1840 - Das Liederjahr: Der Robert und Clara Schumann Liederabend

  • Hallo!


    Nachdem wir einen Schubert - Liederabend, einen Abend mit Liedern von Richard Strauss und einen Liederabend nach Gedichten von Friedrich Rückert zusammen gestellt haben, habe ich Lust, ein solches Projekt für das Ehepaar Schumann in Angriff zu nehmen.


    Das passt sehr gut zu 2019, da sich in diesem Jahr der Geburtstag von Clara Schumann, geb. Wieck, zum 200ten mal jährt.



    Robert_u_Clara_Schumann_1847.jpg


    Ich möchte nicht das gesamte Liedschaffen in den Blick nehmen, sondern nur das Jahr 1840. wobei die Lieder, die er in diesem Jahr komponierte ein Großteil seines gesamten Liedschaffens ausmacht.


    S. hierzu auch folgenden Thread:

    1840 – Dokumente und Informationen zum Liederjahr Robert Schumanns


    Hier findet sich auch eine Liste der Lieder, die Robert Schumann in diesem Jahr verfasst hat.


    Schaue ich mir das Liedschaffen seiner Frau Clara an, fallen lediglich drei Lieder in diesen Zeitraum (ausgenommen vom Liebesfrühling, den Robert gemeinsam mit ihr verfasste):

    Am Strande

    Ihr Bildnis

    Volkslied (nach Heinrich Heine)

    Sollte ich mich in dieser Hinsicht irren, lasse ich ich gerne korrigieren.


    Vorgehen:


    Wieder hat jeder die Möglichkeit, Stücke einzubringen, die an diesem Liederabend zum Vortrag kommen. Er macht zugleich Vorschläge, welcher Interpret das Lied vorträgt (unabhängig davon, ob er noch lebt oder nicht).


    Der Liederabend soll zwei Sets à 45 Minuten umfassen.


    Regeln:


    Wir schlagen ausschließlich Lieder mit Klavierbegleitung vor


    Jeder Teilnehmer am Thread kann Liedvorschläge einbringen


    Der Vorschlag beinhaltet den Interpreten, der das Stück vortragen soll.


    Die Aufnahme sollte allgemein zugänglich, also auf CD erschienen sein.


    Schön wäre es, wenn nach Möglichkeit ein youtube-Link beigefügt wäre


    Andere Teilnehmer können für das Stück Alternativvorschläge einbringen - sollen diese allerdings auch begründen.


    Einzelstücke aus Liederzyklen werden zusammen gefasst (spielt bei diesem Liederabend eine bedeutend größere Rolle als in den voran gegangenen)


    Da jemand zu guter Letzt entscheiden muss, welche Einspielung verwendet wird, behalte ich mir dieses Recht vor.



    Wer sich in die Lieder weiter vertiefen möchte, wird hier fündig:


    Schumann-Liedthreads



    Ich hoffe, dass ich viele von Euch animieren kann, sich mit diesen herrlichen Liedern auf leichte Art zu befassen.


    Gruß WoKa

    "Die Musik drückt das aus, was nicht gesagt werden kann und worüber Schweigen unmöglich ist."


    Victor Hugo

  • Hallo!


    Wie bei den zurück liegenden Liederabenden auch, eröffne ich den Liederreigen mit einem ersten Vorschlag:


    Als erstes Stück schlage ich aus den Myrten op. 25 eines der schönsten Liebeslieder vor, die das Kunstlied zu bieten hat: Widmung


    Aus den unzähligen Interpretationen habe ich mehrere ausgewählt, die in die engere Wahl kommen könnten (weitere Vorschläge sind willkommen!).


    Doch zunächst der Text des Gedichtes von Friedrich Rückert:


    Du meine Seele, du mein Herz,

    Du meine Wonn’, O du mein Schmerz,

    Du meine Welt, in der ich lebe,

    Mein Himmel du, darein ich schwebe,

    O du mein Grab, in das hinab

    Ich ewig meinen Kummer gab.


    Du bist die Ruh, du bist der Frieden,

    Du bist vom Himmel mir beschieden.

    Daß du mich liebst, macht mich mir wert,

    Dein Blick hat mich vor mir verklärt,

    Du hebst mich liebend über mich,

    Mein guter Geist, mein beßres Ich!


    Im Thread Das Kunstlied im Interpretenvergleich haben wir uns ab Post 73 mit dem Lied beschäftigt. Dennoch stellen die dort erwähnten Aufnahmen nur einen winzigen Ausschnitt des "Marktes" dar.


    Obgleich ich männliche Interpreten bei diesem Lied bevorzuge, möchte ich Aufnahmen beider Geschlechter als Vorschläge einstellen:


    Andrea Kirchschlager bringt bei guter Textklarheit das "Anbetende" sehr gut zur Geltung




    Peter Schreier bringt eine sehr geradlinige und unverschnörkelte Interpretation zu Gehör:




    Eine dritte Interpretation, die ich lediglich in youtube entdeckt habe, ist die von Grace Bumbry. Das Thema des "Muttersprachlichen" ist kaum zu vernehmen. Eine wunderschöne Interpretation.



    Über weitere Liedvorschläge und weitere Vorschläge zu diesem konkreten Lied freue ich mich.


    Gruß WoKa

    "Die Musik drückt das aus, was nicht gesagt werden kann und worüber Schweigen unmöglich ist."


    Victor Hugo

    Einmal editiert, zuletzt von WoKa ()

  • Hallo!


    Ein weiteres Lied Schumanns, das ich einführen möchte ist Belsazar op. 57 (ich habe mich für die Schreibweise ohne "t" entschieden) nach einem Gedicht von Heinrich Heine. Meines Wissens gibt es das eigenständige Werk fast ausschließlich von Männern gesungen.


    Die Mitternacht zog näher schon;
    In stummer Ruh' lag Babylon.
    Nur oben in des Königs Schloß,
    Da flackert's, da lärmt des Königs Troß.
    Dort oben in dem Königsaal,
    Belsatzar hielt sein Königsmahl.
    Die Knechte saßen in schimmernden Reihn,
    Und leerten die Becher mit funkelndem Wein.
    Es klirrten die Becher, es jauchzten die Knecht';
    So klang es dem störrigen Könige recht.
    Des Königs Wangen leuchten Glut;
    Im Wein erwuchs ihm kecker Mut.
    Und blindlings reißt der Mut ihn fort;
    Und er lästert die Gottheit mit sündigem Wort.
    Und er brüstet sich frech und lästert wild;
    Die Knechtenschar ihm Beifall brüllt.
    Der König rief mit stolzem Blick;
    Der Diener eilt und kehrt zurück.
    Er trug viel gülden Gerät auf dem Haupt;
    Das war aus dem Tempel Jehovas geraubt.
    Und der König ergriff mit frevler Hand
    Einen heiligen Becher, gefüllt bis am Rand.
    Und er leert ihn hastig bis auf den Grund
    Und rufet laut mit schäumendem Mund:
    «Jehova! dir künd' ich auf ewig Hohn -
    Ich bin der König von Babylon!»
    Doch kaum das grause Wort verklang,
    Dem König ward's heimlich im Busen bang.
    Das gellende Lachen verstummte zumal;
    Es wurde leichenstill im Saal.
    Und sieh! und sieh! an weißer Wand
    Da kam's hervor wie Menschenhand;
    Und schrieb, und schrieb an weißer Wand
    Buchstaben von Feuer, und schrieb und schwand.
    Der König stieren Blicks da saß,
    Mit schlotternden Knien und totenblaß.
    Die Knechtenschar saß kalt durchgraut,
    Und saß gar still, gab keinen Laut.
    Die Magier kamen, doch keiner verstand
    Zu deuten die Flammenschrift an der Wand.
    Belsatzar ward aber in selbiger Nacht
    Von seinen Knechten umgebracht.


    Hier die Besprechung des Werkes durch Helmut Hofmann (Frage: Wo ist er eigentlich? Er war lange nicht mehr präsent im Forum.)

    Helmut Hofmann Belsazar


    Nachdem ich zahlreiche Interpretationen durchgehört habe, möchte ich zunächst die Version von Benjamin Appl einstellen, die sich u.a. dadurch auszeichnet, dass sie in sehr geringem Tempo beginnt um anschließend rasch Fahrt aufzunehmen. Dabei wird sie nie zu artifiziell, ohne die Dramatik des Werkes zu verleugnen.


    Benjamin Appl -Belsazar


    Um eine Verbindung zu Carusos Thread "Neue Stimmen" herzustellen, möchte ich zusätzlich die Aufführung durch Konstantin Krimmel, die es natürlich nicht auf CD gibt, einstellen:


    Konstantin Krimmel -Belsazar


    Ich freue mich auf weitere Vorschläge.


    Gruß WoKa



    "Die Musik drückt das aus, was nicht gesagt werden kann und worüber Schweigen unmöglich ist."


    Victor Hugo

  • Die Löwenbraut

    Adelbert von Chamisso


    Mit der Myrte geschmückt und dem Brautgeschmeid,

    Des Wärters Tochter, die rosige Maid

    Tritt ein in den Zwinger des Löwen; er liegt

    Der Herrin zu Füssen, vor der er sich schmiegt.

    Der Gewaltige, wild und unbändig zuvor,

    Schaut fromm und verständig zur Herrin empor;

    Die Jungfrau, zart und wonnereich,

    Liebstreichelt ihn sanft und weinet zugleich:

    „Wie waren in Tagen, die nicht mehr sind,

    Gar treue Gespielen, wie Kind und Kind,

    Und hatten uns lieb und hatten uns gern;

    Die Tage der Kindheit, sie liegen uns fern.

    „Du schütteltest machtvoll, eh’ wir’s geglaubt,

    Dein mähnenumwogtes königlich Haupt;

    Ich wuchs heran, du siehst es: ich bin

    Das Kind nicht mehr mit kindischem Sinn.

    „O wär ich das Kind noch und bliebe bei dir,

    Mein starkes, getreues, mein redliches Tier;

    Ich aber muss folgen, sie taten mir’s an,

    Hinaus in die Fremde dem fremden Mann.

    „Es fiel ihm ein, dass schön ich sei,

    Ich wurde gefreit, es ist nun vorbei:

    Der Kranz im Haar, mein guter Gesell,

    Und vor Tränen nicht die Blicke mehr hell.

    „Verstehst du mich ganz? Schaust grimmig dazu,

    Ich bin ja gefasst, sei ruhig auch du;

    Dort seh’ ich ihn kommen, dem folgen ich muss,

    So geb’ ich denn, Freund, dir den letzten Kuss!“

    Und wie ihn die Lippe des Mädchens berührt,

    Da hat man den Zwinger erzittern gespürt,

    Und wie er am Zwinger den Jüngling erschaut,

    Erfasst Entsetzen die bangende Braut.

    Er stellt an die Tür sich des Zwingers zur Wacht,

    Er schwinget den Schweif, er brüllet mit Macht;

    Sie flehend, gebietend und drohend begehrt

    Hinaus; er im Zorn den Ausgang wehrt.

    Und draussen erhebt sich verworren Geschrei.

    Der Jüngling ruft: „Bringt Waffen herbei;

    Ich schiess’ ihn nieder, ich treff’ ihn gut!“

    Aufbrüllt der Gereizte schäumend vor Wut.

    Die Unselige wagt’s sich der Türe zu nahn,

    Da fällt er verwandelt die Herrin an:

    Die schöne Gestalt, ein grässlicher Raub,

    Liegt blutig zerrissen entstellt in dem Staub.

    Und wie er vergossen das teure Blut,

    Er legt sich zur Leiche mit finsterem Mut,

    Er liegt so versunken in Trauer und Schmerz,

    Bis tödlich die Kugel ihn trifft in das Herz.


    Schöner, dramatischer und spannender kann man diese Geschichte wohl kaum erzählen ... so wie es hier getan wird. Der Story soll ja eine wahre Begebenheit zugrunde gelegen haben, aber nichts Genaues weiß man nicht ... man sollte sich aber die acht Minuten Zeit zum Zuhören nehmen!

    Interessant und entsprechend schwierig dürfte es werden, aus den Vorschlägen einen Liederabend zusammenzustellen.
    Abwechselnd eine mächtige Ballade mit einem Drei-Minuten-Lied bringen oder wie?

  • Hallo Karl Georg


    Danke für Deinen Beitrag. Die Lieder sind zunächst unsortiert. Sie "dramaturgisch" in eine sinnvolle Reihung zu bringen, die auch die Zyklen berücksichtigt, ist die Aufgabe, die am Ende steht. Hier kann sich beispielsweise durchaus das erste Set vom zweiten unterscheiden.


    Gruß WoKa

    "Die Musik drückt das aus, was nicht gesagt werden kann und worüber Schweigen unmöglich ist."


    Victor Hugo

  • Hallo!


    Ich zitiere hart: "Ein Gesangsstück bei dem es aus meiner Sicht durchaus Sinn macht, es in unterschiedlichen Interpretationen zu hören."

    Die schönsten Balladen


    Daher stelle ich gerne noch eine Aufnahme daneben. Von - das wundert Dich sicherlich nicht - Christiane Karg. Durch sie habe ich das Stück einstmals kennen gelernt bei einem Liederabend in Wiesloch.




    Ich gestehe allerdings, dass ich einer Männerstimme bei dieser Ballade mehr abgewinnen kann und ich die Gerhaher-Aufnahme für idealtypisch halte.


    Gruß WoKa

    "Die Musik drückt das aus, was nicht gesagt werden kann und worüber Schweigen unmöglich ist."


    Victor Hugo

  • Hallo!


    Wir bleiben dramatisch.


    Ein Lied, das mich immer wieder sehr betroffen macht, ist Der Soldat aus den Fünf Liedern op. 40.


    Es geht bei gedämpfter Trommel Klang;
    Wie weit noch die Stätte! der Weg wie lang!
    O wär er zur Ruh und alles vorbei!
    Ich glaub', es bricht mir das Herz entzwei!

    Ich hab' in der Welt nur ihn geliebt,
    Nur ihn, dem jetzt man den Tod doch gibt!
    Bei klingendem Spiele wird paradiert;
    Dazu bin auch ich kommandiert.

    Nun schaut er auf zum letzten Mal
    In Gottes Sonne freudigen Strahl;
    Nun binden sie ihm die Augen zu -
    Dir schenke Gott die ewige Ruh!

    Es haben die Neun wohl angelegt;
    Acht Kugeln haben vorbeigefegt.
    Sie zittern alle vor Jammer und Schmerz -
    Ich aber, ich traf ihn mitten in das Herz.


    Nun bin ich meist eher unten den aktuellen Sängerinnen und Sängern unterwegs. Eine Interpretation, die mich allerdings sehr beeindruckt hat, ist die von Heinrich Schlusnus, begleitet von Michael Raucheisen:



    Eine ausführliche Besprechung des Liedes in Tamino habe ich nicht gefunden.


    Gruß WoKa




    "Die Musik drückt das aus, was nicht gesagt werden kann und worüber Schweigen unmöglich ist."


    Victor Hugo

  • Dann will ich wenigstens ein kleines Stückchen Butter bei die Fische geben ...


    Der Text dieses Liedes geht eigentlich auf den dänischen Dichter Hans Christian Andersen zurück, der sowohl die Schumanns in Leipzig als auch Chamisso in Berlin besuchte. Die ersten vier Lieder des op. 40 - insgesamt sind es fünf - gehen auf übersetzte Andersen-Gedichte zurück, wobei zu bemerken ist, dass Chamisso selbst ein bedeutender Dichter war und es sich dabei eher um Neuschöpfungen nach Andersen handelt.


    Dietrich Fischer-Dieskau schreibt zu diesem Lied in seinem Buch »Robert Schumann - Wort und Musik«:


    »Balladesk und Orchesterfarbig vermag DER SOLDAT (op. 40,3) durch eine Wirkung mitzureißen, die Gustav Mahlers Soldatengesängen und sinfonischen Marschsätzen verwandt ist. Vor allem weist hier Unerbittlichkeit des schreitenden Rhythmus auf den Österreicher voraus. Auf dem Höhepunkt »Ich aber« verlässt Schumann das musikalische Grundschema, das den Text häufig als zweitrangig behandelte, und greift zum Rezitativ. Das Lied endet auf der Dominante und lässt die Frage stehen, wie der Soldat mit seinem Schmerz fertig wird. Dem Stück wird erst durch den Schlusskontrast seine volle Dimension verliehen. Dem bis dahin vom Trommellaut beherrschten Lied folgen vier Takte komponierter Stille. Schumann gibt der Sentimentalität, die der Text in sich birgt, keine Chance«.

  • Hallo Karl Georg!


    Welches ist Deine liebste Interpretation?


    Gruß

    Wolfgang

    "Die Musik drückt das aus, was nicht gesagt werden kann und worüber Schweigen unmöglich ist."


    Victor Hugo

  • Deine Auswahl mit Heinrich Schlusnus hat mich positiv überrascht und ich wüsste nicht, warum ich nach etwas »besserem« suchen sollte - hatte ich Dir doch kürzlich erst die Alten mit Raucheisen ans Herz gelegt ...

  • Hallo!


    Aus dem Liederkreis op. 24 könnte ich mir die Lieder


    1. Morgens steh´ ich auf und frage

    3. Ich wandelte unter den Bäumen

    9. Mit Myrten und Rosen


    als Bestandteil des Liederabends vorstellen.


    Hier ein Vorschlag für das erste genannte Lied:


    Eine Interpretation von Florian Boesch - eine sehr pointierte und lebendige Interpretation.



    Morgens steh’ ich auf und frage:
    Kommt feins Liebchen heut?
    Abends sink’ ich hin und klage:
    Aus blieb sie auch heut.

    In der Nacht mit meinem Kummer
    Lieg’ ich schlaflos, wach;
    Träumend, wie im halben Schlummer,
    Träumend wandle ich bei Tag.


    Gruß WoKa

    "Die Musik drückt das aus, was nicht gesagt werden kann und worüber Schweigen unmöglich ist."


    Victor Hugo


  • Lieber Wolfgang,

    mit Florian Boesch ist das so eine Sache ... ich stelle einmal eine Interpretation von »Morgens steh´ ich auf und frage« ein, die mir mehr zusagt.

    Nach meiner Beurteilung ist Florian Boesch ein Sänger, den man live erleben sollte, er ist da nicht der einzige, es gibt einige Sänger, bei denen es so ist. Im Thread »Der besondere Liederabend« habe ich das mal anhand eines Liederabends mit Boesch im Rahmen der SCHWETZINGER FESTSPIELE zu beschreiben versucht (Beitrag Nr. 14).

  • Hallo!


    Die Aufnahme von Peter Schreier hatte ich auch auf dem Schirm.


    Auch für das nächste Lied "Ich wandelte unter den Bäumen" habe ich ihn verglichen mit Fischer-Dieskau, Bo Skovhus und wollte dann Ian Bostridge einstellen (herrlich lyrisch). Bis ich diese Aufnahme hörte - die mich dazu führt, mein Vorurteil gegenüber Goerne bzgl. lyrischen Liedern zu revidieren.


    Ich wandelte unter den Bäumen

    Mit meinem Gram allein;

    Da kam das alte Träumen,

    Und schlich mir ins Herz hinein.

    Wer hat euch dies Wörtlein gelehret,

    Ihr Vöglein in luftiger Höh?

    Schweigt still! wenn mein Herz es höret,

    Dann tut es noch einmal so weh.

    »Es kam ein Jungfräulein gegangen,

    Die sang es immerfort,

    Da haben wir Vöglein gefangen

    Das hübsche, goldne Wort.«

    Das sollt ihr mir nicht mehr erzählen,

    Ihr Vöglein wunderschlau;

    Ihr wollt meinen Kummer mir stehlen,

    Ich aber niemanden trau.



    Gruß WoKa

    "Die Musik drückt das aus, was nicht gesagt werden kann und worüber Schweigen unmöglich ist."


    Victor Hugo

  • Ein neuer Vorschlag, diesmal das vierte Lied aus Schumanns op. 34


    1. Liebesgarten

    2. Liebhabers Ständchen

    3. Unterm Fenster

    4. Familiengemälde

    Familiengemälde

    Großvater und Großmutter,
    Die saßen im Gartenhag,
    Es lächelte still ihr Antlitz
    Wie sonn'ger Wintertag.

    Die Arme verschlungen, ruhten
    Ich und die Geliebte dabei,
    Und blühten und klangen die Herzen
    Wie Blumenhaine im Mai.

    Ein Bächlein rauschte vorüber
    Mit plätscherndem Wanderlied,
    Stumm zog das Gewölk am Himmel,
    Bis unseren Blicken es schied.

    Es raschelte von den Bäumen
    Das Laub, verwelkt und zerstreut,
    Und schweigen an uns vorüber
    Zog leichten Schrittes die Zeit.

    Stumm blickte aufs junge Pärchen
    Das alte stille Paar;
    Des Lebens Doppelspiegel
    Stand vor uns licht und wahr:

    Sie sah'n uns an und dachten
    Der schönen Vergangenheit;
    Wir sah'n sie an und träumten
    Von ferner künft'ger Zeit.

    Anastasius Grün

    (1808 - 1876), eigentlich: Anton Alexander Graf von Auersperg, österreichischer Dichter und Staatsmann



    Man begegnet eher einem Reh auf der Autobahn, als dass man dieses eigentlich für Sopran und Tenor geschriebene Duett im Konzertsaal hört, und auch auf Tonträgern ist dieses Stück eher spärlich vertreten.

    In einem fiktiven Liederabend hätte man dann endlich einmal die Chance dieses Schumann- Werk zu hören. Übrigens hat Schumann vom Grafen Auersperg, alias Anastasius Grün, nur diesen einen Text vertont. Von den im Internet verfügbaren Gesangsstimmen beeindrucken mich die Stimmen Fischer-Dieskau / Varady am meisten, aber natürlich auch das schöne lange Nachspiel ...


    Die älteste mir vorliegende Aufnahme vom 14. Juli 1943 stammt aus der Raucheisen-Edition, wo es auf der CD 61+62 zu finden ist, hier ist die Spieldauer mit 4:53 angegeben. Die Interpreten sind Peter Anders und Tiana Lemnitz - ganz vorzüglich gesungen!


    Dann gibt es noch eine 1980 produzierte CD der Deutsche Grammophon auf der Schumann-Duette mit Julia Varady, Dietrich Fischer-Dieskau und Peter Schreier zu hören sind; am Flügel von Christoph Eschenbach begleitet; die Spieldauer ist hier mit nur 3:42 angegeben. Dietrich Fischer-Dieskau interpretiert das Stück hier mit seiner Frau Julia Varady, der Zusammenklang der beiden Stimmen ist einfach ideal!


    Es gibt auch eine CD-Aufnahme des Duetts mit Peter Seiffert und seiner Frau Petra-Maria Schnitzer, hier begleitet Charles Spencer.


    Eine weitere familiäre Produktion bietet Johnny Langridge, der das Duett mit seiner Mutter, der Mezzosopranistin Ann Murray singt; Begleiter ist hier Malcolm Martineau.


    Die Hyperion-Box sämtlicher Schumann-Lieder, bietet das Stück in der Interpretation von Ian Bostridge und Dorothea Röschmann an, die von Graham Johnson begleitet werden.


    Bei YouTube findet man schließlich noch eine Version dieses Duetts mit den Schweden Olle Persson und Christina Högmann, am Flügel begleitet Mats Jansson.


    Dieses vierte Lied ist am Ende zu finden.


  • Auf einer Burg

    Eingeschlafen auf der Lauer
    Oben ist der alte Ritter;
    Drüber gehen Regenschauer,
    Und der Wald rauscht durch das Gitter.


    Eingewachsen Bart und Haare
    Und versteinert Brust und Krause,
    Sitzt er viele hundert Jahre
    Oben in der stillen Klause.


    Draußen ist es still und friedlich,
    Alle sind ins Tal gezogen,
    Waldesvögel einsam singen
    In den leeren Fensterbogen.


    Eine Hochzeit fährt da unten
    Auf dem Rhein im Sonnenscheine,
    Musikanten spielen munter,
    Und die schöne Braut, die weinet.


    Dieses Lied entstammt dem Liederkreis op. 39 nach Eichendorff. Hermann Prey singt es - wie ich finde - mit sehr großer Ruhe und stilistisch perfekt. Er breitet die Geschichte so vor uns aus, dass wir uns hineinversenken können. Bei seinen Vortrag verzichtet er auf Deutungsansätze. Mit dem etwas nach oben gezogenen Schlusswort lässt er alles offen. Er singt so, als ob es noch weitergeht. Wir wissen nicht, in welcher Beziehung der alte Ritter droben zu der Hochzeit auf dem Rhein steht. Wir können nicht einmal ahnen, warum die Braut weint. Eichendorff mutet uns immer diese Andeutungen und Verborgenheiten zu. Sie sind sein Markenzeichen. Analysten wollen im Ritter, der auf der Lauer eingeschlafen ist, eine Anspielung Schumanns auf den alten Wieck erkannt haben, der sich bekanntlich gegen die Verbindung seiner Tochter Clara mit dem Komponisten gestellt hat. Wie auch immer, der Zyklus fällt in den von Woka vorgegebenen zeitlichen Rahmen, und an der Entstehungsgeschichte hat das Paar gemeinsamen Anteil. Deshalb möchte ich den Liederkreis op. 39 gern als Ganzes nominieren - als zweiten Teil dieses virtuellen Liederabends. Für mich ist er der Höhepunkt von Schumanns Liedschaffen. Es gibt sehr gelungene Aufnahmen, die nicht alle genannt werden können. Obwohl ich Prey gleich zu Beginn ins Feld führte, ist und bleibt mir Sena Jurinac die liebste Interpretin. Auch weil ich bei ihr die Schumannsche Schwermut am innigsten heraushöre. Ihre Einspielung ist zuerst bei Westminster erschienen, begeitet wird sie von Franz Holetschek.


    Es grüßt Rheingold (Rüdiger)


    Erda: "Alles, was ist, endet."

  • Hallo!


    Vielen Dank für die wertvollen Beiträge.


    Das "Familiengemälde" kannte ich bisher nicht.


    Dem Gedanken, den Liederkreis Op. 39 als Ganzes aufzunehmen, kann ich einiges abgewinnen. Mit einer knappen halben Stunde ist er auch überschaubar. Gleichzeitig wird es dann schwierig, zum einen der Dichterliebe als einem weiteren Hauptwerk gerecht zu werden und auch den Liedzyklus Frauenliebe und -leben zur Geltung kommen zu lassen. Letzterer sollte meines Erachtens in jedem Falle komplett beinhaltet sein, da er wie kein anderer Liederzyklus Schumanns in sich geschlossen ist.


    Denkbar wäre allerdings, vier Teile à ca. 45 Minuten zusammen zu stellen - sprich zwei Abende. Dadurch wäre es möglich, alle drei Zyklen einzubinden und mit Einzelliedern zu komplettieren. Der Aufwand wäre nicht viel größer, als ursprünglich von mir geplant. Den Vorschlag möchte ich zur Diskussion stellen.


    Und schließlich soll auch Clara Schumann noch "zu Wort kommen".


    Gleichzeitig möchte ich mir hinsichtlich des Liederkreises Op. 39 noch einige Einspielungen anhören, was ich in den nächsten Tagen sicher leisten kann.


    Folgende Einzellieder sind bisher enthalten:


    Widmung - Peter Schreier

    Belsazar - Benjamin Appl

    Die Löwenbraut - Christian Gerhaher

    Der Soldat - Heinrich Schlusnus

    Morgens steh´ ich auf und frage - Peter Schreier

    Ich wandelte unter den Bäumen - Matthias Goerne

    Familiengemälde - Dietrich Fischer-Dieskau und Julia Varady (Video ab 7:16´)


    Das ist bis hierhin ca. eine halbe Stunde.


    Gruß WoKa

    "Die Musik drückt das aus, was nicht gesagt werden kann und worüber Schweigen unmöglich ist."


    Victor Hugo

  • Hallo!


    Hinsichtlich des Op. 39 würde ich neben Jurinac als männliche Alternative Andreas Schmidt setzen (damit es nicht wieder Peter Schreier wird:).


    Zum weiteren Vorgehen:


    Die aktive Beteiligung am Thread ist eher gering. Ihr beide - Karl Georg und Rüdiger - habt Vorschläge eingebracht. Wie ich bereits geschrieben habe, möchte ich nun um die drei genannten kompletten Liederzyklen herum die weiteren ausgewählten Kunstlieder "drappieren". Da es sich um einen Liederabend handelt, der Robert und Clara Schumann würdigt, darf natürlich der Liebesfrühling op. 37 (kmplett) auch nicht fehlen.


    Das läuft auf 2 Liederabende à 2 Sets hinaus. Gehe ich von einer Gesamtlänge von ca. 180 Minuten aus, bleiben etwa 75 Minuten für einzelne Lieder, von denen ca. 30 Minuten bereits "vergeben" sind.


    Das Projekt wird allerdings zu dritt etwas langwierig. Daher an all die Schumann-Kenner die Frage:


    Welche Lieder aus seinem Oeuvre (außerhalb des Liederkreises op. 39, der Dichterliebe und Frauenliebe und -leben und dem Liebesfrühling) und den bereits genannten haltet Ihr für unverzichtbar? Ich weiß, dass wir locker noch Stunden zusammen stellen könnten. Die Herausforderung liegt in der Reduzierung. Die Lieder aus dem Werk von Clara Schumann, die in das Jahr 1840 fallen sind dagegen sehr überschaubar.


    Ihr werde mir meinerseits Gedanken machen und die Ergebnisse zusammen stellen. Abschließend erstelle ich einen Vorschlag für die konkrete Abfolge.


    Schön wäre es, wenn Ihr zu den Vorschlägen auch Interpretenempfehlungen aussprechen würdet.



    Gruß und Danke

    WoKa

    "Die Musik drückt das aus, was nicht gesagt werden kann und worüber Schweigen unmöglich ist."


    Victor Hugo

  • Hallo!


    Das ist die Liederauswahl, die ich auf der Grundlage der bisherigen Nennungen und meiner Favoriten getroffen habe:


    Liederkreis von Heinrich Heine (op. 24)


    Nr. 1 Morgens steh' ich auf 1:05

    Nr. 3 Ich wandelte unter den Bäumen 3:31

    Nr. 9 Mit Myrthen und Rosen 3:54


    Myrthen (op. 25)


    Nr. 1 Widmung 1:58

    Nr. 3 Der Nussbaum 3:23

    Nr. 8 Talismane 2:28

    Nr. 13 Hochländers Abschied 1:33

    Nr. 17 Leis´ rudern hier 1:49

    Nr. 24 Du bist wie eine Blume 1:47

    Nr. 26 Zum Schluss 2:18


    Ländliches Lied 2:23

    Die Löwenbraut 8:21

    Unterm Fenster 1:36

    Familiengemälde 4:19

    An den Sonnenschein 1:26

    Der Soldat 3:09

    Der Spielmann 2:48

    Frühlingsfahrt 3:01

    Die beiden Grenadiere 3:51

    Belsazar 5:11

    Dein Angesicht 2:01

    Sehnsucht 2:12

    Die nächtliche Heerschau (WoO 11 No. 2) 1:52



    Zwölf Gedichte von Justinus Kerner (op. 35)


    Nr. 1 Lust der Sturmnacht 1:29

    Nr. 3 Wanderlied 2:51

    Nr. 10 Stille Tränen 3:40


    Komplette Liederzyklen:


    Dichterliebe

    Frauenliebe und -leben

    Liebesfrühling

    Liederkreis nach Eichendorf op. 39


    Gerne baue ich den Abend um, wenn aus Eurer Sicht Lieder hinzugefügt werden sollen, die Eures Erachtens aus dem Liederjahr 1840 auf keinen Fall fehlen dürfen.


    Anschließend werde ich versuchen, die Stücke in eine sinnvolle Reihung zu bringen und sie mit Interpretenempfehlungen zu versehen.


    Gruiß WoKa

    "Die Musik drückt das aus, was nicht gesagt werden kann und worüber Schweigen unmöglich ist."


    Victor Hugo

  • Hallo!


    Ich habe die beiden Schumann-Abende nach den bereits vorhandenen Vorschlägen und eigenen Überlegungen vervollständigt und zusammen gestellt. So könnte ich ihn mir vorstellen.


    Gruß und Danke für die Ideen, die zu diesem Programm beigetragen haben.


    Gruß WoKa


    Abend 1


    1 Morgens steh' ich auf (Peter Schreier)

    2 Ich wandelte unter den Bäumen (Matthias Goerne)

    3 Mit Myrthen und Rosen (Thomas Bauer)


    Dichterliebe (Andreas Schmidt)


    4 Im wunderschönen Monat Mai

    5 Aus meinen Tränen sprießen

    6 Die Rose, die Lilie

    7 Wenn ich in deine Augen seh’

    8 Ich will meine Seele tauchen

    9 Im Rhein, im heiligen Strome

    10 Ich grolle nicht

    11 Und wüßten’s die Blumen

    12 Das ist ein Flöten und Geigen

    13 Hör’ ich das Liedchen klingen

    14 Ein Jüngling liebt ein Mädchen

    15 Am leuchtenden Sommermorgen

    16 Ich hab’ im Traum geweinet

    17 Allnächtlich im Traume

    18 Aus alten Märchen winkt es

    19 Die alten, bösen Lieder


    20 Die nächtliche Heerschau (Christopher Maltman)

    22 Die beiden Grenadiere (Christopher Maltman)
    23 Der Soldat (Heinrich Schlusnus)

    Pause


    Frauenliebe und -leben (Soile Isokoski)


    1 Seit ich ihn gesehen

    2 Er, der Herrlichste von allen

    3 Ich kann’s nicht fassen, nicht glauben

    4 Du Ring an meinem Finger

    5 Helft mir, ihr Schwestern

    6 Süßer Freund, du blickest

    7 An meinem Herzen, an meiner Brust

    8 Nun hast du mir den ersten Schmerz getan


    9 Familiengemälde (Dorothea Röschmann / Ian Bostridge)

    10 Frühlingsfahrt (Dieterich Fischer-Dieskau)

    11 Widmung (Peter Schreier)

    12 Der Nussbaum (Mitsuko Shirai)
    13 Talismane (Bryn Terfel)
    14 Hochländers Abschied (Ian Bostridge)
    15 Leis´ rudern hier (Ian Bostridge)
    16 Du bist wie eine Blume (Ian Bostridge)
    17 Zum Schluss (Ian Bostridge)


    Abend 2


    1 Lust der Sturmnacht (Thomas Bauer)
    2 Wanderlied (Thomas Bauer)
    3 Stille Tränen (Thomas Bauer)

    4 Sehnsucht (Barbara Bonney)

    5 Ländliches Lied (Lydia Teuscher)

    Liebesfrühling (Thomas Bauer)


    6 Der Himmel eine Träne geweint

    7 Er ist gekommen (Clara Schumann)

    8 O ihr Herren

    9 Liebst du um Schönheit (Clara Schumann)

    10 Ich hab' in mich gesogen

    11 Liebste, was kann denn uns scheiden

    12 Schön ist das Fest des Lenzes

    13 Flügel! Flügel! um zu fliegen

    14 Rose, Meer und Sonne

    15 O Sonn', o Meer, o Rose

    16 Warum willst du andre fragen (Clara Schumann)

    17 So wahr die Sonne scheinet


    Pause


    1 Die Löwenbraut (Christian Gerhaher)

    2 Unterm Fenster (Dorothea Röschmann)

    Liederkreis nach Eichendorf (Thomas Quasthoff)

    3 In der Fremde

    4 Intermezzo

    5 Waldesgespräch

    6 Die Stille

    7 Mondnacht

    8 Schöne Fremde

    9 Auf einer Burg

    10 In der Fremde

    11 Wehmut

    12 Zwielicht

    13 Im Walde

    14 Frühlingsnacht


    15 An den Sonnenschein (Dieterich Fischer-Dieskau)
    16 Dein Angesicht (Christoph Prégardien)

    17 Der Spielmann (Thomas Hampson)
    18 Belsazar (Benjamin Appl)

    "Die Musik drückt das aus, was nicht gesagt werden kann und worüber Schweigen unmöglich ist."


    Victor Hugo