschienen 2003, SU 3627-2 612)

    Sänger: (Vok Vítkovic) Václav Bednář, (Záviš) Ivana Mixová, (Jarek) Ivo Žídek, (Hedvika) Milada Šubrtová, (Michálek) Antonín Votava, (Katuška) Libuše Domanínská, (Beneš) Karel Berman, (Rarach) Ladislav Mráz. Der Chor und das Orchester des Nationaltheaters in Prag werden von Zdeněk Chalabala geleitet.

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    Fotos und Besetzungliste der Inszenierung von 1963, die Supraphon aufgenommen hat und die zwischen 1963 - 1970 insgesamt 64 mal aufgeführt wurde.


    1978 (Radiomitschnitt, rekonstruiert 1998 aber nicht veröffentlicht) Sänger: (Vok Vítkovic) Václav Zítek, (Záviš) Libuše Márová, (Jarek) Miroslav Švejda, (Hedvika) Naďa Šormová, (Michálek) Vojtěch Kocián, Danielá - Brouková, (Beneš) Karel Hanuš, (Rarach) Dalibor Jedlička. Der Tschechoslowakische Rundfunkchor und Symphonieorchester in Prag wird von František Vajnar geleitet.


    10.3.2003 (illegaler?) Mitschnitt als mp3 : Smetana THE DEVILS WALL Prag , National Theater

    Vok Vitkovic - Ivan Kusjner, Zavis - Pavla Vykopala, Jarek - Valentin Prolat,Hedvika - Dana Buresova, Michalek - Miroslav Veijda, Katuska - Vera Kavanova-Polachovam, Benes - Jiri Sulzenko, Rarach - Miroslav Podskalsky, Prag National Theater Chorus and Orchestra Conductor - Jiri Belohlavek


    Libretto PDF (Originalsprache)

    Libretto veröffentlicht 1882 von Verlag Fr. A. Urbánek, Prag in: Library of Congress

    Youtube Audio GA (Die Aufnahme ist die 1963er Supraphon-Veröffentlichung, Besetzung siehe oben


    Youtube 2 kurze Trailer




    Spotify (die oben vorgestellte Aufnahme von 1952 unter František Dyk)

    Teil 1

    Teil 2

    Alles Gute und einen Gruß von Orfeo

  • Opern zum Thema

    Alfred der Große

    komponiert von



    Thomas Arne
    Johann Philipp Samuel Schmidt
    Gaetano Donizetti
    Friedrich von Flotow
    Wilhelm Reuling
    Joachim Raff
    Antonin Dvořák

    König Alfred Der Große Lizenzfreie Fotos, Bilder Und Stock Fotografie.  Image 36366666.


    König Alfred (847? - 899) aus dem Hause Wessex, König der Angelsachsen ab 886, wurde erst nach dem Tod seiner vier älteren Brüder im Jahr 871 zum König gekrönt. Obwohl Alfred der bekannteste der westsächsischen Könige ist, beruht das, was man über ihn weiß, hauptsächlich auf Mythen. Sicher ist, dass er die Dänen aufhielt und England in eine Zeit des Wohlstands führte. 865 wird in einem Dokument erwähnt, dass er mit seinem Bruder Aethelred in die Schlacht gegen die Dänen zog, die seit Jahrzehnten England verwüsteten. 868 kämpften Alfred und Aethelred gegen das "Große Heidnische Heer" unter der Führung von Ivar "dem Knochenlosen". Ende 870 waren die Dänen bis Wessex vorgestoßen und es gab neun Schlachten im folgenden Jahr, die nicht immer zugunsten von Wessex ausgingen. In den folgenden Jahren eroberten die Wikinger weitere Teile von England und 876 kam eine neue Generation dänischer Anführer nach England, deren bekanntester Guthrum I. ist. Die Dänen griffen Wareham in Dorset an und Alfred versuchte sie einzuschließen, konnte Wareham aber nicht zurückerobern. Er handelte einen Frieden aus mit dem Austausch von Geiseln und verschiedenen Eiden von beiden Seiten, doch die Dänen brachen ihr Wort, töteten die Geiseln und zogen nach Exeter in Devon ab. Ab 878 waren alle angelsächsischen Reiche unter die Kontrolle der Wikinger geraten und nur noch Wessex leistete Widerstand. Endlich kam es jedoch zu einem entscheidenden Sieg Alfreds in der Schlacht von Edington. Danach verfolgte er die Dänen bis zu ihrer befestigten Anlage in Chippenham, die er belagerte, bis sie sich ergaben. Es kam zum Vertrag von Wedmore und Guthrum I. mußte sich christlich taufen lassen (mit Alfred als Paten). 879 verließ die Wikingerarmee Chippenham und segelte über den Kanal und begann, den Kontinent zu verwüsten, kehrten jedoch 892 zurück. Die folgenden Jahre waren geprägt von Angriffen, Rückzügen und Verteidigung. Nach seinem Tod 899, verursacht durch verschiedene schmerzhafte Krankheiten, begrub man Alfred zunächst im Old Minster in Winchester. Bei der Auflösung der Klöster 1539 unter Heinrich VIII ging sein Grab verloren.

    Alfred war verheiratet mit Ealhswith von Gaini und hatte mit ihr zwei Töchter und drei Söhne.


    Das überlieferte Leben Alfreds ist nicht unbedingt ein Stoff, aus dem Opern gemacht werden, bietet aber reichlich Möglichkeiten, den Mythos vom Besieger der Wikinger samt privater Geschehnisse weiterzuflechten. Daher gibt es eine ganze Reihe von Komponisten, die mehr oder weniger abenteuerliche und mit erfundenen Liebschaften verbundene Episoden aus seinem Leben vertont haben.


    Sieben Opern (chronologisch geordnet)


    The Masque of Alfred (T. Arne) UA 1. August 1740 in Cliveden House (revidiert 1753 als “Alfred“)

    Libretto: David Mallet / James Thomson

    Der Schlussgesang der Oper „Alfred“ ist das patriotische Lied „Rule, Britannia!Das Lied gilt heute als „inoffizielle Nationalhymne“ von Großbritannien.

    Synopsis: Schauplatz ist die Isle of Athelney im Jahr 878. Alfred hat sich nach einer Niederlage gegen die Wikinger unerkannt in die Hütte des Hirten Corin und seiner Frau Emma geflüchtet. Alfreds Frau Eltruda und sein Sohn Edward kommen dazu und freuen sich, ihn gesund vorzufinden. Corin und Emma wissen immer noch nicht, wer ihre Gäste wirklich sind. Später bringt Edward die Nachricht, dass zwölfhundert loyale Briten in der Nähe lagern und auf einen Befehl Alfreds warten. Emma und Corrin erkennen die wahre Identität ihrer Gäste als Alfred zum Kampf aufbricht. Als die Nachricht von seinem Sieg sie erreicht, freuen sich alle. Edward lobt die Rückkehr britischer Werte. Alfred ermahnt sein Volk zu Wachsamkeit und Ehrfurcht. Als Antwort singen alle "Rule Britania zu Ehren Großbritanniens.



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    Alfredo il grande (G. Donizetti) 2.7.1823, Teatro San Carlo, Neapel

    Libretto: Andrea L. Tottola Handlung im Opernführer




    Alfred der Große, König von England Oper in 2 Akten (Johann Philipp Samuel Schmidt)

    28. November 1830, Königstädtisches Theater Berlin

    Libretto: Carl Theodor Körner. Anfang des 19. Jahrh. wurde zunehmend die Frage der deutschen Oper diskutiert, ein Thema, das maßgeblich von Christian Gottfried Körner vorangetrieben wurde. Erfüllung fand sein Plan in der Oper „ Alfred der Große“, deren Text sein Sohn Theodor Körner verfasste und auf den auch Flotow und Dvořák zurückgriffen.

    Carl Theodor Körner selber ist Sujet der Oper „Leyer und Schwert“ („Theodor Körner, grosse vaterländische Oper in 5 Akten und einem Vorspiel“ 1872) von Wendelin Weißheimer.

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    Alfred der Große (F. von Flotow) Oper in zwei Akten ca. 1830, nie aufgeführt

    Libretto: Carl Theodor Körner

    Alfred der Große (W. Reuling) 1840 Wien, Theater am Kärntnertor.

    Libretto: Otto Edler von Müller


    König Alfred (J.Raff) 16. Februar 1851 Weimar, Grossherzogliches Hoftheater

    Libretto: Gotthold Logan

    Synopsis: König Alfred erlaubt dem Grafen Osrik seine Schwester Editha zu heiraten obwohl diese Alfreds Freund Edmund liebt. Dieser entdeckt später, dass Osriks mit den Feinden kooperiert. Edmund berichtet Alfred von Osriks Verrat, aber der König sperrt ihn ein, da Osrik alles abstreitet. Editha bittet Alfred, der Sache auf den Grund zu gehen. Alfred besucht als Harfenist verkleidet die Burg der Dänen und spielt vor deren König und Osrik und wird von Gunilde, der Königstochter, vor der Entdeckung bewahrt. Angeführt von Alfred und dem befreiten Edmund besiegen die Engländer die Dänen. Edmund und Editha sind wieder vereint, Gunilde willigt ein, Alfred zu heiraten und Osrik wird verbannt.




    Alfred - Heroische Oper in drei Aufzügen (A. Dvořák) 1870 komponiert, UA in einer tschechischen Übersetzung (szenisch) 10. Dezember 1938 in Olmütz. Diese Aufführungsserie fand durch den Einmarsch der Nazis ein schnelles Ende, es kam nur zu 6 Vorstellungen.

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    UA in der deutschsprachigen Originalfassung (konzertant) 17.September 2014 in Prag

    Originallibretto (deutsch): Carl Theodor Körner.

    „Alfred“ ist die erste Oper Dvořáks. Kurt Honolka, der Dvořák-Biograph, sagte über die Oper: „Alfred ist ein Beispiel perfekter Naivität, ohne jede Chance, je aufgeführt zu werden.“

    Handlung im Opernführer

    Synopsis: Die Oper beginnt im dänischen Lager, während die einen Sieg über die Engländer zu feiern. Einer ihrer Anführer, Gothron, hat in der Nacht zuvor geträumt hat, dass König Alfred eine Siegeskrone trägt. Der dänische Prinz Harald eskortiert britische Gefangene, darunter Alfreds Verlobte Alvina ins Lager. Harald versucht, Alvina zu umwerben, aber sie lehnt seine Annäherungsversuche ab und zieht es vor, mit den anderen Gefangenen gefangen gehalten zu werden.

    König Alfred erfährt von Sieward, dass seine Armee geschlagen und Alvina von den Dänen gefangen genommen wurde. Alfred will sich als Harfenspieler verkleidet in das dänische Lager einschleichen und hört dabei Alvina vom Turm, in dem sie eingesperrt ist, singen und verspricht ihr, sie bald zu retten. Gothrons Männer überraschen Alfred und bringen den vermeintlichen Harfenisten ins Lager. Alfred kann Alvina befreien und die beiden fliehen zusammen, werden aber doch wieder getrennt.

    Alfred stürmt mit seinen Leuten und dem Adligen Dorset das Lager. Alfreds Armee ist siegreich und Harald begeht nach der Niederlage Selbstmord. Alfred und Alvina sind glücklich wieder vereint, und die Oper endet mit der Freude der Menschen über ihren König und ihr Land.

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    Audio Aufnahme Live Prag 2014 - Czech Philharmonic Choir Brno, Prague Radio Symphony Orchestra, Heiko Mathias Forster, Conductor

    Alvina - Petra Froese, Harald - Ferdinand von Bothmer, Alfred - Felix Rumpf, Sievard - Peter Mikulas

    Textbuch (dreisprachig: deutsch, tschechisch, englisch)

    Aufnahme anhören:

    Akt I Audio

    Akt II Audio

    Akt III Audio

    Alles Gute und einen Gruß von Orfeo

  • Frédégonde Oper von Ernest Guiraud & Camille Saint-Saëns & PaulDukas

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    Dass ein Komponist stirbt, bevor er seine letzte Oper fertiggestellt hat, kommt vor.

    Aber dass drei Komponisten Schöpfer einer Oper sind ist sehr ungewöhnlich.


    Bei Ernest Guirauds Tod 1892 lagen nur die ersten drei Akte der Oper Frédégonde vor, den Rest komponierte Guirauds Weggefährte und Freund Camille Saint-Saëns. Von ihm stammen der vierte und fünfte Akt, so dass beide Komponisten jeweils eine Hälfte beigetragen haben. Hinzu kommt die Orchestrierung durch Paul Dukas. Das Libretto ist von Louis Gallet.

    UA Opéra de Paris am 16. Dezember 1895.


    Es geht um eine Familienfehde – die sich ausweitet zu einem Bürgerkrieg.


    Die Handlung spielt gegen Ende des 6. Jahrhunderts, als auf dem Gebiet der früheren Römischen Provinz Gallien die fränkischen Merowinger Königreiche errichteten, deren Herrscher alle miteinander verwandt waren.

    So herrschte in Neustrien König Hilpéric mit seiner Frau Frédégonde, die durch Verführung, Intrigen und Anstiftung zum Mord an seiner ersten Frau und deren Kinder zur Königin aufgestiegen war. Diese beiden besiegten dann die verwitwete Königin Brunhilda von Austrasien.

    Hilpéric beauftragte seinen Sohn Mérowig, die besiegte Brunhilda in ein Kloster zu verschleppen. Mérowig verliebte sich auf dem Weg in sie, heiratete Brunhilda und rief sich zum König beider Reiche auf. Hildéric besiegte ihn aber wiederum, verbannte Mérowig wegen Verrat an seinem Vater zusammen mit Brunhilda in ein Kloster. Dies reichte Frédégonde nicht, sie überredete den verliebten König, den Sohn wegen dieses Verrats anzuklagen und aus dem Land jagen zu lassen. Dem kam Mérowig durch Selbstmord zuvor.


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    Die Oper Dortmund hat in Kooperation mit takt 1 am 20. Novemer 2021 die Deutsche Erstaufführung der Oper "Frédégonde" von Ernest Guiraud und Camille Saint-Saëns aufgezeichnet.


    Video Aufzeichnung bei Opera on Video

    Eine Produktion der Oper Dortmund in Kooperation mit Palazzetto "Bru Zane – centre de musique romantique française".

    Frédégonde: Hyona Kim, Brunhilda: Anna Sohn, Mérowig: Sergey Romanovsky, Hilpéric: Mandla Mndebele, Fortunatus: Sungho Kim, Prétextat: Denis Velev, Landéric: Demian Matushevskyi, Un serviteur: Ian Sidden

    Musikalische Leitung: Motonori Kobayashi, Regie: Marie-Eve Signeyrole

    Alles Gute und einen Gruß von Orfeo

  • 1638081848893  Le Timbre d'argent

    Opéra fantastique in 4 Akten von Camille Saint-Saëns


    "Le Timbre d'Argent" (Das Silberne Glöckchen) wurde für das Théâtre Lyrique in Paris geschrieben und ist die erste Oper, die Saint-Saëns komponiert hat. Es handelt sich um eine "Opéra fantastique" in vier Akten nach einem Libretto von Jules Barbier und Michel Carré.


    Als Saint-Saëns im Sommer 1864 das Libretto von Daniel-François Auber, dem Direktor des Konservatoriums, als Trost für den zum zweiten Mal entgangenen Rom-Preis erhält (1852 war er der Jury zu jung, 1864 schon zu alt), war es bereits von den Komponisten Xavier Boisselot, Henry Littolf und Jacques Fromental Halévy abgelehnt worden. Aber Saint-Saëns machte sich trotzdem voller Eifer ans Werk. Obwohl die Oper schon 1865 fertiggestellt war, wurde sie erst am 23. Februar 1877 am Théâtre de la Gaîté in Paris uraufgeführt. Die Uraufführung des Werks hatte sich über Jahre verzögert, zunächst durch finanzielle Schwierigkeiten des Opernhauses und später durch den Krieg. Bis zum Ausbruch des Deutsch-Französischen Krieges 1870 wurde die Oper zwar von allen grossen Häusern in Paris, der Opéra, der Opéra Comique und dem Théâtre Lyrique angenommen, aber leider konnte sie wegen der Umstände nie gespielt werden. In den 12 Jahren zwischen der Fertigstellung und der Uraufführung komponierte Saint-Saëns einige Passagen neu und strich Dialoge für eine Version ‘Grand Opera‘, aber der Auftraggeber Albert Vizentini beschloß trotzdem, die Originalfassung von 1865 für die Uraufführung der Oper 1877 zu verwenden.

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    Nachdem 'Le Timbre d’argent' eine einigermaßen erfolgreiche Uraufführung mit immerhin 18 Aufführungen erlebt hatte, welcher noch Produktionen in Brüssel, Wuppertal, Köln, Berlin, und Monte-Carlo folgten, versank die Oper in absolute Vergessenheit, bis sie nach mehr als hundert Jahren an der Pariser Opéra-Comique im Verbund mit dem coproduzierenden Palazzetto Bru Zane[*] in einer Version von 1914 wiederaufgeführt wurde.


    Der von den Librettisten von Gounods „Faust“ und Offenbachs „Les Contes d’Hoffmann“ erdachte Opernstoff - alle drei Libretti entstanden in einem frühen Stadium der Karriere von Barbier und Carré als Stücke für das Sprechtheater und wurden später in Musik gesetzt - erlaubte es Saint-Saëns, eine eigene Version des faustischen Paktes zu schreiben. ‘Le Timbre d’argent‘ zeigt den Albtraum eines Mannes, dessen Halluzinationen die fantastischen Auftritte von Offenbachs Contes d’Hoffmann um zwanzig Jahre vorwegnehmen. Ein manipulativer Teufel schenkt dem Protagonisten Conrad eine silberne Zaubergllocke. Indem er sie zum Klingen bringt, bekommt er Gold, durch Gold bekommt er Liebe. Im Gegenzug muss ein scheinbar zufällig ausgewähltes Opfer sterben.


    Handlung

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    Der ständig unter Geldmangel leidende Maler Conrad liegt am Weihnachtsabend elend und krank im Bett. Er wird von seinem Freund Bénédict, seiner Geliebten Hélène, ihrer Schwester Rosa und dem Arzt Spiridion umsorgt. Als er diesen beschuldigt, ihm nicht helfen zu wollen, bekommt er ein Mittel, das ihn beruhigt und endlich schlafen lässt.


    Conrad hat sich haltlos verliebt in die Circé aus einem seiner Gemälde, die er in der Tänzerin Fiammetta wiedererkennt. Im Theater erhält Fiammetta von Conrad und Spiridion, der jetzt als Marquis auftritt, Geschenke. Der Marquis verwandelt die Bühne in einen Palast und sie fordern sich gegenseitig am Spieltisch heraus bis Conrad sein gesamtes Geld verloren hat. Circé/Fiammetta schmeichelt Conrad in vielerlei Gestalten und er erliegt ihr immer wieder. Von Spiridion bekommt er ein silbernes Glöckchen geschenkt mit dem Hinweis, dass, wann immer er die Glocke läutet, er reich mit Geld und Wohlstand beschenkt wird, jedoch zugleich ein Mensch sterben muss. Conrad läutet sofort die Glocke: es regnet Gold und bald darauf kommt Bénédict um zu berichten, dass ein Bekannter gestorben ist.

    Hélènes Schwester Rosa heiratet Bénédict. Die Tänzerin Fiammetta und Spiridion laden sich selbst zur Hochzeit ein und bringen das Glöckchen mit. Sie verführen Conrad dazu, erneut die Glocke zu läuten. Als Bénédict tot umfällt, wirft er die Glocke in einen See.

    Spiridion zaubert ein Ballett herbei, in dem Circé einen atemberaubenden Auftritt bietet. Der tote Bénédict erscheint als Geist und reicht Conrad die Glocke. In Gegenwart von Hélène, die er mit den Worte „Chère Hélène, c’est toi, toi seule que j’adore“ herbeigerufen hat, hat er die Kraft die Glocke zu zerstören. Ein Chor singt „Dieu clément jette un regard paternel! Alléluia!“.

    Conrad wacht aus dem Traum auf und verspricht nun Hélène, sie zu heiraten. Er will in Zukunft ein anständiges, genügsames Leben führen.

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    Die Oper ist Konglomerat aus La damnation de Faust, Les contes d’ Hoffmann, Faust, Pygmalion. In diesem Gewebe aus Romantik, Teufelspiel, Theaterglanz, Phantasmagorien und Künstlertragödie ringt der Teufel mit dem Künstler, es geht um Gold und Verführung, Tod und Leid, Sinnenlust und kleines Glück.

    Studioaufnahme der Produktion der Opéra Comique im Studio der „Philharmonie de Paris“ am 26. und 27. Juni 2017. 2 CD anläßlich des Festival Palazzetto Bru Zane in Paris.

    Besetzungsliste Le Timbre d’Argent: Jodie Devos (Rosa), Tassis Christoyannis (Spiridion), Hélène Guilmette (Hélène), Edgaras Montvidas (Conrad), Yu Shao (Benedict), Raphaëlle Delaunay (Circée), Es ist die weltweit einzige Aufnahme der Oper.

    Booklet mit vielen zweisprachigen (franz./engl.) Aufsätzen und Libretto.

    Klavierauszug




    Trailer des Palazzetto Bru Zane über die Oper (franz. mit engl. Untertiteln


    [*]Die Italien- und Opernliebhaberin Nicole Bru, millionenschwere Erbin eines Pharma-Konzerns, erwarb 2006 das Gartenhaus des venezianischen Patriziers Marino Zane aus dem siebzehnten Jahrhundert, steckte allein vier Millionen Euro in seine Restaurierung und eröffnete es 2009 unter dem Namen Palazzetto Bru Zane als Forschungsinstitut für französische Musik der Romantik. Aufgabe dieser wissenschaftlichen Einrichtung unter der Leitung von Alexandre Dratwicki ist die Erschließung und Drucklegung vergessener Partituren, um die Werke in bibliophil ausgestatteten CD-Editionen, Konzerten und Festivals wieder ans Tageslicht zu holen.


    * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * *

    Mit dieser nach ‘Les Barbares‘ und ‘Frédégonde‘ dritten in diesem Thread vorgestellten Oper von Camille Saint-Saëns lege ich vorerst eine Pause ein. Im letzten halben Jahr habe ich zu den weit über tausend gefundenen Raritäten und vollkommen unbekannten Opernkompositionen Material gefunden, das noch darauf wartet eingeordnet, untersucht bzw. aussortiert zu werden. Da bleibt kaum Zeit für andere Dinge. Im nächsten Jahr melde ich mich wieder. Aber jeder kann bis dahin natürlich eigene Funde hier unterbringen.

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    Alles Gute und einen Gruß von Orfeo

  • Verzeichnis der Themen bis Ende 2021


    1. Alfred der Grosse (7 Komponisten) # 222
    2. Ariane (Jules Massent) # 171
    3. Artaserse (diverse Komponisten) # 59, 148
    4. Bacchus (Jules Massenet # 171
    5. Čertova stěna / Die Teufelswand (Smetana) # 221
    6. Cinderella (Alma Deutscher) # 161f
    7. Cleopatra's Night (Henry Hadley) # 163, 165
    8. Cleopatra (diverse Komponisten) # 164, 166f
    9. Dante [e Béatrice] (Godard) # 187
    10. Das Herz (Pfitzner) # 98 - 108
    11. Das verratene Meer (Henze) # 123, 124
    12. Demofonte ( Gluck) # 92
    13. Die Bakchantinnen (Wellesz) # 220
    14. Die "Göttliche Komödie" als Quelle für diverse Opern # 185
    15. Donna di Veleni (Podda) # 141 – 147
    16. Dubrovsky (Nápravník) # 94, 95, 96
    17. Felice Romani (alle Libretti) # 192ff
    18. Flavio Crispo (Heinichen) # 64, 66, 81
    19. Francesca da Rimini (diverse Komponisten) # 185f, 189ff
    20. François-Joseph Gossec (diverse Opern) # 159
    21. Frédégonde (Guiraud/Saint-Saëns/Dukas) # 223
    22. Girl with a Pearl Earring #213, 218
    23. Goyescas ( Granados) # 211f
    24. Guercoeur (Magnard) # 111 – 113
    25. Gustav Wasa (Koželuh/auch: Kozeluch) #205
    26. Hamlet (diverse Komponisten) # 93
    27. Il Pompeo / Pompeo Magno # 1, 9, 65 - 67
    28. Inferno (Ronchetti) # 187
    29. Judith (Gnecchi) # 68 - 78
    30. Julie (diverse Komponisten) # 56
    31. Julien (Charpentier) # 42, 44, 45, 135
    32. Jungfrun i Tornet (Sibelius) # 177, 179ff
    33. Krenek – Triptychon: Der Diktator/Das geheime Königreich/Schwergewicht #214
    34. La Chute de la Maison Usher (Debussy) # 87
    35. La Créole (Offenbach) #210
    36. La liberazione di Ruggiero dall'isola di Alcina (zwei Komponisten) # 88
    37. Le Timbre d’argent (Saint-Saëns) #224
    38. Leonora ossia l'amor cojugale (Paer) # 89, 90
    39. Les Barbares (Saint-Saëns) #207
    40. Lord Byron's love letter (de Banfield) # 82, 84, 85
    41. Messidor (Bruneau) #197ff
    42. Minoru Miki Opern # 7, 62, 63, 79 (+ #1f im Opernführer)
    43. Moniuszko Opern/Operetten # 21, 24, 27, 29, 31, 32, 34, 41
    44. Montségur (Landowski) #206
    45. Mythos Ariadne in der Oper (diverse Komponsten) #173ff
    46. Oberon (Wranitzky) # 149 – 152, 156
    47. Olimpiade (diverse Komponisten) # 48, 49, 51
    48. Opéra d'Aran (Becaud) # 53, 57, 58
    49. Oresteia (Taneyev) #209
    50. Orfeo (diverse Komponisten) # 86
    51. Push (Moody) # 139, 140
    52. Rothschilds Geige (Fleischmann) #208
    53. Sarka (zwei Komponisten) # 60, 61
    54. Scalia / Ginsburg (Wang) # 20
    55. Stradella (Franck) # 91
    56. Tesla (Kievman) # 19
    57. The Visitation (Schuller) # 80
    58. Zelta zirgs (Žilinskis) # 125 - 130
    59. Zugvögel (Husmann) # 178

    Alles Gute und einen Gruß von Orfeo

  • Ein riesen Dank für deine unerbittliche Arbeit, lieber Orfeo! :):thumbup:


    Dieser Thread ist für jeden Opernliebhaber ein Muss.


    Bitte weiter so...


    Grüße

    Apollon

  • Vielleicht findet sich ja jemand, der bei der Suche erfolgreicher ist als ich und das Ergebnis in den nächste Wochen hier noch einfügen kann.


    Leider ordnete Saint-Saëns testamentarisch an, dass nach seinem Tod nichts publiziert werden dürfe, was zu seinen Lebzeiten nicht gedruckt worden sei. Eine Ausnahme hiervon machte Saint-Saëns explizit für den "Carnaval des animaux" der 1922 posthum erschien.


    Insofern ist Saint-Saëns keineswegs unschuldig daran, dass ein Grossteil seines Œuvres nach seinem Tod ein Jahrhundert lang der Vergessenheit anheim fiel und ich zu einem kleinen Gelegenheitswerk, das im Salon von Jules Barbier aufgeführt wurde, keinerlei weitere Informationen finde, außer den Hinweisen und Beweisen, dass es existierte. Siehe Fotos unten.


    1885 nahm Saint-Saëns in der Opernpersiflage "Gabriella di Vergy" MICHELE CARAFA, GAËTANO DONIZETTI, SAVERIO MERCADANTE und GIUSEPPE VERDI allesamt auf die Schippe. Daneben komponierte Saint-Saëns um 1870 fragmentarisch noch eine weitere Parodie: "Les

    odeurs de Paris" deren Titel schon Bände spricht.


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    aus diesem erwähnten Album stammen die beiden Fotos unten

    Unbenannt2.jpg


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    Identifizieren konnte ich bisher nur Jules Griset (rechts), der solche Privataufführungen oft organisierte.

    Alles Gute und einen Gruß von Orfeo

  • Es ging doch schneller als gedacht mit der Suche nach Gabriella di Vergy. Ich kann also beruhigt die Winterpause einlegen

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    Irgendwann 1883 veranstaltete Jules Barbier eine Vorstellung des 'drama lirico' "Gabriella di Vergy" für das Saint-Saëns Musik und Text geschrieben hat. Das Stück gehört zu den vor seinem Tod nicht veröffentlichten, das Libretto ging zwar in Druck und ist daher im Archiv gallica.bnf.fr einzusehen, nicht aber die Musik.

    Das Libretto gibt als Verfasser keinen Namen an, sondern "Un ancien organiste". Das läßt auf die Karnevalzeit schließen. Saint-Saëns Version ist für drei Sänger, Harfe und Piano; es wird gesungen in einem Mix aus italienisch und französisch wie "ma femme m'a trompato". Jean Bonnerot sagte dazu später "... ein unprätentiöses Werk, das amüsiert und heute zum Lachen bringt und morgen vergessen ist."


    Das Stück dürfte aber vor 1883 geschrieben worden sein, denn es war schon Jahre vorher eine Vorstellung in Pauline Viardots Salon geplant, ob sie jedoch stattfand ist ungewiß. Die erste öffentliche Vorstellung fand 1885 in den Räumen der Société nationale d'horticulture de France veranstaltet von der Musikgesellschaft LA TROMPETTE in Paris statt.


    Für Frohe Weihnachten! und Guten Rutsch! ist es noch etwas früh, aber ich ich bin dann mal weg :hello:

    Alles Gute und einen Gruß von Orfeo