• da ich nicht so ganz zufrieden war, hier die neufassung - vielleicht interessiert es ja noch jemanden ...




    Traumlid



    Meine Augen sind groß,
    sternblaue Fragen,
    zwei Kinder aus Schlaf


    Sie kommen wie Regen,
    und eine Iris
    begreift fast das Meer


    So schöpfen sie Jahre -
    doch ihre Brauen
    sind stumm


    Denn in Lider verlieren sich Wolken,
    und ein Sand
    schreibt Traum ins Gesicht


    Er sammelt die Wimpern;
    dann formt er
    zwei Namen aus Ton


    Ja, groß sind die Augen -
    doch alles bleibt Lauschen,
    ein Nachtspiel,
    verjährt


    Ihr Blau erntet Himmel:


    Stille,


    bis ein Erdkrug zerbricht



    c) 2010, Jörg Borse

  • LXXXVI.



    Aus Liebe



    Wer wird an einem Grabe steh’n
    und Himmel schwingen
    wie zwei Kerzen?


    Wer vorangeh’n
    und die Tränen waschen
    wie das Blut aus einem Mund?


    Wer noch in die Nächte singen
    und schon wissen,
    wie ein Gesicht zerrinnt?


    Und wer soll sagen,
    wie die Wunden klingen -
    in den Händen Augen und Gedicht?


    Wer wird Erde in die Erde streu’n,
    und auch die Lippen nehmen
    aus dem Rund?


    Wer kann dann mit den Engeln ringen,
    und ist ein Schatten,
    der sich auf den Tod besinnt?


    Wer vergißt zu atmen
    und schließt das Tuch und weint?


    Wer ahnt,
    wie seine Totenmaske bricht?


    Und wer wird wie diese Worte bleiben,
    nicht gesagte,
    die wie Kinder,
    und doch wie alte,
    weiße Herzen sind?




    (c) 2010, Jörg Borse

  • LXXXVII.



    Allerseelen



    Ein Atem, verschnitten,
    und Zungen wie Gras


    Augen verwachsen:
    ein Zittern -
    kein Tier, das uns salbt


    An der Seite bloß Ranken -
    Stille
    als Traum, der bewacht


    Zu Haar werden Dornen,
    und unsere Lippen
    gehen voran


    Denn niemand wiegt Schritte
    oder entflechtet ein Lid


    Nur Wolken
    schlagen noch Wunden:


    Kein Atmen -


    selbst die Engel
    spüren uns auf




    (c) 2010, Jörg Borse

  • hm... seit knapp 6 monaten zwar hunderte/tausende klicks, aber nun gar keine irgendwie gehaltene reaktion auf die eingestellten gedichte ...


    langweile/ ratlosigkeit/ zu viel des guten/ desinteresse ???? ?( ?( ?(

  • Zitat

    Original von klingsor



    langweile/ ratlosigkeit/ zu viel des guten/ desinteresse ???? ?( ?( ?(


    Nein - jedenfalls von meiner Seite neben inzwischen chronischem Zeitmangel vor allem das Unvermögen, mein Erleben Deiner Gedichte in Worte zu fassen. Ganz banal: ich freue mich immer wieder daran und darüber!


    LG, Elisabeth

  • Lieber Klingsor,
    schön sind sie Deine Gedichte. Sie erbauen und erfreuen. Schade, dass Du Feedback anfordern musstest.
    Aber tröste Dich mein Lieber, viele große Dichter und Komponisten haben die verdiente Anerkennung erst nach längerer Zeit bekommen.
    Bitte weiter so. Mit den Taminos hast Du eine ganz elitäre Leserschaft.
    Herzlichst
    Operus

    Umfassende Information - gebündelte Erfahrung - lebendige Diskussion- die ganze Welt der klassischen Musik - das ist Tamino!

  • liebe elisabeth, lieber operus,


    vielen lieben dank für eure so liebe rückmeldung. ich freue mich sehr darüber und nehme sie als herausforderung und ansporn für weiteres. :yes: :lips:


    generell stellte ich einfach ein erhebliches abflauen bzw. versiegen der rückmeldungen fest ( auch ein einfaches gefällt mir/gefällt mir nicht ist willkommen; wenn noch erläutert wird, warum, umso mehr) - natürlich sind wohl die meisten der 'früheren und eifrigeren rückmelder' nicht mehr in tamino - aber einige sind geblieben und neue hinzugekommen. ich wollte nicht for compliments fishen :-), sondern einfach einmal einen 'stand' haben, ob überhaupt noch interesse besteht, die gedichte zu lesen und sich damit auseinanderzusetzen.


    schön, dass es wohl so ist und - lieber operus - danke für den weithergeholten vergleich mit großen künstlern - :P ich sehe mich da ganz unten auf der skala - und hoffe, dass ich noch ein wenig emporsteigen kann - platz ist ja noch viel. :D


    herzlich
    :hello:

  • Lieber Klingsor,


    vielen Dank für Deine Gedichte! Ich persönlich beschäftige mich auch viel mit Gedichten, Haikus und Lyrische Geschichten ect.. Du hast eine Fülle Deiner Gedankensplitter mit uns geteilt - schön!


    Für Deine Gedichte brauche ich mehr Zeit um die tiefer Deiner Aussage heraus zu schöpfen. Um ein wirkliche Beurteilung zu schreiben, muss ich Deine Art zu Denken noch erfassen. Vielleicht hast Du zu einigen Deiner Verse einen "Zugang" gelegt. Lass es mich wissen.


    Ein schönes Wochenende


    detlef

  • lieber detlef, auch dir herzlichen dank für deine rückmeldung. ich freue mich! :yes:


    was den zugang betrifft, tja ... das ist ja immer sehr schwierig. ich bekomme immer wieder eine bitte danach, aber es ist für den autoren kaum zu bewerkstelligen, wenn 'zuviel' in jedem einzelnen werk mitschwingt. da bleibt alles fragmentarisch, wird falsch gewichtet und spiegelt notgedrungen nur einen bruchteil wieder. viell. hast du ja einfach mal muse und muße, den thread durchzulesen sukzessive, da habe ich immer wieder einmal zu werken im ganzen und im einzelnen bezug genommen. ansonsten frag einfach jeweils nach. ich werde mich dann bemühen ;)
    auch dir ein schönes we


    lg
    jörg :hello:

  • Hallo Klingsor!


    Ich bin jemand, der es mit dieser gelesenen Poesie nicht so hat. Gelegentlich schaue ich hier mal rein, wenn ich sehe, dass du hier einen neuen Beitrag gebracht hast.
    Auch wenn du hier (wie auch von mir - hey das reimt sich :jubel:) wenig Rückmeldung bekommst: Mach einfach weiter so. Ich glaube du erreichst mit deinen Werken hier mehr Leser asl du dir vorstellen kannst.

  • Santorin



    Ihre Tore sind nackt -
    Blau aß vom Meer


    Salz nagt an Pfetten,
    und der Tod
    ist in Scheiben gekerbt


    Auf Firste hat man
    den Nachtputz gestreut -
    tausend Wände,
    wie Binsen verbraucht


    Nur ihre Schwellen sind leicht:
    Alles scheint weiß,


    doch sie wachsen zu nichts




    (c) 2010, Jörg Borse

  • Abschied



    Gräber-Sagen


    Erdlaut
    lippenabgeworf’nes Wort


    Blüten-Stammeln
    Narben


    und ein abgeträumtes Herz


    Silben
    verwachsen


    und nur Augen
    verweigern


    Übermaß
    an Tod



    (c) 2010, Jörg Borse

  • Blessen



    Wir weben am Firn,
    und tragen Flicken um’s Herz


    In der Früh’ sind wir Tiere,
    und unser Schweif
    trennt Garne entzwei


    Doch über Nacht,
    da kehr’n wir als Blessen zurück -
    fast Schneehöhlen sind wir,
    und Bleiche und Tod


    Dann lösen wir Mähnen,
    denn alles, was bleibt,


    sind drei Fäden,
    verharzt



    (c) 2010, Jörg Borse

  • Myrrhe


    Worthure, komm’,
    löse mich aus!


    Leg’ Dich auf Silben,
    und über Seiten
    streich’ Myrrhe und Rauch


    Denn läufig sind Sätze,
    und Deinen Fingern,
    den mangelt es nicht


    Auf, Nachtmetze, komm:
    Jetzt nimm mich zu Dir!


    Ich beginne zu beten,
    doch als Psalm
    erstehen die Kiele nicht auf!



    (c) 2010, Jörg Borse

  • Dein Tod



    Dein Tod ist schön


    Im Rund liegt ein Sterben -
    ein Grab
    hinter der Stirn


    Sein Atem ein Spiegel
    und Wolkenblätter,
    verdreht


    Fast Sterngänger ist er,
    eine Stimme aus Luft


    Ich halt' ihn fest wie den Himmel,


    doch auch er löscht mir bloß
    den Totenduft aus




    (c) 2010, Jörg Borse

  • nehmt meinen dank, ihr holden leser –


    mit diesen leicht abgewandelten worten einer wunderbaren
    mozart-arie möchte ich mich verabschieden und allen leserinnen und lesern dank
    sagen für interesse, wohlgefallen, treue und (fundierte) kritik. ^^ ^^ ^^


    denn die zeit ist gekommen: das buch wird ende 2010 / anfang 2011 endlich erscheinen mit genau 86 der 87 hier veröffentlichten gedichte
    und kann bei interesse gerne bei mir erworben werden.
    ich möchte hier keine weitere werbung machen.


    dies ist somit auch der anlaß, den aktuellen thread zu schließen.


    eine neue periode beginnt. – vielleicht irgendwann mit Eigenes II. ;)


    es grüßt herzlich



    jörg



    :hello: :hello: :hello: :hello: :hello: :hello: :hello: :hello: :hello: :hello: :hello: :hello: :hello: :hello: :hello: :hello: :hello: :hello: :hello: :hello:

  • Lieber Jörg,
    herzlichen Dank für die Gedichte, die mich viel zum Nachdenken angeregt haben, auch wenn ich im letzten Jahr nicht mehr dazu gekommen bin, eigene Beiträge dazu zu schreiben.
    Das war so etwas wie ein kleines Stück gemeinsame Geschichte, die zuende gegangen ist.
    Ich schließe mich den guten Wünschen von Elisabeth an und wünsche viele Erfolg mit dem Buch und freue mich auf Deine neuen Pläne.
    Herzliche Grüße,
    Walter

  • lieber walter, ganz herzlichen dank für deine worte und wünsche. und ebenso für deine klugen und reflektierten beschäftigungen mit meinen arbeiten! über alles drei habe ich mich sehr gefreut!!
    vielleicht lesen wir uns ja bald wieder
    herzlich jörg


    :hello:

  • Wie vielleicht einige von euch wissen, habe ich meine 87 hier bereits
    veröffentlichten gedichte nochmals intensiv für meine
    buchveröffentlichung überarbeitet. gerne stelle ich diese (eines wurde
    ganz verworfen) ab morgen in regelmäßigen abständen vor. sie werden
    alphabetisch erscheinen und unterscheiden sich zum teil doch recht
    deutlich von den ersten versionen. vielleicht stoßen sie ja auf
    interesse.


    viel freude beim lesen. auch rückmeldung wird gerne gesehen :)


    herzlich


    jörg

  • Allerseelen




    Ein Haupt, verschnitten,
    und kälter als Gras


    Hüllen zerfallen,
    Zittern -
    kein Tier, das uns salbt


    In der Seite bloß Ranken -
    ein Klafter als Statt


    Zur Haut werden Dornen,
    und Lichter
    wuchern im Genick


    Kein Salz erlöst
    oder entflechtet ein Lid


    Nur Fleisch
    reißt noch Wunden -


    selbst die Engel
    spüren nichts auf



    (c) 30.XII.2007
    J.B.

  • Anrufung



    Ich rufe Dich zu mir,
    greife in die Tollkirschnacht


    Ich rufe Dich, Totes,
    herunter,
    in den Sommer hinein


    Denn Deine Asche,
    die will ich,
    und brech’ sie zum Zweig


    Zum Rachen,
    als Dorne,
    wo die Iris verlacht


    Auf, klaff’ die Zunge,
    dann kappe die Lust:
    Du, Liebe, heran,


    Dich rufe ich jetzt!



    (c) 2011
    J. B.

  • Apfelmund


    Dreimal hab’ ich
    die Losung gesagt,
    und dreimal die Luft
    mit Sesam bemalt


    Küsse hab’ ich geöffnet,
    drei Stück an der Zahl,
    und auch mit den Äpfeln
    aus Erde gespielt


    Drei Daunen trug ich,
    fing Sterne im Tuch,
    und die Auen
    sangen mit Falken dazu


    Dreimal drei Feen
    hab’ ich beschwor’n,
    selbst Wünsche
    auf die Ruten gelegt


    Mit Himmeln im Stiefel
    schnitt ich goldenes Haar -
    und Isegrim hab’ ich
    über die Wälder gejagt


    Da fiel der Mond
    aus den Schäften heraus,
    und Meilen, gar sieben,
    rief’s Wunderhorn fort


    Doch alles vergebens -


    denn hinter den Bergen
    hat das Loswort versagt:


    Kein Prinz sucht’ nach Drachen
    oder hellrosa Schuh -
    erlegt sind die Wolken,
    und mein Glasherz zersprang


    Auch’s Schwanenkleid brach,
    und ein Spielmann
    schnürt’ sich die Leiern um’s Wams


    Selbst die Zwerge
    gingen auf Wurzeln vondann’n -
    zwei Kappen, tiefrot,
    über pechschwerem Schopf


    Denn blaß sind die Märchen,
    und eine Flöte, fast silbern,
    führt alle Mündel nach Haus


    So sag’ ich die Losung
    und folge der Schar:


    Mich locken drei Rätsel -


    die Bissen
    Deines Apfelmunds



    (c) 2011
    Jörg Borse

  • Ich will


    In Deinem Atem will ich geh’n,
    ein Lächeln trinken
    aus den Jahren,
    Lilien um die Namen schlagen
    und wie
    vor einem Engel steh’n


    Denn dort
    wirst Du ein Leben reichen,
    ein Weinen
    in die Schalen geben,
    dann den einen Himmel teilen
    und uns als einen Kuß
    versteh’n


    Und ich,
    ich werde mit den Tränen reifen,
    vor den Sternen auf die Knie sinken,
    noch den einen Schleier heben
    und wie ein Augenblick
    vergeh’n




    (c) 30.V.2010
    J. B.

  • Aria II: Dein Mund



    Wortlippen, nackt


    Zungen
    verbeißen den Duft


    Rot wird entflochten,
    und hinter Zähnen
    ist die Schlacke gezählt


    Der Speichel, gespalten,
    denn ein Kiefer
    hat den Sommer verbraucht


    Eine Kehle liegt brach:


    Worthöhlen, nackt,


    und nichts
    flockt mehr aus




    (c) 28.III.2005
    J. B.

  • Späte Rosen



    Einen Kranz werd’ ich küssen,
    späte Rosen
    und den Buchs,
    der nie mehr einer Bitte gleicht


    Und weiße Schritte
    und den Sonnenbogen,
    der ein Koosen
    von dem Morgen streicht


    Und Hände,
    die noch werden sollen -
    und auch ein Ahnen
    wie ein Zeichen,
    ein Schreiten
    wie ein Innehalten,
    und dann den Schmerz,


    der bis
    zu einem Abscheid reicht




    (c) 11.X.2011
    Jörg Borse