Joe Zawinul ist tot

  • Jazz-Legende Joe Zawinul ist tot. Der Jazz-Pianist, Keyboarder, Komponist, Arrangeur und Bandleader ist 75-jährig im Wilhelminenspital gestorben. Von Erdberg aus startete Zawinul Ende der 50er Jahre eine Weltkarriere.


    Nähere Einzelheiten gibt es hier:



    Joe Zawinul ist tot


    LG
    Harald

    Harald


    Freundschaft schließt man nicht, einen Freund erkennt man.
    (Vinícius de Moraes)

  • Danke Harald, daß Du auf diese traurige Tatsache hingewiesen hast !
    Ich habe die Nachricht im Autoradio gehört, der DLF hat eine schöne Würdigung gebracht und wird am Freitag ab 22.05 Uhr in den Jazz-Facts ein Special senden.


    Für mich ist Joe Zawinul ein ganz Großer, auch wenn er nicht immer direkt im Rampenlicht stand.


    Ein paar wesentliche Titel unter seiner Mitwirkung möchte ich noch erwähnen:


    Mercy, mercy, mercy mit Cannonball Adderly
    = Westcoast par excellence
    In a silent way und Bitches Brew mit Miles Davis
    = Die Verschmelzung von Jazz mit Rock
    Birdland und A Remark you made mit seiner Gruppe Weather-Report
    = Die Kommerzialisierung im Jazzrock


    und mein momentaner Favorit:


    Brahms:Haydn-Variationen op. 56a für 2 Klaviere


    mit Friedrich Gulda :jubel: :jubel: :jubel:


    Goodbye Joe !

  • :(


    Ich habe eine alte Aufnahme mit Cannonball und Nat Adderly (und J. Lateef) auf der Joe mitwirkte - eine der schönsten Mainstream/Hardbobscheiben, die ich besitze...


    Danke für die Nachricht, Harald !


    Requiem aeternam...

  • Ein Österreicher, der die Welt eroberte, mit seinem Jazz
    Zum Tode des genialen Jazzmusikers habe ich mich auf die Suche eines schönen Nachrufes gemacht!
    Ich konnte Joe Zawinul noch bei der Eröffnung der Wiener Festwochen miterleben.


    Joe Zawinul: Österreichs Jazz-Export lebte mit großem Auftrag


    Joe Zawinul war ein bedeutender Keyboarder, Weltmusiker und echter Wiener zwischen Erdberg, New York und Malibu. Joe Zawinul revolutionierte den Jazz Foto: APWer Welthits wie "Mercy, Mercy, Mercy" und "Birdland" geschrieben hat, lebt mit einem großen Auftrag. Noch wenige Monate vor seinem Tod hat sich Joe Zawinul zu seinem 75er weniger feiern lassen, als dass er sich um den raren heimischen Jazz-Nachwuchs sorgte. Immer öfter war der gebürtige Wiener, der das Ruhmes-Lametta oft abzuschütteln versuchte und immer erdig blieb, wieder in Österreich zu sehen. Er hielt Workshops ab - in der Hoffnung, einer könnte bald schaffen, was ihm gelungen ist. Heute, Dienstag, ist Zawinul im Wiener Wilhelminenspital verstorben.


    Revolutionär. Zawinul hat mit den berühmtesten Jazzern der Welt dieses Genre revolutioniert und wurde vom renommierten Jazzmagazin Down Beat gleich 28 Mal zum besten Keyboarder gewählt. Sein 75. Geburtstag am 7. Juli hatte ihn da nicht mehr sonderlich aufregen können: Der 75er sei "keine besondere Sache für mich", schilderte der aus Wien-Erdberg stammende erfolgreichste Jazzexport Österreichs damals im Gespräch mit der APA. Er selbst wollte "nicht groß feiern", sondern sich "mit Freunden einen guten Schnaps und ein gutes Essen genehmigen". Immer wieder musste er sich allerdings schon zu dieser Zeit wegen einer Krebserkrankung behandeln lassen. Anfang August wurde die gesundheitliche Situation akut und er begab sich nach seiner letzten Tournee in stationäre Behandlung.


    Welthits. Der am 7. Juli 1932 in Wien geborene Keyboarder, Weltmusiker und echte Wiener zwischen Erdberg, New York und Malibu machte sich mit Hits wie dem dreifachen Gnadengesuch und "The Country Preacher" einen Namen innerhalb der Jazzszene, nachdem er 1959 eigentlich wegen eines Klavierstipendiums in die USA gegangen war. Schnell wurde er bei Dinah Washington und in Cannonball Adderleys Band zum gefragten Musiker. An Selbstbewusstsein hat es Zawinul nach eigenen Bekunden auch angesichts bedeutender Mitmusiker nie gemangelt - wer noch könnte schon von sich behaupten, dass er ein Angebot des ewigen Superstars des Jazz, Miles Davis, ausgeschlagen hat? Zawinul tat's, mit den Worten: "Nein. Es ist nicht die Zeit dafür", als Davis Zawinul im legendären New Yorker Jazzclub "Birdland" fragte, ob sie nicht zusammen spielen sollten.


    Wegweisendes Jazz-Album. Als die Zeit für Zawinul dann gekommen schien, revolutionierte er mit Davis den Jazz: Auf dem wegweisenden, nach einer Zawinul-Komposition betitelten Album "In A Silent Way" und auf "Bitches Brew" warfen Davis und Zawinul mit einer Riege von Jazzstars die alten Hörgewohnheiten über den Haufen. Der Electric Jazz war geboren, und Zawinul war an vorderster Front mit dabei. 1970 gründete er die Band Weather Report und machte diese zu einer der bedeutendsten Jazz-Rock-Formationen - mit Saxophonist Wayne Shorter, Schlagzeuger Peter Erskine und Bassist Jaco Pastorius an seiner Seite.


    Ich finde diesen Artikel der Kleinen Zeitung, für einen sehr schönen Nachruf, für Joe Zawinul

  • Ich konnte Joe Zawinul in einem legendären Konzert zusammen mit Friedrich Gulda 1986 im Wiener Konzerthaus erleben. Was die beiden in die Tasten gezaubert haben, war sensationell, die gleichzeitig fordernde und blinde Übereinstimmung. Von dem Wiener Stadthallenkonzert mit Gulda und Corea kenne ich nur eine Videoaufzeichnung. Legendär auch die Salzburger "Session" nach Guldas Konzert in dem Sommer, als Gulda den Salzburger Festspielen absagte, aber mit Harnoncourt zusammen auftrat und nachts eine Session mit Zawinul spielte. (War auch im ORF zu sehen.) Anfang der 90er gab es dann mal im Theater an der Wien zwei Konzerte mit dem Orchester des Theaters, das bleibt mir auch unvergeßlich.
    Zawinul spielte auch in Versionen für ein Klavier (auf einer LP) und für zwei Klaviere (mit Gulda) die Haydn-Variationen von Brahms, natürlich "free".



    Herzlicher Gruß
    Alexander

    Freundlicher Gruß
    Alexander

  • Hallo,


    bei Joe Zawinul war ich stets im Zwiespalt: Als Pianisten bei Adderley oder Davis fand ich ihn großartig. Als Instrumentalisten später grenzwertig inmitten seiner Türme von Keyboards. Als andere längst die scheinbar unbegrenzten Möglichkeiten des Synthesizers ausloteten, blieb er doch sehr stark an seiner einmal entwickelten Strategie der Nutzung der Möglichkeiten haften. In dieser Zeit aber bewunderte ich ihn als eine Art Zeremonienmeister der von ihm geleiteten Bands. Wildeste rythmische Orgien, sowohl bei Weather Report, als auch später im Zawinul Syndicate, hielt er erstaunlich souverän zusammen. Auch sein Händchen für hervorragende Musiker, das er möglicherweise Miles Davis abgeschaut hat, fand ich bemerkenswert. Insbesondere Bassisten unglaublichen Kalibers zauberte er stets aufs Neue aus dem Hut. Von Jaco Pastorius brauchen wir nicht reden, später aber machte er z.B. die Wunder-Bassisten Richard Bona oder Etienne M'Bappe aus Afrika schlagartig bekannt.


    Die letzten drei Konzerte, die ich in den vergangenen zehn Jahren von Zawinul sah, überzeugten mich weniger durch sein Spiel, als durch die unglaubliche Dynamik, die seine Bands unter seiner Leitung erzeugen konnten. Da machte ihm kaum einer was vor. Seine Fähigkeiten als Talentspäher werden schmerzlich fehlen. Ich habe in den letzten zwei Tagen in Gedenken noch einmal einige Stationen Zawinuls durchgehört. Am beeindruckendsten bleiben bei mir dabei Live-Aufnahmen mit Adderley, die Live-CD "8:30" von Weather Report und die Zawinul-CD "World Tour" haften.



    Seine "klassischen" Ausflüge kenne ich nicht. In dem Punkt bin ich immer etwas skeptisch, gleichwohl genauso, wenn Klassiker meinen, ein wenig jazzen zu wollen. Für mich ist also ein in seinen ersten zwei Jahrzehnten großartiger Pianist und in seinen darauf folgenden Dekaden hervorragender Bandleader gestorben. Er wird vermisst werden.


    LG
    B.

  • Ich habe mit Bestürzung die Nachricht aufgenommen, dass Joe Zawinul verstorben ist, da ich ihn noch bei der Eröffnung der Wr. Festwochen gesehen habe.
    Durch seine Gruppe Weather Report kam ich dem Jazz näher, konnte ihn auch mehrmals live erleben. Immer ein genuß.
    Schade um diesen großen Musiker, der in seiner Musik uns erhalten bleibt.
    mfg öli

  • Er war einer der ganz Großen des Jazz.
    Das Erscheinen der Doppel-CD von einem seiner letzten Konzerte gibt mir einen Anlaß, diesen alten Thread nochmal nach vorne zu holen:



    Joe Zawinul
    75th

    2 CDs
    Erscheinungstermin: 24.10.2008
    Label: BHM, 2007


    Zitat

    Am 11. September 2007 starb der österreichische Künstler kurz nach Beendigung seiner Sommertournee mit seiner Band »The Zawinul Syndicate«. Am 7. Juli 2007, an Zawinuls 75. Geburtstag, wurden im Rahmen des Jazzfestivals in Lugano anlässlich des Konzertes von Joe Zawinul und seiner Band die letzten Mehrspuraufnahmen gemacht. Die Hingabe und unglaubliche Seele ist hörbar, die unheimlichen melodischen und harmonischen Erfindungen, die innere Getriebenheit und die grenzenlose Lebenskraft dieses Mannes sind spürbar auf jedem dieser Live-Tracks.
    Am 2. August 2007, dem zweitletzten Konzert, das Zawinul je gespielt hat, kam es zu einem Wiedersehen mit seinem langjährigen musikalischen Weggefährten aus Weather Report-Tagen, Wayne Shorter. Das hier vorliegende 14 Minuten lange Duett (»In A Silent Way«) ist pure Magie und bezeugt letztmalig das großartige Zusammenspiel dieser beiden Musiker.


    LG Harald

    Harald


    Freundschaft schließt man nicht, einen Freund erkennt man.
    (Vinícius de Moraes)

  • Die von Harald dankenswerterweise eingestellte Doppel-CD vom Konzert an Joe Zawinuls 75. Gebrutstag am 7.7.2007 in Lugano habe ich jetzt auch. Die Studio-Aufnahmen des Zawinul Syndicates waren so gar nicht mehr mein Geschmack, aber live blieb er viel besser. Schon auf der von Barbirolli eingestellten "World Tour" waren einige schöne Zeugnisse seiner äußerst lebendigen Live-Aufnahmen.
    Auch sonst kann ich alles unterschreiben, was Barbirolli oben geschrieben hat. Die Zawinul/Gulda gefällt mir jedoch auch sehr gut. Die Bearbeitung ist frei genug und Gulda hatte m.E. genug Jazz-Feeling und -Erfahrung, so dass dies eine tolle Aufnahme wurde.


    Diese gefällt mir jetzt aber noch wesentlich besser als die "World Tour". Der Bassist Linley Marthe und 4-5 Percussionisten/Drummer sorgen für ein ständiges Brodeln. Zwar sind Zawinuls Synthie-Sounds auch hier wenig originell und ich bin generell kein Freund des Synthesizers (es sei denn, Sun Ra bearbeitet eigentlich richtig Schei...klingende LO FI-Geräte) Wie er hier aber die stets einfachen Melodien zerlegt, sich den Stimmen und der Gitarre anverwandelt und dabei für weitere rhythmische Gegensätze sorgt, hat schon was.
    Was mich jedoch wirklich begeistert, ist eine Beigabe von einem noch späteren Festival-Auftritt in Ungarn, ein fast viertel-stündiges Duett mit seinem alten Weather Report Wayne Shorter am Sopran-Sax, in dem sie sehr frei über "In a silent way" improvisieren. Hier gefällt mir auch Zawinuls Sound: Die asthmatische Orgel paßt hier großartig zum sehr durchdacht, aber gefühlvoll viel Raum lassenden Spiel Shorters, der die bekannte Melodie faszinierend weiträumig umschwebt.


    :hello: Matthias

  • .....zuletzt hatten wir von seinem 75. Geburtstag gesprochen:



    ....und heute hätte er seinen 80. Geburtstag feiern können.


    Josef Erich „Joe“ Zawinul (* 7. Juli 1932 in Wien; † 11. September 2007 ebenda) war einer der einflussreichsten Jazz-Musiker des 20. Jahrhunderts.
    Zunächst als Pianist und Keyboarder, dann auch als Komponist, Bandleader und Arrangeur prägte er mehrere Jahrzehnte lang die internationale Musikszene.


    LG


    :hello:

    Harald


    Freundschaft schließt man nicht, einen Freund erkennt man.
    (Vinícius de Moraes)

  • Heute vor 5 Jahren habe ich an dieser Stelle seinen Tod vermelden müssen:


    Josef Erich „Joe“ Zawinul (* 7. Juli 1932 in Wien; † 11. September 2007 ebenda) war einer der einflussreichsten Jazz-Musiker des 20. Jahrhunderts.
    Zunächst als Pianist und Keyboarder, dann auch als Komponist, Bandleader und Arrangeur prägte er mehrere Jahrzehnte lang die internationale Musikszene.



    LG

    Harald


    Freundschaft schließt man nicht, einen Freund erkennt man.
    (Vinícius de Moraes)