Spektralismus: Was ist das eigentlich und ... kenne ich solche Musik schon?

  • Ich bin durch die Diskussionen hier im Forum auf den Begriff Spektralmusik gestoßen worden. Tatsächlich kannt cih schon Musik, die wohl dazugezählt, ohne mir jemals über die Theorie auch nur einen Gedanken gemacht zu haben.


    Hier nun ein paar Webschnitzel zu Thema. Jeder der Dokumente zur Erklärung dieser Musik einstellen will oder Beispiele ist herzlich dazu aufgerufen.






  • Was war das nun für Musik, die ich lange vor dem Begriff kannte und die dem Spektarlismus zugeordnet wird. Eys waren Werke des rumänischen Komponisten Horatiu Raduslescu (*1942-†2008). Seine Musik wirkt auf mich fast ein bisschen magisch ....


    Sein Streichquartett Nr 5 aus dem Jahre 2003, einmal vom amerikanisch JACK Quartet



    und einmal vom Kölner Asasello Quartett aus dem Kolumba Museum



    Vielleicht noch ein Bild zum Kölner Kolumba Musueum. Ein Werk, was deutlich auf die kulturellen Folgen des Krieges hinweist:


    maxresdefault.jpg




    und



    800px-St._Kolumba_K%C3%B6ln_-_Di%C3%B6zesanmuseum_-_Ausgrabungen_1.jpg

  • Ich habe mal den wikipedia-Artikel durchgelesen, der schaut doch gut aus ... entspricht jedenfalls dem, was ich so diffus im Kopf hatte. Nur die Auswahl der Komponisten - ich weiß nicht.

  • Über die Spektralisten gab es mal einen Vortragsabend mit Musikbeispielen der rührigen Cooperativa Neue Musik in Bielefeld, den ich miterleben konnte. Referent war Ulrich Maske, der die Veranstaltung (nicht das erste Mal!) bei sich zuhause abhielt und wirklich sehr viel für die Cooperativa getan hat. Vorgestellt wurde u.a. Gerard Grisey. Die Musik fand ich sehr eindrucksvoll und wie immer war es bei Ulrich Maske sehr nett - auch das Publikum! :)


    Schöne Grüße

    Holger

  • ich frage mich ja immer, wer sich so etwas anhört … 😮‍💨


    Viele Grüße, Holger

    "Es ist nicht schwer zu komponieren.
    Aber es ist fabelhaft schwer, die überflüssigen Noten unter den Tisch fallen zu lassen"
    Johannes Brahms

  • Ich habe mal den wikipedia-Artikel durchgelesen, der schaut doch gut aus ... entspricht jedenfalls dem, was ich so diffus im Kopf hatte. Nur die Auswahl der Komponisten - ich weiß nicht.

    Danke, habe Spektralmusik gelesen. Georg Firedrich Haas, den Du vor einiger Zeit einmal erwähnt hattest zählt also auch dazu. Das mit den Spektren kann man leicht nachvollziehen. Das mit der Zeit ist für mich schwieriger...


    Ein wichtiges Merkmal der Spektralmusik ist der Aspekt der „gestreckten Zeit“. Hierbei wird ein Klang nicht verstanden als Tonhöhen und Akkord in der Zeit, sondern wie in der elektroakustischen Musik als Verhältnis von Frequenz zu Zeit. Die Tonhöhen sind also Frequenzen und müssen wie diese behandelt werden, hierbei benutzt man die Mikrotonalität und die Annäherung an Viertel, Achteltöne und weitere Unterteilungen.


    Das Tonhöhen Frequenzen sind überrascht mich jetzt nicht ;). Was soll es bedeuten, dass sie alös solche behandelt werden müssen ....??

  • Ein Beispiel für eine inharmonische Spektralmusik (nach Wikipedia). Auch unwissentlich (ohe theoretischen Background) schon länger bei mir im Schrank ....


    Tristan Murail Winter Fragments für Flöte, Klarnette, Violine, Cello, Klavier und Elektronik aus dem Jahre 2000. Es spielt das Argento Ensemble


  • Das zweite Streichquartett von Georg Friedrich Haas aus dem Jahrer 1998 wurde im ersten Beitrag als Beispiel für Spektralmusik bewertet. Also hier kommt es nun eingespielt vom Kairos Quartett mit Noten



    aber viel wichtiger ist selbstverständlich das Spektrum ... hier nun dieselbe Einspielung mit Spektrogramm




    und hier zum Bestellen :), wenn es denn so einfach wäre


  • Ulrich Maske hatte damals u.a. Teile aus einer spektralistischen Oper vorgeführt - einer ich glaube skandinawischen Komponistin. Der Name ist mir aber entfallen. Vielleicht kann mir Axel da auf die Sprünge helfen... ;) :hello:

  • ich frage mich ja immer, wer sich so etwas anhört … 😮‍💨


    Ich möchte mich hier gar nicht nennen .... :)


    Ich zitiere mal aus einem youtube Channel, wo das zweite Streichquartett von Georg Friedrich Haas über 190.000 mal siet Einstellen im Mai 2015 angeklickt wurde.(!!!) was mich selbst überrascht ..


    This is far beyond my intelligence level, but as a music lover and listener, I have recently discovered your compositions. My personal take away with this piece, is that it is filled with so emotion for me, captivation and pain. It's like hearing the reality that we ignore because it's too painful or we choose to put blinders on. in really simple terms, this is amazing and complex for absence of melody. It speaks a different language, one that is uncomfortable for me to hear, yet is intriguing and I want to explore more. It speaks volumes that words cant seem to define or articulate. wow (in a good way)


    Also wer hört die Musik


    Böse Menschen natürlich. Siehe Hollywood: Der Böse hört Klassik.

    S

    elbstverständlich hat unser werter Kollege kurzstueckmeister recht, denn ein weiterer youtube-Hörer schrieb


    Everyone is talking about how this reminds them of machines, engines, highways and airplanes. For me, this music sounds like the sounds one would hear in hell. The waves that would struck your ears when you enter it, just like the entry to this work, inducing hallucination. And the sighs and cries you hear when you're already deep inside of it, alike the ones of those who are dwelling and stewing hell.

  • Ulrich Maske hatte damals u.a. Teile aus einer spektralistischen Oper vorgeführt - einer ich glaube skandinawischen Komponistin. Der Name ist mir aber entfallen. Vielleicht kann mir Axel da auf die Sprünge helfen... ;) :hello:

    Opern! Lieber Holger, da bist Du bei mir wiklich beim Falschen gelandet. Ich kenne nur eine einstellige (oder kleine zweistellige) Anzahl überhaupt :(....


    Wenn ich spekulieren darf: Einiges von Kaija Saahriaho erinnert mich an Spektralmusik ... Sie hat eine Oper über Simone Weil geschrieben, die Schwester Andrés, "La passion de Simone", die ich leider noch nicht kenne, mir aber für irgendwann vorgenommen habe. Ob die jetzt spektralistsich ist, mögen bitte kompetentere Kollegen beurteilen, eine theoretische Möglichkeit bestünde.

  • Wenn ich spekulieren darf: Einiges von Kaija Saahriaho erinnert mich an Spektralmusik ... Sie hat eine Oper über Simone Weil geschrieben, die Schwester Andrés, "La passion de Simone", die ich leider noch nicht kenne, mir aber für irgendwann vorgenommen habe. Ob die jetzt spektralistsich ist, mögen bitte kompetentere Kollegen beurteilen, eine theoretische Möglichkeit bestünde.

    Lieber Axel,


    das könnte in der Tat Saahriaho gewesen sein! Wegen des komplizierten Namens habe ich ihn nicht behalten - Opern höre ich auch eigentlich nicht auf CD, so dass ich mir sowas nicht kaufe. :D :hello:


    Schöne Grüße

    Holger

  • Georg Friedrich Haas hat sich "wiederholt und explizit außerhalb der musique spectrale" positioniert.

    https://books.google.at/books?…s%20spektralmusik&f=false

    (S. 560)

    Auch bei "Interesse für die kompositorische Auslotung des Grenzbereichs zwischen Harmonik und Klangfarbe" und "Auseinandersetzung mit psychoakustischen Schwellenphänomenen". (S. 559)

    Wie gesagt ist die Aufzählung der Komponisten der Schwachpunkt des Wikipedia-Artikels. Die Liste sollte überhaupt gelöscht werden und Haas wäre als "im Umkreis des Spektralismus" zu nennen. Schließlich wird ja die Analyse aufgenommener Klänge als Grundlage der Kompositionen beschrieben - so etwas hat Haas doch nie gemacht.

  • Georg Friedrich Haas hat sich "wiederholt und explizit außerhalb der musique spectrale" positioniert.

    https://books.google.at/books?…s%20spektralmusik&f=false

    (S. 560)

    Auch bei "Interesse für die kompositorische Auslotung des Grenzbereichs zwischen Harmonik und Klangfarbe" und "Auseinandersetzung mit psychoakustischen Schwellenphänomenen". (S. 559)

    Wie gesagt ist die Aufzählung der Komponisten der Schwachpunkt des Wikipedia-Artikels. Die Liste sollte überhaupt gelöscht werden und Haas wäre als "im Umkreis des Spektralismus" zu nennen. Schließlich wird ja die Analyse aufgenommener Klänge als Grundlage der Kompositionen beschrieben - so etwas hat Haas doch nie gemacht.

    Leider wird mir die Seite von google Books nicht angezeigt, veilleicht in Deutschland ein Rechteproblem, dass es eventuell in Österreich nicht gibt. Deswegen ist bei uns ja auch das kulturelle Niveau so hoch ;)


    Verstehe ich das richtig, dass man von einem "echten" Spektralisten nur dann sprechen kann, wenn Grundlage eine Spektralanlyse von Aufnahmen realer Klänge ist? Wie sähe denn dann eine Liste von Spektralisten vs. Komponisten im Umfeld aus?

  • Ich glaube, die Seiten, die man zu sehen bekommt, wechseln. Vielleicht scrollst Du etwas nach oben, und sie taucht doch noch auf, weil mein Link auf eine Seite außerhalb der Vorschau zielt.


    Deine Fragen kann ich nicht mit Sicherheit beantworten. Womöglich gibt es dazu ja auch unterschiedliche Meinungen, nur ist der Wikipedia-Artikel insofern problematisch, als er zuerst den Spektralismus im enderen Sinne beschreibt und dann Komponisten, die nur in weiterem Sinne oder gar im weiten Umfeld oder als "Ahnherren" dazugehören dürften. (Vielleicht so, wie Franz Liszt bei Zwölftonmusik nennen, weil in der Faust-Sinfonie ein 12-Ton-Thema vorkommt.)


    Die beiden Komponisten im Zentrum der Spektralmusik sind Grisey und Murail, von den beiden ist Grisey der berühmtere. Die "reinste" Phase endet in den 80er Jahren.

  • Die beiden Komponisten im Zentrum der Spektralmusik sind Grisey und Murail, von den beiden ist Grisey der berühmtere. Die "reinste" Phase endet in den 80er Jahren.

    Wie sieht denn die Welt für den Rezipienten aus? Ist es möglich beim Hören zu erkennen, ob die im Werk vorgestellte Obertonreihe nun einem tatsächlichen Klang abgelauscht ist oder einfach nur ein Experiment mit Obertönen ist.


    Gefühlt war ich eigentlich recht froh, die beiden Streichquartette von Haas in diese Richtung einordnen zu können. Das hat mir beim Zuhören vermeintlich etwas weitergeholfen.

  • Ich bin schon wieder überfragt, da nun wahrlich kein Spezialist für das Thema ...

    Ich denke aber, bei "in vain" kann man schon hören, dass da andere Spielereien stattfinden als bei den frühen, prozessualen Spektralmusiken der 70er Jahre von Grisey und Murail.

    Ich habe zwar mal mit den im wikipedia-Artikel genannten Programmen audiosculpt und c-sound gearbeitet, habe also insofern vielleicht mehr Vorstellung als andere Rezipienten, aber was genau Grisey und Murail mit den Frequenz-Analysen gemacht haben, weiß ich natürlich nicht, so wie generell ab ca. 1980 der Hörer eher im Dunkeln gelassen wird, wie die Komponisten genau arbeiten.


    Ich weiß nicht, ob im Wikipedia-Artikel genannt, aber der mich am meisten faszinierende Spektralmusik-Nachfolger ist Fausto Romitelli, der das mit Hardrock-Ästhetik verbindet ("professor bad trip").

  • Ich weiß nicht, ob im Wikipedia-Artikel genannt, aber der mich am meisten faszinierende Spektralmusik-Nachfolger ist Fausto Romitelli, der das mit Hardrock-Ästhetik verbindet ("professor bad trip").

    Vielen DAnk für den Hinweis. Werde mal schauen, ob ich etwas zu dem Komponisten finden kann. Ehrlichweise muss ich zugeben, dass mir die Spektralmusik (und das in ihrer Nähe entstandene) doch ziemlich gut gefällt. Allerdings habe ich den Eindruck, dass vieles einen recht ähnlichen Höreindruck hinterlässt .... Bleibe am Ball ....

  • Ich hab's schon! --- Überraschung! Hattest Du das schon einmal empfohlen .....?



    Das ist jetzt endgültig in der Hör-Queue ... Eine Livevorführung findet sich im Internet:


  • Leider wird mir die Seite von google Books nicht angezeigt, veilleicht in Deutschland ein Rechteproblem, dass es eventuell in Österreich nicht gibt. Deswegen ist bei uns ja auch das kulturelle Niveau so hoch ;)

    Lieber astewes


    ich bin zur Zeit in Deutschland und kann den Artikel aus dem Lexikon Neue Musik, herausgegeben von Jörn Peter Hiekel, Christian Utz, teilweise lesen. Bei mir erscheint ein gelber Balken. Ich habe oben rechts auf "Suche löschen" geklickt. Dann erscheint der Text, so ist es bei mir auf dem Laptop wenigstens. Gewisse Seiten werden nicht dargestellt. Bei diesen Seiten erscheint in einem hellblauen Balken ein Hinweis auf die Leseprobe.

    in einer Bibliothek einer Musikhochschule sollte dieses Werk vorhanden sein.


    Für mich ist dieser Thread, der sich nur lesend mit Musik beschäftigt, eine Bereicherung. Danke für das Eröffnen des Threads und das Weiten des musikalischen Horizontes.


    LG moderato

    .

    Früher war ich morgens froh, des Abends weint´ ich

    Jetzt da ich älter bin

    beginn ich zweifelnd meinen Tag

    doch heilig und heiter ist mir sein Ende.


    Friedrich Hölderlin

  • ich bin zur Zeit in Deutschland und kann den Artikel aus dem Lexikon Neue Musik, herausgegeben von Jörn Peter Hiekel, Christian Utz, teilweise lesen. Bei mir erscheint ein gelber Balken. Ich habe oben rechts auf "Suche löschen" geklickt. Dann erscheint der Text, so ist es bei mir auf dem Laptop wenigstens.

    Lieber moderato Bei mir funktioniert es auch. Ich hatte am Anfang nur etwas falsch gemacht ... Manchmal ist das Problem eben vor dem Bildschirm - :)

  • Ich habe eine kleine Vorführung zur Spektralmusik der Uinuversity of California in Davis gefunden. Erklärt wird nicht wirklich viel, aber hören kann man..


    Programm:


    Grisey: Anubis-Nous Michael Hernandez, solo bass saxophone

    Debussy: Cloches à travers les feuilles Michael Seth Orland, solo piano

    Murail: Feuilles à travers les cloches Joanna Martin, flute | Hrabba Atladottir, violin | Michael Graham, cello Michael Seth Orland, piano

    Grisey: Stele for Two Bass Drums Chris Froh

    Vivier: Paramaribo Joanna Martin, flute | Hrabba Atladottir, violin | Michael Graham, cello Michael Seth Orland, piano

    Bolaños: Tessellations Joanna Martin, flute | Hrabba Atladottir, violin | Michael Graham, cello Michael Seth Orland, piano


  • Der in der obigen Vorführung als letzter auftauchende Komponist Gabriel Bolaños hat auch ein kleines Video zum Spektralismus gemacht