Aktive Pianisten unserer Tage: Nelson Freire - Auch alleine hörenswert

  • Sehr ans Herz legen möchte ich Dir auch seine Brahms-Aufnahme, lieber Holger! Die ist auch stark - nicht nur bei der Sonate op. 5! Über die Schumann-Aufnahme können wir ja bald im Carnaval-Thread sprechen, da bin ich hin- und hergerissen. Er hat ohne Zweifel einen Zugang zu Schumann, aber mir geht es immer so, dass die unvergleichliche Poesie dieser Musik sehr schwer zu treffen ist und man ihr mit Viruosität so gar nicht beikommt. Da würde mich jedenfalls Deine Meinung sehr interessieren.


    Viele Grüße

    Christian

  • Sehr ans Herz legen möchte ich Dir auch seine Brahms-Aufnahme, lieber Holger! Die ist auch stark - nicht nur bei der Sonate op. 5! Über die Schumann-Aufnahme können wir ja bald im Carnaval-Thread sprechen, da bin ich hin- und hergerissen. Er hat ohne Zweifel einen Zugang zu Schumann, aber mir geht es immer so, dass die unvergleichliche Poesie dieser Musik sehr schwer zu treffen ist und man ihr mit Viruosität so gar nicht beikommt. Da würde mich jedenfalls Deine Meinung sehr interessieren.

    Lieber Christian,


    in meinem Freire-Kaufrausch ^^ hatte ich mir besorgt: die Brahms-Solo-CD, auch die Brahms-Klavierkonzerte, die Schumann-CD und auch seinen Bach und Debussy. Dazu die Doppel-CD mit den Rundfunkaufnahmen der Konzerte. Die Zugaben-CD habe ich schon besprochen. Alle Decca-Chopin-CDs habe ich (die Nocturnes sind unterwegs). Von den Decca-Aufnahmen fehlt mir wohl nur das 5. Beethoven-Konzert und op. 111 sowie (bedauerlich) die total vergriffene brasilianische CD. Da werde ich berichten natürlich, versprochen! :) :hello:


    Liebe Grüße

    Holger


  • Die Nocturnes mit Nelson Freire sind eine Aufnahme, die einfach rundum glücklich macht! Hier stimmt die Balance zwischen den Polen von Eleganz und Ernsthaftigkeit, von Lyrik und Dramatik, von Freizügigkeit und dem - bei Chopin so wichtigen - Sinn für die klare Linie. Bezeichnend, dass man die komplette Aufnahme ohne zu ermüden (bzw. einzuschlafen, wenn die Nocturnes wie bei manch anderem Interpreten zum Schlummerlied werden ^^ ) durchhören kann. Es entsteht auch kein Bruch zwischen den frühen und späten Werken. Freires Gesamtaufnahme zeigt eine bemerkenswerte Geschlossenheit, ohne dass jemals der Eindruck von Einförmigkeit entstände. Und nicht zuletzt hat Freire seine ganz persönliche Handschrift - schon beim ersten Noctunre op. 9 Nr. 1, wo er es schafft, eine Steigerung zum dramatischen Höhepunkt (der "Echo"-Passage) aufzubauen, die ihrerseits sich noch einmal zu einer Art Cumulus-Wolkengipfel auftürmt. Nicht zuletzt ist der immer noble, gute Geschmack und die Klangschönheit von Nelson Freires Spiel hervorzuheben!


    Die Aufnahme ist eine wirkliche Bereicherung in jeder Sammlung der Nocturnes. :) :) :)


    Schöne Grüße

    Holger

  • Ich bin wirklich sehr betrübt, als ich eben die Meldung über Nelson Freires unerwarteten Tod las:


    Brasilianischer Pianist Nelson Freire gestorben (msn.com)


    Nachdem er sich 2019 den Arm brach und operiert werden musste, verfiel er offenbar in eine tiefe Depression, einem Zustand aus dem er sich nicht mehr erholte.


    Zuletzt hörte ich von ihm seine hervorragende Aufnahme des 2. Liszt-Klavierkonzertes!


    Also werde ich als Nachruf meine Besprechungen fortsetzen!


    Traurig grüßend

    Holger

  • Hier ein wirklich schöner Film, den ich mit Freude und Wehmut zugleich angeschaut habe: Sie haben das erste Mal zusammen gespielt, da war er 16 und sie 19 - in Hannover! Amüsant, wie Martha Argerich seinen Flügel mit Kölnisch Wasser reinigt! ^^



    (Seine Debussy-CD ist überragend! Aber darüber werde ich noch berichten!)


    Schöne Grüße

    Holger

  • Vielen Dank für diesen wunderbaren Link, lieber Holger! Das ist absolut hinreißend :love:

    Auf Deine Besprechung der Debussy-Aufnahme bin ich schon serh gespannt - ich werde sie mir auch gleich mal anhören.

    Vor allem aber würde mich interessieren, wie Du seinen CARNAVAL findest. Er hat ihn ja sogar zweimal aufgenommen.

    Zu der zweiten Aufnahme kehre ich immer wieder zurück, da führt kein Weg dran vorbei.


    Viele Grüße

    Christian

  • Weiß jemand, von wann der Film mit Freire und Argerich ist? Müsste schon ein paar Jahre her sein, frühe 2000er oder so?

    Struck by the sounds before the sun,
    I knew the night had gone.
    The morning breeze like a bugle blew
    Against the drums of dawn.
    (Bob Dylan)

  • Freire ist einer der wenigen Pianisten, der einen ganz klaren, wunderbar leuchtenden, sonoren Klang hervorzaubern kann. Sein Klang ist dabei niemals hart, was bei der Decca nicht selbstverständlich ist. Arrau, Pollini, Fleisher und Volodos haben eine ähnliche Klangkultur mit freilich völlig unterschiedlichen individuellen Ausprägungen.

    Besonders gut ist das nachzuhören auf der Playlist THE ART OF NELSON FREIRE, die es auf Spotify & Co. gibt.

    Viele Grüße, Christian

  • Vielen Dank für diesen wunderbaren Link, lieber Holger! Das ist absolut hinreißend :love:

    Auf Deine Besprechung der Debussy-Aufnahme bin ich schon serh gespannt - ich werde sie mir auch gleich mal anhören.

    Vor allem aber würde mich interessieren, wie Du seinen CARNAVAL findest. Er hat ihn ja sogar zweimal aufgenommen.

    Zu der zweiten Aufnahme kehre ich immer wieder zurück, da führt kein Weg dran vorbei.

    Lieber Christian,


    den Debussy habe ich jetzt zum zweiten mal gehört - über Lautsprecher. Besprechung wird folgen... Die Schumann-CD habe ich bisher einmal gehört und sie hat mir ausnehmend gut gefallen! Nur den Brahms muss ich mir noch zu Gemüte führen! Ich nehme an, der Film ist zur Zeit der Philips-Duo-Aufnahme. Unverständlich, dass sie vergriffen und nicht wieder aufgelegt ist! :)

    Freire ist einer der wenigen Pianisten, der einen ganz klaren, wunderbar leuchtenden, sonoren Klang hervorzaubern kann. Sein Klang ist dabei niemals hart, was bei der Decca nicht selbstverständlich ist. Arrau, Pollini, Fleisher und Volodos haben eine ähnliche Klangkultur mit freilich völlig unterschiedlichen individuellen Ausprägungen.

    Besonders gut ist das nachzuhören auf der Playlist THE ART OF NELSON FREIRE, die es auf Spotify & Co. gibt.

    Ganz genau! :) Schade, dass die CDs mit brasilianischem Programm (Decca) vergriffen sind!


    Ein schönes Wochehende wünschend

    Holger

  • Auf Spotify ist alles von ihm vorhanden, auch das brasilianische Programm!

    Da ich kein Abonnent bin, leider für mich nicht! ;( Es gibt aber bei Decca noch eine Decca-CD nur mit Villa Lobos, habe ich beim Googeln entdeckt. Wusste ich garnicht! Leider auch vergriffen! :hello:

  • 71uQAFqOlPL._SS500_.jpg


    Gestern hörte ich aus dieser Box (die einen wirklich sehr lesenswerten Klappentext hat - ein schönes Beispiel, was für die altmodische CD spricht!) das 3. Rachmaninow-Konzert. Freire sagt im Interview, was im Klappentext abgedruckt ist - dass er das 3. Rachmanonow-Konzert zuerst im Alter von 19 Jahren zusammen mit Martha Argerich mit Horowitz und Ormandy in New York hörte und von der Aufführung elektrisiert war. Dass er Horowitz sozusagen im Hinterkopf hat, merkt man dieser Aufnahme an. Freire spielt - anders als in seinen abgeklärten Studioaufnahmen - viel "undisziplinierter", spontaner, dabei wie man ihn kennt hoch sensibel und mit Feuer. Hier zeigt er sich als "Virtuosen"-Typ - mit allen seinen Qualitäten. Die Darstellung ist freilich nicht so geschlossen wie die von Martha Argerich oder so durchdacht wie Lazar Berman. Aber man hört diese Aufnahme mit ihrer unprätentiösen, immer geschmackssicheren freien Virtuosität einfach sehr gerne. Zu David Zinman (er dirigiert das Rotterdam PhO, der Mitschnitt ist aus dem Concertgebouw in Amsterdam von 1979), erzählt er, hatte er ein besonders inniges künstlerisches Verhältnis, sozusagen blindes Verständnis. Das merkt man auch! :)


    (Die versprochene Besprechung seines Debussy wird noch folgen! ;) )


    Einen schönen 1. Advent wünschend

    Holger