Tristan und Isolde, Bayreuth, 3.8.2023

  • "Tristan I" habe ich am 3. August in Bayreuth gesehen. Es war nicht zu heiß, aber etwas schwül. Die meisten Herren trugen das Jackett über dem Arm.


    Clay Hilley, den ich im November 2022 in derselben Partie in der DOB erlebte, gibt einen müden und erschöpften Tristan. Er kämpft sich durch den langen Abend. In Berlin war er souverän. Das kann man von Bayreuth nicht sagen. Die Inszenierung von Roland Schwab verlangt dem Paar szenisch wenig ab und läßt die beiden singen. Das kam auch Catherine Foster, Isolde, entgegen. Isolde und Brangäne, Christa Mayer, liefern sich im ersten Akt eine hoch erregte Auseinandersetzung, in der das komplizierte Verhältnis der beiden Frauen zueinander förmlich niedergewalzt wird. Beide singen mit viel Vibrato, dem ich mit zunehmendem Mißbehagen gelauscht habe.

    Als Marke, Georg Zeppenfeld, im zweiten Akt anhob, habe ich gedacht: So soll in Bayreuth gesungen werden! Ich meide das Attribut balsamisch eigentlich, doch hier ist es am Platz.

    Auf Markus Eiche, Kurwenal, habe ich mich gefreut, und er singt und gibt einen agilen Freund und Beschützer des Todmüden. Olafur Sigurdarson, den ich als Alberich und Biterolf auf dem Hügel und als Telramund in Prag sah, ist ein aktiver Melot, der seinen kurzen Auftritt stimmlich souverän meistert.


    Markus Poschner dirigierte und begann sehr schleppend. "Wenn der so weitermacht, halte ich nicht durch!" kommentierte meine Sitznachbarin. Das Tempo zog später an. Mir schien das Orchester insgesamt zu leise, aber das mag auch an der Lage meines Sitzes, Balkon, Reihe 3, gelegen haben.


    Bei Roland Schwab sind Tristan und Isolde von Anfang an verloren. Die beiden holt niemand ein und auch nicht ins Leben zurück. Ob sie aneinander zugrunde gehen, oder in bloßer Koinzidenz gemeinsam vergehen, bleibt offen. Der riesengroße elliptische Bildschirm, der den Hauptteil des Bühnenbodens ausmacht, illustriert das Geschehen ganz beeindruckend. Ihn betreten nur der Mann aus Kareol und Irlands Kind. Alle anderen müssen am Rand bleiben. Die gelegentlichen Versuche Kurwenals, Tristan aus dem Strudel, der sich alles verschlingend am Boden dreht, zu bergen, scheitern.


    Tri-010723-586-EnricoNawrath-press.jpg

    ..., eine spe*ifisch deutsche Kultur ist, jenseits der Sprache, schlicht nicht identifi*ierbar.
    -- Aydan Ö*oğu*

  • Mir ist beim Schreiben der Satz zu Georg Zeppenfeld weggerutscht. Ich habe ihn oben ergänzt.

    ..., eine spe*ifisch deutsche Kultur ist, jenseits der Sprache, schlicht nicht identifi*ierbar.
    -- Aydan Ö*oğu*

  • Ich hatte das Glück im letzten Jahr noch Gould als Tristan zu hören. Er war überwältigend sowohl im Piano, als auch im Forte, einfach grandios. Schade daß er erkrankt ist und du ihn nicht hören konntest.

    Mir hatte die Inszenierung sehr gefallen, tolle Bilder in Übereinstimmung mit Text und Musik, z.B. der Strudel !

    Es gibt im Opernfreund eine sehr schöne Rezension zu lesen :

    ttps://deropernfreund.de/bayreuther-festspiele/bayreuth-tristan-und-isolde-richard-wagner/

    Gruß

    Dirk

  • Zitat von Suelzenfuss

    Es gibt im Opernfreund eine sehr schöne Rezension zu lesen :

    Der Link dazu.....


    Der Opernfreund


    LG Fiesco

    Il divino Claudio
    "Wer vermag die Tränen zurückzuhalten, wenn er den berechtigten Klagegesang der unglückseligen Arianna hört? Welche Freude empfindet er nicht beim Gesang seiner Madrigale und seiner Scherzi? Gelangt nicht zu einer wahren Andacht, wer seine geistlichen Kompositionen anhört? … Sagt nur, und glaubt es, Ihr Herren, dass sich Apollo und alle Musen vereinen, um Claudios vortreffliche Erfindungsgabe zu erhöhen." (Matteo Caberloti, 1643)

  • Lieber Suelzenfuss, ich hatte durchaus hohe Erwartungen an Clay Hilley, nachdem ich ihn in Berlin gesehen hatte. Er hatte am letzten Donnerstag vll. einfach einen schwächeren Tag. Sowas passiert und gehört zum Musiktheater, denke ich. Wenn er wieder in Berlin singt, gehe ich sicher hin. Es grüßt Hans

    ..., eine spe*ifisch deutsche Kultur ist, jenseits der Sprache, schlicht nicht identifi*ierbar.
    -- Aydan Ö*oğu*

  • Das klingt insgesamt allerdings eher ernüchternd, lieber Hans?!

    Beste Grüße von Tristan2511


    "Glaubt er, dass ich an seine elende Geige denke, wenn der Geist zu mir spricht?"

    (Beethoven zu Schuppanzigh)

  • Das klingt insgesamt allerdings eher ernüchternd, lieber Hans?!

    Ja, aber das liegt natürlich auch an den hohen Erwartungen, mit denen ich nach Bayreuth kam. Es grüßt Hans

    ..., eine spe*ifisch deutsche Kultur ist, jenseits der Sprache, schlicht nicht identifi*ierbar.
    -- Aydan Ö*oğu*