Hans Pfitzner: Orchesterwerke und Konzerte

  • Es gibt bereits einige recht ausführliche Pfitzner Threads


    Einen "allgemeinen" der sich (typisch für frühe Tamino-Tage) mehr mit seiner Weltanschauung und politischer Orientierung befasst,m als mit seiner Musik),

    einen der den (zum Zeitpunkt der Threaderstellung) "Stellenwert" Pfitzners behandelt, einer über seine Streoichquartette und einer über Pfitzners Lieder (eine Sternstunde von Tamino, wie nicht anders zu erwarten war.)



    Hans Pfitzner - "Phönix aus der Asche?"

    Hans Pfitzner - Sein musikalischer Stellenwert in unserer Zeit

    Pfitzner, Hans: Die Streichquartette

    Hans Pfitzner und seine Lieder


    Daher eröffne ich diesmal einen Thread, welcher sich den Konzerten und auch der Instrumentalmusik widmet.


    cpo hat hier 5 CDs produziert und sie dann nach einiger Zeit in einer Box zusammengefasst. Ich fand keinen Hinweis darauf, daß es sich um eine "Gesamtausgabe handelt, bei Wikipedia konnte man auch nichts genaues erfahren, denn, die befassen sich lieber mit den politischen Verstrickungen Pfitzners als mit seinen Werken.


    Wenn man Pfitzner als einen "vergessenen" Komponisten betrachtet, dann stimmt das nur bedingt, hier bei Tamino wurde doch einiges über ihn geschrieben.

    Bevor ich im nächsten Beitrag ein Werk vorstelle möchte ich zeigen was Auszeichnungen und Ehrungen, die man zu Lebzeiten erhält, wert sind:

    Nämlich so gut wie nichts.*


    Die folgende List stammt von WIKIPEDIA


    • 1917: Ehrenmitglied der Königlich Schwedischen Musikakademie
    • 1925: Pour le Mérite für Wissenschaften und Künste
    • 1926: Bayerischer Maximiliansorden für Wissenschaft und Kunst
    • 1930: Goldene Ehrenmünze der Landeshauptstadt München
    • 1931: Beethoven-Preis der Preußischen Akademie der Künste
    • 1934: Goethepreis der Stadt Frankfurt
    • 1935: Brahms-Medaille der Freien und Hansestadt Hamburg
    • 1939: Ehrenbürgerwürde der Stadt Frohburg in Sachsen
    • 1942: Wartheländischer Musikpreis
    • 1943: Beethoven-Preis der Stadt Wien
    • 1944: Aufnahme in die nationalsozialistische Gottbegnadeten-Liste und in die „Sonderliste“ als einer der drei wichtigsten Musiker
    • 1944: Ehrenring der Stadt Wien[91]
    • Ehrenmitglied der Wiener Philharmoniker[91]
    • Ehrenbürger der Ludwig-Maximilians-Universität München

    Postume Ehrungen

    • 1994: Sondermarke der Deutschen Bundespost zum 125. Geburtstag Pfitzners
    • 2000: Gedenktafel am Haus Durlacher Straße 25 in Berlin-Wilmersdorf, in dem Pfitzner von 1899 bis 1907 wohnte, gestiftet von der Hans Pfitzner-Gesellschaft[92]

    In zahlreichen Orten wurden Straßen oder Wege nach Hans Pfitzner benannt, zum Beispiel die Pfitznergasse in Graz (1954) und Wien-Liesing (1957), die Hans-Pfitzner-Straße in Salzburg (1958) sowie insgesamt etwa 30 Straßen in Deutschland.


    *Wegen der Nähe Pfitzners zu den Nationalsozialisten wurden seit 2010 einige dieser Straßen umbenannt (!!!!!)


    mfg aus Wien

    Alfred

    Interpreten SIND Sklaven !

  • Alfred_Schmidt

    Hat den Titel des Themas von „Hans Pfitzner: Orchesterwerke und konzerte“ zu „Hans Pfitzner: Orchesterwerke und Konzerte“ geändert.
  • cpo hat hier 5 CDs produziert und sie dann nach einiger Zeit in einer Box zusammengefasst. Ich fand keinen Hinweis darauf, daß es sich um eine "Gesamtausgabe handelt, bei Wikipedia konnte man auch nichts genaues erfahren ...

    Man kann wohl getrost von einer Gesamtausgabe sprechern, was cpo vorlegt. Das war nach meinem Dafürhalten ein ganz hervorragandes Projekt. Die Pfitznergesellschaft hatte mal in einer Übersicht die Tonaufnahmen den einzelnen Werken zugeordnet und umgekehrt. Im Laufe der Zeit dürfte also das komplette Werk von Pfitzner auf Tonträgern zugänglich gemacht worden sein. Der Pfitzner-Freund ist mehr als zufrieden. :)

    Es grüßt Rheingold1876

  • Hans PFITZNER : Klavierkonzert op 31

    Ich erinnere mich, daß ich in einem der anderen Pfitzner Threads, dessen Klavierkonzert op 31 in Es-Dur positiv erwähnt habe. Das Klavierkonzert glit als erstes größeres Orchesterwerk Pfitzners - ein früher entstandenes Cellokonzert gilt als verschollen. Das 1922 komponierte Werk war ursprünglich Fritz Busch gewidmet, der auch die Uraufführung in Dresden am 13. März 1923 leitete (Diese Widmung wurde später von Pfitzner gelöscht, als Busch emigrierte) Der Solist war damals Walter Gieseking. Die Uraufführung war ein Erfolg und das Konzert wurde mahrfach aufgeführt

    Es werden ihm immer wieder Einflüsse von Beethoven, Liszt und Brahms nachgesagt.

    Ich finde das Konzert sehr beeindrucken, jeder Satz individuell verschieden, was allerdinges einem geschlossenen Gesamteindruck entgegensteht.

    Mein Favorit ist der Eröffnungssatz, aber auch der Rest kann sich hören lassen, wobei ich den Eindruck habe, daß das Verschrobene des Komponisten erahnbar ist. Das Konzert ist teil von dunkler Glut, dann wieder von eigenwilligen Passagen geprägt.


    Die Sätze:

    1) Pomphaft, mit Kraft und Schwung

    2) Heiterer Satz. Ziemlich schnell, in einheitlich atemllosem Zeitmaß

    3) Äusserst ruhig, versonnen, schwärmerisch

    4) Rasch, ungeschlacht, launig


    mfg aus Wien

    Alfred


    Die linke Abbildung zeigt die Box, die Rechjte, die einstige Einzel-CD (nicht mehr separat lieferbar)

    Interpreten SIND Sklaven !

  • Mein Favorit ist der Eröffnungssatz, aber auch der Rest kann sich hören lassen, wobei ich den Eindruck habe, daß das Verschrobene des Komponisten erahnbar ist. Das Konzert ist teil von dunkler Glut, dann wieder von eigenwilligen Passagen geprägt.

    Lieber Alfred,


    die cpo-CD mit dem KK habe ich auch. Eine weitere Pfitzner-CD ist die cpo-CD mit de Sinfonien op.44 und 46, sowie Das Fest auf Solaug auch mit W.A. Albert.

    Ich hatte die CDs 2008 aus einer Sammlungsübernahme erhalten. Der verstorbene Vorbesitzer war Pianist und von Pfitzner recht angetan.

    Mich konnten seine Werke bis heute nie so recht begeistern. Das sind sicher Werke, die eine lange Auseinandersetzung erfordern um daran Gefallen finden zu können.

    Irgendwie liegen meine Prioritäten anders .... aber ich knöpfe mir die o.g. Werke in Kürze noch einmal vor.

    8) Wenn ich dann der Meinung bin, dass es sich lohnt, werde ich eine Rückmeldung geben.

    Gruß aus Bonn, Wolfgang

  • Mein Zugang zu Pfitzner war auch eher mühsam - aber ich meine es hat sich gelohnt.

    Und ich habe nicht wirklich darum gerungen ihn zu mögen, vielemehr war es die permanente Ablehnung dieses Komponisten in den diversen Publikationen etc, die ihn für mich interessant gemacht hat.

    Vor allem waren unübersehbar, daß vor allem seine "Qualitäten" als menschenfeindlicher Griesgram und Mensch mit ambivalenten politischen Neigungen stärker in die Bewertung einflossen, als die Qualität seines kompositorischen Schaffens.


    Er hatte in der Tat viele Feinde - aber auch Freunde, wobei er letztere nicht als solche erkannte.

    Er fühlte sich stets unterschätzt und bitter, was dazu führte, daß man seine Musik auch so sah


    Pfitzner (auszugsweise) über böswillige Kritiker:


    Zitat

    "in meinem Fall aber trat die Lüge nicht in ihrer zwecklosen Pracht wie ein Kunstwerk auf, sondern verfolgte ihr teuflisches Ziel, welches sie auch in dem ihr zugänglichen Bezirk, der Zeit und der Vergänglichkeit, vollständig erreichte:

    Mein Leben war vollständig verbittert und vergällt, und ich lebte sozusagen mein ganzes Leben incognito, ja noch heute klebt noch etwas von dem "talentlosen Stümper" an mir. als den mich diese Verbrecher der Welt denunziert haben; und selbst bei Gutmeinenden, dei an sich Verständnis für meine Kunst hätten, wird der Zugang zu meiner Kunst durch die Warnung versperrt, es sei furchtbar schwer und koste unendliche Mühe und eine an Aufopferung grenzende Hingebung, bis ihm ein Werk von mir gefallen könne, so daß dann die meisten lieber ganz wegbleiben, indem sie sich sagen:

    -den Teufel auch, ich will, wenn ich Musik höre, einen Genuß haben und nicht eine Arbeit - und vielleicht verstehe ich das Zeug überhaupt nicht - trotz aller ehrlichen Mühe - ein neuer "Pfitzner" wird heut nur noch als "Wagnis" angesehen.

    Aber in der Ewigkeit hat die Lüge nichts zu suchen; das ist nicht ihr Bezirk - da reichen ihre Wirkungen nicht hin....."

    Interessant auch Das Booklet von Prof Dr Hans-Christian Schmidt, welcher das Klavierkonzart ziemlich genau analysiert -ziemlich neutral, jeineswegs euphorisch, eher kritisch - aber IMO keinesfalls vernichtend.


    Sieht man sich die im eröffnungsbeitrag von mir gelistete Aufstellung aller (?) erhaltenen Austzeichnungen und Preis, quer über politische System hinwaf - an, dann stellt sich (mir) die Frage, wie er auf die idee kommen konnte, daß er unterschätzt oder abgelehnt sei.....


    mfg aus Wien

    Alfred

    Interpreten SIND Sklaven !

  • Pfitzner Cellokonzerte


    Mir liegen die drei Cellokonzerte in der Hyperion-Aufnahme vor:


    Cellokonzert a-moll op. posth. (1888);

    Cellokonzert G-Dur op. 42 (1935);

    Cellokonzert a-moll op. 52 (1943)
    sowie das Duo op. 43 für Violine, Cello & Orchester


    Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin,

    Sebastian Weigle

    Alban Gerhardt, Cello


    Das frühe Cellokonzert a-Moll hat zwei Teile: beginnend mit einem Andante molto moderato mit einem sanft wiegenden Thema, das sich in einen lyrischen und zunehmend dramatischen Monolog entwickelt und in den Hauptabschnitt – Allegro – überleitet. Diese Musik zeichnet sich durch jugendliche Energie aus …


    Das Cellokonzert G-Dur op. 42 komponierte er wesentlich später (1935); ein melodisch reichhaltiges und kontinuierlich verlaufendes Werk.


    Das Cellokonzert a-moll op. 52 ist dem Cellisten Ludwig Hölscher gewidmet und wurde 1944 veröffentlicht.


    Die Konzerte sind m.E. nicht sperrig – mir haben sie jedenfalls gefallen.

    Einer der erhabensten Zwecke der Tonkunst ist die Ausbreitung der Religion und die Beförderung und Erbauung unsterblicher Seelen. (Carl Philipp Emanuel Bach)

  • Hier nochmal ein Abstecher zum Klavierkonzert:

    An sich kann man - was die Aufnahmen betrifft - nicht von "vergessen" sprechen - Pfitzner wäre es indes natürlich nicht genug - das lag in seiner Natur)


    Die erste hier gezeigte Aufnahme mit dem Pianisten Wolf Harden und dem Dirigenten Heribert Beissel ist leider bereits gestrichen.

    Wie ich Herrn Klaus Heymann einschätze wird er es indes nicht dabei bewenden lassen, sondern - früher oder später - die alte Marco Polo -Aufnahme bei Naxos in neuem Glanz erstrahlen lassen.


    Die nächste Aufnahem mit Ulrich Urban als Pianisten unter Hausschild stammt noch aus der Analog Ära - und dürfte eine Archivaufnahme des Rundfunks sein. Ich fand sie aufnahmtetechnisch (wohlwollend beurteilt) eher als durchschnittlich, aber ich glaube, dass hier (man höre in den 2. Satz hinein) die skurille Persönlichkeit Pfitzners gut zum Ausdruck gebracht wird, was ihr ihre Liebhaber sichern sollte



    Tzimon Barto ist der Pianist der nächsten Aufnahme - mit der Staatskapelle Dresden unter Christian Thielemann.

    Thielemann hat ja schon vor Jahren auf sich aufmerksam gemacht, als er auf einer CD der DGG mit Werken von Pfitzner brillierte, was einem der Kritiker nicht gefallen hat, jene Sorte die am Liebsten alle Komponisten aus den Archiven verbannen möchte, die ihnen politisch nicht ins Weltbild passten.

    Im Falle Pfitzners überhaupt ein Fehlgriff: Er war niemandes Freund (nicht mal sein eigener), aber allen Feind (oder zumindest misstrauisch gegenüber) - genug davon



    2018 dann endlich die Aufnahn von Hyperion als Nr 79 der Serie "Das Romantische Klavierkonzert" mit Markus Becker.



    Die Aufnahme mit Volker Banfield und den Münchner Philharmonikern unter Werner Andreas Albert wurde ja schon weiter oben im Thread vorgestellt...

    So gesehen ist Pfitzner durchaus angemessen dokumentiert.


    mfg aus Wien

    Alfred

    Interpreten SIND Sklaven !