Folklore in der Oper

  • Was ist eigentlich mit "Mireille" von Charles Gounod?

    Il mare, il mare! Quale in rimirarlo
    Di glorie e di sublimi rapimenti
    Mi si affaccian ricordi! Il mare, il mare!
    Percè in suo grembo non trovai la tomba?

  • Zitat

    Original von musicophil


    Lieber Theophilus,


    Hat "Treemonisha" von Scott Joplin nicht noch mehr Original-Folklore?


    Eine gute Frage, Paul. Das Problem besteht teilweise darin, wie man bei amerikanischer Musik Folklore definiert. Scott Joplin ist einer der Schöpfer des Ragtime, der meiner Erinnerung nach die ganze Oper durchzieht. Nun ist der Ragtime eine Frühform des Jazz und gilt heute als so etwas wie die Klassik Amerikas. Bezeichnet man das als Folklore, dann ist Treemonisha voll davon, wenn nicht, dann ist Porgy and Bess vielleicht sogar näher dran an Amerikas bodenständiger Musik. Das zu beurteilen bedarf es allerdings eines Berufeneren als mir.


    :hello:

    Ciao


    Von Herzen - Möge es wieder - Zu Herzen gehn!



  • Es freut mich, dass hier auch die "nationalen Opern" der Ungarn erwähnt wurden! Vielen Dank für das Interesse!


    Der "Palotas" in "Hunyadi Laszlo" ist bis heute ein recht populäres Stück, große Bälle werden nicht selten mit diesem Tanz eröffnet. Für das ungarische Lokalkolorit ist das bestimmend wichtig.


    Aber diese Musik hat mit der ungarischen Volksmusik (Bauernmusik) nichts zu tun. Palotas wurde in adligen Kreisen getanzt, die Musik ist mit dem Liedschatz aus dem 18-19. Jahrhundert verbunden, die Quellen sind allerdings recht bunt: Volkslieder und Kunstlieder, Soldatenlieder (verbunkos = Werbung bedeutet auf Ungarisch Soldatenlieder) und Zigeunerlieder, letztere bildeten eine besondere Farbe auf der Palette.


    Seit Bartók und Kodaly wird vorsichtig, aber möglichst strikt zwischen Bauernmusik (=Volksmusik) und Zigeunermusik bzw. Kunstliedern nach dem Muster von Volks- und Zigeunerliedern unterschieden. Die "Musik-Muttersprache" der Ungarn wird eben von den Volksliedern und ihren Eigentümlichkeiten gebildet, die BArtók und Kodaly und die folgenden GEnerationen sozusagen in der 24. Stunde gesammelt haben. Heute könnte man sie nicht mehr hören. Aber sie sind hörbar auf den Schallplatten, die Mitte des 20. Jahrhunderts von der Ungarischen Akademie der Wissenschaften herausgegeben und für die Öffentlichkeit auch erreichbar gemacht worden sind.


    :hello: :hello: :hello:

  • Anklänge an Folklore finden sich in Janaceks "Ihre Ziehtochter" (Jenufa) im ersten Akt (das Rekrutenlied) und im dritten Akt (Lied der Brautjungfern).

    Owe, war sint verswunden alliu miniu jar! Ist mir mein leben getroumet, oder ist es war? (Walther von der Vogelweide)

  • Das Schleierlied in Verdis Don Carlos enthält, wenn schon nicht echte Folklore, so doch unverkennbar folkloristische Anklänge.


    Und um in Spanien zu bleiben: Auch de Fallas "La vida breve" enthält Stücke, die sich sehr stark an den Flamenco anlehnen.


    Viele Grüße


    Mme. Cortese

    Gott achtet mich, wenn ich arbeite, aber er liebt mich, wenn ich singe (Tagore)