Gioacchino Rossini: Semiramide

  • Hallo liebe Taminoianer!


    Nachdem ich nach ernsten Rossini-Opern gefragt habe, hab ich mir nun eine besorgt: SEMIRAMIDE


    Die Aufnahme mit Iano Tamar(Semiramide), Gloria Schalchi(Arsace)(wow!!) Michele Pertusi(Assur), Gregory Kunde(Idreno)(ein Spitzentenor), Ildebrando d´Arcangelo(oroe), Luigi Petroni(Mitrane) unter der Leitung von Alberto Zedda aus dem Jahre 1992.


    Kurz zum Inhalt:Im Babylon zur Assyrerzeit herrscht seit 15 Jahren Semiramis, nachdem ihr Gatte Nino und der Sohn der beiden Ninio ermodet wurde. Nun muss sie einen Thronfolger bestimmen.
    Oroe, der Hohepriester, prophezeit, dass erst der Mord an Nino gerächt werden muss, bevorein Thronfolger bestimmt werden kann.
    Idreno, der König der Inder, der Azema, eine assyrische Prinzessin liebt,ein assyrischer Fürst und Assur, rechnen beide mit der Ernennung zum Thronfolger.Assur scheint sich sehr sicher und drängt trotz unheilvoller Vorzeichen zur sofortigen Verkündung.Er hat, gemeinsam mit Semiramis Nino vor 15 Jahren getötet.
    Arsace, ein Feldherr ist inzwischen auf Befehl Semiramis´ zurückgekehrt. Oroe betraut ihn den Mord an Nino zu rächen. Auch er liebt Azema, sie leibt ihn ebenfalls.
    Idreno, der ihr einen Heiratantrag macht, wird von ihr zurückgewiesen. Er glaubt Assur sei der Gleibte Azema und entbrennt in tiefen Hass.
    Semiramis, liebt heimlich Arsace und erklärt ihn zum König. Idreno bittet die Königin erfolgreich um die Hand Azemas.
    Da erscheint Ninos Geist und fordert von Arsace ein Menschenopfer, wer das Opfer sein soll, sagt er aber nicht.
    Assur erpresst die Königin, dia aber auf Arsaces Hilfe hofft.
    Oroe enthüllt inzwischen die wahre Herkunft Arsaces, er ist der Sohn der ermordeten Ninos. Er schwört an Assur den Mord zu rächen und seine Mutter zu schonen.
    Im Mausoleum. es herrscht finsternis.Arsace hat ein Messer und führt auf Befehl Oroes den Tödlichen Stich durch. Er trifft nicht, wie geplant, Assur sondern Semiramis. Er möchte sich, als er gesehen hat, was er getan hat, selbst erstechen, wir aber von Oroe zurückgehalten. Das Volk ruft ihn zum neuen König aus.


    Zuerst einmal: Ich liebe diese Oper!!Vor allem die Duette (Arsace/Semiramis, Arsace/Assur und Semiramis/Assur) und die Arien des Idreno. Ich hätte nicht erwartet, dass Rossini so "fröhlich" bleibt. Vor allem die Koloraturen der weiblichen Sängerinnen sind einfach nur großartig. Die Ouvertüre gefällt mir sehr gut, der breiteren Masse ist sie durch den heurigen Opernball bekannt, das Ballett wurde zu dieser Ouvertüre getanzt. Ich kann nur sagen, eine großartige Oper, darf sich niemand, der auf Oper steht, entgehen lassen.


    Was haltet ihr von Semiramide???


    Mfg Joschi

  • Zitat

    Original von DonBasilio
    Zuerst einmal: Ich liebe diese Oper!!Vor allem die Duette (Arsace/Semiramis, Arsace/Assur und Semiramis/Assur) und die Arien des Idreno. Ich hätte nicht erwartet, dass Rossini so "fröhlich" bleibt. Vor allem die Koloraturen der weiblichen Sängerinnen sind einfach nur großartig. Die Ouvertüre gefällt mir sehr gut, der breiteren Masse ist sie durch den heurigen Opernball bekannt, das Ballett wurde zu dieser Ouvertüre getanzt. Ich kann nur sagen, eine großartige Oper, darf sich niemand, der auf Oper steht, entgehen lassen.


    Da brauche ich nichts zu sagen.


    Ich habe diesen Oper von Decca (ADD aus 1966) mit Joan Sutherland (Semiramide), Marilyn Horne (Arsace), Joseph Rouleau (Assur), John Serge (Idreno), Patricia Clark (Azema), Spiro Malas (Oroe), Lesley Fyson (Mitrane) und Michael Langdon (L'ombra di Nino). The London Symphony Orchestra spielte. Es dirigierte Richard Bonynge. 3 CDs


    Ich hatte noch nie etwas von John Serge gehört, aber fand was er sung sehr, sehr gut.
    Sutherland und Horne ist ja bekannt. Arien und Duetten dieser Interpretation sind auch auf andere CDs erschienen.

  • Zitat

    AUS DEM WER KENNT DIESE AUFNAHME-Thread:
    Original von severina


    Hallo Joschi,
    werde ich natürlich gerne tun! Bin nur etwas in Sorge wegen des Orchesters, denn das war beim heurigen "Otello" ziemlich mies. Wenn sogar mir mit meinen Schweinsohren das aufällt.......
    lg Severina :hello:


    Hallo!
    Das Orchester (Orchestro del Teatro Communale di Bologna) habe ich nicht als so schlecht in Erinnerung, aber berühmt ist es nicht. Spielt das Orchester immer dort oder nur heuer?


    Der größte Schwachpunkt ist meiner Meinung nach der Dirigent, er holt hier bei weitem nicht das aus der Musik heraus, was eigentlich drinnen wäre. Bei Bonynge merkt man schon, dass das richtig große Musik ist, bei Zedda klingt es nur recht nett. Ich spreche hier nicht von den Sängern, denn die sind richtig gut.


    LG joschi

  • Hallo!


    Es gibt aber 2 Sutherland-Semiramides (mir sind zumindest zwei bekannt):

    Von dieser sprach ich gerade.


    Und:

    Nochmal Sutherland/Bonynge
    Live 1968, also 2 Jahre später als die obige Aufnahme.


    Das nur mal zur Klarstellung, dass ihr euch auskennt.


    LG joschi

  • Hallo Joschi,
    in Pesaro sind meist verschiedene Orchester im Einsatz, den "Otello" verhunzten eben leider die Bologneser. Im "Turco" spielte ein südtiroler Orchester (Ich glaube, aus Bozen), das war wesentlich besser (technisch sauberer, mehr Drive) Mir fielen besonders die Patzer bei der Otello-Ouvertüre auf, später konzentrierte ich mich mehr auf die Sänger ;)
    Was Alberto Zedda betrifft, so habe ich den eigentlich als guten Rossini-Dirigenten in Erinnerung, er hat ja an der Staatsoper viel dirigiert. (so ziemlich jede "Cenerentola", in der ich war, und deren waren viele :] )
    lg Severina :hello:

  • Zitat

    Original von severina
    Hallo Joschi,
    in Pesaro sind meist verschiedene Orchester im Einsatz, den "Otello" verhunzten eben leider die Bologneser. Im "Turco" spielte ein südtiroler Orchester (Ich glaube, aus Bozen), das war wesentlich besser (technisch sauberer, mehr Drive) Mir fielen besonders die Patzer bei der Otello-Ouvertüre auf, später konzentrierte ich mich mehr auf die Sänger ;)
    Was Alberto Zedda betrifft, so habe ich den eigentlich als guten Rossini-Dirigenten in Erinnerung, er hat ja an der Staatsoper viel dirigiert. (so ziemlich jede "Cenerentola", in der ich war, und deren waren viele :] )
    lg Severina :hello:


    Hallo!


    Zuerstmal danke für die Pesaro-Infos.


    Zedda ist gut, keine Frage, aber eben nicht herausragend oder gar weltklasse. Der Tancredi von ihm ist wesentlich besser, da zeigt er dass er Rossini wirklich gut kann.
    Leider sind herausragende Rossini-Dirigenten rar, Bonynge ist eigentlich auch keiner (er passt bei Donizetti/Bellini besser). Aufgrund des Mangels (ich empfinde zumindest einen) ist klar, dass er einer der besten ist. Mir fällt auf die Schnelle gar kein Spitzen-Rossini-Dirigent ein.


    LG joschi


  • An Claudio Abbado gibt's aus meiner Sicht nichts auszusetzen, leider dirigiert er schon länger keinen Rossini mehr. Die letzte Oper, die ich mit ihm hörte, war "Il viaggio a Reims", und das ist auch schon wieder eine Ewigkeit her.
    lg Severina :hello:

  • Hallo Severina!


    Ich kenne Rossini-Aufnahmen von:

      Riccardo Chailly-passt mir ganz gut
      Tullio Serafin-dirigiert Rossini nur, wenn die Callas dabei ist
      Daniele Gatti
      Donato Renzetti
      Antonino Fogliani
      Gianfranco Masini
      Mario Rossi
      Lamberto Gardelli
      Claudio Abbado-kenne leider nur einen Querschnitt, der mir aber sehr gut gefallen hat, da bin ich sicher noch ausbaufähig
      Fernando Previtali
      Carlo Maria Giulini
      Marco Armiliato
      Otmar Suitner-gut, aber deutsch
      Alberto Erede
      Bruno Campanella
      Marcello Viotti- kommt dem perfekten Rossini-Dirigenten schon etwas näher
      Gianandrea Gavazzeni
      Nino Sanzogno
      Carlo Rizzi
      Gabriele Ferro-gefällt mir sehr, sehr gut
      Alberto Zedda
      Onissim Bron
      Piero Bellugi
      Jesus Lopez-Cobos-auch nicht übel
      Brad Cohen
      Wolfgang Sawallisch-kann nur Mose dirigieren. :D
      Charles Dutoit
      Richard Bonynge
      Alberto Zedda
      Tamas Benedek
      Alessandro de Marchi
      Maurizio Benini


    LG joschi

  • Liebe Rita,


    Alberto ZEDDA ist der Rossiini-Spezialist überhaupt. Als Musikwissenschaftler hat er sich um Rossini äussertst verdient gemacht, indem er viele Original-Partituren wieder hergestellt hat.


    Ob er deshalb auch der beste Rossini-Dirigent ist, mag dahingestellt bleiben.


    In meinen Augen (bzw. Ohren) ist das z. Z. wohl Gabriele Ferro. Seinen Rossini schätze ich am meisten (aber auch seinen Mercadante, Donizetti usw.)


    LG


    Harald

    Harald


    Freundschaft schließt man nicht, einen Freund erkennt man.
    (Vinícius de Moraes)

  • Zitat

    Original von Harald Kral
    Liebe Rita,


    Alberto ZEDDA ist der Rossiini-Spezialist überhaupt. Als Musikwissenschaftler hat er sich um Rossini äussertst verdient gemacht, indem er viele Original-Partituren wieder hergestellt hat.


    Ob er deshalb auch der beste Rossini-Dirigent ist, mag dahingestellt bleiben.


    Dem stimm ich 100%ig zu!
    Aber für mich ist er es NICHT.


    LG joschi

  • Der beste Rossini-Dirigent?


    Für mich gibt es vier maßstäbliche Aufnahmen von Rossini-Opern, die nur schwer zu verbessern sein dürften:


    Claudio Abbados IL VIAGGIO É REIMS
    Riccardo Chaillys GUGLIELMO TELL
    John Eliot Gardiners LE COMTE ORY
    Neville Marriners IL BARBIERE DI SIVIGLIA (besser noch als Abbado)


    Natürlich haben die Sänger aller vier Aufnahmen einen großen Anteil an der Gesamtqualität, aber diese vier Dirigenten sind - trotz Zedda, den ich sehr schätze - die Kandidaten, unter denen ich wegen dieser Spitzenleistungen den besten suchen würde.


    Da Chailly auch eine superbe CENERENTOLA zustande gebracht hat und auch seine ITALIANA sowie sein TURCO in die jeweilige Spitzengruppe der Aufnahmen dieser Opern gehören, würde ich Chailly gegenwärtig den Lorbeer zuerkennen. Ich könnte mir aber vorstellen, dass auch Bertrand de Billy oder Marc Minkowski ein gewichtiges Wort mitreden könnten, wenn sie denn mal eine Rossini-Oper aufnähmen.


    Unter den SEMIRAMIDEs sollte man trotz des von Sutherland und Hoirne verdienten Quasi-Monopols der Bonynge-Aufnahmen diese DVD mit June Anderson, Samuel Ramey und wiederum Marilyn Horne im Herbst ihrer Karriere nicht ganz übersehen.



    Obwohl sie optisch ödes Stehtheater bietet, vermochte sie mich musikalisch doch weitgehend überzeugen, was auch für James Conlons Dirigat gilt, das ich dem wie fast immer etwas müden von Bonynge eindeutig vorziehe.


    :hello: Rideamus

  • Wenn man an die diversen Aufführungen von Rossinis "Semiramide" in Pesaro denkt, sollte man die Aufnahme aus dem Jahre 1994 nicht ausser Acht lassen:


    Aufnahme: Aug. 1994, live, Pesaro
    Dirigent: Roger Norrington
    Orchester des Teatro Comunale,Bologna
    Prager Kammerchor
    Chorleitung: Ljubomir Matl
    Inszenierung: Hugo de Ana
    Label: Ricordi


    Rollen und Sänger


    Arsace: Martine Dupuy
    Assur: Michele Pertusi
    Azema: Ornella Bonomelli
    Idreno: Rockwell Blake
    L'ombra di Nino: Riccardo Ferrari
    Mitrane: Jacek Laszczkowski
    Oroe: Luciano Leoni
    Semiramide: Cecilia Gasdia


    Roger Norrington ist nicht der Dirigent, bei dem man sofort an Rossini denkt, aber er kann es trotzdem. Die Aufnahme ist übrigens vollständig, d.h. die sonst üblichen Striche wurde aufgemacht (übrigens von Alberto Zedda!)


    LG

    Harald


    Freundschaft schließt man nicht, einen Freund erkennt man.
    (Vinícius de Moraes)

  • Zitat

    Original von Rideamus


    Hallo Rideamus!


    Die von dir gezeigte DVD besitze ich ebenfalls und muss dir in einigen Punkten zustimmen:
    Musikalisch ist die Aufnahme 1a-obwohl Horne schon nicht mehr im Vollbesitz ihrer stimmlichen Kräfte ist, das wiederum gleicht eine wunderbare June Anderson aber mehr als aus.


    Gestört hat mich vor allem das sehr dunkle Bühnenbild, da kam für mich nie Babylon-Feeling auf, sondern immer nur Gefängnis-Feeling. Das hat mich arg gestört.


    Ebenso fand ich das Kostüm von Horne mehr als unpassend, da man ihre weiblichen Formen noch zu stark erkennen kann. Es sollte eigentlich ein Mann dargestellt werden, aber für mich war das Semiramides Tochter.


    Chaillys Salzburger Cenerentola ist eine meiner ABSOLUTEN Lieblingsopernaufnahmen. Hier stimmt alles. Da ich nur diese eine Rossini-Aufnahme von Chailly kenne, kann ich ihm nicht den Lorbeer zusprechen.
    Ich habe, wie schon weiter oben genannt, außer von Zedda und Viotti, nur jeweils eine Aufnahme pro Dirigent, Abbado fehlt überhaupt, kann daher kein genaues Urteil abgeben.
    Nur soviel: Zedda ist musikwissenschaftlich von Bedeutung, aber als Dirigent eher mittelmaß.
    Viottis Rossini-Aufnahmen gefallen mir ausgezeichnet, es sind aber nur komische Einakter. Wenn ich mal was ernstes mit ihm zu hören bekomme, kann ich das sicher objektiver beurteilen.



    Zitat

    dass auch Bertrand de Billy oder Marc Minkowski ein gewichtiges Wort mitreden könnten, wenn sie denn mal eine Rossini-Oper aufnähmen.


    Wenn, ja, wenn!! ;(


    LG joschi

  • Semiramide
    (Semiramis),
    Melodramma tragico in 2 Akten
    von Gioacchino Rossini.
    Text von Gaetano Rossi nach Voltaires La tragédie de Sémiramis (1748 ).
    Uraufführung: 3.2.1823 Venedig, Teatro La Fenice,
    mit Isabella Colbran • Luciano Mariani • Rosa Mariani • Matilda Spagna • John Sinclair • Filippo Galli.



    Zitat

    Semiramide sollte Rossinis letzte italienisch Oper und der Colbran letzter Auftritt in Italien sein. Rossinis Abschied von der ital. Oper ist zugleich eine Retrospektive der großen Gesangskunst seiner Jugendzeit.
    Im Rahmen eines Melodramas nach dem Geschmack Venedigs seit dem späten 17. Jh. (Üppigkeit und Exotik der Szene und der Kostüme, Erscheinung des Schattens, Wiedererkennungsszene zwischen Mutter und Sohn, die an Kastraten erinnernde Altrolle des Arsace) und den plastischen Tableaux der klassizistischen Oper entfaltet Rossini nochmals eine barocke Kunst des Ziergesangs und der vokalen Kultur, die unwiederholt blieb.
    Die elektrisierende Ouvertüre führt in eine Handlung ein, die durch den Gesang eine allegorische Dimension erhält; der virtuose Gesang ist nicht Mittel eines psychologisierenden Gestaltungswillens, sondern dient der Überhöhung des Geschehens.

    [Reclams Opernlexikon, S. 2365 (c) 2001 Philipp Reclam jun.]


    LG


    :hello:

    Harald


    Freundschaft schließt man nicht, einen Freund erkennt man.
    (Vinícius de Moraes)