Chopin Klaviersonate Nr.3

  • Biret, Gilels und Weissenberg sind im Zulauf, warten wir mal ab.

    Von Weissenberg gibt es zwei Aufnahmen der Sonaten Nr. 2 und 3, zur selben Zeit aufgenommen, aber einmal von EMI und einmal bei RCA (beide unter dem Label EMI vermarktet) und dann wenn ich mich richtig erinnere noch eine dritte, frühe Aufnahme. (Ja, hier ^^ ) :


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    Auch klangtechnisch ist die RCA-Aufnahme besser. Er spielt das Largo aus der 3. Sonate ebenfalls in einer Film-Aufnahme. Erhältlich auf dieser DVD - sehr zu empfehlen! Drauf ist auch sein Strawinsky-Petruschka-Film und ein Interview mit ihm:


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    Schöne Grüße

    Holger

  • Hallo,


    die 3 CDs sind schon vor einigen Tagen eingetroffen, für die Beurteilung habe ich mir Zeit gelassen.


    Die Aufnahme von Weissenberg ist aus 1972, die von Gilels aus 1978, Birets von 1990.


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  • Zuerst habe ich die 3 Aufnahmen untereinander verglichen, danach mit den bisherigen CDs.


    Durch das viele Hören hat sich am Schluß sogar meine Rangfolge etwas verschoben.


    Idil Biret setzt bei Chopin wohl gerne das rechte Pedal ein, mir ist das aber zuviel an Klanggeschehen.


    Wem diese Ausführung des anvertrauten Werkes gefällt, wird an der sonst makellosen Darbietung seine Freude haben.


    Gilels Spiel bringt Chopin oft in einer unvergleichlichen Zartheit, wo es bei Rubinstein eher die Eleganz ist, die so bestechend wirken kann. Beide CDs sind wahre Perlen für Chopinfreunde.


    Weissenberg ist und bleibt eine echte Überraschung für mich. Was er veranstaltet, hat niichts mehr mit einer der üblichen Interpretationen von Chopins dritter Sonate zu tun, das steht abseits für sich.


    Aber es ist schlüssig in seiner Gesamtheit, ein Muss für jeden, der sich mit dem Werk befasst. Ich kann ihn nur für seinen Mut und das ureigenste Verständnis dieser Musik gratulieren. Das verblüfft, das fordert, das regt das Denken an.


    Und nach dem langen Hörzyklus der 3. Sonate ist zwischenzeitlich meine Nummer eins Miao Huang geworden.


    Sie hat die genau richtige Intonation des Instrumentes (bei Pollini ist der Ton einfach viel zu schlank) und spielt die Sonate so erfrischend und lebhaft ohne die bei Chopin so wichtigen Tonattribute Eleganz und Zartheit aus den Augen zu verlieren.


    Es grüßt


    Karl

  • Und nach dem langen Hörzyklus der 3. Sonate ist zwischenzeitlich meine Nummer eins Miao Huang geworden.


    Sie hat die genau richtige Intonation des Instrumentes (bei Pollini ist der Ton einfach viel zu schlank) und spielt die Sonate so erfrischend und lebhaft ohne die bei Chopin so wichtigen Tonattribute Eleganz und Zartheit aus den Augen zu verlieren.

    Lieber Karl,


    es freut mich wirklich sehr, dass Du so viel Freude an Chopin und insbesondere dieser Sonate gefunden hast! Und die Aufnahmen, die Du gehört hast, sind auch jede sehr unterschiedlich für sich genommen überragend!


    Nur noch eine Bemerkung zu Pollini. Ich habe ja Pollini über Jahrzehnte im Konzert gehört - zuerst 1974 oder 1975 (!). Sein Ton ist nie "schlank", sondern eher etwas pastos. Dieser Eindruck entsteht durch die Aufnahmetechnik der DGG der 70iger und frühen 80iger Jahre, wo der Flügel immer ein bisschen im Hintergrund steht und der Klang schlanker ist, als er eigentlich ist. Das hat nicht zuletzt auch damit zu tun, dass Pollini damals extrem kraftvoll mit einer riesen Dynamikspanne spielte. Das lässt sich einfach schwer verzerrungsfrei einfangen. Weissenberg spielt auch extrem kraftvoll. Und genau daran sind die EMI-Techniker gescheitert. Der Flügel ist viel präsenter aufgenommen als bei der DGG. Nur ist der Klang einfach zu hart und es klirrt ganz schön. Das hat die DGG vermieden, indem sie bei Pollini auf "Nummer sicher" ging. Die 3. Sonate hat der altersweise Pollini ja nochmals aufgenommen - und da ist auch die Aufnahmetechnik ganz anders. Hier hört man, wie farbig und rund Pollinis Ton (das gehört zu seinem Altertsstil!) ist:



    Und nun noch etwas zur Interpretation. Pollinis Aufnahme der Nocturnes ist nicht zuletzt deshalb so überragend, weil er auch im lyrischen Ton den dramatischen Zug nicht vergisst. So auch im Kopfsatz der 3. Sonate. Nach klassischen Verständnis ist ein Sonatenallegro ein Drama. Bei Pollini hört man diesen dramatischen Zug einer großen Klaviersonate. Und hier zeigt er dann eben doch, was der Unterschied zwischen einem ganz großen und einer sehr guten Chopin-Spieler(in) ist. Bei Miao Hang klingt das alles sehr anmutig entspannt - doch von einem Sonatensatzsdrama ist dann doch eher wenig zu vernehmen! :hello:


    Schöne Grüße

    Holger

  • Hallo Holger,


    ich bin froh zu hören, daß es bei Pollini der Aufnahmetechnik geschuldet ist.


    Hat mich auch stark gewundert, da ich ihn sehr sehr schätze und mir nicht klar war, warum es so seltsam dünn klingt.


    Aber damit ist diese Aufnahme schlicht und einfach nicht wettbewerbsfähig gegenüber den anderen.


    Schade drum.


    Es grüßt


    Karl

  • Lieber Karl,


    soooo schlecht ist die alte DGG-Aufnahme von Pollini technisch aber nicht. Bei den weit über hundert Aufnahmen, die ich von den Chopin-Sonaten habe, kann ich nicht sagen, dass sie mir als besonders schlecht aufgefallen wäre.^^ Ich muss sie mir allerdings erst noch einmal mit meinen neuen Dynaudio-Boxen (2 Jahre "alt") nach längerer Zeit wieder anhören! :)


    Die Gilels-Aufnahme ist übrigens nicht auf einem Steinway, sondern einem Bechstein-Flügel gemacht, den Gilels extra auswählte für diese Sonate.


    Schöne Grüße

    Holger