Schubert: Klaviersonate B-Dur D 960 - Ein Überblick von "Zelenka"

  • Wunderbare Anekdote! Dabei spielt Berman den ersten Satz ja gar nicht langsamer als Richter, hier die Zeiten der oben abgebildeten EMI-Aufnahme:


    1: 23:52
    2: 11:56
    3: 4:47
    4: 9:07


    Viele Grüße
    Christian


  • Interessant, lieber Christian! Das werde ich mir anhören.


    Es gibt noch einen späten Konzertmitschnitt von 1992. In dieser Zeit spielt Berman noch subtiler als früher. Den habe ich mir gerade gebraucht bestellt:



    Herzlich grüßend
    Holger

  • Liebe Schubert-Freunde,


    ich raffe mich auf und führe mal Erkenntnisse meines Interpretationsvergleichs von 11 Aufnahmen weiter auf.


    Zunächst mal muss ich sagen, dass 10 der 11 Aufnahmen mir zusagen und IMO die Grundaussage der Sonate gut treffen. Pianistisch sind alle 10 dem Werk natürlich absolut gewachsen.


    Ich fange mal mit der Aufnahme an, welche mir gar nicht zusagt: die Denon-Aufnahme von Afanassiev! Im Gegensatz zum zweitlangsamsten Richter fällt hier der 1. Satz auseinander. Es ist IMO zu langsam, fast Stillstand. Außerdem wirkt es maniriert, da auch die übrigen Sätze extrem langsam und trocken gespielt werden. Man könnte Afanassiev letztlich gratulieren, dass er sein Konzept unbeirrt beibehält.


    LG Siamak

  • Ich habe mir diese Aufnahme noch einmal angehört, die ich noch gar nicht so lange in meinem Bestand habe und war wieder überrascht, wie sehr mich diese Aufnahme angegriffen hat:



    Satzzeiten (brutto): 20:32-9:47-4.31-8:43 --- 43:33 min;


    Maria Joao hat diese Aufnahme vor 6 Jahren in Hamburg eingespielt. Sie beachtet natürlich die Wiederholungen. Ihr Klang ist so natürlich, so transparent, so unspektakulär, mit deutlich vernehmbaren, aber nichtsdestoweniger moderaten rhythmischen Feinheiten, die ich so noch nicht gehört habe, die ich aber ohne Partitur noch nicht verifizieren kann.
    Vor allem aber bringt sie das Klavier zum Singen, und zwar durchgehend. Das ist mir noch nie so drängend aufgefallen, und der Gesang ist m. E. typisch schubertisch, beinahe schmerzhaft schön, musikalisch ungeheuer tiefgehend und gleichzeitig von einer unaufgeregten natürlichen Leichtigkeit. Dass das alles so selbstverständlich bei ihr zusammenkommt und so passt und dass sie diese doch schon beinahe jenseitige Sonate so natürlich diesseitig spielt, grenzt für mich schon bald an ein Wunder.


    Liebe Grüße


    Willi :)

    1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
    2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

  • Vor allem aber bringt sie das Klavier zum Singen, und zwar durchgehend.


    Die Aufnahme habe ich ja auch, lieber Willi, und werde sie mir ebenfalls noch anhören. Dasselbe finde ich trifft in geradezu vollendeter Weise auch auf Radu Lupu zu! :hello:


    Herzlich grüßend
    Holger

  • Zitat

    Dr. Holger Kaleta: Dasselbe finde ich trifft in geradezu vollendeter Weise auch auf Radu Lupu zu! :hello:


    Dem kann ich voll beipflichten!


    Liebe Grüße


    Willi

    1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
    2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

  • Sagitt meint:


    Und Leon Fleisher sollte nicht vergessen werden. Nach Jahrzehnten der Lähmung seiner rechten Hand, konnte er, dank Botox wieder spielen. Die herrliche Aufnahme heißt: two hands. Und eines der Stücke ist die Schubert-Sonate. Fleisher spielt mit der Demut seiner eigenen Lebenserfahrung dieses Werk und gestaltet es tiefsinnig und demütig. Seine Aufnahme gehört in jedem Falle in die Spitzengruppe.

  • Und Leon Fleisher sollte nicht vergessen werden. Nach Jahrzehnten der Lähmung seiner rechten Hand, konnte er, dank Botox wieder spielen. Die herrliche Aufnahme heißt: two hands. Und eines der Stücke ist die Schubert – Sonate.Fleisher spielt mit der Demut seiner eigenen Lebenserfahrung dieses Werk und gestaltet es tiefsinnig und demütig. Seine Aufnahme gehört in jedem Falle in die Spitzengruppe.


    Darüber gab es einen Film, lieber Sagitt. Leon Fleisher ist eine ungemein sympathische Persönlichkeit. Und er ist Schüler von Artur Schnabel gewesen. Kein Wunder also, dass er diese Affinität zu Schubert hat. Hier gibt es einen Ausschnitt bei Youtube:



    Schöne Grüße
    Holger


  • Lieber Christian,


    ich habe sie mir gerade angehört! Eindeutig gefällt mir der Konzertmitschnitt von 1980 viel besser. In der Studio-Aufnahme hat Berman so etwas wie Goldenweiser-Reduktion auf das Nötigste betrieben. Das wirkt einfach "totgespielt". Er hat das Expressivo und sämtliche subjektiven Momente wie das russische, Grüblerisch-Schwerblütige im letzten Satz völlig herausgenommen und das Geschehen "objektiviert". Das ist sicher alles sehr streng und genau gespielt - aber man kann eben Richter nicht kopieren. Auch einem Lazar Berman gelingt das nicht. Bermans Stärken liegen eindeutig woanders. Ich bin deshalb sehr gespannt auf den späten Mitschnitt von 1992! :hello:


    Herzlich grüßend
    Holger

  • Lieber Holger,


    diese EMI-Aufnahme hatte ich mit Berman auf MC und es gefiel mir durchaus.


    Meine absoluten Favoriten von den 11:


    Clifford Curzon
    Deszö Ranki
    Radu Lupu
    Sviatoslav Richter


    Ich bin heute Abend sehr müde, höre Bachs 1KK. Ich werde noch meine Favoriten begründen.


    LG Siamak

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  • Und Leon Fleisher sollte nicht vergessen werden. Nach Jahrzehnten der Lähmung seiner rechten Hand, konnte er, dank Botox wieder spielen. Die herrliche Aufnahme heißt: two hands.

    Lieber Sagitt, die habe ich mir gestern Abend dann noch aus der Schweiz für ein paar Euro bestellt. :)



    diese EMI-Aufnahme hatte ich mit Berman auf MC und es gefiel mir durchaus.

    Kann sein, lieber Siamak, dass ich gestern auch zu müde war. (Die Entspannung bei mir war dann nicht Bach, sondern Ravel. :D ) Ich werde mir wohl alle drei Aufnahmen noch einmal anhören mit der Erstanlage und ohne daneben zu arbeiten. :) Curzon und Ranki kenne ich nicht, Radu Lupu fand ich auch wirklich überragend, Richter natürlich sowieso.


    Schöne Grüße
    Holger

  • Ich habe den Kopfsatz gerade n dieer Einspielung gehört und muss sagen, ich war fasziniert von dem, wass ich da hörte:

    In der Zeitschrift RONDO las ich dazu diese Krtik von Guido Fischer, die so ganz dem entsprach, was ich von diesem Pianisten auch denke:

    Zitat

    Guido Fischer: ....Aus einer ganz anderen Richtung kommt hingegen der in Köln lebende Pianist Michael Korstick. 2003 machte er mit seiner hintergründigen und erzählerisch so reichen Interpretation seinem Ruf als ein Ausnahmemusiker alle Ehre, der sich aller Schnelllebigkeit und Schnelligkeit widersetzt. Korstick nimmt sich stattdessen Zeit, macht sich Gedanken und kostet jeden Moment aus. Fast traumverloren wirken dann seine Deutungen der riesigen Dimensionen und Stimmungswechsel von Schubert. Die B-Dur-Sonate – ein heiliges und andächtig bestauntes Wunderwerk.


    Seine Favoriten sind Valery Afanassiev, Swjatoslaw Richter und Rudolf Serkin.


    Die Spielzeiten (brutto): 25:35-11:09-3:53-8:10 --- 48:49 min.;


    Liebe Grüße


    Willi :)


    P.S. Jetzt breche ich zum Geher-Training auf.

    1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
    2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

  • Liebe Schubert-Freunde, lieber Holger, Willi und Kalli,


    Radu Lupus Decca-Aufnahme gehört IMO zur Spitzengruppe. Faszinierend finde ich seine überragende Technik, welche sich absolut in den Dienst des differenzierten Ausdrucks stellt. Lupu selbst hat erläutert, das die linke Hand ganz wesentlich bei seinem Schubert-Klang sei. Obgleich sein 1. Satz mit Expo-Wiederholung zu den schnellsten gehört, klingt er sehr differenziert und ruhig melodisch entwickelnd. Ich verstehe den 2. Satz als ein Impromptu und so elegant fließt er bei ihm. Der 3. und 4. gehören wieder zu den raschen und passen trotzdem zum Gesamtkonzept. Auch hier staunt man über die herausragende Virtuosität!


    Mit Korstick habe ich wenig Erfahrung aber ich werde mir seine Einspielung besorgen.


    LG Siamak

  • Hallo,


    Clifford Curzon, p
    (Orfeo, ADD, live, 1974)


    Deszö Ranki, p
    (Denon, ADD, live, 1975)


    Clifford Curzon und Deszö Ranki wiederholen beide nicht die Exposition des 1. Satzes. Während Curzon in der Live-Aufnahme von den Salzburger Festspielen neben Schnabel den schnellsten 1. Satz spielt, geht es Ranki deutlich langsamer an. Beide überzeugen mit eleganter Phrasierung und IMO den differenziertesten Abstufungen im leisen.


    Der 2. Satz wird von Beiden wie Richter auch im Vergleich mit den anderen zügig gespielt, sehr fließend und differenziert.


    Curzon spielt von den Zeiten den 3. und 4. Satz im Mittelfeld, was die gesamte Sonate schön zusammenhält. Rankis 3. Satz ist der zweitschnellste nach Richter. Eine sehr virtuose Einlage, wenn man möchte.


    Curzon und Ranki gehören hier zu meinen absoluten Favoriten.


    LG Siamak

  • Von Johannes Roehl gibt es irgendwo einen sehr fundierten Beitrag über das Tempo des ersten Satzes von D.960, leider aber finde ich ihn nicht mehr. Johannes sagte sinngemäß, dass MOLTO MODERATO als Tempobezeichnung sehr ungewöhnlich sei, sonst hieße es es immer ALLEGRO MOLTO MODERATO. Von dort aus kommt der zu dem Schluss, dass im ersten Satz eigentlich ein Allegro gemeint sei, der Satz also etwas schneller zu spielen sei. Schubert habe diese Bezeichnung aber weggelassen, da selbsterklärend. Demzufolge sei es richtig, den ersten Satz etwas schneller zu nehmen. Allerdings tue ich mich damit schwer und möchte das noch einmal zur Diskussion stellen. Zum einen steht da nun einmal nur MOLTO MODERATO ohne Allegro. Zum anderen wirkt auf mich der erste Satz bei schnellerem Tempo spätestens ab Beginn der Sechzehntel (Takt 29) gehetzt und das langsam voranschreitende Grundtempo geht völlig verloren. Auch die ansonsten sehr guten Aufnahmen von Lupu und Pollini sind mir deswegen zu schnell, auch meine ich, dass beide an dieser Stelle zusätzlich das Tempo noch etwas anziehen, was aber nicht in den Noten steht. Curzon muss ich mir noch einmal anhören, er ist bei Schubert ja immer sehr interessant und feinsinnig (D.850!). Bei D. 960 erscheint mir jedenfalls ein Tempo unter 14/15 Minuten (ohne WH) oder unter 18/19 Minuten (mit WH) am langsam schreitenden Charakter des Satzes vorbei zu gehen. Brendel ist gerade noch an der Grenze, meines Erachtens spielt er aber im Unterschied zu Lupu und Pollini nicht zu schnell.


    Viele Grüße
    Christian

  • Das war hier und es ist natürlich nur eine Vermutung.
    Man kann "sehr gemäßigt" auch als vollständige Satzbezeichnung verstehen, aber ursprünglich/eigentlich war es nur als modifizierender Zusatz üblich. In jedem Falle ist es eine ungewöhnliche und sehr vage Angabe.
    "allegro molto moderato" ist übrigens auch ziemlich selten und eher seltsam.


    Für mich drängt sich bei dem Hauptthema die Ähnlichkeit mit Beethovens Erzherzogtrio (ebenfalls Anfangsthema des Kopfsatzes) auf. Wenn man sich die beiden Themen vorsingt, scheint mir plausibel, dass das beim Schubert schon ein Stück breiter gemeint ist, daher (allegro) "molto moderato" statt "allegro moderato" wie bei Beethoven, aber eben nicht wie andante oder langsamer. Bei Beethovens noch deutlich langsameren "moderato cantabile" in op.110 sind dagegen die Figurationen in 32teln. Solche Figuren (oder auch 16teltriolen) kommen in dem Schubertschen Satz hier gar nicht vor, daher vermute ich, dass die 16tel schon recht flüssig gedacht sind.


    Wie auch immer, sowohl hier als auch in D 894 finde ich, dass die äußerste Grenze darin besteht, dass der zweite Satz noch als langsamer als der erste gehört werden können muss. (Das ist bei Richter in D 894 nicht mehr der Fall; der zweite Satz wirkt zügiger als der Kopfsatz.)

    Struck by the sounds before the sun,
    I knew the night had gone.
    The morning breeze like a bugle blew
    Against the drums of dawn.
    (Bob Dylan)

  • ... ich hatte noch ergänzt, dass für eine Elision spricht, dass da nicht "Moderato molto" steht sondern .... molto moderato. Ich persönlich finde, dass beide Zugänge, der etwas flüssigere oder langsame, ihre Fürsprecher haben. Ich erinnere mich an ein Gespräch mit einem Musikliebhaber, der Richters langsame Gangart für eine Fehlinterpretation hielt. :D

  • Ich habe mir jetzt mal einige Aufnahmen angehört, die den ersten Satz zügiger nehmen (mit und ohne WH): Annie Fischer, Radu Lupu, Clifford Curzon (BBC Legends live). Von Rubinstein gibt es ja zwei Aufnahmen, in der ersten ist er etwas unter 15 Minuten, in der zweiten lässt er sich ungefähr eine Minute mehr Zeit. Rubinstein ist gerade noch an der Grenze, bezeichnend ist aber, dass er mit der ersten, schnelleren Aufnahme offenbar nicht zufrieden war und nochmal ins Studio ging. Ich finde sein Tempo in der langsameren Einspielung stimmiger.
    Sogar der wunderbare Clifford Curzon wirkt für mich ab Takt 29 hektisch, gleiches gilt für Fischer und Lupu (der meines Erachtens auch noch schneller wird). Dabei wirkt dieses Tempo zu Beginn durchaus richtig - es ist immer noch ein Lied -, aber im weiteren Verlauf stellt sich dann heraus, dass ein dieses zügigere Tempo nicht richtig sein kann, denn spätestens ab Takt 29 kann man nicht mehr von einem Molto Moderato sprechen. Wilhelm Kempf ist übrigens der einzige, der in der BBC-Legends-Aufnahme im ersten Satz ab Takt 20 der Sechzehntel-Begleitung der linken Hand eine ganz eigene, sanfte Rhythmisierung abgewinnt. Ob er das auch in seiner Studio-Aufnahme macht, muss ich noch überprüfen.


    Ein wundervolle Aufnahme ist in der Tat die oben schon erwähnte von Maria-Joao Pires (DG) - wie sie im letzten Satz den Schatterierungen im Pianissimo folgt, einfach zauberhaft!


    Viele Grüße
    Christian

  • Da wir nicht wissen, was "molto moderato" sein soll und da 16tel-Passagen erst einmal flüssig wirken sollen, kann man das kaum systematisch als "zu schnell" oder zu langsam beurteilen. Abgesehen davon, dass jedes Stück (oder jedens so ein Stück) einzigartig ist, gibt es m.E. sehr wenig Anhaltspunkte. Die Tempobezeichnung ist ungewöhnlich. "Moderato" in der vorhergehenden Klassik ist auch nicht gerade häufig und wenn, dann sind es oft eher stärker figurierte Sätze mit 32teln, z.B. einige frühe Haydn-Kopfsätze in op.9 oder Beethovens Rondos oder der Kopfsatz von op.14/2.
    Nun sind bei dem vorliegenden Satz die 16tel die "schnellen" Noten in der Begleitung und in den Figurationen. Auch die Triolen ab ca. T 34 mit vielen Repetitionen auf einem Ton deuten für mich eher auf ein ungeachtet des ominösen "molto moderato" relativ zügiges Tempo (natürlich nicht wie "Erlkönig", aber eben auch nicht so langsam wie z.B. Richter).

    Struck by the sounds before the sun,
    I knew the night had gone.
    The morning breeze like a bugle blew
    Against the drums of dawn.
    (Bob Dylan)

  • Übersetzt heißt molto moderato "sehr gemäßigt". Auch wenn das keine übliche Tempobezeichnung ist, umreißt sie meines Erachtens eine klare Vorstellung eines sehr gemäßigten Tempos. Ich denke schon, dass der gesamte Satz von diesem Grundcharakter geprägt sein sollte und dass auch seine schnellen Abschnitte nicht zu gehetzt wirken dürfen. Dass Richter aus dem Rahmen fällt, steht außer Frage! Die Spanne zwischen 18 Minuten mit WH (Lupu) und 24-25 Minuten (Richter) oder gar 28 Minuten (Korstick) ist immens, zumal die Sonate beide Herangehensweisen verkraftet. Solche großen Abweichungen gibt es wirklich selten, soweit ich es überblicke.


    Viele Grüße
    Christian

  • Tamino Beethoven_Moedling Banner
  • Das Argument mit den schnellen Passagen leuchtet mir nicht ein. In der Klassik und auch noch bei Schubert gibt es relativ selten explizite Tempowechsel in Sätzen. D.h. es ist völlig normal, dass sich getragene und schnelle Passagen nur durch die Notenwerte unterscheiden. Wie soll Schubert denn ausdrücken, dass er einen getragenen, "gehenden" Beginn und später eine "spielerische", flüssige Passage möchte, wenn die Leute später sagen, dass Molto moderato bedeuten muss, dass alles bleiern wirkt?


    Mit ähnlichen "Argumenten" spielen Leute wie Korstick dann den langsamen Satz von Beethovens op.106 im halben Tempo, obwohl die passionierten Passagen mit 32teln ganz sicher bewegt wirken sollen und das Tempo sich am Anfangsthema in Vierteln und Achteln orientieren muss.


    Genauso würde ich im vorliegenden Fall argumentieren, dass das Tempo (da nicht anders angemerkt) den Satz über etwa gleich bleiben sollte und man sich keinesfalls daran orientieren sollte, wie die 16tel (wie gesagt, außer zwei kurzen Arpeggiofiguren mit 32teln, die schnellsten Noten im Satz!) wirken, sondern am Anfang und an den zentralen thematischen Gestalten. Die gehen alle in Vierteln und Achteln und wirken selbst bei den allerschnellsten Interpretationen kaum "hektisch".


    Ja, solche großen Abweichungen gibt es normalerweise eher bei langsamen Sätzen, z.B. in Beethovens 9. das Adagio zwischen ca. 12 und über 20 min, oder auch in Beethovens op.106.
    Und bei Schubert findet man wohl sonst nur selten so extreme Unterschiede; noch im Kopfsatz von D 894 und vielleicht in der "Reliquie", im 2. Satz der "Großen" C-Dur ca. 11-17 min. Dann natürlich auch noch einzelne Passagen wie die berüchtigte Einleitung der C-Dur, in der spätere Ausgaben 2/2 statt 4/4-Takt haben. Dass Schubert oft "lesefreundlich" notiert, dabei aber in halben oder ganzen Takten denkt, ist für mich ein weiteres Indiz für kein zu breites Tempo in dem vorliegenden Satz, obwohl dieser Satz schon sehr deutlich in Vierteln geht, nicht in Halben.


    Interessanterweise sind mir manche Relationen klarer als die mutmaßlichen "absoluten" Tempi. Etwa dass in den letzten drei Sonaten der vorliegende Kopfsatz klar der langsamste ist, der in der A-Dur der schnellste und der in der c-moll dazwischen. (Obwohl ich nicht drauf wetten würde, dass niemand das anders spielt, halte ich es für unwahrscheinlich.)

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  • Lieber Johannes,


    vielen Dank für Deine treffenden Überlegungen. Die schnellen Sechzehntel-Passagen im ersten Satz sollen natürlich niemals "bleiern" klingen - aber eben auch nicht so gehetzt, dass man nicht mehr mitsingen könnte, wenn man es denn wollte.


    Sehr schlüssig finde ich aber Dein Argument, dass die "zentralen theamtischen Gestalten" auch bei einer etwas schnelleren Gangart niemals gehetzt wirken!


    Viele Grüße
    Christian

  • Das ist wohl auch der Grund dafür, dass der Satz in so unterschiedlichen Interpretationen funktioniert. Ich habe momentan nicht die Muße, mir viele Einspielungen dieses sehr langen Satzes anzuhören, fand aber Lupu, dessen Aufnahme ich neulich, als die Sprache darauf kam, gehört habe, nicht "extrem". Fischer ist schon sehr schnell, aber die ist ja auch klar die schnellste. FALSCH! s.u.


    Es ist jedenfalls bemerkenswert, dass unter den "Prä-Richter"-Aufnahmen fast alle klar auf der zügigen Seite sind. Von den aufgezählten sind unter den 5 schnellsten 4 "alt": Annie Fischer, Vladimir Horowitz, Artur Schnabel, Artur Rubinstein; Lupu ist anscheinend der schnellste "post-Richter". Selbst die "langsameren" prä-Richter (Serkin, Arrau, Rubinsteins andere Aufnahme) liegen, wenn man das Gesamtbild betrachtet, eher in der zügigen Hälfte (ca. 20 min mit bzw. 15 min. ohne Wdh.). Da stellt sich natürlich die Frage, ob eine extreme, aber zweifellos beeindruckende Interpretation wie Richters jüngere Interpreten zu einem breiteren Tempo "inspiriert" hat, oder warum die "Alten" durchschnittlich ein deutlich zügigeres Tempo gewählt haben.
    Es ist natürlich nicht ausgeschlossen, dass die "falsch" lagen; eine Tradition gab es ja nicht, da die Sonaten bis weit ins 20. Jhd. nahezu ignoriert wurden und noch als Schnabel und Erdmann diese Werke ab den 1920ern/30ern regelmäßig aufs Programm setzten, als Nischenrepertoire galten.


    Wenn die Angabe bei Wührer (der in den 1950ern die erste GA der Werke einspielte) korrekt ist, ist der mit 12:31 sogar noch 20 sec. schneller als Annie Fischer! Und Erdmann (1951, Tahra, es gibt mindestens noch eine weitere Funkaufnahme/Mitschnitt) noch ein Stück 12:13, die muss ich gleich mal anhören, die habe ich nämlich. Das Erdmann/Fischer-Tempo ist praktisch identisch mit dem, was für das Erzherzogtrio plausibel wäre, ein nur leicht gemäßigtes Allegro, daher für mich eigentlich auch eher zu schnell. Erdmann und Wührer verschieben die Häufung der "schnellen" natürlich noch stärker zu den Aufnahmen vor ca. 1960.



    Eduard Erdmann (Radio Bremen, Januar 1951, Tahra TAH 386/387)
    12:13
    7:59
    3:53
    7:03

    Struck by the sounds before the sun,
    I knew the night had gone.
    The morning breeze like a bugle blew
    Against the drums of dawn.
    (Bob Dylan)

  • Hallo

    Sviatoslav Richter, p
    (Brillant Classics, ADD, live, 1965)


    die vierte von mir favorisierte Darstellung der Sonate ist die durch Sviatoslav Richter. Überragt wird hier das Werk durch eine sehr langsame Darstellung des 1. Satzes, die zweitlangsamste im Vergleich. Im Gegensatz zu Afanassiev fällt hier der Satz nicht auseinander sondern wird gerade eben zusammengehalten. Aber er wirkt in Richters Interpretation lethargisch und doch sehr intensiv. Richter beginnt das Hauptthema mit sehr langsamen Puls und beschleunigt allmählich geringfügig. Im übertragenden Sinne präsentiert der Satz sich als Zustand eines schwererkrankten Menschen mit leichten Modulationen der Organfunktionen. Richter 'singt' herrlich. Der 2. Satz kommt als flüssiges Impromptu. Der 3. und 4. Satz werden im vergleich am raschesten vorgeführt. Man staunt über die manualtechnischen Möglichkeiten Richters. Während manche es als 'Abspulen' empfinden, spricht mich dieses Konzept durchaus an. Es wird Rezipienten geben, welche behaupten werden, dass Richter sich selbst spielt und nicht Schuberts Vorgaben. Ich empfinde Richter hier als genial.


    LG Siamak

  • Zitat

    AcomA02: Im Gegensatz zu Afanassiev fällt hier der Satz nicht auseinander sondern wird gerade eben zusammengehalten.


    Lieber Siamak,


    da meinst du doch sicher die Aufnahme von 1997:

    und nicht die aus Lockenhaus 1985:

    Letztere: (22:46-11:26-4:13-9:56 -- 48:21 min.;) müsste in den nächsten Tagen bei mir eintreffen. Sie werde ich mir dann mal zu Gemüte führen und schaun, ob sie im Kopfsatz auch "auseinanderfällt", wie du sagst. Vorhin habe ich diese Aufnahme ganz gehört (25:35-11:09-3:53-8:10 --- 48:47 min.;):

    Da ist Michael Korstick im Kopfsatz etwa auf einer Höhe mit Swjatoslaw Richter, spielt aber das Andante signifikant langsamer und selbst das Scherzo und auch das Allegro ma non troppo um gut ein Viertel langsamer als Richter.
    Auch dynamisch gefällt er mir ausnehmend in allen Sätzen. Er kontrastiert sehr stark, spielt auf diese Weise sehr spannungsreich und erreicht in den Pianissimi, wie ich finde, teilweise einen Ausdruck, der schon auf die Impressionisten vorausweist. Pianistisch spielt er m. E. sowieso außergewöhnlich überzeugend.
    Ich werde später nochmal die Partitur zur Hand nehmen und schauen, wie das alles so passt.


    Liebe Grüße


    Willi :)

    1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
    2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

  • Eindeutig gefällt mir der Konzertmitschnitt von 1980 viel besser. In der Studio-Aufnahme hat Berman so etwas wie Goldenweiser-Reduktion auf das Nötigste betrieben. Das wirkt einfach "totgespielt". Er hat das Expressivo und sämtliche subjektiven Momente wie das russische, Grüblerisch-Schwerblütige im letzten Satz völlig herausgenommen und das Geschehen "objektiviert". Das ist sicher alles sehr streng und genau gespielt - aber man kann eben Richter nicht kopieren.

    Lieber Holger,


    Bermans Live-Aufnahme in der grauen Box hat gewiss Ihre Vorzüge, ich finde sie auch lebendiger, andererseits aber fasziniert mich an der Studio-Aufnahme gerade diese "Objektivierung", wie Du sagst. In der Anlage sind beide Aufnahmen aber doch sehr ähnlich, auch von den Zeiten her. Im vierten Satz ist Berman ansonsten keineswegs mit Richter zu vergleichen - während Richter hier sehr schnell unterwegs ist, zeichnet es beide Aufnahmen von Berman ja gerade aus, dass er hier das Tempo sehr zurücknimmt (er ist beinahe 2 Minuten langsamer als Richter). Er lässt die Bewegung nicht erst allmählich ins Leere laufen, sondern die Rondo-Melodie wirkt von Beginn wie erstarrt. Das ist ein komplett anderes Programm als bei Richter und auch bei den meisten anderen.


    Alfred Brendel schrieb über diesen Satz im Programmheft eines seiner Abschiedkonzerte:


    "Die Töne g-ges-f spielen im Schlussrondo eine deutlich strukturierende Rolle. Immer wieder beginnt von der charakteristisch betonten Hornoktave auf der großen Sexte G aus ein neuer Anlauf in die »falsche« Tonart c-Moll. Dieses Finale zeigt eine Fröhlichkeit, die nicht mehr unschuldig ist wie jene des Forellenquintetts und nicht zähneknirschend wie der Ausklang des Streichquintetts. Ihr Bereich liegt irgendwo zwischen Jean Paulschem Humor und dem Wiener Diktum, die Lage sei hoffnungslos, aber nicht ernst. Das Schubert auch noch in seiner letzten Lebenszeit manchmal imstande war, die Dinge leicht zu nehmen, sollte uns freuen."


    Nur dass bei Berman es nicht mehr so klingt, als würde Schubert im Rondo die Dinge noch einmal leicht nehmen - was seinen beiden Aufnahmen eine große Geschlossenheit verleiht.


    Viele Grüße
    Christian

  • Bermans Live-Aufnahme in der grauen Box hat gewiss Ihre Vorzüge, ich finde sie auch lebendiger, andererseits aber fasziniert mich an der Studio-Aufnahme gerade diese "Objektivierung", wie Du sagst.

    Lieber Christian,


    sehr aufschlussreich, was Du schreibst! Ich war an dem Tag etwas müde und musste auch noch während des Musikhörens arbeiten. Wenn ich Ruhe habe höre ich mir das alles nochmals an - auch nicht nur mit der Zweitanlage, die klanglich natürlich nicht ganz so gut ist - und dann im Vergleich auch mit dem späten Mitschnitt! Es gibt - das fiel mir auf - schon eine Parallele zum letzten Satz der "Pathetique", den Berman ebenfalls so gewichtig nimmt. :hello:


    Herzlich grüßend
    Holger

  • Hallo,


    nachdem ich meine 4 favorisierten Aufnahmen begründete, möchte ich hier noch 2 Aufnahmen erwähnen, welche in gewisser Sicht auch aus den anderen allen guten Interpretationen etwas herausragen:


    Arthur Schnabel, p
    (Piano Historical, AAD, 30er)

    Arthur Schnabel: Das Zentrum dieser Interpretation ist IMO der 2. Satz. Er gehört mit über 11 Minuten Dauer zu den langsamsten Darstellungen. IMO phrasiert Schnabel mit sonorem Anschlag am schönsten, reinster Belcanto. Die übrigen Sätze sind dagegen etwas grob formuliert.



    Stephen Kovacevich, p
    (EMI, DDD, 1994)

    Stephen Kovacevich präsentiert eine sehr geschlossene und elegant-phrasierte Gesamtsonate. Die Tempi aller Sätze sind im Vergleich zu den anderen Kollegen im mittleren Bereich. Er wiederholt auch die Exposition im 1. Satz. nachteilig ist leider die etwas hallige Aufnahme und vor allem der ultrahart intonierte Flügel. Ich hatte Kovacevich live in Essen-Werden vor über 10 Jahren mit der D 960 gehört, und hier war der Steinway angenehm vorbereitet und die Interpretation war ansonsten der Aufnahme sehr vergleichbar.


    LG Siamak

  • Zitat

    AcomA02: Arthur Schnabel: Das Zentrum dieser Interpretation ist IMO der 2. Satz. Er gehört mit über 11 Minuten Dauer zu den langsamsten Darstellungen. IMO phrasiert Schnabel mit sonorem Anschlag am schönsten, reinster Belcanto. Die übrigen Sätze sind dagegen etwas grob formuliert.


    Ich habe gerade mal den ersten Satz der Schnabel-Aufnahme:

    bis zum Ende der Exposition angehört und mit der Partitur (Bärenreiter-Urtext, Edition Waltraud Litschauer, 2013) verfolgt. Dabei ist mir Verschiedenes aufgefallen:


    1. Dynamik: Schnabel geht gleich zu Beginn mit den dynamischen Vorschriften sehr großzügig um, was ich von ihm bei Beethoven gar nicht so gewohnt bin. Schon in Takt 1 mit Auftakt ist er mindestens doppelt so laut wie in Takt 8, dem sogenannten "Schicksalstriller", den er fürwahr im pp spielt, wohingegen der Anfang eher zwischen p und mp anzusiedeln ist. Dann müsste es eigentlich im Pianissimo weitergehen, aber ab Takt 14 mit Auftakt crescendiert er nach 15 und 16 hin mindestens bis zum Mezzoforte, obwohl nichts davon in der Partitur steht. Auch in den nächsten Takten geht das so weiter, z. B. über den Bögen ab Takt 20, alles sollte im pp sein, ist es aber nicht. Das Crescendo ab Takt 34 sollte bis zum Forte am Ende von Takt 35 gehen, ist aber etwa doppelt so laut wie das Crescendo, das in Takt 47 mit Auftakt stattfindet und auf Fortissimo enden sollte. Das sind nur einige Beispiel aus den ersten 47 Takten.


    2. Tempo: Mit Einsetzen der Sechzehntel ab Takt 29 im Diskant schlägt Schnabel ein Tempo an, das nun mit "Molto moderato" nicht mehr das Geringste zu tun hat. Dann fällt mir sein Zeitmanagement im Binnenverhältnis der Sätze auf. Wenn der Kopfsatz gerade in dieser Sonate mit der vierfachen Taktzahl im Vergleich zum Andante nur zweieinhalb Minuten länger ist als das Andante, dann stimmt m. e. das temporlae Binnenverhältnis der Sätze untereinander nicht mehr. Bei allen anderen Aufnahmen in meiner Sammlung, auch bei denen, in denen wie bei Schnabel die Exposition nicht wiederholt wird, ist das wesentlich ausgewogener. Das Zentrum dieser Sonate ist und bleibt m. E. der Kopfsatz. Ich werde mir deshalb das Andante gleich noch einmal anhören.


    3. Nicht Wiederholen der Exposition: Dabei ist mir aufgefallen, dass bei diesem Procedere die Takte 117a bis 122a, insgesamt 8 Takte, die eine m. E. unerlässliche Schlüsselstelle in diesem Satz, nämlich das unvergleichliche Crescendo in den vier Takten unter 122a bis hin zum markerschütternden siebenstimmigen Fortissimo und dem anschließenden ff-Triller im Bass mit der Generalpause ganz am Ende der Exposition, ganz unter den Tisch fallen, wahrscheinlich um einen besseren Übergang zu erzielen. Trotzdem gefällt mir das ganz und gar nicht, weil hier ein organisches, vom Komponisten komponiertes Procedere nicht beachtet wird, um es mal gelinde auszudrücken.


    Liebe Grüße


    Willi :)

    1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
    2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

  • Dafür dass man in der Schellack-Zeit die Exposition nicht wiederholt hat, habe ich relativ viel Verständnis. Vermutlich ist Schnabels eine der oder die erste Einspielung des Werks überhaupt. Man darf nicht vergessen, dass das Nischenrepertoire war und man eh schon viele Schellacks für ein so langes Stück (selbst ohne Wdh. länger als alle Beethovensonaten außer op.106, damit auch länger als fast alle anderen einigermaßen gängigen (also nicht Dukas, Ives usw.) Klaviersonaten) benötigte.
    Deutlich weniger Verständnis, wenn ein sog. "Schubert-Papst" wie Brendel im LP- und CD-Zeitalter, da 5 min. länger keine große Sache mehr sind, diese Wdh. auslässt.


    Das Argument mit der Balance verstehe ich gar nicht. Wenn es überhaupt ein Problem ist, dann besteht das "Problem" doch genau umgekehrt gerade bei langsamen Einspielungen mit Wiederholungen, bei denen der erste Satz so lang oder gar länger (wie etwa ist als der gesamte Rest der Sonate. (Vgl. ganz oben auch schon die Diskussion zu den "zu leichten" Sätzen 3 + 4). Selbst bei einer "mittleren" Interpretation wie Arraus nimmt der Kopfsatz etwa 45% der Gesamtdauer ein (ggü. 34% bei der c-moll). "Normal" wäre bei einem viersätzigen Werk eher 25-30% (Stücke, bei denen der Kopfsatz etwa ein Drittel des Gesamtwerks ausmacht, wie etwa bei der Eroica, empfinden viele schon als stark "kopflastig"). Bei einigen anderen ausgedehnten späten Schubert-Werken sind die Kopfsätze zwar auch gegen 20 min lang (Quintett, G-Dur-Quartett), aber die folgenden Sätze ebenfalls relativ umfangreich, so dass keine so extreme Kopflastigkeit besteht.
    Ich könnte mir vorstellen, dass manche Pianisten auch deshalb die Wdh. auslassen und/oder ein zügiges Tempo wählen, damit der erste Satz nicht den gesamten Rest des Werks "erschlägt", was sonst kaum zu vermeiden ist.

    Struck by the sounds before the sun,
    I knew the night had gone.
    The morning breeze like a bugle blew
    Against the drums of dawn.
    (Bob Dylan)

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