Willkommen im Mainstream - Nachhaltige Wiederentdeckungen einst unbekannter Komponisten

  • Boccherini hat alle Voraussetzungen für einen Komponisten des Mainstream...


    Da habe ich aber meine Zweifel. Der Mann war außerordentlich tüchtig. Vor allem auf kammermusikalischem Gebiet. Also nicht nur das strapazierte Menuett. Er wartet womöglich erst noch auf seine Entdeckung - und das ist auch mühsam. Nix Mainstream. ;) Als mein Lieblingsstück von ihm habe ich erst kürzlich das Gitarren-Quintett „La Ritirata di Madrid" ausgemacht. :)

    Es grüßt Rheingold (Rüdiger)


    Erda: "Alles, was ist, endet."

  • Boccherini stagniert meinem Eindruck nach eher, gerade weil "das Menuett" schon seit 100 Jahren oder so als Wunschkonzertschlager bekannt ist. Das liegt natürlich auch daran, dass seine wesentliche Musik Kammermusik ist, ohnehin eine Nische, in der es außerdem massenhaft andere hochklassige Musik gibt.
    Und es gibt viel zu viele Werke. Aus 150 oder mehr Quintetten, Quartetten etc. ragen nicht ein paar so deutlich heraus, dass sie, wie die mit Spitznamen versehenen Quartette Haydns zu Standardwerken werden könnten. Klar, Fandango und musica notturna di Madrid sind sehr pittoresk (damit aber eigentlich gar nicht so typisch für den Komponisten); einige Gitarristen werden ein Faible dafür bewahren, aber das ist eine Nische.
    Auf CDs sieht es ja ganz gut aus, obwohl auch hier viele Aufnahmen schon 20 Jahre alt sind und ich nicht sehe, dass viele Streichquartette eine Boccherini-Anthologie vorlegen, es bleibt eher auf einzelne Spezialisten (oft HIP) beschränkt, aber im Konzert wird es wohl bei vereinzeltem Auftauchen bleiben, wie es vorher vielleicht auch schon gewesen ist. Das Quartetto italiano hat in den 1960ern oder 70ern schon eine Auswahlplatte eingespielt, die ist aber wohl nie auf CD herausgekommen.

    Struck by the sounds before the sun,
    I knew the night had gone.
    The morning breeze like a bugle blew
    Against the drums of dawn.
    (Bob Dylan)

  • Zudem ist die Einschätzung, was denn "Mainstream" ist nicht nur sehr individuell - sondern auch sehr zeitabhängig.


    Ist es denn wirklich so schwer zu definieren, was Mainstream bedeutet? Mozart z.B. ist definitiv Mainstream, da er mit Spitzenwerken aus allen Gattungen, für die er komponiert hat, einem breiten Publikum bekannt ist. Seine Musik findet sich in Symphoniekonzerten, Kammerkonzerten, Klavierabenden, in der Oper, bei Kirchenkonzerten - und zwar durchgehend seit seinem Tod bis in unsere Gegenwart, ich könnte meine ganze Wohnung (und es ist keine 1-Zimmer-Wohnung!) ohne Probleme alleine mit Mozart-CD's möblieren und ich wäre danach voll eingerichtet und hätte keinen Platz mehr für auch nur eine Beethoven-CD, geschweige denn für ein Bild ... das i-s-t Mainstream! Wenn von Kuhlau eine Zweiteinspielung seines Klavierkonzertes vorliegt, dann freut mich als Kenner das, aber vom kurz bevor stehenden Durchbruch zum Mainstream kann da wohl keine Rede sein. Boccherini wird - wie meine Vorposter schlüssig dargelegt haben - zwar einen gewissen Bekanntheitsgrad behalten, aber er wird nie zum Mainstream vorstoßen. Dafür fehlen einfach die Werke mit dem durchschlagenden Effekt, mit dem gewissen Etwas, das einem auch beim 795. Hördurchgang noch immer den Mund offen stehen lässt vor Begeisterung, Freude, Erschütterung, Ergriffenheit und vor was weiß ich nicht noch allem ... eine 40. Symphonie von Mozart, eine Fünfte von Beethoven, eine Zweite von Mahler wird mir nie langweilig werden, da kann ich 150 Jahre alt werden :P Wenn ich zehn CD's mit auf die einsame Insel nehmen müsste, wäre keine von Boccherini dabei, obwohl ich einiges von ihm habe, ihn schätze und es mir leid täte, seine CD's zurücklassen zu müssen. Und frag' mal bei anderen Klassikliebhabern nach ... die würden wohl mehrheitlich bei der "Insel-CD-Frage" ähnlich entscheiden - also Boccherini ist kein Mainstream und wird's auch nicht werden!


    Grüße
    Garaguly

  • Was "mainstream" ist, ist nicht subjektiv, sondern m.E. statistisch herauszufinden, in dem man einfach das Auftauchen von Werken in Konzerten und auf Tonträgern abzählt. Klar, man muss dann noch irgendwo eine Grenze ziehen. Boccherini ist ein kurioser Fall, weil es eben das Menuett gibt, das seit Jahrzehnten bei Wunschkonzerten auftaucht (und schon von den Comedian Harmonists gesungen wurde, d.h. es muss in den 1920ern schon so bekannt gewesen sein), aber kein einziges vollständiges Werk auch nur annähernd so bekannt ist. Einige Werke mit Gitarre und die Cellokonzerte besetzen eine gewisse Nische und liegen in etlichen Aufnahmen vor, aber mehr eben nicht. Insgesamt würde ich jemanden wie Boccherini "am Rande des Mainstream" einordnen. Ähnlich zB Spohr. Diesen hauptsächlich, weil seine Klarinettenkonzerte (und evtl. auch Nonett u.a. Kammermusik mit Bläsern) Standardwerke in dieser Nische sind.


    Das "Pech" von einem Komponisten wie Ries ist dagegen, dass er keine eigene Nische hat. Klavierkonzerte, Sinfonien und Streichquartette gibt es schon genug. Es besteht schlicht kein Bedarf. Dagegen kommt bei Klarinettenkonzerten Spohr sehr schnell nach Mozart und Weber; sogar noch abseitigere Komponisten wie Carl Stamitz, Krommer, Crusell sind in dieser Nische bekannt.
    Natürlich ist das einigermaßen bizarr. Historisch waren mindestens die Violinkonzerte und zwei Opern Spohrs, vielleicht auch Sinfonien ziemlich sicher relevanter als die Klarinettenkonzerte. Nur sind 150-200 Jahre später halt genügend andere Sinfonien des späten 18. u. 19. Jhds. im Repertoire, dass bei den Top 30-50 kein Platz mehr für Spohr ist, während bei den Klarinettenkonzerten spätestens nach den Top 3 (egal ob berechtigt, denke ich, dass Webers immer noch bekannter sind als Spohrs) alles offen ist bzw. Spohrs mit voller Berechtigung diese Nische besetzt halten.

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  • Lieber KSM


    Du sprichst eine interessante Diskrepanz an, nämlich den Unterschied zwischen Interesse des Publikums und dem Angebot der Konzertveranstalter. Man könnte nun sagen, daß die Konzertveranstalter, Werke von Komponisten,von denen man denken könnte, sie hätten Chancen auf ein gute Resonanz beim Publikum ins Programm nehmen würden. Das Nichtvorhandensein zeuge von Desinteresse. Das steht aber beispielsweise bei Boccherini in krassem Widerspruch zu den am Markt befindlichen Stückzahlen von CDs. Johannes Roehl hat schon auf das berühmte Quartett hingewiesen - aber das ist nur die Spitze des Eisberges. Inzwischen gibt es zahlreiche Einspielungen seiner Musik . Vielleicht erlebe gerade ich Boccherini als sehr Nahe dem Mainstream, weil es in meiner Jugend so gut wie keine Aufnahmen von ihm gab. Heute ist die gesamte (?) Kammermusik von ihm auf CD verfügbar, ebenso seine Sinfonien (eine Pionierleistung von cpo) und Cellokonzerte.


    Ich werde mich demnächst näher mit diesem Komponisten befassen, und dann prüfen ob ein eventuell existierender Thread erweiterbar ist - oder ob ein neuer gestartet werden muß...


    Statements über Ries und andere - demnächst hier an diesem Ort.


    mfg aus Wien
    Alfred

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  • Du sprichst eine interessante Diskrepanz an, nämlich den Unterschied zwischen Interesse des Publikums und dem Angebot der Konzertveranstalter. Man könnte nun sagen, daß die Konzertveranstalter, Werke von Komponisten,von denen man denken könnte, sie hätten Chancen auf ein gute Resonanz beim Publikum ins Programm nehmen würden. Das Nichtvorhandensein zeuge von Desinteresse. Das steht aber beispielsweise bei Boccherini in krassem Widerspruch zu den am Markt befindlichen Stückzahlen von CDs.

    Das ist aber bei Reger dasselbe, und bei ihm meinst Du, er sei nicht im Mainstream. Wobei ich nur die Anzahl der CD-Veröffentlichungen verglichen habe, über die Stückzahlen weiß ich nichts.

  • Zitat

    Das ist aber bei Reger dasselbe, und bei ihm meinst Du, er sei nicht im Mainstream.


    Gut gekontert. - Natürlich spielen dummerweise bei der Einschätzung und Einstufung auch sehr subjektive Parameter mit, die das Ergebnis verfälschen. Boccherini hat - im Gegensatz zu Reger (wird das bestätigt ?) das Plus, einige Ohrwürmer oder "Schlager" geschrieben zu haben, und wenn schon dass nicht, so doch "eingängige" und "volksnahe" Themen - hierin Vivaldi nicht unähnlich. Reger indes klingt (für mich) ein wenig akademisch und spröde - was ihm de Zugang zum Mainstream vermutlich verwehren wird. Das kann natürlich auch ein ungerechtes Urteil sein - denn "Mainstream" ist in letzter Konsequenz wandelbar und vom jeweiligen Zeitgeist abhängig. Hanslicks oft dogmatische Rezensionen waren zum Zeitpunkt als er sie schrieb, nicht unbedingt falsch - aber der Zeitgeist hat sich gewandelt - viele seiner Urteile sind - nach derzeitiger Auffassung überholt.
    Ich habe sehr viel vor und werde auch Reger daraufhin "abklopfen" ob er nicht mehr Aufmerksamkeit verdient hätte.....


    mit freundlichen Grüßen
    Alfred

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  • Wie schon oben gesagt, ist Reger für Organisten einer der drei bis vier und für Chöre vermutlich einer der 10 wichtigsten Komponisten. Bloß sind das eben Nischen, die viele typische Klassikhörer kaum interessieren. Ich vermute, dass es von den "Mozart-Variationen", vielleicht auch noch einem oder zwei anderen Orchesterwerken und von seinem Klarinettenquintett (wieder so eine Nische, in der es unter den Top 5 ist) zumindest mehr Einspielungen gibt als von den allermeisten Werken Boccherinis. Von den Klavierwerken Regers hätten m.E. wenigstens die Telemann-Variationen, evtl. auch die Bach-Variationen eine Chance zumindest zum "erweiterten" Repertoire zu gehören. Also sagen wir in etwa so wie die "Schumann-Variationen" von Brahms oder die op.34 von Beethoven.
    Wenn, sagen wir, das Hagen oder Emerson Quartett, eine Doppel-CD mit 6 Boccherini-Quartetten einspielen würde, ähnlich wie sich zB Serkin senior und junior oder M.A. Hamelin für Reger einsetzten, wäre das sensationell. Aber wahrscheinlich kommt mir so etwas nicht vor.


    Gewiss hätten es einige Quartette, Quintette usw. Boccherinis verdient häufiger gespielt zu werden. Aber das Quartett-Repertoire ist riesig und das für abweichende Besetzung erfordert zusätzliche Koordination/Proben. Wenn Streichquintett mit Cello außer Schuberts eine oft gespielte Gattung wäre, sähe es für Boccherini vermutlich besser aus. Beim Streichquintett mit Bratsche gibt es schon wieder eine Reihe Spitzenwerke (Mozart, Brahms, Mendelssohn, Beethoven, Dvorak), so dass Boccherini wieder nur unter "ferner liefen" kommt (selbst Beethovens Quintett op.29 ist, angesichts des Bekanntheitsgrad Beethovens, relativ unbekannt). Bleibt eine Kuriosität wie "Gitarrenquintett" und da besetzt Boccherini die Nische, die aber naturgemäß sehr klein ist.

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  • Wenn, sagen wir, das Hagen oder Emerson Quartett, eine Doppel-CD mit 6 Boccherini-Quartetten einspielen würde, ähnlich wie sich zB Serkin senior und junior oder M.A. Hamelin für Reger einsetzten, wäre das sensationell. Aber wahrscheinlich kommt mir so etwas nicht vor.

    Das Petersen Quartett hat übrigens genau das getan.


  • Zitat

    Wenn, sagen wir, das Hagen oder Emerson Quartett, eine Doppel-CD mit 6 Boccherini-Quartetten einspielen würde, ähnlich wie sich zB Serkin senior und junior oder M.A. Hamelin für Reger einsetzten, wäre das sensationell.


    Hier pflichte ich bei - Oder wenn die Wiener Philharmoniker Ries oder Raff auf eines Ihrer Programme setzten....
    Karajan hat übrigens Carl Nielsen auf diese Art "geadelt", als er dessen Sinfonie Nr 4 auf Platte aufnahm.....
    Allerdings bedarf es für solche Projekte eine starke - ich möchte sogar sagen - rücksichtslose Persönlichkeit als Lokomotive, die noch dazu so gut wie unangreifbar ist. Und solche Persönlichkeiten waren immer schon rar - Heute gibt es sie so gut wie nicht mehr. Unter Karajan wäre vermutlich sogar eine Sinfonie von Onslo oder Spohr ein "Renner" beim Publikum gewesen.


    Zitat

    Alfred meint ja mit Mainstream "Massengeschmack". Also nicht das, was Musiker gerne oder oft spielen, sondern was den Massen gefällt.


    Im Prinzip nicht ganz unrichtig - im Detail indes "bösartig" formuliert: ;)
    Ich würde schon einen Unterschied zwischen "Massen" und "allgemeinen Klassikhörern" machen.
    Ersteres werden wir nie erreichen - und wir sollten es auch nicht anstreben.
    Unter zweiterem kann man sich den Typus des GENUSSHÖRERS (der klassischen Musik) oder ein "durchschnittliches Abonnementpublikum vorstellen.
    Der Genusshörer will durch klassische Musik unterhalten oder auch gebildet , niemals aber "erschüttert" werden - die Musik muß gefallen.Und er ist nicht bereit sich lange Vorträge anzuhören, warum man Musik, die einem nicht gefällt, dennoch hören sollte. Ein "Massenpublikum"? - Vielleicht - aber wenn - dann ein ausgewähltes, denn die Masse an sich hört in der Regel keine Klassik.
    Der Durchschnittsabonnent indes, bucht ein Abonnement, welches eine gewisse Linie verfolgt - und baut darauf, daß ihm nichts allzu abwegiges vorgesetzt wird.


    Auch wenn es manche nicht geren hören - diese beiden von mir hier genannten Publikumsgruppen machen den Großteil des "Klassikpublikums" aus...


    mfg aus Wien
    Alfred

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  • Das weiß ich nicht, ob das stimmt.
    Auch wenn Du das nicht gerne hörst: Der Großteil hört nur ab und zu auch mal Klassik, und dann "Schlager" wie "Für Elise" oder die "Kleine Nachtmusik", höchstwahrscheinlich aber kaum relativ unbekanntes. Die Häppchen aus "Best of Classics" resp. die Alben von Garrett.
    Die Übersetzung von Mainstream in Massengeschmack habe ich Wikipedia entnommen, da ich sehen wollte, wie Mainstream definiert wird.

  • Ich würde Mainstream wörtlicher nehmen: Hauptstrom, hier also das Kernrepertoire, das häufig oder mindestens regelmäßig aufgeführt und aufgenommen wird. Natürlich sind die Grenzen da unscharf. Aber es hat nicht unbedingt etwas damit zu tun, dass der "Massengeschmack" eher zu David Garrett und Bocelli tendiert als zu Brahms' Violinkonzert oder Dichterliebe. Es geht doch hier eh nur darum, was innerhalb der Sphäre, in der vollständige klassische Stücke aufgeführt und gehört werden, verbreitet gespielt und gehört wird.


    Wenn man bei einem Stück zB stutzt, wenn ein berühmter Interpret es NICHT im persönlichen Repertoire hat, dann gehört es fraglos zum Kernrepertoire für das jeweilige Instrument (und bei "Standardinstrumenten" dann auch auch zum Kernrepertoire schlechthin). Man wundert sich, wenn ein Geiger nie das Brahms-Konzert spielt, aber man wundert sich nicht, wenn er niemals ein Spohr-Konzert spielt.


    Natürlich ist das nur ein grobes Kriterium. Aber es funktioniert gar nicht schlecht, um "historische" Repertoireveränderungen festzustellen. Wenn 1940 ein Dirigent keinen Ravel oder Stravinsky dirigiert hat, war das nicht groß bemerkenswert. Heute wäre das eine seltsame Repertoirelücke.


    Wenn innerhalb von 20 oder 25 Jahren die Anzahl der Einspielungen von Bibers "Rosenkranzsonaten" von zwei bis drei auf 20-30 gestiegen ist und beinahe jeder Geiger, der Barockmusik spielt, diese Werke aufnimmt, ist das ebenfalls bemerkenswert. Ebenso wenn sehr viele Sängerinnen ein Händel- oder allgemeines Barock-Recital vorlegen, wenn man überhaupt als Sänger oder Geiger Karriere machen kann, obwohl man sich im wesentlichen auf Musik des 17. u. 18. Jhds. beschränkt, dann sind das deutliche Repertoire-Änderungen.


    (Mit Genusshörern oder was auch immer hat das alles gar nichts zu tun.)

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  • Ergänzend zu dem, was Johannes gerade beigetragen hat, kann noch hinzugefügt werden das Kriterium der Werkbanbreite, mit der ein Komponist in Erscheinung tritt. In einem Posting zu diesem Thread erwähnte ich bereits Mozart. Er ist innerhalb der Klassikgemeinde (umfasst jetzt mal alle vom Kenner mit Riesen-Sammlung bis zum Garrett- und -Best-off-Hörer) ein Mainstream-Komponist, da er mit Spitzenwerken aus nahezu allen Gattungen, die er bearbeitet hat, bis heute in allen Konzertformen, im Radio, auf CD's etc. dauerpräsent ist. Mozart ist also ganz und gar ein Mainstreamkomponist, während ein Mann wie Max Bruch nur ein einziges Werk komponiert hat, das zum Mainstream zu zählen ist: nämlich sein 1. Violinkonzert (beim 'Kol Nidrei' bin ich mir nicht ganz sicher). Dieses Werk gehört also in der Gattung der Violinkonzerte zum Mainstream. Jeder Geiger von Weltruf bis zum Konservatoriumsstudenten arbeitet mit und an diesem Werk. Nahezu jeder Klassikliebhaber (wieder gilt: vom Mega-Sammler bis zum Garrett-Hörer) hat dieses eine Werk Bruchs schon gehört. Alle übrigen Werke dieses Komponisten sind soweit vom Mainstream entfernt wie es die Erde vom Mars ist. Um Johannes' Gedanken aufzugreifen: Spielt ein Geiger im Laufe seiner Karriere das 1. Bruch-Konzert nicht, ist das merkwürdig. Dirigiert ein Dirigent im Laufe von Jahrzehnten, in denen er seinen Beruf ausübt, keine der drei Bruch-Symphonien, fällt das wahrscheinlich niemanden überhaupt auf, so weit weg sind die übrigen Werke dieses Komponisten. Bruch ist also insgesamt gesehen kein Mainstream-Komponist. Sollte irgendein Konzertveranstalter mal Bruchs zweites oder drittes Violinkonzert auf's Programm setzen, sollte man hingehen, denn die Wahrscheinlichkeit, dass man in seinem Leben diese Chance auf ein solches Live-Erlebnis noch einmal erhält, ist ziemlich gering.


    Grüße
    Garaguly

  • Ja, ich hätte Mainstream auch so verstanden wie Ihr beide. Immerhin hätten wir so 2 mögliche Definitionen von Mainstream. Alfreds Genusshörer-Abo-Konstruktion als 3. Variante hingegen ist problematischer, da ein bestimmter Hörertyp damit benannt werden soll und seine Relevanz unterstrichen, ohne das zu begründen. Dass "der klassische Abo-Genusshörer" die klassische Musik finanziert, stimmt ja so auch nicht. Und in seiner Eigenschaft, Abos zu erwerben, hört er im Wesentlichen den Mainstream der Interpreten und nicht einen Spiegel seines Geschmackes, der somit schwer zu ermitteln sein wird. Zudem ist er irgendwo auf der halben Strecke zwischen der Masse, die auch mal Klassik hört, und dem Kenner mit musikwissenschaftlichem Interesse, der ebenso alte Vokalpolyphonie wie Zwölftonmusik hört. Es gibt aber in dem breiten Bereich zwischen diesen Extrempunkten wohl die unterschiedlichsten Geschmackskombinationen, sodass eine Verallgemeinerung des "typischen Abo-Publikums" nicht funktionieren wird.

  • Man könnte sich jetzt natürlich überlegen, ob zB Bruch als "Bruch insgesamt" zwar kein Mainstreamkomponist ist, aber wir vielleicht doch in der Praxis lockerer sind und "Bruch als Komponist eines One-hit-wonders" schon als Mainstreamkomponisten sehen (zumal es noch mindestens zwei Stücke gibt, die Schottische Fantasie und Kol Nidrei, die vergleichsweise bekannt sind, wenn auch zwei Größenordnungen unterhalb des 1. Violinkonzerts). Oder wir reden eben nur von Mainstreamwerken, dann muss man das nicht entscheiden.


    Selbst mit der liberaleren zweiten Option wäre Boccherini m.E. ein Grenzfall, da es sich bei dem verbreitet bekannten Werk um bloß einen Satz eines längeren Werkes, der dann "Bonbon" oder "Zugaben"charakter angenommen hatte, handelt, nicht um eins der 5-10 meistgespielten Stücke einer zentralen Gattung wie Bruchs VK.
    Fritz Kreisler ist auch nicht wegen Liebesfreud/Liebesleid ein "Mainstream"-Komponist. (Was natürlich nicht heißen soll, dass Boccherini nicht historisch ein zigmal wichtigerer Komponist gewesen ist als Kreisler (oder sogar Bruch), es geht ja nur um die Einschätzung bzgl. des Repertoires heute (oder in den letzten Jahrzehnten). Für Boccherini ist es sogar


    Etliche der Komponisten, die ich oben genannt habe, sind hauptsächlich mit "Lückenwerken" (wie Regers Klarinettenquintett, Hummels Trompetenkonzert usw.) präsent, daher nach der liberaleren Option zumindest näher am Mainstream als Boccherini (vielleicht sind dessen Cellokonzerte von ähnlichem Stellenwert?), aber erst recht als Onslow oder Ries.


    Auch wenn das m.E. vom Thema eher wegführt, meine ich auch, dass Alfred irrt, wenn er meint, Boccherini müsste eigentlich für den typischen Abonnenten ein passender Komponist sein. Um mal die Klischees spielen zu lassen: Der typische Abonnent hat weit mehr Interesse an "Schlachtrössern" wie Bruchs Violinkonzert oder Rachmaninoffs 2. KK oder vielleicht auch an einer Bruckner oder Mahlersinfonie oder eine sinf. Dichtung von Strauss als an einer kaum bekannten mittleren Haydn-Sinfonie, zu der eine Boccherini-Sinfonie stilistisch vergleichbar wäre. Verglichen mit den Schwerpunktwerken heutiger Konzerte aus (Spät)romantik und klassischer Moderne muss Boccherini erstmal wie eher triviale Hintergrundmusik wirken. Und für den Sonntagsbrunch hat man ja das Menuett schon auf der "easy listening" Anthologie (wobei ich vermute, dass heute beim Sonntagsbrunch eher Diana Krall läuft als Boccherini).

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  • Ich sehe, daß Zeit (somit auch das eigene Alter) und näheres Umfeld (Bekanntenkreis) sowie weiteres Umfeld (Stadt oder Land) eine gewaltige Rolle spielt, was als publikumswirksamer Mainstream gesehen wird. Siehe englische oder französische Klassikszene - ja auch zwischen Deutschland und Österreich gibt es oft gravierende Unterschiede. Ich habe mich schon um 1975 uber Kritiken in deutschen Fachzeitschriften gewundert und geärgert. - Daher auch mein stereotyper Verabschiedungssatz "mit freundlichen Grüßen aus Wien" der klarstellen sollte, daß hier andere Maßstäbe galten als in Deutschland. Dazu kommt noch, daß jene Leute die hier im Klassikforum posten eine andere Grundhaltung zur Klassik haben, als der "Genusshörer", der zwar gerne klassische Musik liebt - aber sowohl unbequemen Werken ausweicht, als auch das bohrend hinterfragende von Internetforen ablehnt, weil sie seinem Wesen nicht entsprechen.
    Ich bin bei der Nominierung von Boccherini von 2 Dingen ausgegangen: Zum einen von der "Wiederentdeckung" Vivaldis - den ich in gewisser Weise als eine Art "Vorläufer" Bocherinis sehe. Zum anderen daß er eine Kaskade von Streichquartetten geschrieben hat - ähnlich und zeitgleich mit jenen von Haydn.
    Mahler - wurde er in Wien je wirklich gemocht ?- Ich glaube nicht. Weil hier mit Interpreten und was sie im Repertoire hatten - und was nicht - spekuliert wurde: Böhm hatte Gustav Mahler nicht im Konzert, Karajan nur sehr partiell.
    Bruchs Violinkonzert war bekannt . Vorzugsweise in der Koppelung mit jenem von Mendelssohn.
    Aber vermutlich kommen wir hier nicht zu einem brauchbaren Ergebnis - vielleicht ist das Wort Mainstream auch ungeeignet...
    Bleiben wir also bei der "nachhaltigen Wiederentdeckung" - oder der Frage, warum Wiederentdeckungen zumeist nicht nachhaltig sind......


    mfg aus Wien
    Alfred

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  • Bleiben wir also bei der "nachhaltigen Wiederentdeckung" - oder der Frage, warum Wiederentdeckungen zumeist nicht nachhaltig sind......

    Ich finde das sehr schwer zu beurteilen. In den letzten Jahrzehnten ist sehr viel erstmals eingespielt worden. Als musikgeschichtsinteressierter Mensch lebt man heute im Paradies verglichen zu vor 30 Jahren. Allerdings findet das nur am Tonträgermarkt, auf youtube etc. statt, nicht im Konzert. Das hat mit der geringen Zahl der interessierten Hörer zu tun, die können nicht zu einem fixen Termin alle an einen Ort fahren, um dort die Rarität im Konzert live anzuhören. Es handelt sich also nur um eine Wiederentdeckung für einen kleinen Kreis und abseits des Konzertlebens (respektive nur ein paar Mal irgendwo). Im Grunde ist es gar keine Wiederentdeckung, da die Komponistennamen durchaus bekannt waren, nur standen sie nicht im CD-Katalog. Wenn nun ein Komponist nach kurzer Präsenz wieder verschwindet, kann es sein, dass er wieder auftaucht, sei es als Wiederveröffentlichung, sei es als Neuaufnahme.


    Und Boccherini war ohnehin immer bekannt, oder? Er taucht z.B. in d'Annunzios Roman "Il piacere" auf, verfasst 1888:


    Mi ricordo d'aver sentito un Quintetto [di Boccherini] quattro o cinque anni fa, al Conservatorio di Bruxelles; e mi parve magnifico, e poi nuovissimo, pieno d'episodii inaspettati. Mi ricordo bene che in alcune parti il Quintetto, per l'uso dell'unisono, si riduceva a un Duo; ma gli effetti ottenuti con la differenza dei timbri erano d'una finezza straordinaria. Non ho ritrovato nulla di simile nelle altre composizioni strumentali

  • Zwar gibt es regionale Unterschiede; ich halte die aber im heutigen internationalisierten Betrieb für eher gering. Außerdem nehmen wir ja deswegen auch Plattenaufnahmen dazu, die nicht so stark regional schwanken. Wie auch immer glaube ich nicht, dass hierdurch gravierende Unterschiede entstehen, außer bei den Werken, die ohnehin eher Grenzfälle sind.


    Boccherini hat m.E. mit Vivaldi nicht viel zu tun. Wie schon gesagt wurde, war Boccherini nie in dem Sinne vergessen, wie das bei Vivaldi mindestens 170 Jahre der Fall gewesen ist. Seine Musik wurde, besonders in Frankreich bis Mitte des 19. Jhds. hoch geschätzt und Grützmachers Bearbeitung des Cellokonzerts stammt aus den 1890ern. Das Menuett muss schon vor der Verwendung in Filmen sehr bekannt gewesen sein, sonst gäbe es keine Version der Comedian Harmonists (andere Klassikbonbons, die dieses Ensemble gesungen hat, sind zB Dvoraks Humoreske, Donauwalzer, Liebesleid/freud usw.)
    Es gibt seit den 1950ern vermehrt Plattenaufnahmen, nur bleiben sie eben angesichts des umfangreichen Werks eher vereinzelt. Zwei oder drei Platten mit Sinfonien hat Leppard schon in den 70ern eingespielt. Die oben schon teils gezeigte Capriccio-Edition stammt aus den frühen 1990ern usw. Seither ist noch einmal einiges dazugekommen, teils auch von HIP-Ensembles D.h. Boccherinis Musik ist auf Tonträgern einigermaßen präsent. Meiner Einschätzung nach wird sie das, "am Rande des Standardrepertoires" auch bleiben. Aber ich kann mir eben nicht vorstellen, dass es eine "Explosion" wie bei den Biber-Sonaten oder Händel-Opern gibt.

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  • Was die Ursachen betrifft, wurde auf weiter oben im Thread das Wichtigste schon gesagt: Von ca. Haydn bis Dvorak (oder sogar Puccini und Mahler) ist das Standardrepertoire schon gesättigt. Es besteht kein Bedarf.
    Voher hat sich in den letzten 60 und auch den letzten 30 Jahren noch mal sehr viel getan. Nur hat das teilweise auch mit sich gebracht, dass Musik bis JS Bach oder sogar bis Haydn zunehmend in einer "parallelen" Alte-Musik-Szene spielt, in der dann wieder Werke/Komponisten als etabliert gelten können, die der typische Abonnent des Philharmonischen Konzerts höchstens dem Namen nach kennt.


    An konkreten Werken des 20. Jhds., die in den letzten ca. 30 Jahren vom Rand in die Mitte gerückt sind, würde ich als erstes Schostakowitschs Violinkonzerte, etliche Sinfonien und die Streichquartette nennen. Während noch in den 70ern Mendelssohn-Bruch (oder vielleicht eins von Mozart) die typische Debutplatte junger Geiger(innen) gewesen sein dürfte, ist heute nicht nur Sibelius, Prokofieff, Nielsen, sondern auch mindestens das 1. Schostakowitsch-Konzert ein selbstverständliches Repertoirestück.

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  • Irgendwie ist das alles paradox. Der Klassikliebhaber der 1960er und 1970er Jahre blieb sowohl im Konzert als auch auf LP's hinsichtlich der Werke, die er kennenlernen konnte, um ein Vielfaches eingeschränkter als es die Klassikliebhaber seit den 1980er/1990er Jahren sind, die seitdem zumindest auf CD geradezu himmlische Zustände erfahren durften und noch dürfen. Aber gleichzeitig heißt es immer, das Interesse an Klassik erlahme, es wachsen keine neuen Generationen nach, während in den 60ern und 70ern die gesamtgesellschaftliche Akzeptanz von Klassik weitgehend unangefochten war.
    Stehen wir dann kurz vor einem radikalen Wandel? Werden die paradiesischen Zustände, in denen Labels wie CPO oder HYPERION oder CHANDOS eine Rarität nach der anderen 'raushauen bald enden? Müssen wir bald sogar um Mozart und Beethoven bangen? Von Ries oder Onslow oder Bruchs 2. und 3. Violinkonzert gar nicht erst zu reden?


    Grüße
    Garaguly

  • Stehen wir dann kurz vor einem radikalen Wandel? Werden die paradiesischen Zustände, in denen Labels wie CPO oder HYPERION oder CHANDOS eine Rarität nach der anderen 'raushauen bald enden? Müssen wir bald sogar um Mozart und Beethoven bangen? Von Ries oder Onslow oder Bruchs 2. und 3. Violinkonzert gar nicht erst zu reden?

    Bis ich alle Raritäten, die CPO, Hyperion und Chandos bereits bis jetzt herausgebracht haben, kennengelernt habe, ist meine Lebensuhr vermutlich abgelaufen. Und ich habe bereits ein Repertoire angehäuft, dass sicher nicht mit Deinem konkurrieren kann, aber vermutlich größer ist als das von 99,9999% der Menschen auf diesem Planten. Insofern, wo ist das Problem? Die vorhandenen CDs verschwinden doch nicht im Nirvana. ?(

  • Bis ich alle Raritäten, die CPO, Hyperion und Chandos bereits bis jetzt herausgebracht haben, kennengelernt habe, ist meine Lebensuhr vermutlich abgelaufen. Und ich habe bereits ein Repertoire angehäuft, dass sicher nicht mit Deinem konkurrieren kann, aber vermutlich größer ist als das von 99,9999% der Menschen auf diesem Planten. Insofern, wo ist das Problem? Die vorhandenen CDs verschwinden doch nicht im Nirvana. ?(


    Es geht mir nicht um deine oder meine Lebensuhr. Ich werde demnächst 42 Jahre alt und selbst dann, wenn ich doppelt so alt werde und keine großen politischen oder persönlichen Katastrophen dazwischenkommen, dann habe ich CD-technisch gesehen definitiv ausgesorgt bis an mein Lebensende. Und ich nehme an, bei dir verhält es sich ähnlich.
    Doch mir ging es um den Erhalt einer mir sehr viel bedeutenden kulturellen Tradition. Mich treibt bisweilen schon die Frage um, ob mein Sohn (wird bald 3) und seine Altersgenossen in ihrem Erwachsenendasein auch noch auf einen solchen Fundus werden zurückgreifen können, wie wir es heute noch können. Oder stehen wir kurz davor, dass etwas Bedeutsames verlorengeht, weil der Nachwuchs dafür fehlt und dies weniger aus demographischen Gründen, sondern vielmehr deswegen, weil sich bereits heute ein deutlich abnehmendes Interesse junger Generationen an klassischer Musik abzuzeichnen scheint. CPO kann nur existieren, weil es anscheinend noch genügend Leute gibt, die sich an Ries-Symphonien oder Goetz-Klavierkonzerten ergötzen :D wollen - und selbst heute sind das ja nur wenige, wenn man sich mal überlegt, das von einer durchschnittlichen Klassik-CD weltweit vielleicht 5.000 Stück abgesetzt werden (Bartoli oder Lang Lang oder Netrebko sind nur Ausnahmen) und ob die Ries-CD's diese Zahl erreichen, scheint mir schon zweifelhaft. Werden es aber noch weniger ... ja, dann verschwinden CPO und all' die netten Labels und mit ihnen verschwinden ihre Archive, die vielleicht niemand mehr für erhaltenswert ansieht usw. und so fort.


    Ich möchte nicht, dass nach mir die Sintflut alles wegspült ... versteht ihr?? ;(;(;(;(


    Grüße
    Garaguly

  • Ich möchte nicht, dass nach mir die Sintflut alles wegspült ... versteht ihr??

    Das wird m.E. auch nicht passieren. Wenn die Zeit kommt, wo Plattenlabel feststellen, dass sich Neuproduktionen nicht mehr lohnen, dann werden sie sicher noch sehr lange mit der Vermarktung des Vorhandenen arbeiten. Um gegen eine Gebühr die Musikdaten per download zur Verfügung zu stellen, braucht es außer einem Server letztendlich nur eine Person, die das verwaltet. Und so eine Person wird sich immer finden, und sei es ein Fanatiker. Fast das gesamte Melodiya-Archiv ist im Netz verfügbar weil Enthusiasten es hochladen, z.Zt. noch in datenreduzierter Form, aber auch das wird sich bald ändern. Und der Second Hand Handel blüht jetzt und wird weiter blühen. Ich habe das Gefühl, das bei meinem Second Hand Plattenhändler in Stuttgart inzwischen mehr Leute ein und aus gehen als im Einklang, der nur Neuware hat.

  • Zitat

    Wenn die Zeit kommt, wo Plattenlabel feststellen, dass sich Neuproduktionen nicht mehr lohnen.......


    Die Frage ist in letzer Konsequenz, FÜR WEN sich sich NICHT mehr lohnen. Viele der Independent und Budget-Labels existieren nun bereits seit 25 unt mehr Jahren - und sie scheinen zu gedeihen. Warum ist das so ? Weil sie Interpreten und Orchester mit realistischen Gagenvorstellungen zum Zuge kommen lassen und nicht an sogenannte Klassikgrößen überhöhte Summen zahlen. Solche Klassikgrößen hat es in der Vergangenheit in der Tat immer wieder gegeben. Der Unterschied zu heutigen Berühmtheiten indes war, daß das Publikum sie als solche anerkannte und bereit war die oft unverschämten Preise für ihre Konzerte und Tonaufnahmen zu zahlen.
    Auch heute kann man neue Aufnahmen kostendeckend bis profitabel produzieren - man muß jedoch etwas besonderes bieten, sei es ein unbekannter Komponist oder eine exzellente Tontechnik, eine optisch gelungene Serie - etc etc....
    Als das LAbel cpo neu am Markt war, da wollte ich es erreichen, alle CDs dieses Label nach und nach zu erwerben. Heute ist der Output so groß, daß - trotz vieler Budget-Sonderangebote dieses Wunsch in unerreichbare Ferne gerückt ist.
    Ein Ausnahmefall ? Mitnichten - Naxos und Brilliant classics (sie machen auch Eigenproduktionen ) produzieren am laufenden Band. Dabei entstehen dann Aufnahmeprojekte, welche so manchen eher unbekannten Komponisten so in den Focus rücken, daß ich persönlich ihn beinahe schon dem "Mainstream" zurechnen würde.....


    mit freundlichen Grüßen aus Wien
    Alfred

    Ich bitte alle Mitglieder, die über 25 Beiträge verfasst haben und noch keinen AVATAR besitzen

    sich im Thread Baustelle Avatarpool neu einen auszusuchen und am Threadende (gaaaanz weit untenI zu bestellen

  • Viele der Independent und Budget-Labels existieren nun bereits seit 25 unt mehr Jahren - und sie scheinen zu gedeihen. Warum ist das so ? Weil sie Interpreten und Orchester mit realistischen Gagenvorstellungen zum Zuge kommen lassen und nicht an sogenannte Klassikgrößen überhöhte Summen zahlen.

    Und nicht zu vergessen, die Majors geben ein Heidengeld für Werbung aus, das ist ein riesiger Kostentreiber. Alleine eine Photosession mit Anne-Sophie Mutter dürfte einen vier- bis fünfstelligen Betrag kosten. Dafür muss man schon eine Menge CDs verkaufen.