Verdis MESSA DA REQUIEM - ein Ballett, oder vielleicht eine Oper?

  • Vor drei Jahren ging Christian Spuck in Zürich das Wagnis ein, zu Verdis Requiem eine Choreografie einzurichten. Nach anfänglicher Skepsis bei Musikliebhabern, hat sich das getanzte Requiem zu einem wahren Renner entwickelt. Zu den geplanten 9 Vorstellungen kam noch eine zusätzliche und die Gesamtauslastung lag bei unglaublichen 99%. In der nächsten Spielzeit gibt es eine Wiederaufnahme. Damit Interessenten einen Einblick bekommen, stelle ich hier zwei Videos des getanzten Requiems ein. Was ist Eure Meinung, habt Ihr schon ähnliche Projekt gesehen?


    „Denn das weiss das Publikum nicht und mag es nicht wissen, dass um ein Kunstwerk zu empfangen, die halbe Arbeit an demselben vom Empfänger selbst verrichtet werden muss. Ferruccio Busoni

    In diesem Sinne grüsst Richard


  • Souffleur

    Hat den Titel des Themas von „Verdis MESSA DA REQUIEM ist keine Oper, aber ein Ballett“ zu „Verdis MESSA DA REQUIEM - ein Ballett, oder vielleicht eine Oper?“ geändert.
  • Eigentlich ist das nichts Neues.

    John Neumeier hat mehrere Sinfonien von Mahler als Ballett gestaltet, u.a. die 4., die 5., die 6. und die Neunte. Ich glaube auch, daß er das lied von der Erde und Lieder aus des Knaben Wunderhorn verballettiert hat. Allerdings habe ich das alles nicht gesehen.


    In Erinnerung ist mir aber eine TV-Aufführung der getanzten 3. Sinfonie von Mahler geblieben. Ich fands großartig, es kann aber sein, daß er damit auch Ablehnung erfahren hat.


    Selbst das Thüringer Staatsballett Gera gibt sich nicht damit zufrieden, "offizielle" Ballette zu bringen. Das letzte, was ich sah, war die vertanzte Faustsinfonie von Franz Liszt, auch vertanzter Wagner mit den Wesendonck-Liedern u.a. habe ich live erlebt. Die Choreographen geben sich nicht mehr damit zufrieden, zum x-ten Male

    Petipa zu kopieren (obwohl er Maßstäbe setzte), sondern fühlen sich nur bestätigt, wenn sie eigene Kreationen an den Mann bringen können. Und manches hat mir sogar gefallen.


    Das kann man lange, lange fortsetzen.


    Herzlichst La Roche

    Ihr wißt, auf unsern deutschen Bühnen probiert ein jeder, was er mag - Goethe, Faust, Vorspiel auf dem Theater, Aussage des Theaterdirektors

  • Das Besondere am Requiem ist aber der Inhalt, der religiös ist (obwohl Verdi nicht besonders religiös war) mit einem Text in Latein.

    „Denn das weiss das Publikum nicht und mag es nicht wissen, dass um ein Kunstwerk zu empfangen, die halbe Arbeit an demselben vom Empfänger selbst verrichtet werden muss. Ferruccio Busoni

    In diesem Sinne grüsst Richard


  • Bereits seit 2001 hatte die Deutsche Oper Berlin das Requiem von Verdi in einer Inszenierung von Achim Freyer im Spielplan.

    Zuletzt habe ich die Produktion 2018 besucht!



  • Eigentlich ist das nichts Neues

    Genau so ist es, wie ich bereits in einem Vorstellungsttread gesagt hatte, bin ich zur Musik Gustav Mahlers speziell über Ballette von John Neumeier gekommen, mit denen das Hamburger Ballett hier in Dresden gastierte. So 1992 die Sinfonie Nr. 5 und Wunderhornlieder sowie die Sinfonie Nr. 9. Danach habe ich mir alle Sinfonien von Mahler zugelegt und bin in alle Konzerte gegangen, die seine Musik brachten.

    1995 erfolgte das Gastspiel mit der Matthäuspassion, in der Neumeier selbst den Jesus getanzt hat, falls ich mich nicht falsch erinnere (müsste im Programmheft nachsehen). 1995 dann Mozarts Requiem. Von dem bereits verstorbenen Uwe Scholz habe ich 2 mal die „Schöpfung“ erleben können (2003 / 2006) sowie das Handlungsballett „Rot und Schwarz“ mit der Musik von Berlioz. Alle Ballette waren großartige und bleibende Erlebnisse.

  • Was ist Eure Meinung, habt Ihr schon ähnliche Projekt gesehen?

    Ich habe mir vor einiger Zeit eine Fernsehaufzeichnung der Ballett-Version aus Zürich angeschaut und fand die Darbietung zumindest musikalisch tadellos. Besonders in Erinnerung geblieben sind mir dabei Zeppenfeld und Frau Styanova. Was allerdings das Gesamtergebnis angeht, so ist die Performance für mich zwar "hübsch" anzuschauen, aber leider nicht zu entschlüsseln. Das mag allerdings auch daran liegen, dass ich noch nie einen wirklichen Zugang zum Ballett bzw. zum (modernen) Tanztheater gefunden habe. Zudem scheine ich ohnehin besser mit einer einigermaßen konkreten "Story" zurecht zu kommen, denn auch Bietos szenische Umsetzung des Verdi-Requiems hier an der Hamburger Staatsoper - von mir liebevoll als Ingvar Kamprad-Gedächtnisinszenierung tituliert - konnte mich nicht wirklich überzeugen:


    mfG Michael


    Eine Meinungsäußerung ist noch kein Diskurs.

  • Was allerdings das Gesamtergebnis angeht, so ist die Performance für mich zwar "hübsch" anzuschauen, aber leider nicht zu entschlüsseln.

    Vielleicht gibt es nichts zu entschlüsseln, dazu findet sich in der Beschreibug des Opernhauses:


    Obwohl er kein Anhänger der katholischen Kirche war, hat Verdi in seiner 1874 uraufgeführten Totenmesse den lateinischen Text des katholischen Sterbeamts vertont. Sein Requiem zielt nicht auf kirchlich-religiöse Botschaften, sondern auf die letzten Fragen des menschlichen Daseins im Allgemeinen. Dementsprechend hat auch Christian Spuck keine Schreckensbilder des Jüngsten Gerichts (von denen der lateinische Messetext handelt) in Szene gesetzt, sondern sich an einer abstrakten Visualisierung der Musik versucht. Seine Inszenierung nimmt den Menschen im Angesicht des Todes in den Blick und begibt sich auf eine feinfühlige Spurensuche nach dem Woher und dem Wohin des Menschen zwischen furchterregender Todesnähe, Vereinsamung, solidarischer Gemeinschaft und Trauerverarbeitung. Mit einer behutsamen Bewegungsregie setzt Christian Spuck den grossen Chor und das Sängersolisten-Quartett in Beziehung zu den Tänzerinnen und Tänzern des Balletts Zürich, die vom solistisch getanzten Schrecken im Dies Irae bis zum intimen Pas de deux im Agnus Dei die enorme Spannweite der Dramatik von Verdis Musik ausagieren.


    „Denn das weiss das Publikum nicht und mag es nicht wissen, dass um ein Kunstwerk zu empfangen, die halbe Arbeit an demselben vom Empfänger selbst verrichtet werden muss. Ferruccio Busoni

    In diesem Sinne grüsst Richard


  • Erstaunlich finde ich aber das Mozart Requiem Pferdeballett Mozartwoche Salzburg 2018

    Das lässt mich vollkommen ratlos zurück



    „Denn das weiss das Publikum nicht und mag es nicht wissen, dass um ein Kunstwerk zu empfangen, die halbe Arbeit an demselben vom Empfänger selbst verrichtet werden muss. Ferruccio Busoni

    In diesem Sinne grüsst Richard


  • Ich habe das Salzburger Pferdeballett nach KV626 auch gesehen und war überrascht, wie einfühlsam sich die Pferde zu Mozarts Totenmesse bewegten. Der Aufmerksamkeits-Focus lag dabei freilich nicht beim Dies irae, dies illa.

    Die kleine Abweichung vom Hauptthema bitte ich zu entschuldigen.