Musikgenuss im Pforzheimer Theater: Bizets Perlenfischer

  • Leider wird die frühe Oper George Bizets zu selten gespielt. So bot sich die Gelegenheit, dieser Tage eine Aufführung im Theater Pforzheim zu besuchen, was sich als Glücksgriff herausstellte. Was die Solisten, der Chor und das Orchester unter GMD Markus Huber hier geleistet haben, verdient großes Lob. Es waren 2 wundervolle Stunden Musikgenuss pur.

    Die Perlenfischer

    Oper in drei Akten von Georges Bizet
    Libretto von Michel Florentin Carré und Pierre-Etienne Piestre alias Eugène Cormon
    In Kooperation mit dem Festival de St. Céré


    Besetzung:


    Leila — Elisandra Melián

    Nadir — Dennis Marr

    Zurga — Paul Jadach

    Nourabad — Lukas Schmid-Wedekind


    Chor des Theaters Pforzheim
    Extrachor des Theaters Pforzheim
    Badische Philharmonie Pforzheim

    Musikalische Leitung — Markus Huber


    Inszenierung — Olivier Desbordes und Eric Perez

    Bühne und Kostüme — Ruth Groß

    Video - Clément Chébli

    Dramaturgie — Annika Hertwig


    Der Trailer vermittelt Eindrücke zum Bühnenbild und über die Idee des Regisseurs:


    Noch die Kurzportraits der Solisten, aus denen erkennbar ist, welche Vielseitigkeit ihnen während einer Saison abverlangt wird:


    Elisandra Melián, Sopran

    Die gebürtige Spanierin Elisandra Melián absolvierte ihr Gesangsstudium am Konservatorium von Las Palmas, an der “Escuela Superior de Canto” in Madrid und schloss ihr Studium mit Auszeichnung ab. Ihren Master in Opern- und Konzertgesang absolvierte sie bei Prof. Dorothea Wirt an der Hochschule für Musik in Freiburg im Breisgau. Die Sopranistin gastierte u.a. beim Opera Festival von Las Palmas de Gran Canaria als Gilda mit Leo Nucci in der Hauptrolle des Rigoletto.

    Seit der Spielzeit 2016/17 ist sie festes Ensemblemitglied am Theater Pforzheim. Aktuell ist sie neben Leila auch als Arsena im Zigeunerbaron, als Adina im Liebestrank und als Woglinde im Rheingold besetzt.


    Paul Jadach, Bariton

    Der gebürtige Pole absolvierte das erste Staatsexamen in Mathematik und Musik und studiert seit 2011 Gesang bei Prof. Jan-Hendrik Rootering. Er gastierte bereits während seines Studiums an den Theatern Hagen und Dortmund sowie der Deutschen Oper am Rhein. Neben dem Opernfach widmet er sich auch dem Konzert.

    Seit der Spielzeit 2016/17 ist er festes Ensemblemitglied am Theater Pforzheim. Derzeit ist er auch als Graf Homonay, Belcore, Donner und in der Hauptrolle des Musicals Doktor Schiwago zu sehen.


    Dennis Marr, Tenor

    Seine Gesangsausbildung absolvierte Dennis Marr an der Staatlichen Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Stuttgart in der Gesangsklasse von Prof. Bernhard Jaeger-Böhm. Im Masterstudiengang der Opernschule Stuttgart studierte er bei Sylvia Koncza. 2014 sang der Tenor bei den Osterfestspielen Baden-Baden mit den Berliner Philharmonikern. Er war festes Ensemblemitglied am Theater Vorpommern Stralsund/Greifswald.

    Seit der Spielzeit 2017/18 ist er festes Ensemblemitglied am Theater Pforzheim. Weitere Rollen in dieser Saison: Sándor Barinkay, Nemorino und Mime.


    Lukas Schmid-Wedekind, Bass                                                                                                                                                                                                                                         Der gebürtige Münchner Lukas Schmid-Wedekind sang bereits als Chorbube und Kindersolist im Staatstheater am Gärtnerplatz. Der Bassist studierte Operngesang und Gesangspädagogik an der Musikhochschule Karlsruhe bei Prof. Stephan Kohlenberg. Festes Ensemblemitglied war er bereits beim Badischen Staatstheater Karlsruhe und dem Theater Münster und gastierte in Leipzig, Lyon, Erfurt und Trier. Außerdem ist er als Konzert- und Oratoriensänger tätig.

    Seit der Spielzeit 2017/18 ist er festes Ensemblemitglied am Theater Pforzheim. Derzeit singt er auch Kálmán Zsupán, Doktor Dulcamara und Fasolt.


  • Lieber Siegfried,


    deine Beurteilung über die Perlenfischer hat bei mir erreicht, dass ich dadurch jetzt weiss, es gibt in Pforzheim Opernaufführungen. Ich fahre nämlich gleich nach Bad Herrenalb und habe daher gleich mal die Homepage des Theaters besucht. Volltreffer, da gibt es nämlich "Die Liebe zu den drei Orangen", allerdings in einer gesungenen Version (finde ich nicht so toll). Aber Tickets gibt es für den 18. noch reichlich - ist der einzige mögliche Termin, da ich 22. Mai wieder in Zürich für Rameaus "Hippolyte et Aricie" sein muss.


    Danke für diesen Beitrag, mir hat er was gebracht.

    Souffleur

  • Zu #2. natürlich ist die Version gesungen, aber ich meinte eigentlich eine"deutsch gesungene Version".

    Morgenstund hat Gold im Mund, aber anscheinend Blei in Händen und Gehirn

  • Lieber Siegfried, danke für den Bericht. In dem kleinen Video wird gesagt, dass die Perlenfischer in Sri Lanka spielten - das hieße nach 1972. Bis dahin hieß das Land Ceylon. Inwiefern ragen die historischen Umstände in die Inszenierung hinein? Und wie wird deutlich, dass es heutzutage wohl kaum noch Perlenfischer geben dürfte. Zuchtperlen haben dieses ungemein gefährliche und schreckliche Geschäft zum Erliegen gebracht. Nadir und Zugar tragen Jeans. Das kann aber auch auf einer Probe gewesen sein. Vielleicht berichtest Du uns noch mehr.

    Es grüßt Rheingold (Rüdiger)


    Erda: "Alles, was ist, endet."

  • Lieber Siegfried,

    danke für den Bericht und die Viten der Protagonisten. Schön und beruhigend, dass auch in der Provinz so gute Leistungen geboten werden.

    Herzlichst

    Operus (Hans)

    Umfassende Information - gebündelte Erfahrung - lebendige Diskussion- die ganze Welt der klassischen Musik - das ist Tamino!

  • Nach gut 2 Monaten gibts doch noch Reaktionen auf die Pforzheimer Perlenfischer, daran hätte ich nicht mehr geglaubt.

    Danke Euch, die meinen Bericht nicht unbeachtet links liegen ließen. Geduld ist eine Tugend, die im Tamino-Forum nicht hoch genug eingeschätzt werden kann.


    Es freut mich, lieber Souffleur, dass du Pforzheim fortan nicht nur von der Landkarte her kennst. Ich war schon oft in diesem Theater und staune immer wieder, was hier mit bescheidenen finanziellen Mitteln immer wieder auf die Bühne gezaubert wird. Und musikalisch wurde ich noch nie enttäuscht.


    Im konkreten Fall, lieber Rüdiger, wird das Geschehen aus einer Traumperspektive gezeichnet. Zunächst schlafen drei junge Menschen westlich gekleidet unter Tüchern, die wie ein Bergpanorama drapiert sind. Dann kriechen die Träumenden hervor. Untermalt wird das durch Filmeinspielungen von Perlentauchern, stürmisch bewegtem Meer und fremdartigen Ritualen indisch-hinduistischen Ursprungs.

    Die Protagonisten erwachen in dieser fremden Welt und beginnen ihre Rollen zu spielen. Nadir und Zurga trugen ganz einfach Hemd und Hose. Ob ne Levi's dabei war, kann ich nicht mehr sagen. Leila war schön gewandet, zum Ohrenschmaus kam die Augenweide dazu, wirklich ganz zauberhaft. Des Dorfältesten Nourabads Outfit war zeitlos neutral, es hätte auch einer der Zauberflöten-Priester irgendwo auf der Welt sein können. Einen Bezug zu einer bestimmten Geschichts-Epoche vermochte ich nicht zu erkennen.


    Lieber Hans, die junge Sängergilde gastiert gelegentlich auch außerhalb der Bühne recht erfolgreich. Vielleicht wäre es mal einen Gedanken wert, jemand von ihnen mit dem Ölbronner Operndörfle in Zusammenhang zu bringen.

    :hello:

  • Lieber Siegfried, ich freue mich über Deine Antwort, danke. Es hat schon manchen Vorteil, wenn die Akteure wenigsten auf der Bühne zunächst sehr jung sind. Nur dann wir für mich die Handlung glaubhaft.


    Allerdings hätte man Leilas Schleier für den kleinen Filmausschnitt durchaus bügeln können. ;) Er sieht aus wie aus einem Schrank genommen oder aus einer Verpackung von Amazon. So zeigt sich wieder einmal, dass zu große Nähe der Wirkung abträglich ist. :( Ich habe ähnliches bei Salomes Tanz aus der zweiten Teile erlebt. Das war fürchterlich komisch und verursache grelles Gelächter.

    Es grüßt Rheingold (Rüdiger)


    Erda: "Alles, was ist, endet."