REGER Max: Kammermusik

  • Max Reger: Violinsonate Nr 1 op 1 in d-moll



    Streichquartette sind hier ausgenommen, die haben - wie zumeist - einen eignen Thread, aber Reger hat ja jeder Menge an Kammermusik geschrieben.....

    Gestern habe ich -. nach langem Zögern - die hier abgebildete Kassette (sie erschien im Reger-Jahr 2016) erstmals geöffnet und das erste Stück auf CD Nr 1, die Violinsonate Nr 5 op 84 gehört.

    Ich empfand sie zu meinem Erstaune als weit weniger sperrig als erwartet. Aber es gäbe da doch einige Einwände, die ich aber nicht schreiben wollte, weil ich es für notwendig halte, mehr von Reger zu hören um eine abschliessende grobe Einschätzung zu gewinnen (eine Einschätzung - kein Urteil !!!)

    Und so habe ich das gemach, was ich in solchen Fällen meistens mache: Ich habe mit einem Jugendwerk begonnen, im konkreten Fall die Violinsonate Nr 1 op 1

    Reger schrieb sie als 17 jähriger im Jahre 1890. Wie erwartet war das Werk noch eine Stufe eingängiger , hörte man hier noch Vorbilder wie Brahms heraus.

    Die Sonate war Regers Gönner, Hugo Riemann gewidmet, der das Werk als "Geniestreich" bezeichnet, eine Beurteilung, die ich gut nachvollziehen kann, die aber nicht von allen geteilt wurde. Reger polarisierte. Er bekam Glückwünsche von Musikprofessoren aber auch Ablehnung. Wie so oft gab Reger auch hier einen Kommentar ab. "Macht nichts - müssen sich eben ein bisschen daran gewöhnen, die guten Leute"

    Die Sonate ist viersätzig :


    1) Allegro majestoso

    2) Scherzo: Allegro scherzando - Trio: Un poco meno mosso

    3) Adagio

    4) Finale: Allegro apassionato


    Die hier gezeigte Kassette ist eine Gesamtaufnaghme aller Violinsonaten und Cellosonaten

    Sie enthält 8 CDs und wird von jpc um 19.99 Euro angeboten

    Die Kritiken sind geradezu überschwänglich !!


    mfg aus Wien

    Alfred



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    Tut er das nicht, dann ist er eigentlich überflüssig....


  • Oh, das ist traurig, dass hier noch nicht mehr steht. In Erwartung einer riesigen Box (23 Cds - Ich kann auch nicht sagen wann ich so ein Boxenluder geworden bin :D) mit Kammermusik von Max Reger habe ich die alten Dinge noch mal ausgekramt und siehe da:


    Momentan unverschämt günstig zu bekommen seine Kammermusik mit Klarinette


    Sonate für Klarinette und Klavier in B-Dur op. 107 (1909)

    Stephan Siebenthaler Klarinette

    Kolja Lessing Klavier


    Quintett für Klarinette und Streichquartett in A-Dur Op. 146 (1916)

    Stephan Siebenthaler Klarinette

    Leipziger Streichquartett









    Die Klarinette ist der etwas hölzerne (ältere) Bruder des Saxophons. Ich habe sie noch in meiner Kindheit durch meinen Vater in den Diskussionen über den Orchestersatz von Glenn Miller kennengelernt. Trotz allem ist die Klangkonstruktion Klarinette mit Konzertflügel denkwürdig und sehr eigenwillig. Ich habe mir eine zeitlang die Stücke angehört mit einem virtuellen Tenor-/Altsaxophon im Ohr, und ich fand, dass es möglich wäre. Natürlich ist der Klarinettenklang für Reger, der noch in der Bachschen Polyphonie verhaftet ist, adäquater und nicht zuletzt vom Komponisten gewollt :). Da pfuschen wir mal nicht rein. :pfeif: (er selbst fand wohl Violine oder Bratsche als Alternative gut ... Er wusste es eben nicht besser ;))


    Zuerst Op. 107: Das Stück beginnt moderato, um aber schon nach kurzer Zeit mit Forteeinbrüchen aufzuwühlen. Die Spannungen zwischen Klavier und dem Soloblasinstrument wird kunstvoll aufgebaut, aber nie lange gehalten und Klarinette und Klavier verschmelzen wieder in interessanter Harmonik. Regers Klaviersatz liebt den Bass, der, aber anders als bei Brahms, wo er häufig orchestraler Verstärkung des Klanges dient, hier ein völlig eigenstimmiger reizvoller kontrapunktischer Gegenpart ist. Ein wundervolles, sogar fröhliches Werk!


    Nun Op. 146: Es ist im letzten Lebensjahr Regers entstanden und man meint das zu spüren (was natürlich Blödsinn ist, Reger war 42!). Das Stück ist schon durch seine Besetzung her mit klanglicher Fülle ausgestattet, die die Sonate vorher nicht liefern kann. Auch hier ist wieder (noch viel stärker als in Op. 107) das kunstvolle polyphone Verweben der Stimmen zu einem heiteren Gesamtkunstwerk zu bewundern. Es hat fast mozartische Qualität und überragt damit ästhetisch so ziemlich alles andere, was zu dieser Zeit so kammermusiziert wurde.


    Die Solisten hier spielen ausgezeichnet und die Aufnahmequalität macht zusätzlich Spaß und kann für weitere Einspielungen in dieser Kombination begeistern.

  • Momentan unverschämt günstig zu bekommen seine Kammermusik mit Klarinette

    Vielen Dank für Deinen Hinweis astewes, die Doppel-CD ist für 6,99 lächerlich günstig. Heute außerdem keine Versandkosten - ich habe postwendend bestellt...


    :)

  • Max Reger: Violinsonate Nr 2 op 3 in D-dur




    Soeben habe ich die Violinsonate Nr 2 op 3 gehört, die auch ein Jugendwerk von Reger ist, der Brahms'sche Einfluß ist noch teilweise vorhanden, wenngleich geringer, der von Beethoven (in der Sonate Nr 1 fand ich sogar noch Anklänge an die Mondscheinsonate (?) ) ist IMO nicht mehr spürbar.

    Wie schon bei der ersten Sonate empfand ich den ersten Satz als den beeindruckendsten mit Wechsel von Düsterkeit, Eingängigkeit und Temperament, wobei die Kontraste sehr ausgespielt werden. Ob das am Werk oder an der Interpretation liegt vermag ich mangels an Vergleichen nicht zu sagen.

    Ein Entstehungsjahr konnte ich nicht finden, muß aber etwa um 1892 gewesen sein, wenn man sich an der Opuszahl orientiert.


    Die Sonate hat 4 Sätze:


    1) Allegro non tanto

    2) Scherzoso, Allegretto Grazioso - Trio Leise bewegt (langsam)

    3) Adagio

    4) Allegro (quasi andantino)


    Innnerhalb der Box findet sich das Werk auf CD 6 Tracks 5-8

    Der Preis für alle 8 CDs liegt derzeit bei 19.99 Euro


    mfg aus Wien

    Alfred

    Die Hauptaufgabe eines guten Forenbetreibers ist: AN ALLEM SCHULD ZU SEIN

    Tut er das nicht, dann ist er eigentlich überflüssig....


  • Mittlerweile habe ich die von moderato in Reger, Max: Die Streichquartette gezeigte Box mit Kammermusik von Max Reger erhalten. Was für eine Kiste!:)


    Da sie bei jpc gerade nicht erhältlich ist, kann ich leider nur das Bild posten:



    4011563775003.jpg


    Es findet sich gerade keine Bestellnummer mehr dort, so dass ich leider nicht weiß, wie ich besser verlinken könnte.


    Erst einmal ist man vom Umfang des Werkes her beeindruckt. Es ist auch schön, einen Überblick zu haben und zu sehen, womit sich Reger in der Kammermusik so beschäftigt hat. Eine immense Menge von Suiten und Sonaten für Violine und Cello solo, von denen ich nur die für Cello kenne. Da gibt es also noch einiges zu entdecken. Etwas schade ist die Tonqualität. Ich habe den Eindruck, dass man hier durch sogenanntes Remastern noch einiges herausholen könnte, habe aber keine Ahnung, wie hoch der Aufwand ist.


    Nachdem ich die ersten Stücke gehört habe, möchte ich auf sein Klaviertrio in e-Moll Op. 102 hinweisen, eine Komposition aus den Jahren 1907/1908. Es ist das erste Werk auf der ersten CD und gibt gleich einen Eindruck vom Gewicht der Kunst Regers. Es ist ein beeindruckendes Werk. Ich höre gelegentlich Klaviertrios und habe meine Lieblinge, dieses hier gehört wahrscheinlich bald dazu.


    Regers Musik hat etwas Bezwingendes. Sie schreitet langsam aber unaufhörlich weiter, es ist ein bisschen, wie bei einer Passacaglia, auch, wenn der Satz bescheiden Allegro moderato heißt ;). Es gibt unglaublich schöne Stellen darin, Elegisches und Dramatisches. Aber anders als bei so vieler Romantik, kommt hier die Kraft und Gewalt nicht aus dem persönlichen Erleben, so will es scheinen, sondern als musikalische Urgewalt. Es ist irgendwie barock und gleichzeitig viel moderner, als vieles andere aus Regers Zeit. :hail: Genug gelabert! :no:


    Das Stück hat mit seinen vierzig Minuten Länge symphonische Ausmaße und sprengt klanglich manchmal auch kammermusikalisches Musizieren. Das Scherzo ist ein unterhaltsames Intermezzo. Auch das gelingt ihm ganz famos, bevor wir mit dem Largo in die tiefsten Tiefen der Musik eintauchen. Eine wundervolle Melodie begleitet uns dabei... Auch hier kein Sentiment, sondern ein Verlorensein, das große Kunst häufig begleitet.


    Ich möchte mich hier nicht versteigen :/, aber ich glaube, hier einem wirklich bedeutendem Werk gegenüberzustehen und wundere mir, wieso das so gut wie nie eingespielt wurde. Goldbergvariationen sind wohlfeil an jeder Ecke zu haben.


    Eingespielt ist das Werk in meiner Aufnahme vom mir völlig unbekannten Hoppstock-Trio, die Aufnahme ist vom 26. April 1968. Ich werde mir weitere holen.


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  • Bei meiner Suche bin ich auf die folgende Aufnahme gestoßen, die Anfang April veröffentlicht wird und low budget ist. Ob die jetzt auch noch gut ist, kann ich natürlich nicht sagen. Bestellt ist sie :)


  • Mittlerweile ist die CD mit Regers Klaviertrio op. 102 bei mir angekommen.



    Drei junge Portugiesen knien sich mit voller Kraft in ein wirklich komplexes Werk Regers (ich bin gespannt, was ich noch entdecken werden. Komplexer kann Reger wahrscheinlich immer werden ;)....), soviel zur "lokalen" Größe Regers. Man sollte aber auch sagen, dass dieses Werk Stellen von berückender Schönheit enthält. Wie das zusammengeht, weiß nur Reger ;)


    Ich habe mir nun das Trio schon dreimal angehört mit steigender Begeisterung. Der Zufall wollte, dass ich, unüblich meiner sonstigen Art, nicht aus der Mitte, sondern mir das erste Stück aus dem gesamten Kammermusikschaffen angehört habe, das Klaviertrio. Welch großartige Überraschung! Der Hunger war geweckt und hier nun diese aktuelle CD.


    Wer eine neue, klanglich absolut überzeugende und inspirierte Einspielung haben will, dem sei die mit dem Artium Trio empfohlen. Der Preis an sich sollte schon alleine überzeugen. ;)