Giulini gestorben

  • Hallo,
    obwohl er sicher zu den ganz großen Dirigenten gehörte, hat er - bezeichnenderweise, nämlich seinem "unauffälligen" Image entsprechend - auch in diesem Forum bislang keinen eigenen Thread gehabt, darum an dieser Stelle folgende traurige Nachricht:



    aus den "Salzburger Nachrichten"
    15. Juni 2005 | 12:57


    Der italienische Dirigent Carlo Maria Giulini ist am Dienstagabend im Alter von 91 Jahren gestorben. Der 1914 in der süditalienischen Stadt Barletta geborene und in Bozen aufgewachsene Künstler starb in einer Klinik in der lombardischen Stadt Brescia, in der er zuletzt lebte, teilten seine Familienangehörigen mit. Giulini war seit mehreren Monaten schwer krank.


    Das Begräbnis wird in Bozen stattfinden, wo sich die Kapelle der Familie Giulini befindet. Giulini galt als ein Meister seines Fachs. Sein ausgeprägter Hang zum Perfektionismus und seine Abneigung gegen glamouröse Auftritte brachten ihm den Ruf des "heiligen Carlo" ein. Er selbst sah sich stets als "Diener der Musik". In Österreich war Giulini von 1973 bis 1976 als Leiter der Wiener Symphoniker

    Herzliche Grüße
    Uranus

  • Alle Achtung,


    das Forum ist ja schneller informiert als der größte Teil der Klassik-Welt. Langsam sickert die Nachricht auch in Deutschland durch, während Österreich schon lange Bescheid weiß.
    Noch ein kleiner Tip: Diese traurige Nachricht wird wahrscheinlich die Klassikradioprogramme wie auch vielleicht niveauvolle Fernsehsender veranlassen, besondere Sendungen über Giulini noch heute zu senden, sofern sie wissen, wen die Welt da verloren hat. Also Achtung!


    nubar

  • Hallo nubar,
    ich wünschte, Du hättest Recht, aber dafür, dass die Fernsehsender reagieren, war Giulini vielleicht nicht prominent genug.
    Am ehesten zuzutrauen hier in Deutschland wäre es wohl Arte oder 3Sat - mal sehen. Für Hinweise auf etwaige Sendungen wäre ich jedenfalls dankbar!

    Herzliche Grüße
    Uranus

  • Mit Giulini ist der letzte Dirigent des "großen Jahrgangs" 1914 (neben Giulini wurden dort Sir Georg Solti, Rafael Kubelik und Ferenc Fricsay geboren) verstorben.

    Grüße aus der Nähe von Hamburg


    Norbert


    Das Beste in der Musik steht nicht in den Noten.

    Gustav Mahler


  • Hallo,


    auf der ergebnislosen Suche nach Sendungen über Giulini bin ich auf folgende Sache gestoßen:
    Die verschiedenen Internetartikel über den Tod des Maestro geben unterschiedliche Todeszeitpunkte an - entweder Dienstagabend oder Mittwochnacht. Um diese Zeit (genau: 23:16 - 0:02) lief auf EinsFestival das 5.Klavierkonzert von Beethoven in der Bestzung ABM - Wiener Sinfoniker - Giulini. Makaber (aus jetziger Sicht) ist der Anlass: Am 12.06. war der 10.Todestag Arturo Benedetti-Michelangelis.

  • Der verstorbene große Dirigent Carlo Maria Giulini hat nicht mangels Bedeutung keinen eigenern Thread im Forum, es gibt einen anderen Grund dafür:


    Wie bekannt hatte ich meine Finger in einem anderen Forum im Spiel.
    Dort war ein Thread zum Thema Giulin gestartetet worden
    Als wir vor einem Jahr dieses Forum gründeten hinterließ ich den dort brandneu.


    Da ein Großteil der damaligen Forianer mit mir hierher übersiedelte war es schwierig das Them neu aufzurollen, hatten damals schon die Threads über Karajan und Bernstein aus ähnlichen Gründen kaum Resonanz.


    So wurden etliche Themen auf später verschoben.


    Ich werde in den nächsten Tagen diesen Nachrufthread zu den (traurigen) Neuigkeiten aus der Klassikwelt verschieben und einen
    neuen starten, der sich mit den Verdiensten des Maestro und mit seinen herausragenden Einspielungen beschäftigt



    Er ruhe in Frieden


    Alfred

    Die Hauptaufgabe eines guten Forenbetreibers ist: AN ALLEM SCHULD ZU SEIN

    Tut er das nicht, dann ist er eigentlich überflüssig....


  • Norbert:


    Zitat

    Mit Giulini ist der letzte Dirigent des "großen Jahrgangs" 1914 (neben Giulini wurden dort Sir Georg Solti, Rafael Kubelik und Ferenc Fricsay geboren) verstorben.


    Hallo Norbert, auf Kubelik und Fricsay trifft das zu mit dem Jahrgang 1914. Solti jedoch, war ebenso wie Günter Wand und Sergiu Celibidache
    ein Dirigent des "großen Jahrganges 1912" !


    Giulini wird seinen Platz als einer der tiefschürfendsten Dirigenten des
    20. Jahrhunderts behaupten können; allein seine Verdi- und Bruckner-Interpretaionen (welch ein Kontrast !), sichern ihm einen Platz im Parnass. Ich habe ihn immer wieder live erleben dürfen und schon zu Zeiten, als er noch "aktiv" war, gab es kaum jemanden, der charismatischer war. Davon kann man heutzutage allenfalls träumen.


    Vor zwei Jahren versuchte er noch einmal, das Orchester der Mailänder Scala zu dirigieren; eine ganze Weile stand er völlig unbewegt am Orchestergraben und sagte dann mit leiser, brüchiger Stimme: "Es tut mir leid, meine Herren, ich kanns nicht mehr, es ist nur noch Leere in mir"...

    Das geht über das Sagbare hinaus. Das läßt sich nicht deuten und bedarf keiner Deutung. Es kann nur gehört werden. Es ist Musik. (H.H.Jahnn)

  • Zitat

    Original von BigBerlinBear



    Hallo Norbert, auf Kubelik und Fricsay trifft das zu mit dem Jahrgang 1914. Solti jedoch, war ebenso wie Günter Wand und Sergiu Celibidache
    ein Dirigent des "großen Jahrganges 1912" !


    Stimmt. 1914 wurde noch Kyrill Kondraschin geboren, 1912 Leinsdorf, Ferdinand Leitner, Sandor Vegh und Kurt Sanderling, der als einziger noch lebt.


    Welch unerschöpflichen Reichtum herausragender Dirigenten haben diese beiden Jahrgänge geliefert...

    Grüße aus der Nähe von Hamburg


    Norbert


    Das Beste in der Musik steht nicht in den Noten.

    Gustav Mahler


  • ja, welch verlust ... und ich gestehe, daß vielleicht seine bescheidenheit ihn auch bei mir nicht zu den meistgesammelten dirigenten :D gemacht hat . das soll sich ändern ...grandios empfinde ich die 9. von bruckner, auch die franck-symphonie ....
    welche aufnahmen sind ein muß, welche empfehlt ihr ? (dachte an 7 + 8 von bruckner, auch die eoica? ) was noch?
    viele grüße

    --- alles ein traum? ---


    klingsor

  • Ein Wunder ist auch Mahlers Neunte aus Chicago. Nicht überemotional aber trotzdem goldrichtig.




    Und für das kleine Vergnügen zwischendurch:


    Das meiner Meinung nach beste Album von Rossini-Ouvertüren. Giulini holt da wirklich alles raus, mit viel Charme und Dramatik gleichzeitig.