SCHOSTAKOWITSCH, Dmitri: Streichquartett No. 3 in F-Dur, op. 73

  • Das 3. Streichquartett entstand kurz nach Ende des 2. Weltkrieges 1946. Das Werk ist fünfsätzig und dauert gut 30 min.


    Das eröffnende Allegretto beginnt vermeintlich heiter mit einem fast trivial anmutenden Tanz, wie viele Werke der Zeit ist die Melodik an jüdischer Volksmusik angelehnt, aber natürlich typischer DSCH. Im Mittelteil dieses Satzes verdüstern sich dann die Wolken und es wird klar, dass die Heiterkeit nur eine vordergründige ist. Zum Ende hin verdichtet sich das Stimmengeflecht zunehmend und wird dissonant eingeschärft.
    Das Moderato con moto bringt ein sich kreisenden Motiv, das durch die verschiedenen Stimmen gereicht wird. Leise geht es pizzicato weiter und eine schwermütige Melodie taucht auf. Das Ganze steigert sich fast hymnisch und bricht abruot wieder ab. Der Satz klingt wunderschön traurig-wehmütig aus.
    Das Allegro non troppo ist einer der grell-brutalen Schostakowitsch-Sätze, wie wir sie auch in der 8. und 10. Symphonie finden. Er bricht irgendwann einfach abrupt ab.
    Das Adagio bringt ein fast hymnisch vorgetragenes Thema aus dem sich die Solovioline mit einem berührenden Klagegesang löst. Über liegende Töne intoniert die Solovioline diesen Gesang immer heftiger. Andere Instrumente nehmen den Gesang auf. Der Satz klingt fahl aus.
    Das abschliessende Moderato ist der längste Satz. Er beginnt lapidar mit einem Cellosolo in das die Geige und die anderen Instrumente einsteigen, ein Tänzchen schliesst sich an, das geht in einen galoppierenden Rhythmus über und hellt sich stimmungsmäßig auf. Die Musik steigert sich und der Hymnus taucht kurz wieder auf. Das Tanzthema wird zaghaft wieder aufgenommen. Das Ende klingt ruhig und innig aus mit der Solovioline in der höchsten Lage.


    Ein Quartett, dass man vermutlich mehrmals hören muss, damit es seine ganze Wirkung entfaltet. Heute gehört mit dem Hagen Quartett.

  • Zitat

    Ein Quartett, dass man vermutlich mehrmals hören muss, damit es seine ganze Wirkung entfaltet.


    Eigenartigerweise war das bei mir nicht so, mag aber sein, daß ich in meiner melancholisch, verzweifelten und gleichzeitig sehr unruhig-nervösen Gemütsverfassung besonders empfänglich für diese Musik bin.


    Ich wurde durch diesen wunderbaren Threadbeginn animiert in meiner Sammlung nachzusehen, ob es da was Passendes gäbe - und siehe da - es gab. Eigentlich wollte ich eine CD aus der Gesamtaufnahme mit dem Pacifica Quartett auflegen, aber dann fiel mir eine Aufnahme mit dem österreichischen Acies Quartett (für Gramola) in die Hände - und das war dann mein "prägender Höreindruck"
    Den Vorsatz, zum Vergleich anschliessend dann doch naoch die Pacifica Aufnahme vergleichen zu hören ließ ich Anbetracht der beeindruckenden Interpretation (in stupender Aufnahmetechnik noch dazu !!!) fallen, denn egal wie gut diese Aufnahme auch sein mag (oder nicht ?) ich stehe noch unter dem Eindruck der Gramola Einspielung und ich möchte diesen nicht zerstören.
    Ich habe inzwischen auch in den diversen Booklets und Kammermusikführern nachgelesen - und überall wurde vile hinien interpretiert in das Werk. Als Tatsache kann ich hier nur anfügen, dass Schostakowitsch sein drittes Streichquartett sehr liebte und während einer improvisierten Aufführung im Freundeskreis zu Tränen gerührt war, als man geendet hatte. Und das kann ich gut verstehen....


    mfg aus Wien
    Alfred

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  • Hallo Alfred,


    wärst Du so nett, einmal nachzusehen, wo und von welchem Toning. die Scheibe aufgenommen wurde?
    Meine Höreindrücke hinsichtlich der Kammermusik auf dieser Gál-CD waren leider sehr negativ und ich möchte für mich beurteilen können, ob Gramola nun grundsätzlich - zumindest bei Kammermusik - auf meine "Sperrliste" wandert. Danke vorab!


    Viele Grüße
    Frank

  • @hüb -Beitrag Nr 3:


    Nach dem ich das Wort "Toning", hinter dem ich einen neuartigen, kryptischen, englischen Spezialbegriff vermutete, in einem kurzen aber heftigen Augenblick geistiger Helle endlich als "Ton-Ingenieur" identifiziert habe, steht einer Beantwortung der Frage nun nichts mehr im Wege:


    Die Aufnahme wurde vom 24.-27- Jänner 2011 im Barocksaal ses Stiftes Vorau (Steiermark Österreich) gemacht
    Balance Enginieur und Digital Editing: Ladislav Krajcovich und Otto Nopp


    mit freundlichen Grüßen aus Wien
    Alfred

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  • Hallo Alfred,


    danke für die Angaben und bitte entschuldige meine "Schreibfäule"... :D


    Das ist in der Tat sowohl ein anderes Aufnahmeteam, als auch ein anderer Aufnahmeort gewesen. Insofern lassen sich meine Hörerfahrungen bei besagter Gál-Produktionen (glücklicherweise) offenbar nicht verallgemeinern.


    Viele Grüße
    Frank

  • Das dritte ist mir eines der liebsten Streichquartette Schostakowitschs. Das Werk empfinde ich als dermaßen erfrischend, elegant und kurzweilig, dass ich es durchaus einem "Einsteiger" in die Kammermusik des Komponisten empfehlen würde.



    Alfred hat recht; es wurde in den Nachschlagewerken viel in das Werk hineininterpretiert. Insbesondere geht es da um die Leichtigkeit und vermeintliche Einfachheit, die das Werk ausstrahlt. Demzufolge soll der Komponist damit die Gefühle der "kleinen Leute" und deren "kleine Freuden" nach Beendigung des Krieges angesprochen haben. Ich kann diese Folgerung gut nachvollziehen, weiß mangels Kenntnis der Biographie aber nicht, ob DSCH dies konkret im Sinn gehabt hat.


    Er selbst war mit diesem Quartett, wie bereits erwähnt, sehr zufrieden und schrieb seinem Schüler Edison Denissow: "Das dritte Quartett halte ich für eines meiner gelungensten Werke. Wenn Sie es durchsehen, beachten Sie, dass der 1. Satz nicht forsch, sondern zart gespielt werden muss". Es scheint vielleicht, als habe er für die einfachen Dinge des Lebens viel übrig gehabt. Aber so ist ja wohl häufig in Schostakowitschs Musik zu vernehmen: Die einfachen leisen Melodiestellen hat er mit herzlicher Eleganz umgeben, die pompösen eher mit bedrohlicher Einfachheit. Vielleicht höre ich die Streichquartette Schostakowitschs deshalb noch inniger als seine Sinfonien.


    In einer Sache bin ich mir allerdings (noch?) nicht sicher: Die Fuge im ersten Satz (anstatt ausgedehnter Durchführung) finde ich, für sich genommen, fantastisch und faszinierend. Aber es wirkt auf mich beim Hören stets so, als hätte DSCH sie so in seiner geschlossenen Gesamtheit in den Verlauf "einfach so" hineingesetzt. Wie soll ich es sagen, es wirkt etwas wie ein Fremdkörper, ist nicht so gut eingebunden.


    Wahrscheinlich irre ich mich aber, und das Gefühl wird sich legen. Insgesamt nimmt mich das dritte Quartett emotional immer mit und steckt bei aller (in wohl jedem Kammermusikwerk des Komponisten vorhandenen) Wehmut mitten im Saft des Lebens und der Lebendigkeit.


    Uwe

    Ich bin ein Konservativer, ich erhalte den Fortschritt. (Arnold Schönberg)

  • Ich habe heute das dritte Streichquartett erneut gehört und ich kann meinen Erstindruck nur erneut bestätigen, der sich auch mit jenem von Uwe Schoof deckt

    Ebenso fand ich die Beurteilung der Aufnahme mit dem Acies Quartett bestätigt, mein Geschmack hat sich hier nicht geändert. Ich würde sie jener mit dem Brodsky Quartett vorziehen (die auch hervorragend ist !!!), was auch auf den erweiterten Frquenzumfang zurückzuführen ist,

    Ist es nur eine Einbildung von mir, oder finden sich im 3. Satz Anklänger an die Ouvertüre zu "Carmen" ???

    Auf jeden Fall ein wunderbares Werk in einer geglückten Einspielung. Das Acies-Quartett nimmt eigentlich rech sparsam auf, an eine Gesamtaufnahme ist hier nicht zu denken,,,



    mfg aus Wien


    Alfred

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