OPER KÖLN - Spielzeiten 2006 bis 2009

  • Zitat

    Original von Harald Kral
    Hallo Sophia,
    gibt es Viola Zimmermann noch?


    Lieber Harald, wie ich gehört habe, singt sie nicht mehr in Köln. Ich bin darüber aber nicht traurig, da ich mich mit ihrer Stimme nie anfreunden konnte.


    LG


    Gerd

  • Ich habe auf Youtube einen kleinen Film zum alten Kölner Opernhaus eingestellt: The Cologne Titanic - Das alte Kölner Opernhaus".


    Seufz, wenn das noch stehen würde.

  • Lieber Christoph, mit dem Riphahn-Bau hat Köln doch ein Opernhaus, das sehr gut zu Köln passt. Also ich fühle mich dort (abgesehen von den etwas beengten Sitzverhältnissen) sehr wohl.


    LG


    Gerd

  • Also, ich mag's nicht. Tut mir leid, Gerd, außer dem Foyer finde ich keinen Raum wirklich gelungen im Riphahn-Bau. Ich wäre im 7. Himmel, wenn die Moritz-Oper noch stehen würde - und die komplette Ringstraßenarchitektur. Aber das ist natürlich Geschmackssache.


    Viele Grüße,
    Christoph, der gerade "Psycho" liest und sich eben furchtbar erschrocken hat

  • "http://www.ksta.de/html/artikel/1246883638457.shtml



    364 Millionen Euro für die Sanierung einer komplett abbruchreifen Oper, die schon in ihrem Eröffnungsjahr technisch unvollkommen war, wo die Akustik grottig ist und die Wegeführung eine Katastrophe??????


    Für das Geld kann man ja die alte Moritzoper und das Raschdorff-Schauspielhaus wieder aufbauen. Das ist ja völlig idiotisch! Fassungslos! Total FASSUNGSLOS!!!!

  • Die Behörden machen eine Einschätzung über Kosten, die nie stimmt.


    Die Entwürfe sind sehr oft "fragwürdig". Qua Qualität, qua Funktion, u.s.w.


    Wenn man merkt, daß es eine Fehlinvestition war, wird fast immer gesagt "Inzwischen haben wir bereits so viel Geld bezahlt, daß würde sonst zum Fenster hinaus geschmissen sein", daß sie sich entscheiden noch mehr Geld darin zu investieren.


    Verantwortlichen kleben fast immer an ihrem Sessel und behaupten "Dies hätten sie nicht wissen können. Und außerdem... die Pläne waren doch durch Gemeinderat (oder höheres Organ) genehmigt".
    Evt. finden sie noch mehr Gründe, warum sie nicht verantwortlich sind und es nicht hätten wissen können.


    Diese Regeln haben offensichtlich weltweit Gültigkeit. Gibt es vielleicht ein derartiges Gesetz?


    LG, Paul

  • Ich glaube ja fast schon wieder, dass das ein abgekartetes Spiel ist:


    Jetzt ist auf einmal wieder die Rede von einem Neubau in Deutz. Na ja, mir solls recht sein. Vielleicht kriegen wir dann mal wirklich wieder ein funktionierendes Opernhaus. Hmm, eigentlich unwahrscheinlich, wenn man die Kölner Planungen der letzten Jahre sieht.


    Tja, bleibt natürlich noch der Traum von der rekonstruktion der Moritzoper. Wenn die Berliner ihr Stadtschloss wiederaufbauen, können wir doch auch wieder die alte Oper kriegen. Wenn ich mir das vorstelle!!!!! Das wäre echt der Hammer! Träum weiter Christoph ;)

  • Mal eine generelle Frage zum Opernhaus, wie sitzt man dort? Wo sitzt man am besten? Ich will Karten für Don Giovanni kaufen, bin mir aber echt nicht sicher, welche Kategorie ich nehmen werde zumal ja auch schon echt viel weg ist. Sitzt man im 1. Rang ganz rechts ... Kategorie 4 gut??

  • Nein! Alles, nur nicht den 1. oder 2. Rang rechts oder links! Da musst Du Dir den Hals verrenken.


    Tja, die holde Akustik in dem Drecksbau.... Ich hatte ein Aha-Erlebnis im 2.Parkett Mitte und im 1. Rang Mitte. Im 2. Rang versteht man nicht gut. Und komischewrweise auch nicht im 1. Parkett. Also, meine Empfehlung:


    2. Parkett Mitte oder 1. Rang Mitte!


    Viel Spaß und viele Grüße,


    Knuspi

  • Der neue Internetauftritt der Kölner Oper ist online und präsentiert sich ein wenig uneinheitlich. Eine merkwürdige Mischung aus klassischer Eleganz und provokantem Farbenspiel - vielleicht ein synonym für die beginnende Intendanz Lauffenbergs?


    Eines hat er jedenfalls schon mal geschafft: Den einzig gelungenen Raum in dem ollen Kasten hat er von dem zwar liebevoll gestalteten, aber leider völlig unpassenden Yakult-Zelt befreit und damit dem Foyer zu neuem Glanz verholfen.Danke! Ich staune: selbst die Kristallleuchter hängen wieder. Ich hätte bei den Kölner Verhältnissen vermutet, die wären für immer verschwunden....


    Wenn ich wüsste, wie man Fotos einstellt, dann würde ich es tun. So aber müsst Ihr selber schauen unter operkoeln.de.


    Nun denn am 20. September teilt sich der Vorhang (Gerüchten zufolge hat Lauffenberg den alten Vorhang rekonstruieren lassen. Wenn dem so ist: Bravo und nochmals: Danke!) zur Neuinszenierung der Meistersinger. Die hatte einer von Lauffenbergs Vorgängern, der Intendant Hampe, ebenfalls zum Amtsantritt gewählt und damit leider Schiffbruch erlitten, denn die Kölner liebten die Schenk/Schneider-Siemssen-Inszenierung weitaus mehr als das stilisierte Nürnberg Hampes. Dennoch gestaltete sich seine Intendanz zum letzten Höhepunkt der Kölner Oper. Danach ging es bergab: Krämer vertrieb die Besucher en gros, Dammann wurde gemobbt ob seines biederen Führungsstils...nun also: Lauffenberg.


    Ich muss ehrlich sagen, dass ich mich auf durchwachsene Zeiten vorbereite: Gute Stimmen, versetzt mit viel inszenatorischem Spektakel. Wir werden sehen...

  • Nicht nur der Internet-Auftritt wurde renoviert....


    Es ist ein äußerst aufwändiges Buch erschienen, das kostenlos an alle Freund der Oper verteilt wird! Ca 160 Seiten auf bestem Papier gedruckt (nur die Innenseiten des Umschlags in giftpink verursachen Augenkrebs!) geben einen Ausblick auf die neue Spielzeit, aber auch einen Rückblick auf die Vergangenheit, mit alten Fotos und Zeichnungen - sehr interessant!


    Auf den letzten Seiten gibt es auch einen futuristischen Ausblick auf ein neues Opernhaus (Knuspi aufgepaßt) wie es vielleicht mal aussehen wird....


    LG


    :hello:

    Harald


    Freundschaft schließt man nicht, einen Freund erkennt man.
    (Vinícius de Moraes)

  • Hi Christoph, :pfeif:


    wußte ich doch, dass es Dich interessiert!
    Das Buch heißt einfach OPER KÖLN / Spielzeit 2009.2010


    herausgegeben wurde es von Uwe Eric Laufenberg, es ist kostenlos erhältlich an allen Vorverkaufsstellen (wenn es nicht schon vergriffen ist).


    Mein Exemplar habe ich im Opernshop in Ddf bekommen.


    LG


    :pfeif:

    Harald


    Freundschaft schließt man nicht, einen Freund erkennt man.
    (Vinícius de Moraes)

  • Wenn es das ist, welches ich meine, dann zeigt es aber den Neubau des schauspielhauses und nicht den einer neuen Oper? Oder sollte ich dieses Buch tatsächlich noch nicht haben? 8o

  • Zitat

    Original von Knusperhexe
    Eines hat er jedenfalls schon mal geschafft: Den einzig gelungenen Raum in dem ollen Kasten hat er von dem zwar liebevoll gestalteten, aber leider völlig unpassenden Yakult-Zelt befreit und damit dem Foyer zu neuem Glanz verholfen.Danke!


    Da kommt auch bei mir Freude auf. Allerdings empfinde ich den ganzen "ollen Kasten" als sehr gelungen!



    :hello:


    Gerd

  • Zitat

    Original von Zwischenrufer2
    Da kommt auch bei mir Freude auf. Allerdings empfinde ich den ganzen "ollen Kasten" als sehr gelungen!


    In der Tat: Als Beispiel exzentrischer Selbstverwirklichung auf Kosten anderer ist das Teil echt gelungen. Sorry Gerd, ich werde dem Riphahn nie verzeihen, dass er den Abriss der alten Oper vorangetrieben hat und sich dieses Denkmal gesetzt hat.

  • Zitat

    Original von Harald Kral
    Nicht nur der Internet-Auftritt wurde renoviert....


    Da gibt es leider (noch?) keine einzige Information zu den Sängern.


    Zitat

    Es ist ein äußerst aufwändiges Buch erschienen, das kostenlos an alle Freund der Oper verteilt wird! Ca 160 Seiten auf bestem Papier gedruckt


    Bei diesem "Buch" handelt es sich um die ganz normale Spielzeitvorschau. btw, wenn Du das Spielzeitbuch der Düsseldorfer Oper durchschneidest kommst Du auf die Größe des Kölner Buches und hast noch 50 Seiten mehr :D

  • „Die Musik ist mein Trost“
    Von Martin Oehlen und Markus Schwering, 05.08.09, 20:46h, aktualisiert 06.08.09, 09:07h


    Nachzulesen hier


    Lieber Christoph, solange ich mir nicht sicher bin, ob mit dem Posten kompletter Artikel Urheberrechte verletzt werden (ich selber meine ja), habe ich den Beitrag durch einen entsprechenden Link ersetzt. Je nach Rechtslage kann der ursprüngliche Beitrag aber wiederhergestellt werden. Liebe Grüße vom Thomas (als Mod)

  • Ich will an dieser Stelle meinen Eindruck der aktuellen Meistersinger-Inszenierung des neuen Intendanten zum Besten geben:


    Laufenberg legt die Meistersinger in Form einer Zeitreise an: Spielt der 1. Akt tatsächlich noch im frühen Nürnberg; sind wir im 2. Akt etwa Mitte des 19. Jhd., um im letzten Akt im Mitte des 20 Jhd. bzw. in der Gegenwart zu landen. Für mich ein durchaus schlüssiger Versuch, die Zeitlosigkeit der Thematik zu untermauern und gleichzeitig Bezüge zur Revolution von 1848, zum Nationalsozialismus und zum aktuellen Mediengesellschaft herzustellen.


    Die zentrale Thematik der Meistersinger Alt vs. Neu, Tradition vs. Moderne oder Ordnung vs. Chaos wird so in unterschiedlichen Zeitzusammenhängen abgehandelt. So tauchen im 2 Akt neben dem Nachtwächter Ordnungshüter auf, die letztlich die Prügelei (Revolution) mit Waffengewalt beenden.


    Neben den zeitlichen Veränderungen sieht der Zuschauer sich im letzten Akt zudem nicht mehr in Nürnberg, sondern in Köln. Bilder des zerstörten Köln und die „Festwiese“ auf dem Offenbach-Platz (mit Video-Leinwand und Baustellenzäunen) stehen im Zentrum. Dies mag zu unnötigen Unstimmigkeiten führen, hat aber auf jeden zur Folge, dass manch Kölner, besonders die ältere Generation, plötzlich näher dran am Geschehen ist – DAS GEHT UNS ALLE AN!!!!


    Interessant fand ich zudem die Umsetzung der Schussrede des Sachs – das Problemkind aller Inszenierungen. In Köln wird diese durch Videos begleitet: Bilder von Hitler und Hakenkreuzfahnen an exponierter Stelle sowie eine Revue großer Künstler. Diese Konzeption deutet den Text der Oper neu: Die Nazis werden plötzlich zum Zerstörer der deutschen Kunst und die Kunst zum Fundus vielfältiger Anregung, statt ausschließlich zum Bewahrer einer zweifelhaften Tradition. Die Kraft einer Kunst, die altes aufhebt und sich durch neues beleben lässt, triumphiert an Ende der Oper uneingeschränkt. OPER FÜR ALLE – ist auf der Videoleinwand zu lesen.
    Das ist insgesamt schlüssig und unterstreicht die dem Werk insgesamt innewohnende positive Grundhaltung. Für mich bleibt die Rezeptionsgeschichte des Werkes trotzdem zu wenig problematisiert. Selbst bei dieser Sichtweise bleibt ein fader Beigeschmack.


    Was noch bleibt sind Einzelheiten, z.B. die zu jeder Zeit vorhandenen Ränder der Gesellschaft (Bettler), die bei jeder Volksszene auftauchen – aber nur Zuschauer des Geschehens sind. Die Fragen der Kunst sind für die Hungernden irrelevant.


    Mir ging es an dieser Stelle hautpsächlich um die Inszenierung, deshalb in aller Kürze zur Musik:
    Markus Stenz und das GO: gutes, solides und transparentes Spiel; unter den Sängern kein grober Ausfall; herzuheben sind: ein hervorander Sachs (Robert Holl!!! Solche Namen hört man selten in Köln); ein fantastischer (sängerisch und schauspielerisch) Beckmesser und eine gute Eva. Der Stolzing ist zwar bemüht, manchmal aber etwas kraftlos.

  • War jetzt in der Neuinszenierung vom Gluck'schen Orpheus (Wiener Fassung). Herrje, was soll ich sagen: Arg spartanisch ging es zu. Schwarze Wände, die sich von links nach rechts und von rechts nach links verschoben. Ein paar schöne Schatteneffekte. Ansonsten graue Alltagskleidung und zum Schluss senkten sich - grauenhaft schlecht geschnittene Barockkostüme in fiesen Farbkompositionen aus dem Bühnenboden. Eurydice blieb übrigens - im Gegensatz zum Libretto - tot auf dem Boden liegen...


    Tja, ich weiß nicht. Die Inszenierung hat mich nicht gepackt. Sie ist ruhig, sie ist...grau. Ich hatte eben immer noch die Bilder von der letzten Ponnelle-Inszenierung im Kopf. Oper muss doch auch mal wieder schwelgerisch sein, erbauend, vom Alltag ablenkend. Das gestern war wieder mal das genaue Gegenteil. Zwar eine konzentrierte Inszenierungsarbeit, aber "schön" ist was anderes.


    Dafür war es gesanglich ein absolutes Highlight. Minuspunkt: Das Harfenspiel von Orpheus schien vom Band zu kommen. Hmm, Orpheus hatte halt auch keine Harfe zur Hand:-(

  • Wiederaufnahmeverfahren in Sachen "Bohéme" - Von der unstimmigen Personenregie des bemühten Willli Decker ist erfreulicherweise kaum mehr etwas übrig geblieben. Ob bewusst, oder unbewusst, sei dahingestellt:


    Mimi und Rodolfo stehen nicht mehr länger wie zwei Kühlschränke rum, die schmachtend nach dem großen Gefühl, einander ständig die Kehrseite zuwenden. Die Neueinstudierung kehrt derartige Ungereimtheiten ebenso unter den Tisch, wie das ennervierende Tippen Rodolfos während lyrischer Musikpassagen.


    Übrig bleibt eine beinahe traditionelle Bohème mit genau jenem Händeringen und Schmachten, das Regietheaterjünger so fürchten, wie der Teufel das Weihwasser. Bis auf ein paar Auswüchse, alles, wie es sein soll - wenn da nicht das langweilige Bühnenbild von Wolfgang Gussmann wäre. Mit einem derartigen Hinkefuß versehen, kann sich Puccini nur ansatzweise entfalten. Das Ganze ist in dem abgetakelten Kabarett Momus angesiedelt, Zeit um 1950. Im 1. Akt geht das mit Ach und sehr viel Krach - während Rodolfos "o soave fanciulla" sind lästige Umbaugeräusche zu vernehmen - so gerade noch auf.


    Im 2. Akt, der sich direkt anschließt, öffnet sich der Vorhang der Kleinkunstbühne für ein windschiefes Kitschkarussell und eine Palme. Da wogt das Volk dann rein, schiebt die Stühle und Bistrotische in die Mitte und bemüht sich mit Weihnachtsmannmützen, Engelsflügeln und haste nicht geseh'n um Weihnachtsstimmung. Musetta kommt im New Look reinstolziert, entledigt sich desselben und bietet ihren Walzer im Nicole Kidmann/Marlene Dietrich-outfit. Mimi tanzt einmal schwer symbolisch oder metaphorisch mit einem Sensenmann, währenddessen der Chor im Gewusel innehält. Alcindoro kriegt gleich alle Rechnungen des gesamten Momus präsentiert - das war's. Unbefriedigend.


    Noch schlimmer wird es in den nächsten Akten. Da wird dann einfach der Chor der Milchmädchen gestrichen, weil es so gar nicht mehr zum Bühnenbild passt. Es ist aber auch ein Kreuz mit den alten Libretti - sie wollen sich nie so ganz an das holde Regietheater anpassen. Bei den Übertiteln kann man ja noch schummeln und einfach ein paar Textpassagen weglassen, so dass keiner die Unstimmigkeiten merkt. Aber wenn es zu dicke kommt - tja, dann setzt man als modernes Regietam eben den Rotstift an.


    Da steht nun also wieder der windschiefe Ringelpiez und im Hintergrund schneit es. Von Lichtregie keine Spur. Es wird hell, es wird dunkel, es folgt der Spot - je nach Belieben. Nur kann er sich am Ende nicht entscheiden, wem er da folgen soll. Mimi geht nämlich nach hinten und Rodolfo nach rechts ab. Dabei sangen sie doch die ganze Zeit davon, es noch einmal probieren zu wollen. Ach so, das hat damit zu tun, dass sich der letzte Akt wieder nahtlos anfügt.


    Das Schneegestöber endet - alles wie gehabt: Streicheln des Häubchens, Männertanz, Musettas aufgelöstes Hereinplatzen - nur, dass jetzt anstelle eines Bettes das ramponierte Ledersofa für die erkrankte Mimi reingezerrt wird. Da haucht sie dann aber doch nicht ihr Leben aus. Wäre ja auch etwas unbequem. Sie wankt nach hinten, setzt sich mit dem Rücken zu allen, starrt auf das Karussell, dessen Lichter angehen und eine halbe Runde drehen - exitus. Rodolfo darf wieder ganz traditionell zusammensinken, was ihm bei der Premiere versagt wurde. In den werktreuen Bühnenbildern der vorherigen Boème-Produktion wäre das alles rund geworden, so frug ich mich: "Narrte Dich da ein Traum? Was war das denn???"


    Liana Aleksanyan und Leonardo Capalbo mimen ein optisch perfekt zusammenpassendes Liebespaar. Zunächst haderten beide mit der Akustik des Hauses. Die Aleksanyan findet sich schneller rein und bietet neben anrührendem Spiel zarten Puccini-Wohlklang. Capalbo bezwingt erst im letzten Akt den Riphhanklotz mit seinem Schmelz. Bis dahin verpufft einiges im Akustikloch. Ulrich Hielscher als Benoit/Alcindoro, Miljenko Turk und Claudia Rohrbach als Marcello und Musetta und als letztverbliebene des alten Ensembles, wissen um die Tücke des Objekts. Sie sind perfekt aufeinander eingespielt, singen klar und deutlich, füllen den maroden Kasten mit Glanz.


    Der Rest schlägt sich wacker. Vor allem die Arie vom alten Mantel durch Nikolai Dudenko weiß zu gefallen und bietet Berührendes.


    Es ist dem neuen Intendanten zu danken, dass er das Repertoire wieder aufgestockt hat - doch mit den Inszenierungen aus der Krämer-"Ära" hat er nicht gerade Publikumslieblinge hervorgezaubert. Die kann man bürsten so viel man möchte, zu zeitlosen Repertoirestützen taugen sie nicht.

  • Zitat

    Original von Knusperhexe
    Es ist dem neuen Intendanten zu danken, dass er das Repertoire wieder aufgestockt hat - doch mit den Inszenierungen aus der Krämer-"Ära" hat er nicht gerade Publikumslieblinge hervorgezaubert. Die kann man bürsten so viel man möchte, zu zeitlosen Repertoirestützen taugen sie nicht.


    Der Niedergang begann doch erst in der Ära Dammann! Besonders dankbar muss man dem neuen Intendaten sein, dass man im Juni noch einmal den Ring (natürlich aus der Ära Krämer) sehen kann!

  • Ich sehe das anders: Der Niedergang begann mit Krämer. Durch seine unsensible Spielplangestaltung und die unharmonische Ensemblezusammenstellung war das Fiasko vorprogrammiert. Es war Krämer, der die Oper heruntergewirtschaftet hat: Die Abonnentenzahlen rasten während seiner Intendanz in den Keller.

  • Zitat

    Original von Knusperhexe
    Ich sehe das anders: Der Niedergang begann mit Krämer. Durch seine unsensible Spielplangestaltung und die unharmonische Ensemblezusammenstellung war das Fiasko vorprogrammiert.


    Das verstehe, wer will! Was an der Spielplangestaltung war denn unsensibel? Und was soll man unter einer unharmonischen Ensemblezusammenstellung verstehen?
    Aber nun zur Gegenwart: Gestern habe ich in Köln L'Italiana in Algeri als Wiederaufnahme (eine Jean-Pierre Ponnelle- Inszenierung) gesehen. Da konnte auch der staubigste aller Staubigen nicht meckern. Und was das beste war: Die Sänger (zwar nur wenige Ensemblemitglieder) waren einfach wunderbar. Besonders gefallen haben mir Mustafà: Simone Alaimo, Isabella: Anna Bonitatibus, Lindoro: Javier Camarena und Haly: (Miljenko Turk (Ensemblemitglied)). Der Dirigent war Will Humburg, der ein richtiges Rossini-Feuerwerk abbrennen ließ. Dank an den neuen Intendanten Laufenberg, dass er diese guten Leute nach Köln geholt hat! :yes: :jubel: :yes:


    :hello:


    Gerd

  • Stichwort "Unsensibel": Krämer hat von einer Spielzeit zur nächsten alle konservativen Inszenierungen verschrottet. Ohne Rücksicht auf das Publikum. Zack. Wumms. Weg. Nicht eine blieb im Repertoire. Und wir hatten in Köln wunderschöne Inszenierungen mit Kultstatus, u.a. eine Italiana von Hampe aus dem selben Jahr, wie die von Ihnen erwähnte Ponnelle-Inszenierung aus Wien. Nur dass die Hampe-Italiana noch tausendmal schöner war. Rosenkavalier, Hoffmann, Zauberflöte...die Liste lässt sich leider sehr lange fortsetzen. Unter einem anderen intendanten wären einige dieser so beliebten Inszenierungen gewiss heute noch im Repertoire - doch dank Krämer sind sie es eben leider nicht.


    Ich denke, Lauffenberg würde es leichter haben, wenn er noch ein paar dieser Repertoirestützen hätte, wie das in Berlin, München und Hamburg der Fall ist. Die Kölner Vorstellungen, die ich bisher besucht habe, waren alle nicht so gut besucht trotz teils illustrer Namen.

  • Zitat

    Original von Knusperhexe
    Die Kölner Vorstellungen, die ich bisher besucht habe, waren alle nicht so gut besucht trotz teils illustrer Namen.


    Was aber keine Rückschlüsse auf die gebotene Qualität zulässt! Die Oper wird noch unter dem Ruf leiden, den der letzte Intendant zu verantworten hat!

  • Zitat

    Original von Knusperhexe
    Die Oper war unter Dammann besser besucht als unter Krämer.


    Ich kenne die Zahlen nicht, weiß aber, dass z.B. am 28.9.08 (Káta Kabanová) die Ränge geschlossen blieben! Aber davon abgesehen wiederhole ich noch einmal, dass dies keine Rückschlüsse auf die gebotene Qualität zulässt. (Übrigens: Káta Kabanová war (keine Kölner Produktion) ausgezeichnet.)
    Leider verbinde ich mit der Ära Dammann aber auch sehr schlechte Inszenierungen: Eine grauenvolle Zauberflöte, einen langweiligen Figaro und einen Orpheus in der Unterwelt, den ich nicht mehr sehen konnte, da er vorzeitig abgesetzt wurde!


    :hello:


    Gerd

  • "Orpheus in der Unterwelt" habe ich leider auch nicht gesehen. Habe aber von einigen gehört, dass das gar nicht so schlimm und wohl eher ein Antwerpes-Racheakt gewesen sein soll. Ich kann es nicht beurteilen. Aber ich glaube gefallen hätte es mir auch nicht.


    Die Krämer-Intendanz ist bei mir komplett unter Missgriff abgespeichert. Da hat mir bis auf "Fledermaus" nix, aber auch gar nix gefallen. Und gesanglich ging es auch bergab. Und dann konnte man sich noch nicht mal von den alten werktreuen Inszenierungen verabschieden. Schwupps, waren die entsorgt und futsch.


    Bei der Intendanz Dammann gab es viel Licht, aber eben auch viel Schatten. Vielleicht nicht ganz in der Relation, doch wenigstens gab es ab und an schöne Opernerlebenisse (Hänsel, Kata, Lohengrin, Freischütz, Cosi, Butterfly).


    Na ja , schauen wir mal, wie sich das jetzt unter Lauffenberg weiterentwickelt. Vor der Hilsdorf-Traviata graut mir allerdings schon.