Welche Musik Rembrandt wohl hörte ?

  • Guten Tag


    angeregt durch die höchst sehenswerte "Rembrandt-Ausstellung" im Schwetzinger Schloß, welche Musik wird wohl Rembrandt Harmenszoon van Rijn (* 15. Juli 1606 in Leiden; † 4. Oktober 1669 in Amsterdam) gehört, welche Komponisten gekannt haben ?
    Zeitlebens ín seiner Heimat verwurzelt, wird er wohl viel niederländische Musik seiner Zeit gehört haben.
    Vielleicht kannte er Jacob van Eyck (1590 - 1675 ), den blinden Glockenexperte und Blockflötenvirtuose, bekannt u.a. durch seine Sammlung "Der Flyden Lusthof" ? Van Eyck war einer der außergewöhnlichsten Komponisten im holländischen Musikleben während des "Goldenen Zeitalters".


    Gruß :hello:


    aus Schwetzingen


    Bernhard

  • Da gibt es doch diese hier:




    Sehr ansprechend gemacht und für kleines Geld zu haben.


    Und vieles, was in die Zeit und die Region gehört, hast Du doch sowieso garantiert im Schrank stehen. :D


    Den Fluyten Lust-Hof würde ich aber nicht an einem Stück hören wollen, obwohl ich damit



    in der Lage dazu wäre. Die Aufnahme ist wunderbar gemacht, aber es ist doch verdammt viel Blockflöte. :D

  • Guten Tag



    Hab mal die Scheibe geordert, will, wenn ich die Ausstellung wieder besuche, echte "Rembrandt-Musik" hören :hahahaha:


    Zitat

    Und vieles, was in die Zeit und die Region gehört, hast Du doch sowieso garantiert im Schrank stehen. :D


    Klar, der Zeitraum ist schon gut vertreten :D, und in Holland wurden ja schon immer Notenmaterial verlegt.
    Suchte noch was "Niederländisches" :yes:


    Zu Van Eyck, hab auf "Globe"



    was Interessantes gefunden.


    Gruß :hello:


    aus der Kurpfalz


    Bernhard

  • es gibt hierzu bereits einen ähnlichen Thread:


    Niederländische Barockmusik



    ich muss sagen, die Aufnahme die mir bisher am Besten mit Holländischer Musik gefallen hat, stammte von dem Ensemble "The Newberry Consort" mit Paul O'Dette (im oben genannten Thread vorgestellt)





    aber auch die da vorgestellte CD mit "Speelstukken" von David Petersen ist außergewöhnlich gut!

  • Eher durch einen Zufall bin ich hier bei diesem Thread gelandet. Ich bin mir eigentlich nicht sicher ob Rembrandt überhaupt eri Verehrer der Musik war. Als aufhänger für eine CD ist er aber allemal interessant, vielleicht auch, weil sich der eine oder der andere aungeregt fühlt, sich näher mit der Vielzahl seiner Gemälde zu befassen, die in erster Hinsicht eine Portraitsammliung wohlhabender holländischer Birger und Honoratoren des 17, Jahrhunderts sind.

    Der Grund für meine heutige Beteiligung ist indes ein anderer:

    Die in Beitrag Nr 2 gezeigte CD , Van Eyks "Der Fluiten Lusthof" kamm mir vor etlichen Jahren in einem Wiener Plattengeschät in die Hände - und ich verschmähte ihn - ich bin kein Liebhaber der Blockflöte- Gleich 2 CDs ? IGIGITTT


    Hildebrand schrieb vor 13 Jahren;

    Den Fluyten Lust-Hof würde ich aber nicht an einem Stück hören wollen, obwohl ich damit



    in der Lage dazu wäre. Die Aufnahme ist wunderbar gemacht, aber es ist doch verdammt viel Blockflöte. :D

    Kein Wunder , dachte ich bei mir, das ist ja nervtötend - und mit "Lust" wird das nur in seltenen Fällen verbunden werden.

    Und dann sah ich am Cover etwas, was ich jahrelang (ich sah dieses Cover immer wieder im Ihnternet ) übersehen habe:

    Das kleine Wörtchen "selection" auf dem Cover !!

    WAAAS ? Das ist noch nicht alles ?

    Wie viele CDs umfasst denn dieses Werk ?

    .....

    Und dann fand ich DAS !!!!

    Die GESAMTAUSGABE auf NEUN ! CDs


    Den Flötenfreunden muß ja geradezu das Herz im Leibe lachen (vie man in vergangenen Zeiten sagte)

    Noch dazu wo es eine hervorragende Kritik von der Musikkritikerin und -Wissenschaftlerin Dr Ingeborg Allihn im Fono Forum dazu gibt.

    Ein Ohrenschmaus also - für Spezialisten !!!


    mfg aus Wien

    Alfred

    Interpreten SIND Sklaven !

  • Als Blockflötenspieler ist es mir total unverstandändlich, weshalb Blockflötenmusik im Forum als nervtötend beschrieben wird. 8) Die Laurin Box mit Musik von Jacob van Eyck steht im Regal und ich höre sie immer wieder, wenn ich die Stücke spiele und übe. Die Werke van Eycks sind oft Variationen von Melodien, die in den Niederlanden der damaligen Zeit beliebt waren.


    Rembrandt van Rijn lebte von 1606 bis 1669. Diese Sammlung auf vier CDs dieser Box vereinigt Musik des Goldenen Zeitalters der Niederlande. Keine Angst: Sie wird abwechslungsreich dargeboten.



    Aus der Produktinformation:


    Würden wir uns mit einer Zeitmaschine zurück ins 17. Jahrhundert begeben, in das niederländische Goldene Zeitalter – die Zeit von Rembrandt –, wären wir erstaunt über die effizienten Kommunikationsmittel, über die Erreichbarkeit von Ländern und Städten und über die Geschwindigkeit, mit der sich eine Mode in ganz Europa verbreiten konnte. Ein Bürger aus Amsterdam, Den Haag oder Utrecht konnte nicht nur Kaffee, Tee, Tabak und Gewürze, die Luxusgüter aus fernen Ländern, sondern auch Musik aus Venedig, Florenz, Rom und Paris kaufen. Möglich wurde dies durch gut organisierte internationale Handelsrouten und durch engagierte Reisende, die sich in fremden Ländern inspirieren ließen und bei ihrer Rückkehr innovative Ideen und modische Trends verbreiteten. Hinzu kommt, dass die neueste »ausländische« Musik dank neu entstandener Verlage in Antwerpen und Venedig leicht zugänglich war. Auf vier CDs erscheint nun zum Rembrandt-Jahr ein kosmopolitischer Querschnitt von Musik des 17. Jahrhunderts, wie sie in den Niederlanden gesungen, gespielt und gehört wurde. Die Anthologie beginnt natürlich vor Ort, wo mit Sweelinck, Huygens und van Eyck gewichtige Komponisten der Renaissance wirkten, die mit den Entwicklungen in der französischen und italienischen Musik bestens vertraut waren. Darüber hinaus kommen Komponisten aus Flandern, Frankreich, Italien, England und Deutschland zu Gehör. Rembrandt war mit den neuesten Stilen italienischer Malerei vertraut, ohne das Land besucht zu haben. Genauso kannten Komponisten des 17. Jahrhunderts die Werke ihrer europäischen Kollegen, ohne zwingend in deren Länder gereist zu sein.

    .

    Knochen sind Bausteine. Sie bedeuten nicht den Tod, aber fallen ohne Fleisch auseinander.

    Enno Poppe

  • Ich habe mir die Werke Rembrandt van Rijns angeschaut, ob Musikinstrumente darauf vorkommen.


    Auf der Nachtwache ist am rechten Rand ein Trommler zu sehen. Da das Bild bestens erforscht wurde, weiss man den Namen des Dargestellten: Vom abgebildeten Trommler Jacob Jorisz. ist nur wenig bekannt, er wurde 1591 geboren und starb nach 1646. In einer Aussage gaben Jacob Jorisz. und sein Kollege Josua Jacobsz. vom Bezirk IX am 30. Juli 1646 ihre Jahreseinkommen mit 40 Gulden an, zuzüglich geringer Zusatzeinkommen für Botengänge. Offenbar konnte sich Jacob Jorisz. die Darstellung auf dem Auftragswerk der Nachtwache nicht leisten. Dementsprechend ist er auch nicht auf dem Namensschild aufgeführt, das sich oberhalb der Bildmitte an der Säule befindet. Gleichwohl hat ihn Rembrandt van Rijn aufs Bild genommen.


    Lundens_-_Nachtwache-Kopie.jpg


    The_Nightwatch_Jacob_Jorisz.jpg



    1626 malte er ein Bild, auf dem Musik das Bildthema ist. Ich verweise auf diesen Artikel:

    Musik im Hause Rembrandt, VITALE BLOCH, Oud Holland, Vol. 54, No. 2 (1937), pp. 49-53


    Man google den Artikel. Nach der Registrierung kann man den in deutsch verfassten Artikel lesen.


    Rembrandt_concert.jpg

    Knochen sind Bausteine. Sie bedeuten nicht den Tod, aber fallen ohne Fleisch auseinander.

    Enno Poppe

  • Obwohl es unzählige Darstellungen von niederländischen Malern im 17.Jahrhundert gibt, welche das Muszieren zeigen, so ist doch die niederländische Musik des Barock heute kaum noch bekannt.


    Das "Goldene Zeitalter" in der Kultur der Niederlande umfaßt eine rund einhundert Jahre andauernde kulturelle Blütezeit, die ungefähr das ganze 17. Jahrhundert ausfüllt. In der Mitte des Jahrhunderts arbeiteten in den Niederlanden mehr als 500 Maler.


    Die große Zeit der Musikgeschichte der Niederlande dagegen ist eng verknüpft mit der Niederländer Schule und endet bereits Ausgangs des 16. Jahrhunderts. Unter dem Einfluss der calvinistischen Kirche konnten sich Oper, Passion, Kantate nicht entfalten. So bestimmten Einflüsse aus dem Ausland, allen voran durch Komponisten wie Jean-Baptiste Lully und Johann Sebastian Bach, die zeitgenössische Musik.


    Allerdings nahm das Orgelspiel einen bedeutenden Rang ein. Auch Musizieren in den Familien war ein bevorzugter Zeitvertreib des 17. Jahrhunderts, die Hausmusik wurde gepflegt, es bildeten sich Collegia musica genannte private Musikverbände. Gebräuchliche Instrumente waren Laute, Cembalo, Gambe und Flöte. Viele Gesangbücher wurden veröffentlicht, wenngleich ab Mitte des 17. Jahrhunderts die instrumentale Musik deutlich vorherrschte. Eine der wichtigsten Sammlungen waren die Ausgaben der "Stichtelijcke Rijmen" (erbauliche Gedichte) von Dirk Rafaelszoon Kamphuysen, sowie die von Paulus Matthysz veröffentlichten Instrumentalsammlungen. Constantijn Huygens war als Musiker und Komponist tätig. Er beherrschte das Spiel der Laute, der Viola da gamba, des Cembalos und der Orgel. Jan Pieterszoon Sweelinck war ein niederländischer Organist und Komponist. Als Virtuose und Pädagoge war er international geschätzt und übte maßgeblichen Einfluss auf die Norddeutsche Orgelschule aus. Adriaen Valerius schuf als Dichter geistliche und patriotische Lieder, u.a. der sogenannten "Geusenlieder". Die wohl berühmteste Veröffentlichung ist aber wohl der "Fluyten Lust-Hof" von Jacob van Eyck. Es handelt sich hierbei um Diminutionen für Blockflöte, denen der Melodienschatz des späten 16. Jahrhunderts zugrundeliegt. Van Eyck hatte ein so sagenhaftes Gehör, dass man ihn schon in jungen Jahren als Glockenspieler des Domen in Ultrecht anstellte.


    Jacob van Eyck sowie Constantijn Huygens schufen schätzungsweise 800 Musikstücke und erlangten dadurch eine gewisse, wenn auch heute weitgehend in Vergessenheit geratene Bedeutung für die Musik der Niederlande im 17. Jahhundert.

    Orfeo wünscht euch allen, dass ihr gesund bleibt