"Dunkel war er und fremd wie die Nacht, und doch war mir so wohl dort!" - Der Komponist Leos Janácek

  • Danke, lieber William, ich hatte nichts anderes erwartet!

    Mitten in der großen natürlichen Barbarei ist es den Menschen manchmal gelungen, kleine, warme, von der Liebe besonnte Plätze zu schaffen. Kleine, abgekapselte reservierte Bereiche, in denen Intersubjektivität und Liebe herrschten (Michel Houellebecq, Elementarteilchen)

  • Nun habe ich die "Glagolitische Messe" auch auf Blu Ray und ich muss sagen, dass ich so einen viel unmittelbareren Zugang zu ihr gefunden habe. Seit Jahren sammle ich Vokalwerke vorzugsweise auf DVD oder Blu Ray, allerdings auch Orchesterwerke zunehmend. Es simuliert so ein wenig das Konzerterlebnis, nach dem Motto: Auch mit den Augen kann man hören. In der Tat ist das Konzerterlebnis, aber auch das Hören und Sehen einer so großartigen Aufnahme wie dieser:


    für mich umfassender und tiefer gehend, vor allem hier, da die Glagolitische Messe den von Janacek vertonten Messtext des glagolitischen Ritus, d. h. das ins Kirchenslawische übersetzte Ordinarium der katholischen Messe enthält .
    Bevor ich aber einen größeren Hörbericht über die Messe anfertigen könnte, müsste ich sie besser kennen. Vielleicht kommt ja irgendjemand auf die Idee, einen Thread über die glagolitische Messe zu eröffnen. Ich habe beim Durchlesen dieses Threads etliche Herrschaften entdeckt, die über die glagolitische Messe gesprochen haben und auch noch im Forum weilen.
    Was in aller Kürze ist also das Faszinierende an dieser Messe, denn fasziniert hat sie mich zweifellos. Ausgehend von der mitreißenden Interpretation, tut sich ein faszinierender Blick (Höreindruck) auf eine vielschichtige grandiose Rhythmik mit einem teils dramatischen Vorwärstdrang, aber auch ein weiter Blick auf lyrische Sequenzen eines mit Land und Volk verwurzelten mitreißenden Werkes auf, das ich mir sicherlich noch mit anderen Aufnahmen weiter erschließen werde.
    Zu erwähnen sind neben dem Rundfunkorchester des Bayerischen Rundfunks, einem der besten europäischen Klangkörper, vor allem in der Zeit seit 2003 geworden, seit Mariss Jansons dort als Nachfolger von Lorin Maazel Cherfdirigent wurde. Ich kenne ihn und das Orchester nicht nur von der GA der Beethoven-Sinfonien auf DVD, die ich vor einigen Jahren erwarb und die er komplett in der Suntory Hall in Tokyo aufgenommen hatte, sondern auch von einem Live-Konzert noch einige Jahre früher, als er in der Berliner Philharmonie in einem grandiosen Konzert Verdis Requiem dirigeirte.
    Nun habe ich den vorhin begonnenen Satz nich beendet. Zu erwähnen sind also außerdem Mariss Jansnons selbst, der wie immer sein Orchester ständig unter Dampf hielt, dann der ebenfalls herausragende Chor des BR und die beiden Solisten Tatiana Monogarova, Sopran und Ludovit Ludha, die den solistischen Hauptpart übernahmen.
    Aber auch von der Organistin Iveta Apkalna war ich hingerissen. Denn die Orgel hat in diesem achtteiligen Werk Janaceks an vorletzter Stelle ein Solo. Iveta Apkalna ist in der neuen Elbphilharmonie Titularorganistin.
    Die Messteile sind im Einzelnen:


    Introduktion (orchestral) - Kyrie - Gloria - Credo - Sanctus - Agnus Dei - Orgelsolo - Intrada (orchestral).


    Die Galgolitische Messe war ein krönender Abschluss eines erfüllenden Konzertes, das als ersten Programmpunkt eine ebenso überzeugende Zweite Brahms hatte.


    Liebe Grüße


    Willi :)

    1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
    2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

  • Die Galgolitische Messe war ein krönender Abschluss eines erfüllenden Konzertes, das als ersten Programmpunkt eine ebenso überzeugende Zweite Brahms hatte.

    Erfüllendes Konzert - erfüllter, zum Miterleben anregender Bericht. Danke, lieber Willi.


    Herzlichst
    Hans

    Umfassende Information - gebündelte Erfahrung - lebendige Diskussion- die ganze Welt der klassischen Musik - das ist Tamino!

  • Ich danke dir, lieber Hans. Ein Lob aus deinem Munde ist fast ein Ritterschlag.


    Liebe Grüße, auch an deine liebe Frau


    Willi :)

    1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
    2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

  • Offensichtlich hat Mariss Jansons die restaurierte Originalversion gewählt, was bedeutet, dass die Intrada/Introduktion jetzt am Anfang (das ist neu) und am Ende gespielt wird.
    Ich habe eine CD mit dänischem Orchester (Leitung Charles Mackerras), die ich weder bei jpc noch bei Amazon finden kann.
    Die Glagolitische Messe ist insgesamt auf CD gut vertreten. Der Schluss mit Orgelsolo und Intrada gehört zu den fulminantesten Schlüssen der Musikgeschichte. Darin war Janacek sowieso ein Meister, wenn ich an die Schlüsse von Jenufa, Katja, Osud, Makropulos und Totenhaus denke, wobei es grandiose Schlüsse auch bei Aktschlüssen gibt, etwa in der Jenufa, wenn die Küsterin mit dem Baby hinauseilt.

    Mitten in der großen natürlichen Barbarei ist es den Menschen manchmal gelungen, kleine, warme, von der Liebe besonnte Plätze zu schaffen. Kleine, abgekapselte reservierte Bereiche, in denen Intersubjektivität und Liebe herrschten (Michel Houellebecq, Elementarteilchen)

  • Die neuen Janácek-Einspielungen von Tomás Netopil, finde ich, gehören zu den besten!

    Die Glagolitische Messe übrigens in der Fassung von September 1927.

    Lieber Adriano, Dein Hinweis auf die Messe in der früheren Fassung von 1927 lässt mich aufhorchen. Gewöhnlich ist ja immer nur von Glagolitischer Messe die Rede. Es gibt so gut wie nie einen Hinweis auf die jeweilige Fassung. Wenn ich richtig informiert bin, hat sich in der Aufführungspraxis die Ausgabe letzter Hand durchgesetzt. Ist das aus Deiner Sicht gerechtfertigt? Existiert noch eine andere Produktion der 1927er Version auf Tonträgern?

    Es grüßt Rheingold1876


    "Was mir vorschwebte, waren Schallplatten, an deren hohem Standard öffentliche Aufführungen und zukünftige Künstler gemessen würden." Walter Legge (1906-1979), britischer Musikproduzent

  • Lieber Adriano,


    sehr spannend! Mein Favorit ist die alte Ancerl-Aufnahme, die ist einfach unglaublich mitreißend und klingt sehr "slavisch".



    Ich mag dieses Werk mit seiner unbändigen Kraft und Lebensenergie sehr. Da muss ich mir die Aufnahme mit der Urfassung doch auch noch besorgen.


    Du hattest auch anderswo auf die neueren Aufnahmen von Tomas Netopil hingewiesen. Die müsste ich mir ebenfalls noch zulegen als großer Janacek-Liebhaber :) :



    Liebe Grüße

    Holger

  • Netopil ist Chefdirigent in Essen, hat aber meines Wissens dort noch keinen Janacek aufgeführt.

    Mitten in der großen natürlichen Barbarei ist es den Menschen manchmal gelungen, kleine, warme, von der Liebe besonnte Plätze zu schaffen. Kleine, abgekapselte reservierte Bereiche, in denen Intersubjektivität und Liebe herrschten (Michel Houellebecq, Elementarteilchen)