Alfons Kontarsky ist tot

  • Der Pianist Alfons Kontarsky ist tot. Wie erst jetzt bekannt wurde, starb er bereits am Mittwoch, 5. Mai, im Alter von 77 Jahren.


    Nach dem Studium in Köln hatte Kontarsky 1955 zusammen mit seinem Bruder Aloys den 1. Preis beim Internationalen Musikwettbewerb der ARD gewonnen. In den 60er und 70er Jahren war er unter anderem an der Kölner Musikhochschule Professor für Klavier.
    Im Laufe seiner Karriere hat Kontarsky (* 9. Oktober 1932 in Iserlohn) zahlreiche Werke zeitgenössischer Komponisten wie Zimmermann und Stockhausen uraufgeführt. (Quelle: WDR)


    R. I. P.

    Harald


    Freundschaft schließt man nicht, einen Freund erkennt man.
    (Vinícius de Moraes)

  • Unvergessen ist wohl diese wundervolle Aufnahme der beiden Kontarsky-Brüder:




    Johannes Brahms :
    Ungarische Tänze Nr. 1-21
    Alfons & Aloys Kontarsky, Klavier


    Freundliche Grüße von Andrew

    „Nichts auf Erden ist kräftiger, die Traurigen fröhlich, die Ausgelassenen nachdenklich, die Verzagten herzhaft, die Verwegenen bedachtsam zu machen, die Hochmütigen zur Demut zu reizen, und Neid und Hass zu mindern, als die Musik.“

  • Ich möchte einfach nur mal ein Kompliment an Dich, Harald, loswerden, dass Du uns immer so auf dem Laufenden hältst. Ohne Dich wüsste ich z.B. heute nacht nichts über den Kontarsky-Tod.


    Besonders weiß ich - als Jazz-Fan sondergleichen - zu schätzen, dass Du Dir diese Arbeit nicht nur im Bereich Klassik, sondern auch im Bereich Jazz machst.


    Herzlichen Dank an Dich!

  • Auch wenn man nach meiner Erinnerung (vielleicht täusche ich mich?) in den letzten Jahren kaum mehr etwas von ihm gehört hat, bedeutet sein Tod doch einen großen Verlust speziell für die Klaviermusik des 20. Jh., genauso wie der seines Bruders Aloys vor einigen Jahren, in dessen Schatten er wohl ein wenig stand; das ist jedenfalls mein Eindruck.


    Ich glaube, dass dieses Klavier-Duo selbst noch in der heutigen Zeit schwerlich zu überbieten wäre. Die alte Wergo-Aufnahme der Sonate für 2 Klaviere und Schlagzeug von Bela Bartok (mit Christoph Caskel und Heinz König) aus dem Jahr 1963 ist für mich, auch nach dem Hören vieler Vergleichsaufnahmen (das Stück zählt zu meinen Lieblingswerken) immer noch die Referenz (Die LP enthält daneben auch noch 7 Stücke aus dem „Mikrokosmos“ in der Fassung für zwei Klaviere).


    Von Alfons Kontarsky selbst eingespielt besitze ich außerdem auf LP das „Spielbuch für Klavier“ mit kleine(re)n Klavierstücken von der Renaissance (köstlich das „vber dass Hennergeschrey“ von A. Poglietti!) über Bach, Schumann, Bjelinski bis zum avantgardistischen Günther Becker („Divergierende Bewegungsabläufe“), dem überdies ein Band mit den Noten zu diesen Stücken, herausgegeben vom Musikverlag Gerig im Jahr 1973, beiliegt. Das ist wirklich eine ganz tolle Sache und kann nur zur Nachahmung empfohlen werden. Auch bei diesen (zumindest großenteils) Miniaturen ist Alfons Kontarsky ein sehr ernsthafter Interpret. Dem Cover-Text dieser LP entnehme ich außerdem zunächst, dass er Schüler von Eduard Erdmann war, sodann, dass er das „Klaviertrio Alfons Kontarsky“ gründete, dem Saschko Gawriloff und Klaus Storck angehörten – keine Unbekannten!


    Die Nachricht vom Tode von Alfons Kontarsky war jedenfalls der Anlass dafür, die beiden LPs wieder einmal zu hören, u.z. mit Genuss, obwohl sie schon fürchterlich „zerkratzt“ sind.


    Schöne Grüße,
    harry

  • Aloys Kontarsky lebt noch! Er mußte das Klaveirspiel
    zwar 1983 aufgeben, ist aber entgegen vielen Gerüchten
    noch nicht verstorben!


    Alfons Kontarsky - ein großer Verlust !
    Habe ihn einmal mit Hindemiths Suite 1922 erlebt -
    unvergessen! Seitdem versuche ich, dieses Werk zu spielen...


    Die Aufnahme der Ungarischen Tänze von Brahms
    ist natürlich ein Klassiker und unübertroffen !

    Gruß,


    Michael

  • Die ersten zwei Sätze von MFP sind entweder sachlich falsch oder so im übertragenen Sinne gemeint, dass ich es nicht ganz verstehe.


    Jedenfalls bestätigt die Online-Presse allerorts, dass der Künstler tatsächlich, wie von Harald Kral berichtet, am letzten Mittwoch verstorben ist.


    Der Aussage, dass das Klavierduo der Kontarsky-Brüder unglaublich gut war, schliesse ich mich sehr gerne an.


    Die Einspielung der ungarischen Tänze ist ja schon genannt worden.
    Echten Referenzstatus hat für mich die Einspielung der Haydn-Variationen und der f-moll-Sonate für jeweils zwei Klaviere von Johannes Brahms, eben von diesen beiden Herren gespielt.


    Wunderbare Musik in einer wundervoll erfüllten Interpretation!


    Sie wurde bei DGG aufgenommen, und ist nur noch in der DGG-Brahmsbox erhältlich, die ich mir extra deswegen gekauft habe ( zum Glück sind aber auch noch viele andere gute Aufnahmen dabei, die ich durch den Kauf der Box nicht doppelt habe...)



    Die einzeln erhältliche frühere Einspielung (Label Musicaphon) ist zwar auch schon ziemlich gut, aber ich empfinde sowohl in Fragen des Tempos, der Agogik und der Dynamik die DGG-Aufnahme als durchdachter, schlüssiger und in jeder Hinsicht "durchdrungener".


    :hello:
    Glockenton

    "Jede Note muss wissen woher sie kommt und wohin sie geht" ( Nikolaus Harnoncourt)




  • ---> bitte genauer lesen !


    Die "ersten zwei Sätze" meinen ALOYS Kontarsky.


    Letzten Mittwoch verstarb ALFONS Kontarsky....

    Gruß,


    Michael

  • Pardon, mein Fehler, habe ich überlesen.


    Aloys Kontarsky lebt noch, kann allerdings, wie es heisst, krankheitsbedingt nicht mehr konzertieren.


    :hello:
    Glockenton

    "Jede Note muss wissen woher sie kommt und wohin sie geht" ( Nikolaus Harnoncourt)

  • Sorry...es tut mir leid...und ich entschuldige mich tausendmal - soll nicht wieder vorkommen!! Aber ich wusste, dass etwas mit Aloys Kontarsky war, was aber schon 27 Jahre zurückliegt (wie schon vorher von MFP erwähnt, musste er sich 1983 aufgrund einer schweren Krankheit aus dem Musikbetrieb zurückziehen). Das hatte ich aber gerade nicht mehr parat, und war felsenfest davon überzeugt, dass er verstorben sei.
    Aber nichtsdestotrotz bleibt es dabei: Schon damals (1983) und erst recht jetzt ist uns eines der bedeutendsten Klavierduos, das jemals existierte, verloren gegangen.
    Was mich ein wenig wundert, ist die Tatsache, dass die Bedeutung der Kontarskys für die Musik der Avantgarde (in dem entsprechenden Zeitraum des 20. Jh.) noch gar nicht erwähnt wurde; immerhin spielten sie die Uraufführung der "Structures" von Pierre Boulez, ein sog. "Schlüsselwerk" des 20. Jh. (Hindemith und Bartok zählen ja schon zu den "Klassikern" des 20. Jh.!). Bei dieser Gelegenheit fällt mir auch noch der Dritte im Bunde, nämlich Bernhard Kontarsky, ein, der sich z.B. sehr um das Oeuvre von B. A. Zimmermann (Die Soldaten!) bemüht hat. Ich habe lange nichts von ihm gehört. Weiß jemand etwas mehr?


    Schöne Grüße, harry

  • Zitat

    Original von harry
    Sorry...es tut mir leid...und ich entschuldige mich tausendmal - soll nicht wieder vorkommen!! Aber ich wusste, dass etwas mit Aloys Kontarsky war, was aber schon 27 Jahre zurückliegt (wie schon vorher von MFP erwähnt, musste er sich 1983 aufgrund einer schweren Krankheit aus dem Musikbetrieb zurückziehen). Das hatte ich aber gerade nicht mehr parat, und war felsenfest davon überzeugt, dass er verstorben sei.
    Aber nichtsdestotrotz bleibt es dabei: Schon damals (1983) und erst recht jetzt ist uns eines der bedeutendsten Klavierduos, das jemals existierte, verloren gegangen.


    Das Kuriose daran ist, daß ich sogar einmal in einem Programmzettel
    eines Konzertes von Alfons Kontarsky die Zeile gelesen habe:
    "...nach dem Tode seines Bruders Aloys..."
    Alfons Kontarsky scheint es wohl im Laufe der Zeit aufgegeben zu haben,
    gegen dieses Gerücht vorzugehen (?)


    Von Bernhard Kontarsky kenne ich "nur" die Aufnahme der
    SOLDATEN von B.A. Zimmermann, von Auftritten in den letzten Jahren habe ich weder gehört noch gelesen!


    Noch einmal zu Aloys Kontarsky: man liest immer von "schwerer Krankheit" - ein Freund sagte mir konkret, er hätte einen Schlaganfall erlitten...
    weiß jemand genaueres ? Und vor allem: wie geht es ihm inzwischen ?

    Gruß,


    Michael

  • Zitat

    Noch einmal zu Aloys Kontarsky: man liest immer von "schwerer Krankheit" - ein Freund sagte mir konkret, er hätte einen Schlaganfall erlitten...
    weiß jemand genaueres ? Und vor allem: wie geht es ihm inzwischen ?


    Genau das ist auch meine Information; es könnte sein, dass ich das in "fono-forum" gelesen habe. Darüber hinaus weiß ich leider nichts.


    Gruß, harry